Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 57 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 352 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 524 ,7־. Vn. 193t Probleme der Finanzierung Das Referat von Arlosoroff Zu Itr.gimt des Kongresses hielt bekanntlich Dr. i rlnsorofj, ict.-t Mitglied der Exekutive, ein großes Referat ״Probleme der pinan• irrung ries Palästina-Auf haus“, das wir aus Raummangel nicht wieder• geben konnten. Wir tragen hier eine Inhaltsangabe des mehr ab :'wrhlftndigrn Referates nach, Red. Meine Aufgabe ist, das allgemeine Problem eines finanzielten Aktionsplanes der Jewish Agency einer Untersuchung zu unterziehen. Das erscheint im gegenwärtigen Augenblick ein eigenartiges, vorwitziges Unternehmen. Die Konjunktur ist so schlecht wie möglich. Diesem Kongreß liegt das kleinste und mit alten Verpflichtungen am stärksten belastete Budget der Nachkriegszeit vor. Vom Standpunkt des großen Zionismus, wie wir ihn verstehen, ist das, was wir im ersten Jahrzehnt des Mandats erreicht haben, doch nichts mehr als Laboratoriums-Maßstab. Vielleicht kann man gerade, wenn man die Größe der Wirkung, die von dem heutigen kleinen Jischuw ln Palästina auf die jüdische und nichtjüdische Welt ausstrahlt, richtig abschätzen, welche Wirkungen von einer fortschreitenden Verwirklichung des Zionismus ausgehen werden. Aber die Verwirklichung des großen Zionismus hat eben noch nicht begönnen. Was wissen wir Heide aus den Erfahrungen des Jahrzehntes über den Kapitalbedarf der jüdischen Kolonisation im Verhältnis zur Einwanderung? Gehen wir von der Annahme einer durchschnittlichen Jahreseinwanderung von 20 000 aus, so lautet die Frage: Welche Kapitalgröße verfügungsbereit sein muß, um ihre gesunde und schnelle Verwurzelung in Palästina zu ermöglichen. Dr. Ruppin hat häufig davon gesprochen, daß bei der Ansiedlung eines landwirtschaftlichen Kolonisten (deren Kosten auf zirka £ 750 veranschlagt werden) und der Seßhaftmachung eines Einwanderers im Handwerk oder Kleinindustrie (die zirka £ 250 kostet) zwei weitere Einwanderer in freien Berufen als Händler, Lehrer oder Beamte, im Transportwesen usw. feste Beschäftigung finden können. Diese vier Ei!1w׳anderer־Einheiten kann man ihrer Personenzahl nach auf etwa 10—12 Personen veranschlagen. Die Summe von privatem Kapital, die diese Menschen mitbringen, ist etwa £ 800. Das würde rein schematisch einen durchschnittlichen Kapitalbedart von etwa £150 pro Einwanderer ergeben. Die eigentliche Kapitalinvestition der Juden in diesem Jahrzehnt ist ungefähr 18 Millionen Pfund, davon zirka 5 Millionen im Bau, 4 Millionen in Industrie und Handwerk, 4 Millionen im Boden und 5 Millionen in den landwirtschaftlichen Betrieben in nationaler und privater Hand. Das würde auf eine Einwanderung von rund 19000 Seelen einen empirischen Kapitalbedarf von zirka £ 200 pro Kopf bedeuten. Ich will soweit gelten, das Lehrgeld der Kolonisation mit 20״/״ zu veranschlageil und den durchschnittlichen Kapitalbedarf pro Einwanderer auf efwa £ 160 anzunehmen, dann würde bei einer durchschnittlichen Jahreseinwanderung von 20000 die notwendige Investition ungefähr £ 3200000 betragen. Diese Investition ist nicht mit unserm öffentlichen Budget identisch, sondern schließt daneben alle Kapitalien ein, die in Wirtschaftsinstituten oder Unternehmungen als Anlage oder langfristige Kredite verfügungsbereit gegeben sind. Unser Budget ist nur ein Teil eines umfassenden Finanzplanes. Vom Standpunkt der allgemeinen Frage, die ich heute zu behandeln habe, kann ich die Eingänge des KHJ und des KKL mit jährlich 6—7 Hunderttausend Pfund annehmen. Eine Berechnung ergibt, daß — wenn man vom russischen Judentum notgedrungenerweise absieht — jede jüdische Familie in der Wen durchschnittlich jährlich etwa 10 Shilling (davon 7 für den TCflJ und 3 für den KKL) zu den Palästinafonds beisteuert. ‘Der KH hat etwa »0000 Beifragszahler mehr oder weniger regelmäßig erfaßt. Das sind ungefähr 10 ״/» aller jüdischen Haushalte. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Fonds als solche ״versagt“ hätten. Der kritische Punkt in der Entwicklung der nationalen Fonds ist erst eingetreten, als man, anstatt sie in einem umfassenden Finanzplan einzubauen, sie zu den zentrafen ausschließlichen Finanz-Instrumenten der nationalen Kolonisation erhoben hat. Wir dürfen auf keinen Fall in unseren Bemühungen nachlassen, aus den Eingängen der nationalen Fonds das Maximum an ökonomischem Nutzen, an kolonisatorischem Wert herauszuwirtschaften, das nur menschenmöglich ist. Unser Budget muß produktiviert werden. Blicken wir auf die 10 Jahre der KH- Tätigkeit zurück, so ergibt sich, daß von den rund £ 4400 000 Einnahmen, nur etwa 27 «/o der Landwirtschaft, 1,5 ״/« der Industrie, 21 0/0 für Immigration und Arbeit aufgewandt worden sind. Das sind untragbare Proportionen. Wese Erkenntnis hat heute bereits breite Schichten des Jischuw ergriffen, und aus seinem Drang, soweit wie möglich jeden Shilling fiir die Ein- Wanderung und Seßhaftmachung neuer Juden in Palästina freizumachen, zu den Beschlüssen der Assefath Haniwcharim geführt, die die U e b e r f ii 11 r u 11 g des Schul- und Gesundheitswerkes in die Verwaltung und endgültige Verantwortung der Knesseth Israel zum Ziele haben. Hierher gehört die Frage der Herabsetzung der Verwaltungskosten. Diese Frage ist, wie bekannt, in der letzten Zeit sowohl in Palästina wie in der Diaspora zum Gegenstand einer skrupellosen Demagogie geworden, die nur ein einziges Resultat haben kann: die Bewegung über alles Maß zu deprimieren und zu verhetzen, das Niveau der zionistischen Beamtenschaft mit Gewalt herunterzudrücken. Das Problem ist meiner Ansicht nach nicht das Problem des einzelnen Gehaltes oder efficiency des einzelnen Beamten. Dagegen glaube ich, daß, wenn man die Verwaltungskosten unserer Bewegung, ihrer Institute, der halb- und dreiviertel - öffentlichen Institute und Organisationen summiert, man zu einer Gesamtziffer eines administrativen Budgets kommt, das für die Bewegung nicht tragbar ist. Ihrer normalen Funktion nach sollen die Fondsmittel dazu dienen: a) die Siediungsbeihilfen in der Landwirtschaff zu leisten, h) die industriellen Beihilfen an Unternehmungen, die entweder erst im Entstehen begriffen sind, oder für eine feste Kapitalbeteiligung wie auch für einen normalen Betriebskredit noch nicht in Frage kommen, zur Verfügung zu stellen (Industriefonds), c) die mit der Wanderung und öffentlichen Arbeiten verbundenen Ausgaben tragen, d) die Ratenzahlungen für Boden kaufe zu leisten, e) einen G a r a n t i e fo 11 d s für a 11 g em c i n c Kredit- Operationen, die im Zusammenhang mit dem Siedlungswerk stehen, zu bilden. Es muß ein Gedanke zurückgewiesen «׳erden, demzufolge unsere Spendenfonds ihre Eingänge nicht halten können, wenn man sie ihrer ausschließlichen Bedeutung entkleidet und in ein größeres System einordnet. Erst wenn man die Fonds aus einer Situation, der sie nicht zu genügen vermögen, rettet und ihnen im Rahmen eines einheitlichen Planes lebenswichtige Funktionen zuteilt, werden ihre Eingänge richtig zu wachsen beginnen. Aber hätten wir auch in der Tat unsere nationalen Spendenmittel planmäßig für das wachsende Siedlungswerk reserviert, so hätten wir noch immer nicht mehr als ein V i e r t e 1 b i s e i n Fünftel der Investitionsmittel bereit, die alijährlieh in Palästina zur Verfügung stehen müssen, wenn wir eine Durchschnittseinwanderung von 20 000 Immigranten gesund im Wirtschaftsleben des Landes verwurzeln wollen. Auf die Frage, wie wir die fehlende Kapitalmenge mobilisieren wollen, lautet die landläufige Losung: durch die Förderung der privaten Initiative. Obwohl die Arbeiterschaft immer wieder öffentlich erklärt hat, daß sie wirkliche private Initiative in der Palästinawirtschaft begrüßt, soweit sie nicht nur als Vorwand zur Zurücksetzung der nationalen Kolonisation dient, will ich das noch einmal mit allem Nachdruck betonen. Die private Wirtschaft hat im Laufe dieser Jahre ungefähr 8000 Arbeiter in Industrie und Handwerk, eine noch größere Zahl in den Pflanzungen aufgenommen. Zusammen bilden die in der privaten Wirtschaft beschäftigten Arbeiter etwa dreiviertel aller jüdischen Arbeiter im Lande. Die jüdische Investition in der palästinensischen Industrie beträgt nach dem Zensus der Exekutive £ 1 849 000 außer der Palestine Electric und der Paiestine Potash. Die Arbeiterorganisation ist nach wie vor bereit, darauf Rücksicht zu nehmen, daß die palästinensische Industrie jung ist und vor Erschütterungen möglichst bewahrt werden soll, sie ist nach wie vor bereit, Kollektivverträgen, Schlichtungsaus- Schüssen usw. zuzustimmen. Aber es bleibt die Frage: ist es wirklich möglich, daß wir uns, durch die Erfahrungen des Jahrzehntes belehrt, für die Zukunft auf die private Initiative verlassen und in unseren öffentlichen Wirtschafts- und Finanzaufgaben mit dem begnügen, was im Rahmen unseres Fondsbudgets geschehen kann? Die Kraft der nationalen Initiative und Kontrolle unter den Bedingungen unserer Arbeit in Palästina darf nicht ausgeschaltet werden. Nur die effektive nationale Kontrolle der zentralen Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen ermöglicht eine im Volkswirtschaftliehen Sinne wichtige Beeinflussung und Regulierung der Riehtung, die die private Investition nimmt. Wären z. B. zur Zeit der vierten Ali iah unsere Behörden aktiv und stark genug gewesen, um einen möglichst großen Teil des nach Palästina strömenden Privatkapitals schon damals in die Pflanz ungszone und die mittlere Industrie abzuienken und es vor Ueberkapitalisierung im Bau zu bewahren, so hätte das Kapitel der palästinensischen Wirtschaftsgeschichte, das auf die vierte Alijah folgt, anders ausgesehen, und wir wären von den gefährlichen Wirkungen der Krise bewahrt geblieben. Auch in einem Augenblick kritischer Entwicklung kann nur effektive nationale Kontrolle der Situation Herr werden. Es gibt umgekehrt ganze Wirtschaftszweige, die niemals durch private lnvestition allein geschaffen worden wären und für die die aktive nationale Initiative sowohl in der Rolle des Schrittmachers wie auch in der Kapitalbeteiligung unumgänglich notwendig ist. Welches sind die Aufgaben, die unserem nationalen Finanz- Programm durch die Expansion des Bereichs der privaten Wirtschaft erwachsen? Fragt man die Wortführer der Privatwirtschaft, was sie eigentlich unter der Förderung der Privatinitiative verstehen, so kann man sicher sein, in 99 von 100 Fällen die Antwort zu bekommen: Kredite. Was gemeint ist, ist nicht der reguläre Geschäftskredit, sondern gerade das Gebiet, das man mit besonderem Recht das Gebiet der Volkskolonisation nennen kann, der Kapitalbedarf des kleinen und mittleren Pflanzers und dessen, der mitten in der Anlage seiner Plantage Geld braucht, der Kapitalbedarf des kleineren und mittleren Industriellen, dem zu seinen privaten Mitteln Anlagekapital fehlt, oder der seine Unternehmung noch durch ein kritisches Anfangsstadium hindurchsteuern muß, der Kapitalbedarf des vorstädtischen Kleinsiedlers, der Arbeiter- Siedlung, die mit Mühe und Not ihr Minimum vom Kolonisaiionsdepartement bekommen hat und auf ihren weiteren wirfschaftlichen Ausbau bedacht ist. Schematisch gesprochen haudelt es sich hier hauptsächlich um folgende konkrete Aufgaben: a) Mobilisierung: 1. Der in der nationalen Kolonisation (den Siedlungen der Zionistischen Organisation) festgelegten Kapitalien, soweit sie nicht als Siedlungsbeihilfen, auf deren Rück- Zahlung nicht gerechnet werden kann, abgeschrieben werden, 2. der in der neuen Pflaiizungswirfschaft angelegten Kapitalien, die den privaten Pflanzern das Durchhalten während der sechs ertraglosen Jahre ermöglichen sollen. Dabei sollten Einzelpflanzungen nur bis 20 Dunam bevorschußt werden. b) Investitionen: 1. Beteiligung an jungen kapitalschwachen industriellen Unternehmungen, deren Geschäftsaussichten und nationalwirtschaftliche Wirkungen positiv beurteilt «׳erden, 2. Beteiligung an neu anzulegenden Pflanzungen von Siedlern entweder vom Arbeiter- oder vom Kleinmittelstands- Typus. c) Kredit: 1. Zwischenzeitkredite an die bestehenden Arbeitersiedlungen, am besten zu erreichen durch Kapitalerweiterung der Arbeiterbank, 2. Zwischenzeitkredite an Absatz-Genossenschaften der Produzenten — sowohl Milchproduzenten wie z. B. Bananen- und Mandelpflanzer, 3. Langfristige Abzahfungskredite an vorstädtische Klein- Siedler. Die Frage, wie für die Bedürfnisse der eben beschriebenen Art der Kapitalmarkt erschlossen werden kann, führt zu dem schon öfters erörterten Programm eines gut fundierten Investment-Trusts zurück, der gegen die Aktien oder Obligationen der verschiedenen für gut befundenen palästinensischen Unternehmungen, die er aufnimmt, seine eigenen festverzinslichen Obligationen ausgibt. Die Grundfrage im Zusammenhang mit dem Investment-Trust ist die, ob in der Tat eine so große finanzielle Organisation, die es ihren Investors schuldig ist, nach gesunden geschäftlichen Methoden zu verfahren, sich in der Tat an die Bedürfnisse einer Volkskolonisation anpassen kann. Ich glaube, gerade aus den Erfahrungen der Palestin* Economic Corporation, die immer nach diesen Methoden hat verfahren wollen, herauslesen zu können, daß glücklicherweise eine positive Lösung dieser Frage durchaus möglich ist. Die zweite Frage ist die Einordnung des Investments-Trusts in die Gesamtorganisatiou der Jewish Agency. Daß der Einfluß der Gesamtheit, die für das Ganze des Köionisationsplanes verantwortlich ist, auf einen solchen Trust sichergestellt werden muß, darüber besteht - zumindest in der Zionistischen Organisation - keine Meitiungsverschiedenheit, fn diesem Investmenttrust-Plan spielt Amerika eine bedeutende Rolle, wo eine Kommission, die vor der Washington- Konferenz vom 24. November 1929 eingesetzt worden ist, empfohlen hat, daß anstatt einer neuen Gründung die Palestine Economic Corporation durch eine angemessene Kapitalerweiterung instand gesetzt würde, diese Funktion auszuüben. Was die Spezialaufgabe der Finanzierung der Arbeiter- und Mittelstands - Kolonisation auf kleinen Flächen in der Orangenzone anbetrifft, so ist es übrigens keineswegs notwendig, sich auf den Investment-Trust allein zu verlassen. Eine der Möglichkeiten ist die der gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft für Klein- Pflanzungen. Dieser Typus findet jetzt in der ״Ansiedlung der Tausend“ zum ersten Male seine Anwendung in größerem Maßstabe. Die wirklich große Bedeutung dieses Versuches liegt für uns darin, daß es der erste Versuch ist, Arbeiterkolonisation unter Heranziehung von Privatkapital und außerhalb unserer Spendenmittel zu betreiben. Wenn es gelingt, woran ich r*cht zweifle, so eröffnen sich meiner Meinung nach gerade in dieser Kombination von privatem und nationalem Kapital große Möglichkeiten für die Arbeiterkolonisation auf der Grundlage der Pflanzung. Die zweite Möglichkeit ist die der kooperativen Finanzierung, die besonders für Mittelstands- Gruppen, welche Pflanzungen anlegen wollen, in Betracht kommen. Ihre Vorteile liegen vor allem in der Möglichkeit der Nutzbarmachung bestimmter Krcditquellen im Herkunftsland der Kooperativen für die Zwecke der Ansiedluiig. Im Zusammenhang mit der Schaffung eines Institutes für langfristige Agrarkredite taucht ein Spezial- Problem auf — das der Rolle der Staatshllfe in unserem Finanzpian. Das ist die Frage der Garantie der Palästina-Regierung für die Obligationen einer solchen Bank. Es gibt kaum einen besseren Prüfstein für die wirkliche Tatbereitschaft und aktive Wirtschaftsgesinnung der Regierung, als diese Frage. Es ist eine Stütze, die jede moderne Regierung einen! gesunden Wirlschaftsunternehmen dieser Art bietet, um seinen Weg zu erleichtern. Auch in den britischen Kolonien ist dieses Vorgehen nicht ohne Präzedenzfall. Damit sind aber die Möglichkeiten, in denen die Landesregierung uns in der Lösung dringender finanzieller Aufgaben behilflich sein kann, keineswegs erschöpft. Wir müssen sie nur zu nutzen verstehen Und uns nicht von einer langwierigen und nicht sofort erfolgreichen Aktion abschrecken lassen. Eine dieser Möglichkeiten ist die der Schaffung des ״Colonial Development Found“. Unter dem Colonial Development Act 1929 können Bewilligungen oder Anleihen an alle die britischen Besitzungen, die vom Colonial Office verwaltet werden, gegeben werden, mit dem Zweck, Landwirtschaft und Industrie in diesen Territorien zu fördern und zu entwickeln und dadurch gleichzeitig englischen Handel und Industrie zu unterstützen. Die Mandatsgebiete Palästina und Tanganjika sind ausdrücklich in die Kompetenz des Gesetzes eingeschlossen. Für den Colonial Development Found werden jährlich bis zu einer Million Pfund bew'illigt Nicht nur die Jewish Agency, die ja für Palästina eine Gesellschaft öffentlichen Rechtes ist, sondern auch der Nationalfonds oder irgendeine zur Durchführung eines bcstimmten Development-Projektes gebildete Gesellschaft ist in der Lage, die Gesuche für Kapitalbewilligungen oder Darlehen durch die Palästina-Regierung einzureichen. Im ganzen hat die Kommission im Laufe der ersten sieben Monate Gesuche aus 25 verschiedenen Kolonien, darunter auch aus Mandatsgebieten, geprüft und die meisten befürwortet. Unter den Regierungen, die sich mit keinem Gesuch an den Fonds gewandt haben, finden wir, was nicht Wunder nimmt, die Palästina-Regierung, die anscheinend ihren Development-Eifer erst zu einem späteren Zeitpunkt entdeckt hat. Es gibt bestimmte sehr komplizierte Entwicklungs-Aufgaben, die ohne eine solche Hilfe für lange Zeit überhaupt schwer durchführbar scheinen und mit einer Hilfe, die sich nur auf einen Bruchteil der Gesamtkosten des Projektes erstreckt, durchführen lassen, z. B. die Aufschließung des Chuie-Gebietes für close settlement. Die dritte Richtung der Staätshilfe für unseren finanziellen Aktionsplan ist die der eigenen HiffsStellung Englands oder des Völkerbundes für die Eriang u n g internationaler langfristiger Kredite für das jüdische Siedlungswerk* in Palästina. So axiomatisch wie jeder von uns behauptet, daß cs ohne Palästina keine Lösung der jüdischen Volksfrage gibt, behaupte ich, daß ohne Erschließung solcher Kreditmittel als Basis eine wirklich planmäßige und großzügige Kolonisation nicht denkbar ist. Eine allgemeine innere Anleihe kann erst kommen, nachdem eine erste glückliche Transaktion auf dem internationalen Kapitalmarkt unseren Kredit sichergestellt haben wird. Die schweren politischen Erschütterungen der beiden letzten Jahre haben der systematischen Weiterführung einer solchen Anleiheaktion neue. Schwierigkeiten in den Weg gelegt. In die Sicherheit der wirtschaftlichen Werte trugen die Augustuimiheii eine bedenkliche Erschütterung. Wir denken an die Durchführung großer Kreditplane, aber gleichzeitig tut unsere Presse alles, was in ihren Kräften steht, um durch eine gewissenlose Berichterstattung das Vertrauen der Welt in unsere Position zu untergraben. Dazu kommt eine Verschiebung in der relativen Gleichmäßigkeit der Eingänge unserer Fonds" Ein großes Plus auf dem Wege zur Durchsetzung unserer Pläne ist der Vorschlag der Mandatarmacht, eine Development-Anleihe für Palästina zu garantieren. Entscheidend ist, daß jetzt zum ersten Male die Mandatsregierung die praktische und politische Notwendigkeit anerkennt, ihre eigene Geltung für die Beschaffung von großen Krediten für die wirtschaftliche Erschließung des Landes einzusetzen, ich glaube, daß wir in Kooperation mit der Finanzsektion im Völkerbunde und dem Kronagenten wohl in der Lage sind, einen Anleiheplan aufzustellen. Die Fondseingänge sollen in unserem Plan nicht die Grundlage des Zinsendienstes bilden. Die Einberufung einer Finanzkonferenz durch die Jewish Agency unter Beteiligung der Großgemeinden, des Joini und anderer wichtiger Organisationeu, der ein detaillierter Plan einer Kreditgemei 11 schaff, für Palästina und einer von der Mandatarmacht gestützten internationalen Anleihe vorgelegt werden soll, gehört zu den ersten vorbereitenden Organisation«;- aufgaben auf dem Wege zur Durchführung des AnTeiheplanes. Sind die vorbereitenden Arbeiten so weit gediehen, dann kann man erwarten, daß die Mandatarmacht und der Völkerbund ihre Hand zu einem Werk bieten werden, das ein großes humanitäres und nationales Siedlungswerk ist, das eine ganze Klasse von jungen werktätigen Menschen dem produktiven Leben Zufuhren und die Produktivkräfte Palästinas voller und reicher entfalten kann. Die schleppende Katastrophe, die langdauernde Agonie der jüdischen Volksinassen in Osteuropa verschärft sich von Jahr zu Jahr mit der Verelendung und der sozialen Ausstoßung neuer jüdischer Schichten, mit der Proletarisierung, die keinen Ausweg zur Arbeit, mit der Entwurzelung, die kein Ziel für ihre Wanderung kennt. Es gibt gegen die steigende Sturmflut wirtschaftlicher Deklassierung, sozialer Entrechtung und politischer Feindschaff keinen anderen Dank, als den, den wir mit unseren schwachen Händen im Ausmaß unserer Kräfte in Palästina errichten können. Was ich zu geben versucht habe, ist ein Aktionsplan: Reorganisation unserer nationalen Fonds in der Richtung auf ihre möglichste kolonisatorische Produktivierung und Reform ihrer Arbeitsmethoden zum Zwecke der Steigerung ihrer Erträge, Schaffung eines zentralen Investment-Trust für Europa und Amerika, möglichenfalls durch Ausbau des J. C. T. und der P. E. C. und Anpassung seiner Arbeitsmethoden an die Erfordernisse der Volkskolonisation durch eine Reihe von spezialisierten Tochtergesellschaften, Einspannung der Staatshilfe in der Finanzierung der Kolonisation auf dem Wege der Regierungsgarantie für die Hypothekenbank oder des Colonial Development Found. Systematische Weiterführung der politischen Anleiheaktion und ihre vollkommene ökonomische Vorbereitung durch eine Finanzkommission der J. A. unter Beteiligung der großen jüdischen Institutionen und Gemeinden, das sind die Eckpfeiler des Systems. Der Zionismus kann sich mit den Riesengcbilden moderner Weltwirtschaft niemals messen, will er aber in ihrer Welt wirken, so muß er ihre Methoden und Möglichkeiten seinen Erfordernissen anpassen.