Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 56 (21.7.1931)
- Date
- 1931-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 56, 21. VH. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAD Seite 347 Die Agency Council-Tagung Wir haben bereits über die Eröffnungs-Sitzung und den äußeren Verlauf der ersten Tage kurz berichtet. Wir geben nachstehend eine Uebersicht über den Verlauf der Debatte und die wichtigsten Beschlüsse. Generaldebatte Die Debatte begann Mittwoch nachmittag. Dr. Da ich es (England) gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Jewish Agency ihre Politik im Sinne Dr. Weizmanns fortführen werde. Dr. Ruppins Referat habe gezeigt, daß die Tatsache, daß England das Mandat behalte, dazu beigetragen habe, Palästina in kolossaler Weise zu entwickeln. Ehrliche Kritik müsse auch mit ehrlichem Lob׳ verbunden werden. Nur das Schlechte verurteilen, zeige Mangel an politischem Verständnis. Suchowitzki (Palästina) betonte, daß man die vergangenen zehn Jahre nicht mit den kommenden zehn Jahren vergleichen könne. Es werde immer schlechter, und das laufende Jahr war noch schlimmer als das Pogromjahr, denn es brachte einen Pogrom seitens des jüdischen Volkes, das kein Geld mehr für den Aufbau gab. Redner fordert für die Privatinitiative die Schaffung einer geeigneten Stelle für Informationen. Bei Errichtung einer Kolonie sollten Einzelpläne ausgearbeitet werden über Verteilung des Bodens, Kosten der Wasserversorgung und Errichtung von Wegen usw. Noch nie habe der Zionismus als Idee und als ökonomische Lösung so starken Anklang beim jüdischen Volk gefunden wie in der jetzigen Zeit. Dr. Jakob Thon erklärt als Mitglied der palästinensischen Delegation des Waad Leumi, daß das in der Eröffnungsansprachc behandelte separate Vorgehen des Waad Leumi beim Völkerbund notwendig war, da die Ueberreichung eines Memorandums seitens der Vertreter des Jischuw größte Bedeutung gehabt habe. Die Mandatarmacht habe ihre Hauptaufgabe nicht erfüllt, ein freundschaftliches und befriedigendes Verhältnis zwischen Juden und Arabern herzustellcn. Mit der Herausgabe der Pächterverordnung habe sie einen gesetzgeberischen Fehler begangen, da dies keine administrative Frage sei, sondern eine, die der Richter entscheiden müsse. In der Sache selbst bestehe absolutes Verständnis für die Lebensnotwendigkeit der Pächter auf unseren Böden. Die gesamte zionistische Welt sei mehr denn je dazu disponiert, zu einem friedlichen Einvernehmen mit den Arabern überzugehen. J ef froykin (Frankreich) setzt sich für den Gedanken der Erweiterung der Jewish Agency zu einer Volksorganisatjon ein. Dr. Goldflamm (!,ölen) glaubt, daß das jüdische Volk in dem Proteststurm nach dem Weißbuch zu weit gegangen sei. Freilich hätten die Pogrome und das Weißbuch sein Vertrauen stark erschüttert. Aber es gibt nur eine Politik mit England. HerzI sei ein Dichter gewesen, Weizmann ein Staatsmann. Seine englische Politik sei die einzig richtige. Sodann erhält Dr. Weizmann das Wort, der während der Rede Dr.. üoldflamms den Saal betreten hat. Seine Anspräche haben wir bereits in der vorigen Nummer wiedergegeben. Le vite (Zionist, Polen) erklärt, das Projekt der Investment-Corporation, das ein schöner Anfang gewesen sei, sollte mit neuer Energie aufgenommen werden. Tausende von Familien in Amerika, Polen und anderen Ländern könnten dazu bewegt werden, ihr Kapital in Palästina anzulegen. In seiner Rede ,hatte der Präsident von einer Selbstverwaltung in Palästina gesprochen. Die Jewish Agency müsse sich mehr' mit den ungeheuer wichtigen wirtschaftlichen Fragen befassen, als mit Organisation und Politik. Avissar bemängelt, daß der Emergencv Fourtd für den Aufbau von Hebron bisher nichts getan habe, obgleich er £ 50000 hierfür bewilligt habe. Harzfeld: Die Aufgabe der Agency habe in erster Reihe darin bestanden, die bestehenden Wirtschaften zu konsolidieren. Es müsse die Frage aufgeworfen werden, was auf diesem Gebiet bisher geschehen sei und in der nächsten Zukunft geschehen wird. Der Budget-Voranschlag sei geeignet, die Arbeit noch mehr zu ersticken. Die Agency müsse den Mut haben, wenigstens ein Minimalprogramm durchzu führen. Rabbiner Dr. Unna führt aus, daß der wichtigste Grund der Enttäuschung über die Agency darin liege, daß sie in zionistischen Kreisen als finanzielles Instrument aufgefaßt wurde, während sie dazu dienen sollte, weiteste Kreise des jüdischen Volkes zu gewinnen. Dann müsse aber zur nationalen auch die religiöse Idee hinzutreten. Der Zionismus erstrebe Verweltlichung, während die Grundlage des jüdischen Volkes die Thora ist. In der Donnerstag-Vormittag-Sitzung führt Rabbi Dr. Y o u n g (Amerika) aus, er habe sich gegen den Rat der Agudah der Agency angeschlossen, und schlägt eine Kommission vor, die eine Formel für die Zusammenarbeit mit der Agudah finden soll. Der Vorsitzende Dr. Adler beantragt, diesen Vorschlag der Kommission zu übergeben. Rabbi Schulmann (Amerika) führt aus, daß bis zum Entstehen des politischen Zionismus Gott im Mittelpunkt des jüdischen Denkens stand, während jetzt das Gegenteil der Fall sei. Dies könne eine religiöse Partei nicht zugeben. Zuerst komme Gott und dann das Volk Israel, das größer ist als Palästina, vor Palästina da war und nach Palästina da sein wird, ln der tragischen Situation des jüdischen Stammes dürfe man die Aufmerksamkeit nicht nur auf Palästina konzentrieren. Wo ein Jude lebt und leidet, dort schlägt unser Herz. Rabbi Meier Berlin erklärt, es sei an der Zeit, sich nicht auf abstrakte Diskussionen zu beschränken, sondern die Möglichkeit für praktische Arbeit in Palästina auszunutzen, die geleistet werden muß, unabhängig davon, ob die Agudah außerhalb oder innerhalb der Agency ist. Das Leben im Lande müsse religiös und jüdisch gemacht werden. Der nichtreligiöse Jude in Erez-Israel ist mir lieber als der religiöse in New York. Es hieß einmal, Religion sei Privatsache. W 1 r stehen auf dem Standpunkt, nichtreligiös sein ist Privat- Sache. Ich schlage daher zur Ergänzung des Vorschlages Young vor, eine Kommission einzusetzen, die beraten soll, wie wir Erez-Israel auf Grundlage der Religion aufbauen, positiv national und positiv religiös. Josef Sprinzak fordert, daß für die Agency eine Million Mitglieder geworben werden. Diese werde die oberen Zehntausend nicht von ihrer Pflicht befreien, die man in den vergangenen zwei Jahren nicht gewonnen habe, und von denen manche inzwischen untere Zehntausend geworden sind. Die Massen werden die oberen Schichten mitreißen. .Während sich der Zionismus mit der Nuance des Endziel - Problemes beschäftigen müsse, sei die Jewish Agency die konzentrierte Kraft, mit deren Hilfe man das unmittelbare Ziel erreichen könne. Rabbi Fishman führt aus, daß der Misrachi gehofft habe, die neuen Partner würden Hilfe und Stütze für die geistige Arbeit in Erez-Israel sein. Leider müsse konstatiert werden, daß die geistige Arbeit zusammengcschruinpft sei und daß man die Erziehungsarbeit reduzier. Die Agency trage auch eine große Schuld an der Ver z7c h t - P o I i t i k der letzten zwei Jahre. Sie habe auf die wichtigsten Prinzipien in der Sache der Klagemauer verzichtet, und dies müs$e als ein Verrat angesehen werden. Wir glauben, daß wir noch den Tempel errichten werden und daß die ganze Welt unser Recht anerkennen wird. Präsident Sokolow (beim Betreten des Saales lebhaft alcklamiert), führt aus, die demokratische Basierting der Agency könne durch eine Föderation allgemein jüdischer Organisationen erreicht werden, die sich der jewish Agency angliedern, etwa Landsmannschaften der einzelnen Länder und auch große jüdische Organisationen nicht-landsmannschaftlicher Art. In einzelnen Ländern sei die Judenschaft bereits landsmannschaftlich organisiert, wie z. B. in Italien, dessen Juden einen chaotischen Zustand in eine kollektive jüdische Einheit auf demokratischer Basis verwandelt habe». Ehe Jewish Agency sollte diesen Akt begrüßen, um so mehr, als er, Sokolow, von diesem großen organisierten Judentum Italiens, beauftragt worden sei, der Jewish Agency Glückwünsche darzubringen und die Bereitwilligkeit der italienischen Juden an ihrem Werke zu erklären. Er habe den Wunsch, daß ein solcher Akt früher oder später die Judenschaft der ganzen Welt einigen möge, Israel Brodie weist darauf hin, daß eine gemeinsame Plattform die wirtschaftliche sei und daß man sich bemühen müsse, die Absorptionsfähigkeit von Palästina zu heschleunigen. Drei bis vier Millionen Juden könnten in Palästina durch den Aufbau von Industrie untergebracht werden. Die Zionistische Organisation Amerikas habe die Gründung spezieller Unternehmungen in Aussicht genommen, um das amerikanisch-jüdische Kapital zu njobilisieren. Damit ist die Debatte geschlossen. * Es finden nun die Kommissionssitzungen statt, I und am Freitag vormittag gelangen im Plenum auf Vorschlag des Vorsitzenden der Politischen Kommission D’Avigdot־ Goldsmith die nachstehenden Resolutionen zur Annahme: Politische Resolutionen 1. Der Council der Jewish Agency billigt die Handlungsweise seiner Vertreter in den Verhandlungen, die zu dem Briefe des Premierministers vom 13. Februar 1931 an Dr. Weizmann geführt haben, und nimmt von der Erklärung des Premierministers betreffend den autoritativen Charakter dieses Dokumentes Kenntnis. Der Council würdigt diejenigen Zusicherungen und Definitionen des Briefes, in welchen die Bereitschaft der Mandatarregierung zum Ausdruck kommt, die durch das Weißbuch vom Oktober 1930 erweckten ernsten Befürchtungen des jüdischen Volkes zu zerstreuen. Der Council konstatiert, daß der Brief keine vollständige Erklärung der Regierungspolitik darsteilt und auch Vorbehalte enthält, die zu Befürchtungen Anlaß geben. Der Council erwartet, daß Seiner Majestät Regierung in diesen Punkten mit der Jewish Agency zu einer befriedigenden Regelung im Sinne des Mandates kommen wird. Der Council erachtet den Brief als Basis für weitere Besprechungen der Jewish Agency mit der Mandatarmacht, um die im Briefe dem jüdischen Volke gegebenen Zusicherungen in Verwirklichung zu bringen und Bedingungen zu schaffen, die die ungestörte Entwicklung des Jüdischen Nationalheimes sicherstellen. 11. Der Council lenkt die Aufmerksamkeit auf die fortgesetzten Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem jüdischen Landkauf, jüdischer Einwanderung und der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten in Palästina trotz dem Brief des Premierministers vom 13. Februar 1931. Darüber hinaus ist das Gesetz zum Schutze der Pächter in einem den jüdischen Bodenerwerb überaus erschwerenden Sinne abgeändert worden. In Anbetracht dessen fordert der Council die Mandatarregierung dringend auf, sofort Maßnahmen zu treffen, um die berechtigten Forderungen der Jewish Agency betreffend die oben erwähnten Punkte zu befriedigen. Hl. Der Council der Jewish Agency gibt noch einmal seinem ernsten Wunsche nach Herstellung einer dauerhaften Verständlgung zwischen Juden und Arabern in Palästina auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und gegenseifiger Achtung Ausdruck, und bekundet zugleich seine Ueberzeugung, daß Juden und Araber ein gemeinsames Interesse an der friedlichen Entwicklung Palästinas haben. Der Council beauftragt die Exekutive, weiter an der Herstellung harmonischer Beziehungen zwischen Juden und Arabern unter dem Mandat zu arbeiten, Beziehungen, die darauf gegründet sind, daß beide Parteien den Grundsatz akzeptieren, daß keine Partei herrschen oder von der anderen beherrscht werden soll. Dr. Bernhard Kahn erstattet den Bericht der Kommission für Budget- und Finanzfragen Das Budget sei ein Globalbudget, welches einen Ausgaben- Posten von £ 351 000 enthält, lim die einzelnen Posten seien in der Kommission leidenschaftliche Kämpfe entstanden. Nur in einer einzigep Frage sei es zu einer Einigung gekommen, und zwar, aus dem Erziehungsbudget £ 2000 für das Technikum zu geben. Die Arbeit könne nicht fortgesetzt werden, wenn nicht innerhalb der nächsten zwei Monate mindestens £ 100 000 aufgebracht werden. Etwa 15»<t dieser Summe seien schon vorhanden, und es sei ein Beitrag außerhalb der regelmäßigen Einnahmen von Amerika zu erwarten. Weitere £ 100 000 würden im Laufe dieses Jahres notwendig werden, die nicht im Budget enthalten sind und zur Deckung dringender Verpflichtungen bei der Finanzierung der Palästina-Arbeit dienen sollen. Der Referent schlägt die Annahme des Glöbalbudgets von £ 351 000 vor. In der Debatte über das Budget sprechen Ussischkin, Speyer, Dr. Senator, Dr. Bernhard Kahn, Dr. Daiches und Kaplan. Ein Antrag Ussischkin-Dr. Steindler, das Budget dem Administrative Committee zu überweisen, weldies einen Voranschlag zwischen dem Budget des Kongresses und dem Budgetvorschlag des Finanzkomitees der Jewish Agency erwägen soll, wird nach einer Aussprache, an der sich Dr. Hextcr und Kaplan beteiligen, angenommen. Leon Levite gibt den Bericht der Organfsaifons' Kommission die sich in erster Reihe mit der Frage des Verhältnisses• zwischen den Instanzen und Institutionen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency befaßt hat. Die Kommission sei zu dem Schluß gekommen, daß die Erfahrung der zwei schweren Jahre kein ausreichendes Material zu einer radikalen A e n d e r u n g gebe. Es habe Kompeten/streitigkeiteu gegeben, aber bei einer realen Arbeit seien Mißverständnisse ausgeschlossen gewesen. Die Komission schlage daher nur unwesentliche Aenderungen vor, hinsichtlich der Besetzung frei gewordener Aemter und der Präsidenten der Jewish Agency, des Administrative Committee und des Council. Das Hauptproblem der Basirrung der Jewish Agency könne nur durch die Einsetzung einer speziellen Kommission gelöst w erden. Diese Frage müsse ausführlich diskutiert werden. Die Vorschläge der Organisations-Kommission, die iiauptsächlich formeller Natur sind, werden angenommen mit Ausnähme des auf die Kompetenzen des Präsidenten der Jewish Agency und des Administrative Committee beziigliehen, der an das Administrative Committee überwiesen wird. Der Council beschließt, eine Studienkommission für Wirtschaftliehe Fragen mit dem Sitz in Palästina einzusetzen und einer der nächsten Sitzung des Administrative Committee, die längstens innerhalb eines Jahres stattfinden muß, die Durchberatung der Frage der Entwicklung der Jewish Agency auf Grund ind i v i d u e 11 e r Mitgliedschaft nach dem Bericht einer hierzu eingesetzten Kommission zu übertragen. Der Council regt die Bildung von Komitees in den einzelnen Ländern an, mit der Aufgabe, die Interessen des Keren Hajessod zu fördern und zu schützen und mit anderen Fonds und Körperschaften über die Geldsammlung zu einer Verständigung zu gelangen. Alle Körperschaften und Gruppen der Jewish Agency sowie alle Mitglieder und Ersatzmitglieder des Council sind verpflichtet, bei der Deckung des Budgets des Keren Hajessod als des finanziellen Organs der Agency mltzuarbeiten. Die Funktionäre der Agency ln der Schluß-Sitzung, Freitag Nachmittag, unterbreitet Mr. Löwenstein (Amerika) die Vorschläge des Nominations-Ausschusses: Präsident der Jewish Agency: Nahum Sokolow; Ehrenpräsident: Baron Edmond de Rothschild; Ehrenanwalt: Leonard Stein; Vöfsftzender de* Council der Jewish Agency: Mr. D’Avigdor G 01d s mit h; Mitvorsitzender: Lee K. Frankel; Vizevorsitzende: Prof. Speyer, Mr. Robert Szold. Nach einer kurzen Debatte wird ein Antrag Louis Lipskys, den Bericht des Nominations-Ausschusses zur Kenntnis zu nehmen, mit 55 zu 5 Stimmen angenommen. Es erfolgt die Verlesung der zionistischen und nichtzionistischen Liste der Mitglieder und Ersatzmitglieder des Administrative Committee der Jewish Agency. Diese Listen werden en bloc angenommen. Die vom Nominations-Ausschuß vorgeschlagenen nichtzionistischen Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency: Dr. Morris D. H e x t e r, Dr. Werner Senator, Dr. Bernhard Kahn, Dr. B e r k s o n, Harry V i t e 1 e s werden einstimmig angenommen. Als zionistische Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency werden nominiert: Dr. Chaim Arlosoroff, Prof. Selig B rodetsky, Heschel F a r b s t e i n, Berl Locker, Emanuel N e w m a n. Schluß der Tagung Freitag Nachmittag 5 Uhr. * In der konstituierenden Sitzung des Administrative Committee, die unmittelbar nach dem Council zusammentrat, wurden zu Vorsitzenden des Administrative Committee Oscar Wassermann und Leo Motzkin gewählt. Rahe in Saloniki Saloniki, 13. Juli. (J.T. A.) Seit der Nacht vom 8. zum 9. Juli, in der eine Rotte Nationalisten einen Angriff auf eine Synagoge im Campbell-Viertel, in der etwa 50 durch den Brand obdachlos gewordene jüdische Familien untergebracht waren, ausführte und sämtliche Fensterscheiben einschlug, ist in Saloniki die Ruhe nicht wesentlich gestört worden. Der Gouverneur von Saloniki, General Oonatas, hat den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Herrn Benusigliu, verständigt, daß die Regierung weitere Hilfsmaßnahmen für die jüdische Bevölkerung in Erwägung ziehe. Der Anordnung des Oeneralgouverneurs Gonatas gemäß enthalten sich die jüdischen und die griechischen Zeitungen Salonikis jeden Kommentars über die Unruhen und bringen keine Nachrichten über Ausschreitungen. Laut Beschluß des französischen Unterrichtsministers wird von nun an den in Frankreich inskribierten rumänischen Studenten das Staatsdiplom der Medizin nicht mehr gewährt werden. Durch diese Verordnung sind hauptsächlich jüdische Studenten aus Rumänien, die wegen des dort eingeführten numerus clausus sich in ihrer Heimat dem Studium nicht widmen konnten, betroffen.