Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-07-21 · Heft 56 (21.7.1931) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 56 (21.7.1931)
Date
1931-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653303--22463-2680684
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 340 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 21. VII. 1931 Art der Zusammenstellung der Exekutive von neuem eine völlige Verschwommenheit in die Bewegung hineingetragen wird. Wir hielten cs auch für richtig, daß die engeren Mitarbeiter Weizmanns sich mit ihm solidarisch erklär* ten. Der Gruppe B blieb jedoch nichts anderes übrig, als immer wieder an die Linke zu appellieren, und die Linke stellte die Bedingung, daß wenigstens eine Persönlichkeit aus dem Kreise der alten Weizmaim-Exekutivc sich an der neuen Kombination beteiligt, und außerdem durch eine eindeutige programmatische Erklärung zum Ausdruck gebracht wird, daß nicht die der Exekutivbildüng vorangehenden Kongreß-Beschlüsse, sondern die Grundsätze des Wcizmann-Kurses auch für die künftige Arbeit maßgebend sein sollen. In all diesen Punkten mußte die Gruppe B schließlich nachgeben. Die Hauptschwierigkeit bildete zum Schluß die Beteiligung von Brodetsky, der im Einvernehmen mit den — unserer Gruppe angehörenden — englischen Zionisten den Eintritt in die Koalitions-Exekutive ablehnte. Maßgebend für ihn war dabei nicht nur die selbstverstündliche Solidarität gegenüber dem Mißtrauensvotum, sondern auch die Befürchtung, in eine Politik hineingezogen zu werden, deren Methode er, wie bei diesem Kongreß deutlich wurde, auf Grund der praktischen Erfaßrungen der letzten zwei Jahre für völlig unanwendbar hält. Erst unter dem Druck der tagelang anhaltenden au sw eglosen Situation erklärten sich schließlich die englischen Allgemeinen Zionisten bereit, Brodetsky zum Eintritt zu veranlassen. Brodetsky stellte zur Bedingung, daß die Mitglieder der Gruppe A, die sieh ursprünglich bei der .Wahl der Exekutive der Stimme enthalten wollten, für die Exekutive stimmen. In allen Besprechungen wurde jedoch klargfmacht, daß unsere Gruppe nicht als Koalitionspartei zu betrachten ist. Es war auch dem Kongreß bekannt, daß innerhalb der Gruppe gewisse Meinungsvcrscliiedenheiten bestanden und daß z. B. ich den Standpunkt vertrat, die künftige Exekutive zwar in der Arbeit zu unterstützen, aber auch durch Stimmenthaltung zu erkennen zu geben, daß wir die gefundene Lösung für unbefriedigend halten. Die Mehrheit der Gruppe glaubte jedoch der Forderung Brodetskys Rechnung tragen zu sollen, und unser Standpunkt kam dann in der Deklaration zum Ausdruck, die ich namens unserer Gruppe im Kongreß abgegeben habe und die an dieser Stelle bereits veröffentlicht worden ist. Aus dem Gesagten geht hervor, daß unter den fünf Mitgliedern der Exekutive drei sind, die unseren Anschauungen nahestehen und zu denen wir Vertrauen haben. Wir werden die Arbeit der Exekutive,־ die unter so schweren Umständen schließlich zustande kam, in voller Loyalität unterstützen. Wir bedauern, daß der neuen Exekutive ein Ressort für Organisation und Propa* ganda fehlt, das bisher von unserem Freund Felix Rosenblüth in einer so umsichtigen Weise geleitet worden ist. ־tüerade heute müßte dieses Ressort neben dem politischen das wichtigste sein. Einen großen Teil der Aufgaben, die ihm obliegen würden, besonders auf den! Gebiete der Propaganda, müssen wir selbst in den Ländern mit unseren eigenen Kräften leisten. Dieser Kongreß erbrachte, wie wir erwartet hatten, den Beweis, daß eine Körperschaft, die einmal in zwei Jahren Zusammentritt, nicht befähigt ist, in den schwierigsien Fragen mit der nötigen Klarheit sachliche Ent- Scheidungen zu treffen. Wieder erlebten wir das Schauspiel, daß sich die Delegierten in Abstimmungen und Be- Schlüsse durch Affekte hineintreiben lassen, ohne das Ende und die Konsequenzen zu bedenken, und daß hierdurch die Notwendigkeit entsteht, nach einigen Tagen schon den Kurs zu ändern. Eine Erschwerung für die sachliche Arbeit ist die durch all die Aufregungen und durch die Nachtsitzungen herbeigeführte unerträgliche Lieberreizung der Nerven. Daraus erklären sich auch die Skandalszenen, die besonders deshalb unerfreulich wirkten, weil sie von den Beteiligten meist mit großer Gelassenheit inszeniert wurden. Man hat sich daran gewöhnt, diese Ausbrüche als theatralische Schaustellungen hinzunehmen, so daß es z. B. kaum einen Kongreßteilnehmer gab, der daran gczweifelt hätte, daß nach der demonstrativen Zerreißung der Delegiertenkarte durch Jabotinsky die Revisionisten am nächsten Tag wieder ganz gemütlich im Kongreßsaal erscheinen würden. Für die inneren Fragen des Zionismus sind unsere Kongresse von keiner großen Bedeutung. So sehr die Politik der Bewegung durch Kongreß-Beschlüsse gefördort und vor allem erschüttert werden kann, so wenig wird die Bewegung in ihrem eigentlichen Gehalt berührt. Die Judenfrage bleibt und wird von Tag zu Tag akuter. Einen Tag, nachdem wir uns aus der Kongreß-Psychose gelöst haben, stehen wir wieder vor all den brennenden Fragen. Zwei Mächte sind es, die unser Werk schaffen und vorwärts bringen: die Bewegung und das lebende Palästina. Wir müssen in diesen Jahren des Ueberganges — auch die neue Exekutive ist eine typische Ueber• gangs-Fxekutive — alle unsere Kräfte einsetzen, um eine zionistische Expansion, eine neue Auseinandersetzung in der jüdischen Welt, herbeizuführen. Wir glauben, daß auf diesem Kongreß manchem Zionisten das Verständnis dafür aufgegangen ist, daß das Wachstum der Idee und der Bewegung nicht von Proklamationen und Formeln abhängt, sondern von der Erzeugung der Kräfte, die die Selbstbefreiung und Erneuerung unseres Volkstums durch* führen können. Der Kongreß hat auch in der politischen Auseinandersetzung einen Fortschritt gebracht. So wie man oft in schweren Zeiten Schuldige sacht, so glaubten manche Polemiker die Sache so darstellen zu können, als ob die politische Diskussion der letzten Jahre, insbesondere die sogenannte Endziel-Diskussion, nicht entstanden wäre, wenn wir selbst den Mund gehalten hätten. Durch die Debatten in den Kommissionen ist es vielleicht doch klar geworden, wie diese Probleme akut geworden sind, welche Rolle sie schon seit den Jahren 1921/22 gespielt haben, wie wir immer wieder von der Außenwelt und vor allem auch von unseren Frejmden vor die Notwendigkeit gestellt wurden, unser politisches Ziel zu erläutern. Daher ist auch der von vielen zionistischen Seiten geäußerte, aus dem Ruhebedürfnis verständliche Wunsch, daß das Reden über das Wesen des Nationalheims und über die richtige Politik jetzt aufhören soll, trügerisch. Diese Fragen können nicht zurückgcstellt werden, sie sind ein elementarer Teil unserer politischen Wirklichkeit. ln gewisser Hinsicht zeigte dieser Kongreß einen erkennbaren Fortschritt. Noch vor einem Jahr war das Wort vom ״binationalen Staat" eine zionistisch ketzerische Formel. Heute finden wir schon weit über unseren Kreis hinaus, sogar bei unseren innerpolitischen Gegnern, bewußt oder unbewußt die Erkenntnis, daß diese Formel einen Weg zu einer fruchtbaren zionistischen Politik öffnet. Wir sind auch gern bereit, einer Anregung von Ben Gurion folgend, das Wort ״binational“ durch das Wort ״Parität“, das denselben Inhalt hat, zu ersetzen. Noch ein Wort über Weizmann. Unsere Stellung zu Weizmann habe ich auf dem Kongreß wiederholt deutlieh ausgesprochen. Eine gewisse Befangenheit hält mich zurück, hier die überragende Bedeutung des Mannes zu würdigen. Es kann sich nicht darum handeln, aus Weizmann den Helden einer Legende zu machen. Wir kennen seine Fehler und haben sie stets offen kritisiert. Aber wir wissen auch, daß er nicht nur der Führer des Zionismus war, sondern daß er mit seiner Person die stärkste politische Wirkung der zionistischen Bewegung konzentrierte. Obwohl wir es als äußerst peinlich empfanden, wie wenig gewisse Teile des Kongresses sich bewußt waren, was wir an Weizmann als Führer verlieren, erkennen wir doch an, daß sein Ausscheiden in diesem Moment richtig war. ln früheren Fällen hielt es Weizmann manchmal im Gegensatz zu uns für seine Pflicht, Präsident zu bleiben, auch wenn die Bewegung sich klar von ihm lossagte. Es ist gut, daß dieser Weg nicht wieder beschritten wurde. Der Kampf auf dem Kongreß und sein Ausgang werden die Atmosphäre reinigen und ־werden auch die Bedeutung Weizmanns für unsere Arbeit mit größerer Klarheit, als wir es heute sagen könnten, ins Licht stellen. Es bleibt noch hinzuzufügen, daß die Delegation der deutschen Allgemeinen Zionisten in ihrer Haltung völlig einheitlich war und daß wir in unseren Anschauungen gefestigt und bestärkt worden sind. In diesem Geiste gehen wir neu an die Arbeit für unsere zionistische Idee. Presseschao ״Manchester G u a r d i a 11“ gibt in einem längeren Leitartikel einen Ueberblick über die Ergebnisse des XVII. Zionistenkongresses und nimmt im Zusammenhang damit auch zur Ernennung General Arthur Grenfell Wauchopes zum High Coinmissioner für Palästina Stellung. Das Blatt erblickt darin, daß General Wauchope au die Stelle Sir John Chancellors treten soll und C, H. Luke nach Malta transferiert wurde, einen ״fast vollständigen Wechsel im höheren Personal der Palästina-Verwaltung“. Welche Ergebnisse dieser WechsePzeitigen werde, bleibe noch abzuwarten, doch sei zu hoffen, daß General Wauchope der Palästina-Verwaltung ihre Pflichten gegenüber dem Jüdischen Nationa1 ־ - heim klar machen und damit der gegenwärtigen Tendenz vieler Beamten der Palästina-Regierung, alles beim alten zu lassen, ein Ende bereiten werde. Diese Beamten, schreibt das Blatt, zeigen wenig Interesse für das einzigartige zionistische Experiment und sind der Ansicht, daß der allgemeine Zug der britischen Politik dahin gehe, den Gedanken des Jüdischen Nationalheims allmählich fallen zu lassen. ״Manehester Guardian“ weist darauf hin, daß das Wesen der Errichtang des Jüdischen Nationalheims in einer Verstärkung der jüdischen Einwanderung besteht und stellt dieser Tatsache die Tendenz der Palästina-Verwaltung gegenüber, jeden neuen jüdischen Einwanderer als neue Komplikation eines ohnehin schon schwierigen Problems zu befrachten. Das Anwachsen der Opposition innerhalb des Zionismus sollte für die britische Regierung eine heilsame Warnung sein. Wir können gegenüber den Delegierten des Kongresses, schreibt das Blatt, keine Autorität geltend machen und nicht Gehorsam von ihnen fordern; wir haben vielmehr zu versuchen, uns ihr Vertrauen zu erhalten. Das Blatt kommt zu dem Schluß, daß es besser wäre, die Durchführung des Experimenfes in Palästina dem Außenamt anzuvertrauen, eia die Lage höchst kompliziert und mit keiner Sache zu vergleichen sei, in der das Koionialamt oder seine Beamten, die das Rückgrat der Palästina-Verwaltung bilden, irgendwelche Erfahrung haben. Aber auch im gegenwärtigen Rahmen der Palästina-Verwaltung seien sofortige Reformen durchzuführen. Schloß der Misrachi-Weltkonferenz Rabbi Meir Berlin zum Präsidenten wiedergewählt. Basel, 14. Juli. (J. T. A.) Nach mehrtägigen Debatten über die finanzielle Lage der Weltzentrale des Misrachi, über die zukünftige Führerschaft des Weltmisrachi und die Misrachi-Arbeit in Palästina und in der Galuth ist in Basel die Weltkonferenz des Misrachi beendet worden. Rabbi Meir Berlin wurde zum Präsidenten des Weltmisrachi, Rabbi Fishman zum Vorsitzenden des Waad haraschi (Obersten Rates) gewählt. Dem neugewählten Zentralrat gehören Rabbi Meir Berlin, Daniel Pirkis und Moses Schapiro an. Die Weltkonferenz beschloß, eine Reorganisation der Arbeit für den Keren Erez Israel schel Hamisrachi durchzuführen und zur Führung dieser Arbeit ein fünfgliedriges Direktorium mit Rabbi Aron Teitelbaum (Amerika) als Vorsitzenden einzusetzen. Bei der Wehzentrale wurde eine Abteilung für Kultur und Erziehung unter dem Vorsitz von Rabbi Fishman geschaffen, der die Erledigung der Kultur- und Erziehungsfragen in Palästina und in der Galuth obliegt. Zur Regelung der Schuldenfrage des Weltmisrachi wurde eine Kommission aus prominenten Finanzleuten eingesetzt. Das kommende Misrachi-Budget basiert auf den von den verschiedenen Landsmannschaften übernommenen Verpflichtungen, gewisse Summen regelmäßig der Weltzentrale zuzuführen. Was die Parteien sagen Urteile über den Kongreß h. Basel, 19. Juli 1931. Ich habe die Führer der beiden Flügelparteien, Herrn Großmann (Revisionist) und Ben G u r i o n (Arbeiterpartei) um ein kurzes Resumc ihrer Beurteilung des Kongresses gebeten. Herr Großmann sagte: ״Wir haben auf dem Kongreß drei konkrete Dinge erreicht: 1• den Sturz Weizmanns als ersten Schritt zur völligen Beseitigung des ״Weizmannismus“; 2. die Zurückd rängung der Arbeiterpartei in die Defensive; die Arbeiter haben lauter Niederlagen erlitten auf diesem Kongreß; 3. die Herstellung des Gleich-! gewichts in den Palästina-Aemtern als Beginn der Gleichberechtigung aller Klassen und Schichten bei der Palästina-Immigration und beim Aufbau des Landes; damit ist der Zustand wiederhergestellt, der vor zehn Jahren durch die einseitige Machtpolitik der Arbeiter gestört worden war. Der Kongreß als Ganzes, fuhr Herr OroBmann fort, ist als eine große Stärkung des Revisionismus zu betrachten. Die führende Rolle des Revisionismus xvar unverkennbar, und er hat bei vielen Gelegenheiten das Zentrum mitgerissen. Freilich ist die Exekutive nicht nach Wunsch der Revisionisten; aber wir betrachten sie als Uebergangs-Exckutivc, und wir glauben, daß man noch innerhalb eines Jahres dazu kommen wird, sie u m 1 u b i I d e n oder zu ergänzen. Dann wird auch die im A-C. stark vertretene revisionistische Fraktion ihr Wort mitsprechen.“ Die Gerüchte über ein beabsichtigtes Ausscheiden der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation stellt Herr Großmann in Abrede; es ist aber ein offenes Geheimnis, daß innerhalb der revisionistischen Gruppe sehr starke Differenzen in dieser Frage bestehen. Es scheint, daß Jabotinsky seine beherrschende Führerstellung verloren hat. Er ist zu den letzten Kongreß-Sitzungen nicht mehr erschienen, war offenbar überhaupt für Fernbleiben der Fraktion, vielleicht auch für Austritt. Die anderen Führer und mit ihnen das Gros der Fraktion, haben das nicht mitgemacht. Ben Gurion sagte: ״Dieser Kongreß hat in erschreckendem Maße die moralische und politische Entartung eines Teiles der zionistischen Bewegung enthüllt. Man vermißte völlig das lebendige Bewußtsein der furchtbaren Situation, in der wir uns befinden. Statt auf Abhilfe für unsere schweren drängenden Sorgen zu sinnen, statt eine Ueberwindüng der Stagnation in Einwanderung und Siedlung zu erzwingen, befaßte sich der Kongreß tagelang mit der Debatte um Formeln, die dem Zionismus schwerer! Schaden zufügen muß. Die Arbeiterfraktion ist über diese Irrwege und diese politische Demoralisation ganz entsetzt und ist sich bewußt geworden, daß jetzt nicht nur irr Palästina die Last des Aufbaus auf ihr ruht, sondern daß nicht minder dringlich die Erziehung der Bewegung und Propaganda eines schöpferischen Zionismus im Galuth ist; dieser Aufgabe muß die Arbeiterpartei jetzt ihre besten Kräfte widmen. Auf dem Kongreß, der dem Revisionismus in den entscheidenden Punkten eine Niederlage bereitet hat, so daß sein Führer vom Kongreß entlaufen mußte, haben wir im letrfeiy .Monjeot vine ' Kb"rf z'e 8'fr a't f d n der Kr af tV durchgeführt, um den destruktiven Tendenzen entgegenzuwirken. Wir wissen, daß jetzt schwere Aufgaben vor uns stehen.“ Die Gruppe der ״Allgemeinen Z i o n i s t e n“ hat bekanntlich ihren Weltverband in Basel begründet. Der Anreger und Vorsitzende dieses Verbandes, Dr. S c h w a r z ־ hart, ist ein Fanatiker dieser Idee und war ganz berauscht von dem Erfolg, trotz des AuseinanderfaUens der Allgemeinen Zionisten i!1 zwei Kongreßgruppen, seinen Weltverband unter Dach und Fach gebracht zu haben. Das erste, woran er gehen will, ist die Schaffung einer Jugendorganisation der Allgemeinen Zionisten, und der Austausch von Funktionären der einzelnen Länder. Wenn dieser Versuch einer Aktivierung des Allgemeinen Zionismus mißlingt, dann — so meint Dr. Schwarzbart — werden wir zwischen Rechts und Links zerdrückt werden. Auch die. Gruppe A der Allgemeinen Zionisten, die zwar dem Weltverband angehört, aber gerade jetzt noch eine wichtige Rolle zu spielen haben dürfte, plant, wie mir Dr. Ruf eis er! sagte) eine Fortsetzung ihrer bei diesem Kongreß begonnenen engeren Zusammenarbeit. Am kritischsten werden die Dinge in Amerika werden. Der Kongreß hat die Gegensätze der beiden dortigen Gruppen sehr verschärft. Die Lipsky-Gruppe ist entrüstet über Wise, Mack und ihre Freunde, zu denen jetzt auch Ab. Goldberg gehört; diese Leute, so sag( Lipsky, repräsentieren niemand, sie haben die Organisation völlig ruiniert, es sind Führer ohne Geführte. Die Massen sind Gegner der jetzigen zionistischen Herrscher Amerikas, auch die ganze jiddische Presse, die eine große Macht hat, ist gegen sie. Lipsky meint, daß bei den heutigen wirtschaftlichen Ent- Wicklungen in Amerika die Parole einer ״Mittelstands-Politik“ jede Zugkraft verloren hat. Man müsse jetzt die Parole einer Chaluziuth des kleinen Kapitals, das selbst etwas riskiert, ausgeben. Lipsky meint, daß eine Links-Orientierung des amerikanischen Zionismus bevorsteht, und da wird seine Gruppe, die auf dem Kongreß mit der Arbeiterpartei cooperierte, die Oberhand behalten. Eine Convention, die nach dem ״Pakt“ von Cleveland erst frühestens im Dezember 1931 stattfinden sollte, wird vielleicht schon früher einberufen werden müssen. So meint auch Newman, das neue Exekutivmitglied aus Amerika. Newman beurteilt im übrigen die Chancen anders als sein Gegner Lipsky. Er meint, die Lipsky-Gruppe werde den Kampf verlieren, weil sie unter dem Gesichtspunkt von Kongreßfragen die Campagne führen wird. Die Hauptattacke gegen die jetzigen Führer Amerikas wird sein, daß sie Weizmann gestürzt haben; da aber die zionistischen Massen wissen, daß dies ein fait aceompli ist und daß die Wiederaufrollung dieser Frage nur die Autorität der gegenwärtigen Exekutive untergraben müßte, so werden sie sich darauf nicht einlassen. Was lokale zionistische Fragen Amerikas betrifft, so scheint auch Newman, obwohl er es nicht ausdrücklich bekennt, einzusehen, daß in dieser Beziehung die jetzige Leitung kein Ruhmesblatt einzulegen bat. Wie sich im Misrachi die Dinge gestalten werden, ist abzuwarten. Die deutschen Misrachi-Führer mußten bereits vor einigen Tagen nach Deutschland abreisen. Die inneren Konflikte scheinen ungelöst zu sein, und die Wiedereinsetzung der alten Führer ist ein Beweis, daß die Opposition diesmal noch schwach war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.