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Jüdische Rundschau · 1931-07-17 · Heft 55 (17.7.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 55 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 342 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 17. VH 1931 auf das jüdische Zeremoniell Einfluß zu nehmen, sondern eine Lösung zu finden, die recht und billig ist und den Frieden fördert. In diesem Zusammenhang fühle ich mich verpflichtet, vom T e m pc I p 1 atz selbst zu sprechen, so sehr dieses Thema mit Schwierigkeiten belastet ist. Die Omarmoschee ist ein Platz großer Heiligkeit für die moslemische Welt. Was uns betrifft, sagen wir, trotzdem wir immer wegen der Zerstörung des Tempels trauern, daß er von den Römern Jahrhunderte vor der Entstellung des Islam zerstört wurde. Der Islam ist in keiner Weise für die Zerstörung des Beth Hamigdasch verantwortlich, und wir hegen keine Gefühle gegen die Moslems, weil sie heute die alte Stätte besitzen. Um Einwendungen zu begegnen, möchte ich sagen, daß ich glaube, wenn die mohammedanische Welt diese Stätte heute wieder dem jüdischen Volk anbieten würde, damit es den Tempel wieder erbaut und den Opferdienst erneuert, so würde das jüdische Volk dieses Anerbieten nicht akzeptieren. Es ist einiges in den 2000 Jahren seit der Zerstörung des Tcmpels geschehen, und dazu gehört, daß das jüdische Volk niemals mehr den Opferdienst der Viiter von vor tausend Jahren aufnehmen wird. Auf seiten des jüdischen Volkes kann keine Absicht bestehen, die Moschee zu stören, die auf dem alten Tempeljrlatz errichtet ist und nichts als Unwissenheit oder Bös- Willigkeit ist die Ursache gegenteiliger Gerüchte. Redner zählt min die Punkte auf, mit denen sich die Session zu befassen haben wird, darunter Reform der Organisation der Agency, Budget, die Beziehungen zur britischen Regierung, Verhältnis zwischen Agency, Zionistischer Organisation, Waad Leumi und anderen Körperschaften. Er schließt mit folgenden Worten: Wenn wir unsere Ansprüche auf freie Siedlung im Lande, soweit die wirtschaftlichen Möglichkeiten sie erlauben, erheben, sollen wir allen Menschen durch Wort und Tat kundgeben, daß wir bei dieser Bemühung nicht Gewalt, sondern Gerechtigkeit vor Augen haben und allen auf dem Lande Angesiedelten die Möglichkeit für ihr Auskommen, für die Ent- Wicklung und Verbesserung ihrer Lebensbedingungen geben wollen. Uin das zu erreichen, fordern wir von der britischen Regierung und der Palästina-Regierung, unseren ehrlichen Absichten vollen Glauben zu schenken. Wir fordern das arabische Volk auf, sich uns und der britischen Verwaltung anzuschließen zu einer gemeinsamen Bemühung, das Land aufzubauen. Die Welt, die christliche und mohammedanische, möge bedenken, daß wir ein kleines Volk sind, daß wir weder Armeen noch Flotten haben, daß uns aber ein Geist trägt, der uns berechtigt, vor allen anderen Menschen mitznwirken beim Aufbau des Heiligen Landes zu seinem einstigen Glanze und so vielen Juden als /las Land aufnehmen kann die Möglichkeit zu geben, hier zu leben ohne Schaden oder Unrecht für jemanden anderen. *' Nach der Ansprache des Vorsitzenden des Council, Dr. Cyrus Adler, folgte die von S o k o I o w gehaltene Gedächtnisrede zu Ehren der verstorbenen Mitglieder des Council. Sodann gingen die üblichen Begrüßungen vor sich. Es sprachen Regierungsrat Dr. A. Im Hof, Vertreter des Kantons Basel- Stadt, Vita C a t a s t i n i, Direktor der Mandatskommission des Völkerbundes, und Stadtrat Sally Meyer, Vertreter des Schweiz. Israel. Kultusgemeindebundes. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet das Referat von Prof. S. Brodetski: ״Die politische Entwicklung der letzten Jahre“. Schließlich wird ein Legitimations-Ausschuß eingesetzt, und damit ist die Sitzung zu Ende. in der zweiten Sitzung, Mittwoch, den 15. d. M., hielt Dr. R u p p i n sein Referat über di« Arbeit in Palästina und Dr. S e n a t o r das Referat über die Finanzen der Jewish Agency. Aus dem Bericht des Legitimations-Ausschusses, erstattet von Dr. Bernhard Kahn, geht hervor, daß an dem Kongreß teilnehmen: 110 zionistische Mitglieder und 46 nichtzionistische Mitglieder, die 73 Stimmen repräsentieren. Mittwoch Nachmittag begann die Debatte über sämtliche Referate. Es sprachen die Herren Dr. Deiches (England), Sc huc h o w 1 z k i (Palästina), Dr. Jakob T h on (Palästina), J e f - rojkin (Paris), Dr. Gold flamm (Warschau), Levite (Warschau), A vissar (Palästina), Harzfeld (Palästina), Itabb. U n n a (Deutschland), Tabi b (Jemenite). Während der Rede Dr. Ooldfl.imms betritt Dr. Weizmann den Saal und wird lebhaft akklamiert. Nach Schluß der Rede erteilt der Vorsitzende, Dr. Adler, das Wort Dr. Weizmann. Weizmanns Ansprache Dr. Weizmann, von stürmischen Ovationen empfangen: Ich danke Ihnen für die Freundlichkeit, die Sie mir erwiesen haben, indem Sie mir erlauben, in dieser Versammlung einige Worte zu sagen. Sie werden es mir nachfühlen, daß ich bemüht sein muß, meine Worte so zu fassen, daß sie gegen nichts verstoßen und die wichtige Arbeit, die der Council vor sich hat, in keiner Weise stören. Ich möchte mit einem Wunsche beginnen, daß dem Council der Agency, der in schwerer Zeit im Zionismus, in Palästina und in der Welt überhaupt, zusammentritt, alle Weisheit gegeben werde, um die Geschäfte so zu führen, daß sie dazu beitragen, unsere Sache im Aufbau des Jüdischen Nationalen Heims zu fördern. Ich will an die letzten Worte, die ich hier vernommen habe, hier anschließen. Es sind die, welche mein alter und guter Freund Dr. Goldflarn gesagt, indem er meine Politik als eine ״proenglische“ bezeichnete. Ich war nicht ,,proenglisch“, ich war nicht ״antienglisch“. Ich habe vor allen Dingen versucht, eine jüdische Politik zu führen. (Lebhafter Beifall.) Inwieweit diese jüdische Politik kompatibel war mit einer Kooperation Englands, war ich glücklich, die Politik so führen zu können. Und ich hoffe, daß es trotz zeitweiliger Rückschläge möglich sein wird, unsere jüdische Politik in Palästina kompatibel zu machen mit einer Kooperation mit England. Ich halte diese Kooperation für den Felsen von Gibraltar, auf den unsere Politik gebaut sein muß. (Beifall.) Wenn Sie sich an die Briefe erinnern, die die konservativen Führer während des Streites geschrieben haben, so finden Sie, daß darin fast dasselbe gesagt ist. Ich hoffe, daß es dem Council gelingen wird, eine Politik festzulegen, die sich in dieser Linie bewegen wird. Worauf es uns in diesen schweren Zeiten ankommt, ist der Friede im Lande. Friede in Palästina wird uns Verständnis bei der öffentlichen Meinung der Weit bringen. Wenn ich den Völkerbund als Verkörperung der öffentlichen Meinung, di« für uns in Betracht kommt, anführe, so glaube ich: Sympathie und Verständnis beim Völkerbund sind die eine unbedingte Grundlage, die zweite ist der Frieden im Lande und der dritte das volle Verständnis für unsere Bestrebungen in der öffentlichen Meinung Eng- 1 ands. Diese drei Dinge sind unbedingt erforderlich, um eine ruhige Arbeit in Palästina weiterzuführen. Das soll uns ermöglichen, soviel Menschen in das Land zu bringen, wie es auf nehmen kann, ohne die Interessen andererzu stören, so viel Land zu kaufen, ohne das Land anderer zu nehmen, und so viel Dinge in diesem Lande zu schaffen, als wir imstände sind hervorzubringen. Das ist ein lebendiger Rahmen für unsere Arbeit. Was daraus kommen wird am Ende der Tage, be-acharith hajamim, das ist weder für den Council noch für eine menschliche Versammlung überhaupt abzusehen. Was wir tun können, ist. unsere Kräfte innerhalb dieses Rahmens aufs äußerste anzustrengen. Wir brauchen Verständnis der Welt und wir werden es in diesem Rahmen finden. Mit diesen Worten scheide ich von Ihnen, indem ich Ihnen fruchtbare Arbeit wünsche. Sichern Sie uns so viel Arbeit in Palästina, als das Judentum leisten kann, so viel Vernunft in Palästina, als das Judentum heute aufbringen kann, sichern Sie uns so viel Frieden in Palästina, als das Land braucht. Dann habe ich keine Zweifel, daß wir unser Ziel erreichen werden. Und wenn der künftige Geschichtsschreiber diese Epoche bewerten wird, wird er sagen: Es war eine schwere Zeit und auf die Schultern einer kleinen Generation ist eine sehr schwere Arbeit gefallen, aber sie hat ihr Bestes versucht unter schwierigen Umständen. (Stürmischer Beifall, der Council bcreitet Dr. Weizmann neuerlich Ovationen.) IIIIIMIIIIIIIIIIIIII(ltlllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIII[|lllllllllllllllll[lllllllllllll(n1lllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllIlllllllllllllllMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII[[ll[||||[|IIIIIIIIIIIIIIIIII|[IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH||t|lllllllilHllmllllllllllll Die VI. Wizo ־ Konferenz Die VI. Weltkonferenz der Wizo, die vom 22. bis 30. Juni in Basel tagte, hat mit einem schweren Verlust für die Wizo geschlossen. Die aktivsten Mitglieder der Exekutive, die Gründerinnen der Wizo, Frau Sieff und Frau Eder und mit ihnen Frau Marks und Sacher, sind aus der Londoner Exekutive ausgetreten, und ebenso haben Frau Persitz, die in der letzten Arbeitsperiode an der Spitze der Palästina-Exekutive stand, und ihre beiden Mitarbeiterinnen, Fräulein Gellner und Frau Berger, demissioniert. Der Grund ihres Austritts lag in programmatisehen Kämpfen, und es ist notwendig, hier auf die Entwicklung der Wizo in den letzten Jahren hinzuweisen, um die Schwierigkeiten dieser Konferenz zu verstehen. Die Wizo hat bei ihrer Gründung vor zehn Jahren in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit die haus- und landwirtschaftliche Ausbildung von Frauen und Mädchen gestellt aus der richtigen Erkenntnis heraus, daß die Grundlage des Aufbaus die Land- Wirtschaft bilde und dieselbe nur gedeihen kann, wenn auch die gründlich ausgebildete Bäuerin vorhanden ist. Alle Institutionen der Wizo dienten diesem Ziele, und wenn die Wizo auf besonderen Wunsch von Spendern damals Institutionen für Säuglingspflege errichtete, so wurden sie als Konzessionen betrachtet, die nicht in den Rahmen der Wizo hineingehören. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß die Wizo kein Verein zur Erhaltung von Institutionen ist, sondern eine Frauenbewegung, die ihren Anteil am Aufbau Palästinas nehmen will und mit ihren Kräften und ihren Mitteln alle die Gebiete umfassen soll, die der Mentalität und dem Interesse der Frau am nächsten stehen. Im Geiste dieses Programms hat die Exekutive in den letzten Jahren Verhandlungen mit sämtlichen Frauenorganisationen, die ihre besonderen Arbeitsgebiete in Palästina haben, geführt, um ihre Affiliierung an die Wizo herbeizuführen und durch Aufnahme ihres Programms unser Arbeitsgebiet zu erweitern. Den umfassendsten Ausdruck fand diese Bestrebung in dem Programm von Miß Szold, das alle nichtökonomischen Gebiete des Aufbaus von Palästina der Frau zuweisen wollte, d. 11. Erziehung im weitesten Sinne vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung, soziale Fürsorge und Gesundheitswesen. Aut diesem weiten Programm sollte eine Einigung aller für Palästina arbeitenden Frauenorganisationcn brrgestellt werden, und zwar dachte Miß Szold daran, daß Amerika das Gesundheitswesen, Europa das Erziehungswesen und Afrika, Australien und Palästina die soziale Fürsorge übernehmen sollten. Dieses weite Programm* dem wir uns nur allmählich nähern können, hat das Bestechende eines Zieles, das einer großen Frauenorganisation würdig ist. Die Exekutive ist entschlossen diesen Weg gegangen, der auch In dem der Konferenz vorgelegten Memorandum zum Ausdruck kam. Demgegenüber beharrte die Majorität dieser Konferenz auf dem früheren Programm und hielt auch eine weitere Ausgestaltung nur auf landwirtschaftlichem Gebiet für zulässig. Als Ausdruck dieser beiden Richtungen sind die neuen Projekte anzusehen, die der Finanz- und Palästina-Kommission vorlagen. Einerseits der Vorschlag der Palästina-Exekutive, die Kindergärten der Jewish Agency zu übernehmen, wofür 3000 Pfund gefordert wurden, andererseits der Vorschlag der Moazoth Hapoaloth, den Ausbau und die Konsolidierung der drei Mädchengruppen: Petach Tikwah, Schchunath Boruchow und Nachlath Jehuda, für die zwar kein Posten im Budget eingestellt war, da das Projekt noch nicht in der Exekutive behandelt wurde, wofür aber 5000 Pfund für erforderlich bezeichnet wurden. Zu diesen Vorschlägen ist zu bemerken, daß sie beide zu den Verpflichtungen der Jewish Agency gehören. Die drei Mädchengruppen, die von der Moazoth Hapoaloth gegründet wurden, wurden vor zwei Jahren gemeinsam von der Agency, der Moazoth Hapoaloth und der Wizo übernommen, wobei die Wizo sich nur verpflichtet hat, für den Unterhalt und den Unterricht der Mädchen zu sorgen, während die Jewish Agency die Schulden und die Konsolidierang übernommen hatte. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Konsolidierung von Wirtschaften zu dem eigentlichen Aufgabengebiet der Agency gehört, während sie sich bemüht, die Erziehung dem Jischuw und den Frauen zuzuweisen, um für ihre kolonisatorischen Aufgaben frei zu werden. Sie ist nun an die Wizo mit der dringenden Bitte herangetreten, bei dem drohenden Zusammenbruch des Schulwerkes die Kindergärten zu übernehmen, da die Schließung der Kindergärten in Palästina von katastrophaler Bedeutung wäre. Die Kindergärten spielen in Palästina nicht nur in erzieherischer, sondern auch in hygienischer Beziehung eine besondere Rolle, weil nur durch die ärztliche Kontrolle die in den Kindergärten erfaßten Kinder vor Epidemien und Augenerkrankungen bewahrt werden können. Sie sind außerdem die Voraussetzung dafür, daß die Frauen ihrem Beruf und ihrer Arbeit nachgehen können. Es ist nun interessant, daß der Gegensatz der Anschauung sich nicht im Kampfe um diese Projekte offenbarte, da die Palästina-Kommission zur Behandlung dieser Frage aus Zeitmangel gar nicht gekommen war. Es sollte zuerst das reguläre Budget verabschiedet werden und erst zum Schluß der Kampf um diese beiden Projekte ausgefochten werden. Der Gegensatz entzündete sich anläßlich der Schulden der Mädchengruppen. Wir hatten beschlossen, um die Mädchengruppen vor ihren drückenden Schulden zu befreien, die die Fortführung der Wirtschaften unmöglich machen, der Agency eine Anleihe zu gewähren, damit sie diese übernommenen Schulden bezahlen könnte. Als Begründüng zu dieser Resolution beantragte die Moazoth Hapoaloth den Satz: ״da die Mädchengrappen zur V erpflichtun gp- Sphäre der Wizo gehören.“ Durch diese Begründung, die mit großer Mehrheit angenommen wurde, ist die Entscheidung über die Wahl der neuen Projekte vorweggenommen worden. Denn das bedeutete, daß wir alles, was mit diesen Gruppen zusammenhängt, Ausbau und Konsolidierung, als unsere Verpflichtung ansehen und mit zu übernehmen haben. Eine Dentung, die die Antragstellerin nachher ausd rücklich bestätigte. Für Jahre hinaus würden wir durch die Uebernahme dieser materiellen Verpflichtung an keine neue Arbeit denken können. Die Uebernahme der Kindergärten war damit eo ipso unmöglieh gemacht. Der Teil der Exekutive, der sich nicht einseitig auf landwirtschaftliche Arbeit festlegen lassen wollte, sah sich nicht in der Lage, die Verantwortung weiter zu übernehmen und trat deswegen aus der Exekutive aus. Ein anderer Streitpunkt, der von vornherein die Sympathien der Konferenz für die Exekutive erschütterte, war ein Memorandum, das die Londoner Exekutive der Konferenz vorlegt«. Die vergangene Arbeitsperiode gestaltete sich besonders in Palästina wenig erfreulich. Die Reibungen und Differenzen innerhalb der Exekutive führten zu dauernden Demissionen, «in Zustand, dem aut der Konferenz ein Ende gemacht werden mußte. Die Exekutive glaubte nur durch folgende Vorschläge abhelfen zu können: Sie verlangte erstens eine ״homogene“ Exekutive, was im Verlauf der Debatte in eine ״arbeitsfähige“ Exekutive umgewandelt wurde. Zweitens die Annahme des Grundsatzes, daß Leiterinnen unserer Institutionen nicht gleichzeitig Mitglieder der Exekutive sein können. (Punkt 4 des Memorandums.) Die Berechtigung dieser Forderung, die einen ultimativen Charakter trug, begründete die Exekutive mit dem Hinweis, daß die Palästina-Exekutive keine politische, sondern eine Verwaltungskörperschaft ist, deren Hauptaufgabe in der Kontrolle der Institutionen besteht und daher die beider! Funktionen des kontrollierenden Exekutivmitglieds und der zu kontrollierenden Leiterin miteinander unvereinbar sind. Frau Persitz verlangte wiederholt die Einsetzung einer kleinen Komntissio». der sie das Material vorlegen wollte, um zu zeigen, daß die Forderung objektiven Notwendigkeiten entspringt. Zu der Einsetzung dieser Kommission ist es nicht gekommen. Die Atmosphäre war auch für eine leidenschaftslose Prüfung dieser Forderung nicht geeignet, da der psychologische Moment, in dem diese Forderung vorgebracht wurde, sehr ungünstig war. Unglücklicherweise sind die beiden Leiterinnen, die von dieser Bestimmung getroffen worden wären (Ada Fischman und Meisel-Schochat), gleichzeitig die führenden Vertreterinnen der ,,landwirtschaftlichen“ Richtung, so daß bei den Anhängerinnen dieser Richtung der Verdacht entstand, daß die Exekutive diese Forderung nicht aus den angegebenen sachlichen, sondern aus politischen Gründen stellte. So kam es, daß dieser Punkt zum Schluß in einer Fassung angenommen wurde, der den Ursprungliehen Sinn ins Gegenteil verkehrte, indem gerade die beiden Leiterinnen aus dem Paragraphen herausgenommen wurden, und außerdem der Vollzug dieses Punktes auf zwei Jahre suspendiert wurde. Ein wichtiger Punkt des Memorandums wurde unverändert angenommen: eine Kommission einzusetzeri, die gemeinsam mit der Jewish Agency Richtlinien für eine Finanz- Kontrolle ausarbeiten soll. Diese Kommission tagte bereits auf der Konferenz. Das Plenum spielte auf dieser Konferenz nur eine geringe Rolle. Nur einmal trat es zu einer eindrucksvollen Tagung zusammen, um Referate über Propaganda entgegenzunehmen. Mehrere Referate von Frau Eder, Dr. Nadja Stein, Shari Berger und Dr. Hanemann gaben zahlreiche Anregungen für Propaganda und Schulung der Mitglieder und erweckten das stärkste Interesse der Teilnehmer, da Propaganda tür die Galuthorganisationen der einzige Inhalt der Arbeit und die Eroberung der jüdischen Welt die wichtigste Aufgabe ist, die wir hier zu leisten haben. Wir glauben, daß gerade auf diesen! Gebiet die Wizo imstande ist, wertvolle Pionierarbeit zu leisten, denn die Frauen sind parteimäßig nicht so festgelegt wie die Männer, sind noch jung auf der politischen Tribüne und daher aufgelockert und aufnahmefähig für neue Ideen. Was uns fehlt, sind zionistisch ausgebildete und politisch geschulte Kräfte und daher waren die Vorschläge einer Kulturzentrale, einer Sommerschule, Möglichkeiten von Palästinareisen von erheblicher Bedeutung. Ein anderer Mangel hat sich auf dieser Konferenz als störend erwiesen, und zwar das Fehlen jeglicher pariamentarischer Erfahrung. Bei den entscheidenden Abstimmungen stellte es sich heraus, daß die Delegierten die Anträge mißverstanden hatten und gegen ihre wirklichen Absichten stimmten. ln dieser Hinsicht war die Konferenz für alle Teilnehmer eine gute Schule. Diese Konferenz war keine Zusammenkunft eines einheitlich gestimmten Kreises. Zum erstenmal wurden Differenzierungen bemerkbar, die vielleicht noch keinen klaren Ausdruck gefunden haben, die aber indirekt Be- Schlüsse und Anträge beeinflußten. Rückschauend muß man feststellen, daß die Konferenz nicht zu einem Zeitpunkt hätte einberufen werden dürfen, in dem sich Konflikt- Stoffe in der Leitung angesammelt hatten und sich entscheidende Programmunterschiede bemerkbar gemacht haben. Zunächst hätte der Council tagen sollen, um die Situation zu klären und nach eingehenden Aussprachen und Debatten in den einzelnen Föderationen wäre die Konferenz reif gewesen, die Probleme zu bewältigen, vor die sie unvorbereitet und ahnungslos auf der Tagung gestellt wurde. Dieses Versäumte nach zuholen, bleibt der kommenden Arbeitsperiode Vorbehalten. Dafür ist es nicht zu spät. Zu spät ist es nur für die Wahl der Exekutive, für die wir unentbehrliche Kräfte und von der ganzen Bewegung geliebte und bewunderte Persönlichkeiten verloren haben. Es ist wirklich erstaunlich, mit welchem Gleichmut die Delegierten diese Persönlichkeiten haben ausscheiden lassen. Nur die Vertreterinnen der palästinensischen Organisationen, der Moazath Hapolaoth und der Histadruth Naschim, sind sich der Tragweite dieses Verlustes bewußt gewesen und haben alles versucht, um eine Einigung herbeizuführen. Es war auch gelungen, eine Exekutive aus beiden Richtungen zustände zu bringen, leider ist diese Einigung an der Abstimmung in der Finanzkommission gescheitert. Wir, die wir auf dieser Konferenz unterlegen sind, werden jetzt in der Bewegung für unser Programm einer weiten und umfassenden Frauenarbeit kämpfen und hoffen, daß die Ent- Scheidung auf der nächsten Konferenz zu unseren Gunsten ausfallen wird, da unser Programm auf die lebenswichtigen Bedürfnisse und die Entwicklung Palästinas zugeschnitten ist lind wir die Wi?0 /:1m Mitträger der Gesamtverantwortung für den Aufbau einer jüdisch - Nationalen Heimstätte in Palästina machen wollen. , _״ ״ ״._. Jenny Blwmcnfcld.

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