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Jüdische Rundschau · 1931-07-17 · Heft 55 (17.7.1931) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 55 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 55, 17. VE 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 341 jungen der Träger des Zionismus und der jüdischen Religion sowie der hebräischen Kultur in Sowjet-Rußland erhebt, und die Exekutive beauftragt, alle nötigen Schritte zu unter• nehmen, um die Auswanderung aller wegen ihrer zionistisehen Gesinnung Verfolgten nach Palästina zu ermöglichen. Der Kongreß sendet seine Ermutigungsgrüße den schwer kämpfenden und leidenden Zionisten in der SSSR. Nach einer Unterbrechung erfolgt dann In der Abend- Sitzung, die um 7 Uhr beginnt, der erste Teil des Berichtes des Permanenz-Ausschusses, worüber wir an anderer Stelle berichten. Der Kon$re$besd11u6 über das Endziel Ueber die vertraulichen Vorgänge, die zu der Formulierung des schließlkhen Textes der vom Kongreß angenommenen Resolution über das zionistische Endziel geführt haben, berichtet die — offenbar durch zionistische Disziplin nicht gebundene— JTA. folgende interessante Einzelheiten: Im Hinblick darauf, daß von verschiedenen Seiten ernste Bedenken gegen die von der Politischen Kommission des Zionistenkongresses formulierte und mit 16 gegen 12 Stirnmen angenommene Endzielresolution mit Einschluß der Mehrheitsforderung geäußert worden waren, ist es ln der Nachtsitzung des Plenums von Sonnabend, den 11., auf Sonntag, den 12. Juli, nicht zu der erwarteten Abstimmung über diese Resolution gekommen. Insbesondere war seitens der Arbeitervertreter und der Anhänger Dr. Weizmanns in den übrigen Fraktionen geltend gemacht worden, es könne vorläufig noch keine Abstimmung über eine politische Resolution stattfinden, da die Politische Kommission noch keine Beschlüsse über Annahme oder Verwerfung des MacDonald-Briefes gefaßt habe und der Bericht der Politischen Kommission daher noch unvollständig sei. Zu einer Abstimmung solle es erst kommen, sobald dieser Bericht vollständig ausgearbeitet vorliege. Es wurden daher neuerlich Parteienverhandlungen fingeleitet und eine gemeinsame Sitzung des Permanenzausscliusses und der Politischen Kommission einberufen, in der Dr. Wetzmann in längeren Ausführungen Ratschläge bezüglich einer Lösung der Krise erteilte. Weizmann legte der Kommission nochmals nahe, aus der politischen Resolution die Forderung nach einer j ü - dischen Mehrheit zu eliminieren und an ihrer Stelle die Forderung nach Parität aufzustellen. Er wandte sich auch gegen die Verwendung des Ausdrucks ״historische Grenzen Palästinas“, den er als u n ־ klare und daher gefährliche Formulierung des Wunsches nach Einbeziehung Transjordaniens in das Gebiet, auf dem das Nationalheim errichtet werden soll, bezeichnete. Während ein großer Teil der Kornmissionsmitgtieder, unter ihnen auch Vertreter der Allgemeinen Zionisten, behauptete, die Ausführungen Dr. Weizmanns hätten keine Wirkung auf die Politische Kommission auszuüben vermocht, erklärten seine Anhänger in der Politischen Kommission, er habe sehr eindrucksvoll und überzeugend gesprochen. Nach Weizmanns Rede setzte die Politische Kommission ihre Bemühungen, die Endzielresolution in einer Weise abzuändern, die es der großen Mehrheit des Kongresses möglich machen könnte, für die Resolution zu stimmen, fori Doch hatten diese Bemühungen noch in vorgerückter Nachtstunde zu keinem Ergebnis geführt. Ein im Laufe des Sonntags vom Waad Leumt aus Jerusalem eingetro Irenes Telegramm gab schließlich den Ausschlag, ln diesem Telegramm war im Hinblick auf die politische Lage in Palästina dringend eine vorsichtige Formulierung polltischer Resolutionen durch den Kongreß gefordert worden. Daraufhin zog die Politische Kommission ihren ursprünglichen Entwurf zurück und es lag nur mehr die als Minoritätsvotum angemeldete revisionistische Resolution vor, in der die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit zu beiden Seiten des Jordans als zionistisches Endziel aufgestellt wird. ..um.. Die Agency Council -Tagung Die zweite Tagung des Coundls der Jewish Agehcy wurde ' Dienstag, den 14. d. M., von Dr. Cyrus Adler eröffne! Wir bringen nachstehend die (leider sehr unzulängliche) offizielle deutsche Ucbersetzung seiner Rede (gekürzt). Eröffnungsrede von Cyrus Adler Dr. Adler gedenkt zunächst der beiden verstorbenen, in Zürich 1929 gewählten Präsidenten des Council, Marshall und Melchett, an deren Statt ihm die Aufgabe zugefallen ist, die Sitzung zu eröffnen. Er wirft sodann einen Rückblick auf die Ereignisse seit Gründung der erweiterten Agency und kommt dann auf die finanziellen Angelegenheiten zu sprechen, wozu er folgendes ausführt: Es gab von Anfang an ein Mißverständnis in bezug aut das Budget. Viele glaubten, und ich hielt es für eine definitive Vereinbarung, daß die Erweiterte Agency das Büdget vom 1. Januar 1930 übernehmen Solle, aber da das fiskalische und Budgetjahr der Exekutive nach früherer Uebung zu Rosch Haschanah, also etwa am 1. Oktober, begann, trat eine budgetäre Lücke ein, die niemals ausgefüllt wurde. Die Agency hatte Verpflichtungen in Höhe von 2 500 000 Dollar zu übernehmen und die vergangenen zwei Jahre haben trotz Ersparnis-Bemühungen eineweitereMillion hinzugefügt, so daß wir hier für die Amortisierung dieser Verpflichtungen Sorge tragen müssen. Redner hebt dann die persönlichen Verdienste der Herren Wassermann und Felix Warburg hervor, die in einer Zeit großer Schivierigkeiten der Agency finanziell beisprangen. Er erwähnte dann die Gesamtleistungen der amerikanischen Juden für Palästina. Die allgemeine Wirtschaftsdepression, die den größten Teil der Wett erfaßt hat, traf Palästina später als irgendein anderes Land. Es gab dort verhältnismäßig weniger Arbeitslosigkeit als anderswo. Der Orangenexport wuchs, die erzielten Preise verbesserten sich. Der Plan zur Ansiedlung von 1000 Familien ist zwar bedauerlicherweise noch nicht im Stadium der Ausführung, aber er hat entschiedene Fortschritte gemacht Bankverluste gab es nicht. Auch in anderer Beziehung sind wichtige Fortschritte in der Wirtschaft zu verzeichnen. Ich darf wohl sagen, daß, soweit es die Agency betrifft, wir alle den Willen haben, daß das große Werk in Palästina auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis, nicht auf einer Basis des Almosen erbaut werden soll. Es wäre nicht gut für unser Werk, selbst wenn es prosperieren würde, daß es auf den Schultern einiger weniger ruhen sollte. Ich habe vor kurzem die Vorschläge für eine große volkstümliche Mitgliedschaftskampagne der Jewish Agency gelesen, die ohne Rücksicht darauf gemacht werden soll, ob einer Zionist oder Nichtzionist ist, oder welcher Richtung der Zionisten oder Nichtzionisten er an^ehört. Ich bin nicht sicher, daß der Vorschlag, eine Million Mitglieder mit einem Beitrag von einen! Pfund jährlich zu werben, durchführbar ist, und manche dürften fähig und willens sein, viel größere Beträge jährlich zu leisten, aber die Idee ist richtig und ich ersuche die entsprechenden Körperschaften, sie günstig zu behandeln, so daß eine gewisse Sicherheit in bezug auf Budget und Einnahmen geschaffen wird. Mit Ausnahme derjenigen Beträge, die ihrer Natur nach au fonds perdu gehen, müssen alle gesammelten Gelder als Investierungen behandelt werden, die rückzahlbar sind und ein UmTaufskapital schaffen, durch welches mehr und mehr Arbeit geleistet werden kann. Wird das nicht ausgeführt, so täuschen wir uns letzten Endes mit der Vorstellung, daß wir eine unabhängige Bevölkerung in Palästina schaffen. Wenn eine dauernde und wachsende Unterstützung für eine beträchtliche Bevölkerung bereitgestellt werden soll, eine Bevölkerung, die hoffentlich dauernd wachsen wird, und wir auf Rückzahlung und Wiederverwendung des Kapitals nicht rechnen können, dann kann man diese Bevölkerung nicht als ״selbsterhaltend״ bezeichnen. Wir haben jetzt einen Stand von 160 000 bis 175 000 Seelen jüdischer Bevölkerung in Palästina erreicht. Eine solche Bevölkerung soll und wird auch zweifellos durch ihre eigene Stärke allmählich die Verpflichtungen und Funktionen übernehmen, die man von irgendeiner Gemeinschaft erwarten darf, wobei ich besonders an Erziehungs- und Gesundheitswesen denke. Es ist ein hoffnungsvolles Zachen, daß die Uebertragung dieser Arbeltsgebiete auf den Jischuw ernstlich in Angriff genommen wird. Wir und Palästina stehen nicht vereinzelt mit den Enttäuschungen der letzten zwei Jahre da. Die größten Völker haben ebenso Wechselfälie des Schicksals erlitten. Vielleicht können wir kein Moratorium erklären, wie das anderswo eben geschehen ist und wie es unser Schatzmeister wohl auch sehr begrüßen würde. Aber wir können ein Moratorium für unsere Parteiungen erklären, für unsere Meinungsverschiedenheiten und bloß akademischen Diskussionen und lernen, daß das, was wir heute brauchen, nicht Spaltung ist, sondern Kooperation. Wenn wir nicht untereinander kooperieren können, wie können wir erwarten, daß die Welt oder ein Teil von ihr mit uns '■kooperiert? ■ * ■ - - . Es ist nur natürlich, daß unsere Arbeiten während der letzten zwei Jahre manche Schwäche unserer Arbeit an den Tag gebracht haben, die verbessert werden müssen. Bei der Organisierung der Agency wurde niemals daran gedacht, daß die ZionistischeOrganisation aufgelöst werden soll. Im Gegenteil, es war und ist erwünscht, daß sie wachsen und stark werden soll, aber bei Behandlung der Angelegenheiten der Agency sollte die Zionistische Organisation sich mit der Vertretung begnügen, die sie durch die Jewish Agency hat. ln der Partnerschaft der Agency waren die Vorteile auf seiten der Zionistischen Organisation. Sie war gut organisiert, 50«/» aller Delegierten wurden von ihr gestellt, sie hatte den Vorteil der Disziplin und pflegte sich vor Sitzungen des Councils oder des Administrativkomitees zu versammeln und über die von ihr einzuhaltende Politik Beschlüsse zu fassen, im Gegensatz dazu kamen die Nichtzionisten ohne Organisation, meist als Individuen, und die Einheitlichkeit der zionistischen Politik war vorherrschend, ja dominierend. Wir treten nicht für eine Veränderung dieses Zu- Standes ein, aber wir sagen, daß dies die zionistischen Aspirationen voll befriedigen kann. Aber wir haben Energie- Verschwendung und Doppelspurigkeit in der Arbeit beobachtet, und eine gewisse Verwirrung bei den Trägem der schwierigen Arbeit in London infolge der Gegensätzlichkeit der Empfehlungen, und da diese Dinge nicht ohne Geldausgaben geschehen können, Unkosten für Organisation und Reisen in einem Zeitpunkt, wo Palästina itt Not war. Fügen Sie hinzu die Verwirrung, die durch das unabhängige Vorgehen des Waad Leuml entstanden ist, ein Vorgehen, das bei einigen Gelegenheiten in der Ueberreichung separater Memoranden und Berichte an die permanente Mandatskommission resultierte — und Sie werden einsehen, daß wir ohne Meinungsverschiedenheiten auf dieser Basis schwer weiter arbeiten können. Angesichts aller Schwierigkeiten von außen wäre es traurig, wenn wir unsere eigenen Reihen nicht festigen und die Vergeudung kostbarer Energien zur Ueber- Windung innerer Unstimmigkeiten nicht zu vermeiden verstehen würden. Ich hatte erwartet, daß die politischen Aspekte der Arbeit der Agency uns von Dr. Welzmann dargestellt werden. Er hat das abgelehnt, aus Gründen, für die niemand in dieser Versammlung eine Erklärung zu verlangen braucht und die unzweifelhaft noch lange die Ursache tiefen Bedauerns für einen großen Teil des jüdischen Volkes sein werden. Im Namen der Jewish Agency spreche ich ihm unsere tiefe Dankbarkeit für seine hingebungsvolle Tätigkeit in den letzter! zwei Jahren aus, für seine Staatskunst und seine großen Erfolge. Ich bin sicher, daß alle, die der Sache Palästinas dienen, seine großen Verdienste in all diesen Jahren anerkennen. Es ist nicht meine Absicht, über das politische Thema ausführlich zu sprechen, vielleicht ist schon zu viel darüber gesagt worden. Ich möchte ausdrücklich erklären, daß die Verhandlungen von Dr. Weizmann und seinen Kollegen mit dem Kabinettskomitee, die auf die Protestaktion wegen des Weißbuches folgten, mit vollem Einverständnis seiner Kollegen von der Agency in Amerika durchgeffihrt wurden. Wir waren in ständiger Verbindung und wir teilen voll und ganz mit Ihnen die Verantwortlichkeit für das Ergebnis, da־, seinen Niederschlag im Brief des Premierministers gefunden hat. Ich für meine Person bin der Meinung, daß durch diesen Brief rin von uns allen als sehr schwer empfundener Affront in großzügiger Weise von einer großen Nation zuriiekgenommen worden ist. Es scheint mir auch, daß wir volle Klarheit über den Ausbau des Nationalen Heimes unter dem Mandat bekommen müssen. Es gab eine große Diskussion darüber, was das ״N a t i o n a 1 h e i m“ eigentlich ist. Ich schlage, keine neue Definition vor. Es Ist definiert im Weißbuch von 1922 und diese Definition wurde damals vondet Zionistischen Organisation akzeptiert. Sie lautet: ״Auf die Frage, was die Entwicklung des Jüdischer Natfonaiheimes in Palästina bedeutet, soll geantwortet wer den, daß es sich nicht darum handelt, den Einwohnern vor PaiBstina als Ganzem jüdische Nationalität aufzuerlegen, ei bedeutet vielmehr die weitere Entwicklung einer jüdischer Gemeinschaft, mit der Unterstützung der Juden in anderer Teilen der Welt, damit ein Zentrum entsteht, an dem da! jüdische Volk als ganzes aus Gründen der Religion und Stammesgemeinschatt mit Interesse und Stolz tellnehmec soll. Damit diese Gemeinschaft die besten Aussichten füi eine freie Entwicklung hat und dem jüdischen Volk voll« Möglichkeit geben kann, seine Fähigkeiten zu entwickeln, ist es wesentlich zu wissen, daß es in Palästina auf Grund des Rechtes und nicht auf Grund von Duldung ist. Deshalb ist es notwendig, daß die Existenz eines Jüdischen National heims ln Palästina International garantiert, und daß formell anerkannt werden soll, daß es auf alter historischer Ver• knüpfung beruht.“ f Norman B en t wieh, der Oberstaatsanwalt von Palästina, ha1 eine noch kürzere Definition gegeben: ״Ein Nationales Helm bedeutet ein Territorium, in wet ehern ein Volk, ohne die Rechte politischer Souveränität zu bekommen, dennoch eine anerkannte rechtliche Stellung einnimmt und die Möglichkeit hat, seine moralischen, sozialen und geistigen Ideen zu entwickeln.“ Diese Definitionen sind eigentlich int Mandat enthalten. Der Vertrag über die Konstitution der Jewish Agency verwendet als Präambel und Grundlage die Baifour-Deklaration und die Bestimmungen des Mandates, und es liegt nicht in der Machl einer von beiden Vertragsparteien, die Präambel oder die Kon• stitution zu revidieren ohne gleichzeitig entweder eine Revision dieser Konstitution oder des Vertrages formell in Aussicht zu nehmen. Ein anderer Vorgang wäre ein Bruch des Vertrages. Tatsache ist, daß drei Partner vital betroffen sind: die britische Regierung, das arabische Volk und das jüdische Volk, wobei der Völkerbund die Aufsicht über die Durchführung des Mandates inne hat. Es Ist notwendig, daß diese drei Parteien zu einer Verständigung kommen, sonst kann das Land nicht prosperferen und es wird wieder Beunruhigung geben, wenn nicht mehr. Die Engländer eroberten Palästina aus den Händen der Türken im Interesse der Alliierten und des britischen Reiches. Später unternahmen sie es, im Zusammenhang mit den Alliierten und verbündeten Mächten, die in der Balfour-Deklaration ent• haltene Verpflichtung zu erfüllen, vermittels des öffentlicher internationalen Rechtes, welches in dem als ״Mandat“ bekannter Dokument beschrieben ist. Aber ohne eine sympathisie rencl e Regierungsverwaltung, die bereit ist, nie!!׳ nur als lästige Verpflichtung diesen Plan durchzuführen, sondert aus der wahren Freude an der Wiederherstellung dieses Landes das drei Religionen heilig ist, können alle Verpflichtungen de! Mandates zunichte werden. Die Araber haben konstant eine formelle Haltung der Nicht■ anerkennung des Mandates angenommen, trotzdem sie gleichzeitig alle Vorteile akzeptieren, die sich aus der Anwesenheit dieser Regierung ergeben, Vorteile der ökonomischen, sozialer und sanitären Entwicklung, die möglich geworden sind durch das Einströmen jüdischer Arbeit, jüdischen Kapitals und jüdi• scher Ideale Unsere eigene Haltung war klar und beständig. Wir ge• hören nach Palästina a!1f Grund von Recht und nicht von Duldung. Das Jüdische Nationalheim ist international garantiert. Unsere Position ist gesetzlich anerkannt und innerhalb dieses Rahmens bestreben wir uns, im Heiligen Lande die moralischen, sozialen und intellektuellen Ideale des jüdischen Volkes zu entwickeln. Es ist nicht In unserer Macht, aber auch nicht in unserem Willen, ein Volk zu depossedieren, das aui diesem Boden viele Jahre lang gelebt hat. Das jüdische Volk hat so viel Ungerechtigkeit der Welt erlitten, daß man sich darauf verlassen kann, es werde nicht den Schein einer Unge• rechtigkeit von seiner Seite aus dulden. Nur durch Gerechtigkeil kann Zion wieder gewonnen werden. Zion bemischpat tipadeh. Diese Erwägungen gelten auch bezüglich der jüngsten Agi• tation für die Entwicklung von Selbstverwaltungskörperschaften in Palästina. Geht man an dieses Problem im, richtigen Geiste heran- und wird als Voraussetzung anerkannt, daß ein gegenseitiges Ver• ständnis zwischen Juden und Arabern bei einer Round-Table- Konferenz erreicht werden muß, so habe ich keine Furcht, daß wir dabei etwas verlieren. Trotzdem die Begeisterung über Par- Iamentarismus in einzelnen Ländern ziemlich verschwunden ist, haben wir, die aus demokratischen Ländern kommen, unsere tief verwurzelte Ueberzeugung von der Gerechtigkeit und politischen Weisheit einer Selbstverwaltung nicht aufgegeben. Als in der Regierungsperiode von Sir Herbert Samuel eine Form der Selbstregierung vorgesebiagen wurde, war die Jewish Agency (damals die Zionistische Organisation) bereit, sie zu akzeptieren, die Araber nicht. Wenn heute neue Vorschläge gemacht werden, so hoffe ich, daß die Juden sich nicht in die Situation bedingungslosen Ablehnens begeben werden. Da einmal von allen in Betracht kominenden Stellen zugegeben ist, daß wir Juden nach Palästina auf Grund von Rechten und nicht auf Grund von Duldung gehören, ist die Angelegenheit der Zahl — wenn auch gewiß sehr wichtig dennoch eine Frage zweiten Ranges. Ich will mich nicht mit der Angelegenheit der Klagemauer befassen, die ihren Auftakt, wenn nicht gar den Grund der Unruhen vor zwei Jahren gab. Der Bericht der Kommission ist vor wenigen Wochen veröffentlicht worden. In der Hauptsache stimmt die Entscheidung der Kommission mit d em von der Jewish Agency vorgelegten Material übere i n, Kein Anspruch auf Besitzrechte an der Klageraauer wurde von unserer Seite erhoben. Wir beanspruchten nur freien Zutritt zum Gottesdienst, und dieser Anspruch ist auch anerkannt worden. Ich bin nicht voll befriedigt von dem Bericht. Die Gebetshaiidlungen sind eingeschränkt durch das Verbot des Schofarblasens an Tagen, wo dieses uns vorgesehrieben ist. Ich anerkenne jedoch, daß die Kommission eine schwere Aufgab« batte und daß von ihrer Seite nicht die Absicht bestand, fS#iP|1 || im »:־1 |;:'f |r"f \

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