Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-07-17 · Heft 55 (17.7.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 55 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653302--22455-2680675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 55, 17. VD. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 339 Del. Morris Mayer: Das ist Weizmanns Politik! (Stiirmischer Beifall.) Del. Schwarzbart: Ich stelle den Antrag, daß der Kongreß das Statement des Präsidenten der Organisation genehmigen soll. Del. Großmann: Eine Erklärung kann man nicht genehm!• gen. Entweder ist es eine Erklärung, dann bleibt es bei der Exekutive. Sonst müssen wir eine Debatte hierüber verlangen. Vorsitzender Präs. Motzkln: Durch die Wahl der Exekutlve wurde auch die Frage der Deklaration erledigt. Infolgedessen werde ich hierüber gar nicht abstlmmen lassen. Wir nehmen das Statement zur Kenntnis. Es entspinnt sich eine Gcsrhäftsdebatte, ob über das Statement debattiert und abgestimmt werden soll. Schließlich wird über alle darauf bezüglichen Anträge zur Tagesordnung übergegangen. Dr. Halpern: Ich habe Ihnen mitzuteilen, daß diejenigen Gruppen, die sich an der Ihnen jetzt bekannten Koalition beteiligt haben, dieses Statement der zukünftigen Politik im Permanenzausschuß zur Kenntnis genommen haben. (Zwischenruf der Revisionisten: Aber nicht auf dem Kongreß.) Ein neues Intermezzo Del. Dr. Rufeisen: Namens der Arbeiterfraktion, der beiden Gruppen der Allgemeinen Zionisten und des Misrachi habe ich Ihnen auf Grund einer Debatte im Permanenzausschuß die folgende Erklärung zu dem Kongreßbeschluß vorzuschlagen, der bezüglich der Zusammensetzung der Palästina- Aemter gefaßt wurde. (Unruhe bei den Revisionisten.) Ich habe hierzu folgendes zu erklären: Die Abstimmung im Kongreß wurde von einer Reihe von Delegierten irrtümlich aufgefaßt. (Del. Stricker: ״Das ist nicht wahr!“ Die Revisionisten lassen den Redner nicht zu Worte kommen. Del. Babkov: Schluß, nicht zulassen!) Dr. Halpern: Aus den Ausführungen des Herrn Dr. Rufeisen ist nicht klar hervorgegangen, daß dieser Antrag im Permanenzausschuß zur Abstimmung gelangt ist und eine Majorität gefunden hat. (Laute Unruhe bei den Revisionisten. Del. Babkov: ״Das gehört nicht in den Permanenzausschuß.“ Rufe: ״Schluß des Kongresses!“ Großer Lärm.) Dr. Halpern: Ich glaube, daß die Beschäftigung des Permanenzausschusses mit diesem Antrag erfolgt ist in Erfüllung der. Pflicht des Permanenzausschusses, die Bildung einer Exekutive zu ermöglichen. Ich berufe mich dabei auf zahllose Präzedenzfälle, wo der Permanenzausschuß an den Kongreß mit Resolutionen in verschiedenen Fragen herangetreten ist, die für die Parteien von großer Bedeutung waren. Unsere Resolution lautet: ״Der Kongreß beauftragt das A.-C.: Bel der Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen ln der Frage der Zusammen- Setzung der Palästina-Aemter, die spätestens innerhalb von sechs Monafen erfolgen muß, die angemessene Beteiligung der Vertreter der chaluzischen Organisationen sicherzustellen.“ (Lärm.) Del. Stricker: Hier wird in letzter Minute der Versuch unternommen, den klar ausgesprochenen Willen des Kongresses umzubiegen. Der Kongreß hat in wiederholten Abstimmungen über die Palästina-Aemter und ihre Zusammensetzung entschieden, gegen die Stimmen der Linken. Er hat festgesetzt, daß die Palästina-Aemter Eigentum der gesamten Zionistischen Organisation sind und hat die Privilegien abgeschafft. Nun wifd versucht, auf Grund von Parteischacher eine dreiwöchentliehe Arbeit unmöglich zu machen. (Stürmischer Beifall beÄ den Revisionisten.) Präsident Motzkln: Herr Stricker, ich bitte Sie, diesen Ausdruck zuriiekzuziehen. Del. Stricker (fortfahrend): . .. auf Grund von Partei- Verhandlungen, die an einen gewissen Handel mit Pferden erinnern. (Beifall bei den Revisionisten.) Präsident Motzkln: Glauben Sie, daß das keine Beleidigung ist? (Andauernde Unruhe bei den Revisionisten.) Del. Stricker: . , . auf Grund gewisser Verhandlungen im letzten Moment eine Arbeit von drei Wochen umgestürzt wird Ich stelle fest: in der Abstimmung ist der Wille des Kongresses klar und deutlich zum Ausdruck gekommen. Hier wird der Versuch gemacht, ihn durch das A.-C. ändern zu lassen. Ich bin überzeugt, daß ein A.-C., das noch etwas auf Recht und Würd׳e im Zionismus hält, diese Geschäfte der Parteien nicht besorgen wird. Wir legen aber Protest ein, daß der Präsident diese Abstimmung zuläßt. Wir werden alle Mittel anwenden, um diesen Rechtsbruch in jeder Form zu verhüten. Wenn wir hier protestieren, so tun wir es nicht für uns, sondern im Namen der künftigen Kongresse, um sie davor zu bewahren, daß im letzten Moment Parteien, wenn sie Mandate unter sich verteilen, herkommen und Kongreßbeschlüsse umbiegen. Herr Präsident, ich beschwöre Sie, bringen Sie diesen Antrag nicht zur Abstimmung. (Lebhafter Beifall.) Präsident Motzkin: Ich verstehe den Antrag folgendermaßen: Das A.-C., das sich übrigens genau aus denselben Teilen zusammensetzt wie der Kongreß, soll sich mit der Aufgabe befassen, in welcher Weise die Chaluzorganisation zur Mitarbeit in den Palästina-Aemtern herangezogen werden sollen. Es kann sein, daß es sich gar nicht um einen bestimmten Prozentsatz in der Zusammensetzung der Palästina- Aemter handelt, vielleicht nur um eine konsultative Mitarbeit. Ich betrachte es als volles Recht und moralische Pflicht des A.-C., sich mit dieser Frage zu befassen und einen Zustand nicht völlig zu ignorieren, der bis jetzt geherrscht hat. Das A.-C. hat das oft genug getan. (Erneute, andauernde Unruhe bei den Revisionisten.) Der Antrag soll jetzt zur Abstimmung gelangen, aber die Revisionisten erheben stürmischen Protest dagegen. Der Lärm richtet sich abwechselnd gegen das Präsidium, gegen die Arbeiter und die Misrachi-Fitnrer Farbstein und Rabbi Berlin, die von der Tribüne für den Antrag stimmen Die lärmende Obstruktion der Revisionisten dauert minutenlang an. Pfuirufe gegen Rabbi Meir Berlin. Viele Revisionisten begeben sich protestierend zur Tribüne. Die Sitzung wird unterbrochen. Das Kongreßpräsidium zieht sich um 7 Uhr zu einer Beratung zurück. Die Sitzung wird Mittwoch um 9 Uhr 20 Min., abends, wieder aufgenommen. Präsident Motzkin verkündet den einstimmigen Beschluß des Präsidiums, wonach der eingebrachte Antrag keine Abänderung des Kongreßeschlusses bedeutet. Daraufhin wird der AntragHalpern-Rufeisen unter Stimmenthaltung der Revisionisten angenommen. Rabbi Berlin beantragt, das A.-C. zu beauftragen, die Aktion zum Schutz des Sabbat bei der Kalender-Reform zu unterstützen. (Einstimmig angenommen.) Sodann wird ein Antrag angenommen, der besagt, daß der Beschluß des Kongresses in der Frage der Universität keine Einschränkung der Lehrfreiheit und Gedankenfreiheit bedeutet. Präsident Sokolow hält eine kurze Rede, in der er für das erwiesene Vertrauen dankt, von den bisherigen Kollegen der Exekutive, besonders von Weizmann Abschied nimmt und die Hoffnung ausspricht, daß die neue Exekutive zum nächsten Kongreß mit einem Bericht kommen kann über mehr Juden in Palästina, mehr Boden, mehr hebräische Kulturwerke. (Beifall.) Damit Ist die Tagesordnung erschöpft. Es folgt eine Dankrede Dr. Nuroks für das Präsidium, besonders Präs. Motzkin. (Lebhafter Beifall.) Dann schließt Präs. Motzkin mit Dankes- Worten an die Behörden und alle Helfer, die zum technischen Gelingen des Kongresses beigetragen haben, den Kongreß um 10 Uhr abends. Er richtet dabei einen warmen Appell an alle Gruppen des Kongresses, die Einigkeit im Zionismus herzustellen, auch über die Meinungsverschiedenheiten hinweg. Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, dann können wir keine Macht nach außen sein. Er gedenkt auch der scheidenden Mitglieder der Exekutive und verweist auf die gefahrdrohende Finanzlage. Der Kongreß bereitet dem Präsidenten eine herzliche Ovation. Die Kommissionsberidiie Im zweiten Teil des Kongresses, nach der auf die Generaldebatte folgenden Pause, wurden die Berichte der Kornmission en entgegengenommen und die Anträge abgestimmt. Wir geben nachstehend, in Ergänzung der früheren Berichte, eine kurze Darstellung des Verlaufes dieser Sitzungen und des Inhaltes der angenommenen Beschlüsse. Hendel und Industrie In der Sitzung von Donnerstag, 9- Juli, vormittags, erstattet Suprasky (Allg. Zionist, Palästina) sein Referat über Handel und Industrie in Palästina. Das Jahr 1924 und die 4. Alijah hat Sachverständige der Industrie nach Erez-israel gebracht und wie aus dem dem Kongreß überreichten Bericht zu ersehen sei, beschäftigte die palästinensische Industrie gegenwärtig 12000 Personen als Arbeiter und Industrielle, d. h. direkt 30000, indirekt 10000 Personen, insgesamt den vierten Teil des Jischuw in Erez-Israel. Der jährliche Umsatz beträgt 2y2 Millionen Pfund. Wenn man abzieht, was aus dem Auslände importierte Rohstoffe kosten, so bleibt dem Jischuw eine Summe von 1V3 Millionen. . Eine halbe Million beziehen die Arbeiter als Löhne. Die Existenz der Industrie ist gesichert. Trotzdem braucht sie vor allem verständnisvolles Verhalten der Regierung. In Syrien interessiert sich die Regierung durch Zoll- und Kreditmaßnahmen für die Industrie und es besteht die große Gefahr einer Ab- Wanderung der palästinensischen Industriellen. Palästinaregierang und Zionistische Organisation müßten größere Aufmerksamkeit auch der Gewinnung von Absatzmärkten zuwenden und in die Zollverträge gewisse Paragraphen zum Schutze der Palästinaindustrie bringen. Dies habe man bei den Verträgen mit Persien, der Türkei, Aegypten und dem Irak unterlassen. Wegen großen Mangels an Iangfristigen Krediten bemühe sich der Industriellenverband schon seit langer Zeit um die Schaffung einer Industriebank. Dieses Problem dürfe nicht aufgeschoben werden. Auch die Frage der Löhne sei wichtig. In Syrien bekommt der Arbeiter die Hälfte dessen was in Palästina. Wenn man Arbeitnehmern und -gebern Existenzmöglichkeiten schaffen wolle, müsse man Hilfswirtschaften in der Nähe der Arbeitssiätten errichten und so eine Senkung des Lohnes herbeiführen. Die Entwicklung der Industrie stört ferner der Mangel an Kontakt zwischen Arbeitnehmer und -geber. Zu seiner Behebung tritt Suprasky für neutrale Arbeitsbüros ein, denn gemeinsame Arbeitsbüros könnten die Lage nicht beeinflussen. Ein Industrieller hat seine Fabrik nach Syrien verlegt, weil bei ihm acht Monate im Jahr gestreikt worden ist. Die Forderungen der Industriellen sind: Er- Öffnung der Industriebank, Erweiterung der Industrieabteilung der Jewish Agency, Gründung einer obersten ökonomischen Abteilung bei der Jewish Agency, Einführung von Export- Prämien, Konsolidierung bestehender Industrien durch langflistige Kredite, Schaffung neuer Industriezweige und Propaganda beim Auslandskapital, Wiedererrichtung "des Industriedepartemenis der Regierung, Aenderung des Zoll- und Tarif- Systems, Aufruf zugunsten von Tozereth Haarez. Die Errichtung einer Eisenbahn zwischen Erez-israel und Indien eröffne die Möglichkeit, Palästina zu einem Industrieland wie Belgien zu machen. Werde man die Forderungen der Industrie nicht erfüllen, bestehe die Gefahr ihrer Abwanderung nach Syrien. In der Sitzung vom Freitag, den 10. Juli 1931, vormittags, erstattet Naiditsch den Bericht der Wirtschaft« - Kommission Naiditsch: Die Aufgabe der Wirtschafts-Kommission war nicht die Behandlung brennender Finanz- und Wirtschaftsfragen, sondern die Auffindung eines Weges zur Heran- Ziehung des jüdischen Kapitals. Als Basis der Verhandlungen diente die Broschüre ״Ein Programm für die Beschleunigung der Absorptionsfähigkeit Palästinas“ von J. B. Brodie, New York. Zur Heranziehung des ״kleinen“ Kapftals wären ״Safe-cooperations“ (Sparkassen) mit Einlagen von 10 Cents bis 10 Dollars zu errichten. Der Mittelstand kann nur durch Orangen- und andere Pflanzungen herangezogen werden, die Dividenden abwerfen. Das ״große“ Kapital sorgt für sich allein. In Amerika könne man auf dem Wege der Sparkassen Millionen Dollars aufbringen. Für die Ansiedlung des Mittelstandes werde Zusammenarbeit mit der Ica vorgeschlagen, die genügende Sicherheit für die Einlagen von £ 500 biete. Der Pica würde dadurch andererseits ermöglicht, Boden abzustoßeii und neue Mittel zu investieren. Der sch wierigste Punkt der Kommissions-Beratungen sei das Verhältnfs zwischen Wirtschaft und Zionistischer Organisation gewesen. Alle früheren Versuche, eine Uebereinstimmung herbeizuführen, seien gescheitert daran, daß die Zionistische Organisation nicht die Verantwortung für das Privatkapital übernehmen könne, daß sie nicht die Autorität habe, es heranzuziehen und daß sie schließlich nicht imstande sei, es sachgemäß zu beschäftigen und mit Informationen zu versehen. Die politische Hilfe der Exekutive sei nötig, die Kontrolle aber müsse abgelehnt werden. In der realen Arbeit werde sich eine Form finden lassen, das Prinzip der jüdischen Arbeit hei den Unternehmungen der Privatinitiative durchzusetzen. Es müsse ein für allemal festgestellt werden, daß Keren Hajessod und Privatinitiative keine Gegensätze seien, und der Stillstand der nationalen Fonds überhaupt nur durch Organisierung und richtige Ausnützung der Privatinitative wettgemacht werden könne. Man müsse in jedem Lande die Menschen finden und zusammenschließen, die in ihrem Namen die Unternehmungen in Palästina und ihre Obligationen garantieren. Die Resolution der Wirtschafts-Kommission fordert die Gründung von Körperschaften in allen Ländern zum Zwecke der Organisierung und Förderung der Privatinitiative mit dem Aufgabenkreis: Investierung von kleinen Kapitalien in sicheren Anlagen, Förderung der Ansiedlung von kleinen und Mittelkapitalisten, Heranziehung von größeren Kapitalien für großindustrielle Unternehmungen, Organisation eitles rationellen Informationsdienstes in Palästina und den größeren jüdischen Zentren sowie des Absitzes der pälästinensischen Produkte. Israel D. Brodie (New York) führt in seinem Referat ״Beschleunigung der Absorptionsfähigkeit Palästinas“ aus, in den nächsten fünf Jahren müssen mindestens 100000 sich selbst erhaltende Juden nach Palästina gebracht werden. Bei Kriegsende habe die jüdische landwirtschaftiiche Bevölkerung 12000 betragen, die von der Industrie abhängige Bevölkerung nur einige tausend. 1929 betrug die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung 38 777, während von der jüdischen Industrie im Jahre 1930 mindestens 33 000 Menschen leben. Die durchschnittliche Investierung für einen ländlichen Siedler war also ungefähr 1500 Dollars, für einen industriell Beschäftigten 066 Dollars. Der Keren Hajessod hat für städtische Kolonisation nur 3,6 0/0 ausgegeben. Trotz dieser geringen Unterstützung und _ unbeschreiblicher Schwierigkeiten habe die Privatinitiative in Palästina eine beachtenswerte Position errungen. Sie umfasse heute 2688 jüdische Unternehmungen mit 11300 Beschäftigten, an die $ 3,1 Millionen an Löhnen ausgezahlt werden. Die Kapitals- Investition beträgt insgesamt I 17 Millionen. _ 350 verschiedene Arten von Waren werden heute produziert, in einem Gesamtwert von I 101/2 Millionen. Palästina liege zwei Tagereisen entfernt von einem Gebiet mit einer Bevölkerung von 25 Millionen, die ׳industriell nichts produziert. Es sei zweifellos möglich, eine Industrie aufmbauen, die alle diese Märkte versorgt, und zwar durch die Gründung von Gesellschaften unter Beteiligung des Großkapitals und des weiteren durch Heranziehung größerer Gruppen von vielen Kleinkapitaiisten. So mache z. B. die Palestine Potash Co., die mit einer halben Million Dollars in Palästina ohne laute Werbung begründet vorden sei, rasche Fortschritte. Sie habe Ende 1930 mehr als 350 Arbeiter eingestellt und biete die Möglichkeit zur Ent- Wicklung einer chemischen Schwerindustrie. In der Citrus- Industrie betrage die Gesamtfläche der in jüdischen Händen befindlichen jungen Orangen-Pflanzungen 47000, die der fruchttragenden Pflanzungen 11 250 Dunam. Der Wert dieser Fläche wird auf ungefähr £ 4 Millionen mit einer Totalinvestierung von £ 750 000 geschätzt. 1931 exportierte Palästina 2,6 Millionen Kisten, 1935 wird der Export voraussichtlich 8—10 Millionen Kisten im Werte von § 25—30 Mil- Honen betragen. Die landwirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten müßten ohne Unterbrechung ausgenutzt werden. Aber während sie eine wenn auch ferne Begrenzung haben, gebe es für städtische Immigration bei entsprechender Entwicklung von Industrie und Handel keine Grenze. Es gebe in den nächsten fünf Jahren Möglichkeiten, in Palästina $ 50 Millionen vernünftig und sicher zu investieren. Die Mittel müßten sich auf eine Auswahl von ,,S c h lü s s c I i n d u - strien“ konzentrieren, die die ganze Wirtschaft beeinflussen. Die Errichtung einer Hypothekenbank könne nicht länger aufgeschoben werden, denn das Kapital der Palestine Mortgage and Credit Bank sei vollkommen unzulänglich. Redner schlägt ferner die sofortige Gründung von Engeneering and Contracting Corporations vor, da Bauunternehmungen oft wegen unzulänglicher Ausrüstung und nicht genügender Ausbildung des Personals ausländischen Unternehmungen übergeben würden. Neben der Gründung einer Gesellschaft für Industriekredite und der Entwicklung der Heimindustrie, die in den Shani-Wcrkstätten einen vielversprechenden Anfang habe, müsse auf die Entwicklung von kleinen Citrus- Plantagen äufnierksätn gemacht werden. Es gebe eine große Anzahl von Juden, insbesondere in Amerika, die kleine Pflan- Zungen erwerben wollen. Die Zionistische Organisation Arnerikas müsse den Informationsdienst über wirtschaftliche Möglichkeiten in Palästina verbessern und das amerikanische Kapital für Palästina mobilisieren. Dies werde nicht nur finanzieile Bedeutung, sondern auch politische Rückwirkungen haben. Nach kurzer Debatte wird die vorgeschlagene Resolution mit einer geringfügigen Aenderung angenommen. lieber die Resolutionen zur Organisationsfrage, die in der Freitag-Nachmittag-Sitzung beschlossen wurden, haben wir bereits berichtet. In der nächsten Sitzung, Sonnabend, den 11. Juli 1931, 21.30 Uhr, erstattete Schkolnik den Bericht der Kolonisaftons - Kommission Der Referent weist aut die Bedeutung der mit einigen Siedlungen im Nuris-BIock abgeschlossenen Siedlungsverträge hin und teilt mit, daß die Kommission einen umfassenden Plan zur Konsolidierung der Siedlungen ausgearbeitet hat. Der Berichterstatter legt dem Kongreß eine Reihe von Resolutionen über landwirtschaftliche und städtische Kolonisation vor. In diesen Entschließungen, die zum größten Teil ohne Debatte, zu einem Teil nach einer Diskussion über zu ihnen vorgeschlagene Minderheitsvoten und Amendements angenommen werden, nimmt der Kongreß davon Kenntnis, daß das Budget zur endgültigen Konsolidierung aller Siedlungen £ 262 ÖOO betrage, welche Summe als Schuldverpflichtung der Jewish Agency an die Siedler anzusehen ist. Es sollen alle Anstrengungen gemacht werden, diesen Betrag schnellstens aufzubrlngen. Der Kongreß begrüßt die Mitteilung, daß die Siedlungen im Nuris-Gebiet und einige Siedlungen im Afuleh-Gebiet so weit ausgebaut sind, daß sie auf weitere Zuschüsse der Agency verzichten können, falls sie die letzten Raten der Ansiedlungsanleihen am Anfang des nächsten Jahres erhalten. Der Kongreß beschließt eine Ergänzung der Siedlungen des Kischon-Gebietes und die Erhöhung der Ansiedlerzahl im Misclimar ha-Emek auf 40 Familien und fordert die Jewish Agency auf, für die Ansiedlung des Hapoel Ha Misrachi in Scheich Abrek eine entsprechende Summe in das Budget des nächsten Jahres einzustellen, den Beginn der Anpflanzung des Landau-Waldes noch für das laufende Jahr zu sichern und die Siedlung Kfar Gideon durch Ergänzung auf 40 Familien zu konsolidieren. Ferner wird beschlossen, alle Maßnahmen zur Vorbereitung der planmäßigen Besiedlung von Waadi ei Chawarith zu treffen. Nach dem Plan der Exekutive soll dort eine Mittelstands- Siedlung geschaffen und den Siedlern, die über mindestens £ 400 verfügen, die Erlangung von Krediten für den fehlenden Betrag erleichtert werden. Der Genossenschaft Jachin soll ermöglicht werden, eine Mittelstands-Ansiedlung auf einer Fläche von 2000—2500 Dunam zu organisieren. Der Kongreß spricht sich für den Wiederaufbau der während der August-Unruhen zerstörten Ko- Io nie Chulda aus und betont die Wichtigkeit der Mädchen-Lehrfarmen für die wirtschaftliche Ausbildung der jüdischen Mädchen und Frauen. Die Konsolidierung der bestehenden Farmen soll im Verlauf der nächsten zwei Jahre gemeinsam mit der Wizo durchgeführt werden. Der Kongreß beschließt ferner die Konsolidierung der hestehenden Yemeniten-Sied langen sowie die An- Siedlung einer neuen Yemeniten-Gruppe von 100 Familien auf dem Boden von Waadi ei Chawarit, Der. Kongreß fordert,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.