Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 53 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53, 10. W. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 329 Letzte Nachrichten Basel, 9. Juli. (Telephonisch.) Der ganze Mittwoch war Kornmissionsberatungen gewidmet. Der Permanenz-Ausschuß hat sich jedoch ver- *agt, da er seine eigentliche Aufgabe, die Bildung einer neuen Leitung vorzubereiten, gar nicht in Angriff nehmen kann, solange nicht klar ist, welcher Richtung sie angehören soll. Dies aber hängt von der Abstimmung des Kongresses über die Zielsetzung ab. Die Politische Kommission arbeitet fieberhaft, alle möglichen Formulierungen tauchen auf. Es wurde ein Sub komitee eingesetzt, das aber bis zum Augenblick noch nicht zu einem Resultat gekommen Ist. Die elgentliehe Schwierigkeit besteht darin, daß die Gruppe B nicht die Konsequenzen ziehen will, sich einem Rechtsblock zu verbünden und zusammen mit den Revisionisten die Leitung zu bilden. Diese Gruppe scheint jetzt eher gewillt, eine Koaiitlon nach links anzustreben. Sogar ein Teil der amerlkanlschen Welzmann-Gegner, darunter der im Kongreß- Plenum von den Revisionisten bejubelte Stephen Wise, wi 11 keine Koalition mit den Revisionisten gegen die Arbeiter. (Die Minderheit der amerikanischen Delegation ist übrigens über die amerikanische Haltung sehr erbittert und spricht offen davon, was Fishman angedeutet hat, daß nach dem Kongreß in Amerika abgerechnet wird.) Wenn in der Frage der Zielsetzung eine Resolution angenommen wird, die die revisionistische Formel ״jüdische Mehrheit zu beiden Seiten des Jordans“ In irgendeiner Fassung enthält, dann müßte die Majorität, die für diesen Antrag stimmt, auch die Leitung übernehmen. Da die Gruppe B hiervor zurückschreckt, so sucht man jetzt einen Ausweg, indem man eine Formel ausklügelt, für die sowohl die Allgemeinen Zionisten als auch die Linken stimmen können. Wie man dies vollbringen wird, ist bisher noch nicht zu ersehen. Wenn aber die Gruppe B weiter auf dem jetzt von ihr beschritfdnen Weg geht, dann ändert sich die kongreß-politische Gruppierung, was natürlich für die Leitungsbildung von ausschlaggebender Bedeutung wäre. Die Revisionisten sprechen ln den Couloirs bereits höhnisch von der bevorstehenden Wiederkehr Wei zmanns. Wenn die revisionistische Kombination ausscheidet, dann taucht der Name Weizmanns wie von selbst auf, weil nämlich niemand einen anderen Namen zu nennen weiß. Die heutige Plenarsitzung beschäftigt sich mit den Vor- Schlägen der Gesundheits-Kommission und der Kommission zur Förderung der Industrie ln Palästinaes sich leisten. Ich fürchte, daß die Regierung dadurch, daß sie die großen moralischen Kräfte, die in der zionistischen Bewegung Hegen, nicht voll würdigt, und dadurch, daß sie vergessen hat, daß in einer Zeit großer Not für sie die Gefühle eines leidenden Volkes sich Großbritannien zugewandt haben — ich fürchte, sage ich, daß die Regierung durch die Herabdrückung ihres Versnrechens und durch die Bagatellisiereng eines großen staatstnännischen Aktes die Sympathien eines alten Volkes aufs Spiel gesetzt hat, Sympathien, die sogar für die britische Regierung keine quantitd negligeable sein sollten. Geehrter Kongreß! Wir leben heute in einer von schweren Sorgen erfüllten Welt, die mit ihren eigenen Schwierigkeiten zu ringen hat. Wir Juden hatten stets darunter zu leiden, daß wir mißverstanden wurden. Der Zionismus und seine Realisierung in Palästina ist ein Versuch, dieses Mißverständnis zu beseitigen. Aber eine solche Erkenntnis kommt nur langsam und im Laufe der Zeit, Dieses Mißverstehen seitens der Welt ist eine der vielleicht größten Schwierigkeiten, denen wir auf unserem We-ge begegnen, und es wäre naiv, zu glauben, daß zehn Jahre' Arbeit genügen, um solche Schwierigkeiten zu überwinden. Deswegen glaube ich, daß man auf abgekürzten Wegen durch ״Kefizatlr Haderech“ Palästina nicht erreichen kann. Ich glaube aber, daß wir unser Nationalheim erkaufen werden durch schwere, mühselige Arbeit und tiefes Leiden, und daß es die Aufgabe und das Glück unserer Generation ist, in einer historisch bedeutungsvollen Uebergangszeit zu leben, und wir können nur hoffen, denen, die nach uns kommen werden, den Weg zu ebnen, so daß sie größere Taten vollbringen, als uns vergönnt war. Wir sind nur ein Ring in einer langen historischen Kette, deren Anfang in uralten Zeiten und deren Ende in einer uns noch unbekannten Zukunft liegt. Es ist unsere erhabenste Aufgabe, diesen Ring so zu schmieden, daß er tragfähig und haltbar ist. Wir alle sind verbunden in dem starken Glauben an die zionistische Idee und ihre Verwirklichung. Aber der tiefe Glaube an eine Sache manifestiert sich nicht in einer heroischen Phrase oder dramatischen Geste, sondern in der Oeduld, mit der man tagtägliche Schwierigkeiten erträgt, in dem Bewußtsein, daß durch alle Wechselfäile der Weg zum Ziele führen wird, wenn nur wir selbst festbleiben und standhalten, und nicht die Nerven verlieren. In diesem Geiste müssen wir unseren Weg unbeirrt weitergehen, auch angesichts schwerer Rückschläge, und ich bitte Sie — und das ist meijje letzte Bitte an den Kongreß — der neuen Leitung, die Sie jetzt wählen werden, una der Sie die Führung der Geschäfte übertragen werden, diesen Weg nicht allzu schwer zu machen. (Lebhafter Beifall.) Nach Weizmanns Rede stellt der Vorsitzende. Vizepräs. Dr. Emil Margulieg, fest, daß die Generaldebatte geschlossen ist. Da kein Antrag zur Decharge gestellt worden sei, sei nach der Geschäftsordnung die Decharge als erteilt zu betrachten. Das Programm der ״Allgemeinen Zlonlslea“ Am 5. Juli wurde in Basel in einer Sitzung der ״Allgemeinen Zionisten“, auf der Vertreter aus 34 Ländern anwesend waren, die Gründung eines ״Weltverbandes Allgemeiner Zionisten“ beschlossen. Es handelt sich um eine organisatorische Maßnahme, die in keinem Zusammenhang zu dem Kongreß steht. Auf dem Kongreß zerfallen die Allgemeinen Zionisten bekanntlich in zwei Gruppen, und diese Scheidung bleibt auch nach Gründung des Weitverbandes bestehen. Für den Weltverband wurde folgendes Programm angenommen: ״ln Erwägung der entscheidenden Bedeutung des Allgemeinen Zionismus für die Gesamtbewegung und geeinigt im Willen zur Wiedervereinigung sämtlicher AHgemeinen Zionisten, getragen vom heißen Wunsche, diese nationalen Kräfte in noch höherem Maße als bisher in den Dienst der Gesamtbewegung und des Wiederaufbaues Erez-Israels zu stellen, beschließen die nachstehenden Mitglieder des XVII. Zionisten-Kongresses namens ihrer Landesorganisationen bzw. Landesgruppen als Grundlage ihrer künftigen gemeinsamen Arbeit: I. Die Landesverbände bzw. Landesgruppen der AHgemeinen Zionisten vereinigen sich zu einem: Weltverband AHgemeiner Zionisten. II. Treu dem Baseler Programm, erstrebt der Weltverband die Verwirklichung eines uneingeschränkten Zionismus. IH. Der Weitverband anerkennt das Primat der nationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez- Israel und des Wiederaufbaues Palästinas. Die Interessen von Gruppen, Schichten und Klassen müssen daher mit den Geboten des nationalen Wohles in Einklang gebracht werden. IV. Der Weltverband Allgemeiner Zionisten proklamiert die Losung der Vereinigung und Aktivierung der schöpferischen Kräfte der Arbeit und des Kapitals ini Dienste der Nation. Er vertritt den Standpunkt, daß zusammen mit dem Ausbau der. nationalen Fonds und der Arbeit der Chaluzim die Privatinitiative in Landwirtschaft und in Industrie, sowie die Seßhaftrnachung jener Elemente, die zum Teile oder ganz die Mittel hierzu besitzen, organisiert und gefördert wird. Hierdurch sollen die Möglichkeiten für eine große Immigration und für eine rascheste Erschließung des Landes geschaffen werden. V. Der Weitverband erachtet es für unbedingt notwendig, eine allgemeine Zionistische Jugendorganisation innerhalb des Verbandes im Geiste der obigen Grundsätze ins Leben zu rufen und auszubauen. Die Chaluzbewegung soll auf dem Prinzipe der nationalen Chaiuziuth beruhen und aufgebaut sein.״ Felix Warbnrg and Cyrus Adler an Weizmann Felix War bürg־ und Dr. Cyrus Adler haben an Dr. Weizmann ein Telegramm folgenden Inhalts gerichtet: ״Da wir annehmen, daß Sie in der für Sie charakteristischen Art die volle und alleinige Verantwortlichkeit für Schritte übernehmen werden, vor deren Einleitung wir mit zu Rate gezogen wurden, und für die wir mitverantwortlich sind, ermächtigen wir Sie, falls Sie dies wünschen, unsere nachstehende Erklärung vor dem Kongreß zu verlesen: In allen der Veröffentlichung folgenden Konferenzen haben Sie sich an die von der Agency gewählten Methoden gehalten. Sic haben nicht nur die Mitglieder des Verhandlungskomitees zu Rate gezogen, sondern auch mir und den anderen Kollegen in Amerika in vollem Maße Gelegenheit geboten, Ratschläge zu erteilen und entgegenzunehmen, wie man am besten einen Weg aus den Schwierigkeifen, vor denen wir standen, finden könnte. Wir wünschen, die volle Verantwortlichkeit für die unternommenen Schritte und die erzielten Resultate — nach unserer Ansicht die besten, die unter den gegebenen Umständen erzielt werden konnten — mit Ihnen zu teilen.“ * Colonel Kisch hat der Permanenzkommission des Zionistenkongresses mitgeteilt, er wünsche nicht, daß seine Kandidatur für die Zionistische Exekutive in Betracht gezogen werde. Es erscheine ihm wünschenswert, daß ein Wechsel in der Vertretung der zionistisehen Bewegung gegenüber der Palästina-Regierung stattfindet. Er werde auch in privater Eigenschaft der zionistischen Sache dienen. PaläsHnafragen vor dem Unterhaus London, 2. Juli. (J.T. A.) Auf eine Anfrage des Abgeordneten Marcus (Labour Party), wann der Landentwicklungsdirektor für Palästina ernannt werden würde, welches seine Aufgaben seien, welche Amtsdauer und welche Gehaltshöhe für ihn in Aussicht genommen sei, erklärte Unterstaats- Sekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, im Unterhause, man hoffe, die Ernennung in nächster Zeit durchführen zu können. Eine Anfrage Colonel Howard Burys, ob der Direktor ein Engländer sein werde, blieb unbeantwortet. Schließlich erklärte Dr. Shiels auf eine Anfrage des Abg. McShane (Labour Party), er sei nicht in der Lage, eine Erklärung über die Verhandlungen bezüglich der Landentwicklung in Palästina abzugeben. Auf eine Anfrage Howard Burys bezüglich weiterer Verhandlungen mit der französischen Regierung über die Tote Meer-Konzession erklärte Unterstaatssekretär für Aeußeres, Dr. Hugh Dalton, es sei vor kurzem eine Note der iranzösischcn Regierung über diesen Gegenstand eingelangt und werde gegenwärtig geprüft. Das der französischen Regierung im Juli v. J. gemachte Anerbieten, die Frage dem Internationalen Gerichtshof im Haag zur Entscheidung zu unterbreiten, sei bisher von der französischen Regierung nicht angenommen worden. der letzten zwei Jahre. Er unterließ es Jedoch, darauf hinzuweisen, daß die Mandats-Kommission die Darlegung des jüdischen Standpunktes vor sich hatte, die die Exekutive ihr in einem Memorandum unterbreitet hatte, — ein Statement, das nicht ohne Wirkung blieb, wie allen denen klar sein wird, die die Verhandlungen der Kommission studiert haben. Und wenn vor der Mandats-Kommission unsere Antwort auf den Shaw-Bericht Erfolg hatte, so war es deshalb, weil es nicht eine rein rhethorische Antwort war, sondern ein nüchterner Ueberblick über Tatsachen, gestützt durch unbestreitbare Beweise. Wir hatten Erfolg — soweit es ein Erfolg war —, weil unsere Sache eine gute ist und wei! sie auf die richtige Weise vorgebracht wurde. Wenn man mit einem anderen Partner kooperiert, muß es nach dem Prinzip des ״do nt des“ geschehen. Unser wesentlichstes Aktivum ist die aufgeklärte britische öffentliche Meinung und die öffentliche Meinung der Welt ebenso wie das Verständnis für unsere Sache in den Kreisen des Völkerbundes. Unser Hauptziel muß die Gewinnung, Erhaltung und Entwicklung von Freundschaft und Sympathien für unsere Sache sein und wir sollen nichts tun, was diese gefährdet. Manchmal möchte man seinen Gefühlen Luft machen, aber man darf nicht nur an den Augenblick, sondern man muß auch an den nächsten Tag denken. Wir haben versucht, nur dann zu protestieren, wenn die Aussicht bestand, daß der Protest wirksam sein wird. Meine Anschauung über die Parole einer jüdisehen Mehrheit habe ich bereits gestern dargelegt. Die große jüdische Einwanderung, die wir brauchen, kommt nicht durch ein Zauberwort. Wir wollen uns nicht selbst betrügen. Die Größe der Einwandereng hängt von drei Faktoren ab: von den politischen Bedingungen überhaupt, von der Praxis der Einwanderungsbehöraen und schließlich vor allem von unseren eigenen Anstrengungen. Für diese drei Dinge hat die Exekutive Verständnis und hat in fortwährendem tagtäglichem Kampf versucht, diese Ueberzeugung auch im Leben zu verwirklichen. Was zunächst die politischen Bedingungen betrifft, so ist es klar, daß die politischen Verhältnisse und das Vertrauen in ihre Stabilität von größter Bedeutung sind für die Anziehungskraft, die Palästina auf Einwanderer, insbesondere solche mit Kapital ausübt. Eine politische Frage ist es auch, daß die Regierung durch geeignete Maßnahmen die Aufnahmefähigkeit des Landes für Einwanderer vergrößert sowohl durch entsprechende konstruktive Ausweitung der wirtschaftlichen Möglichkeiten, als auch durch Beschäftigung von Juden bei öffentlichen Arbeiten usw. Wir haben uns fortgesetzt bemüht, der Regierung dies klarzumachen und wir haben — insbesondere unsere Palästina-Exekutjve — einen ständigen Kampf geführt mit den Immigrationsbehörden um die Erteilung von Einwanderungsbewilligungen, sowohl für Chaluzim als auch für Einwanderer mit eigenen Mitteln, zu erleichtern. Wir hatten in diesem Punkte oft Anlaß zu ernsten Beschwerden. Aber unsere Stellung in diesem Kampfe wird nicht erleichtert, wenn wir in einem bestimmten Moment, nachdem wir in schweren Kämpfen eine Anzahl von Zertifikaten erreicht haben, aus Gründen unserer eigenen finanziellen Schwäche nicht in der Lage sind, sie auszunutzen. Und darum müssen wir immer wieder daran denken, daß der dritte Faktor, nämlich unsere eigene Anstrengung, immer der aus schlaggebende Faktor sein wird. Letzten Endes wird der Umfang der Einwanderung von uns abhänger. Was wir von der Regierung zu verlangen berechtigt sind, ist die Schaffung solcher Bedingungen, unter denen das Maximum einer Einwanderung möglich ist. Das heißt, daß uns Gelegenheit gegeben wird, alle bestehenden ökonomischen Möglichkeiten, oder solche, die geschaffen werden können, voll auszunützen. Das ist das praktische Programm, mit dem man einen greifbaren Sinn verbinden kann. Wir werden nicht vorwärtskommen, indem wir vage, wenn auch imposante Formulierungen verkünden. Durch alle diese schwierigen Jahre hindurch, während derer die politische Situation uns unaufhörlich in Spannung gehalten hat, sind wir •* von finanziellen Schwierigkeiten gehetzt worden, deren Bedrohlichkeit, wie ich fürchte, von gewissen Teilen des Kongresses noch nicht völlig erfaßt worden Ist. Dies gilt für die ganze Periode von zehn Jahren, während welcher ich gezwungen war, einen großen Teil meiner Zeit und persönlichen Kraft für die Beschaffung der finanziellen Mittel aufzuwenden. Ich kann mich nicht rühmen, daß ich in dieser Zeit, besonders während meiner Reisen in Arner i k a, die auch keine leichte Sache waren, die Unterstützung aller zionistischen Freunde hatte, die hier als Kritiker der politischen Arbeit auf treten. Besonders zugespitzt hat sich die finanzielle Lage in den letzten zwei Jahren, teilweise wegen der allgemeinen Weltlage, aber teilweise auch aus Gründen, die in der Zionistischen Organisation Amerikas liegen. In gewissen Kreisen scheint man fast zu denken, daß es von keiner besonderen Bedeutung ist, ob der Keren Hajessod erhalten bleibt oder nicht und daß es beinahe gleichgültig ist, ob die Jewish Agency weiter mit den nötigen Mitteln ausgestattet wird. In meiner Eröffnungsrede habe ich bereits die Gründe dargelegt, warum, weichen Nachdruck man auch immer auf die Ermutigung der Privatimtiative legen mag, dennoch die Arbeit nicht erfolgreich weitergeführt werden kann, ohne die Unterstützung der öffent- Fichen Fonds, und daß der Keren Hajessod und der Keren A'ajemerii ein integrierender und notwendiger Teif der Grundlagen bleiben müssen, auf denen allein ein gesundes Gebände errichtet werden kann. Auf manchen Seiten aber fanden wir auch i!1 dieser Beziehung Verständnis. In erster Linie muß ich wenigstens mit einem Wort, so unzulänglich es auch sein mag, der großzügigen Generosität des Baron Rothschild gedenken, der uns in einer Stunde größter Not beisprang. Geehrter Kongreß! In einem Moment wie dem jetzigen, wo unsere Bewegung am Scheidewege steht, ist es die Pflicht der Führer, aut die Gefahr hin, von den Oberflächlichen des ״Kleinmuts“ geziehen zu werden, die gegebenen Reali׳ täten klar ins Au^e zu fassen und ein Programm aufzubauen, das in der Welt dieser Realitäten durchführbar ist, und das uns wirklich dem Ziel näher bringt. Ich habe leider in den Reden der Opposition keine Andeutung darüber bemerkt, wie sie die bestehende Diskrepanz zwischen dem Möglichen und dem Erwünschten überbrücken will. Ich sehe nicht die Methode, die irgendeine Aussicht auf Erfolg bietet. Die Gefahr, die ich sehe, ist die. daß man, Formeln nachjagend, den Sinn für Proportion verliert. Wir gleichen einem Kapitän, der sein Schiff nicht aufs Spiel setzen will und darum Ebbe und Flut aufmerksam beobachten muß, tun bei Ebbe stillzuliegen und die Vorteile der Flut auszunützen. Bei mir ist immer Flut, aber ich kann nicht dafür, daß es in der Welt auch Ebbe gibt. Ich habe wiederholt meiner tiefen Enttäuschung und Un- Zufriedenheit Uber die Haltung der Regierung in England und noch mehr über die Administration in Jerusalem Ausdruck gegeben. Keine Regierung, wie mächtig sie auch set!1 mag;, kann es sich leisten, mit einem feierlich gegebenen Versprechen zu spielen, und je größer die Macht Ist, desto weniger kann sie Die Delegierten ans Deutschland Die auf die radikale Liste in Deutschland entfallenden Stirnmen wurden der radikalen Weltliste zugezählt. Das hatte zur Folge, daß die radikale Weltliste zwei Mandate erhielt: der erste Mandatträger ist Dr. Max S o I o w e i t s c h i k , der durch die Annullierung der radikalen Liste ווו Deutschland das deutsche Mandat verloren hatte. Dr. Cyrus Adler, Mitglied des Präsidiums des Council der Jewish Agencv, und Joseph C. Hy man, Sekretär des Toint Destribution Committee, haben an Bord der ״Bremen“ die Ueberfahrt nach Europa zur Teilnahme an den Tagungen des Council in Basel angetreten. Der Sekretär des American Jewish Committee, Morris Waldman, begibt sich an Bord des Schiffes ״New Amsterdam“ nach Europa. Dagegen wird Felix Warburg diesmal nicht zur Tagung des Council nach Basel kommen. Die ״Jüdische Pressezenirale Zürich“ hat zum XVII. Zionisten-Kongreß, der am 30. Juni in Basel eröffnet wurde, eine reich illustrierte, hundert Seiten starke mehrsprachige Soudernummer herausgegeben. Der englische Teil enthält u. a. Stücke aus Acußerungen von J. Ramsay MacDonald, Lord Melchett usw. In einem weiteren Artikel legt der Präsident des Councils der Jewish Agency, Dr, Cyrus Adler, die Notwendigkeit der Zusammenarbeit dar. Weiter sind hervorzuheben: Dr. Joseph Lurje (Jerusalem), ״Die Schweiz als politisches Vorbild für Palästina“; L. Shenkar, Rräsident des Industriellenverbandes von Palästina: ״Industrielle Entwicklungsmöglichkeiten“; Dr. Alfred Bonne: ״Die Elektrifizierung Palästinas“; M. Di zengoif, Bürgermeister von Tel-Awiw: ״Der Aufschwung von Tel-Awiw“ und schließlieh Artikel über die Bedeutung des Hafenbaus von Haifa sowie über die Kolonisationsarbeit der Jewish Agency. Die ״Partie francaise“ enthält u. a. Artikel von w i 11 i a in M a rti 11, Genf, ״La Palestine et les Juifs“ Senator Justin Godart ״La Palestine ä Paris“, sowie eine Aetißerung des rumänisehen Gesandten in Bern über ״Sionisme et Judaisme en Rownanie“.