Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 53 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 328 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, 10. Vn. 1931 daß die Forderung nach einer jüdischen Majorität von unseren Gegnern in der Außenwelt so m ä ß d e u tc t wurde, als wollten wir die Araber beherrschen oder sie gar aus dem Lande vertreiben. Wir als Zionisten wissen, daß dies nicht gemeint Ist, und wir haben es Immer wieder versichert. Aber es ist leider eine Tatsache, daß diese falsche Interpretation in der Oeffentlichkcit, bei Politikern und in der Presse immer wieder uns rnlgegeiifriit. Wir haben als Ihre Repräsentanten jahrelang in dieser Welt zu arbeiten gehabt, und ich sage nicht meine Meinung, sondern ich stütze mich auf diese Erfahrungen, wenn ich darauf hinwies, daß die Proklamierung einer jüdischen Majorität von einem feindlichen Teile der politischen Welt in der von mir erwähnten Weise aufgenommen werden wird. Darum habe ich gesagt, daß ich kein Verständnis habe für die Formulierung einer Mehrheitsforderung als politische Parole. Ich wiederhole aber noch einmal mit aller Entschiedenheit, was Ich bei vielen früheren Gelegenheiten gesagt habe, daß die Forderung nach Irgendeiner Begrenzung des Umfangs und Wachstums der jüdischen Bevölkerung in Palästina absolut unakzeptabel für uns wäre. Ich glaube vielmehr, daß es unsere Aufgabe ist, möglichst viel Juden in wirtschaftlich gesicherter Position nach Palästina zu bringen und eine große, wirtschaftlich und kulturell starke, politisch gesicherte und autonome Judensiedlunß, die alle Funktionen eines echten Jüdischen Nationalheims erfüllen kann, Im Lande zu verankern. Unsere ganze Arbeit ist darauf gerichtet, diesen Kern eines Jüdischen Nationalheims in unseren Tagen zu schaffen und auszubauen, und ich glaube, daß dieses Nationalheim so stark und lebensfähig sein wird, wie wir es machen werden. Ich habe gesagt, daß numerische Majorität allein noch keine ausreichende Garantie für die Sicherheit unseres Nationalheims ist, weil nach meiner Ueberzeugung diese Sicherheit in erster Linie durch ausreichende politische Garantien und durch ein freundliches Verhältnis zu der uns in Palästina umgebenden nichtjüdischen Welt geschaffen wird. Die Beziehungen unseres ständig wachsenden, sich dynamisch entwickelnden Nationalheims zu den palästinensischen Arabern sollen nach dem Grundsatz voller Parität beider Völker ohne Rücksicht auf ihre numerische Stärke geregelt werden. Ich habe wiederholt erklärt, daß wir in Palästina nicht Beherrschte sein wollen, aber auch nicht über ein anderes Volk herrschen wollen. Unser Wunsch ist es, durch Ausschaltung des Moments der Furcht und durch Vermeidung jeder Sache, die — wenn auch auf Grund von Mißdeutungen — zu solcher Furcht Anlaß geben könnte, jene AtmosphärederRuheunddesVertrauensinPalästina zu schaffen, die nach meiner Meinung die beste Basis für unsere Aufbauarbeit und für das ständige Wachstum des Jüdischen Nationalhelms ist. Vorsitzender Motzkin stellt fest, daß nach der Geschäfts- Ordnung die Möglichkeit bestehe, eine Besprechung der fnterpellationsbeantwortung durchzuführen. Grünbaum spricht für Eröffnung der Debatte, Arlosoroff dagegen. Der Kongreß lehnt (107 gegen 97 Stimmen) die Eröffnung der Debatte ab. Melr Großman erhält das Wort zur Verlesung eines Vor- Schlages der Revisionisten, den er Unter Widerspruch des Präsidenten und der Linken zu motivieren versucht, und nach einer Reihe von Zwischenfällen schließlich zur Verlesung bringt: Der Kongreß beauftragt die Politische Kommission, unvorzüglich unter Zurückstellung sonstiger anderer Einzelfragen eine Resolution über die zionistische Zielsetzung auszuarbeiten und so rasch als möglich dem Plenum des Kongresses zu unterbreiten. Nachdem die Linke einen Antrag Lockers auf Uebergang zur Tagesordnung zurückgezogen hat, wird der Vorschlag von Großman mit 115 gegen 10 Stimmen angenommen. Sodann wird die Generaldebatte wieder aufgenommen, es sprechen noch Harzfeld (Arbeiterpartei), Lazarus Barth 11. a. Schluß der Sitzung nach Mitternacht * Der Abschluß der Generaldebatte erfolgte in der Nacht- Sitzung von Dienstag Abend. Um »410 Uhr sprach zunächst Louis Lipsky, der erklärt, Dr. Wise habe Jnsofern für alle Amerikaner gesprochen, als er die Unzu* f riedenheit mit der Mandatar macht zum Ausdruck brachte. Dagegen vertritt er in seiner Gegnerschaft gegen Welzmann nur einen Teil der amerikanischen Delegation. Nach Lipsky erhält das Schlußwort Dr. Weizmann. Weizmanns Antwort Dr. Weizmann: Es ist mein Schicksal — wie auf allen Kongressen, auch diesmal —, stundenlange Kritik und Angriffe über mich ergehen zu lassen, diesmal vielleicht in einem größeren Maße als es sonst der Fall war. Die Erbitterung, die nach den Ereignissen der letzten zwei Jahre in den zionistischen Reihen herrscht, ist verständlich und sie muß sich natürlicherweise entladen, und ich bin der Letzte, der nicht weiß, daß diese Unzufriedenheit berechtigt ist. Es muß aber unterschieden werden zwischen dem Ausdruck dieser Enttäuschung und der Beurteilung der politischen Arbeit der Exekutive. Ich habe in meiner Eröffnungsrede meine Anschauungen über die Prinzipien, die unserer politischen Arbeit zugrunde liegen müssen, dargelegt, und ich habe dem nichts hinzuzufügen. Ich will es mir auch versagen — so verlockend es wäre —׳, auf die hier gehaltenen Diskussionsreden im einzelnen einzugehen, da ich glaube, daß die Stunde für Polemik viel zu ernst ist, und da ich nicht unnötigerweise in die Erregung, die den Kongreß bereits beherrscht, Schärfen hineinbringen möchte. Wir durchleben eine sehr schwere Stunde des Zionismus und diese Stunde legt jedem von uns die allergrößte Verantwortung auf. Ich glaube auch, daß es für unsere heutige Situation und für die Aufgaben, die vor uns stehen, keine Analogie gibt, weder in früheren zionistisehen Perioden, noch in Situationen anderer Völker. Wir müssen mit den Dingen fertig werden, so wie sie uns aufegeben sind, und wir sollten uns hüten, uns von der Polemik inreißen zu lassen, auch nur einen Moment die Augen zu verschließen vor der Tragweite dessen, was wir hier" sagen und tun. Ich bin also nicht in der angenehmen Lage meiner Kritiker, meinen Gefühlen hier freien Lauf zu lassen, aber ich möchte doch einiges Sachliche feststellen: Es ist behauptet worden, daß die Exekutive sich passiv verhalten habe, während uns englische Regierung und Pa- Iästina-Verwaltung einen Schlag nach dem anderen versetzten, und daß wir die Ereignisse ihren Lauf nehmen ließen, ohne einen Versuch zu machen, unsere Rechte zu schützen und unsere Positionen ^u wahren. Wir haben zwei Jahre lang einen schweren politischen Kampf für unsere Rechte geführt und die Politische Kommission dieses Kongresses wird Gelegenheit haben, in das Material Einblick zu nehmen. Das A.-C. und in der späteren Periode die Politische Kommission des A.-C. haben reichlich Gelegenheit gehabt, die verschiedenen Stadien des Kampfes zu beobachten, und sie werden uns nicht beschuldigen, daß wir nicht mit Stetigkeit und Würde unser Recht verteidigt haben. Es ist nicht möglich, dem Plenum des Kongresses dieses Material rnitzuteilen, und cs ist bedauerlich, daß die politische Debatte hier ohne volle Dokumentation geführt werden mußte. Der Kongreß sollte verstehen, daß es im Interesse der Bewegung notwendig ist, daß diejenigen, die aktiv in der politischen Arbeit stehen und die die Interessen des Zionismus nach außen zu vertreten haben, sich ein gewisses Maß von Zurückhaltung bei der öffentlichen Behandlung dieser Fragen auferlegen müssen. So muß die Exekutive es auf sich nehmen, sich oft der Untätigkeit anklagen zu lassen, nur weil sie im Interesse der Bewegung die Einzellieiten nicht enthüllen kann, die ein anderes Licht auf die Dinge werfen würden. Immerhin hätte man das Recht, vorauszusetzen, daß manche dieser schweren Kämpfe durch die Mitglieder des A.-C. der weiteren zionistischen Oeffentlichkeit bekannt geworden wären. Ich will auf die einzelnen Stadien dieser Kämpfe während der Ereignisse, die mit meinem Bcsuch beim Premierminister und anderen Mitgliedern der Regierung in Genf September 1929 begonnen haben und sieb mit den Vorbereitungen zum SI1aw-Bericht, mit den Diskussionen nach dem Shaw-Bericht, mit allen Vorbereitungen zum Hope Simpson-Bericht, mit dem Kampf gegen die Einwanderung^• sperre fortsetzten und im Kampf gegen das Weißbuch von 1910 ihren Höhepunkt erreichten, nicht eingehen. — Es ist uns gelungen, in diesem Kampf die aktive Unterstützung wertvoller Kräfte der englischen öffentlichen Meinung und von maßgebenden Persönlichkeiten aus allen Parteinchtungen zu finden und das hat wesentlich dazu beigetragen, die Regierung zu veranlassen, unsere Sache mit entsprechender Aufmerksamkeit zu behandeln. — Wenn ein Redner hier uns den Rat gegeben hat. a״ diese englischen Kräfte zu appellieren — im Gegensatz zur Regierung , so möchte ich hier doch sagen, daß gerade diese Kräfte es waren, die wir im entscheidenden Moment unter großen Mühen herangeholt haben und daß cs viel schwerer war, die Hilfe dieser Kräfte in systematischer Weise für uns auszunutzen, als jetzt nachträglich ihre Namen uns von der Kongreßtribiine zu empfehlen. Wir haben uns bei dem Kampf um unser Recht in erster Linie auf die Entrüstung gestützt, die ganz spontan in der jüdischen Welt entstanden ist, und die Exekutive hat es als ihre höchste Aufgabe betrachtet, der Regierung gegenüber als Sprachrohr dieser Gefühle unseres Volkes zu dienen. Ich will «un noch mit einigen Worten auf das letzte Stadium unserer Verhandlungen mit der Regierung, den MacDonald-BHef eingehen, der in der Debatte eine so große Rolle gespielt hat. Nach einer langen Debatte hat uns das Aktions-Comite beauftragt, in die Verhandlungen mit der Regierung einzutreten. Die Herren wußten genau, daß das Weißbuch nicht formell zurückgezogen werden konnte. Das Aktions-Comitd gab der Exekutive eine Politische Kommission bei und die Exekutive selbst war während der Verhandlungen zahlenmäßig ziemlich stark, so daß effektiv alle Parteien mit Ausnahme der Revisionisten täglich und stündlich mit den Ereignissen in Kontakt sein konnten. Nahum Goldmann hatte den Mut, seine eigene Mitverantwortung an den Verhandlungen anzuerkennen. Was unsere amerikanische Organisation anbetrifft, so wurde sie zur Entsendung eines Vertreters in derselben Stunde aufgefordert, in der ich vom Premierminister Mac Donald zu dieser Konferenz geladen wurde. Solange Judge Mack sich in London aufhielt, hat er mit uns in engem Kontakt zusammengearbeitet. Er wußte, daß uns seine Anwesenheit willkommen war und daß wir froh gewesen wären, wäre es ihm möglich gewesen, während der ganzen Dauer der Verhandlungen in London zu bleiben. Später bestellte die Arnerikanische Zionistische Organisation einen Beobachter, Herrn Professor Laski, der jeder Zusammenkunft beiwohnte und sie auf dem laufenden hielt. Sie hatten in Amerika ein repräsentatives Komitee von Zionisten und Nichtzionisten genau informiert, und deren Rat bei jedem Schritt ein geholt wurde. Das Komitee teilte uns seine Ansichten mit, die immer voll berücksichtigt wurden. Auf amerikanische Anregung hin ist es uns gelungen, manche wichtige Aenderungen im Text des MacDonald-Briefes zu erzielen; und am Ende der Ver״ handlungen erklärte Professor Laski dem Kabinett-Komitee, daß die Amerikaner sich meinem Statement anschließen. Dies wurde mir auch vor einigen Tagen spontan bestätigt durch ein Telegramm von Felix Warburg und Dr. Cyrus Adler. Viel Kritik ist an meiner Erklärung geübt worden, in der ich in meiner persönlichen Eigenschaft gesagt hatte, daß der MacDonald-Brief eine Grundlage für Zusammenarbeit hergestellt habe, und daß ich diese Ansicht dem Kongreß empfehlen wolle. Weniger hätte ich wohl kaum sagen können. Und nachdem ein britisches Kabinett-Komitee, dem fünf Minister angehörten, sich in einer Zeit, wo das britische Reich auch andere wichtige Angelegenheiten zu behandeln hatte, sich wochenlang mit unseren Angelegenheiten beschäftigte, war die Regierung berechtigt, zu erfahren, wie ich, auf dem die Last dieser Verhandlungen vor allem gelegen hat, das Ergebnis beurteile, und ich habe, wie Ihnen bekannt ist, betont, daß ich mich nur in einer privaten Kapazität äußern kann und daß dem Kongreß die endgültige Entscheidung obliegt. Wir hatten zwischen zwei Alternativen zu entscheiden — entweder in Verhandlungen mit der Regierung einzutreten oder aber es ihr zu überlassen, daß sie eine Erklärung herausgibt, ohne uns vorher zu befragen. Wir haben beschlossen, den ersten Weg zu wählen und traten in die Verhandlungen ein mit voller Ueberlegung und mit Zustimmung aller autoritativen Organe unserer Bewegung. Nur noch ein Wort über | 4 des MacDonald-Briefes. Der Führer der Revisionisten hat es für richtig gefunden, ihn in einer absolut phantastischen Weise zu interpreti er en. Der Ursprung und der eigentliche Sinn des Paragraphen sind folgende: Die Mandatskommission hat der Pa- Iästina-Verwaltung ihren Tadel ausgesprochen dafür, daß sie sich begnügte, das ״Gleichgewicht“ zwischen den beiden Völkern zu halten anstatt konstruktive Arbeit zu leisten. Diese Kritik wurde weiter entwickelt in unserer Antwort auf das Weißbuch, die Herr Leonard Stein verfaßte. Paragraph 4 des MacDonald-Briefes bildet eine Anspielung auf diese Kritik. Herr jabotinsky will daraus ein Veto-Recht der Araber machen. Die Tatsache, daß der Premierminister vom Weißbuch als dem ״dominating document“ spricht, ist viel erwähnt worden. Diese Worte gebrauchte er in einer unvorbereiteten Antwort auf eine zusätzliche Frage im Parlament (d. h., eine Frage, die ihm ohne Voranmeldung gestellt wurde). Der wahre Status des MacDonald-Briefes in seinem Verhältnis zum Weißbuch wurde vom Premierminister am nächsten Tage in einer offiziellen Erklärung klargestellt. Der Text dieser Erklärung ist allgemein bekannt. Aber hiervon abgesehen, scheint die wahre Bedeutung des Wortes ״dominating“ mißverstanden worden zu sein. Man hat es so dargestellt, als stünde es der Palästina-Verwaltung frei, dasjenige Dokument zu wählen, nach dem sie sich in Zukunft richten wolle, entweder das Weißbuch oder den Brief: verschiedene Redner hatten es so dargestellt, als ob im Konfliktfalle das Weißbuch und nicht der Brief den Sieg davontrage» würde, ln Wahrheit ist die Lage umgekehrt. Aus dem Brief geht unzweideutig hervor, daß im Konfliktfalle der Brief und nicht das Weißbuch gelten würde; das ist das Wesen der ״authentischen Interpretation“. Das Weißbuch beherrscht die Lage nur in dem Sinne, daß ohne Weißbuch es keinen Brief gegeben hätte; so wie in einem Bild die Leinwand die Malerei ״beherrscht“. Von einem praktischen Standpunkt ist der einzige wichtige Punkt der, daß, wo zwischen den beiden Dokumenten ein Unterschied besteht, der Brief das Weißbuch beherrscht und nicht umgekehrt. Das ist auch die Auffassung der kompetenten juristischen und politischen englischen Kreise. Weitere Kritik bezog sich auf jenen Teil des Weißbuches, der sich mit dem Gesetzgebenden Rat befaßt, und der im MacDonald-Brief nicht berührt wird. Weil ich gesagt habe, daß der Brief meiner Ansicht nach die Grundläge für eine weitere Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht bildet, haben meine Kritiker vorausgesetzt, daß ich den Teil des Weißbuches angenommen habe, der sich mit dem Gesetzgebenden Rat befaßt. Dies ist nicht der Fall. Ich habe meinen Standpunkt zu diesem Problem klar und deutlich in meinem Brief an Lord Passfield vom 19. September 1930 definiert. Der Brief ist den meisten von Ihnen bekannt, und Auszüge daraus sind von James de Rothschild im englischen Parlament am 17. November 1930 verlesen worden. In diesem Brief forderte ich eine Round Table Conference zwischen Juden und Arabern unter den Auspizien der britischen Regierung; ich schrieb wie folgt: ״Ich rege an, daß die Konzedierung eines Gesetzgebenden Rates ein E r g e b n i s der Round Table Conference sein und ihr nicht vorangehen soll; bevor in einem Gesetzgebenden Rat fruchtbare Arbeit geleistet werden kann, muß erst eine gemeinsame Grundlage für die beiden Völker gefunden werden“. Und ich sprach in demselben Brief unsere Ueberzeugung aus, ״daß die Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates ohne vorhergehende Verständigung zwischen uns und den Arabern nur Schaden stiften kann und die Erreichung einer solchen Verständigung unvergleichiich schwerer machen würde“. Diese Anschauung habe ich der Kabinett-Konferenz wiederholt und zu Protokoll gegeben. Ich behaupte nicht, daß der Briet uns alles gegeben hat, was wir wünschen; leider ist es in der Politik so, daß man nicht alles erreichen kann, was man wünscht, und daß man in jedem gegebenen Moment vor der Alternative steht, entweder das, was sich als erreichbar erweist, anzunehmen, oder überhaupt nichts zu erhalten. Der Brief ist ein Kompromiß, das wenigstens einigermaßen uns entgegenkommt und von dem zumindest gesagt werden kann, daß es das Tor, welches das Weißbuch verschlossen hat, wieder öffnet. Wenn der Brief in richtiger Weise durchgeführt werden wird — und daß dies geschieht, dafür müssen wir alle sorgen — dann ist er ein Ausgangspunkt, von dem wir zur Festigung und Verbesserung unserer Position fortschreiten können. Wesentlich ist, daß der Brief in der Praxis durchgeführt wird. In diesem Punkt können wir uns jetzt noch keineswegs befricd i gt erklären. Die Politik und Haltung der Palästina-Verwaltung haben bis zum heutigen Tag noch nicht die Wandlung zum Ausdruck kommen lassen, die wir als Ergebnis des MacDonald-Briefes zu erwarten berechtigt sind. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, ein endgültiges Urteil über den Wert des Briefes zu fällen. Ich möchte besonders (obwohl es sich hier nur um einen Punkt unter vielen handelt) Bezug nehmen auf die Besch ä f״ tigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten, ein Punkt, zu dem der Brief des Premierministers ausdrückliche Zusicherungen machte. Zu dieser Frage haben wir der Regierung bereits klar gesagt, daß wir nicht in der Lage sind, den MacDonald-Brief als wirklich durchgeführt zu betrachten, und daß dieser Brief nur dann als Basis für eine Kooperation dienen kann, wenn seine Verfügungen sowohl dem Buchstaben als auch dem Geiste nach ausgelührt werden. Lassen Sie mich hinzufügen, daß ich überzeugt bin, daß der Premierminister der erste sein wird, der ernstlich Anstoß daran nehmen würde, wenn er sich davon überzeugt, daß die Palästina-Administration es daran fehlen läßt, denjenigen Versprechungen, unter die er seinen Namen gesetzt hat, Wirksamkeit zu verleihen. Ich weiß selbst nur zu gut, und ich zögere nicht, es hier ganz offen zu sagen, daß in Beamtenkreisen -- sowohl in London und noch mehr in Jerusalem — mit Obstruktion und sogar U ebelwollen gerechnet werden muß, und es wird des festen Eingreifens seitens der höheren Autoritäten bedürfen, um diese Hindernisse zu beseitigen. Die britische Regierung wird sich bald mit der Ernennung eines neuen High Commissioners zu beschäftigen haben und die Handlungen dieses neuen High Commissioners, ferner die Haltung des künftigen Leiters der Development Commission und der Anteil, den man uns innerhalb der Development Commission gewähren wird, werden der wahre praktische Prüfstein für den Wert des MacDonald-Briefes sein. Ich grenze mich ab — und protestiere ־ sowohl gegen die Form als auch gegen einen erheblichen Teil des Inhaltes der Rede von Dr. Stephen Wise, die nach meiner Meinung der zionistischen Sache einen schlechten Dienst erwiesen hat. Durch Uebertreibung unserer Anklage gegen die britische Regierung und dadurch, daß er sie in eine Sprache maßloser Schärfe kleidete, reicht er unseren Gegnern eine helfende Hand. Zu gleicher Zeit möchte ich englische Leser seiner Rede auf die Tatsache aufmerksam machen, daß in den ersten Jahren des Weltkrieges, bevor noch Amerika in ihn verwickelt war, Dr. Wise und seine Freunde unter den ersten waren, die sich für die Sache Englands in Amerika einsetzten. Jeder, der mit den Tatsachen bekannt ist, wird zugeben, daß Dr. Wise in jenen Tagen Großbritannien wertvolle Dienste erwiesen hat. während ich also seine übertriebenen Darstellungen und die Art und Weise, wie er sich ausdrückte, tief bedauere, muß ich doch hinzufügen, daß gerade er ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie durch die Handlungen der britlsehen Regierung Sympathien und Freundschaff vergeudet worden sind. Noch ein wort zu Dr. Wjses Rede. Er nahm in ihr bezug auf den Bericht der Mandats-Kommission, der vor einem Jahr erschien, als dem einzigen guten Dokument