Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 51 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 316 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51, 3. VH. 1931 Eine Kulturiat (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) A. G., Tel-Awiw, Ende Juni 1931. Auch denen, die in den neuen Errungenschaften der hebräischen Sprache wenig Bescheid wissen, ist der Verlag ״Omaimth“ heute genügend bekannt. Neben ״Stibel“ und ״Dwir“, den beiden andern großen Unternehmungen, bat er sich besonders unter den Eltern Heranwachsender Kinder einen Namen gemacht, weil sie zu dem Katalog des Verlages greifen mußten, um Literatur für ihre Kinder zu beschaffen. Jahr um Jahr sind hier neue wichtige Werke der Weltliteratur erschienen; die man der Jugend in die Hand geben konnte. Und neben diesen kamen bei ״Omanuth“ palästinensische Schriften heraus, aus denen die Kinder eine Kenntnis des Landes, seiner Geschichte und der Errungenschaften der neuen jüdischen Siedlung, wie auch Kenntnisse hebräischer alter und mittelalterlicher Literatur schöpfen konnten. Dieser Verlag hat vor kurzem sich ein eigenes Haus mit einer Druckerei gebaut. Der Bau liegt auf einem umfang• reichen Grundstück nahe am Zentrum der Stadt. Es ist ein großer Komplex, mit einer sehr ansprechenden modern wirkenden Außenfassade, der an neue Fabrikbauten in Europa erinnert, sich aber durch seine großen flachen Dächer und besondere Fensteranlage dem Mittelmeerklima anpaßt. Die riesigen Korridore und weiten Treppenhäuser, sehr geschmackvoll und einheitlich getäfelt und gestrichen, stellen ein Mittelding zwischen einem großen Privathaus und einem öffentlichen Gebäude dar. Die Arbeitssäle im Erdgeschoß sind ein großer Fortschritt gegenüber den Werkstätten im Lande; außerordentlieh weit und luftig sind sie den besonderen Bedürfnissen der Ventilation und Belichtung, zugleich dem Schutz vor übermäßiger Sonnenbestrahlung sorgfältig angepaßt durch besondere Stellung und Bau der Fenster. Ausgestattet mit modernster Maschinerie und verschiedensten arbeitsparenden Einrichtungen ist der Betrieb auf eine große Produktion eingerichtet. Heute liefert der Verlag ״Omanuth“ selbst zwei Drittel der Aufträge für die Druckerei, der Rest kommt von außen. Der ganze Betrieb ernährt heute etwa 100 Familien. Von besonderem lnf er esse ist die große und modern installierte arabische Abteilung der Druckerei. Es ist das eine Neuerung für Palästina, aas keine großen arabischen Druckereien besitzt. (Die Bücher für die Regierungsschulen werden meist aus Syrien bezogen.) Die Druckerei ist neben arabisch und hebräisch auch auf europäische Schriften eingestellt und legt besonderen Wert aut gute Ausführung ihrer Erzeugnisse. Ein Blick durch die mannigfachen Bücher und Broschüren, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben, zeigt die großen technischen und geschmacklichen Fortschritte. Gutes Papier, klare Typen, ansprechende, dabei ganz einfache und handliche Einbände, sind in aßen Ausgaben, auch in den ganz billigen, zu finden. Ein Siddur oder eine Peßach-Hagaaah sehen völlig verändert aus in ihrer klaren Anordnung, ihren guten Einbänden und Drucken. Von besonderem Interesse ist eine Sammlung kleiner Heftchen, jedes einen Bogen stark, die zum Preise von 10 Mil (zwanzig Pfennig) Auszuge aus der hebräischen Literatur geben, besonders für die lernende Jugend. Diese Ausgaben sind punktiert — etwas sehr wichtiges!— und durch Inhalt, Ausstattung und Preis gleich gut geeignet für den Massengebrauch. Auch das Galuth wird hier sehr vieles und gutes finden, ■was der hebräischen Arbeit Hilfe leisten wird. Von einzelnen Ausgaben des Verlages seien ferner erwähnt: eine Kosmographie mit guten Illustrationen, eine Prachtausgabe von Tausend und eine Nacht. Eine mit äußerster Sorgfalt und vieler Feinheit ausgeführte Palästinakarte (Siebenfarbendruck) ist in Vorbereitung. So wie In den Drucker- und Setzersälen für hygienische Bedingungen Sorge getragen ist, findet man auch sonst in europäischer Weise Einrichtungen für die Arbeiter, wie Duschen und Schränke für Kleider, Einrichtungen, die unter den klimatischen Verhältnissen Palästinas geradezu unentbehrlieh und doch selten sind. Auf dem weiten Gelände, das die Bauten umgibt, soll jetzt ein Sportplatz für die Arbeiter eingerichtet werden und auf dem riesigen Dach ist die Anläge eines Kinos mit Kultur- und Lehrfilmen für Kinder geplant. Diese Idee ist für Tel-Awiw von weittragender Bedeutung. Gerade beschäftigt sich der Stadtrat in Tel-Awiw mit der Abfassung eines Gesetzes, das den Filmbesuch von Minderjährigen regeln soll. Damit wäre die Ueberfütteruag der Jugend mit allem möglichen Kitsch ausgeschaltet, aber dafür noch nichts Positives gegeben. Ein Lehrkino könnte in der Vermittlung von Kenntnissen und Anregungen, der Aus- Weitung des Horizonts und der klareren Anschauung vieler Wissensgebiete von revolutionärer Bedeutung sein und es ist mir zu wünschen, daß die Leiterin und Besitzerin vm ״Omanuth“, Frau Per sitz, die Möglichkeit haben wird, den Plan auszuführen und daß er von allen Seiten kräftigste Unterstützung erfährt. Mit dem Verlag verbunden ist eine pädagogische Ausstellung, ebenfalls eine Neuerung für Palästina. Hier sind in einem großen Saale die verschiedensten Einzeluten• silien und Kollektionen aufgestellt, nach den verschiedenen Klassen und Schultypen geordnet. Man findet z. B. neben einer ganz kleinen und primitiven physikalischen Ausstattung, wie sie für Dorfschulen in Betracht kommt, umfangreiche und kom• plizierte, wie man sie für Gymnasien benötigt. Es werden auch Versuche gemacht, einzelne viel gebrauchte Gegenstände im Lande selbst herzustellen, was oft die Kosten herabsetzt. Die Ausstellung gibt an Schulen die Lehrmittel zum Kostenpreise ab und komplettiert und erneuert ihren Bestand fortlaufend. Man findet hier auch — be■ ״Omanuth“ her gestellt — besondere Arten von Heften, wie sie für das Hebräische notwendig sind, eine ganze Fülle kleiner praktischer Gebrauchsgegenstände, die die Arbeit erleichtern und so billig sind, daß sie überall angewandt werden können. Als der größten Druckerei im Nahen Osten mit ihrer arabischen Abteilung, die ihr Bedeutung für das ganze Land und nicht nur für die Juden verleiht, kommt diesem alt-neuen Unternehmen besonderes Gewicht zu. Es hat seine Arbeit in einer Zeit begonnen, wo sich die Wirtschaftskrise auch auf dem Büchermärkte mit großer Heftigkeit auswirkt, so daß der Anfang durchaus nicht leicht ist. Der Bau des Verlagshauses von ״Ömanuth“ ist eine große Bereicherung des Landes, sowohl vom materiellen wie auch vom kulturellen Standpunkt aus. Es ist zu wünschen, daß sich das Unternehmen entsprechend entwickelt und seine gedeihliche Arbeit in großem Maße weiterführt. Stiftung zur Förderung jüdischer Musik. Der vor einiger Zeit verstorbene Gründer des Symphonie-Orchesters in Chicago, Walter Unger, der diesem Orchester 26 Jahre hindurch als Cellist angehört hat, hat testamentarisch verfügt, daß der Betrag von 10 000 Dollar für eine Stiftung zur Förderung jüdischer Musik verwandt werde. Die Hälfte dieses Betrages ist zur Einrichtung jüdischer Musikkurse an den bedeutenderen Konservatorien der Vereinigten Staaten, die andere Hälfte zur Errichtung eines ähnlichen Kurses in Leipzig, der Geburtsstadt Ungers, bestimmt, ln seinem Testament bezeichnet Unger die jüdische Musik als ״die wahre Seele aller Melodie“. Islam und Christentum im Orient Von Dr. Jacob Thon. Mit Verwunderung beobachteten wir die Ueberwindung von Jahrhunderte alten tiefen Gegensätzen zwischen Moslems und Christen in der Nachkriegszeit und die Bildung einer islamisch-christlichen Einheitsfront gegen die Juden, wie sie in den ״islamisch-christlichen Vereinigungen“ in Pallstina ihre Organisationsfortn fand. Jedem Geschichtskenner muß diese Verbindung als unnatürlich erscheinen. Die Erklärung, daß sie durch eine künstliche Propaganda entstanden sei, die aus judenfeindlichen christlichen Kreisen stammt, hinter der auch gegnerische europäische Regierangs־ beamte stehen soUen, ist zumindest unzulänglich, tatsächlich kaum belegt, und jedenfalls nicht erschöpfend. Freilich würden auch neutrale Beamte eine antichristliche Orientierung der orientalischen Bevölkerung unter allen Umständen verhüten und deshalb eine christlicn-mohamedanische Alliance einer jüdisch-mohamedanischen vorziehen. Auch gibt es im Orient natürlich antijüdische christliche Kreise sowie antienglische, die um die Juden als solche oder als englische Bundesgenossen zu treffen, es an Bemühungen nicht haben fehlen lassen, um die mohamedanische Bevölkerung gegen sie aufzuwiegeln. Aber man muß auch die objektiven Umstände kennen, die eine günstige psychologische Disposition für eine judenfeindliche Propaganda schufen. Es darf zunächst nicht übersehen werden, daß viele einheimische Christen von national-arabischer Gesinnung erfüllt sind, welche die bisher vorhandene tiefe Kluft zwischen Christen und Mohamedanern überbrückt und eine Neigung der christlichen Minderheit zur Vereinigung mit der mohamedanischen Welt schafft. Als eklatantes Beispiel ist das vom Senior der arabischen Journalistik, Negib Nassar, redigierte Haifaer Blatt ״Karmel“ zu erwähnen, dessen Schilderung über den Aufschwung der mohamedanischen Welt oft eine so überschwänglische Form annimmt, daß sie manchmal wie eine Propaganda für den Islam wirkt. Die in allen Ländern des Orients erwachte und mächtig fortschreitende Bewegung richtet sich natürlich in erster Linie gegen die okkupierenden europäisch-christlichen Regierungen als die gemeinsamen Unterdrücker der orientalischen Völker. Aber ein« jede Okkupationsmacht hat einflußreiche Christengemeinden in den okkupierten Ländern, mit denen sie in alter Freundschaft verbunden ist, und christlicne Organe, die, von gewandten Journalisten geleitet, die öffentliche Meinung beherrschen. Dagegen können sich die Juden auf keine organisierte Gruppe unter Christen oder Mohamedanern stützen, »och haben sie Verbindung mit irgendeinem einflußreichen Organ. Dazu ist unsere Ausdrucksweise in Wart und Schrift oft so unvorsichtig und unberechuet, daß der übelwollenden Propaganda reichlich Stoff geliefert wird. So kam es, daß die ״J u d e n g e f a h r“ der Phantasie der orientalischen Völker als Gefahr gleichen Grades eingeprägt wurde wie etwa die Herrschaft der Kolonialmächte oder die gewaltsame Ueberführung zum Christentum. So z. B, faßten die vielen Tausende Muslims von Java, die (nach Al Chajath vom 14. V.) vor wenigen Wochen am 17. Kongreß der ״Islam-Gesellschaft“ teilnahmen, im gleichen Atem Resolutionen gegen die Palästinagefahr, gegen die Christianisierung der Berber und für die Unterstützung der indisehen Freiheitsbewegung. Schon in einem Vortrag in der Central Asian Society im Dezember 19?9 hatte Professor Margoliouth darauf hingewiesen, daß der tief eingewurzelte Haß der Moha• meaaner gegen die Christen, der z. B. in Marokko zur Basis jeder Regierungspolitik wird, In Palästina durch den gemelnsamen Kampf von Mohammedanern und Christen gegen den Zionismus überwunden werde. Diese verbindende Tendenz hat auch Schaukat Ali bei seiner Propagandatournee verfolgt Als strenggläubiger raoslimischer Prediger hat er eigentlich nur Interesse für die großen Fragen des gesamten Islam. Die Zerstörung des Khalifats durch die aufrührerischen gottlosen eignen Unter• tanen des Sultans betrachtet er als das größte Unglück für den Islam. Die Wiedererrichtung des Khalifats, dem die ganze mohamedanische Welt sich unterwerfen soll, ist sein höchstes Streben. Den ״Kandidaten für die Heerführung des Islam“ sucht er unter den in Verbannung und Not lebenden ״Nachkommen der Dynastie Osman’s, auf deren Schultern das Khalifat 400 Jahre gelegen“!Interview in ״Al Dschamia al Arabia“). Er warnt vor Neuerern und Reformern (Amanußah, Mustapha Kemai). Er lehnt auch den wahabitischen König Ibn Saud als Beherrscher von Mekka und Medina, also als Usurpator ab (Interview in ״Mokattam“, in ״Dschamia Arabia“ teilweise dementiert). Er predigt Einfachheit in Lebensweise und Kleidung ״wie die ursprüngliehen Mohamedaner und Omar der Eroberer, der ein zerrissenes Kleid trug“. Für die Bibel und das ״Volk Gottes“ hat er eine pietätvolle Einstellung. Entgegen seiner religiösen Richtung jedoch predigt er nicht Liebe, sondern Haß gegen die Juden. Er ist nachgebend gegen die Christen und strebt nach Vereinigung mit ihnen zu gemeinsamer Bekämpfung der Juden. Darin wird er auf christlicher Seite vom politischen Verbündeten des Mufti unterstützt, dem griechisch-katholischen Bischof Hadjar (der direkt dem Papst untersteht); dieser hat eine neue Ge- Schichtstheorie über die Kreuzzüge konstruiert: ״Saiah Eddin kämpfte nicht gegen palästinensische Christen, sondern gegen europäische Christen, die hierher als Räuber und Eroberer kamen; wir orientalischen Christen waren Araber unter Arabem und werden es bleiben.“ ״Seitdem Omar der Eroberer dieses Land betreten hat, stehen wir in den besten Be* Ziehungen zu den Mohamedanern und kämpfen mit ihnen Schulter an Schulter gegen Juden, die aus aller Herren Lin* dem herkommen, um ״Beit ul Makdes“ zu erobern.“ Dieser Verbrüderung stellt allerdings die Wirklichkeit Ereignisse entgegen, die als schwere Hindernisse wirken. Schaukat Ali erwähnte gegenüber dem französischen Haut Commissaire Ponsot nur sehr schüchtern die religiösen Verfolgungen in den französischen Kolonien Nordafrikas. Kurz darauf aber kam es zu den heftigen Protestbewegungen gegen die militärischen Maßnahmen der Italiener in Tripolis una Barka in der ganzen mohamedanischen Welt, wodurch die angestrebte mohamedanisch-christliche Einheitsfront schwer ersehnttert wurde. In der Zusammenfassung der Klagen des Syrischen Komitees von deT Feder seines Vorsitzenden Emir Schakib Arslati Seteilt in ״Dschamia Arabia“ vom 18. und 20. Mai) 5n 2 Punkte besonders hervorgehoben: die Expatriierung von 80000 mohamedanischen Einwohnern der fruchtbaren und gesunden Gegend des ״grünen Bergs“ (Dschebel Achdar) nach einer 10 Tagereisen entfernten sandigen Ebene, in der sie bei einer Unterstützung von 2 lire pro Familie und Tag dem Hunger und allmählichen Untergang preisgegeben sind. Damit zugleich erfolgte die Konfiszierung der ausgedehnten Kirchengüter der senussischen Bevölkerung und anderen Bodeneigentums, insgesamt auf ein Fünftel aes Gesamtareals der Kolonie geschätzt, um italienischen Siedlern Platz zu machen. Mit noch größerer Empörung aber wird über die Entführung von Kindern im Alter von 4 bis 14 Jahren nach Italien Beschwerde geführt, wo sie dem christlichen Glauben zu geführt werden sollen. Die italienische Regierung bediene sich der katholischen Mission, um die Christianisierung und Italienisierung Libyens (Tripolis) durchzuführen. Ueberhaupt seien die europäischen Kolonialregierungen nach dem Krieg und dem Fall des Khalifats sehr stark mit dem christlichen Missionswerk (katholischer und protestantischer Richtung) verbunden, das von ihnen mit ungeheuren Mitteln gefördert werde. Im Gegensatz zu dieser Praxis der christlichen Mächte wären die vergangenen großen mohamedanischen Reiche, der Lehre des Koran ״keine Vergewaltigung Im Glauben“ folgend, mit Toleranz gegen Andersgläubige, beson* ders Christen und Juden verfahren. Wir berichten nicht darüber als tertius gaudena. Wir Juden hatten als Religion niemals in der Geschichte militante Tendenzen; wir rivalisieren auch jetzt mit keiner anderen Religion. Wir wollen nur für unsere aufbauende, die Ten* denzen keiner anderen Religion durchkreuzende Tätigkeit Verständnis wecken. Bttdiersd&au Der neue Band Rappln ״Der Kampf der Juden um ihre Zukunft*' (Zweiter Band der ״Soziologie der Juden*‘). In den nächsten Tagen erscheint im Jüdischen Verlag. Berlin W 50, der zweite Band von Ruppins ״So* zlologie der Juden“ (in Leinen M. 14,—, in Halbleder M. 28,— pro Band), während der erste Band ״Diesoziale Struktur der Juden“ einen Querschnitt durch das Judentum der Gegenwart gegeben hat und als eine umfassende Enzyklopädie des zeitgenössischen Judentums gelten kann, behandelt der zweite Band die Strömungen und Bestre* bungen im Weltjudentum, den drohenden Untergang der Juden aufzuhalten oder zu verhindern. Ruppin behandelt im ersten Abschnitt ausführlich den Kampf um aie Gl eich berechti* gung, ־um Minderheitsrechte und den Kampf gegen den Antisemitismus. Jm zweiten Abschnitt werden die w i r t - schaftlichen Kämpfe in West- und Osteuropa und in Amerika dargestellt, im dritten Abschnitt die Bestrebungen zur körperlichen Ertüchtigung der Juden. Der vierte Abschnitt ist der Darstellung der geistigen Strömungen ira Judentum der Gegenwart gewidmet. Er geht auf Assimilationserschelnungen, auf den Zerfall der Sprachgemeinschaft, auf die Verdrängung jüdischer durch weltliche Bildung und auf den Niedergang der jüdischen Religion ein. Dann werden die Gegenströmungen gegen diese zentrifugalen Tendenzen, nära• lieh die Bestrebungen zum Ausbau der jüdischen Gemeinde- Organisation, zur Erhaltung von Religion und Tradition und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls überhaupt, sowie die Bildung neuer jüdischer Zentren eingehend geschildert Der fünfte Abschnitt gibt einen trotz seiner Knappheit ungemein instruktiven und lebendigen Ueberblick über Geschichte und Leistungen des Ziftnismus, über die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Palästina und über den Standpunkt der Araber und der Juden. Im letzten Abschnitt ״Die Zukunft der Juden“ wird dann schließlich der Wert der luden für die Weltkultur, ihre speziellen Kulturaufgaben für die Zukunft dargestellt und die Frage ״Fortbestand oder Untergang?“ beantwortet. Der zweite Band der ״Soziologie der Juden“, geschrieben von dem hervorragendsten Kenner des zeitgenössischen Judentums, wird voraussichtlich eine starke Wirkung auf alle jüdischen Parteien und Richtungen ita Judentum ausüben, ebenso auch auf alle Nichtjuden, die sich mit dem jüdischen Problem befassen, das heute brennender ist als je. Thomas Woodrow Wilson. Sein Leben und sein Wirken. Von Richard Kötzschke. Verlag von Wolfgang Jeß in Dresden. 5 M. Die Figur Wilsons, vor 12 Jahren des mächtigsten Mannes der Welt, Ist heute keineswegs mehr 60 lebendig wie es der Tragweite seines Wirkens entspräche. Darum ist es zu begrüßen, daß in diesem Buch die Ereignisse seines Lebens zusammenfassend dargestellt werden, wobei es sich von selbst ergibt, daß der zweite Teil des Buches Geschichte ist. Wilson hat bei Neugestaltung der Weltkarte viele Irrtütner begangen, seine Ideen naben sich nicht verwirklicht, er ist eine tragische Gestalt, über die wohl, wenn mehr Distanz gewonnen ist, noch Tieferes zu sagen sein wird als in Kötzschkes Buch steht. Der Zionismus hat eine große Dankesschuld an Wilson, und viele Zionisten werden die Gelegenheit, sein Leben durch dieses Buch kennen zu lernen, willkommen heißen. Arabische Broschüre der Histadruth. Die arabische Abtei- Iung der Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas gab eine arabische Broschüre über ״Arbeiterfragen“ heraus. Die Broschüre enthält folgende Artikel: Unser Ziel — von der Exekutive der Histadruth; Die Arbeitslosigkeit der Welt (M. Nemlrowski); Der Achtstundentag (Abah Chuschi); Der Wert der Organisierung der Arbeiterschaft (W. Preuß); Offener Brief an den palästinensischen Arbeiter (P. Ch.); Die Arbeiterbewegung der Welt; Verschiedene Nachrichten; Unglücksstern, Erzählung (J. Burla). — Die Broschüre begegnete dem Wider- Spruche der arabischen Presse. ״Feiestin“ erklärt den arabischen Arbeitern, daß die Histadruth eine rein jüdische nationale Organisation sei, die nur von den Arabern Intemationalismus fordere und sich damit befasse, die Araber aus Palästina zu verdrängen. ״Felestln“ ist überzeugt, daß die arabischen Arbeiter sich nicht irre machen lassen werden. Jiddischer Bericht der Ica. In Paris erschien in jiddischer Sprache der Bericht der Ica für das Jahr 1929. Es ist bemerkenswert, daß die Ica sich jetzt zum zweiten Male veranlaßt gesehen hat, Ihren umfangreichen Bericht (312 Oktavseiten) m jiddischer Sprache erscheinen zu lassen. Die Uebersetzung wurde von J. D i j o u r besorgt, der in Berlin von seiner jahrelangen Tätigkeit im Emicdirect bekannt ist Dijour war gezwungen, eine große Anzahl von technischen Ausdrücken neu zu schaffen, um den französischen Originalbericht ln ein klassisches Jiddisch zu übertragen. Der Innalt des Berichtes informlert über alle Zweige der Ica-Tätigkeit in der ganzen Welt. Die Broschüre ״Als Flüchtling durch Vorderasien“ von J. M a r g o s c h e s, die die Flucht des Verfassers aus Sibirien und seine Fußwanderung über den Kaukasus, Persien, Mesopotamien und Syrien nach Palästina schildert, ist in deutscher Sprache erschienen (28 Seiten) und in Berlin in der Buchhandlung R. Maaß, Kantstr. 46, erhältlich. Ein von der Vereinigung der belgischen dramatischen Dichter preisgekröntes jüdisches Drama in französischer Sprache ״Le Septdnaire“ (,״Schiv’ah) von Joseph Schulsinger, einem zionistischen Schriftsteller in Antwerpen, wird im Laufe der nächsten Saison in Brüssel aufgeführt werden. Das Din e so h n-Komi tee hat dem Verband der Freunde der Hebräischen Universität in Jerusalem eine Sammlung von Briefen aus dem Nachlaß des im Jahre 1919 verstorbenen Dichters Jakob Dinesohn überlassen, darunter Briefe von Mendele Mocher Sforim, Scholem Alechem, David Frischmann, Moses Lilienblum, Perez Smolenski u. a.