Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-06-26 · Heft 49-50 (26.6.1931) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 49-50 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653297--22418-2680633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 49/50, 20. VI. 1931 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 307 faßte ihn große Unruhe. Sehr dramatisch hat er mir erzählt, wie er täglich erregt und wartend durch die Straßen von l7ien wandert«, immer wartend auf das Wunder, spähend und suchend. Und eines Tages sah er in einem Schaufenster am Schottentor Herzls Judenstaat. ״Ich stürzte In die Buchhandlung, fragte nach dem Verfasser, fuhr zu Herzt und stürzte an dem öffnenden Dienstmädchen vorbei in das Zimmer, wo Herzl am Schreibtisch saß und mich erstaunt musterte. Ich konnte nur stammeln: Da bin ich. Herzl erwiderte: das sehe ich, aber wer sind Sie? Er war bei diesen Worten sehr hoheitsvoll und sichtlich nicht angenehm von meinem Eindringen überrascht. Ich konnte nur erwidern: ich begreife, daß Sie verwundert sind, aber ich war es, der Sie schon 1882 dem Großherzog von Baden verkündet hat, und Jetzt will ich Ihnen helfen. Ich trage den Gedanken schon viele Jahre herum. Und dabei zeigte ich ihm meine Schrift, die ich immer bei mir trug. Herzl sagte darauf: Ich habe nicht Theologie studiert, was treibt Sie denn? Wollen Sie die Propheten erfüllen? Ich sagte ihm, das ist meine Pflicht und ich will Sie zum Großherzog von Baden bringen.״ Hechler schrieb dann eine Kritik über den Judenstaat, die er dem Großherzog von Baden, dem Kaiser unjl dem Lord Salisbury sandte. Als Begleitbrief schrieb er dem Großherzog nur: ״Er ist gekommen“. Der Qroßherzog beschied ihn darauf telegraphisch nach Karlsruhe und er vermittelte Herzls ersten Empfang. Der Großherzog von Baden war ein sehr frommer Mann, las täglich in der Bibel und betete mit seiner Frau. So glaubte er auch fest an die prophetischen Verheißungen von der Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina. Nach Hechlers Angaben war der Großherzog von der Persönlichkeit Herzls geradezu begeistert. Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Gelegentlich der Feier seines 70. Geburtstages empfing der Großherzog eine zionistische Deputation, deren Mitglied ich war. Er begann die Unterhaltung mit den Worten: ״Nicht Sie haben mir für den Empfang zu danken, sondern ich danke Ihnen, daß sie gekommen sind. Denn eine Sache zu stützen, an deren Spitze ein Mann wie Theodor Herzl steht, bedeutet für mich eine moralische Pflicht.“ Und dem Professor Berliner sagte er kurz vor seinem Tode in St. Moritz: ״Zwei Aufgaben hat mir Gott in der Welt gestellt; an der Begründüng des Deutschen Reiches mitzuwirken, und den Juden wieder zu ihrem Lande zu verhelfen. Den ersten Teil meiner Lebensaufgabe habe ich erfüllt, nun muß ich an der zweiten Hälfte arbeiten.“ Der Großherzog sandte nach dem Empfang Herzls dem Kaiser persönlich ein Exemplar des Judenstaates samt Hechlers Kritik und vermittelte Herzls Empfang bei Wilheim II. Hechler hat dann weiter Herzls Empfang in Darmstadt vermittelt. Der Großherzog schrieb auch an den Zaren und suchte ihn auf Grund einer von Herzl verfaßten Darstellung für die Bewegung zu interessieren, allerdings mit geringem Erfolg, obwohl der Schwager des Zaren, der Großherzog von Hessen, den Wunsch des Großherzogi von Baden beim Zaren unterstützte. Die weitere Entwicklung der Dinge, Herzls Empfang beim Kaiser, dessen zeitweise starkes Interesse für die Bewegung und seine Intervention beim Sultan sind ebenso bekannt, wie die Tatsache, daß weitere Erfolge von Büiow durchkreuzt wurden. Hechler selbst trat allmählich immer weiter ins Dunkle zurück, aber Herzl ist ihm dauernd dankbar geblieben. Bei jeder Sitzung des Aktions-Comitds war er anwesend, so lange Herzl lebte. Und ich erinnere mich, daß er während der Sitzung vor Herzls Tode, als die Bewegung nach Charkow auseinanderzufallen drohte, zwei Tage lang betend und weinend im Vorzimmer saß, zürnend und klagend wie Jeremia, und jeden, der die Sitzung verließ, händeringend atjrlef.jdoch für Frieden einzutreten, damit das gottgewollte werk nicht zugrunde gehe. Er erhielt später eine kleine Pension und lebte einsam in London; sein einziger Sohn lebte fern in Australien. So ist er nun sehr alt, einsam und still dahingegangen, «in vergessener Prophet. Presseschau Jaden und Araber In der ״Selbstwehr“ veröffentlicht Hans Lichtwitz als Ergebnis einer Palästina-Reise bemerkenswerte Betrachtungen über die Beziehungen zwischen Juden und Arabern, denen wir folgende illustrative Stellen entnehmen: ״• . . Es fehlt zunächst an den gehörigen psychologischen V oraussetzungen einer Verständigung. Nicht alle Araber betrachten die Juden a priori als gefährliche Ein* dringlinge und Feinde, aber man wird auch lange und vielleicht vergeblich suchen müssen, um Freunde der Juden unter ihnen zu suchen. Die arabische Bevölkerung hat in den lan* gen Jahren zionistischer Kolonisation viel zu selten beim jüdisehen Jischuw Rückhalt für ihre eigenen, zum. Teil sehr berechtigten Forderungen gefunden. Das ständige Aufzeigen der großen Gegensätze zwischen beiden Völkern auf kulturellem, sanitärem und wirtschaftlichem Gebiet, von der zionistischen Propaganda nicht immer gerade geschickt hervorgekehrt, hat auf arabischer Seite den Eindruck hervorgerufen, als ob den Zionisten an der Beibehaltung dieser großen Differenzen gelegen wäre. Daß die jüdische Kindersterblichkeit in den letzten sechs bis acht Jahren so rapid gesunken ist, daß sie heute bereits als zweitkleinste der ganzen Welt rangiert, ist ein bewunderungswürdiger Erfolg des jüdischen Gesundheit«■ wesens in Palästina. Auf arabischer Seite hat sich in diesem Zeitraum nichts geändert; die Regierung hat ihre Pflicht grob verletzt, die sanitären Verhältnisse in einem erschreckend desolaten Zustand belassen. Die Kindersterblichkeit ist auf gleich schwindeliger Höhe geblieben und es ist für die Araber gewiß kein Trost, wenn man, um den Fremden die Fortschritte auf sanitärem Gebiet seitens der Juden recht deutlich vor Augen zu führen, stets ihre eigene Not zum Vergleich heranzieht. Das jüdische Schulnetz Ist sehr gut ausgebaut, es gibt kein jüdisches Kind ohne Schulunterricht mehr. Auf ara* bischer Seite kann nur jedes fünfte Kind die Schule besuchen, die Volksschulen dürfen jährlich maximal .je vier ihrer Absolventen in die einzige arabische Mittelschule in Jerusalem entsenden. Seit Herbert Samuels Zeiten wurden keine neuen arabischen Schulen mehr errichtet, obgleich der Bildungsdrang in der Zwischenzeit sehr gewachsen ist. Hunderte arabische schulbedürftige Kinder müssen alljährlich wegen Raummangels vom Schulbesuche ferngehalten werden. Von den Juden wird immer darauf hingewiesen, wie stiefmütterlich die׳ Regierung im Vergleich zu dem arabischen da» jüdische Schul werk behandle — eine Klage, die zu Recht besteht. In den Ohren der arabischen Bevölkerung klingt sie aber wie ein Vorwurf an die Regierung, für ihr eigenes jämmerlich kleine® Schulwerk zu viel geleistet zu haben — insbesondere, da ansonsten keine jüdischen Stimmen laut werden, die die Araber in ihren Schulforderungen unterstützen. Aehnliche Beispiele lassen sich noch zur Genüge aufzählen. Das alles trägt dann aber recht wenig dazu bei, auch nur Keime eines freund-nachbarlichen Verhältnisses aufkommen za lassen. Man muß nicht auf eigene For* derungen verzichten, um auch für die der anderen einen offenen Blick zu bewahren, aber ein guter Wille gehört dazu und eine wesentlich andere Haltung, als sie auch heute noch ein Großteil des jüdischen Jischuw einnimmt ■ . Aus den Gemeinden Verantwortung Von Georg Kareski. In diesen Tagen hat sich der Uebergang der Geschäftsführung in der Berliner Jüdischen Gemeinde auf die am 30. November v. J. gewählte liberale Mehrheit vollzogen, gewiß in einer ernsten Stunde und unter Auspizien, die schwere Monate, vielleicht sogar Jahre vorausseh$n lassen. Um so mehr sollte man annehmen, daß alle für die Entwicklung der Dinge Verantwortlichen sich dieses Gefünls schwerster Verantwortung bewußt geworden sind. Das Wort ״Verantwortung“ hat denn auch in diesen inhaltsreichen Tagen eine erhebliche Rolle gespielt. Für die Interessen der Jüdischen Gemeinde wäre es aber doch wohl nützlicher gewesen, wenn weniger das Wort, als sein Inhalt Beachtung gefunden hätte. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, wenn unsere Gegner sich schon im Wanlkampf daran erinnert hätten, daß es auch für eine kämpfende Oppositionspartei ein Gesetz der Verantwortung gibt. In zahlreichen Wahlversammlungen habe ich unter Ausschaltung aller parteitaktischen Interessen die außerordentliche Verschlechterung geschildert, die die Lage der Gemeinde seit dem 14. September erfahren hat. Mit rücksichtsloser Deutlichkeit habe ich die Phantasterei der Liberalen zurückgewiesen, die den Wählern Hoffnungen auf ein Verbleiben bei der niedrigen Steuerquote von 10 0׳,״ zu machen wagten. Die Stimme der Wahrheit ging in dem Getöse von klingenden Phrasen und skrupelloser Demagogie unter. Diese Verantwortung tragen die Wähler und man kann nur hoffen, daß sie sie nicht "sehr schnell als allzu schwer empfinden. Und nun beginnt die Verantwortung der Mehrheit spart ei. Sie konnte erklären, daß sie die Opposition von der Arbeit für die Gemeinde ausschalten wolle. Sie hatte zwar nicht das Recht — denn das ungeschriebene Gesetz der Gemeinde verlangte eine angemessene Vertretung der Minderheit im Oemelndevorstand ■— wohl aber die Macht dazu. Der andere Weg war eine loyale Durchführung der Entscheidung der Wähler, proportionale Beteiligung der Minderheit an der Exekutive und die Möglichkeit, wenigstens in unpolitischen Dezernaten sachliche Verwaltungsarbeit zu leisten: Der erste Weg wäre eine unerhörte Provokation gewesen, für die die Gemeinde außer einigen Scharfmachern bestimmt kein Verständnis gehabt hätte, der zweite der Versuch einer Gemeinschaftspolitik, der auch in weniger kritischen Zeiten eine Selbstverständlichkeit hätte sein müssen. Statt dessen wählte man einen dritten. Man forderte zwar die Volkspartei zur Mitarbeit auf, scheute sich aber nicht, Bedingungen daran zu knüpfen, die schwerste Rechtsverletzungen ihr gegenüber enthielten. Statt der vier Vorstandssitze, auf die die Volkspartei einen ziffernmäßig klaren Anspruch hätte, bewilligte man ihr nur drei, und zur Begründung entdeckte man plötzlich, daß der Proporz doch eigentlich in letzter Zeit nicht mehr als unbedingt richtig angesehen wurde. Darüber hinaus versuchte man auch noch, auf die Besetzung der uns zitgebilligten Sitze Einfluß zu üben. Und als dieser unzulässige Eingriff in die Rechte der Volkspartei schließlich nur in weißen Zetteln bei meiner Wahl sich äußerte, erlebte die Reprise!► tanten-Versammlung auch noch das Schauspiel des Ausbrechens des Rcformsekretärs Wojda aus der liberalen Fraktionsdiszifelin und seinen Haßgesang. Manche Leute glauben eben durch ״Starrköpfigkeit" beweisen zu Können, daß me «ein Kopf“'sind. Diesem verheißungsvollen Auftakt folgte «In entsprechender Akt bei der Konstituierung des Vorstandes. Hier war die Uebung, der Mehrheit den Posten des Vorsitzenden, der Minderheit den des t. Stellvertreters zu übertragen. Statf dessen wurde uns mit brutaler Offenheit erklärt, daß der erste Stellvertreter unter allen Umständen mit einem Liberalen besetzt werden müsse. Eine abweichende Darstellung, die verbreitet wird, ist falsch. Den 2. Stellvertreter hätte man uns wohl allergnädigst überlassen, wenn wir darauf reflektiert hätten; wir haben natürlich darauf verzichtet. Nicht viel anders ging es bei der Verteilung der Dezernate zu, über die später zu schreiben sein wird, da wir zunächst einmal den neuen Dezernenten Gelegenheit geben wollen, ihre Eignung zu erweisen. Nur soviel sei festgestellt, daß die Volksparteiliehen Vorsteher ״Dezernate“ bekamen, die eine nahezu völlige Ausschaltung von sachlicher Arbeit für die Gemeinde bedeuten, während man andererseits eine Häufung von Dezernaten bei den liberalen Vorstehern vornahm. Diese Entwicklung stellte uns vor eine schwere Entsclieidüng. Es ist für eine Partei, die die Regierung abgibt, noch immer sehr nützlich gewesen, nunmehr ihre ganze Kraft auf den Kampf gegen die neue Mehrheit innerhalb und außerhalb des Parlaments zu verwenden. Gilt das schon für normale ruhige Zeiten, um wieviel mehr in Zeiten, deren Not zu Ein- Schränkungen aller, auch schmerzlicher Art, viel häufiger zu in Versagen als zum Gewähren zwingen muß. In solchen Zeiten jeglicher Verantwortung ledig zu sein, ist für jede Minderheit ein Ziel, aufs innigste zu wünschen, wenn — es nicht noch eine höhere Verantwortung gäbe als für die Partei, nämlich für die jüdische Gesamtheit. Die Partei entschloß sich daher, der jüdischen Lage Rechnung zu tragen. Sie nahm weder die Verweigerung des Rechts auf das vierte Mandat, noch das auf den ersten Vizepräsidenten, noch die Verweigerung an gemessener Arbeitsmöglichkeiten zum Anlaß, sich der Mit- Wirkung in der Verwaltung zu entziehen und sich ausschließlieh auf Kampf 'einzustellen. Sie begnügte sich damit, in der ersten Vorstandssitzung eine feierliche Rechtsverwahrung zu Protokoll zu geben, denn bei aller Opferbereitschaft für die jüdische Sache kann und darf sie die ihr zugemutete Rechts- Verletzung nicht widerspruchslos lünnehmen. Die' Volkspartei weiß, daß sie damit schon ein beinahe unerträgliches Opfer gebracht hat. Sie hat damit gerechnet, daß man ihr — wie sich jetzt bestätigt — aus dem Kreise unserer Treuesten sagen wird, sic sei in ihrer Selbstbescheidung viel zu weit gegangen. Vielleicht haben die Kritiker Recht, aber es kann nicht unzulässig sein, in einer Zeit, wo die politischen und Wirtschaftliehen Grundlagen unserer Existenz wanken, einen mit der Würde der Partei allerdings kaum noch zu vereinbarenden letzten Versuch zu machen. Nicht um der Liberalen, um der Gemeinde willen. Aber unsere Freunde dürfen überzeugt sein, daß es auch für unsere Opferbereitschaft eine Orenze gibt und es wird sich sehr bald zeigen müssen, ob sie überschritten wird. Wir sehen, wie die ״Intercssentenhaufen“ im liberalen Lager sich beeilen, ihre Rechnung für geleistete Wahlhilfe zu präsenderen. Sollte die neue Mehrheit diesen Wünschen stattgeben, sollte sie Parteiarbeit in unsachlicher Weise durch Gemeindeämter belohnen, sollte sie Dinge, die uns weltanschauliches Bedürfnis sind, zertreten wollen, sollte sie statt einer wahrhaften, den wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Berliner Juden dienenden Volkspolitik einen einschneidenden Leistungsabbau auf Geheiß ihrer Geldgeber durchführen, sollte sie den jüdischen Gemeinden und der jüdischen Gemeinschaft das jüdische Existenz-Minimum versagen, bloß um Steuern zu sparen, dann,wird di? Volkspartei nicht zögern, daraus die Tort Sequenzen zu ziehen, die sie bisher verant* wortungsbewußt zurückgestellt hat. Sie wird sich der Verantwortung nicht entziehen, solange sie die Maßnahmen der Liberalen wenigstens tolerieren kann. Dem Woydaismus aber wird sie schärfsten Widerstand leisten — eben um de» Gejudtide willen. s111»H1wmwww>111H11»iiHBM111!nM1t1wH1sra11m1>wt111Bmmm1w1i»11w1tm11mnsH11WH11nm1m1f1Hr»m>»m111fm1Nt»1H1wtHw111mmBM«111tm111HBn111111B>w11H»wäH»1i»aw1w1wMaHMüTm1iiiiH11i«HHaw11Hi11mw1111Hn1w11>m1Hi11M11־wBH1»11iiiiiSft Das!Kastrierte Palästina Es ist nicht einfach, zu dem groß angelegten Bildwerke des katholischen Holländers Frank Schölten Stellung zu nehmen. Es handelt sich um ein Werk mit so großen Aspekten und mit so weit gespannten Zielen, und es bietet bereits in seinem ersten Stadium soviel Außerordentliches, daß man ihm nicht durch eine kurze Rezension, wie sie an dieser Stelle nur möglich ist, sondern nur durch eine eingehende sachliche Behandlung, die ich mir Vorbehalten möchte, gerecht werden kann. Aus einem Material von etwa 500000 eigenen Auf* nahmen werden hier die beiden ersten Teile geboten: Jaffa. Band I, ״Die Eingangspforte,“ — 449 Tiefdruckbilder, und Band II, ״Jaffa, die Schöne“ — 371 Tiefdruckbilder (Julius Hoffmann Verlag, Stuttgart). Schölten unternimmt es, eine vollständige Dar* Stellung sämtlicher Textstellen des Alten und des Neuen Testaments, des Talmud, des Koran und der Palästina-Reise* und Beschreibungs-Literatur bis auf die neueste Zeit durch seine Bilder zu geben. So soll das moderne Palästina, seine Landschaft, seine Siedlungen, seine Bevölkerung, das Volks* leben, die Religion, die biblischen und späteren historischen Stätten mit ständiger Gegenüberstellung der so illustrierten alten und neuen Texte geboten werden. Das Leben der Juden, der Araber und Christen (aller Sekten) wird in gleicher Weise vollständig dargesfellt. — Ein Beispiel für den Charakter dieser Buchanlage: die Doppelseiten 79—81 in Band II bringen 9 Bilder aus dem jüdischen Stadtviertel Newe Schalam in Jaffa; hierzu werden nun neben der eigenen Erklärung als moderne Verweise herangezogen: Ruppin, Aufbau des Landes Israel, S. 28, Peter Kelter, 7m Lande der Offenbarung S. 55, Eduard Pool, Palästina S. 39, Hoofien, ln Awakening Palestine S. 89, Herzl, Judenstaat S- 54 sowie als Textstellen Jesaja 15, 18, I. Mak. 15, 35, Jesus Sirach 27, 2, Koran III, 68 und vier Stellen des bab. und zwei des jerus. Talmud. — Die Auflösung der Textrtellen in einzelne Elemente und die Gegen- Überstellung der alle Einzelheiten berücksichtigenden Bilder lassen es oft durcheinandergehen, ob hier die Texte wortweise illustriert oder die Fülle der Bilder durch zahllose Belegstellen erklärt, zurückbezogen und eingeordnet werden sollen. So sehr hat eine gegenseitige geistige Durchdringung des Landes und der Literatur stattgefunden, daß eine vollkommene Einheit entstanden ist. Gewiß liegen Gefahren darin, wenn man 1. Sam. 2,18 zitiert und einen armenischen Ministrantenknaben gegenüber* stellt oder wenn man Esther 2,7 durch ein sudanesisches Waisenkind illustriert. Aber wenn man allein die unerschöpfliehe Menge des gebotenen Materials berücksichtigt, so ver* schwinden alle Kleinigkeiten vor dem wirklich ungewöhnlich starken Eindruck solch umfassender Arbeit. Hier haben in der Tat Glaube und Liebe, Wissen und Kunst zusammen* gearbeitet. Die Schönheit der Bilder ist oft ungewöhnlich. Das ״Mittagsmahl des Gerbers“ oder der ״Fruchthändler zu Jaffa“, die Szenen aus Mikweh Jisrael oder die Darstellung des Hafens sind Bilder von einer Schönheit, wie ich sie noch nie 1 gesehen habe. Auch der Verlag Hofhnano hat Außerordent* liehe* geleistet. Es kann kein Zweifel bestehen, daß dieses Buch in vielen Teilen geradezu Urkundenwert hat und der Forschung ebensoviel Material bietet wie der Erbauung. Dieses Buch wird großes Interesse ln weitesten Kreisen finden, wie die schon erschienene französische Ausgabe gezeigt hat. Leider hat die erstrangige Wiedergabe einer solchen Materialfülle dazu geführt, daß der Preis der vorliegenden beiden Bände ״Jaffa“, denen wohl ein Band ״Tel-Awiw“ folgen soll, 86 M. beträgt. ______ Georg Landau er. Ein neues Werk von Ernst Simon. In der Teubnerscnen Sammlung ״Der neue Geschichtsunterricht“ ist soeben ein Band ״Das Werturteil im Geschichtsunterricht mit Beispielen aus der deutschen Geschichte von 1871—1918“ von ur. Ernst Simon (VIII u. 177 S,, 4,80 M.) erschienen. Die Arbeit zerfällt in einen werttheoretischen, in einen wertpolitischen und einen wertpraktischen Hauptteil. In dem werttheoretischen Abschnitt werden die geschichtsphilosophischen Grundlagen des Problems mit außerordentlicher Klarheit und unter Berücksichtigung der neuesten Literatur eingehend dargelegt, der wertpolitische Abschnitt schildert die Entwicklung der Erörterung über das Problem und die sich daraus ergebenden Folgerungen, der wertpraktische Abschnitt entilieh versucht eine Lösungsmöglichkeit aufzuzeigen unter Heranzlehung zahlreicher Beispiele aus der Praxis des Unterrichts. Das Buch ist dem Andenken Franz Rosen zweig? gewidmet, und das Vorwort trägt das Datum ״H a i f a, Mai 1931“. Aber nicht nur wegen der Person des Verfassers ist das Buch für jüdische Leser wichtig, es verdient vielmehr vom jüdischen und zionistischen Standpunkt eine eigene Betrachtung, die hier nichstens folgen soll. Briefe an die Redaktion Berlin, N 58, 24. Juni 1931. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ So interessant und aufschlußreich die Mitteilungen der Palästinatafel auf der Bauausstellung auch sein mögen, so kann der in Nr. 47 der Rundschau veröffentlichte Beacht doch nicht unwidersprochen bleiben. Die dort ״ausstell ungstechnisch“ als ״nicht groß“ bezeichnete ״Aufmachung“ wirkt sich leider nur in einer Fülle von orthographischen und grammatischen Fehlern im erklärender Text und vor allem in einer unübersichtlichen Anordnung aus. Das sind vermeidbare Unschönheiten, die im Rahmen der sonst so vorbildlichen Oesanitausstellung den Propagandawert des Dargestellten stark beeinträchtigen. Nur wer ganz besonders an Palästina interessiert ist, wird sich der Mühe unterziehen, die dargestellten Leistungen eingehender zu studieren. Es hätte sich aber auch gelohnt, dem flüchtig vorübergehenden Publikum eindringlich vor Augen zu führen, daß Palästina, die billigste Wohnung und die einzige kollektivistische Siedlung der ganzen Aus- Stellung aufweisen kann. Man soll den Wert einer Aus- Stellung weder übernoch unterschätzen, aber, wenn ■überhaupt Ausstellung, dann nur eine von Rang! Dpi,•Ing, Hans Eriedlindey,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.