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Jüdische Rundschau · 1931-06-26 · Heft 49-50 (26.6.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 49-50 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 304 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 49/50, 26. VI. 1931 Palästinensischer Absdiiedsgrut» Jerusalem, 24. Juni. Nun sind die Letzten fortgefahren: ein ganzes Schiff voller Delegierten, Beamten, Kongreßbesucher. Nach der fieberhaften Geschäftigkeit der letzten Wochen, mit der in allen Parteistuben, in allen Büros der öffentlichen Jüdischen Körperschaften Verhandlungen geführt, Material gesammelt, Berichte geschrieben wurden, ist nun Stille eingetreten. Die Abfahrenden haben wir zur Bahn, zum Schiff geleitet und haben ihnen nachgewinkt wie oci jeder früheren Kongreßreise. Wie bei jeder früheren Kongreßreise? Nein, es ist anders dieses Mal. Sonst waren wir ausgelassen, hoffnungsfroh; Versprechungen, Scherze flogen hin und her zwischen den Reisenden und den Zurückbleibenden. Wir fühlten uns und unsere* Bewegung jung, Im Anstieg begriffen, wir setzten verwegene Hoffnungen auf den bevorstehenden Kongreß. Besonders damals, vor zwei Jahren, als sie hinausfuhren, um bei der Schaffung der Jewish Agency dabei zu sein, schlugen unsere Herzen vor freudiger Erwartung. Damals erwachte in uns nicht einmal eine Ahnung kommenden Unheils. Aber dieses Mal ist es anders. Wir fühlen plötzlich, daß wir in diesen zwei Jahren alt geworden sind; die blinde, berauschende Hoffnung auf das wunderbare ist geschwunden, wir sind sehend geworden, haben vielleicht allzu tief hincingeblickt in die Wirklichkeit, in der bei allem Fluge der Gedanken ״hart im Raume stoßen sich die Sachen“. Wir setzen nicht, wie früher, kindlich-kühne Erwartungen auf diesen Kongreß; wir kennen nun nur zu gut die Schwierigkeiten unseres Unternehmens, wissen, daß es fast zu verschwinden droht in dem Getriebe weltumspannender, noch ungeklärter Herrscherpläne. Wir wissen auch, daß draußen in der Welt Not und schwere Sorgen herrschen, welche die Herzen stumpf machen und von Tag zu Tag an uns selbst bedrohlicher herankriechen. Und vor allem: wir haben die Zuversicht verloren, daß das Recht absolut und ganz allein auf unserer Seite ist: wir haben verstehen gelernt, daß wir einen dornenvollen Weg der Selbstlosigkeit und des Verzichtes beschreiten müssen, um vor uns selbst und unserer geistigen Aufgabe ganz rein und geläutert dazustehen. Wir erwarten nicht von Euch, unseren Abgesandten, daß Ihr mit großen neuen Gaben zurückkehren werdet. Nur eine Bitte, eine flehentliche Bitte ist in unserem Abschiedsgruß: helft das Gebäude unserer Bewegung zu erhalten; versteht, gebt nach, bringt Opfer — aber helft denen draußen an die Unzerstörbarkeit unserer Idee zu glauben und erhaltet uns die Einheit unserer Bewegung! Denn wenn Ihr es nicht tätet — was würde dann aus uns hier? Wir haben unsere Wurzeln aus jeder anderen Erde gelöst und haben sie in diesen Boden gesenkt. Wir sind eins geworden mit der Sonne, mit der Luft, mit der Landschaft dieses Landes. Seine Sprache haben wir angenommen, seine Sitten, seine Lebensformen. Wir sind Fremde, wenn wir heute nach Europa kommen, und unsere Kinder, hier geboren und erzogen, sind Fremdlinge draußen in der Welt. Ihr geht arbeitsreichen, ernsten und opferheischenden Tagen entgegen — wir wissen es, und wir verlangen nicht das Unmögliehe von Euch. Statt Euch mit allzu schweren Forderungen zu belasten, wollen wir Euch für jene draußen eine Oewißheit mit aut den Weg geben: wir hier sind eine lebendige, starke Kraft. Wir haben gepflanzt und die Saat ist aufgegangen; wir haben Menschen geboren und erzogen, und sie sind reif geworden. Wir haben uns aneinander angeschlossen in Hoffnung und Leid und sind zu einer Gemeinschaft geworden. Wir fühlen, daß wir schweren Zeiten entgegengehen; wir werden uns einschrinken, wir werden hungern, wir werden Begonnenes einstellen, Geschaffenes zugrunde gehen sehen. Wir werden uns von Unverständnis und Uebelwollen auf Schritt und Tritt gehemmt fühlen, wir werden vielleicht noch mehr von dem Blut der Unseren opfern müssen. Aber wir werden leben. Wir fühlen gewaltige Kräfte in uns, einen unbeugsamen Willen zum Leben. Wir werden leiden, aber wir werden leben; werden weiter pflanzen und bauen, neues Leben gebären und einen neuen Geist erschaffen. Wir werden Gegensätze zwischen uns austragen, aber dabei ständig enger zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen. Wir haben unsere Kinder hierher verpflanzt — hier müssen wir ihnen den Boden zum Wachsen und Feststehen bereiten. Wir leben, und was auch immer Ihr draußen tun werdet — wir werden weiterleben. Nur sorgt dafür, daß uns die Bewegung erhalten bleibt, die uns hierher führte und auf die wir uns stützen. Denn würde sie uns geraubt, so würde unser Hiersein seines Sinnes entkleidet, so müßten wir versinken in kleinlicher Sorge um den Tag. Nur dadurch, daß wir mit denen draußen verbunden bl eiben, daß wir in jeder Minute fühlen: nicht nur für uns, auch für jene leben wir *— nur dadurch erlangt unser Sein seinen Sinn, nur dadurch erlangen wir die Kraft, altes, was uns bevorsteht, zu ertragen und unsere Kinder zum Ertragen stark zu machen. Helene Hanna Thon. Die Well-Konferenz der W1Z0 In Anwesenheit von 70 Delegierten aus 29 Ländern aller Welt fand am 22. d. M. in Basel die feierliche Eröffnung der für sechs Tage anberaumten Weltkonferenz der Weltorganisation Zionistischer Frauen (Women’s International Zionist Organisation) statt. Zahlreiche Gäste wohnten dem feierlichen Akt bei. Die Tagung wurde von der Ehren-Vizepräsidentin Mrs. Henriette 1 r w c 11 eröffnet. Nachdem eine Reihe von Begrüßungstelegrammcn, darunter von der durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Ehrenpräsidentin der Wizo, Miß Lady Samuel, von Frau Vera Weizmann, sowie von einer Reihe zionistischer und allgemeiner jüdischer Vereinigungen verlesen worden waren, folgten mehrere Begrüßungsansprachen lokaler Organisationen. Sodann hielt die Vize-Bürgermeisterin von Tel- Awiw, Frau Susamia Persitz, eine begeistert aufgenommene hebräische Ansprache, in der sie ausführte, daß gerade in Zeiten der Depression und Krise die Frauen ihr Pflichtbewußtsein in die Waagschale werfen müssen, um durch vervielfachte Anstrengungen den Aufbau Palästinas, ohne den es kein Wiedererstehen des jüdischen Volkes geben kann, mit unbeugsamem Willen und Einsatz aller Kräfte vorwärts zu bringen. ■— Am 23. Juni, vormittags, trat die Konferenz in ihre Arbeitst a g u n g ein. Kongreßwahlen. Von den in früheren Nummern veröffentlichten Wahlresultaten ist, wie uns aus den betreffenden Ländern mitgeteilt wird, nach, den endgültigen Feststellungen folgendes zu berichtigen: In West-Kleinpolen und Schlesien wurden nicht 6 Allgemeine Zionisten und 2 Misrachisten gewählt, sondern 7 Allgemeine Zionisten und 1 Misrachist; in Bulgarien nicht 2 Revisionisten, sondern nur 1 Revisionist, ferner 1 Allgemeiner Zionist und 1 Arbeiterparteiler. (Stimmenverhältnis: Allgemeine Zionisten 1235, Arbeitendes Palästina 857, Revisionisten 715.) — Im Elsaß wurde Mme. A. Schrameck zur Delegierten mit 179 Stimmen gewählt; der revisionistische Kandidat .erhielt 74 Stimmen, Ein Siebenjahresplan! Wir haben zwei der allerschwersten Jahre hinter uns, Jahre der Enttäuschung und des Niederganges. Das jüdische Volk leidet mehr als je, und die Hoffnung auf Verwirklichung unserer zionistischen Ideale schwindet mehr und mehr. Dieser Zustand ist aut die Dauer unerträglich. Es kann nicht mehr so weiterehen und darf nicht sein, daß wir uns selbst in einer solchen age durch Parteihaß zerfleischen und entzweien. Aber nicht mit kleinen, ungenügenden Palliativmitteln darf gearbeitet werden, sondern mit einem großen Plan, der Imstande ist, wieder alle zu neuer, wirklich positiver, vorwärtsschreitender Aufbauarbeit zu begeistern. Diesen neuen Weg sehen wir nun in einem ״Sieben jahrs - Plan“. Sieben Jahre aus zwei Gründen, da erstens die Zahl ״sieben“ spezifisch jüdisch ist, und außerdem nach den Fest- Stellungen von Landexperten zur Ansiedlung und Selbständigkeit der Kolonisten in der Pflanzungswirtschaft sieben Jahre benötigt werden. Dieser Plan teilt sich in zwei Gruppen, und zwar a) für die Zionisten im Oaluth, b) für den Jischuw in Erez-Israel. a) Die Zionisten im Galuth haben in erster Linie die Aufabe, Kapital nach Erez-Israel zu schicken und die Arbeit, ie dort geleistet wird, finanziell zu unterstützen. Dies soll auf folgende Weise geschehen. Es soll eine jüdische Volksanleihe ausgegeben werden, mit dem Motto: ״Das jüdische Volk für Erez-Israel, zur Ansiedlung von 50 000 Juden in sieben Jahren.“ Um dieses Werk durchzuführen, werden Bürgschafts- oder Verpflichtungsscheine von der Zionistischen Weltorganisation herausgegeben. Solche Scheine in jeder Höhe — wie die bekannten Geldscheine — zu 1 Stein, 2, 5, 10 usw., werden zum Verkauf an die Juden der ganzen Welt angeboten, z. B. würde ein Verpflichtungsschein zu einem Baustein — 1 Mark, zu fünf Bausteinen 5 Mark usw. an Wert darstellen. Der Inhaber eines Bausteins verpflichtet sich also auf sieben Jahre, jeden Monat eine Mark zu zahlen. Rechnet man nun damit, daß im ganzen rund 2 Millionen Bausteine verkauft werden, so bedeutet das, da ein Baustein in 7 Jahren 7x12 84 Mark einbringt, daß in sieben Jahren 168 Millionen Mark zusammenkommen. Davon schreiben wir 10—15 °/<> auf Verlustkonto für Leute, die nicht mehr zahlen können, oder Sterbefälle. Auf die übriggebliebenen 150 Millionen wird zu einem Drittel, also für 50 Millionen eine Anleihe aufgenommen, die von Jüdischen Banken garantiert wird. Dann wird Jahr für Jahr das Geld, das imiiiiniiiiBitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiimiiinnniiiiiminiimiiHimtniiimniiiniiiiiiHHiBiiiiiniiniiiimniiimiMBiiimiiHiiim Die heutige Nummer ist die letzte vor dem Zionisienkongre$. Die Adresse der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" lautet ab 28. Juni: Base!, Mustermesse. Dorthin sind sämtliche dringenden, für die Redaktion bestimmten Sendungen und Manuskrlpte zu adressieren. Die Dienstag-Nummer vom 39. Juni tällt aus. Die Freitag-Nummer vom 3. Juli wird bereits die ersten Kongre$bertd1te enthalten. IlilIHMIIIItllllllllillilllillllllllllilllllllllM von den Bausteinen hereinkommt, zur Hälfte wieder zur Kolonisation gebraucht, zur anderen Hälfte zur Tilgung der Zinsen und des Kapitals. Die Organisation dieser Kampagne müßte so vor sich gehen, daß für je 10 Baustein-Besitzer ein Vertrauensmann bestellt wird, der Monat für Monat das Geld sammelt und mit dem ihm übergeordneten Vertrauensmann, der wieder 10 Vertrauensleute unter sich hat, abrechnet. Durch dieses Dezimalsystem wird erreicht, daß nur ein ganz minimaler Beamtenapparat gebraucht wird. Es wären also insgesamt etwa 150—200 000 freiwillige Helfer nötig, die wohl auf der ganzen Welt und von jeder Partei gestellt werden können. Dieser Vorschlag hat nämlich dadurch ein besonderes Plus für sich, daß er etwas absolut ״Ueberparteiliches" ist, und alle Zionisten ohne Rücksicht auf Partei und Land umfaßt. b) Der Jischuw* in Erez-Israel müßte sich ein bestimmtes Ziel setzen, das er in der Zeit von sieben Jahren erreichen will. Sämtliche Kolonien, Siedlungen, Fabriken, Industriestädte müßten sich ein Sieben jahrs-Programm ausarbeiten, und alle ihre Kräfte forcieren, um es zu erfüllen. Dies ist ein Projekt, das über allen Parteien steht, und für das sich Zionisten und Palästinafreunde der ganzen Welt ohne Rücksicht auf Parteieinstellung einsetzen und begeistern können. Dr. E. Salomon. Martin Hauser. Zionismus und Colonial Office In Nummer 47 der ״Jüdischen Rundschau“ haben wir auf die sonderbare Haltung eines großen Teiles der zionistischen Presse gegenüber dem Londoner Kolonialamt hingewiesen. Dabei erwähnten wir auch die von dieser Presse lancierte Forderung־, Palästina dem Außenamt zu unterstellen und wiesen darauf hin, daß Sir Henry Dobbs, der ehemalige High Commissioner von Irak, im ״Daily Telegraph“ sich gleicnfalls für eine solche Verwaltungsreform ausgesprochen hat, jedoch unter ganz anderen Gesichtspunkten, nämlich unter Hinweis auf die Vorteile, die für England eine einheitliche Bearbeitung sämtlicher arabischer Länder mit sich brächte. Wir haben darauf aufmerksajn gemacht, daß aus dieser Aeußerung eines britischen Staatsmannes klar hervorgeht, wie verkehrt die im zionistischen Lager gehegten Hoffnungen sind, eine Verwaltung durch das Außenamt würde sich im Sinne einer Bevorzugung des jüdischen gegenüber dem arabischen Standpunkt in Palästina auswirken. Eine sachliche Aenderung ist von dieser Forderung nach Uebertragung Palästinas an ein anderes Londoner Zentralamt nicht zu erwarten. Wohl aber wird durch die fortgesetzte Propa* ganda in den zionistischen Zeitungen eine Verärgerung des Kolonialamtes erzeugt, die natürlicherweise auf den Zionismus zurückwirken muß. Eine unverhoffte Illustration zu dem erwähnten Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ ist uns soeben in die Hand gekommen. Das Jerusalemer ״Palestine Bulletin“ vom 15. Juni, das jetzt in Berlin eintraf, druckt den erwähnten Artikel von Sir Henry Dobbs aus dem ״Daily Telegraph“ vollinhaltlich ab. Als Ueberschrift wird in großen Lettern gesetzt: ״Enough of the Colonial Officet Intelligent Imagination Necessary in the East“ (״Genug vom Kolonialamt! Intelligente Vorstellungsgabe ist im Orient notwendig.“) In einer Vorbemerkung wird gesagt, Sir Henry Dobbs zeige, daß das Colonial Office nicht die beste Institution zur Beschäftigung mit dem Mittleren Orient und seinen Problemen sei. Hierzu seien ein großzügiger Geist und Phantasie erforderlich usw. Daß der Inhalt des Artikels von Dobbs ausgesprochen ״arabisch“ orientiert ist, ist dem ״Palestine Bulletin“ völlig gleichgültig gegenüber der Tatsache, daß hier dem Colonial Office und den Kolonialbeamten eins am Zeug geflickt werden kann. Das Blatt will durch die Aufmachung des Artikels den Beherrschern Palästinas, mit denen man unzufrieden ist, unter die Nase reiben, daß sie für unfähig gehalten werden. Man steht staunend und fassungslos vor diesen Irrwegen einer zionistischen Publizistik, die unter Ausschaltung jeder Urteilskraft nur noch blinde Affekte gewähren läßt. Wir wiederholen: Hier wird dem Zionismus der empfindliebste Schaden zugefügt. Ganz unabhängig von den Auffassungen über zionistische Politik, die heute die Gruppen voneinander trennen, müßte der Kongreß unseres Erachtens Wege suchen, um derartige konstante Schädigungen durch eigene zionistische Schuld zu verhüten. Gegen die ״Chancellor-Straße“ In Jerusalem Jerusalem, 22. Juni. (J. T.A.) Die Umbenennung der ״Nathan-Straus-Straße“ zu Jerusalem, in der das Straus-Gesundheitszentrum steht, in Chancellor- Straße hat in jüdischen Kreisen lebhaften Unwillen erregt. Es wird darauf hingewiesen, daß es entsprechend der palästinensischen Tradition, Straßen nicht nach lebenden Persönlichkeiten zu benennen, auch keine Plumer-Straße oder Samuel-Straße in Palästina gibt. Daß nunmehr die Straus- Straße, die einzige nach einem amerikanischen Juden benannte Straße Palästinas, in Chancellor-Straße umbenannt wurde, und damit den Namen einer Persönlichkeit tragen soll, die nicht nur noch am Leben ist, sondern sogar noch im aktiven Dienst steht, wird als ein krasser Bruch mit der bisherigen Tradition und als Beweis für die in den Kreisen der Palästina-Regierung bestehende Animositat gegen die Juden angesehen. Die provisorisehen Straßentafeln, die den neuen Namen der Straße tragen, wurden Montag Nacht, 12 Stunden nach ihrer Aubringung, von unbekannten Tätern besudelt. In aller Kürze Das Aktions-Comitö der Zionistischen Organisation wurde für den 29. Juni nach Basel einberufen. Die Londoner Büros der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency wurden am 24. Juni für die Dauer des Kongresses und der Tagung des Council der Jewish Agency nach Basel verlegt. Die wegen einer Demonstration für jüdische Arbeit beim Straßenbau In Afuleh verhafteten zwölf jüdischen Arbeiter (s. vorige Nr. der ״J. R“) wurden nach Erlag einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Zwischen den Regierungen von Transjordanien und Hedschas (Nedschd) wird demnächst ein Abkommen unterzeichnet werden, das die Stammesfehden an der Grenze der beiden Gebiete verhüten soll. Bisher hatte bekanntlich Trans- Jordanien unter Wahabbiten-Ueberfällen oft zu leiden. Einer Meldung der arabischen Zeitung ״Al Istakal“ zufolge wird Sir Ezekiel Sassoon einer der beiden Vertreter sein, die nach der Aufnahme Iraks in den Völkerbund von der Irak-Regierung in die Völkerbundsversaramlung entsandt werden sollen. Sir Ezekiel Sassoon Ist ein hervorragendes Mitglied des Parlaments von Irak und einer der Führer des Judennims in diesem Lande. Mehrere Jahre hindurch war er auch Finanzminister in der Irak-Regierung־. In der jüdischen Kolonie Karkur und auf den Besitzmigen des Jüdischen Nationalfonds itn Gebiet der Haifa-Bucht wurden von unbekannten Tätern abermals eine Anzahl von Bäumen entwurzelt. Ein diese Woche veröffentlichtes offizielles Communlquö berichtet, daß der Hauptwellenbrecher beim HaifaerHafen nunmehr um über 1500 m seewärts vorgerückt sei und eine Seetiefe von nahezu 10 nt erreicht habe. Der mit Geröll aufgeschüttete Deich, der die Westseite des dem Meer abzugewinnenden Landes bildet, hat bereits eine (.Inge von 768 m vom Ufer ab erreicht. Zu Ehren des Vertreters der palästinensischen Arbeiter- Partei, Dov Hos, fand in London unter dem Vorsitz von S. Kaplansky ein Abschiedsabend statt, auf dem u. a. der Präsident der English Zionist Federation, Dr. Eder, der Führer der Transportarbeitergewerkschaft, Ernest Bevin, der stellvertretende Sekretär der englischen Arbeiterpartei, Middleton, und die hebräische Dichterin Elischeva sprachen. Der revisionistische Studentenklub Oesterreichs organisiert eine studentische Massenpetition an die zuständigen zionistischen Behörden um Umwandlung der hebräischen Universität in eine Lehranstalt. Es werden Zeichnungszirkulare an die jüdischen Studenten aller Universitäten ausgesandt. Nachdem die rumänische Kammer tunt kommunistische Mandate nicht bestätigt hat, wurden diese Mandate aut die anderen Listen aufgeteilt. Eines dieser Mandate fiel der Liste der Jüdischen Reichspartei zu, und zwar Dr. Manfred Reifer, Czernowitz. Die in dieser Woche in Litauen durchgeführten Wahlen zu den Stadt-Selbstverwaltungen brachten den Juden einen ansehnlichen Erfolg. Von den 324 Stadtverordneten, die in den Städten außer Kowno gewählt wurden, sind 123 Juden (38 9/0). ln Kowno selbst sind von 24 gewählten Stadtverordneten 7 Juden, ln 12 von 29• litauischen Städten haben die Juden mit den anderen Minderheiten die Mehrheit, in einigen Städten haben die Juden allein die absolute Mehrheit. Im Etat derlettländischenRegierungfür 1931/32 sind Ausgaben für jüdisch-kulturelle Zwecke in der Höhe von insgesamt 36 500 Dollar vorgesehen. Der Wiener Fußballklub Hakoah, der im letzten Jahre in die zweite Meisterschaftsklasse eingereiht wurde, hat sich nunmehr in ‘erfolgreichem Ringen wieder zur ersten Klasse emporgekämpft. Unter den Auspizien der Jüdischen Gemeinde Florenz bildete sich eine Gesellschaft der Freunde der jüdischen Mittelschule, die daran geht, ein jüdisches Realgymnasium zu errichten. Herr Dr. Yaski, stellvertretender Direktor der ״Hadassah Medical Organisation“, wurde durch die ״Women’s Zionist Organisation of America“ zum Direktor ernannt. (JAB) ״Tohuwabohu“ von Samtny Grone mann erscheint im Herbst dieses Jahres in französischer Ausgabe unter dem Titel: ״Les mal baptisds“ (Die schlecht Getauften). Die Ueber- Setzung besorgt MHe. Lucienne Astruc. Anläßlich der Kolonial-Ausstellung in Paris hat die Zeitschrift ״The Palestine and Near East“, Tel-Awiw, eine illustrierte starke Sondernummer herausgegeben, worin in englischer und französischer Sprache die wichtigsten Industrien Palästinas und die Tätigkeit der einzelnen jüdischen Institutionen dargestellt werden.

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