Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 48 (23.6.1931)
- Date
- 1931-06-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 208 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48» 23. VI. 1931 Eine Weltkonferenz Allgemeiner Zionisten Das ״Komitee für die Vereinigung der zionistischen Landes- Organisationen“ in Krak a u, das bereits vor kurzem eine Konterenz Allgemeiner Zionisten aus Polen einberufen hat, um sich mit der Frage der Zusammenfassung aller Allgemeinen Zionisten zu beschäftigen, sendet uns jetzt eine Mitteilung, wonach am 29. u״d 30. Juni eine Wcltkonferenz Allgemeiner Zionisten in Basel stattfinden soll. Die Einberufer nennen die Konferenz ״Die erste Weltkonferenz der Allgemeiner» Zionisten“, was bedeuten würde, daß sämtliche Allgemeinen Zionisten an der Konferenz teilnehmen. Ob das tatsächlich gesichert ist, geht aus den Mitteilungen nicht hervor. Doch ist in jedem Fall die mutige initiative bemerkenswert. Als Einberufer unterschrieben sind in der Hauptsache die allgemein-zionistischen Landesverbände Osteuropas. Es fehlen so wichtige Länder wie Amerika, England, Tschechoslowakei״ Deutschland usw. Wie wir erfahren, haben die Allgemeinen Zionisten aus Deutsch- 1 a n d und einige andere nicht unterschriebenen Verbände sich ihre Stellung zu dieser Konferenz noch Vorbehalten, Wir haben bereits mehrmals darauf hingewiesen, daß zwischen den einzelnen Gruppen der Allgemeinen Zionisten tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen, die durch rein organisatorische Maßnahmen nicht zu überbrücken sind. Da andererseits bei der Parteizusammensetzung des nächsten Kongrosses gerade den beiden Gruppen der Allgemeinen Zionisten eine entscheidende Rolle zufällt, so ist es gewiß zu begrüßen, wenn in dieser Vorkonferenz der Versuch gemacht wird, die schwebenden Fragen des Kongresses nach Tunlichkeit sachlieh zu klären, Sollte es — was wir bezweifeln - - gelingen, die Allgemeinen Zionisten zu einer einheitlichen Haltung und Taktik zusammenzufassen, so wäre das vom parlamentarischen Gesichtspunkt sicherlich «in großer Gewinn für den Verlauf des Kongresses. In dem uns gleichzeitig übermittelten Aufruf, der sich an die Allgemeinen Zionisten wendet, heißt es 11. a.: ״Seit vielen Jahren sind die Reihen der Allgemeinen Zionisten zerbröckelt. Seihst die Versuche, auf den letzten Kongressen eine solidarische allgemein-zionistische Gruppe zu bilden, scheiterten an den divergierenden Tendenzen der einreinen Landesverbände, Im Laufe der letzten Jahre haben sich aus dem Lager der Allgemeinen Zionisten Verbände von interterritorialem Charakter herausgebildct, die heute einen Zusammenschluß erschweren. Zum ersten Male schrumpften die Allgemeinen Zionisten am XVI. Kongreß zu einer!Mitnorität zusammen. Nun ist cs höchste Zeit, diesem Prozesse des Zerfalls der Allgemeinen Zionisten Einhalt zu gebieten und unsere Reihen im Interesse der Bewegung zusammenzuschließen. In Basel müssen die Fundamente für einen starken, gefestigten, zielbewußten und tatfähigen Verband der Allgemeinen Zionisten geschaffen werden.“ Die von den Einbernfern festgesetzten Grundsätze haben folgenden Wortlaut: 1. Die Wcltkonferenz der Allgemeinen Zionisten findet in Basel am 29. und 30. Juni im Gebäude des XVII. Kongresses (Mustermesse) statt An der Konferenz nehmen sämtliche allgemein-zionistischen Delegierten, die grundsätzlich die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Allgemeinen Zionisten anerkennen, sowie Nichtdelegierte, die allgemeinzionistische Gruppen und allgemein-zionistische Landesverbinde vertreten, teil. 2. Die Konferenz Beginnt Montag, den 29. Juni, um 10 Uhr vormittags. 3. Sämtliche Teilnehmer wollen im Sekretariat des Organ!- fationskomitees Im Kongreßgebäude ihre Namen und die von Ihnen vertretene Organisation angeben. 4. Die Tagesordnung umfaßt: a) Bericht des Organisationskomitees, b) Wahl des Präsidiums, c) Grundlagen des allgemeinen Zionismus, allgemein-zionistische Jugendbewegung, d) Gründung eines stabilen aligemein-zionistisehen Verbandes, e) Orgttisaticmsstatul, f) Probleme des XVII. Kongresses und Stellungnahme der Allgemeinen Zionisten, g) wähl der Verbandsbehörden und eines Exekutivkomitee für den XVII. Kongreß, h) Evefitualia. Die Namen der Referenten werden noch bekannt gegeben werden. Unterschrieben ist: Für das Organisationskomitee: Dr. I. Schwarzbart (Krakau), außerdem ist die Einberufung von folgenden Verbänden und Persönlichkeiten gezeichnet: Für das Organisationskomitee der Zionistischen Organisation Ostgalizjens: Dr. Emil Schmorak, Präsident (Lwow), Prof. Stupp, Generalsekretär (Lwow), Vizepräsident Dr. Emil Sommerstein, Abg. Heinrich Rosmarin, Ing. Landau, Dr. David Schreiber, Mitglieder der Exekutive. — Für die Exekutive der Zionistischen Organisation Westgaliziens und Schlesiens: Dr. Osias Herschdörfer, Vizepräsident, Dr, Spiegel, Abraham Hofstätter, Generalsekrefär (Krakau), Dr. Juda Zimmermann (Krakau), Mgr. Leon Salpeter (Krakau). — Für die Gruppe Eth Liwnoth Kongreß- Polens: Leon Lewite (Präsident), Abg, Dr. Rosenblatt, Dr. Gott-!'"׳•'b, M. Hindes (Warschau). — Für das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Bessarabiens: Berliand (Präsident), Berger '(Chisinau). — Für das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Transsylvaniens: Dr. Josel Fischer (Präsident), Ernst Vernes, Jakob Rotbart, Dr. Alexander Nobel (Temisoara). Für das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Butcovinas: Dr. Theodor Weisseiberger, Präsident (Cernauti). —- Für das Landeskomitee der Zionistischen Organisation Oesterreidis: Dr. Oskar Grünbaum, Präsident (Wien), Dr. Desider Friedmann (Wien), Dr. Jakob Ehrlich (Wien), Mitglieder des Zentralkomitees. — Für die italienische zionistische Föderation: Dr. Umberto Nalion, Generalsekretär. — Für die Zionistische Organisation Ostfrankreichs: Dr. Levy Dreyfus, 1. Vorsitzender, M. Jean Schramek, 2. Vorsitzender. Vorläufiges Gesamtmultat der Wahlen London, 19. Juni. (J. T. A.) Die Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß haben vorläufig folgendes Gesamtresultat ergeben: Allgemeine Zionisten Arbeiterparteien Revisionisten Misrachi Radikale andere Gruppen 81 72 44 34 Delegierte. In dieser Aufstellung sind auch die auf Grund der Welt- Wahllisten gewählten Delegierten mitenthalten. Den Allgemeinen Zionisten, den Arbeiterparteien, den Revisionisten und dem Misrachi wurden von ihren Weltwahllisten je zwei Mandate zugesprochen. Die Feststellung des endgültigen Resultats ist noch nicht möglich, da die Wahlresultate aus einigen Ländern noch ausstehen und in einigen anderen Ländern die Wahlen angefochten werden. Im Verlag ״Nowy Dziennik“, Krakau, erschien eine Broschüre in polnischer Sprache ״Dokumenty Polityki Sionistycznej“, die alle wichtigen Dokumente von 1897 bis 1931, vom Basler Programm bis zum MacDonald-Brief an Dr. Weizmann, in polnischer Uebersetzung enthält ln aller Kürze Im Monat Mai sind 629 Personen, darunter 490 Juden, nach Palästina eingewandert und 76 Personen, darunter 33 Juden, aus Palästina ausgewandert. In der Kolonie J es sod Hamas iah kam es zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Kolonisten und Arabern, die ihr Vieh auf den Feldern der Juden weiden ließen. Es kam zu einem Kampf, in dem mehrere Personen auf beiden Seiten leicht verletzt wurden. Die Polizei verhaftete vier Araber und einen Juden. Am Donnerstag, dem 18. Juni, abends, wurde in der jüdisehen Kolonie Chederah der Kolonist Jefeth Ben Nathan auf dem Heimwege von einem Araber angeschossen. Ben Nathan wurde ins Hospital überführt. Der Täter ist entkommen. Die Gruppe der nach den Massakers von 1929 nach Aegypten geflohenen Araber aus Hebron hatte für den 17. Juni in Kairo eine Versammlung zum Gedächtnis der vor einem Jahre im Gefängnis von Akko wegen Mordes hingerichteten Araber, von denen zwei aus Hebron stammten, einberufen. Die ägyptische Regierung hat die Abhaltung der Versammlung verboten. In einer außerordentlichen Generalversammlung des Pro Palästina-Bundes ungarischer Juden wurden als Delegierte bzw. Ersatzdelcgierte zu dem Council der J e w i s h Agency gewählt: Oberrabb. Immanuel löw, Hofrat Franz Szekely, Universitätsprofessor Ignaz Pfeifer, Öberregierungsrat Dr. Ignaz Friedmann, Oberrabbiner Dr. Julius Fischer, Oberrabbiner Dr. Arnold Kiß, Generaldirektor Dr. Ernst Makai und Universitätsprofessor Dr. Ludwig Török. Wie die JTA. erfährt, werden in Zukunft Gesuche von zionistischen Flüchtlingen aus Rußland um Zuteilung von Zertifikaten zur Einwanderung nach Palästina von der Einwanderungsabteilung der Palästina-Regierung in Jerusalem ohne Weiterleitung an das Kolonialamt beschleunigt behandelt werden. Der Monatsbericht der Barclay’« Bank in Palästina für Mai 1931 stellt fest, daß, ״während die wirtschaftliche Deprcssioti im ganzen Lande immer weiter anhält, der Rückgang des Welthandels in Palästina modifiziert wird durch die fortschreitende, wenn auch langsamer.vor sich gehende Ent- Wicklung der jüdischen Wirtschaft“. Das Initiativ-Komitee zur Vorbereitung einer Weltkonferenz jüdischer Journalisten hat den Beschluß gefaßt, ln Basel, wo zahlreiche Vertreter der jüdischen Presse versammelt sein werden, eine Besprechung abzuhalten, um sich über den Zeitpunkt der Einberufung und das Programm der Weltkonferenz jüdischer Journalisten schlüssig zu werden. Der Landtag Braunsch weigs, des einzigen deutschem Landes, In welchem ein Nationalsozialist, Herr rranzen, ein Ministeramt bekleidet, hat am 18. Juni eine Gesetzesvorlage angenommen, nach der dasSchächtenitach jüdischem Ritus verboten ist. Das Gesetz tritt am 1. Juli 1931 in Kraft. Palästina-Regierung und jüdische Arbeit Jerusalem, 19. Juni. (J.T.A.) In Mescha wurde mit dem Bau der jüdischen Ackerbauschule aus den Mitteln der Kadoorie-Fonds begonnen. Bel dem Bau, der unter der Oberleitung des Regierungsdepartenferrts für öffentliche Arbeiten durchgeführt wird, werden vorläufig 70 arabische und 6 jüdische Arbeiter beschäftigt. Am 17, Juni kam es in der jüdischen Kolonie Afuleh zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Arbeitern und der Polizei, Die jüdischen Arbeiter hatten dagegen demonstriert, daß bei einem im Auftrag des Rcgierungsaepartements für öffentliche Arbeiten von einem arabischen Bauunternehmer durchgeführten Straßenbau durch Afuleh ausschließlich Araber aus der Gegend von Jerusalem beschäftigt werden. Als die jüdischen Arbeiter der Aufforderung, sich zu zerstreuen, nicht nachkamen, ging die Polizei mit dem Gummiknüppel vor und verhaftete zwölf Demonstranten. Bei dem Zusammenstoß wurden zehn Arbeiter verletzt, darunter zwei schwer. Drei Verletzte wurden ins Hospital eingeliefert. Der Polizeioberkommissar von Nazareth hat die Freilassung der verhafteten Arbeiter egen Kaution verweigert. Gegen die Verhafteten wird eine nklage wegen Auflaufs und widerstand gegen die Polizei erhoben werden, Vor der Volkszählung in Palästina Zur Vorbereitung der Volkszählung in Palästina wurden zwei Beratungskomitees, ein jüdisches und ein arabisches, eingesetzt, die mit dem Leiter der Aktion, Sekretär Mills, Zusammenarbeiten sollen. Die Regierung hatte sich bemüht, ein gemeinsames Komitee von Juden und Arabern zustande zu bringen, aber nach langen Verhandlungen scheiterte dieser Plan, weil die Araber forderten, mit Rücksicht auf ihre größere Bevöikerungsstärke, im Verhältnis 3:1 in der gemeinsamen Kommission vertreten zu sein. Die Juden lehnten dieses Zahlenverhältnis ab, Darauf blieb der Regierung nichts anderes übrig, als zwei gesonderte Komitees einzusetzen. Es ist überaus bedauerlich, daß der Versuch, bei einer solchen Gelegenheit eine Zusammenarbeit der beiden Völker zu versuchen, fehlgeschlagen ist, zumal ja die Komitees nur beratende Funktion haben. Das jüdische Beratungskomitee setzt sich zusammen aus Dr. Rüben Kazncison, Ben Zwi und Rabbi Blau (Ägudas Jisroel). Die Wichtigkeit der bevorstehenden Volkszählung wird in allen Kreisen erkannt. Man befürchtet jedoch, daß sie zu politischen Zwecken außerhalb der statistischen Datenaufnahme verwendet werden könnte. Insbesondere ist jetzt die Frage umstritten, ob bei der Volkszählung auch Angaben über Bodenbesitz verlangt werden sollen, wie es die Regierung gelegentlich des Weißbuches von 1930 in Aussicht genommen hat. Die Regierung meint, daß sie erst auf Grund der Volks- Zahlung die bisherigen Schätzungen über die sogenannten ״landlosen Araber“ in zuverlässiges Material umwandeln könne. Demgegenüber wird von jüdischer Seite geltend gemacht, daß bei den komplizierten palästinensischen Bodenverhältnissen und der geringen Bildung der meisten Fellachen ein Material, das auf eigenen Angaben des Zenslten beruht, durchaus nicht zuverlässig wäre; die betreffende Untersuchung müßte von gesehul* ten Juristen ausgeführt werden. Darum dürfe die Volkszählung nicht mit dieser Frage verkoppelt werden. Abgesehen hiervon ist für die jüdische Seite die Frage der unbefugtEingew änderten von großer Bedeutung. Die Jewish Agency fordert Amnestie für alle ohne Einwanderungserlaubnis ins Land gekommenen Juden, die im Lande Arbeit und Erwerb gefunden haben. Andernfalls besteht die Gefahr, daß eine Anzahl von Juden aus Furcht, daß ihre illegale An- Wesenheit enthüllt würde, sich in die Volkszählungslisfen nicht eintragen. Wie man sieht, wird die bevorstehende Volkszählung eine ganze Reihe von dornigen Fragen aufwerfen. Mit der Arbeit soll im Herbst begonnen werden. Presseschau ״The Ne»r East and India“ widmet den Hauptleit artikel vom 18. Juni dem Spruch der Klagemauer-Kommission Das Blatt bezeichnet die Art und Weise, wie sich die Korn mission der überaus heiklen Aufgabe entledigt hat, als sein gelungen. Die Kommission habe mit zwei einander schrof gegenuberstehenden religiös-idealistischen Ansprüchen zu tun gehabt, und ihr Realitätssinn hat zu einer Entscheidung geführt, die der Regierung die künftige Behandlung der Sache erleichtern wird. Das Blatt fährt fort: ״Der Bericht der Konimission nimmt nicht ausdrücklich Bezug auf den Glauben gewisser Juden, daß der Tempelplatz eines Tages wieder ihnen gehören wird, obwohl die Kommission den Argwohn der Moslems, daß das wirkliche Ziel der Zionisten trotz alt ihrer Gegenerklärungen der Besitz des Haram EI Scherif (Tempelplatz) ist, erwähnt. Es ist jedoch deutlich, daß die Kommission Tatsachen und Erfindungen voll erfaßte und den Tatsachen gerecht zu werden wünscht. Daher darf man annehmen, daß keine der beiden Parteien mehr als durch einen akademischen Protest reagieren wird. Sowohl Moslems als auch Juden müssen jetzt, wenn sie es auch nicht offen zugeben, erkennen, daß eine vorwiegend religiöse Frage zu einer weitgehend politischen Frage gemacht worden ist, daß die Aufbauschung von Kreisen bewirkt wurde, die weder die islamische, noch die jüdische Religion tatsächlich ausüben, und daß daher von dieser autoritativen Entscheidung nur Gutes kommen kann, da die Klagemauerfrage wieder auf das gebührende religiöse Gebiet verlegt wird. Es wurde ein brauchbares Komprom iß zustande gebracht; niemandes Prestige ist ver* letzt worden; und vor allem tut man gut daran zu denken, daß Entscheidungen mit internationalen Sanktionen nicht ungestraft verspottet werden können. Im großen und ganzen wird es für alle an der Klagemauerfrage Beteiligten — die juristisehen Treuhänder, die jüdischen Beter und die Palästina-Rcgicrung, von denen keiner mit großem Stolz auf die letzte Geschichte der Mauer zurückblicken kann — das beste sein, den Versuch 2u machen, an der Mauer die höchsten Grundsätze ihrer Religionen in Anwendung zu bringen. Möge das häßliche Kapitel der Palästinageschichte vergessen, besser gesagt: vergeben sein; sicherlich haben alle, Moslems, Juden und Eng-!ander, davon etwas zu lernen. Es ist nicht wahrscheiulieh, daß dies das Letzte ist, was wir von der Klagemauer gehört haben, aber wir werden nicht so bald wieder Störungen und Unruhen erleben. Die Frage der Heiligen Stätten ist noch weit von der Lösung entfernt, aber es ist schon etwas, wenn die Kiagemauerfrage endgültig aus dem Wege geräumt wird. Die Schattrage der Jewish Agency Wie der Direktor des Unterrichtsdepartements der Jewish Agency, Dr. Berksen, der JTA. mitteilt, haben sämtliche an den Schulen der Jewish Agency angestellten Lehrer die Verständigung erhalten, daß Ihr Dienstverhältnis am 30. September d. Jf. zu Ende geht. Gleichzeitig wurde den Lehrern die Versicherung gegeben, daß die gegenwärtige Exekutive ihren Nachfolgern empfehlen werde, bei Neuengagements den jetzt in den Schulen beschäftigten Lehrern den Vorzug zu geben, so daß erwartet werden kann, daß der größte Teil von diesen wieder angestellt wird. Die Kündigung wurde ungefähr 450 ständigen Lehrern zugestellt. Sie dürfte die Entlassung von 50 ständigen und 50 zeitweiligen Lehrern zur Folge haben, falls der gegenwärtige Beitrag der Exekutive für Unterrichtezwecke von 77 000 Pfund auf 50 000 Pfund ermäßigt werden wird. Für die Aufrechterhaltung des hebräischen Schulwerks in seinem gegenwärtigen Umfang wären zumindest 65 000 Pfund erforderlich. Verbot des ״Haam“ Jerusalem, 17. Juni. (J. T. A.) Die revisionistische Tageszeitung ״Haam“ wurde vom High Commissiöner bis auf weiteres verboten, weil die Zeitung am II. Juni anläßlich der Veröffentlichung des Klagemauer- Berichtes ein Gedicht von ״Eldaä“ veröffentlicht hatte, das ein Klagelied war und der Trauer über die gegenwärtigen Zustände In Palästina und den Verlust der jüdischen Rechte m der Klagemauer Ausdruck gab. Die Strophen endeten mit dem Refrain: ״Und der Mandatar steht daneben und sieht zu.“ Die Arbeiter-Tageszeitung ״Dawar“ wendet sich gegen diese Maßregelung von ״Haam“ und zieht einen Vergleich zwischen dem Gedicht, das zum Anlaß genommen wurde, das Blatt zu verbieten, und dem Aufruf des Präsidenten der Arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha, in dem von den drei im Vorjahre hlngerichteten arabischen Mördern als von ״Märtyrern des A rabertums" gesprochen wird. Das Vorgehen der Palästinarerierung sei darauf berechnet, den Anschein zu erwecken, als ob es die Juden seien, die sich der Aufreizung schuldig machen und den Frieden stören. Rnblger Vertan! des Araberstreiks Jerusalem, 17. Juni. (J.T.A.) Der von der arabischen Exekutive anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung dreier Araber wogen Teilnahme an den August-Massakers im Jahre 1929 ausgegebenen Generalstreik-Parole sind etwa zwei Drittel der arabischen Laden- und Fuhrwerksbesitzer gefolgt. Aut dem flachen Lande herrschte vollständige Ruhe. Neue Broschüren. Dieser Tage erscheint eine von der ״Arbeitsgemeinschaft für zionistische Realpolitik“ herausgegebene Broschüre unter dem Titel ״Zur politisch e n Krise des Zionisniu6“. Die Broschüre enthält eine Reihe interessanter Dokumente, und zwar den Text zweier Memoranden, die von der genannten Gruppe im Herbst 1929, unmittelbar nach den Unruhen in Palästina, der Exekutive der Jewish Agency übergeben worden sind und bisher nicht veröffentlicht wurden. Ferner ist ein Memorandum des palästinensischen Brith Schalom vom Januar 1930 abgedruckt, worin Richtlinien für jüdisch-arabische Kooperation in bezug auf Politik, Wirtschaft, Kulturarbeit usw. gegeben werden. Die Broschüre enthält weiter verschiedene Glossen zur zionistischen Entwicklung der letzten zwei Jahre, die früher in einem internen ״Korrespondenzbiatt“ der Arbeitsgemeinschaft enthalten waren, ln einer ausführlichen Einleitung wird erklärt, warum diese Gruppe, die bisher nur intern arbeitete, nunmehr diese Materialien der zionistischen Oeffentlichkeit verlegt. Die Broschüre ist zum Preise von M. zu beziehen vom Büro der Arbeitsgemeinschaft für zionistische Realpolitik, Berlin-Charlottenburg 2, Uhlandstr. 20. Der ״Brith Schalom“ in Jerusalem, dessen hebräische Zeitschritt ״Seheifotenu“ allmonatlich erscheint, gab in englischer Sprache eine Broschüre heraus, die betitelt Ist ״Jewish-Arab Affairs“. Diese Sammelschrift enthält Beiträge einzelner der Gruppe angehörender Autoren zura Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen. Besonderes Interesse verdient der vollinhaltliche Abdruck des Vortrages des Redakteurs der englischen Ausgabe des arabischen ״Felestin“, M. R. Aktar, der vom arabischen Standpunkt das Problem des Jüdischen Nationalheims behandelt. (Preis M. 1,50; Adresse: Jerusalem, P.Ö.B» 686.)