Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 47 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 292 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nt. 47, 19. VI. 1931 Nach den Kongre£wahlen in Polen Von unserem Korrespondenten. —g. Warschau, 12. Juni 1031. Die KongreßwaWen in der polnischen Republik ergaben folgende Resultate: Arbeitendes Palästina 37 029 Stimmen 21 Mandate Revisionisten 30638 ff 15 « Ailgem. Zionisten Galiziens 18 414 fl ״ 13 Misrachi 22 559 ff ״ 12 Radikale 11 007 ff 5 Eth Liwnoth 3915 ff 1 Mandat Die gewählten 67 Delegierten repräsentieren 122183 W ä hleT. Die Wahlbeteiligung erreichte somit zirka 80 6׳o der Wahlberechtigten. In den einzelnen der drei vorhandenen Wahlterritorien war das Ergebnis folgendes: In Kongreßpolen (33 Mandate) erhielten: Arbeitendes Palästina 22 219 Stimmen 11 Mandate Revisionisten 21144 0 * Misrachi 14 710 * ״ 7 Al Hamischmar (Radikale) ״ 10220 5 ,, Eth Liwnoth 3915 1 Mandat Hechahiz Hamerkasi ״ 465 71669 Stimmen k. Mandat In Ostgalizien (23 Mandate): Arbeitendes Palästina 12083 Stimmen 8 Mandate Allgemeine Zionisten ״ 10063 6 * Revisionisten 7875 * ״ 5 Misrachi ״ 722 5 ״ 4 Al Hamischmar ״ 787 36 490 Stimmen י k. Mandat In Westgalizien (11 Mandate): Allgemeine Zionisten 7551 Stimmen 7 Mandate Arbeitendes Palästina ״ 2727 ״ 2 Misrachi 2127 * 1 Mandat Revisionisten ״ 1619 14 024 Stimmen 1 » Die Sprache dieser Ziffern lautet: Als Sieger gehen hervor der Block für das Arbeitende Palästina, der an erster Stelle steht, und die Revisionisten an zweiter Stelle. Diese zwei listen also, welche Mar und eindeutig Ihr Programm formulierten und starke Jugendorganisationen hinter sich haben, gewannen jede für sich eine ansehnliche Zahl der Wähler, die teils intuitiv, teils bewußt sich für konsequente und geradlinige Politik entschieden. Der Wahltriumph des Arbeitenden Palästina, der für manche Kreise hier überraschend kam, ist u. a. das Resultat der Vereinigung sämtlicher hinter der Arbeiterschaft Palästinas stehenden. Gruppen und ein Beweis, wie tief die Ideale des Arbeitsaonismus in dm Herzen vieler polnischer Juden eingegraben sind. Der überwältigende Sieg der Ke vis ion i s t e n in Polen wurde hier vorausgesehen. Zum XVI. Kongreß sandten sie aus Polen keinen einzigen Delegierten. Inzwischen bauten sie ihre Organisation in polen sehr stark aus, und zwar ohne daß die Allgemeinen Zionisten eine entsprechende programmatische und organisatorische Oegenoffensive entwickelten. So kam es, daß in Polen neben den sonstigen Umständen, die überall die revisionistischen Reihen _ stärkten, auch noch ein Umstand hinzu kommt: die ZicKaf- Politik der Allgemeinen Zionisten, insbesondere in Kongreßpolen und in Ostgaliziea. In Westgalizien, wo die Allgemein- Zionistische Organisation fest diszipliniert ist und wo innerhalb derselben die verschiedenen Nuancen der Bewegung ungestört ihren Platz finden, konnten die Revisionisten kaum ein Mandat erreichen. Hier erhielten auch die Allgemeinen Zionisten allein fast doppelt so viel Mandate als alle anderen Föderationen zusammen. In Kongreßpolen und in Ostgalizien erhielten die Revisionisten ihren Stimmenzuwachs auf Kosten nur der Allgemeinen Zionisten (in Ostgalizien), der E t h L i w - noth und des Misrachi. Der revisionistisch angehauchte Misrachi und die mit den Revisionisten liebäugelnde Eth Liwnoth haben dafür jetzt bezahlen müssen. Der Schekelzahler hat, von revisionistischen Losungen angezogen, nun seine Stimme lieber den mit offenem Visier Kämpfenden als ihren unzuverlässigen Bundesgenossen abgegeben. Damit erklärt sich hauptsächlich die Schwächung des Misrachi (er verlor in Kongreßpolen fünf Mandate) und die vollständige Niederlage der Eth Liwnoth, die von fünf Mandaten (beim XVI. Kongreß) nun auf ein Mandat herunterfielen. Viele organisierte Mitglieder dieser Partei haben offen für die Revisionisten gestimmt Die Grünbaum-Gruppe, das sind die polnischen Radikalen (Al Hamischmar), haben ihren Besitzstand auch relativ bewahrt und im Vergleich zum letzten Kongreß sogar ihre Mandatszahl von drei auf fünf erhöht. Es bewahrheiteten sich also nicht die Prophezeiungen ihrer Gegner, daß die Radikalen wegen ihrer Kooperation mit der Exekutive in London ihre Wählerschaft in Polen verlieren werden. Allerdings hält Grünbaum Wort und hat seine Demission als Vorsitzender des Zionistischen Zentralkomitees in Kongreßpolen eingereicht. Wenn man nämlich die Stimmen in Betracht zieht, welche auf die drei allgemein-zionistischen Fraktionen in Kongreßpolen (Al Hamischmar, Eth Liwnoth und Revisionisten) abgegeben wurden (über 34 000), bilden nunmehr die Revisionisten allein eine Mehrheit (über 20000) und der Al Hamischmar kaum ein Drittel (über 10(WO). Grünbaum meint nun, er habe die Pflicht, die Leitung der neuen Mehrheit zu übergeben und diese mit der Verantwortung für das Geschick des polnischen Zionismus zu belasten. Die Situation ist aber nicht so einfach. Es werden Zweifel erhoben, ob die Mehrzahl der revisionistischen Wähler registrierte Zionisten seien. Aber auch dies ist u. E. nicht ausschlaggebend. Die Revisionisten mögen stark in Ihrer Opposition sein, ob sie zur bauenden und schaffenden täglichen zionistischen Arbeit taugen, wird von vielen hier angezweifelt. Noch ein nicht unbedeutender Umstand kommt hinzu: cs fehlt ihnen in Polen die zentrale Personlichkeit, ohne solche aber, möge sie auch stark angefeindet sein, eine autoritative und tatkräftige Leitung des stärksten Teiles der zionistischen Bewegung in den so überaus komplizierten Verhältnissen Polens nicht existieren kann. Das Zentralkomitee hat die Demission Grünbaums nicht angenommen und die Entscheidung bis nach dem Kongreß bis zu der im Herbst einzubenjfenden 10. Landes- Konferenz verschoben. Schon vernimmt man in manchen Kreisen der Eth Liwnoth Stimmen, man müsse von den Revisionisten ab rücken und zusammen mit dem Al Hamischmar in Polen eine Koalitionsleitung gegen die Revisionisten schaffen. Im Alter von 60 Jahren verstarb in Lodz der Herausgeber md Chefredakteur des ״Lodzer Tageblatts״ Emanuel Hamäarski. Her Borodiow Za seinem 50. Geburtstag, 21. Juni 1931 Von H. Berger. Wir bringen nachstehend aus dem Kreis« der Poale Zion eine Würdigung der Führerpcrsfinlichkcil Borochows, die auch außerhalb der poale zionistischen Reihen in ihrer Bedeutung anerkannt wird, obwohl naturgemäß Nicht-Poalezionisten vielen seiner Anschauungen und auch denen des nachstehenden Artikels nicht folgen können. Red. Die jüdische Gesellschaft in Osteuropa hat fast gleichzeitig den Einbruch und die Verbreitung sozialistischer und nationaler Ideen erlebt. Die Entwicklung des Kapitalismus in Rußland und Polen beschleunigte schon vor etwa 50 Jahren die Zer- Störung der an sich unsicheren wirtschaftlichen Stellungen der Juden. Die wirtschaftliche Unsicherheit und Not brauchten einen politischen Ausdruck. Es entstand ein jüdisches Proletariat und nichtjüdische Bevölkerungskreise wandten sich ״jüdischen“ Berufen zu. Die gleiche Entwicklung durchbrach die kulturelle Isolierung der jüdischen Bevölkerung. Auf diese Weise entstanden und verschärften sieh eine Reihe nationaler und sozialer Konflikte, die für die Entstehung der zionistischen und der jüdischen sozialistischen Bewegung den Boden bereiteten. Jene Gruppen jüdischer Arbeiter und Intellektueller, die schon um die Jahrhundertwende den Zusammenhang der nationalen und sozialen Frage erfaßten und zur Ueberzeugung gelangten, daß jede politische Richtung gleichzeitig eine Lösung beider Fragen suchen müsse, hatten einen schweren Stand. Gerade weil die nationale und die sozialistische Bewegung ungefahr zu gleicher Zeit ihre Ansprüche auf die Beherrschung des jüdischen Lebens stellten, war es außerordentlich schwer, beide Ideen zu einer gedanklichen Einheit zu bringen und auf dieser theoretisch einheitlichen Grundlage ein klares und in sich geschlossenes Aktionsprogramm aufzubauen. Die zionistisch-sozialistischen Gruppen wiesen alle denkbaren Richtungen auf, von den ,״Minsker" Poale Zion, die den pditisdien Kampf in Rußland ablehnten, der jüdischen Arbeiterbewegung nur wirtschaftliche Aufgaben zuerkannten und im übrigen innerhalb der zionistischen Bewegung als eine Standes- Organisation auftreten wollten, bis zu der ״Jüdischen Sozialist!- sehen Arbeiterpartei״ (Sejmisten). die die Verwirklichung des Territorialismus räumlich und zeitlich dahin verlegten, ״wo und wann“ die Tendenzen der jüdischen Entwicklung diese Verwirkltehung aktuell machen werden. Das wichtigste Merkmal der zionistisch-sozialistischen Bewegung war die Spaltung in Gruppen und Untergruppen, deren Anzahl durch die Aufzahlung der wichtigsten Richtungen: der ״Minsker“ Poale Zion, der palästincnsischen und den politischen Kampf bejahenden ״Poltawaer“ Poale Zion, der antipalästinensischen ״Sozialisten-Territorialisten“ (S. S.), der bereits erwähnten ״,J. S. A. P.“ und der ersten Truppen der Zeire Zion bei weitem nicht erschöpft werden kann. Es gab nur einen Weg, die Spaltung zu überwinden und gleichzeitig die theoretische Grundlage für die Durchdringung der jüdischen Arbeiterschaft mit zionistischen Ideen zu schaffen. Dieser Weg hieß: Ueberwindung der gefühlsmäßigen Begründüng des Zionismus, die fiir den bürgerlichen Zionismus fast die Regel war und auch weite Kreise der zionistischen Arbeiter- Schaft beherrschte; und gleichzeitig die wissenschaftlich marxistische Analyse der Tatsachen des jüdischen Wirtschaftslebens und der Möglichkeiten der jüdischen sozialistischen Bewegung in der Galuth. Das historische Verdienst Borochows bestand darin, die Verbindung zwischen dem Klassenkampf des jüdischen Arbeiters in den Ländern jüdischer Siedlungen und dem realen palästinensischen Territorialismus aufgezeigt zu haben. Seine theoretische Arbeit lieferte nicht nur eine glänzende Analyse der jüdisehen ökonomischen Wirklichkeit, eine Analyse, die allmählich die Parteiprogramme aller jüdischer Parteien beherrschte. Sie zeigte auch, daß und wie der palästinensische Territorialismus eine historische notwendige Fofge der wirtschaftlichen Entwichlung des jüdischen Volkes ist, dessen Verwirklichung von einer organisierten Bewegung beschleunigt und erleichtert wird, an sich aber das Ergebnis der ״elementaren Prozesse“ der jüdisehen Dynamik ist und vollzog so die Entwicklung des sozialistisehen Territorialismus von der Utopie zur Wissenschaft. Er bewies, daß der proletarische Zionismus eine spezifische Form des Klassenkampies der jüdischen Arbeiterschah ist und schuf nicht nur eine in sich geschlossene marxistische Begründung des Zionismus und marxistische Betrachtung der jüdischen Arbeiterbewegung, sondern auch die theoretische Grundlage einer sozialistisch und zionistisch aktiven jüdischen Arbeiterbewegung. Borochow ist im Dezember 1917 gestorben. Er hat nur die erste Phase der russischen Revolution erlebt, er sah weder die NachkriegsentwicMung der internationalen und jüdischen Arbeiterbewegung, noch die Nachkriegsentwicklimg des Zipnismus. Daraus erklärt es sich auch, daß der kommunistische Flügel der Poale Zion-Bewegung immer wieder versucht, bei Borochow eine Begründung seiner Politik der sozialistischen und zionistischen Abstinenz zu linden. Es gibt keinen besseren Beweis für die Unsinnigkeit dieser Versuche als die Lektüre der Schriften Borochows aus den Kriegs- und Revolutionsjahren. Gegenüber den Versuchen, der Arbeiterschaft bei der Verwirklichung des Zionismus eine im wesentlichen ״kontrollierende“ Rolle zuzuschreiben, führte Borochow in seiner berühmt gewordenen letzten Rede bei der Kiewer Tagung der russischen Poale-Zion aus, die Funktion der Arbeiterschaft und der sozialistischen Bewegung habe sich seit der Vorkriegszeit in der ganzen Welt grundlegend gewandelt. Sie bestehe nunmehr nicht nur in der Regulierung der ״befreienden“, sondern ebenso in der Regulierung der ,.gestabenden“ Prozesse. Als Antwort auf die Berufung auf den ״elementaren Prozeß“, der bei den ״Linken“ in einen marxistisehen Messiasglauben auszuarten drohte, erinnerte er daran, daß es mechanische und organische elementare Prozesse gebe, und daß der Prozeß der Verwirklichung des Zionismus in seiner Phase, die nach dem Kriege begann, ein organischer Prozeß sei. Noch vor der Balfour-Deklaration sah Bochorow die neue Phase praktischer zionistischer Aufbautätigkeit kommen, und ohne Berücksichtigung dieser Erkenntnisse könnte man kaum verstehen, wie er, der jahrelang vor dem Kriege Gegner der Teilnahme der Arbeiterschaft an der Zionistischen Organisation und am Zionistenkongreß war, zu seinem klassisch gewordenen Bekenntnis zu aufbauender zionistischer Tat, zu seiner sehr weitgehenden Revision der Stellung zur Zionistischen Organisation in den letzten Kriegsjahren gekommen ist. Der proletarische Zionismus ist nicht das Werk eines Mannes oder einer Gruppe. Er ist in den Lebensbedingungen der jüdischen Arbeiterschaft begründet und entstammt den spezifischen Bedingungen des Klassenkampfes des jüdischen Proletariats. Wenn aber die räumliche Ausdehnung der Organisatiön des proletarischen Zionismus auf alle Länder jüdischer Siedlung durch das Vorhandensein einer klaren marxistischen Ideologie erleichtert und beschleunigt wurde, wenn die Bewegung Immer wieder in der Lage war, ganze Gruppen jüdischer Jugend kleinbürgerlicher Abstammung, die durch die wirtschaftliche Entwicklung ins Lager des sozialistischen Proletariats getrieben wurden, aufzunehmen und dem proletarischen Stamm der Bewegung anzugliedern, ohne auch das Mindeste von ihrer sozialistisAen Zielsetzung und von ihrem sozialistischen Weg aufzugeben, so ist es in erster Linie ein Verdienst des Mannes, der als Fünfundzwanzigjähriger der revolutionären Bewegung des jüdischen Proletariats ihr marxistisches Glaubensbekenntnis gab. Palästina anl der Berliner Ban-Ausstellung Wir erhielten nachstehenden Bericht: Unter den Ländern, welche die Internationale Ausstellung ffir Städtebau und Wohnungswesen beschickt haben, befindet sich auch Palästina. Der ursprüngliche Plan, unter Beteiligung der Zionistisehen Exekutive, des Verbandes der Architekten und Ingenieure, der Stadtbau-Aemter und der Arbeiter-Organisation eine umfassende Darstellung des palästinensischen Bauwesens — Städtebau, Architektur, Wohnungswesen und landwirtschaftliche Ko- Ionisation — zu geben, ist leider nicht zustande gekommen. Aber auch die Darstellung der städtischen Arbeitersiedlungen, welche das ״Zentralamt für städtische Arbeiter- Siedlungen“ der Arbeiter-Organisation (Histadruth ha-Owdim) übermittelt, bietet sehr interessantes Material. Ohne große ausstellungstechnische Anfmachung vermitteln Karten, Siedlungs- und Häuserpläne, Photographien, Diagramme und statistische Darstellungen ein lebendiges Bild des Arbeiter- Wohnungswesens in Palästina. Uebersichtliche knappe Darstellungen der jüdischen Kolonisation Palästinas usw., der Grundlagen des Wohnungsbaues, sowie eine Karte des Landes und der jüdischen Böden, umreißen zunächst den allgemeinen Rahmen. Es folgen Stadtpläne und Stadterweiterungspläne von Haifa, Tel-Awiw und Jerusalem. Auf einem besonderen Plan ist die enorme Entwicklung Tel-Awiws im Laufe der letzten 10 Jahre veranschaulicht. Dann werden in Siedlungs- und Häuserplänen, Photographien, Kostenberechnungen und sonsti- Arbeiter-Siedlung bei Haifa, bei Tel-Awiw, die Schechunoth Borochow, die Arbeiter-Siedlung Nord Tel-Awiw und die koope* rativen Wohnhäuser und schließlich die kollektivistische Arbeiter-Siedlung ״Ramath-Rachel“ bei Jerusalem. In einem besonderen Plakat und mit besonderer Genugtuung heben die Aussteller hervor, daß die von ihnen erbauten Arbeiterhäuser die weitaus billigsten Wohnhäuser der esamten Bau-Ausstellung sind. Tatsächlich kosten die Häuser er Arbeiter-Siedlung Haifa, bestehend aus zwei auch für europäische Verhältnisse großen Zimmern, einer gedeckten Veranda, Küche, Bad und W.-C. mit vollständiger elektrischer und sanitärer Installation, einem 1000 m3 großen Garten, Umzäunung und Bewässerung, Kanalisation, Straßen, Wasserleitung und Stromanschluß, sowie Anteil an öffentlichen Gebäuden nur 4 260 M.; die Häuser der Arbeiter-Siedlung Nord Tel-Awiw, die Wohnkulturen etwas reicher ausgestattet sind, 4 WO M. Die billigsten deutschen Arbeiterwohnungen, die aber an technischer und wohnkultureller Ausstattung an die palästinensisehen nicht heranreichen, kosten mehr als das doppelte. — Auch in den kooperativen Arbeiterwohnhäusem Tel-Awiws — 16 Wohnungen in einem Block — kostet eine Wohnung mit 31/2 _ Zimmern, Bad, Küche und voller Ausstattung schlüsselfertig 5 800 M. Diese enorme Verbilligung ist — trotz ungünstiger Baubedingungen — durch gelungene Planung und rationelle Baumethoden erreicht worden. — Interessant ist weiter die Darstellung von Wohnungsbau durch Nebene r w e rbswirtschaft en in der Schechunoth-Borochow. Es ist hier gelungen, den außerordentlich starken Sparwillen und die Akkumulationskraft des Arbeiters, der ein Stück Boden unter den Füßen und ein klares Ziel vor Augen hat, für den Wohnungsbau nutzbar zu machen. Mit welchem Erfolge, das zeigt die statistische Uebersicht, nach der der Siedler, der ohne jedes Vermögen seine Arbeit begonnen hat, nach zwei Jahren bereits über ein schuldenfreies Vermögen von durchschnittlich 1600 M. verfügt, das nach 3—4 Jahren auf 3700, nach fünf Jahren auf 5000 M. angewachsen ist, während gleichzeitig seine Nebencinnahmen aus der nur 1500—2500 m* großen Gartenwirtschaft von 20» auf 75 M. monatlich gestiegen sind. Sehr interessant is schließlich noch die Siedlung ״Ramath- Rachel“ des Gdud haawodah (Arbeitslegion) bei Jerusalem, die einzige kollektivistische Wohnsiedlung, die auf der Bauausstellung dargestellt wird. Hier werdeu vor allem die Pläne und Photographien des großen Gebäudes gezeigt, das mit Hilfe des KerenJiajessod im Jahre 1931 erbaut worden ist und das Wohnzimmer für 40 Familien, Speise- und Lesesäle, Gemeinschaftsküche, Kleider- und Wäschemagazine und die verschiedenen Handwerksstätten enthält. Alle ausgestellten Bauten sind in den Jahren 1930—31 erbaut, 1׳esp. befinden sich im Bau. Es konnten also die neuesten Erfahrungen, ausgewertet werden. Alle Arbeiter-Siedlungen sind aut Böden des Jüdischen National-Fonds erbaut. Rückwanderung sephardischer Juden? Der sozialistische Bürgermeister von Toledo, Ballester, ein bekannter Vorkämpfer der Republik, hat an die jüdische Gemeinde von Saloniki und an die Vereinigung sephardischer Juden in Amerika und Jerusalem ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, er werde sich freuen, in seiner Stadt die Nachkommen ihrer einstmals vertriebenen besten Bürger begrüßen zu dürfen. Die Botschaft trägtoffiziellen Charakter und besagt ferner, daß der Magistrat von Toledo den rückkehrenden Juden selbstverständlich die alten Synagogen (״Del Transite“ und ״La Bianca“) zurückgeben werde. Ebenso wolle man ihnen das gesamte Gebiet des ehemaligen jüdischen Viertels für Ausgrabungen und zur AnsiedJung zur Verfügung stellen. Schließlich verspricht Bällester, daß er selbst und alle seine Freunde den rückkehrenden Juden jederzeit gern mit Rat und Tat zur Seite stehen werden. In Barcelona ist der Madrider Führer der jüdischen Gemeinde, Dr. Coriat, ein aus Marokko stammender junger Gelehrter, der in Madrid seit langem als Syndikus einer französischen Bank tätig ist, eingetroffen, um mit den Behörden über eine größere jüdische Ansiedlung in Barcelona zu verhandeln. Auszeichnung englischer Juden. Die anläßlich des Geburtstages König Georgs am 3. Juni veröffentlichte Auszeichnungs-Liste enthält die Namen einer Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten. Montague Burton in Leeds wurde ״in Anerkennung seiner großzügigen Freigebigkeit gegenüber den Universitäten in Leeds und anderen Städten und seiner auf dem Gebiete industrieller Beziehungen geleisteten öffentlichen Dienste“ in den Ritterstand erhoben. Burton hat im Jahre 1929 die Weizmann-Lehrkanzel für internationalen Frieden an der hebräischen Universität in Jerusalem gestiftet. Der Zioitist und Hebraist Leon Simon, der vor einiger Zeit zum Direktor des Post- und Telegraphen-Wesens im Generalpostamt bestellt worden war, wurde zum Ritter des Bath-Ordens ernannt. Der Leiter der Einwanderungsabteilun g der Palästina- Regierung, A. M. Hy am son, wurde zum Offizier des Ordens des Britischen Reiches ernannt. Dem Direktor der A. P. C., Siegfried Hoofien, wurde die Ehrenmitgliedschaft im Orden des Britischen Reiches verliehen. Ferner wurden der Chefsekretär der Palästina-Regierung M. A. Young zum Ritter des Bath-Ordens, der ehemalige Ministerpräsident von Trans- Jordanien Hassan Khalid Pascha zum Ehrenkommandeur des Orden des Britischen Reiches, Hauptmann Buller vom palästinensisch-transjordanischen Grenzkorps zum Offizier des Ordens des Britischen Reiches und der Beamte der Sanitätsbehörde in Haifa Zahi Haddad zum Ehrenmitglied im Orden des Britischeu Reiches ernannt.