Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 47 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 47, 19. VI. 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 291 Zur Weltkonferenz der Wizo Die zionistische Frauenorganisation Von Dr. Martha Hofmann. Der diesjährigen VI. Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen in Basel wird mit besonderer Spannung entgegengesehen, lieber die Fortentwicklung der Weltorganisation zionistischer Frauen, sowohl über die Organisationsform in der Galuth, als über ihre Konstitution und — mehr als das — über ihr weiteres Arbeilsprogranim in Palästina werden von dieser Konferenz entscheidende Beschlüsse gefaßt werden. Wohl darf im großen und ganzen gesagt werden, daß sich innerhalb der Frauenorganisation die Krise im Zionismus wenier akut geäußert hat, als auf anderen Gebieten der nationalen alästinabewegung. Aber in das Budget der Wizo droht ein noch nicht gekannter Rückgang einzubrechen — ein Rückgang, der bei dieser jungen, bisher vorwärtsstürmenden Organisation besonders verhängnisvoll wäre. Und es darf gesagt werden, daß die Wizo kein Recht auf diesen Rückgang hat —, daß er nicht notwendig und nicht erlaubt ist. Weniger nämlich als von der Zionistischen Organisation wurden von der Weltorganisation zionistischer Frauen bisher die verschiedensten Schichten des Judentums erfaßt. Die Wizo hat sich in jedem Lande bisher auf eine ziemlich schmale Schicht von Frauen beschränkt, sie ist nicht in die Massen ei 11 gedrungen, sie hat kaum den Versuch dazu unternommen. Waler die assimilierte Frau, noch die breitere Menge der arbeitenden Frauen wurde bisher von der Wizo herbeigerufen, so vernehmlich ׳herbeigerufen, daß sie sich diesem Rufe nicht verschließen konnte. Und gerade die Wizo hätte dank ihrem alle Kreise und alle Klassen ansprechenden wirtschaftlichen und sozialen Programm die innere Berufung dazu, die Organisation der großen Menge jüdischer Frauen in allen Ländern zu werden. Aber auch die besitzende Klasse der jüdischen, ja selbst der zionistischen Frauen wurde nur in einem bescheidenen Maße organisatorisch erfaßt. Gerade wenn die Wizo sich ihrer überpolitischen soziale, pädagogische, national-kulturelle, produktive Werte für die jüdischen Frauen in Palästina und in der ganzen Welt schaffenden Aufgabe und Bedeutung bewußt ist, kann sie von jeder äußeren und inneren politischen Krise des Zionismus unversehrt bleiben, wofern sic ihre organisatorische und erzieherische Aufgäbe nur einigermaßen erfüllt. Noch ist es nicht zu spät, noch ist kein wesentlicher Rückgang in der Wizo zu verzeichnen, wenngleich gerade für diese junge Organisation gesagt werden muß, daß Stillstand Rückschritt wäre. Aber noch sind große Möglichkeiten, und es besteht keinerlei Berechtigung, mit Hinweis auf irgendwelche inneren und äußeren Schwierigkeiten des Zionismus die Verantwortung von sich zu schieben. Nicht einmal die materielle Krisenlage der Gegenwart ist solch ein Grund, denn die Frauen verlangen geringe Beträge von ihren Mitgliedern: Beträge, die nicht zu leisten einer jeden nur einigermaßen verantwortliehen jüdischen Frau weit schwerer fallen sollte, als ihre Entrichtung. Die Organisation der Frauenarbeit in Palästina Von Mania Ostrowski, Haifa. Als ich vor 4*/s Jahren ins Land kam, schloß ich mich der Wizo an, um mich an der Gründung der Histadruth Arzit zu beteiligen. Dabei gewann ich einen LJeberblick über die soziale Arbeit im Lande, wobei zwei Dinge mir besonders auffielen: 1. das Bestehen verschiedener Frauenorganisationen, die eher gegenals miteinander arbeiteten, 2. das Fehlen einer zentralen Stelle, die diese verschiedenen Organisationen bindend und kontrollierend vereinigte, wodurch die Mißstände beseitigt sein würden. Ich schrieb damals in der ״Jüdischen Rundschau“ zwei dicht aufeinander folgende Artikel, in denen ich forderte: 1. Zusammenarbeiten mit der größten der hiesigen Frauenorganisationen, Histadruth Naschim Ivriot, und 2. sofortige Schaffung einer Zentralstelle dort, wo sie am leichtesten möglich ist. d. h. in Tel-Awiw. Diese beiden Forderungen erschienen vielen falsch und wurden zutn Teil angefeindet. Zwar bin ich durchaus nicht abhängig vom sogenannten ersten Eindruck, doch dieses Mal war er richtig, denn diese beiden Forderungen sind jetzt höchst aktuell und stehen vor ihrer Verwirklichung. Die Frage der ״Histadruth Naschim Ivriot“ hat 41/2 Jahre, zwei Wizo-Konferenzen und mehrere Pressedebatten überdauert, um jetzt endlich einer Lösung entgegenzugehen, von der man auch nicht sagen kann, wie sie wird. Eins ist nur klar: der Kampf gegen die Histadruth Arzit-Wizo wird damit beigelegt. Jetzt auf diesen langen und zum Teil unnützen Kampf zurückblickend, muß ich noch einmal die Entstehung und Ziele der Histadruth Arzit-Wizo in Erinnerung rufen. Sie ist entstanden aus dem Bedürfnis heraus, eine hiesige Vertretung der sich im Auslande befindenden Mutterorganisation zu schaffen, die nicht nur die an Ort und Stelle vorhandenen Institute überwacht, sondern in dem von der Wizo vorgezeichneten Weg Neues und Notwendiges schafft. Als diese Notwendigkeit erwies sich damals in der Zeit der speziell Tel-Awiwer Krise die sogenannte städtische Kolonisation, d. h. die Möglichkeit, für die Städterin in allen Fragen des für sie ungewohnten Lebens. Belehrung und Beratung zu finden. So entstand zunächst der Klub in Tel-Awiw, mit Koch- und Nähkursen, Beratungsstunden für alle Fragen des Wirtschaffens, hebräischen Kursen (daraus wurde später eine Abendschule), die Gemüsegärtchenaktion, zunächst nur an den Baracken, aus praktischen und erzieherischen Gesichtspunkten heraus — jetzt eine gesuchte Organisation zur Einrichtung von Mustergärten an Schulen und öffentlichen Plätzen. Darauf folgte der Klub in Haifa mit einem mannigfaltigen Programm, welches sich auf ein ebenso buntes wie schwieriges Frauenmaterial erstreckt, von der einheimischen sephardischen Frau bis zur gebildeten Arbeiterin und Frauen der bürgerlichen Gesellschaft. Allen liefert der Klub praktische Unterweisung und geistige Nahrung und wird von den Frauen als ihr Heim betrachtet. Der Erfolg dieser durchgeführten Arbeit, der über jedes Erwarten groß ist, zeigt deutlich die vorhanden gewesene Notwendigkeit der Gründung der Histadruth Arzit- Wizo. Die Arbeit wuchs weit über die uns damals vorschwebenden Ziele hinaus, wurde von der Stadt in die bereits etwas seßhaft gewordenen Kolonien und Kwuzoth übertragen, die die Notwendigkeit des rationellen Kodiens, Wirtschaftern und der Selbsthilfe durch Schneiderei einsahen. Noch einmal will ich hervorheben, daß die Schaffung dieser notwendigsten Institution in keiner Weise die Arbeit der sozialen Fürsorge, die in den Händen der Histadruth Naschim Ivriot ruht, schädigte. Im Gegenteil, die soziale Fürsorge wurde durch die von uns geleistete Anleitung zur praktischen und kulturellen Selbsthilfe vervollständig. Die Fürsorge leitet die Mutter an, ihr Kind nach den Prinzipien der modernen Medizin zu erziehen und zu ernähren. Indessen bleibt die Mutter selbst in dem hergebrachten, dem Lande und dem jetzigen Leben gänzlich ungeeigneten Milieu weiter leben. Der Kontrast zwischen Kind und häuslichem Milieu ist zu groß, er ist widersinnig. Hier greifen wir, Histadruth Arzit-Wizo ein, wir erziehen und bilden die Frau in der obengenannten Weise, die für ihr Leben und das Leben ihrer Familie erforderlich ist, und hiermit schließen wir den Erziehungskreis um Mutter und Kind. Deshalb und weil ich von vornherein für Zusammengehen war, empfand ich die Anfeindungen der Histadruth Naschim Ivriot stets besonders schmerzlich. Wie die Bedingungen der Zusammenarbeit ausgearbeitet werden, an eins darf dabei nicht gerührt werden: die geschaffene Arbeit der Wizo, ohne die die palästinensische Frau nicht auskommen kann; sie wurzelt tief in ihrem Leben und erleichtert es, indem sie ihr den Stützpunkt gibt — den Klub. Es wird in der bevorstehenden Wizo-Konferenz die Frage debattiert werden, ob man Neues schaffen oder das Bestehende ausbauen soll. Meines Erachtens läßt sich diese Frage nicht ohne weiteres beantworten. In einem Lande, dessen Budget hauptsächlich von außen gedeckt wird und dessen Aufbau von eben diesem Budget plus politischen Voraussetzungen abhängig ist, kann man für zwei lange Jahre voraus keinen klaren Ent- Schluß fassen. Sind in der nahen Zukunft Voraussetzungen für eine größere Immigration, als sie in den letzten Jahren war, vorhanden, so werden mehrere wenn auch schwächer fundie/tc Stützpunkte notwendig sein. Bleiben die Immigrationsgesetze wie sie jetzt sind, so genügen die vorhandenen Institute vollständig, die man ausbauen kann. Um eben diese und noch andere Fragen einwandfrei beantworten zu können, komme ich wiederum zu der von mir bereits erwähnten Notwendigkeit der Schaffung einer Zentralstelle. Wir Frauen erfüllen hier in Palästina viele Pflichten, die eigentlich dem Staate obliegen. Wir haben aber im Lande selbst keine Stelle, an die wir uns um Rat und Hilfe zur Ueberprüfung unserer Beschlüsse wenden könnten. Solch eine Stelle müßte an die Vertretung des palästinensischen Judentums angeglicdert werden. Sie müßte alle Arbeit sozialer und konstruktiver Natur zentralisieren, alle Beschlüsse überprüfen und im Hinblick auf die Gesamtlage genehmigen oder ablehnen. Nur so könnte Mißständen, die durch parallele Arbeit entstehen, gesteuert werden. Dadurch würde unsere Arbeit (es ist jetzt nicht der Ort, darüber ausführlich zu sprechen) an Disziplin, Ersparnis an Oeld und Zeit und Kräften gewinnen. Es würden alle in dieser Zentralstelle vereinigten Gesellschaften besser fundiert sein und, durch Autorität geschützt, produktiver arbeiten können. Und das ist ja das, was wir alle wollen. Biidungsfragen der jüdischen Frau Von Dr. Nadja Stein. Die Erkenntnis tut not, daß die Bildungsarbeit an der jüdisehen Frau, die ein lebendiges Verhältnis zu Palästina gewinnen soll, sehr des Ausbaus bedarf. Es ist nun so, daß die Frau ein praktischen Dingen zugewendetes Leben führen muß, und daß ihr, auch der in geistiger Arbeit stehenden Frau, wegen ihrer zusätzlichen, ihrer häuslichen Pflichten in den Mußestunden wenig Zeit und Konzentrationsmöglichkeit für außerberuflfche theoretisch-soziologische und abstrakt wissenschaftliche Lektüre bleibt. Hier hätte die Bildungsarbeit der zionistischen Frauenorganisationen einzusetzen, hier hätte sie zu versuchen, das Maximum von dem zu vermitteln, was die Frau mit jüdischem Bewußtsein, mit Wissen über die Lebensprobleme des eigenen Volkes und dem Ringen um die Ausdrucksform der eigenen Volksgemeinschaft erfüllen könnte. Aus der unübersehbaren Fülle jüdischer Literatur und Publizistik der Gegenwart und der weiten Schatzkammer jüdischen Kulturguts hätte sie das zu wählen und in der entsprechenden Form weiter zu geben, was die jüdische Vorkämpferin von heute für sich selbst und die anderen als Rüstzeug und Bereicherung braucht. Da die Mehrzahl der im Galuth zur Palästinaarbeit vereinigten Frauen aus bürgerlichen und kleinbürgerlichen Kreisen stammt, in denen ihnen nur allgemeine Bildung vermittelt wurde, eine aufs Literarisch-ästhetische gerichtete Erziehung, und ihnen die zdonistisehen Zeitungen, soweit sie schwierigere Volkswirtschaftliche oder staatsrechtliche oder parteipolitische Ab- Handlungen enthalten, unzugänglich sind, so ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Mitglieder der zur Palästinaarbeit vereinigten Frauen gruppen geistig vielfach nicht weiter halten als Mitglieder philanthropischer Frauenvereine und durchaus nicht den Standard repräsentieren, den man von den Trägerinnen einer nationalen, stark angefeindeten und von unzähligen Probiemen bedrängten Freiheitsbewegung erwarten sollte. Bei den beschränkten Mitteln, die die unermüdlich auf die Verwirklichung ihres großen und wichtigen Palistinaprogramms bedachten zionistischen Frauengruppen der Bildungsarbeit zur Verfügung zu stellen wagten, bedeutet ja schon die Schaffung eigener Frauenblätter einen Schritt nach vorwärts. Aber sic bedürfen einer Ergänzung durch Materialien, die den Gruppen eine eigentliche Bildungsarbeit ermöglichen. Auch das Vortragswesen in den Gruppen ist zumeist ein unsystematisches und zusammenhangloses. In manchen Orten hat sich die Form der Studienzirkel eingebürgert, Zusammenkünfte kleiner Frauengruppen, die unter Anleitung einer Referentin im Laufe eines Semesters ein bestimmtes Detailthema ausführlicher behandeln. Aber diese Studienzirkel sind der Zahl nach verschwindend gering, weil die Zahl der Frauen, die sie zu leiten imstande sind, sehr klein ist, weil diese Leiterinnen selbst oft mehr Zeit auf die Vorbereitung und Ausarbeitung des Kursthemas verwenden müssen, als sie zur Verfügung haben, und weil ihnen von ihrer Zentrale keine Hilfsmittel an die Hand gegeben werden. Aus ailen diesen Erkenntnissen und Bedürfnissen heraus hat die Organisation der amerikanischen Zionistinnen, die ״Hadassah“, ihr Kulturdepartement geschaffen, das nun allmählich den Weg eingeschlagen hat, der hier geboten erscheint. In dem mehr als hundert Druckseite» großen Berieht der Hadassah-Exekutive an ihre letzte Landeskonferenz kommt die Darstellung der Vorsitzenden des Kulturdepartements, N i ra S. Adlerblum, einer geborenen Palästinenserin, eine besondere Bedeutung zu. Das Kulturdepartement der Hadassah wird heute von einem zentralen Stab von fast 40 Mitarbeiterinnen verwaltet, unter denen sich auch eine Reihe von Vertreterinnen der ״Junior s“ befinden._ In allmählicher Arbeit hat es in den anfänglich stark philanthropisch eingestellten Hadassahfrauen die Verpflichtung und den Drang zu jüdischzionistischer Bildungsarbeit an sich selbst entwickelt. Die meisten ihrer Gruppen haben heute bereits ״die dynamische Kraft erkannt, die aus der Beschäftigung mit der Kunde des Jude•• tums und seiner Palästinabestrebungen kommt“ Das Kulturdepartement der Hadassah sendet den Gruppen ausgear» beitetes Kurs - und Vortragsmaterial zu, mit dem die Frauen sich unter Leitung ihrer lokalen Kulturreferentin vertraut machen. So gab im vergangenen Jahr der Kurs über ״Die Hauptströmungenim Judentumiml9. Jahrhundert“ einen Einblick in die Kämpfe der vorigen Generationen zwischen ihrem jüdischen Sein und dem äußeren auf sie einstürmenden Leben. Der Kurs über Zionismus zeigte die neue Form jüdischen Denkens und Seins. Der Kurs über: ״Jüdische Geschichte mit Palästina als Zen» trum“ versuchte die Bedeutung Palästinas als des jüdischen Gravitationszentrums in allen Jahrhunderten aufzuzeigen. Für das kommende Jahr wird ein Kurs über zeitgenössische palästinensische Geschichte, mit besonderer Berücksichtigung der Araberfrage, vorbereitet, weiter eine Studie über a|e verschiedenen weltanschaulichen Tendenzen im Judentum der Gegenwart, über das jüdische Leben in seinen Festen, und ein Jahresprogramm für die allgemeinen monatlichen Zusammenkünfte mit einem ausgearbeiteten Vortrag für jedes einzelne Mal über die Lage und Probleme im Weltjudentum und in Palästina und historisch gehaltene Einleitungen. Außerdem werden die In- .st*»4tdM-i«>a*n an die Leiterinnen weiter ausgebaut. ZweiwöÄhentlrche Presserevuen, die eine knappe Rundschau über wichtige erschienene Palastinaartikel enthalten, gehen überdies den Studienleiterinnen regelmäßig zu und ebenso Anzeige» und Empfehlungen bedeutsamer Neuerscheinungen. Bei den Frauengruppen bürgert sich immer stärker die Einrichtung des On eg Schabbat ein. Seit zwei Jahren führt die Hadassah auch einen ״Kursfür jüdische ElternüberErziehungsfragen.“ Die Leitung des Kulturdepartements der ״Hadassah“ zielt dahin, allmählich eine BiIduagszentrale der Jüdisehen Frau überhaupt ins Leben zu rufen. Durch Verbindüng mit den Kulturdepartements der anderen großen, jüdischen, Hunderttausende umfassenden Frauenorganisationen Amerikas, die sie bereits angebahn hat, und durch Vereinheitlichung der zionistischen Bildungsbestrebungen unter den Frauen durch Verbindung mit der Wizo, worüber auch schon Besprechungen stattgefunden haben, soll die heute verstreut geleistete große Kulturarbeit unter den Frauen zusammengefaßt und auf größerem Maßstab nutzbar gemacht werden. Wenn diese künftige oder werdende Bildungszentrale sich auch damit abgäbe, illustratives Material für die jüdische Bildungsarbeit zusammenzustellen, Lichtbilder und sonstiges Bildwerk, Bildstatistik usw., so würde das eine willkommene Belebung der heute zu sehr auf das bloße Wort abgestellten Belehrung bedeuten. ״Es ist diese Leidenschaft zur Arbeit an seinem geistigen Menschentum, zur Erkenntnis und Bewahrung seines geistigen Selbst, die das jüdische Volk unsterblich gemacht hat“, sagt Nima Adlerblum zum Abschluß ihres Berichtes, durch den sie die Hadassahfrauen zur Unterstützung und zum weiteren Ausbau ihres Kulturdepartements aneifert. Za Arthur SUbergleii« 50. Geburtstag fand im Rahmen der ״Werkgemeinscnaft“ eine wunderschöne Feier statt. Alfred Richard Meyer begrüßte den Jubilar als den letzten Dichter-Bohemien, der sämtliche ״Ismen“ verschlafen habe. Ernestine Münchheim las mit liebevoller Versenkung aus seiner Lyrik und aus dem ״Orpheus“. In seiner Dankrede, die das stilvolle Fest beschloß, lenkte Silbergleit die Aufmerksamkeit von sich ab und auf die anderen lebenden Dichter hin, denen die Zeit ein so grausames Schicksal bereitet und um deren persönliches Wohl man sich bekümmern solle. Nichts ist bezeichnender für die zurückhaltende Feinheit und Zartheit dieses Dichters. Silbergleit ist ein Lyriker voll religiöser Inbrunst und Vision. Was die Mepscnenseele, vor dem Unendlichen stehend, erschüttert und bewegt, weiß dieser Dichter in verklärter Form zu sagen. Und doch muß es uns erlaubt sein, seine Art und sein Wort vor allem als jüdisch zu empfinden. Er gehört unvergeßlich zu jenen Figuren, in denen das neue jüdische Fühlen in unserer Zeit durchbrach, unabhängig von Politik und äußerer Betätigung, nur aus dem Innern, als die Stimme der den Dichter zwingenden höheren Macht. So rechnen wir Arthur Silbergleit, der schon in dem ersten Buch der ״Jüdischen Renaissance“, im ״Jüdischen Almanach“ vom Jahre 1902, vertreten war, zu den Unsera. Denn mehr und nachhaltiger als Programme und Organisationen wirken die Dichter auf den im stillen sich neu gestaltenden Geist eines Volkes. Wir beglückwünschen zu seinem Geburtstag den Dichter der ״Psalmen“, den Mann, der vor 30 Jahren uns diese Verheißung gab: ״Es wird ein Glanz in euren Augen sein.. wenn: ״Aus kahlen Föhrenlanden wandert ihr — Zu euren Zedern und zu euren Palmen, — Nicht Bettler; Fürsten in des Festtags Zier, — Umrauscht von Harten und von Davidspsalmen..L. Persönliches. Frau Fanny Rosenblüth feiert am Sonntag, dem 21. Juni, ihren 70. Geburtstag im Kreise ihrer Kinder und Enkel. Die Gedanken vieler Zionisten, auf deren Leben und Entwicklung das Haus Rosenblüth gewirkt hat, werden an diesem Tage bei ihr sein. Als wir jung waren, lernten wir die einzigartige Atmosphäre zionistischen und jüdischen Lebens im Messingwerk kennen, wo Martin und Felix Rosenblüth mit ihren jüngeren Geschwistern aufwuchsen. Lazarus Barth brachte den Zionismus dorthin, Moses Calvary war Lehrer und Berater in geistigen Angelegenheiten, Blumenfeld und Liehtheim waren häufige Gäste und bildeten zusammen mit vielen anderen Freunden den geheimen Bund derer, die in Deutschland der zionistischen Bewegung einen neuen Auftrieb geben wollten. Als Rosenblüths einige Jahre vor dem Kriege nach Berlin zogen, war ihr Haus die gastichste Stätte für beste Teile unserer zionistischen Jugend. Ueberall leben heute in Deutschland und in Palästina Zionisten, die sich oft und freudig an die Freitag-Abende in der Stromstraße und in der Klopstockstraße erinnern. Und alle diese vielen sind der klugen und mutterliehen Frau zu Dank verpflichtet, die mit verständnisvollem Interesse die Entwicklungen mehrerer Geschlechter begleitet und in vielen persönlichen Dingen auch beeinflußt hat — Frau Fanny Rosenblüth ist eine Erez-Israel tief verbundene Zionistin, der unsere Bewegung heute verehrungsvollea herzlichen Dank abstattet. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland schließt sich der Schar der Gratulanten an, sie beglückwünscht ihre Kinder, deren Lebenswerk mit dem Zionismus verbunden ist, von denen zwei in Palästina leben und wünscht ihr aus ganzem Herzen .עד מ*ה ועשרים שנד lllllllllllMlllllMllllllilllllllllllllMIIMIIllMIIIIIIIIIIIUIIHIIIIIIIIIIIIIllllllllllHIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIlllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIinllllllHMIIUIIIIinilllMIIIIIHIIIIIIIIIIItllllllllrittlimtllttlimnilHIIIWHIBIIIIIIIIMIIMBmilUBHnimilllllllllllll