Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 47 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 290 J UEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 47, 19. VI. 1931 tung, daß durch Blätter wie ״Palestine Bulletin“ der jüdischen Sache mehr Schaden zugefügt wird als durch manche ״Weißhiieher“, und vielleicht besteht zwischen dem Stil dieser jüdischen Zeitungen und dem Stil des Weißbuches ein gelmitinisvoller Zusammenhang. Die Kunst der Politik oesteht (besonders in unserem Falle) nicht im Schütteln der Faust oder in naivem Selbstlob, sondern im Gewinnen von Freund e n. Viele Organe unserer öffentlichen Meinung tun mit Erfolg das Gegenteil. Staatstnännischc Leitung eines Volkes geschieht nicht nur durch plumpe — notabene nicht sehr schwer zu erdenkende — Protestresolutionen, sondern sic erstreckt sich in jene Winkel, wo Tag für Tag die Suppe gekocht wird, die wir eines Tages selbst auslöffeln müssen. R, \V. Nach dem Klagemaaer-Urteil Scharfe Rede Usslschlclits Die Entscheidung der internationalen Klagemauer- Kommission ist In Palästina, wie wir bereits kurz gemeldet haben, von den Juden mit Ruhe aufgenommen worden. Die jetzt hier eingetroffene palästinensische Presse zeigt, daß die Sache keineswegs eine lebhafte Resonanz gefunden hat. Wenn man bedenkt, welcher Erregungszustand vor zwei Jahren wegen dieses Streites entstanden war und daß die heutige kritische Situation mit allen ihren unglücklichen politischen Zwischen- Stadien von der Klagemauer-Affäre ihren Ausgang genommen hat. so muß man sagen, daß das gegenwärtige Verhalten der jüdischen Öffentlichkeit, die diese Angelegenheit heute nicht mehr aufbauschen möchte, begreiflich Ist. Lediglich das r evisionistische Organ ״Haam״ veröffentlicht einen Leitartikel unter der Ueberschnft ״Der Trauertag“, worin die Ent- Scheidung der internationalen Kommission auf das schärfste bekämnft und auf die schwächliche Politik der Jewish Agencv zurückgeführt wird. Hätten die Juden, so schreibt das felatt, mit mehr Energie den Standpunkt vertreten, daß d i e KI a g emauer den Juden gehört, dann wäre der Spruch der Kommission anders ausgefallen. In demselben Sinne äußerte sich auch Ussischkin in einer Rede, die er am 9. Juni im Waad Leumi gehalten hat. Diese Rede, die gleichfalls vom ״Haam“ abgedruekt wird, wendet sich gegen׳ die im Waad Leumi herrschende ״Verzichtsstimmung״. Die Jewish Agency und die Zionistische Exekutive zusammen mit dem Waad Leumi, so sagte Ussischkin, haben die Verteidigung der Mauer schlecht geführt. ״Bevor man an die Verteidigung unserer Rechte vor der Kommission heranging, habe ich erklärt, das jüdische Volk müsse proklamieren, daß die Maueruns gehört. Sie ist nur das Heiligtum des. jüdischen Volkes. Aber Eure Verteidigung hat sich nur erstreckt auf die Erlaubnis zu beten und kleine Gebrauehsgegenstände mitzubringen, Ihr habt gar nichts gefordert, Euch nicht auf die historischen Rechte berufen. Was wollt Ihr jetzt? Was Ihr gefordert habt, habt Ihr erhalten. Wenn wir von Anfang an gefordert hätten, was ich gesagt habe, dann hätten wir nicht diesen Spruch erhalten, und dann könnten wir noch heute ein Geschrei erheben, daß die Mauer uns gehört. Früher oder später hätten wirsie bekommen. Die Zionistische Exekutive und die Jewish Agency haben ein Dokument der nationalen Schmach unterschrieben.“ Wir haben nicht gezweifen, daß Ussischkin bei seinen Anschauungen beharrt. Er gehört zu den Unbelehrbaren, und es kommt ihm nicht in den Sinn, daß die zionistische Geschichte der letzten zwei Jahre zeigt, wie verhängnisvoll der von ihm, von Dr. Klausner und seinem Anhang, von den Revisionisten und anderen vor zwei Jahren eingenommene Standpunkt sich aasgewirkt hat. Die Kenntnis seiner Aeußerungen ist zur Beurteilung der politischen Zusammenhänge überaus wichtig. 1225000 Bäume Außerordentlich interessante Mitteilungen über den Fortschritt der Aufforstungs-Aktion des KKL in Palästina bringt die soeben erschienene Herzl-Nummer des ״Karnenu“, der Haus- Zeitschrift des Hauptbüros, die den Mitarbeitern direkt von Jerusalem zugeht. Auf 934 Dunam sind im Jahre 5691 insgesamt 279 437 Bäume angejxflanzt worden. Damit ist die Zahl der Bäume, die bis vor vier fahren lange Zeit stationär geblieben war, aber dann durch die Anpflanzung der Wälder auf den Namen von Lord Balfour, Einstein, Masaryk, König Peter und besonders energische Intensivierung im letzten lahr dauernd gewachsen ist, auf eine und eine Viertel Million gestiegen. Die wichtigsten Pflanzungsorte des abgelaufenen Jahres sind Um-Kebi, eine Hügelkette zwischen Nahalal und Nazareth, und Wadi Chawareth, wo über 40 000 Eukalyptusbäume zur Markierung der Grenzen gepflanzt wurden. Freilich wurden hier einmal 20 000 und einmal 3500 Bäume von den benach barten Beduinen entwurzelt, doch wurden sie vom KKL wieder neu angepflanzt. Die Aufforstungs-Abteilung, an deren Spitze Herr Waitz steht, kann mit Stolz darauf hinweisen, daß die Ziffer von 410 000 Bäumen als Jahresleistung einen kolossalen Fortschritt bedeutet. Die Stifter von Gärten und Hainen, die den Wunsch haben, daß die von ihnen begonnenen Objekte im Winter dieses Jahres nun ebenfalls tatsächlich angepflanzt werden, seien in diesem Zusammenhang an den HerzLTag erinnert, an dem die Stiftungen durch neue Baumspenden abgeschlossen werden sollen. Der jüdische Ingenieur- und Archifekien-Verein Palästinas übersendet uns einen Bericht über seine Halbjahres-Konferenz, die Anfang April in Tel-Awiw tagte. Auf der Konferenz wurde eine Reihe von Referaten gehalten. Hauptsächlich beschäftigte sie sich aber mit der Frage der Umgestaltung des Technikums in Haifa. Bekanntlich beabsichtigt aas Erzieliungsdepartement der Exekutive, im Rahmen der in der nächsten Arbeitsperiode durchzuführenden allgemeinen Reform des Erziehungswesens auch das Technikum grundlegend umzubilden. Das Institut soll zu einer gewerblichen Lehranstalt für Facharbeiter werden. Gegen diese Vorschläge wandten sich die Referate und Reden der Konferenz und dieser Stimmung wird auch in einer langen Resolution des Verbandes Ausdruck gegeben, worin betont wird, es sei eine dringende Notwcndigkeit, das Technikum als Lehranstalt für höhere technische Kräfte weiterzuentwickeln. Daneben sollen Fortbilduncskurse für Bauführer-, sowie Handwerkerschulen geschaffen werden. Das Technikum sei jedoch für die Erforschung der technischen Möglichkeiten des Landes unerlä ßlich. — Es handelt sich hier um eine alte Kontroverse, über die bereits mehrfach in der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet wurde. Die Frage war auch vor dem letzten Kongreß 1929 bereits aktuell, und die verschiedenen Auffassungen kamen damals in der ״Jüdischen Rundschau“ in mehreren Aufsätzen zu Wort. Wie immer man zu den Fragen stehen inag, es wäre zu wünschen, daß endlich ein Definitivum geschaffen und so dem Streit und der Un- Sicherheit ein Ende gemacht wird, damit eine geordnete Unter- 1 ichtstätigkeit vor sich gehen kann, ohne daß die Schüler dauernd plötzliche Aenderungen des Charakters der Anstalt befürchten müssen. Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter Die Frage der jüdisch-arabischen Gewerkschaften. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Tel-Awiw, 11. Juni 1931. Zwischen der dritten und vierten Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation lagen gegen fünf Jahre. Eine lange Zeit, in der sich die Verhältnisse im Lande sehr stark geändert haben. Ein umfangreicher und sehr eingehender Rechenschaftsbericht, der vor der in den ersten Junitagen in Tel-Awiw abgehaltenen Konferenz erschien, gibt einen Ueber־ blick über die Errungenschaften des vergangenen Jahrfünfts und liefert ausführliches statistisches Material über die Lage der Siedler und der Lohnarbeiter, die in der landwirtschaftlichen Organisation zusammen geschlossen sind. Bevor ■wir auf die Beratungen der Konferenz elngehen, seien ein paar Worte über ihren äußeren Rahmen und ihre Zusammensetzung vorausgeschickt. Aeußerlich unterschiedlich die Zusammenkunft sehr stark von ihren Vorgängern und vielen andern palästinensischen Beratungen. Sie war ungewöhnlich gut vorbereitet; der Zeitrahmen für die Tagesordnung war nicht nur bis ins einzelne festgelegt, sondern wurde auch mit kleinen Abweichungen bis zum Schluß eingehalten. Auch in der Be- Schickung der Konferenz war eine große Aenderung eingetreten. Aus den Wirtschaften waren fast nur die Delegierten anwesend; Zuhörer nur in geringer ZahJ. Das zeigt, daß sich die Siedler heute viel stärker an ihre Arbeit gebunden fühlen als früher. Die Masse der Gäste kam aus den Pflanzungs-Kolonie!!, wo ein Teil der Lohnarbeiter heute arbeitslos ist, so daß es vielen nur zu leicht fällt, ihren Aufenthalt für ein paar Tage nach Tel-Awiw zu verlegen. Der Schwerpunkt der Konferenz lag dieses Mal auch auf der Arbeit in den Kolonien, so daß der starke Besuch aus Judäa und Samaria dem Inhalt der Konferenz entsprach. Ein weiterer neuer Zug ist die Parteienverteilung. Die alten Gegensätze zwischen ״Achduth Awodah“ und ״Hapoel Hazair“, die sich immer sehr stark auf den!andwirtschaftlichen Konferenzen auswirkten, sind durch die Ein!- gung völlig verschwunden. Die geeinte Partei hatte die überwältigende Majorität auf der Konferenz, und es blieb nur ein kleiner Raum für eine Opposition. Diese setzte sich aus einer Handvoll Delegierter des ״Haschomer Hazair“ und einigen wenigen Vertretern der linken Poale Zion zusammen. Bei den bestehenden Kräfteverhältnissen hatte die Opposition jedoch keinerlei Perspektive, irgendeinen ihrer Anträge aurchzubringen. Immerhin brachte sie es fertig, der Konferenz eine eigene Note zu geben und die Gleichförmigkeit der Diskussion zu durchbrechen. Die Referate und Debatten über Landwirtschaft — sowohl über die ״alte“ in den gemischten Wirtschaften des Emek und der Jordänsenke wie auch die jetzt beginnende ״neue“ in der Orangenzone -- hatten keinen deutlichen Mittelpunkt. Es gab zwar verschiedene Vorschläge zur Erweiterung der Kolonisation, wovon als der wichtigste der Ausbau der Gesellschaft ״Nir“ durch Vertreibung von Aktien im ln- und Auslände zu betrachten ist, aber keiner von ihnen ״schlug ein“. Die Erweiterung der Siedlungs-Arbeit ist ohne beträchtliche Vergrößerung der nationalen Mittel nicht möglich. Teilfragen fachlicher Art, ■die dauernd in den Betrieben selbst besprochen werden, sind keine ״Konferenzthemen״ im hergebrachten Sinne des Wortes. Fragen wie die des Marktes für landwirtschaftliche Produkte, der Senkung der Produktionskosten, um mit den sinkenden Preisen Schritt zu halten, der Einführung neuer arbeitsparender Maschinen, der Abdeckung der. Schulden und der Beschaffung billiger Kredite — um nur einige von ihnen herauszugreifen -- sind zwar brennend und dringlich, aber sie können nur das Objekt sachlicher Arbeit und nicht der Beschluß von Konferenzen sein. Man sieht an der Waldung zu den rein praktischen Dingen, daß die Siedlungen erst in den letzten Jahren in den normalen Existenzkampf einetreten sind, der ihnen für theoretische Untersuchungen keine eit läßt. Die große Frage ist heute, ob mul bei welchem Standard der Siedler in den nationalen Siedlungen bestehen kann. Es handelt sich dort nicht mehr um Aufbau, sondern um Ausbau, und der drängt alles, was nicht direkt zur Wirtschaft und ihren Bedürfnissen gehört, ohne Erbarmen in den Hintergrund. Die große Debatte entwickelte sich bei der Besprechung der jüdischen Arbeit in den Pflanzungs-Kolon i en. Hier fühlte man den Zusammenhang mit den politischen und wirtschaftlichen Aktualitäten. In früheren Jahren hat der jüdische Arbeiter die Lohnarbeit in den Kolonien als einen Uebergangszustand betrachtet. Man nahm an, daß jeder nach einigen Jahren zur Ansiedlung kommen werde. Die ״Eroberung der Arbeit“ sollte also immer nach wenigen Jahren von neuen Ankömmlingen weitergetragen werden. Unter dieser Voraus- Setzung hielt man große Opfer, eine Senkung des Lebensstandards, schlechte Wohn- und Lebensbedingungen vorübergehend für tragbar und notwendig. Unterdessen haben sich die Verhältnisse stark geändert. Es kann heute kaum mehr die Rede davon sein, daß es sich bei der Lohnarbeit in den Kolonien um einen kurzen Uebergangszustand handele. Auch wenn es gelingt, die Ansiedlung stark zu verbilligen, wie es jetzt in dem neuen Pflanzungsplan versucht wird, ist auf einen raschen, dauernden Abfluß von Lohnarbeitern in eigene Siedlungen kaum zu hoffen. Es müssen sich also Tausende von Menschen darauf einrichten, für lange Zeit als Arbeiter von ihrem Lohn zu leben. Damit wird nicht nur die Frage der chronisch wiederkehrenden Arbeitslosigkeit akut, sondern auch die des Lebens- Standards. Aber auch politische Probleme werden dabei aufgerollt. Die Mehrheit der Konferenz hielt an den alten Grundsätzen der ״Eroberung der Arbeit“ fest. Diese soll erreicht werden durch konzentrierte Bemühungen des jüdischen Arbeiters, Appell an das nationale Gewissen der Arbeitgeber, wirtschaftliche Hilfe der nationalen Instanzen durch Schaffung von Hilfswirt־ schäften. Auf der anderen Seite verwirft die Opposition, und zwar der Haschomer Hazair in schwächerem, die Poale Zion in stärkerem Maße, diese Mittel als unzulänglich und unpolitisch und verlangt eine internationale, gemeinsame Organisation der jüdischen und arabischen Arbeiter. Dieses Problem wurde gewissermaßen zum Angelpunkt der Konferenz. Die Opposition wies darauf hin, daß die Führer der ״,Vereinigten Partei“ in ihren Deklarationen gegenüber der englischen Labour Party wiederholt sich für den Gedanken einer gemeinsamen jüdisch-arabischen Gewerkschaft erklärt, dagegen nichts für die Verwirklichung des Gedankens getan hätten, de facto auch der Organisierung der Araber in den Kolonien abfeneigt seien. Diese Beschuldigung wurde von seiten der Mehreit mit Entrüstung zurückgewiesen, mit der Erklärung, daß sie nie und nimmer auf das Recht der jüdischen Arbeit verzichtet hätten, es auch nie tun könnten, da sie damit die wichtigste Basis der zionistischen Arbeit im Lande untergraben würden. Daß in den Beschlüssen die Mehrheit ihre Ansicht ohne Mühe durchsetzte, ist selbstverständlich. Ein Antrag der Opposition, die Losung der ״jüdischen organisierten Arbeit“ durch ״organisierte Arbeit“ schlechthin zu ersetzen, wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Ein anderer, der die Organisation beauftragt, die Schaffung einer ״inte r nati0naIen“ Gewerkschaft in den Kolonien in Angriff zu nehmen, fiel durch. Damit ist der in letzter Zeit viel diskutierte Vorschlag einer gemeinsamen landwirtschaftlichen Gewerkschaft vorläufig von der .Tagesordnung verschwunden. Man konnte in den Couloirs mehr als einmal hören, daß die Konferenz ״langweilig“ sei. Und in der Tat entbehrte sie bis auf einige Momente der großen Sensationen. Es scheint jedoch, als ob darin nicht unbedingt ein Nachteil zu erblicken ist. Bei der sehr praktischen Kleinarbeit, aus der sich heute unsere Siedlungs-Tätigkeit zusammensetzt, sind sensationelle Debatten durchaus deplaciert. Und wenn es in den Fragen der Lohnarbeit auch einige Punkte gibt, um die hart gekämpft wird, so ist doch der Glaube an allgemeingültige Theorien und Rezepte sehr viel geringer geworden. Darin, daß heute eine solche Konferenz ״langweiliger“ ist als früher, ist ein Zeichen der mehr praktischen Richtung in der Arbeit zu erkennen. Und dies ist sicher zu begrüßen. Jewish Agency ־ Coancil Die nichizionUHschen Vertreter aus Deutschland Die von der Tagung des Initiativkomitees am 14. Juni 1931 für die nicht zionistische Hälfte des Council der Jewish Agency gewählten deutschen Vertreter (siehe den Berieht in der vorigen Nummer der ״J. R.“) sind: 1. Stadtkämmerer Bruno Asch, Berlin, 2. Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, 3. Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M-, 4. Dr. Friedrich Brodnltz, Berlin, 5. Dr. Bernhard Kühn, Berlin, 6. Rabbiner Dr. Iska Unna, Mannheim, 7. Direktor Oscar Wassermann, Berlin. Als Stellvertreter wurden gewählt: 1. Prof. Georg Bernhard, Berlin; 2. Willy Dreyfus, Berlin; 3. Rechtsanwalt Herbert Felsenthal, Düsseldorf; 4. Rabbiner Dr. Hugo Hahn, Essen; 5. Jacob Heckscher, Hamburg; 6. Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Stuttgart; 7. Rabbiner Dr. Jacob Hörovitz, Frankfurt a. M.; 8. Berthold Israel, Berlin; 9. Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred N eumeyer, München; 10. Leo Simon, Berlin; II. Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim, Berlin; 12. Dr. Albert Sondheimer, Frankfurt a. M.; 13. Dr. Ludwig Tietz, Berlin; 14. Frau Margarete Tietz, Köln. Jfidische Siedlung in Deutschland Am 21. d. M. findet in Groß-Gaglow bei Kottbus die Grundsteinlegung für die ersten acht jüdischen Siedlungsstellen aut dem Gute ■des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland (RIs) statt. Der Vorstand des Bundes, Dr. EI - ke 1 es und Moritz Rosenthal, veranstaltet aus diesem Anlaß eine Feier, zu der die Vertreter aller jüdischen Körperschaften und Organisationen eingeladen sind. Der Versuch, Juden in der Landwirtschaft anzusiedeln und auf diese Weise eine Umschichtung der jüdischen Bevölkerung vorzunehmen, ist nicht neu. Diesmal aber ist er unter dem Drucke der allgemeinen Situation und der wirtschaftlichen Entwicklung, die sich in so starkem Grade gegen die Juden auswirkt, mit der Aussicht aut größere Erfolgsmöglichkeit aufs neue unterhommen worden. Wenn auch die Siedlung in Groß-Gaglow, quantitativ betrachtet, zunächst nur eine geringe Bedeutung haben kann, so ist dieses Unternehmen, als Zeichen einer wirtschaftlichen Sinneswandlung innerhalb des deutschen Judentums gewertet, von großer Bedeutung. Ob es nun gelingen kann, eine erhebliche Zahl von deutschen Juden in der Land- und Gartenbauwirtschalt Deutschlands unterzubringen, ist eine Frage, über die man kein endgültiges Urteil zu fällen vermag. Aber schon die Vorbereitung auf die neue Berufstätigkeit bedeutet einen unbezweife!baren Fortschritt im Denken und Empfinden der, deutschen Judenheit nach der Richtung der Selbsthilfe. Es Ist fraglos, daß trotz der schweren Krise in der ganzen Welt qualifizierte Landwirte und Gärtner doch die besseren Aussichten haben, sich irgendwie wirtschaftlich durchzusetzen als Vertreter freier Berufe und Handelsangestellte, die weder im Inlande Beschäftigung finden noch exportfähig sind. Zum Bleiben und zum Auswandern müssen die Juden anders werden, schrieb Theodor Herzl in seinem ״Judenstaat“, ln diesem Sinne begrüßen wir den Siedlungsversuch in Groß- Gaglow und begleiten ihn mit den besten Wünschen. m. w. In aller Kürze Die Arabische Exekutive hat eine Proklamation ■erlassen, in der die arabische Bevölkerung Palästinas aufgefordert wird, den auf Mittwoch, den 17. Juni, fallenden ersten Jahrestag der Hinrichtung der drei wegen Teilnahme an den Massaker im August 1929 zum Tode verurteilten Araber, als Trauer- und Gedenktag durch A r b e 1'ts - niederlegung zu begehen. Die Weltkonferenz des Misrachi wird nicht in Danzig, sondern vom 25. bis 29. Juni in Basel stattfinden. Der Oberrabbiner von Aegypten, Chaim Nahum Effendi wurde von König Fuad zum Mitglied des ägyptischen Senats ernannt Der vor kurzem verstorbene Mitchef des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., Mortimer Schiff, hat eine Million Dollar für Wohlfahrtszwecke — meist für jüdische — hinterlassen. Das Jerusalemer Kreisgeridrt verurteilte die jüdischen Kommunisten Perez Sagon und Josef Rosen zu je zwei Jahren Gefängnis, weil sie wahrend der Nebi Musa-Prozession in Nablus im April kommunistische Literatur und Flugzettel unter arabische Bauern verteilten, in denen zum Kampf gegen ״britischen Imperialismus und Zionismus" aufgefordert wurde. Der palästinensische Makkabi wird auf Ersuchen des Waad Leumi die Fußbaliwettspiele an Sabbat- Tagen zunächst für die Dauer von 14 Tagen einstellen. Der Waad Leumi hat versprochen, während dieser Zeit zu versuchen, eine Lösung des Problems zu finden. Im Anschluß an ein Fußball-Wettspiel zwischen einer jüdisehen und polnischen Mannschaft, die mit einem Siege der Juden endete, kam es in Radom (Polen) zu einem heftigen Zusammenstoß, dbr sich in einem systematischen pogromartigen Ueberfall polnischer Ekzedenten aufdie jüdisehen Häuser und Geschäftsläden der Stadt fortsetzte. Die Polizei war machtlos und wurde, als sie einige Exzedenten verhaften wollte, überwältigt und entwaffnet. Erst als berittene Polizei von auswärts eintraf, wurde die Ruhe hergestellt. U. a. wurden auch das Büro der Zionistischen Organisation und das jüdische Gymnasium von dem Mob demoliert. Nach mehr als zweimonatigem Todeskampfe ist Sonntag nachmittag ein zweites Opfer des am 3. April im ieraelitisehen 11 upltempel in Budapest verübten Revolverattentats, der 44jährig« Nathan Taglicht, seinen Verletzungen erlegen. Am 8. Juni wurde in einer Generalversammlung der Studentenschaff der Leraberger Universität der Be- Schluß gefaßt, daß nur Christen oder Mohammedaner (!) nicht aber Juden oder Judenstämmlinge Mitglieder der Studentenschaft sein können. Der Gemeinderat von Pietrokow (Polen) hat auf Antrag der Poale Zion-Fraktion beschlossen, eine Straße der Stadt nach dem jüdischen Dichter J. L. Rerez zu benennen,