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Jüdische Rundschau · 1931-06-19 · Heft 47 (19.6.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 47 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47, 19. Vt 1931 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 289 Politische Aufgaben des Kongresses Einige Ueberlegungen zur Vorbereitung der Kongreß-Arbeit I. Zionismus und Colonial Office Einsichtige Zionisten haben oft beklagt, daß es in den letzten zehn Jahren nicht gelungen ist, ein erträgliches Verhältnis gegenseitigen Verständnisses zwischen den britischen Beamten, denen die Regierung und Verwaltung Palästinas obliegt, und den Juden herzustellen. In den letzten zwei Jahren, seit den August-Unruhen von 1029, hat sich dieses Verhältnis außerordentlich verschärft. Die Ueberzeugung der Juden, daß die Palästina-Verwaltung bei der Verhinderung und Unterdrückung der Unruhen nicht genügend energisch vorgegangen ist, fand naturgemäß ihren Ausdruck in Wort und Schrift, vielfach wurde bekanntlich den englischen Beamten sogar die Schuld oder wenigstens Mitschuld an den Pogromen zugeschoben. Die Eng-!ander empfanden diese Vorwürfe als ungerecht, und statt etwaige Uebertreibungen der nur zu begreiflichen Erregung über das vergossene Blut zugute zu halten, haben sie den Juden die Angriffe sehr verübelt. Die angegriffene englische Beamtenschaft hat sich vor der Shaw-Kommission der anti- ׳üdischen Front eingegliedert, und den letzten Ausläufer dieser Feindseligkeit finden wir in dem Weißbuch vom Oktober 1030. Die großen Protestaktionen, die der Zionismus in diesen Jahren machen mußte, erweckten vielfach den Eindruck eines Kampfes gegen England. So kam es, daß heute ein großer Teil der verantwortlichsten Beamten vollständig überzeugt ist, daß die Juden Feinde Englands sind. Ein sehr maßgebender hoher Beamter der Palästina-Regierung ließ schon bei mehreren Gelegenheiten durchblicken, er sei überzeugt, daß das ganze palästinensische Judentum england-feindlich gesinnt sei. Ob das richtig ist oder nicht, stellt hier nicht zur Debatte; wichtig ist nur der entstandene Eindruck, der auch dann von politischer Tragweite ist, wenn er unrichtig wäre. Es kommt noch hinzu, daß ein Teil der jüdischen Presse Palästinas häufig voll Entrüstung über den englischen Imperialismus spricht, der das Freiheitsstreben des jüdischen Volkes unterdrücke; ein Fehl- Schluß seltsamer Art, wenn man bedenkt, daß die Arbeit der Juden in Palästina heute nur dank der englischen Herrschaft in diesem Lande möglich ist. Wenn der Kongreß jenseits von Redeschlachten, die nur zum Fenster hinaus den eigenen Parteigängern vorgeführt werden, den wirklichen Schwierigkeiten der sehr komplizierten politischen Lage beikommen wollte, so müßte er sich sehr ernsthaft mit der Frage befassen, wie in den Beziehungen zwischen Zionismus und englischer Bea mtenschaft eine Wendung herzustellen wäre. Es genügt nicht, zu sagen, die Engländer sollen sich eben andern. Es fragt sich, was können wir beitragen, um dies herbeizuführen. Es ist vielleicht nur allmählich zu bewerkstelligen, verlangt ein waches Auge, sehr viel Selbstdisziplin und eine sorgsame Durchorganisierung der jüdischen ״öffentliehen Meinung“. Von entscheidender Bedeutung ist die Einsicht, daß wir es sind, die vor allem ein f Hier es st an einer Verbesserung der Beziehungen haben, und daß, solange England das Mandat in Palästina ausübt, wir mit dieser englischen Beamtenschaft zu tun haben werden. Man müßte zunächst untersuchen, ob nicht die Haltung der britischen Kolonialbeamten mit der Situation zusammenhängt, in die sie in Palästina gestellt werden; sie ist dadurch charakterisiert, daß die Juden die Arbeit und Aufgabe dieser Beamten ständig komplizieren, ganz abgesehen von der Verschiedenheit der Temperamente etwa eines ostjüdischen Einwanderers und eines britischen Beamten. Der Beamte schweigt, aber er quittiert die häufigen öffentlichen Angriffe und Sticheleien von jüdischer Seite gewiß nicht mit mehr Sympathie. Und vom jüdischen Standpunkt ist es wesentlich, zu überlegen, ob etwaige Nachfolger abgesetzter Beamter von einem anderen Typus wären, — selbst wenn man es für möglich hält, daß England unter jüdischem Druck Veränderungen im Personalbestand vornehmen würde. Und selbst wenn bei der Palästina-Regierung — freilich nur bei ganz eklatanten Fällen — derartige Personalveränderungen noch denkbar wären, so ist es völlig undenkbar, in dieser Hinsicht etwas zu erreichen, soweit das Kolonialamt in London in Betracht kommt, jedem auch nur oberflächliehen Kenner englischer Administration ist dies so selbstverständlich, daß eine Beweisführung sich erübrigt. Wir werden also in Angelegenheiten Palästinas nach wie vor mit dem Kolonialamt zu tun haben. Welches Interesse besteht dann aber eigentlich vom jüdischen Standpunkt, diese Beamten, die die Fäden in der Hand halten, zu immer schärferen Feinden unserer Sache zu machen? Seit Monaten finden wir in der zionistischen Presse, wieder vor allem Palästinas, Schmähungen gegen die mit der Verualtung Palästinas betrauten Persönlichkeiten, die wegwerfend als ״kleine, engstirnige Kolonialbeamte“ bezeichnet werden, die für die Große der zionistischen Sache kein Verständnis iiaben. Ja, ähnliche Charakteristik wird auch den betreffenden Ministern zuteil. Ein klassisches Beispiel dieser Art zionistischer Publizistik finden wir im letzten ״Jewish Chronicle“, dem Londoner zionistischen Blatt, das leider durch den Zufall der Sprache am ehesten im Kolonialamt und von anderer intercssierter englischer Seite gelesen wird. Der ״Parlamentarische Korrespondent“ des ״Jewish Chronicle“ beschäftigt sich mit der Abreise des Unterstaatssekretärs Dr. Shiels nach Genf und erklärt, Dr. Shiels sei ebenso wie Lord Passfield zu der Meinung gelangt, daß das Palästina-Mandat undurchf ü h r b a r sei, da die Verpflichtungen der Regierung gegenüber den Juden ihren Verpflichtungen gegenüber den Arabern diametral gegenüberstünden. Dr. Shiels sei ganz und gar ״departmental“ geworden und betrachte gewisse Beamte des Kolonialamtes als unfehlbar. Die Einsetzung des Kabinett-Komitees unter Vorsitz von Henderson sei eine Desavouierung des Kolonialamtes gewesen; Passfield und Shiels hätten dies als Eingriff in ihre Machtsphäre empfunden und sei« hierdurch noch antizionistischer geworden. Das Blatt hebt dann die Verdienste des Sohnes des Primeministers, Malcolm Mae- Donald, hervor, spielt diesen gegen das Kolonialamt aus und erklärt schließlich, im Parlament se! man der Ansicht, daß Dr. Shiels sich als unfähiger Unterstaatssekretär erwiesen habe. Man sei der Meinung, daß personelle Veränderungen im Kolonialamt dringend notwendig sind, wenn der Zionismus nicht weiter behindert werden soll Das Blatt fährt fort« »Baldige Veränderungen in der Palästina- Verwaltung sind bereits beabsichtigt; aber hieraus kann kein vorteilhaftes Resultat kommen, wenn nicht ähnliche Veränderungen auch im Kolonialamt zustande kommen. Ich erwähne diese Dinge in ganz zu - rückhaltenderWeisc.umdieAufmerksamkeit der Delegierten des bevorstehenden Zionistenkongresses auf die gebieterische Notwendigkeit sofortigen Handelns hinzulenke n.“ (Von uns gesperrt. — Red. ״J. R.“) Diese Darstellung muß nicht nur an den maßgeblichenStellen des Kolotiialamtes Aergernis erregen» das sich in weitere antizionistische Gesinnung umsetzt, sondern hier wird auch der Kongreß in verhängnisvoller Weise verblendet. Den Kongreßdelegierten wird eirigeredet, sie hätten die Pflicht, ja nur die Möglichkeit, in die Besetzung des britischen Kolonialamtes hineinzureden. W'as für eine Verwirrung der Geister muß hieraus entstehen! Das Problem der Beziehungen des Zionismus zum Kolonialamt ist in der Tat ein sehr wichtiges Thema für den Kongreß, aber in ganz anderer Hinsicht als ״J e w i s h C 11 r o - nicle“ hier andeutet. Der Zionismus würde sich eine empfindliche Schlappe und zu dem Schaden noch den Hohn holen, wenii er den Versuch machen wollte, den Ratschlägen des .,jewish Chronicle“ zu folgen. Zu dem bedauerlichen Unsinn, den ein Teil der jüdischen Presse in der Meinung, Politik zu machen, von sich gibt, gehört auch die seit zwei Jahren immer wiederholte und mit Genugtuung kommentierte Nachricht, Lord Passfield gedenke (meist sagt man: wegen Altersschwäche) zurückzutreten. Er ist nicht zurückgetreten, und hat erst kürzlich erklärt, er sei fast jeden Monat gezwungen, ״das Gerücht seines bevorstehenden Rücktrittes zu dementieren. Glaubt der ״Jewish Chronicle“ und seine Nachbeter wirklich, auf diese Weise das Ansehen Lord Passfields zu mindern oder dem Zionismus einen Dienst zu erweisen? Die Entwicklung der jüdischen Beziehungen zu Lord Passfield und die Art und Weise der öffentlichen Beschäftigung mit dieser Persönlichkeit ist kein Ruhmesblatt der zionistischen Diplomatie. Als ultima ratio haben aber dieselben Kreise noch einen letzten Pfeil im Köcher. Man tritt dafür ein, daß Palästina dem Kolonialamt entzogen und dem Außenmin isterium unterstellt werde. Dabei spielt wohl die naive Auffassung mit, der ״Prozionist“ Henderson werde eine andere Politik führen als der ״Antizionist“ Passfield. Daß in Wahrheit beide Aemter bestimmte politische Linien und Rücksichten haben, daß sie jede Einzelfrage einem größeren System einordnen und naturgemäß auch im Außenamt die ständigen Beamten eine ausschlaggebende Rolle spielen werden, wird nicht überlegt. Auch der Wunsch nach Unterstellung Palästinas unter das Außenamt ist wiederholt in der Form einer (Natürlich'fälschen) Nachricht über die angeblich ״bevo'-r j sfehenäeft Durchführung dieser Maßnahme lanciert'worden; Nun ist zufällig in den letzten Tagen die Diskussion über diese Frage in ein neues Stadium getreten. Im House of Lords wurde, wie wir seinerzeit gemeldet haben, eine Interpellation über die Vereinheitlichung der Verwaltung im ganzen Mittleren Osten, die heute drei verschiedenen Ministerien in London (Koloniaiamt, Außenamt, Indien-Amt) untersteht, eingebracht worden. Im Anschluß daran hat der ehemalige High Cpmmissioner von Irak, Sir Henry Dobbs, im ״Daily Telegraph“ vorgeschlagen, alle dem britischen Einfluß unterliegenden a r a - bischen Gebiete dem Außenamt zu überantworten. England werde zumindest am Persischen Golf, in Trans Jordanien und in Palästina noch lange direkte Verantwortlichkeit tragen und nur durch das Außenamt könne eine kluge ein 11 eitliehe Kontrolle der ganzen arabischen Frage bewirkt werden. Die Zeitschrift ״The Near East and India“, die sich dieser Ansicht anschließt, betont, daß Irak im nachsten Jahr, wenn es ein selbständiger Staat wird, ohnedies ins Ressort des Außenamtes fallen werde, und die jetzt dem Indien- Amt anvertrauten Gebiete am Persischen Golf und Aden kaum in Zukunft zum indischen Kontrollgebiet gehören dürften. Die Zeitschrift schließt diese Ausführungen mit folgendem charakteristisehen Satz: ״Pan-Arabien mag oder mag nicht ein Traum sein, aber es ist sicher, daß nur Gutes daraus kommen kann, wenn wir das arabische Problem und seine Be- Ziehungen zu den Reichsproblemen in großzügigster Weise betrachten; was immer die Zukunft für Arabien bringen mag, dieses Land wird stets von lebenswichtiger Bedeutung für das Britische Reich sein.“ Wir stehen hier vor der Tatsache, da ß die Frage der Unter- Stellung Palästinas unter das Außenamt unter ganz anderen Gesichtspunkten betrachtet wird als manche Zionisten sich träumen ließen. Die mit dieser Frag« vertrauten Engländer denken an die Herbeiführung einer einheitlichen arabischen PolitikEnglands, und wenn Palästina als ein Teil dieses ״arabischen“ Gesamtgebietes dem Außenamt unterstellt würde, dann muß damit gerechnet werden, daß die Rücksichten attf die anderen arabischen Interessen Englands auch in Palästina eine noch größere Rolle spielen würden als heute. Diese politische Konstellation würde letzten Endes ausschlaggebend sein, zumal Ministerpersönlichkeiten wechseln, die Politik des Außenamtes aber ihre berühmte Kontinuität wahrt. Der Zionismus begeht seit Jahren den Fehler zu meinen, daß das Wohlwollen eines Ministers uns die Last der Bewältigung der wirklichen Probleme ersparen kann, und er begeht die Unklugheit, diese Meinung in die Welt hinauszuposaunen und dadurch dem betreffenden Minister die kleine Hilfe, die er eventuell bringen könnte, von vornherein zu erschweren. (Frappante Analogien finden wir gerade ln der deutschen Politik unserer Tage, wenn wir z. B. an die Zoll-Union und an Chequers denken.) Vorläufig aber ist die Frage der Uebertragung des Mittleren Ostens an das Außenamt nur Gegenstand der Diskussion, und die Verwirklichung Ist noch weit. Vorläufig haben wir mit dem Kolonialamt zu tun, dessen Leiter wir nicht zu I wählen und nicht abzusetzen vermögen. Hier steckt für uns das wirkliche, das einzige Problem, und ihm müßten der Kongreß und die Agency das beste ihrer geistigen Kräfte zuwenden. Es ist ein innerzionistisches, d. h. das Verhalten der Zionisten im weitesten Sinne betreffendes Problem, und afi seinem Ernst ist fürwahr nicht zu zweifeln. II Publizistische Brunnenvergiftung Es ist eine unangenehme Aufgabe, sich in einem zionistischen Blatt gegen die Schreibweise anderer zionistischen Zeitungen zu wenden. Aus diesem Grunde gehen wir an vielen Aeußerungen vorbei, die wir für schädlich halten, so wie wir auch auf Angriffe anderer Blätter gegen die ״Jüdische Rundschau׳‘ nicht zu reagieren pflegen. Der bevorstehende Kongreß wird aber in einer überaus delikaten Lage unsere Politik von allen Seiten zu prüfen haben, und in einem solchen Moment müssen andere Rücksichten zurücktreten vor der Hauptaufgabe: der zionistischen Welt, deren Vertreter in Basel zusammentreten werden, klarzumachen, was für Komponenten Zusammenwirken, um unsere Stellung zu erschweren. Leider muß gesagt werden, daß einen Teil der jüdischen Presse Palästinas eine starke Mitschuld an der Verschlechterung der politischen Atmosphäre trifft. Wenn wir von anderen Organen, insbesondere den revisionistischen Zeitungen, absehen, so ist es vor allem das in englischer Sprache erscheinende ״P a 1 e s t i n e Brill eti n“, das fortgesetzt den Zionismus politisch und moralisch auf das schwerste kompromittiert. Das ״Palestine Bulletin“, das von der Jüdischen Telegraphen-Agentur (J. T. A.) in Jerusalem als Tageszeitung herausgegeben wird, ist wahrscheinlich das einzige Organ, das, schon um der Nachrichten willen, auch von Nichtjuden regelmäßig gelesen wird. Die Art und Weise, wie sich dort die jüdische Sache präsentiert, kann nach unserer Meinung weder bei Arabern, noch bei Engländern oder sonstigen Europäern Sympathien wecken. Wir haben vor mehr als einem Jahr den grotesken Artikel dieses Blattes wiedergegeben, worin gesagt wurde, in orientalischen Ländern müsse man, falls die wirklichen Verbrecher nicht gefunden werden, zur Abschreckung einige Unschuldige hängen. Dieser Artikel wird bis heute — mit Seitenhieben auf die Kulturhöhe der Juden — von den Arabern zitiert. Es wäre so manches andere anzuführen. Nur zur Illustration und nur weil der Kongreß diese Frage behandeln muß, möchten wir hier einen kürzlich erschienenen Artikel zitieren, der bei weitem nicht der schlimmste, aber gerade darum vielleicht für die naive Selbstgcrechtigkcit, durch die man nach außen zu wirken meint, bezeichnend ist. Das ״Palestin« Bulletin“ brachte als die Aeußerung eines ״prominenten objektiven Beobachters“ den Artikel eines Verfassers, der sich hinter dem Pseudonym Audax verbirgt. Dieses Fabrikat eines ״objektiven Beobachters“ stellt die Haltung der beiden Völker folgendermaßen dar: . . ‘״.׳Die Juden sind in Palästina״ weil.ihr Gott .,sie, yjp! ■ '‘■JShrtSüs'CUde1i’'hi־rtberief.'\ Sie! sind ln' ׳Palästina, weiU sie sich nirgends anderswo beheimatet fühlen. Sie sind in Palästina, um den Selbstmord ihres Volkes, der seit einem Jahrhundert ihre Reihen ständig vermindert, zu verhüten. Die Juden sind in Palästina, um von Unterdrückungen und von Behinderung der Entfaltung ihrer Schöpferkraft befreit zu werden. Sie sind nicht in Palästina, um Geld zu verdienen, denn kein Jude in Palästina verdient Geld. Für die Araber hingegen gibt es überhaupt ein Land Palästina nicht. Der Fellache kennt nur sein Dorf, und der Politiker kennt nur Syrien. Die arabischen Politiker träumen von einer arabischen Föderation: das Wahabi- Reich Hedschas und Nedscfid, das Emirat von Jemen, das Königreich Irak, die Mandatsländer Syrien, Cisjordanien und Transjordanien. 90 0״ der palästinensischen Araber sind Analphabeten. Sie ziehen Familienstreitigkeiten einem Kreuz- ,zug vor. Als Palästinenser zu handeln können sie nur dann angetrieben werden, wenn man ihnen Lügen erzählt, die Akza-Moschee sei in Gefahr, wenn ihnen Plünderung und süße Mädchen in Aussicht gestellt werden und ihnen die Versicherung gegeben wird, daß die Regierung auf ihrer Seite ist, wenn sie morden.“ (Von uns gesperrt. — Red. ״J. R.“) Wir wissen nicht, wer dieser ״Audax“ ist. Aber selbst, wenn es sich nicht um ein Produkt der Redaktion handeln sollte, so ist der Mann, der das geschrieben ■hat, noch immer kein großer Geist und wird wahrscheinlich auch keinen Engländer, für den dies doch offenbar bestimmt ist, überzeugen. Die Araber aber, die dieses Blatt gleichfalls lesen, muß eine solche Schreibweise naturgemäß in blinde Wut versetzen. Statt nützliche Aufklärung wird hier eine Vergiftung der Atmosphäre erzeugt,die sich, besonders wenn solches Material fortgesetzt verbreitet wird, einmal entladen muß. Die englische Ausgabe des arabischen ״Felestin“ druckt den Artikel von ״Audax“ teilweise ab und bemerkt dazu: ״Daß diese Meinung nicht das Ergebnis ernster Ueberlegung Ist, versteht sich von selbst. Aber man kann ihn nicht einmal als geschickte Propaganda gelten lassen. Auch ein guter Propagandist hat Achtung vor seinen Lesern und geht nicht davon aus, daß sie vollständige Narren sind. Jede Verallgemeinerung zum Guten und zum Bösen wird von vernünftigen Menschen nicht akzeptiert. Der gutmütige Volkswitz laßt sogar an dem Teufel noch etwas Gutes, aber Audax kann diesen Grundsatz auf die Araber nicht anwenden. Der Landsmann der Legion, von der ein Witzbold sagte, ihr Motto sei gewesen, ״keinen Schritt vorwärts, bevor nicht Sicherheit verbürgt ist“, hat völlig vergessen, daß die Araber die Galgen Dschetnal Paschas gefüllt haben und zehnmal mehr Menschen im Kriege verloren haben, als die Tapferen des Ghetto, um den Geist und die Kultur wieder zu beleben, die einst den Juden eine Zuflucht und Europa die Wissenschaft gegeben haben.“ Der Kongreß müßte sich sehr ernst mit der Frage beschattigen, auf welchem Wege eine Kontrolle der jüdischen Publizistik durchgeführt werden kann, um zu verhindern, daß immer wieder Meinungen, nur weil sie zufällig in einem englisch-sprachigen Organ gedruckt werden, als repräsentativ für das Judentum und den Zionismus an• gesehen werden, obwohl sie sicher nicht die wirkliche Meinung der Juden darstellen. Gerade im Falle des ״Palestine Bulletin“, dem schwächsten und gefährlichsten Außenposten der jüdischen Publizistik, ist diese Frage besonders wichtig, aber vielleicht nicht allzu schwer lösbar, ,Wir wagen die Behaup-

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