Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 45 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Georg Brandes 5× ep/1024832
- Bremerhaven 2× ep/1047851
- Julius Bab 2× ep/1011035
- Aschersleben 1× ep/1044045
- Bytom 1× ep/1047839
- Dinslaken 1× ep/1044439
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- Eschwege 1× ep/1047896
- Gelsenkirchen 1× ep/1044605
- Halberstadt 1× ep/1047932
- Hennigsdorf 1× ep/1044744
- Herbert Samuel, 1st Viscount Samuel 1× ep/1004878
- Jakob Klatzkin 1× ep/1011037
- Legnica 1× ep/1045053
- Lübeck 1× ep/1048008
- Pforzheim 1× ep/1045434
- Piła 1× ep/1048100
- Plauen 1× ep/1045447
- Trzcianka 1× ep/1048101
- Wrocław 1× ep/1002369
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Nr. f?, 12. VI. 1931 JÖEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 279 Kritik einer Kritik Die ״Jüdische Rundschau‘* hat var einiger Zeit das Buch von Henri Nathansen über Georg Brandes ausführlich besprochen. id.ses Buch, unter dem Titel ״Jude oder Europäer“ im Verlag von Rütten und Loening in deutscher Uebersetzung erschienen, sicht seine Hauptaufgabe darin, in der Persönlichkeit von Georg Brandes in besonderer Weise die jüdische Komponente aufzuzeigen, die das Wesen des großen Literarhistorikers entscheidend charakterisiert hat und sonst bei der Würdigung von Georg Brandes vernachlässigt wurde. In der ״C.-V.-Zeitung“ vom 15. Mai beschäftigt sich Julius Bab mit dem Buche von Henri Nathansen und benutzt diese Gelegenheit, um wieder einmal, was Bab gern und oft tut, auf den verderblichen Einfluß hinzuweisen, den die zionistische Einstellung in allen Fällen übt, wo von Zionisten der Versuch gemacht wird, Erscheinungen zu deuten, deren Träger Juden sind. Henri Nathansen ist nämlich ein selbstbewußter nationaler Jude. Und als solcher hat er in seinem Buche nachdrücklich auf den jüdischen Komplex bei Georg Brandes hingewiesen, der Jahrzehnte hindurch sozusagen innerlich auf der Flucht vor seinem Judentum war und erst im späteren Lebensalter eine, wenn auch mäßige Wandlung in seiner Haltung gegenüber dem Judentum vollzog. Julius Bab meint mm, es sei geradezu ein Unfug, wenn man eine Persönlichkeit wie Georg Brandes nur aus dem Judentum zu erklären versuche. Georg Brandes sei Däne, Europäer und auch Jude gewesen, außerdem aber eine Individualität, die nur aus ihr heraus zu deuten sei. Natürlich hat Bab recht. Kaum ein in Europa lebender Jude ist unabhängig, äußerlich und innerlich, von dem Milieu, in dem er aufgewachsen ist, von dem Lande, in dem er seine Heimat hat, von der umgebenden Kultur und von den Zeit- Strömungen in der ganzen Welt. Das ist eine Binsenwahrheit. Hingegen ist es leider eine Jahrzehnte hindurch im assimilatorischen Judentum geübte Methode gewesen, den Einfluß, den das Judentum auf das Werden und die Entwicklung schaffender Menschen jüdischer Abstammung geübt hat, mit Stillschweigen zu übergehen. Ist die Methode, einen jüdischen Menschen nur aus seinem Judentum heraus deuten zu wollen, einseitig, so ist andererseits die Methode, die jüdische Komponente eines jüdischen Menschen zu vernachlässigen oder zu übersehen, eine unbewußte oder manchmal auch eine bewußte Selbsttäuschung. Die Sucht, das Jüdische in sich zu verdrängen, ist leider eines der hervorstechendsten ״jüdischen“ Merkmale des Emanzipationszeitalters gewesen. Es bleibt ein großes Verdienst von Henri Nathansen, die jüdische Facette im Charakter und in der Persönlichkeit von Georg Brandes herausgearbeitet zu haben. Diese jüdische Komponente in Brandes ist von Nichtjuden niemals übersehen worden. Und nicht nur Antisemiten haben darauf hingewiesen, daß Wesen und Wirksamkeit von Brandes nicht aus seinem Pseudonym, sondern aus dem ursprünglichen Namen Cohen zu erklären sind. Es ist ein Akt innerer Wahrhaftigkeit, wenn nunmehr von jüdischer Seite der Tatbestand einer jüdischen Persönlichkeit so dargelegt wird, wie er objektiv war und nicht wie er, verdrängt und verzerrt, in die Erscheinung zu treten sich vergeblich Bemüht hat. Was Bab von ״fragwürdiger palästinensischer Staatsgrün• düng“, von ״völkischem Sinn“ und anderen Dingen sagt, gehörte besser in eine liberale Wahlversammlung für irgendeine jüdische Gemeinde. Ein ernster Schriftsteller und wahrheitssuchender Essayist, sollte sich hüten, derartige Schlagworte bedenkenlos zu gebrauchen. Wir begnügen uns damit, diese Bemerkungen Julius Babs anzukreiden. Das Buch von Nathansen scheint überhaupt manche Kreise unangenehm aufgestört zu haben. Nathansen zwingt die Leser, sich bei einem so europäisch-kosmopolitischen Thema, wie es die Persönlichkeit von Brandes Ist, mit Judentum und Zionismus zu befassen. Auch außerhalb der ״C.-V.-Zeitüng“ benutzen vielfach Rezensenten die Gelegenheit, um vom Zionismus abzurücken. Manchmal geschieht dies in einer naiv apodiktischen Weise, die Befremden erregt. So z. B. schreibt Friedrich Weissinger in der ״Literarischen Welt“, nachdem er selbst zugegeben hat, daß ein ״rückhaltloses Bekennen zur stammverbundenen Tradition erst jene erhöhte Sicherheit, Gleichgewichtigkeit und Ueberlegenheit verliehen hätte, die den wahren Führer auszeichnet“, b«lenkenlos folgenden lapidaren Satz: ״Andererseits darf man sich darüber keiner Täuschung hingeben, daß ein Bekenntnis zum Judentum als Nation, daß das Experiment des Zionismus wirklich nichts anderes ist als — Assimilation, als eine nicht sehr sinnvolle Neuauflage des westeuropäischen Nationalismus, die das Rad der Zeit zurückdrehen würde.“ — Man darf sich keiner Täuschung hingeben, warnt Herr Weissinger. Es ist bedauerlieh, daß der Schreiber dieser Kritik nicht genügend Selbstk r i t i k besitzt, um seine eigene Kompetenz für derartige Urteile anzuzweifeln, oder doch wenigstens davor zurückschreckt, banale Formulierungen des politischen Tageskamnfes in eine geistige Erörterung zu übernehmen. Gegenüber solchen Aeußerungen erscheint das Verdienst von Nathansen, der furchtlos die wahre jüdische Konstellation auseinandersetzt, nur um so größer. * Henri Nathansen hat vor kurzem in der großen dänischen Zeitung ״Politiken“ eine Artikelserie über Judentum veröffentlicht, worin er in umfassender Weise mit historischer Begründung seine Anschauungen darlegt. \^ir müssen uns leider versagen, die überaus umfangreiche Abhandlung hier zu reproduzieren. Doch sei erwähnt, daß Nathansen auch in dieser Schrift sich mit allem Stolz zum Judentum bekennt und in schwungvollen Worten eine Hebung des Judentums aus seiner heutigen gedrückten Lage fordert. Sehr harte Worte findet Nathansen gegen die Assimilation, deren erniedrigende Wirkungen er schildert. Die Assimilation setzte anstelle der Skiavenexistenz des Ghettos eine neue freiwillige Sklavenexistenz. Ihre Folgen war die Verachtung der Nichtjuden und die Selbst- Verachtung des Juden. Aus diesem krankhaften Zustand muß das Judentum heraus. Die Grundlage der jüdischen Renaissance muß eine nationale sein; ihre Wege können verschieden sein, aber das Ziel ist ein gemeinsames: Wiederaufbau, Wiedergebürt des jüdischen Volkes in Leben und Idee. In diesem Zusammenhang erwähnt Nathansen auch das bekannte Buch von Jakob Klatzkin, den er als einen machtvollen Mahner zur jüdischen Selbstbefreiung würdigt. Nationalität, so schließt Nathansen diese eindrucksvolle Abhandlung, ist nicht eine materielie Wirklichkeit wie Erde oder Land! Nationalität ist eine innere Wirklichkeit, eine Idee, die Seele eines Volkes. Und sollte die Seele unseres Volkes weniger wurzeltest, von geringer er Realität und Idealität sein als die anderer? Der Lektor des Hebräischen an der Tschechischen Universitat in Prag, Rabbiner Dr. J. Hirsch, veröffentlicht im Verlag Dr. Flesch (Prag) soeben eine hebräische Uebersetzung der Abhandlung ״Die Ideale der Humanität“ von T. G. Massaryk, dem Präsidenten der tschechoslowakischen Republik. Es ist sehr zu begrüßen, daß diese Grundlegung einer humanistischen Ethik, das Werk eines der besten Geister des Vorkriegseuropa, durch diese Uebersetzung auch dem hebräischen Leser zugänglich wird, insbesondere in Palästina und bei der dortigen Jugend kann dieses Buch einen nützlichen erziehensehen Zweck erfüllen. Der Uebersetzer, der auch ein kurzes terminologisches Vokabular beigefügt hat, hat sich durch diese Arbeit ein anerkennenswertes verdienst erworben. Die Kongreßwahl in Deutschland Liste I ■=־ Allgemeine Zionisten, II ־=־ Revisionisten, III Linke, IV Misrachi, V ■*» Radikale. Orfswaldergebnfsse Wahlort I. II. in. IV. V. Aachen 4 14 5 t Allenstein 7 1 2 Aschaffenburg 7 — — — Aschersleben 8 1 Bamberg 15 — 3 1 __ Bärenklau — — 21 — __ Berlin 505 495 596 439 203 Beuthen 23 62 57 65 60 Bielefeld 12 — 1 — Bochum 9 — 6 1 2 Bonn 3 3 17 3 3 Braunschweig 5 1 11 2 — Bremen Bremerhaven- 7 ־־— ׳—■ ־-־־■* — Wesermünde* Geestemünde 4 2 Breslau 201 124 181 145 14 Buchau — — 4 —, Bunzlau 7 _ 1 __ Burghaun — — 1 8 — Chemnitz 24 ו 48 59 5 Cöthen 12 1 2 1 Cottbus 2 9 ._ Darmstadt _ 2 9 1 ״— Dessau 12 ' 4 29 _ — Dinslaken _ 2 1 5 — Dortmund 16 5 20 59 1 Dresden 35 1 31 30 3 Duisburg 44 — 63 4 —יי Düsseldorf 13 3 29 4 4 Elberfeld 17 1 8 1 Elbing 4 —־ 3 — Emden 3 — 4 31 — Eschwege 3 — 1 5 — Erfurt 11 7 58 7 1 Essen 22 2 33 39 2 Frankfurt/M. 122 181 96 152 95 Frankfurt/O. 8 — _ 4 2 Freiburg/Br. 5 3 9 8 3 Fulda 5 — 3 2 — Gelsenkirchen 4 2 5 — 1 Georgsthal — — 23 — * Gießen 4 6 2 1 1 Gleiwitz 9 3 — 1 — Görlitz 11 — 5 2 — Gotha 3 1 21 — ... Haigerloch 1 — 3 3 •— Halberstadt 14 — 4 2 Halle 12 t 13 — — Hamborn 39 17 53 8 —. Hamburg 112 12 99 231 24 Hannover 29 10 15 23 2 Heidelberg 12 4 9 3 2 Hennigsdorf — — 11 — — Herford 7 — 3 —. —- Herne 6 4 5 — — Hersfeid 5 — 1 2 — Hindenburg 24 15 ״ 14 8 .. .,.4 Idar 4 ־ —- 1 — ׳ — Insterburg 15 — 8 __ — Jena 4 — 6 — —"י Jülich 3 — 15 2 — Karlsruhe 11 4 22 51 17 Kassel 32 1 47 1 1 Kiel 2 6 1 10 — Kissingen 7 1 — — 1 Kolberg _ 4 5 1 — Köln 59 19 99 96 3 Königsberg, Pr. 94 5 129 36 2 Konstanz 12 2 4 2 — Krefeld 7 — 3 — — Landau 6 6 1 — Landsberg 4 3 2 2 — Leipzig 96 62 128 164 64 Liegnitz 7 — 1 1 2 Limburg 9 — 1 — — Lübeck 2 1 5 19 יי— Ludw igsburg 7 — — — Magdeburg 14 13 6 13 2 Mainz 22 o 6 18 1 Mannheim 17 3 14 31 — Marburg 1 — 1 6 — Mayen 4 — 1 — — Miiitsch 6 ־— 1 1 1 München 112 45 45 32 2 M.-Gladbach 8 —י 3 1 . — Neuenahr 6 — — — — Nordhausen Nürnberg/ 6 — 11 3 20 — Fürth 50 2 50 3 Oberhausen 8 6 15 16 — Oppeln Pforzheim 16 9 11 5 12 Plauen 6 1 3 12 2 Rastatt 3 — — — — Ratibor 19 — 1 1 — Regensburg!0 — 1 1 — Rodges 1 — 2 17 1 Rostock 2 — 3 1 — Saarbrücken 21 7 11 1 3 Spandau 1 — 6 7 —. Schneidemühl _ 7 — — — Schönlanke 7 — 2 7 — Stettin 12 11 9 1 — Stolp 16 — — — 4 Stuttgart 10 2 7 8 Tilsit 6 — 11 1 — Trier 5 —- 4 — 1 Waldenburg 4 — 3 2 — Wiesbaden 27 6 15 14 — Gut Winkel 1 — 8 ״ — — Wolzig — — 5 —■ — Würzburg 11 1 $ 38 1 Zwickau 32 ' 2 8 2 — Jüdische Musik. Unsere Mitarbeiterin, Frau Alice Jacob- L o e w e n s o n , hat in den letzten beiden Wintern im In- und Ausland über 50 Vorträge gehalten, die teilweise auch in zionistischen und Wizo-Gruppen stattgefunden haben. Die Veranstaltungen waren durchweg glänzend besucht; sie sind von der Tagespresse in langen Referaten sehr günstig beurteilt worden. Zu Beginn des kommenden Winters wird sich Frau Jacob-Loewenson auf Grund zahlreicher Einladungen wieder auf eine Reihe von Inand Auslandstoumeen begehen. Der Hebräisebe KnltnrkonpeB Das Initiativkomitee zur Einberufung des hebräischen Kongresses erläßt einen Aufruf, den wir hier auszugsweise wiedergeben: Die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Schaffung eines Weltbundes zur Förderung der hebräischen Kultur bricht sich in allen interessierten Kreisen Bahn. Eine Reihe hebräischer Schriftsteller und Kulturarbeiter in Verbindung mit den bestehenden Tarbuthorganisationen in Polen, Litauen u. a. Ländern haben daher die Aufgabe übernommen, am 21. und 22. Juni in Berlin eine Vorkonferenz zwecks Vorbereitung des 1. hebräischen Kulturweltkongresses und Besprechung der aktuellen Probleme der hebräischen Bewegung einzuberufen. Zur Vorkonferenz sind die Vertreter der hebräischen Organisationen, der Schriftstellerverbinde, der Jugendorganisationen und der Zionistischen Landesorganisationen einge* laden. Auch an alle Freunde der hebräischen Sprache und Kultur in Deutschland ergeht der Ruf zu tatkräftiger Mitwirkung. Wir hoffen, daß die deutschen Juden aller Richtungen die Gelegenheit ergreifen werden, ihre Pflicht gegenüber der hebräischen Kulturbewegung zu erfüllen. Der Aufruf ist von den Herren: Dr. S. Bernfdd, Dr. M. Soloweitschik, Dr. J. Klatzkin, Dr. M. Pines״ Dr. S. Rawidowicz, Dr. A. Rosenfeld (alle Berlin), M. Kleinmann (London), den Tarbuthorganisationen in Polen und Litauen und dem Vorsitzenden "der Z. V. f. D., K. Biumenfdd, unterzeichnet. Alle, die an der Konferenz Interesse haben und an ihr teilnehmen wollen, wollen sich mit Dr. A. Rosenfeld, Berlin W 50, Eislebener Str. 12, in Verbindung setzen. Tagesordnung der Vorkonferenz. 21. Juni, 11 Uhr: 1. Eröffnung. 2. Wahl des Präsidiums und der Kommissionen. 3. Referat ״Die Schaffung eines hebräischen Weltbundes in der Galuth. 3—6 Uhr nachm.: Aussprache. 9—12 Uhr abends: 1. Berichte der Landesorganisationeu ״Tarbuth“ und ,,Hatnoreh“. 2. Referat ״Die hebräische Literatur und das hebräische Buch in der Galuth“. 3. Die hebräische Jugendbewegung. 22. Juni, 10 — 1 Uhr: 1. Referat ״Der I. Hebräische Kultur- Weltkongreß“. 2. Aussprache. 3—8 Uhr: 1. Referat ״Die zukünftige Tätigkeit des hebräischen Weltbundes“. 2. Debatten. 3. Resolutionen und Wahlen. Die Tagung findet in den Räumen des Beth-Am, Kurfürstendam 61, statt. Briefe an die Redaktion Berlin W50, 5. Juni 1931. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W15 In dem in Nr. 42 vom 2. 6. veröffentlichten Aufsatz des Herrn Dr. Elias Auerbach, betitelt ״Allgemeiner Z i o n i s m u s“, befindet sich eine Stelle, die m. E. nicht unwidersprochen bleiben darf, weil sie mir geeignet erscheint, unserer zionistischen Sache — selbstverständlich ganz ohne Absicht des Verfassers — schwersten Schaden zuzufügen. Herr Dr. Auerbach sagt darin wörtlich: ״Da wir unser Recht als Nation auf Palästina geltend machen, müssen wir auch das Recht der arabischen Nation auf Palästina anerkennen.“ Wann und wo ist jemals ein Recht der arabischen Nation auf Palästina anerkannt worden? Etwa im Mandat? Dies spricht doch nur von der Anerkennung der Rechte arabischer Bevölkerungsteile in politischer und religiöser Hinsicht, von ihrer gesellschaftlichen Gleichstellung. Nicht den Arabern ist ein Nationalheim in Pa- 1 ästina versprochen worden, sondern uns. Das Heim der arabischen Nation kann nur außerhalb Palästinas errichtet werden, weil sonst ein ״Jüdisches Nationalheim“ niemals verwirklicht werden könnte. Es fehlte nur noch, daß Herr Dr. Aiterbach eine Arab Agency forderte, wie sie Sir Herbert Samuel bereits geplant hatte, und die — zu unserem Glücke — die Araber seinerzeit ablehnten. — Nein, niemals dürfen wir ein Anrecht der Araber als Nation auf Palästina anerkennen, denn Palästina ist niemals ein arabisches Nationalheim gewesen, aber — vor sehr langer Zeit allerdings — ein ״jüdisches“, dessen Wiederherstellung das völkerrechtlich anerkannte Mandat garantiert. — Hoffentlich stellt Herr Dr. Auerbach seine mindestens mißverständlichen Aeußerungen richtig! Mit vorzüglicher Hochachtung und ergebensten Zionsgrüßen Curt Wilk. V Wir haben Herrn Dr. Auerbach die vorstehende Zu- Schrift vorgelegt, der dazu schreibt: An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. Die Ausführungen des Gg. Wilk, die von großer allgemeiner Bedeutung sind, geben mir Anlaß, meinen Standpunkt, der hoffentlich bald der Standpunkt der ganzen zionistischen Organisation sein wird, nochmals zu präzisieren. Wenn ich von dem ״Recht der arabischen Nation auf Palästina“ spreche, so meine ich natürlich nicht eine fiktive arabische Nation von Indien bis Marokko — dergleichen gibt es nicht! — sondern die nationalen Rechte der Araber Palästinas, ihr nationales Heim kann natürlieh nicht irgendwo (wo denn?) außerhalb Palästinas liegen, sondern liegt in Palästina und wird immer hier liegen. Gegenüber weltfremden Ideologien betone ich diese Tatsache, auch wenn sie vielen Zionisten unbequem ist. Die Beziehungen des jüdischen Gesamtvolkes zu Palästina sind anderer Art als die des arabischen Gesamtvolkes, und insofern hat der Begriff ״Nationalheim“ für die jüdische Diaspora einen einmaligen und unvergleichbaren Sinn. Aber die palästinensischen Araber, die nun einmal in Palästina Heimatrechte haben, lassen sich leider nicht wegdisputieren; die Araber haben ein Nationalheim in Palästina, wir hatten eines und wollen es wieder haben. Die falsche Einstellung vieler Zionisten — auch des Herrn W. —- gegenüber dieser unbequemen Tatsache ist ״geeignet, unserer zionistischen Sache schwersten Schaden zuzufugen“. Eine ״Arab Agency“ existiert, wenn auch nicht de jure, so doch de facto, da die arabische Exekutive praktisch auf völlig gleichem Fuße mit der Jewish Agency behandelt wird, sowohl von der Mandatsmacht wie vom Völkerbund. Sie besteht nicht de jure, weil die Araber Palästinas bisher das Mandat nicht anerkannt haben, in dem Moment, wo dies einmal geschieht, besteht sie auch rechtlich, und dann wird auch־ Herrn W. die rein fiktive Natur seiner Konstruktion und ihr Widerstreit gegen die Wirklichkeit klar werden. Für die zionistische Politik aber ist es eine Lebensfrage, daß sie die Wirklichkeit anerkennt und danach handelt. Jedes andere Verhalten ist ״schwerster Schaden unserer zionistisehen Sache“. Dr. Elias Auerbach.!יי'־'! ׳V