Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 44 (9.6.1931)
- Date
- 1931-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 272 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44, 9. VI. 1931 Memorandum unter dem Titel ״Palästina: Einwanderung, ländliehe und städtische Kolonisation“ unterbreitet. Exemplare dieses Memorandums sind für die Mitglieder der Mandatskommiesion beigelegt. Die Befürchtungen der Jewish Agency hätten sich leider nach der Veröffentlichung des Berichtes Sir John Hope Simpsons — als nur allzu begründet erwiesen. Sir John hat wichtige und folgenschwere Schlüsse aus meist ganz ungenügend geprüften oder geradezu falsch ausgelegten statistischeu Angaben gezogen. Die Jewish Agency sendet der Mandatskommission im Anhange ein besonderes Memorandum unter dem Titel ״Die statistischen Grundlagen des Berichtes Sir John Hope Simpsons“, worin alle Fehler, Widersprüche und das jüdische Werk verzerrende Schlußfolgerungen in meisterhafter Weise widerlegt werden. Wir beschränken uns darauf, den letzten, wohl allen Juden aus dem Herzen gesprochenen Absatz des Memorandums zu zitieren: ״Am 27. Juni hat Sir John Hope Simpson Palästina verlassen und begab sich nach Athen, wo er seinen Bericht schrieb; der Begleitbrief seines Berichtes trägt das Datum des 22. August. Er hatte also höchstens drei Wochen Zeit, um das von ihm gesammelte Material zu sichten und einen Bericht von 185 Druckseiten zu schreiben. Dies muß wohl bei der Beurteilung der Mängel dieses Berichtes in Betracht genommen werden. Aber er hat ein Urteil über das Werk, über die Sehnsucht und über die letzten Hoffnungen eines leidenden Volkes gefällt. Er hatte kein Recht, sich so zu übereilen oder sich von außenstehenden Personen zu solcher Eile bewegen zu lassen. Mangel an Zeit kann einen Richter nicht entschuldigen. Er war weder gerecht gegenüber der ihm vertrauten Aufgabe und gegenüber unserem Werk, noch gegenüber dem Volke, das ihn mit dem seinen früheren Leistungen gebührenden Vertrauen und Achtung empfangen hat. Auch sich selbst gegenüber war er nicht gerecht.“ In einem Schreiben an die Mandatskommission weist Weizmann weiter darauf hin, daß der Bericht Sir John Hope Simpsons, trotz seiner großen Mängel, vielleicht als Grundlage zu einer vorherigen Aussprache zwischen der Regierung und den Vertretern der Jewish Agency — im Sinne der Grundlagen des Mandates — hätte dienen können. Die Festlegung der Richtlinien der Politik der Regierung hätte erst nach einer solchen Aussprache erfolgen können. Dies ist jedoch nicht geschehen. Vielmehr erschien, gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Berichtes Simpsons, in Form eines Weißbuches, die Erklärung der Regierung über ihre Politik in Palästina, worin die Schlußfolgerungen des Berichtes Simpsons nicht nur angenommen werden, sondern zum Nachteil der Juden — Ln noch verschärfter Form zum Ausdruck kamen* Gewisse Behauptungen des Weißbuches mußten von uns — schreibt Dr. Weizmann — als eine Verletzung der Bestimmungen des Mandates empfunden werden. In dieser Lage sah er sich gezwungen, von der bisher verfolgten Politik der Jewish Agency, die auf der Mitarbeit mit der Mandatarmacht basiert war, Abstand zu nehmen, seine Demission zu geben, und den Zionistenkongreß sowie den Rat der Jewish Agency einzuberufen. Gleichzeitig veröffentlichte die Jewish Agency eine Antwort auf das Weißbuch (״Das Weißbuch über Palästina vom Oktober 1930“ von L, Stein), die den Mitgliedern der Mandatskommission ebenfalls vorgelegt wird. Im letzten Absatz seines Schreibens — das noch vor Beginn der zweiten Hälfte der Verhandlungen der Jewish Agency mit der Regierung verfaßt war — schildert der Präsident in kurzen Worten die am 30. November begonnenen Verbandlungen und weist auf den an ihn gerichteten Brief des Primeminlsters vpm 13. Februar 1931 hin. Das Schreiben schließt mit da! folgende» Worten: ״Der XVII. Zionistenkongreß wurde für den 30. Juni 1931 und die zweite Tagung des Rates der Agency für den 15. Juli einberufen. Ich werde dort einen Berieht aber die durch den Brief des Primeministers geschaffene Lage abstatten. Die endgültigen Beschlüsse obliegen diesen beiden Körperschaften,“ Außer den obengenannten Dokumenten wird der Mandatskommission ein sehr ausführliches Memorandum des palästinensischen Waad Leumi vorliegen. Dieses Memorandum enthält in seinem ersten Teil eine sehr eindringliche Kritik der Politik und der administrativen Tätigkeiten der Verwaltung Palästinas. Der zweite Teil enthält eine allseitige Beurteilung und Kritik des Simpson-Berichtes, basiert auf dem Buch Dr. Granovskys. Wie verlautet, soll auch die Vereinigung der Zionisten- Revisionisten beabsichtigen, der Mandatskommission ein Memorandum vorzulegen. Jedenfalls erfahren wir, daß der Führer der Revisionisten, Vladimir Jabotinsky ,am 8. d. M. nach Genf kommt, um hier einen Presseempfang zu veranstalten. Er beabsichtigt außerdem die einzelnen Mitglieder der Mandatskommission um Unterredungen zu bitten. Schließlich wäre noch zu erwähnen, daß das in den Zeitungen angekündigte Memorandum der Arabischen Exekutive in Palästina an die Mandatskommission in Genf noch nicht e «getroffen ist Siedlangsland Fern Van Prof. Dr. Franz Oppenheimer. Dr. Hugo Schachtel glaubt (״J. R,“ Nr. 42), mir einen verhängnisvollen Irrtum nachweisen zu können. Peru, das ich als ein mögliches Auswanderungsland für Juden bezeichnet habe, sei eine ״grüne Hölle“. Der Irrtum ist durchaus auf seiner Seite. Peru hat auch nach dem Verlust einiger Provinzen an Chile noch weit mehr als die doppelte Größe Deutschlands vor dem Kriege, nahezu 1 140 000 qukm. Davon fällt der allergrößte Teil auf den östliehen Abhang der Anden, die sogenannte Montagna, die sich von den Hochgipfeln bis in die tropischen Waldgebiete hinein erstreckt und infolgedessen alle Klimata von der Bolarzone bis zu den äquatorialen Urwäldern aufweist. Ich habe aus einer bestimmten Veranlassung die ernste Literatur über das Land durchgearbeitet, Bücher in allen Kultursprachen, verfaßt von Reisenden, Geographen, Ethnologen, Volkswirten usw. Alle stimmen darin überein, daß mit Ausnahme einiger begrenzter Gegenden das Land außerordentlich fruchtbar, für •weiße Ein- Wanderer durchaus gesund, fast frei von gefährlichen Raub• tieren und Giftschlangen ist. Es wird schon so sein, wie Herr Dr. Schachtel mitteilt, daß man für die Polen eines jener ungesunden Gebiete ausgesucht hat. Aber das beweist für die Siedlungsfähigkeit des ganzen Landes nicht das mindeste. Gerade so gut könnte man sagen, daß ganz Palästina unbrauchbar ist, weil hier und da Maiariasümpie bestehen. Es besteht also kein Grund, um sich ohne weiteres gegen gewisse Pläne ablehnend zu verhalten, die die Einwanderung von Juden nach Peru ins Auge fassen. Wohl aber ist die allergrößte Vorsicht geboten, um die Auswanderer nicht in eine andere ״grüne Hölle“ zu bringen. Es darf kein Schritt getan werden, ehe nicht eine starke Kommission erstklassiger Sachverständiger von Landwirten, Volkswirten, Juristen, Kaufleuten usw. usw. auf Grund genauester Untersuchungen an Ort und Stelle ein Gelände ausgesucht hat, das sich nach seinen natürliehen, hygienischen und kommerziellen Bedingungen «Zweifelhaft für europäische Siedlung eignet. Jede Propaganda, die erfolgt, bevor diese Bedingung gegeben ist, ist auf das entsemedenste za bekämpfen. Aufmarsch der zionistischen Parteien in Polen (Von unserem Korrespondenten.) Dieser Bericht, noch vor den — inzwischen durchgeführten — Wahlen abgefaßt, kann wegen seiner klaren und ojektiven Darstellung der innerzionistischen Parieiverhältnisse auch jetzt noch auf Interesse rechnen. Die Wahlresultate sind bis zum Redaktionsschluß nicht gemeldet. Red. g. Warschau, 4. Juni. Am 7. Juni finden in Polen die Kongreßwahlen statt. Wahlprogramme und Wahllisten sind erst in den letzten Tagen veröffentlicht worden. Die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden bewirkten, daß in Polen das Interesse für den Kongreß erst spät «insetzte und man befürchtet, daß in Kongreßpolen die Wahlbeteiligung aus diesem Grunde keine allzu große sein wird. Lassen wir nun die Parteien vorbeimarschieren und wir erhalten zugleich ein Bild der gegenwärtigen Situation im polnischen Zionismus. Auch diesmal haben wir es mit drei streng getrennten Wahlterritorien zu tun. Die ״Unifikation“ des pol* nischen Allgemeinen Zionismus, von der seit Jahren so viel geredet wird, die aber fast alle Teile mehr oder weniger bewußt hintertreiben, ist noch nicht verwirklicht. Die die Leitung in Kongreßpolen innehabende ״Ai Hamischmar״- Gruppe hat trotz einigen Beschlüssen nichts unternommen, um die Unifikation herbeizuführen. Die Organisation in Ostgallzien war hiermit eigentlich zufrieden und der aufrichtigste Teil, die Allgemeinen Zionisten in Westgalizien, waren — ohnmächtig. Es wählen: Kongreßpolen 36, Ostgalizien 23 und Westgalizien 11 Delegierte, zusammen also 70 Delegierte aus Polen. Diese Zahl beweist die numerische Stärke der zionistischen Bewegung in Polen und sogar einen Zuwachs im Verhältnis zur früheren Periode. Besonders zeichnete sich Ostgalizien aus, das ca. 50000 Schekalim verkaufte, um etwa 60 «/» mehr als zum XVI. Konreß. Auch Westgalizien entwickelte eine systematische musteraffe Schekelpropaganda, die schon vor einiger Zeit abge• schlossen wurde. Es hat sich im Allgemein-Zionistischen Lager in Polen in den letzten zwei Jahren nicht viel geändert. Wenn wir von den Revisionisten absehen (wir kommen auf diese noch zurück), sind es 1n Kongreßpolen noch immer die zwei sich wenn auch nicht so heftig wie früher bekämpfenden Gruppen: ״Al Hamischmar“ und ״Eth Liwnoth“. Die zweite Gruppe hat ihre frühere Front gewechselt, sie kehrt sich gegen Weizmann und geht mit den Revisionisten ein gut Stück Weges zusammen. In ihrer letzten programmatischen Erklärung plädierte sie iür eine Koalitionsleitung mit den Revtsionisten mit der Hinzufügung, daß sie deren innerzionistische Kampfmethode verurteile. Sonst unterstreichen sie nach wie vor die Notwendigkeit einer besonders aktiven Unterstützung des Mittelstandes im Palästina-Aufbau. Das Zusammengehen der Eth Liwnoth mit den Revisionisten hat hier auch einen innenpolitischen Aspekt: Kampf gegen Grühbaum. Diese zwei Gruppen bilden die politische Opposition innerhalb der Allgemein-zionistischen Organisation in Kongreßpolen und man kann nicht behaupten, daß die Methoden dieser Opposition, insbesondere der Revisionisten, die elegantesten wären. Grünbaum ist in seinen Ausdrücken und Formulierungen auch nicht besonders wähle* risch, und so bekommt man hier sehr oft ein unerquickliches Schauspiel zu sehen, das dem Zionismus in Polen kein Ansehen verschafft. Die Grünbaum-Gruppe hat auf organisatorischem Gebiete manche Erfolge zu verzeichnen. Diese positive Arbeit fiel gerade zusammen mit der bekannten Stellungnahme der Radikalen zu den letzten politischen Verhandlungen in London und gegenüber der nach Weizmanns Demission in der Weltorganisation geschaffenen Lage. Diese Haltung Grünbaums und seiner Freunde haben ihm in Polen einerseits noch mehr Feinde verschafft, die Revisionisten rückten natürlich jetzt von ihm stark ab, nicht ohne ihn persönlich anzugreifen, andererseits stärkte Grünbaum dadurch seine Stellung bei denen, die Gegner einer Vabanque-Polittk sind. Die ״Al Hamischmar“-Konferenz in Warschau hatte nun eine schwere Aufgabe, einerseits sich in Beurteilung der poütischen Situation nicht von den Revisionisten ausstechen zu lassen, andererseits die ״staatserhaltende“ Funktion der Radikaleti möglichst stark zu betonen. In diesem Sinne wurden die bereits veröffentlichten Resolutionen verfaßt, dies ist auch der Grundton ihres Wahlmanifestes. Sowohl ״Eth Liwnoth“ als auch ״AI Hamischmar“ prätendieren, als einzige Vertreter des Allgemeinen Zionismus im Lande zu gelten. Die ״Eth Liwnoth“ erklären in einem speziellen Punkt ihres Wahlprograrams, daß sie ״die ,Eth Liwnoth'-Bewegung als die exponierteste Front des Allgemeinen Zionismus und als Träger seiner vollblütigen Ideologie betrachten“. Während nun die ״Eth Liwnoth“ sich an der Beratung der Allgemeinen Zionisten in Krakau beteiligte, ergriff die Grünbaum-Qruppe als Zentralkomitee der polnischen Zionisten die Initiative zu einer Vorkongreßberatung in betreff Wahl einer künftigen Leitung der Weltorganisation. Bride Gruppen wollen sich außerhalb Polens Geltung verschaffen. . . . Das Resultat der Wahlen in Kongreßpolen wird auch innenpolitische Folgen haben, da Grünbaum bei der AI Hamischmar-Tagung in Warschau ausdrücklich erklärte, er werde, falls die Revisionisten in Polen zusammen mit ״Eth Liwnoth“ mehr Stimmen als ״Al Hamischmar“ erhalten werden, von der Leitung der Organisation in Kongreßpolen zurücktreten. * ln Galizien gibt es außer den Revisionisten keine andere allgemein-zionistischen Fraktionen. Die Radikalen in Ostgalizien bilden eine unbedeutende Minderheit, in Westgalizien sind sie überhaupt nicht vorhanden. Es wäre aber irrig, anzunehmen, der Allgemeine Zionismus sei hier einheittich in seinen politischen und sorialwirtschaftlichen Anschaumigen. Innerhalb dieses, allerdings hier sehr starken Zentrums und in der Leitung desselben sind sämtliche Nuancen unserer Bewegung wahrzunehmen. In der Beurteilung der politischen Situation sind die führenden Personen in Westgalizien extremer alt ihre Genossen in Ostgalizien. Dagegen ist in sozial-wirtschaftlichen Fragen die Mehrheit in Ostgalizien etwas mehr konservativ als in Westgalizien. Sonst finden wir in Galizien Brith-Schalom-Anhänger (die es allerding® nicht wagen, öffentlich aufzutreten) und Krypto-Revisionisten beisammen. Es ist das Verantwortungsbewußtst!» gegenüber der Organisation, das in diesem Lande am stärksten vorhanden ist und alle diese divergierenden Elemente zusammenhält. So ist es begreiflich, daß hier energische Versuche gemacht werden, die Ideologie des sogenannten Srtamzionismus zu formulieren und seine Anhänger organisatorisch straff zu erfassen. Dieses Ziel hatte die Beratung in Krakau, an der die Allgemeinen Zionisten West- und Ostgaliziens, ferner die ״Eth L1wnoth“-Gruppe aus Kongreßpolen teünahmen, und deren Beschlüsse bereits In der ״J. R.“ wiedergegeben wurden. & Ist nun zweifelhaft, ob es geling« wird! nach Anregung der Krakauer Konferenz noch vor dem Kongreß die Allgemeinen Zionist« sämtlicher Länder zusammenzufassen. Die Initiatoren, die mit lobenswertem Eifer an diese Sache gehen, scheinen doch die bestehende Verschiedenheit in der Auffassung der zionistischen Probleme in den Landsmannschaften zu übersehen. Sie führen übrigens Klage, daß ihre Bemühungen seitens der Exekutive in London, Insbesondere seitens deren allgemein-zionistischer Mitglieder nicht gehörig unterstützt werden, da diese angeblich allzu stark mit der zionistischen Linken kokettieren. Die Allgemeinen Zionisten Galiziens haben ihre Position erheblich dadurch gestärkt, daß es ihnen gelungen ist, in den letzten Jahren eine verzweigte, quantitativ und qualitativ bedeutende bewußt aügemeinzionistische Jugendorganisation zu schaff«, (Agudath Hanoar), um diese andere Jugendverbände zu scharen und, was nicht stark genug hervorgehoben werden soll — diese Jugend bekumfite bereits ihren Idealismus durch chaluzische Tat. Die ersten Pioniergruppen haben sich bereits in Palästina bewährt und diq von ihnen in Petac h Tikwah einberufene Tagung der allgemeinzionistischen Jugend und Arbeiter in Palästina gab Zeugnis vom Willen dieser Chaluzim, ihrem Allgemeinen Zionismus, wie sie ihn in der Gaiuth aufgefaßt naben, tr« zu bleiben. Es ist dies eine Erscheinung, die unseres Erachtens für die Bestrebung« der galizischen Zionist« mehr spricht, als unzählige Resolution«. * Die revisionistische Partei hat sich letztens in Polen unzweifelhaft verstärkt und neue Anhänger gewann«. Die Brith Trumpeldor-Bewegung ist die drittstärkste in Polen und zeigt übrigens dieselben Merkmale hier, wie anderwo. Neben ehrlichem jugendlich« Idealismus — keckes Draufgängertum und militaristisches Gehaben, In Ostgalizi« gesellt sich zu ihnen eine religiös-revisionistische Gruppe — ״Beth Jeschurun“. Auch sonst gehen In ganz Pol« zahlreiche Misrachigruppen direkt oder indirekt mit d« Revisionisten zusammen. Jabotinski hat während der letzten zwei Jahre sämtliche größere und mittlere Städte in Pol« besucht und knapp vor den Wahlen kommt ihm zu Hilfe Robert Stricker, der in Lodz und Warschau öffentlich darleg« soll, ״warum ich Revisionist geworden bin“. Ein Beweis, wie in Polen die revisionistische Front geg« Grünbaum, dem Parteigenoss« Strickers voti gestern, gerichtet ist. # Der M i s r a c h i ist zwar eb«falls in drei autonome Organisationen Ln Polen getrennt, sein!»©grammatisches Ant- Iitz ist aber überall dasselbe. Der Parteirat des ,.Misrachi“ in Westgalizien, der unlängst tagte, wandte sich in sein« Reso- Iutionen scharf geg« die Beschlüsse des deutsch« Misrachi und hat sich somit der Stellung Farbsteins angeschlossen. Die Partei dürfte infolge der Anstrengung« bei d« letzten Gemeindewahl« während der Kongreßwahl« nicht so aktiv auftreten, wie es in dm früher« Jahr« der Fall war. * Die zionistische Linke (Poale Zkn, Hitachduth, Haschomer Hazair und Hechaluz) ftabm auch in Pol« nach langdauernden Verhandlung« eine Einheitsliste ״Arbeitendes Erez Israel“ geschaffen. Das Programm ist mit dem desselben Blocks in anderen Ländern identisch. Der Steg der Arbeiter- Partei in Palästina wirkte hier sehr ermunternd für diese kreise. Kaplanski, der seit Pfingsten in Polen weilt, hat in Warschau mehrmals öffentlich sehr Har und deutlich von der Notwendigkeit einer konstruktiven zionistisch« Poiitik in der Araber-Frage und einer positiv« Lösung des Parlamentsproblems in Palästina gesproen«. Der zionistische Arbeitsblock dürfte in Polen auf zahlreiche Anhängerschaft rechnen. Seine einzelnen Teile sind allerdings in den besonderen Gebiet« ungleichmäßig aktiv. So geht die Hitachduth in Galizien allen anderen Gruppen voran und es wird sogar angenommen, daß in Ostgalizien die ״Hitachduth“ die größte Zahl der Mandate erringen werde. Dagegen ist in Kongreßpolen in der letzten Zeit eine Umgruppierung zugunsten der Poale Zion eingetreten, Die ״Hitachduth“ ist hier seit ihrem letzten Parteitag organisatorisch geschwächt und ideologisch infolge der Ichudfrage zerklüftet. Eine Weltttonterenz indischer Journalisten In diesen Tag« fand in Berlin eine zwanglose Besprechung jüdischer Journalisten statt, in welcher die Lage der Juden in der ganzen Welt erörtert wurde. An der Besprechung nahmen J. Klinoff, Leo Kreindler, Jakob Landau, Jacob Lestschinsky, Ing, Otto Schick, Hermann Swet, Daniel Tschamy, Moses Wala* mann und Michael Wurmbrand teil. Man kam überein, ein•׳ Initiativgruppe für die Einberufung einer Welt ko n f er enz jüdischer Journalisten für Ende Juli 1931 nach Genf zu bilden. Diese Konferenz soll sich mit Standesfragen, der Situation der Juden in der ganz« Welt, sowie mit dem Problem der Propaganda fürdieEinberufungelnesallgemeinen jüdischen Weltkongresses beschlftigen. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses eine Notwendigkeit der Stunde sei und im eminmten Interesse der Juden und de״• Zukunft des Judentums gelegen ist. Einmütig gab« die Versammelten jüdischen Journalisten dem Gefühle der Verpflich• tung Ausdruck, sich der Propagierung eines jüdischen Weltkongresses zu widmen. Die Versammelten waren sich darüber klar, daß sie diese Aktion ü b e r pa r t e i I i c h zu führen haben, und daß durch Ihre Stellungnahme die Partei« und Richtungen, d«en die einzelnen Journalist« angehör«, in keiner Weise gebunden werden. Die Initiative zur Erörterung der Frage eines allgemeinen jüdisch« Kongresses ist, wie übereinstimmend festgestellt wurde, weder durch Anregung noch im Einverständnis mit irg«deiner jüdisch« Organisation erfolgt. Es herrschte ferner Klarheit darüber, daß die Berliner Initiativgruppe weder legitimiert noch willens sei, das Programm eines jüdischen Weltkongresses zu umreißen. Die Initiativgruppe will einzig und allein die jüdischen Journalisten, Publizist« und Schriftsteller veranlassen, die Propagierung eines jüdisch« Weltkongresses zu einem Hauptpunkte ihrer Tätigkeit in der nächsten Zeit zu machen. In der Aussprache führten die Teilnehmer an der Besprechung aus, daß ein jüdischer Weltkongreß die heutige Lage der Juden einer ernsten Prüfung unterzieh« und ein synthemsch es Programm aufstell« könnte, in dem jede konstruktive Bemühung, die jüdische Not zu lindern, berücksichtigt werden müßte. Ohne den Ergebnissen einer allgemeinen Diskussion über das Programm eines Weltkongresses vorzugreifen, hat man die Fragen der geschlossenen jüdischen Siedlung«, die Fragen der Umschichtung der jüdischen Massen und der Koordinierung aller interterritorialen jüdischen Aktionen in den Vordergrund gerückt. Die Schwierigkeit«, die sich der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses entgegensteilen werdra, wurden von einzeln« Rednern betont. Trotzdem wurde nachdrücklich erklärt, daß das Ziel, durch einen jüdischen Weltkongreß die öffentliche jüdische Meinung der ganz« Welt und auch die der interessierten außerlüdischen Faktoren zu beein- Bussen, so groß sei, daß seitens der jüdischen Journalist« der energische Versuch gemacht werden muß, dem Gedanken eines jüdisch« Weltkongresses die Weg?: za ebnen.