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Jüdische Rundschau · 1931-06-05 · Heft 43 (5.6.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 43 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43, 5. VI.!931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 265 Freie Kongreß •Tribüne Zur Vorbereitung der Kongreßwahlen in Deutschland hat die ,..lud. Rundschau“ die Kongreßprogramme der verschiedenen Parteien jeweils zum Abdruck gebracht, gleich nachdem sie der Redaktion zugesandt wurden. Perner wurden in der Rubrik ,,Freie Kongreß-Tribüne" uwbende Artikel der einzelnen Parteien veröffentlicht. Gemäß einem Beschluß des Geschäfts führenden Ausschusses der Z.V.f.D. und einem schon bei früheren Gelegenheiten angewandten Brauch, der sich gut bewährt hat, wird die etwas schwierige und delikate Frage, wie die ,,Jüdische Rundschau“ als zionistisches Zentralorgan Deutschlands — unabhängig von ihren eigenen Anschauungen — allen zionistischen Richtungen für ihre Publikationen im Wahlkampf zur Verfügung stehen soll, auf diese Weise am besten gelöst. Von den in Deutschland zur Wahl stehenden fünf Listen haben vier von dem Rechte, einen Wahlartikel zu publizieren, Gebrauch gemacht; nur der M israchi hat uns milgeleill, daß er leider nicht in der Lage ist, einen derartigen Artikel beizusteuern, und ersucht uns aus diesem Grunde, an Stelle eines Artikels sein Wahl- Programm nochmals zu reproduzieren. Wir glauben, daß es keine Verletzung der Parität ist, wenn wir diesem Wunsche des Misrachi nachkommen. Ohnedies sind wir überzeugt, daß die meisten zionistischen Wähler in Deutschland über die schwebenden Streitfragen genügend Bescheid wissen und nicht erst durch Wahlaufrufe in letzter Minute beeinflußt za werden brauchen. Mit den heutigen Veröffentlichungen ist die auf den Wahlkampf bezügliche Diskussion abgeschlossen, da die Wahlen am kommenden Sonnlag statifinden. Red. Für die zionisiisdi'sozialistische Liste 1. Die zionistische Linke führt ihren Wahlkampf diesmal mit besonderer Entschiedenheit gegen den Revisionismus. Dadurch sali die natürliche, auf sozialen und kolotiisafionspolitischen Gründen beruhende Frontstellung der Arbeiterschaft gegen andere, Gruppen nicht verschoben werden. Aber unser Hauptgegner ist diesmal ohne Zweifel der Revisionismus, denn er stellt, ganz abgesehen von seinem sozial- und wirtschaftsreaktionären Standpunkt, eine schwere Gefahr für den Zionismus überhaupt dar. Dieser Gefahr können wir nur begegnen, wenn wir alle Energien auf ihre Bekampfung richten und alle hierzu bereiten Kräfte an uns heranziehen. Der Revisionismus bedeutet einen schweren Rückschlag für die zionistische Idee und Praxis. Es muß jedoch Klarheit darüber bestehen,.jdaß. es siebnicht..nur j4m.:.clle .jedes;,Miß. verlierende ScWn1pf־"-Hnd , Hetzpropaganda der immerhin nur eine Minorität in der Zionistischen Organisation darstellenden Revisionistischen Partei handelt, sondern um den Revisionismus als Gesinnung und als Methode überhaupt. Der klerikale (und unmisrachistische) Revisionismus Farbstein’s und der jedes ethischen Pathos entbehrende kleinbürgerliche Revisionismus mancher Gruppen des Allgemeinen Zionismus wie Eth Liwnoth oder der amerikanischen Zionisten bedeuten keine geringere Unterhöhlung der moralischen Werte und der politisehen Schlagkraft des Zionismus. Gehört nicht auch die sogenannte Radikale Gruppe in dieses Lager? Gewiß hat sie sich innerzionistisch und insbesondere in ihrem Verhältnis zur Arbeiterschaft und in den sozialen Fragen stets von der reaktionären Haltung der anderen erwähnten Gruppe ferngehalten; gewiß hat sie sich im Gegensatz zu den Revisionisten solcher Formen der Auseinandersetzung bedient, daß sie sich mit Recht im Hinblick auf Methode und Taktik von diesen distanzieren kann, aber die programmatischen Aeußerungen dieser Gruppe machen jedem Einsichtigen klar, daß hier nur andere Worte gewählt und ein anderes taktisches Verhalten eingeschlagen wird für einen Revisionismus, wie ihn auch die anderen von uns bekämpften Gruppen vertreten. Wir haben uns in diesem Jahre immer und immer bemüht, der zionistischen Oeffentlichkeit zu zeigen, wo, ־- bisher zu unserem Schaden nicht genügend respektiert, — der eigentliche Schwerpunkt der zionistischen politischen Arbeit und daher auch heute ihre Reformbedürftigkeit liegt. Das entscheidende politische Problem, dem wir konfrontiert sind, ist das der jüdisch-arabischen Beziehung e n in Palästina. Hier ist der Angelpunkt unserer politischen Arbeit. Und haben wir Beschwerden gegen England, so ist es auch hier das arabische Problem, über das wir straucheln. Eine Politik, die glaubt, immer nur kräftig von England fordern zu müssen, die sich in der Illusion wiegt, England werde an unserer Stelle das arabische Problem lösen und den arabisehen Widerstand durch militärische Maßnahmen solange überwinden, bis wir, als eine Majorität, selber dieser Araber Herr werden können, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die englische Verwaltung in Palästina hat durch den ״Doar flajom“, die Regierung durch das Auftreten Jabotinsky’s vor der Shaw-Kommission, das englische Parlament durch die politischen Separat-Aktionen und Memoranden der Revisionisten, die englische Oeffentlichkeit durch die Presse, Broschüren usw. genügend Einblick in das neue angepriesene ,,politische Svstem“ erhalten. Es ist mehr als Spielerei, es ist eine gefährliche Abenteuerlust, wenn man Flugzeuge nach Palästina schickt und den Arabern gegenüber die ״Politik der eisernen Wand“ betreiben will; wenn man seine Jugend von den Militärinstruktoren des Marsthall Pilsudski ausbflden läßt, wenn man sich in London in Feindschaft zur Arbeiterregierung gerade mit jenen konservativen, scharf imperiatistisehen Kreisen verbünden möchte, die überall, in China und in Indien, eine Politik der Unterdrückung betreiben. Hierdurch wird der politische und soziale Standort des Revisionismus erkenntlich. Dies alles hat stets nur gegen uns gearbeitet. Fs hat uns geschadet, wenn man sich auch darauf berufen mochte, daß die Revisionisten nur eine Minorität seien. Wir müssen den Zionismus davor schützen, daß er durch die Er- Hebung dieser Auffassung zum offiziell vertretenen Standpunkt endgültig in der englischen Oeffentlichkeit und der übrigen zivilisierten Welt erledigt wird. Wir Juden, die wir um jeden Preis nach Palästina eimvandem wollen, weil wir es müssen, für die der Sinn des Zionismus in der Möglichkeit einer großen Einwanderang für die entwurzelten jüdischen Massen, im Aufbau eines esunden und starken jüdischen Wirtschaftsorganen!tis in alästina liegt, werden den Kampf für unsere Forderung der Freiheit der Einwanderung und Kolonisation in aller Sachlichkeit und in aller Entschiedenheit führen. Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß die Ergebnisse dieses Kampfes von unseren realen Leistungen in Palästina abhängig sind. Wir dürfen nicht mit der Geste des starken Mannes warten, bis die Araber zur Abrüstung gezwungen sind. Wir müssen die Abrüstung der Geister als erste proklamieren und einleiten und dadurch den Beweis bringen, wo unsere wirkliche Position im Kräfteringen dieser Zeit ist. Wir erstreben den Frieden und haben zu seiner Erlangung kein anderes Mittel, als ihn von uns aus vorzubereiten. Wir müssen stets die Wirklichkeit zur Grundhge unserer Arbeit nehmen. Wir wollen in Palästina ein freies und nur durch uns bestimmtes jüdisches Leben führen. Wir müssen dieselben politischen Bedingungen für das arabische Volk in Palästina gelten lassen. Ein Staatswesen, in dem beide Völker in politischer Freiheit, mit gleichen politischen Rechten , die nicht vom jeweiligen Mehrneits- oder Minderheits-Verhältnis, das sich im Laufe der Geschichte noch marifehmal ändern mag, abhängig sein dürfen, soll in Palästina entstehen. Kann die Proklamierung des ״Judenstaats“ auch noch diesen Sinn haben? Der Sozialismus und die demokratische Moral, der Wille, politisch weiter zu kommen und den Zionismus auf der Unterstützung der gesamten zum Fortschritt strebenden Menschheit zu basieren und der Wunsch, zu einer jüdisch-arabischen Verständigung zu kommen, verlangen in gleicher Weise, daß wir uns nicht 40 Jahre rückwärts orientieren und dadurch die Juden über die wahre Situation in Palästina und in England täuschen, sondern daß wir heute als die Aufgabe unserer Politik die Aussöhnung mit unseren arabischen Nachbarn in Palästina betrachten und ein diesem Ziel entsprechendes Staatsprogramm vertreten. Nur so dienen wir dem Zionismus, nur so ermöglichen wir die Fortsetzung der Einwanderung und Kolonisation, nur so legen wir die Grundlage zu einem dauerhaften Frieden. II. Dieselben Grundsätze charakterisieren die innerzionistische Situation, Auch hier stehen sich Fortschritt und Reaktion gegenüber. Die Chauvinisten waren stets die Sozial-Reaktionäre. Man sollte eigentlich annehmen, daß gerade die Partei, die mit dem Schlagwort des Judenstaates mit Vorliebe operiert und sich als Hüter des konsequenten Staatsgedankens im Zionismus betrachtet, die Assefat Haniwcharim und den Waad Leumi, die doch zweifellos Zellen einer autonomen jüdischen Gemeinschaft in Palästina darstellen, mit allen Mitteln stärken müßte. Statt dessen sehen wir, daß die Revisionisten die Unterstützung und Stärkung dieser Organe von ihrer politischen Zusammensetzung abhängig machen und als eine Minderheit den (glücklich mißlungenen) Versuch unternahmen, die Assefat Haniwcharim zu sprengen. Das Schlagwort vom Vorrang der nationalen gegenüber allen Gruppen- Interessen gilt also in der Praxis nur so lange, als die nationalen Interessen mit den Grunpeninteressen der Revisionisten zusammenfallen. Insbesondere zeigt dies der revisionistische Kampf um die ״nationale Arbitrage“. Da nach revisionistischer Theorie das nationale Interesse allen Klasseninteressetr übergeordnet sein■• muß,-wendet man sich eine Lösung von־Arbeit»•*׳ Konflikten in der Weise, wie sie dem Machtverhältnis der einander gegenüberstehenden Parteien entspricht, und fordert statt dessen Entscheidung durch nationale Arbitrage, ln dem Augenblick aber, in dem die nationalen ״entscheidenden“ Organe des Jischuw eine starke Arbeitervertretung aufweisen, sind sie nach revisionistischer Praxis nicht mehr geeignet, als Organe einer nationalen Arbitrage zu fungieren. Eine nationale Körperschaft kann also nur solange als Vertreterin nationaler Interessen angesehen werden, als sie eine genügend starke bürgerliche Mehrheit hat! So bekämpft man die Histadruth als Klassenorganisation mit dein kümmerlichen Versuch, ״nationale“ Gewerkschaften zu gründen, wobei aber offenbar jede Unternehmer-Organisation ihrer Natur nach von vornherein als ״national“ und nicht klasseninteressiert gilt! Das Schlagwort von der nationalen Arbitrage ist also nichts als eine Maskierung der revisionistischen Arbeiterfeindlichkeit. Die Kongreßprogramme der jetzt unter den Zionisten Amerikas regierenden Brandeis-Gruppc und die Resolutionen der Eth Liwnoth-Gruppen in Polen zeigen eine bemerkenswert rührige Propaganda für Privat-Initiative und Mittelstandskolonisation. Sie sind alte Gegner des Keren Hajessod. Die nationale Kolonisation war stets ein Gegenstand ihrer Angriffe. Mit dem Fonds glaubt man die Arbeiterkolonisation zu treffen. Es kann jedoch dem Zionismus nur zum Schaden gereichen, wenn hier aus Gründen des innerzionistischen Machtkampfes künstlich Gegensätze konstruiert werden. Die Privat-Initiative und die Mittelstandskolonisation können unserer Bewegung nie die nationalen Kolonisationsaufgaben abnehmen. Investierung von privaten Kapitalien in Palästina ist dringend erforderlich. Uns wäre jedoch mehr damit gedient, daß Menschen mit ihrem Vermögen und ihrer wirtschaftlichen Initiativkraft wirklich nach Palästina gehen, als daß dieser unproduktive Betrieb unserer Mittelstandszionisten jetzt durch besondere organisatorische Vorkehrungen installiert wird, ein Betrieb, der zwar den Keren Hajessod und die Arbeiterkolonisation schädigt, aber gleichzeitig untaugliche Wirtschaftsansätze schafft, die im Endergebnis doch wieder dem Keren Hajessod zur Last fallen, unsere Palästinaarbeit behindern und so die Bewegung schwer schädigen. Dieselben Amerikaner, die seit zwei Jahren nichts für den Keren Hajessod getan haben, haben uns ja die Erbschaft der ״American Zionist Commonwealth“ hinterlassen, an der wir noch auf Jahre hinaus zu laborieren haben; dieselben Eth Liwnoth-Fiihrer, die für Mittelstand statt Chaluzim sind, haben uns z. B. mit der ״Textilstadt Manor“ und anderen Unternehmungen schwer genug belastet. Private Initiative ist erforderlich; die Verdrängung der Arbeiterkolonisation durch Institutionen für die Propaganda der Mittelstandskolonisation ist schädlich. Für den Zionismus ist sein wahrhaft revolutionärer Gestalfungswille charakteristisch. Der Produktivierungsgedanke, der Wunsch der jüdischen Jugend nach pioniernafter Hingabe, das Streben nach Erneuerung der jüdischen Gesellschaft gehört zu den stärksten Antriebskräften unserer Bewegung. Die Arbeiterschaft kann daher nicht dulden, daß die nationale Kolonisation, die Entwicklung der Arbeiter-Institutionen und der Keren Hajessod zurückgedrängt werden. Es ist ohne Zweifel richti־״. daß der Kongreß vor die Aufgabe gestellt ist, neue Methoden der Finanzierung zu erwägen. Der von verschiedenen Seiten, insbesondere von Arlosoroff, immer wieder vertretene Gedanke einer großen nationalen Anleihe muß geprüft werden. Zu welchem Ergebnis aber auch der Kongreß kommen mag, er muß den oben erwähnten Gesichtspunkten Rechnung tragen. Die schwierige Finanzlage verlangt eine vielleicht grausame und auch manche bisher in unserm Budget regelmäßig wiederkehrende Position in weniger als der bisher üblichen Weise berücksichtigende Etatpolitik. Aber auch hierbei muß in erster Linie darauf geachtet werden, daß die nationale Ko- Ionisation der Posten ist, der am wenigsten Schaden leidet. Daher muß der Einfluß der Arbeiterschaft auf unsere ausführenden und kontrollierenden Organe gesichert werden. III. Wenn im Vorstehenden auch nur einige Hauptfragen unserer gegenwärtigen Situation behandelt wurden, so geht doch hieraus bereits mit voller Deutlichkeit unsere Haltung auch in der vielerörterten Leitungsfrage hervor. Wir wünsehen, daß sich auf dem Kongreß eine Mehrheit findet, die den Zionismus aus seinen gegenwärtigen politischen und ökonmischen Schwierigkeiten herausführt. Soll eine solche Leitung das Vertrauen des jüdischen Volks erobern, sich gegenüber den Arabern Palästinas und der öffentlichen Weltmeinung durchsetzen, so muß sie eine klare Frontstellung gegen Chauvinismus und soziale Reaktion haben. _ Für diese Richtung muß sich entscheiden, wer unsere Liste wählt. Und jeder, der den Zionismus durch eine idealistische und doch realistische, durch eine besonnene und fortschrittliche Politik aufwärts führen will, soll unsere Liste wählen. Georg Landauer — M a r c c I Lew. Kongre$progr&m111 des Misrachi and Zelfre Misrachi für Deufschland Das Ziel des Misrachi ist die Schaffung der Nationalen Heimstätte für das jüdische Volk In Erez-Israel auf dem Boden der Thora, ln dieser Synthese von jüdischem Volk, jüdischem Land und jüdischer Lehre sieht der Misrachi die ideale Lösung des Judenproblems. Gemeinsam mit allen zionistischen Gruppen führt er die Propaganda zur Erweckung des Volkes zum Verständnis seines Volkstums, die Zionistische Organisation will er zum Verständnis der alten, auf jüdischer Tradition beruhenden Kultur leiten. Für die gegenwärtige Lage des Zionismus ergibt sich aus unserer Grundeinstellung: I. Träger unserer Volksbewegung muß die Gesamtheit des jüdischen Volkes werden. Dieses zu den höchsten ideellen und materiellen Leistungen für den Bau seiner Zukunft anzuspornen, ist Hauptaufgabe zionistischer Propaganda. Sowohl in der inneren Arbeit, wie in der Propaganda nach außen ist eine stärkere Betonung der moralischen und sittliehen Grundlagen des Judentums notwendig, auf denen die Einzigartigkeit unseres nicht nach Macht strebenden, sondern von der Kraft der Idee beseelten Werkes der Repatriierung des von seinem Heimatboden losgerissenen Volkes beruht. Der Misrachi hat die Verbreiterung der Basis unserer. Bewegung-:durrir •die •*■Enveitming : der J׳e% is h-'-Afrae-y■׳ begrüßt. Die Agfeticv ist indessen •so •auszubauen, •daß sie anders als bisher die in ihr organisierten Menschen erfaßt und zu Opferwilligkeit und Hingabe erzieht. Ihre Verfassung muß demokratisiert werden, ihr Anteil an der Leitung in Einklang gebracht werden mit ihren tatsächlichen Leistungen. Hl. Ziel unserer außenpolitischen Arbeit ist, daß Mandatarmacht und Völkerbund der von uns zu leistenden ökonomischen, sozialen und kulturellen Aufbauarbeit vollen Schutz und diejenige Unterstützung angedeihen lassen, zu der das Mandat sie verpflichtet. Hierzu gehört, daß die Einwanderung nicht nur nicht gehemmt wird, sondern daß die Entwicklung des Landes so durchgeführt wird, daß ein Maximum neuer produktiver Kräfte sein Betätigungsfeld findet. Die Kernsätze des Mandates sind in der künftigen Verfassung des Landes zu verankern. IV. Haben wir so die Freiheit unserer Arbeit für das im Mandat international besfätigte Ziel des Zionismus, so erscheint uns eine erneute Diskussion über die Frage zionistischer Zielsetzung unfruchtbar. Die endgültige Form unseres Gemeinwesens wird sich organisch entwickeln, wenn es gelingt, den Jischuw zu verstärken und im Lande zu verwurzeln und unser Werk so zu führen, daß die arabische Bevölkerung seinen Wert für die Wohlfahrt Palästinas erkennen lernt. V. Hierzu gehört eine zielbewußte Führung, die, gestützt auf das Vertrauen des Volkes, sein historisches, verbrieftes Recht wahrt und sich freihält von jeglichem Chauvinismus und anderen Formen illusionistischer Politik. Eine wesentliche Aufgabe der Führung erblicken wir in der Sammlung und Zusammenfassung der auseinanderstrebenden Kräfte der Zionistischen Organisation, um ihre ideellen und materiellen Hilfsquellen zur vollen Entfaltung zu bringen. Daß diese Leitung festen und innigen Kontakt mit Judentum und Judenheit pflegt, ist uns ebenso wichtiger Gesichtspunkt wie ihre außenpolitische Eignung. VI. Die innere Autonomie des mustergültig geführten M j s - rachi-Schulwerks muß gewährleistet werden, da das zionistische Schulwesen in seiner Gesamtheit die Grundsätze jüdischer Tradition nicht anerkennt. Dem Abbau des Misrachi-Schuhverks durch das Erziehungs-Departement der Zionistischen Exekutive ist mit allen Kräften entgegenzuarbeiten. Vil. Bei dem ökonomischen Aufbau Erez-lsraels fordern wir besondere Berücksichtigung der durch den Hapoel Hamisrachi in die Wege geleiteten, auf traditionell jüdischer Lebensgestaltung sich aufbauenden Kolonisation. Die bisherigen Siedlungspunkte des Poel-Hamisrachi sind in den Kolonisationsplan der Agency mit aufzunehmen. Ein Kongreß, der seine Aufgaben nach diesen Grund- Sätzen behandelt, wird wesentlich beitragen zur Uebenvindüng der gegenwärtigen Situation. Er wird nach außen hin Zeugnis ablegen von der Kraft unseres Wollens und uns selbst mit dem Glauben an unsere Idee erfüllen, der ni't:; ist, um unser Werk zu vollbringen.

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