Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 42 (2.6.1931)
- Date
- 1931-06-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 260 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42, 2 VI. 1931 Wir verteidigen hier nicht solche gelegentlichen Zwischenfälle, aber wir wenden uns gegen ihre Aufbauschung durch die zionistische Presse. Lärm und Disziplinlosigkeit kommen überall im politischen Leben vor. Man lese einmal nach, was für Ausdrücke von Staatsmännern wie Lloyd George in Wahlkämpfen gebraucht worden sind. Eines aber muß hier einmal festgestellt werden: ln keiner Schrift oder Rede eines verantwortlichen Führers der revisionistischen Bewegung, vor allem in keiner offiziellen Verlautbarung der Revisionist!- sehen Union, findet sich irgendeine persönliche Beleidigung der Gegner oder irgendein unsachlicher, nur beschimpfender Angriff auf andere Parteien. Jabotinskvs Höflichkeit ist bekannt. Wie. steht es auf der Gegenseite? Die ״Linken״ überbieten sich in Beleidigungen unserer Bewegung. Eine offiziehe Kundgebung der Arbeiterpartei in Tel-Awiw sprach vom Revisionismus als einer ״Giftpflanze״, die ״ausgerottet״ werden müsse. Das offizielle Kongreßprogramm der Hitachduih in Lodz erklärt: ״Dis revisionistische Bewegung bildet eine nationale und soziale Gefahr und ist geeignet, die moralischen Grundlagen (!) des Zionismus zu zerstören. Die durch Revisionisten herbeigelührte Demoralisation hat derartige Formen des Irrsinns (!) angenommen, daß die Zugehörigkeit der Revisionisten zur Zionistischen Organisation nicht mehr möglich und erwünscht ist.“ Dies ist die offizielle Sprache unserer Gegner. Das von den Schekelgeldern aller Zionisten subventionierte Organ der Leitung ״Haolam“ äußerte kürzlich, die Revisionisten seien ״schmutzige Tiere“ und es folgten dann noch einige nicht wiederzugebende Beschimpfungen aus der Vorstellungswelt des offenbar mit Anal-Komplexen behafteten Redakteurs. Auch unsere neuesten Gegner, die Herren Grünbautn und Dr. Goldmann von der ״radikalen“ Partei, schlagen uns gegenüber eine Tonart an, die uns wenig geeignet scheint, zu der von Herrn Dr. Goldmann angeblich gewünschten Koalition zu führen. In seinem Prograrnmartikel zum Kongreß spricht Herr Dr. Goldmann mit deutlichem Hinweis auf den Revisionismus von ״donquichottenhaften theatralischen Gesten leerer Drohungen“. Er behauptet, die Revisionisten seien in erster Reihe schuld daran, daß ״Begriffe wie Verrat, Korruption, Käuflichkeit usw. alltägliche Vorstellungen geworden sind.“ Die gleiche Behauptung findet sich in dem — wohl auch von Herrn Dr. Goldmann stilisierten Kommunique über die Tagung der Radikalen in Polen. Den Beweis für solche Behauptungen wird Herr Dr. Goldmann nicht führen können, er redet nur nach, was die anderen Gegner des Revisianismus ihm vorgeredet haben. Seine Gereiztheit erklärt sich aus dem Aerger über unsere Konstatierung, daß die Radikalen umgefallen sind, und bei dieser Behauptung müssen wir bleiben. Wir glauben, daß die Radikalen auch in Zukunft lind besonders auf diesem Kongreß keine zuverlässigen Bundesgenossen für die echte Opposition sein werden, die einen wirklich radikalen Umschwung erstrebt. Das liegt nun einmal im politischen Charakter dieser Gruppe, die ziemlich haltlos zwischen den verschiedenen Strömungen treibt. Die Gegensätze, die uns von anderen Gruppen trennen — insbesondere von den ״Linken“ und den mit ihnen ver* bündeten ״Allgemeinen Zionisten“ vom deutschen Brith Scha״ lom-Typus — sind klar. Auch das Trennende und das Ver* bindende zwischen uns und anderen Parteien ist deutlich. Was aber die ״Radikalen“ betrifft, so scheinen uns programma* tische Auseinandersetzungen mit diesen ganz zwecklos. Die Radikalen, deren einziger Programmpunkt der Kampf gegen die Agency war, haben sich durch den Eintritt in diese Körperschaft überflüssig gemacht. Sie wollen aber weiter* bestehen, sie haben sich zu diesem Zweck ein Programm zurechtgelegt, das in allen Farben schillert, und um ihren Eklektizismus etwas lebendiger zu machen, bekämpfen sic* neuerdings den Revisionismus. Wie ihre schwankende, aus ewigem Kompromißverlangen stammende Haltung von der zionistischen Öffentlichkeit auf genommen wurde, hat Dr. Goldrnann selbst treffend charakterisiert. Er versucht nun darzulegen, daß die Politik seiner Gruppe von Fremden und Gegnern ״mißverstanden“ worden sei, aber wir meinen, daß sie ganz richtig verstanden wurde. Mit gutem Instinkt sagt Goldmann, seine Gruppe unter* scheide sich ״trotz mancher programmatischer Gemeinsam* keiten sehr scharf in ihrer Physiognomie von den Revisio* nisten“. Das will ich meinen. Und die Erfahrungen der letzten Jahre bestätigen nur wieder die alte Regel, daß es in der 'oiitik gar nicht allein auf das Programm, sondern vielleicht noch mehr auf die politische Charakterfestigkeit ankommt. Der Unterschied zwischen dem Programm der Radikalen und dem der Revisionisten ist vielleicht gar nicht so groß — aber die Physiognomien unterscheiden sich in der Tat sehr stark. Der Wunsch, mit uns zu polemisieren — wir haben diese Polemik solange vermieden, bis die Radikalen ihre theo* retische Gegnerschatt gegen Weizmanns Politik in praktische Unterstützung verwandelten — dieser Wunsch nach Polemik darf aber Herrn Dr. Goldmann nicht dazu verleiten, uns auf Kosten der Wahrheit anzugreifen. Er behauptet in seinem Kongreßartikel, daß Großmann und ich bereit gewesen seien, in die politische Kommission in London einzutreten, falls §ewisse Forderungen erfüllt würden. Dazu stelle ich fest, aß ein ernsthafter Vorschlag dieser Art Großmann und mir von keiner hierfür kompetenten Stelle gemacht worden ist, und daß wir ihn aller Voraussicht nach abgelehnt hätten. Herr Goldmann denkt wohl an ein privates Kulissengespräch, in dessen Verlauf Großmann äußerte, wir könnten vielleicht über den Eintritt verhandeln, wenn ein Beschluß gefaßt würde, daß Dr. Weizmann keinen Besuch machen und kein Gespräch führen dürfe, wenn nicht der revisionistische Vertreter anwesend sei. Auf diese, mehr scherzhaft als ernst gemeinte Aeußerung Großmanns baut Herr Dr. Goldmann nun seine Behauptung von unserer Eintrittsbereitschaft. Auch mit solchen Waffen sollte man nicht kämpfen. V. Genug der Diskussion und der Polemik. Die wirklichen Gegensätze der Programme und der Personen sind klar. Es geht um mehr, als um Resolutionen und Budgetposten. Es geht um die Existenz der Zionistischen Organisation, um den Sinn der Bewegung, um die Rekonstruktion unserer P0Htik und Wirtschaft. Der Revisionismus hat, als einzige unter allen zionistisehen Gruppen, seit Jahren den Weg hierzu gewiesen. Darum wählt die revisionistische Liste! KongreBwahlea Südafrika. Bei den Kongreßwahlen in Südafrika erhielten von den zu wählenden 8 Delegierten die Allgemeinen Zionisten 5, die Revisionisten 2 und die Linken 1 Mandat. Bukowina. Bei den Kongreßwahlen in der Bukowina wurden Dr. Theodor Weißeiberger (Allg. Zionist) und Nachman Hubermann (Poale Zion) als Delegierte gewählt. Die Zionisten-Revisionisten und die Radikalen Zionisten konnten kein Mandat erlangen. Zum XVII. Zionisienkongreg Kongrefjprogramm des Misrachi und Zei're Misrachi 107 Deutschland Das Ziel des Misrachi ist die Schaffung der N a t i o - nalen Heimstätte für das jüdische Volk in Erez-Israel auf dem Boden der Thora. In dieser Synthese von jüdischem Volk, jüdischem Land und jüdischer Lehre sieht der Misrachi die ideale Lösung des Judenpro* blems. Gemeinsam mit allen zionistischen Gruppen führt er die Propaganda zur Erweckung des Volkes zum Verständnis seines Volkstums, die Zionistische Organisation will er zum Verständnis der alten, auf jüdischer Tradition beruhenden Kultur leiten. Für die gegenwärtige Lage des Zionismus ergibt sich aus unserer urundeinsteuung: I. Träger unserer Volksbewegung muß die Gesamtheit des jüdischen Volkes werden. Dieses zu den höchsten ideellen und materiellen Leistungen für den Bau seiner Zukunft anzuspornen, ist Hauptaufgabe zionistischer Propaganda. Sowohl in der inneren Arbeit, wie in der Propaganda nach außen ist eine stärkere Betonung der moralischen und sittliehen Grundlagen des Judentums notwendig, auf denen die Einzigartigkeit unseres nicht nach Macht strebenden, sondern von der Kraft der Idee beseelten Werkes der Repatriierung des von seinem Heimatboden losgerissenen Volkes beruht. II. Der Misrachi hat die Verbreiterung der Basis unserer Bewegung durch die Erweiterung der Jewish Agency begrüßt. Die Agency ist indessen so auszubauen, daß sie anders als bisher die in ihr organisierten Menschen erfaßt und zu Opferwilligkeit und Hingabe erzieht. Ihre Verfassung muß demokratisiert werden, ihr Anteil an der Leitung in Einklang gebracht werden mit ihren tatsächlichen Leistungen. III. Ziel unserer außenpolitischen Arbeit ist, daß Mandatarmacht und Völkerbund der von uns zu leistenden ökonomischen, sozialen und kulturellen Aufbauarbeit vollen Schutz und diejenige Unterstützung angedeihen lassen, zu der das Mandat sie verpflichtet. Hierzu gehört, daß die Einwanderung nicht nur nicht gehemmt wird, sondern daß die Entwicklung des Landes so durchgeführt wird, daß ein Maximum neuer produktiver Kräfte sein Betätigungsfeld findet. Die Kernsätze des Mandates sind in der künftigen Verfassung des Landes zu verankern. IV. Haben wir so die Freiheit unserer Arbeit für das im Mandat international bestätigte Ziel des Zionismus, so erscheint uns eine erneute Diskussion über die Frage zionistischer Zielsetzung unfruchtbar. Die endgültige Form unseres Gemeinwesens wird sich organisch entwickeln, wenn es gelingt, den Jischuw zu verstärken und im Lande zu verwurzeln und unser Werk so zu führen, daß die arabische Bevölkerung seinen Wert für die Wohlfahrt Palästinas er* kennen lernt. V. Hierzu gehört eine zielbewußte Führung, die, gestützt auf das Vertrauen des Volkes, sein historisches, verbrieftes Recht wahrt und sieh freihält von jeglichem Chauvinismus und anderen Formen illusionistischer Politik. Eine wesentiiehe Aufgabe der Führung erblicken wir in der Samm* lung und Zusammenfassung der auseinanderstrebenden Kräfte der Zionistischen Organisation, um ihre ideellen und materiellen Hilfsquellen zur vollen Entfaltung zu bringen. Daß diese Leitung festen und innigen Kontakt mit Judentum und Judenheit pflegt, ist uns ebenso wichtiger Gesichtspunkt wie ihre außenpolitische Eignung. VI. Ehe innere Autonomie des mustergültig geführten Misrachi-Schufwerks muß gewährleistet werden, da das zionistische Schulwesen in seiner Gesamtheit die Grundsätze jüdischer Tradition nicht anerkennt Dem Abbau des Mis* rachi-Schulwerks durch das Erziehungs-Departement der Zi» nisfischen Exekutive ist mit allen Kräften entgegenzuarbeiten. VII. Bei dem ökonomischen Aufbau Erez-Israels fordern wir besondere Berücksichtigung der durch den Hapoel Hamisrachi in die Wege geleiteten, auf traditionell jüdischer Lebensgestaltung sich aufbauenden Kolonisation. Die bisheri* gen Siedlungspunkte des Poel-Hamisrachi sind in den Kolonisationsplan der Agency mit aufzunehmen. Ein Kongreß, der seine Aufgaben nach diesen Grund- Sätzen behandelt, wird wesentlich beitragen zur Ueberwin* düng der gegenwärtigen Situation. Er wird nach außen hin Zeugnis ablegen von der Kraft unseres Wollens und uns selbst mit dem Glauben an unsere Idee erfüllen, der nötig ist, um unser Werk zu vollbringen. Prof. Dr. Robert Dreyfiiß Mit Prof. Dr. Robert Dreyfuß, der am 13. Mai plotz* lieh in Frankfurt a. M. verstarb, ist einer aus der alten Garde des deutschen Zionismus dahingegangen. Dreyfuß, am 13. März 1866 in Gernsbach in Baden geboren, habilitierte sich 1908 an der Universität Straßburg für Ohrenheilkunde und wurde bereits 19(» zum Professor ernannt. In Frankfurt a. M., wo er sich nach dem Krieg niederließ, erwarb er sich bald eine angesehene Stellung, er wurde städtischer Sehul-Ohrenarzt und konnte noch auf dem internationalen medizinischen Kongreß in Kopenhagen 1928 sein Fachgebiet vertreten. Robert Dreyfuß war, wie alle guten Aerzte, eine geistig und menschlich hochstehende Persönlichkeit, allem Phrasentum abhold, von gesundem Humor erfüllt. Aus dem sehr bodenständigen badischen Judentum hervorgegangeu, hatte er sich früh der zionistischen Bewegung angeschlossen — zu einer Zeit, als dies für deutschbürtige Juden noch etwas Ungewöhn* liches bedeutete. In Straßburg, wo er sich auch im Vorstand der Gemeinde und als Präsident der Unitas-Loge betätigte, war er lange Jahre hindurch Vorsitzender der Ortsgruppe; auch in Frankfurt führte er während einiger Zeit die örtliche Organisation und gehörte bis zuletzt zu den eifrigsten und regelmäßigsten Besuchern aller zionistischen Veranstaltungen, Der Zionismus war für ihn nicht so sehr eine Parteisache, wie der natürliche Ausdruck seiner Anschauung vom Juden* tum. Er diente der Sache ohne jeden Ehrgeiz, und es ist sein Ruhm, daß er jederzeit auf dem Posten stand, als Führer wie als einfacher Soldat. Mit Robert Dreyfuß hat die zionistische Sache in Deutschland einen ihrer treuesten Pioniere verloren. Sein Andenken sei gesegnet! E. M. Der thüringische Landtag nahm eine Ent* Schließung an, in der die vom früheren Minister Frick vorgenommene Berufung des Rasseforschers Hans Günther, Professor an der Universität Jena, mißbilligt wird. Presseschau ״Jewish Chronide" gegen Jabotinsky Der Londoner ״Jewish Chronicle“, der «eit Jahren eine scharfe Oppositionsstellung gegen Weizmann eingenommen hat und in seinen Anschauungen den Revisionisten nahesteht, nimmt in seinem Leitartikel vom 29. Mai in überraschender Weise zur Führerfrage Stellung. Das Blatt schreibt, Weizmann habe zwar als Protest gegen das Weißbuch demissioniert, aber durch die Weiterführung der Verhandlungen mit der englischen Regierung sei er de facto P r ft - sident geblieben. Der Kongreß hat also keineswegs die durch den Rücktritt Weizmanns geschaffene Lücke auszu* füllen, sondern er müßte erst durch Beseitigung Weizmann« diese Lücke schaffen. Es ist klar, ednreibt das Blatt, daß keine hervorragende Figur vorhanden ist, die Weizmann ersetzen könnte; ein Verbleiben Dr, Weizmanns als Führer wäre aber nur bei drastischen Aende* rungen der Politik und Zurückziehung gewisser in letzter Zeit von ihm abgegebenen Erklärungen möglich. Der Vorschlag, an Stelle des Präsidenten ein Komitee zu setzen, ist erfaß* rungsgemäß kaum durchführbar. Die als Nachfolger von Weiz* mann genannten Namen haben keinen Widerhall gefunden. Nur ein Name hat eine Sonderstellung, nämlich Jabotinsky. ״Jabotinsky hat eine beträchtliche Anhängerschaft, und wir haben für seine Fähigkeiten und für ihn den größten Respekt. Aber bei einer Würdigung der Situation sind wir zu der Fest* Stellung gezwungen, daß seine Wahl zum Führer an* denkbar ist, wenn auch nur aus dem einfachen Grunde, daß er die Bewegung als Ganzes nicht führen könnte. Ge* wisse Ansehauungen, denen Jabotinsky Ausdruck gegeben hat, zeigen fraglos eine konsequente Denkungsart, aber ebenso eine völlig wirklichkeitsfremde Haltung. Das höchste, was von den Revisionisten erwartet werden kann, ist, daß sie ein Element der Gärung im Zionismus bilden; aber die Führung haben können sie nicht. Eine der wesentlichsten Eigenschaften eines zionistischen Führers heute ist die, daß er wenigstens ein gewisses Maß von Ver* trauen und Sympathie auf seiten der Mandatarmacht genießt und bei den Arabern nicht völlig verfemt ist. In diesen beiden Punkten hat Jabotinsky sich selbst außerhalb der Kampfbahn gestellt“ — Das Blatt kommt zu dem Schlüsse, daß nicht die Führerschaft die Hauptfrage des Kongresses sei, sondern die grundsätzliche Politik, die auf dem Kongreß geändert werden müsse, wobei ״Jewish Chronicle“ sich in seinen Forderungen nicht wesentlich vom revisionistischen Programm unter* scheidet Der Landenhvicklungsplan Der ״Parlamentarische Korrespondent“ des ״Jewish Chro* nide“ bespricht das gegenwärtige Stadium der Be* handlung des Landentwicklungsplanes, das er sehr optimistisch beurteilt Ein« Zeitlang schien es, schreibt das Blatt, als ob ein Abbruch der Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency drohe. In der letzten Woche hat man jedoch eine Zwischenlösung gefunden. Es kam zu einem Briefwechsel zwischen Dr. Weizmann und einem Mitglied der Regierung. Das Korapro* miß besteht darin, daß zunächst eine Registrierung des für den Entwicklungsplan in Betracht kommenden Bodens, sowie eine von einem Juristen durchzuführende Registrierung der für die Ansiedlung in Betracht kommenden ״landlosen Araber“ durchgeführt werden soll. Dies bezeichnet der ״Jewish Chronide“ als eine weitgehende Konzession an die Zionisten. Das Blatt will auch erfahren haben, daß die Ernennung des von den Zionisten vorgeschlagenen Strick» 1 a n d als Kommissär für den Landentwicklungsplan so gut wie feststehe. Dem Kommissär soll ein jüdischer und ein ara* bischer Beisitzer zur Seite gestellt werden. Die Vorbereitungsarbeiten werden nicht früher als Ende dieses Jahres beendet sein, dann erst wird dem Parlament der Antrag auf Garantie der 21/9 Millionen-Anleihe vorgelegt werden. — Wir geben diese Informationen wieder, obwohl sie zweifellos in vielen Punkten ungenau sind und unseres Wissens die Uebereinstimmung zwischen Regierung und Jewish Agency noch keineswegs in allen Punkten hergestellt ist Doch scheint es richtig zu sein, daß, wie wir bereits vor einiger Zeit mitteilten, die Durchführung des Planes zunächst ver* tagt ist * ״TheNearEastandlndia“ äußert sich am 28. Mal zu dem bevorstehenden Zionistenkongreß, der auf die Lage in Palästina von großem Einfluß sein könne, da ins* besondere die Blicke der Araber diesmal aufmerksamer als zuvor auf ihn gerichtet sind. Wie der Kongreß sich ent* scheiden werde, könne das Blatt nicht beurteilen. Es könne zu tiefen Meinungsverschiedenheiten über die Frage des Jtt* dis eben Nationalheims kommen oder aber zu einer Sammlung der Kräfte auf Grundlage von Weizmanns Politik. Es ist be* kannt, daß in den letzten zwei Jahren sehr ernste Meinungs- Verschiedenheiten in der zionistischen Bewegung entstanden sind, teilweise über Wirtschaftsfragen und teilweise über die politische Führerschaft. Die finanziellen Leistungen der Nichtzionisten der Jewish Agency werden als unbefrie* digend betrachtet und es ist so gut wie sicher, daß man der Neigung nachgeben wird, einen Sündenbock für die gegen* wartigen finanziellen Nöte zu finden. . ״The Near East and India“ schreibt am 14. Mai: Kein verantwortlicher Beobachter der Lage in Palästina wird nicht die überragende Notwendigkeit der Versöhnung zwischen Arabern und Juden begreifen. Aber wie macht man das? Bei einem Diner des Anglo Palestine Clubs in London sagte der Vorsitzende, die Zionisten hätten nur in einem Punkte versagt, nämlich ״in der Gewinnung mancher ihrer arabischen Nachbarn“. (Die Zeitschrift folgt mit diesem Zitat offenbar dem etwas ungenauen Bericht der ״Times“.) Eine glänzende Reihe von Rednern folgte auf Herrn von Rothschild, aber in keinem Bericht über ihre Reden kann man auch nur die leiseste Andeutung finden, wie der erwähnte Fehler gutzumachen wäre. Es ist relativ leicht, von dem gewaltigen Idealismus der zionistischen Bewegung zu sprechen, oder, wie Dr. Weizmann es tat, zu sagen, ״die Einwanderung müsse von makroskopischer und nicht mikroskopischer Größe sein“; aber eine ganz andere Sache ist es, wie die zionistischen Ideale verwirklicht werden können ohne den Fehler, auf welchen der Vorsitzende anspielte. Neuerdings treibt jedermann Lippendienst mit dem Ziel einer arabischjüdischen Annäherung, aber nur ganz wenige scheinen bereit zu sein, um dieses uberwichtigen Zieles willen auch O p t e r zu bringen. Daß es Fälle guter Beziehungen zwischen Arabern und Juden in Palästina gibt, ist eine erfreuliche Tat- Sache; das Beunruhigende besteht darin, daß nicht mehr Anstrengungen gemacht werden, um diese Fälle zu vermehren. Wie die Zionistische Exekutive mitteilt, ist das weitere Er* scheinen des hebräischen Organs, ״Haolam“, dessen Ein- Stellung für den 1, April d. J. vorgesehen war, in der Weise gesichert worden, daß eine leistungsfähige Firma die Herausgabe des ״Haolam“ auf eigenes Risiko gegen einen jährlichen Beitrag der Zionistischen Organisation von 1290 Pfund übernimmt. Die Exekutive hat sich zur Zahlung dieser Subvention bis zum , 31, Dezember 1932 verpflichtet