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Jüdische Rundschau · 1931-05-20 · Heft 40-41 (20.5.1931) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 40-41 (20.5.1931)
Date
1931-05-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40/41, 29. V. 1031 J UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 253 Hygienische Propaganda Ein ״ProzeJj“ über DJaentcrfö (Von unserem palästinensischen Korrespondenten) AO Tel-Awiw, 13. Mai »31. In den Institutionen der Arbeiter, in den Zeitungen und in besonderen Plakaten wurde in dieser Woche das Publikum Tel-Awiws zu einem Prozeß eingeladen, der eigenartig in seiner Art war. Veranstalter des Prozesses war die Arbeiterkranken־ kasse, Angeklagter ein an Disenterie Erkrankter, und rerschiedene Aerzte waren als Zeugen vorgeladen. Am bestimmten Abend war der große Saal dicht gedrängt von Hörem, vor allem Arbeitern, die mehrere Stunden hindurch mit großer Anteilnahme diesem ״Prozeß“ folgten. In Frage und Antwort entrollte sich ein Bila der hygienischen Verhältnisse der Stadt und Versuche zur Besserung der Lage, aus dem das Publikum viel lernen konnte. Die Krankenkasse hat gelegeirtMch ebenso wfe die anderen sanitären jüdischen Institutionen versucht, aut die Fragen der öffentlichen Gesundheitspflege aufmerksam zu machen. Man hat billige Broschüren herausgegeben, gelegentlich populäre Vorträge veranstaltet und die Aerzte haben in ihren Sprechstunden auch damit zu tun, ihre Patienten über die ErfOrder• nisse der Hygiene aufzuklären. Dennoch waren die Erfolge nicht genügend. Es ist nicht besonders anziehend, eine Broschüre über Malaria oder Typhus zu lesen, auch nicht besonders interessant, an einem freien Abend in eine derartige Vorlesung zu gehen. Es gibt — besonders iu den Städten — vieles andere was attraktiver wirkt, vom Kino angefangen bis zu politischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. So hat es die Krankenkasse versucht, einmal eine ״sensationelle“ Form für ihre Aufklärungsarbeit zu finden und hat den im Lande beliebten Weg gewählt, einen ״Prozeß“ zu fingieren, wo der Kranke vor der Gesellschaft und der Krankenkasse als Angeklagter erscheint und ihm nachgewiesen wird, wie er die Infektion hätte vermeiden und was er sofort hätte tun können, als das Unglück einmal geschehen war. Wie gut dieser Einfall war, bewies der ungeheure Andrang bei der Veranstaltung und das lebendige Interesse, das sie bei allen Hörem fand. Man kann sich int Ausland wohl kaum eine Vorstellung davon machen, eine wie ungeheure Arbeit auf dem Gebiete der Hygiene im Lande zu leisten ist und zum Teil auch geleistet wird. Der Europäer — vor allem der aus dem Westen — ist an die Grundlagen öffentlicher Gesundheitsfürsorge so gewohnt, daß er sie als selbstverständlich betrachtet und kaum mehr bemerkt Kontrolle der zum Verkauf gebrachten Lebensmittel, genügende Kanalisation, Beschaffung einwandfreien Trinkwassers, völlige Isolierung bestimmter als infektiös erkannter Krankheiten — das ist ihm das ABC der Zivilisation. Vor der jüdischen Einwanderung kannte Palästina nur sehr wenig von alledem. Wassermangel an vielen Stellen — man denke nur an die Hauptstadt des Landes! — die große Ausbreitung der Malariaherde lieferten eine unversiegliche Quelle für Krankheiten. Bedenkt man weiter, daß Typhns und Disenterie im Lande endemisch sind, daß eine wirklich effektive Trachombekämpfung erst im letzten Jahrzehnt eingesetzt hat, so wird man sich ein Bild von der Größe der hygienischen Aufgaben machen können. Für die jüdischen Einwanderer wurden die Schwierigkeiten noch in mancher Weise verschärft. Sie hatten nicht nur mit den im Lande bestehenden Krankheiten zu rechnen, sondern auch mit einem gelegentlich schwierigen Akklimatisationsprozeß. Sie mußten sich umstellen in ihren Lebensgewohnheiten, hatten zu lernen, sich mit anderen Wohnverhältnissen abzufinden, andere Nahrung zu sich zu nehmen, verschiedene Vorsichtsmaßregeln zu gebrauchen. Jeder Palästinenser hat seine zura Teil erstaunlichen Erfahrungen auf diesem G|!hiet,,. die ihn gelehrt haben, auf wieviele kleine Dinge es ankotnnrt, von der Sterilisierung des Trinkwassers an bis zum genauen Säubern aller Früchte, zur Benutzung von Moskitonetzen in malariaverdächtigen Gegenden usw. Nimmt man noch dazu, daß ein großer Teil der Siedler Jahre hindurch unter Bedingungen leben und arbeiten mußte, die ihm so gut wie keine Prophylaxe gestatteten und ihm nur eine sehr minderwertige Ernährung erlaubten, daß ein Teil derer, die aus dem Osten Europas und fast alle, die aus dem Orient kamen, noch die ersten Grundlagen der Hygiene zu lernen hatten, so wird man die Bedeutung der Aufklärungsarbeit richtig würdigen. Es ist bekannt, wie Vieles und Großes während des letzten Jahrzehnts durch die jüdischen sanitären Institute geleistet worden ist. Und doch wird man gerade um diese Jahreszeit daran erinnert, wieviel noch zu tun bleibt. Mit dem ersten Einsetzen der Hitzewellen spürt man In Städten und Kolonien ein sprunghaftes Herausschnellen der Krankheitsziffern. Typhus und Disenterie, die immer im Lande endemisch sind, beginnen sich auszubreiten. In den Laboratorien und Krankenhäusern drängt die Arbeit und trotz aller Vorsicht gibt es natürlich keinen hundertprozentigen Schutz. In dem genannten Prozeß war ein typischer Fall konstruiert, der in den Sommermonaten sich in einer Stadt wie Tel-Awiw zu Hunderten wiederholt. Ein Arbeiter kauft auf der Straße Früchte, ißt sie ungewaschen, erkrankt an Disenterie, geht erst nach drei Tagen zum Arzt, weil er glaubt, es würde auch so vergehen, unterdes steckt sich ein Kind an, und das Elend ist da. Wieviele befinden sich dann in der Lage der Frau des ״Angeklagten“, die den Haushalt besorgen, die Kranken in dem einen Zimmer der Baracke pflegen und noch auf sämtliche Regeln der Desinfektion und Prophylaxe achten muß, von denen sie vielleicht noch nie in ihrem Leben etwas gehört hat Gerade weil solche Fälle noch immer so häufig Vorkommen, ist eine weitgreifende Aufklärung von ungeheurem Werte. Denn wenn es auch keine hundertprozentige Sicherheit gegen Ansteckung in den bestehenden Verhältnissen gibt, so läßt sich durch Kenntnisse und Vorsicht doch vieles vermeiden. Viele der Hörer in diesem Prozeß haben rieh gefragt, wie nicht nur eine Besserung, sondern eine radikale Aenderung der Verhältnisse erreicht werden kann. Die Antwort kann nur laufen: in einer umfassenden Zivllisierung des Landes. So wie sich Malaria nur ausrotten läßt, wenn alle ihre Nester vernichtet werden, so wird sich Typhös und Disenterie nur vermeiden lassen, wenn überall im Land eine einwandfreie Trinkwasserversorgung und Lebensmittelkontrofle ermöglicht wird. Das bedeutet eine Fürsorge für das ganze Land. Schlechte Gesundheitsverhältnisse unter den arabischen Bauern müssen aut die jüdischen Siedlungen zurückwirken, mangelnde Lebensmittelkontrofle in Jaffa gefährdet Tel-Awiw und so bis in alle Einzelheiten. Hier rollt sich eine der großen Aufgaben der Mandatsregierung auf, der sie bisher nur sehr schwach gerecht geworden ist. Die Pionierarbeit der Juden auf hygienischem Gebiete hat bereits vieles geändert und auch auf die Araber anregend gewirkt Sie muß aber fragmentarisch bleiben, wenn es ihr nicht gelingt, die Regierung zu einer hygienischen Tätigkeit im ganzen Land und in weitestem Maßstabe zu veranlassen. BriefeJ. Ch. Brenners. Wir werden um Veröffentlichung folgender Zeilen ersucht: Demnächst soll ein Band ai&gewählter Briefe von J. Ch. Brenner erscheinen. Jeder Besitzer von solchen Briefen wird daher gebeten, sie möglichst bald an folgende Adresse einzusenden: M- Posn anski, Rechow Eliezer ben-Jehuda 47, Tel-Awiw, Palästina. Es wird betont, daß jeder Brief von sachlichem oder mindestens biographischem Interesse ist und umgehend zuräckgesaadt wird. Richard Fluldschincr Erst mit 36 Jahren kam er zu uns; dann aber mit dem Feuereifer, wie einer unserer Jüngsten. Damals, als wir selbst noch Adressen schrieben und uns keine Kleinarbeit zu gering war, stand auch er mitten in unseren Reihen. Der 9, Kongreß sah seinen feinen langen Kopf mit dem schon damals melierten Spitzbart als Leiter des Kongreßbüros. Auf dem 10. Kongreß und auf dem Posener Delegiertentag vertrat er Hamburg. Unvergeßlich bleibt sein großangelegter akademischer Vortrag über nationales Judentum, den er 1512 vor tausenden Zuhörern der Hamburger jüdischen Gesellschaft hielt; sein Korreferent war Prof. Wassermann, Es war sein zionistischer Schwanengesang. Er war Arzt, aber er war es nicht gern. Sein Leben galt der Feder und dem Buch. Aber es war eine stille und unglückliche Liebe. Die besten Verlagsanstalten gaben seine Bücher heraus; aber der große Publikumserfolg blieb 808. Doch die Schriftstellerkollegen erkannten ihn als Dichter an. Er war Vorstandsmitglied der Deutschen Dichter-Gedächtnis- Stiftung. Sein Roman ״Die stille Stadt“ läßt uns seine Jugend in seinen geliebten Tiroler Bergen ahnen. ״Jephtas Tochter“, seinerzeit im ״Ost und West“ erschienen, war ein gelungener Versuch, biblischen Stoff zu dramatisieren. ״Starkenberg“ verrät den Mediziner; aber wohl sein größter Roman bleibt ״Der Tod der Götter“, der Zusammenbruch einer Welt, der Anbruch einer neuen. Welches war seine? — Dann dichtete er noch anläßlich Herzls 10. Todestag eine Ode ״An Juda“, die der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. — Nach einjähriger Weltreise, die er als Schiffsarzt der Hapag machte, wollte er einen neuen Roman schreiben und das verwenden, was er gesehen lind erlebt hatte. Er schrieb ihn nicht mehr, denn der Krieg brach aus. Mit den Tiroler Kaiserjägern zog er als Regimentsarzt in seine Berge. Dort ging er uns als Zionist verloren. Nicht aber als Mensch und Freund. Wissen wir, welche inneren Kämpfe sich dort oben in den weltabgeschlossenen Felsspalten, erreichbar nur über hundertfach zerschossene Schwebebahn-Drähte, abspielten? Die Kriegserlebnisse sterilierten ihn. Er schrieb nichts mehr. Er wurde einsam. Erst in München, später in Innsbruck war er Korrespondent eines Berliner Zeitungsunternehmens, aber auf Gebieten, die seiner wirklichkeitsfernen Einstellung nicht lagen. Er litt seelisch und körperlich. Seit Jahren war er schwer zuckerkrank. Zuletzt hörte ich von ihm im letzten Herbst, dann wurde es still, und jetzt ist er es für immer. Richard Huldschiner war für uns Hamburger Freunde wie das Leben einer Agave: Aus der stolzen Pflanze brach der reifende Schaft kraftstrotzend hervor, wurde größer und größer, erblühte in unerhörter Schönheit — und sank um. Leopold Landau. Aus den Gemeinden Das Polizeipräsidium Berlin hat die gegen die am 30. November 1939 vorgenommenen Wahlen für die Berliner Jüdische Gemeinde efngebrachten Einsprüche nach vorangegangenen Ermittelungen abgewiesen. Hierdurch erscheint das Ergebnis der Wahlen vom 30. November 1930 bestätigt. Mit der Einberufung der Repräsentantenversammlung in der neuen Zusammensetzung ist für die nächsten Tage zu rechnen. Ein neues jüdisches Erziehungsheim wurde am 20. d. M. in Berlin, Holzmarktstr. 64, eröffnet. Das neue Heim verdankt sein Entstehen dem Deutsch-Israelitischen Oemeindebund und der ,,Aktion für Arbeit und Unterricht der deutschen Juden‘'. Es ist eine Ergänzung des Heimes in Wolzig. Um die Aufbringung der Mittel hat sich der Geschäftsführer der Aktion, Alfred Berger, hervorragende Verdienste erworben. Bei der feierlichen Einweihung sprachen Prof. Dr. Sobernbeim namens des Gemeindebundes, ein Vertreter des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde und Dr. Lubinski. Am Schluß der Feier verlas Alfred Berger die zahlreich eingelangten Begrüßungsschreiben. Duisburg. Die jüdische Gemeindevertretung unternahm es in der Sitzung vom 19. Mai, unwürdigen Zuständen im Gemeindeleben ein Ende zu machen. Mit anonymen und ״offenen“ Briefen war in letzter Zeit gearbeitet worden, um Gemeindebeamte, den Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Dr. Harry Epstein, die hiesigen Zionisten, das Zentralkomitee der Poale Zion in Berlin und Herrn S. Rudel in den Schmutz zu ziehen. Die Unwahrheit sämtlicher Anwürfe wurde Punkt für Punkt nachgewiesen. Die Verhandlungen stellten eine fürchterliche moralische Stäupung eines kürzlich gewählten, aus der Partei der Poale Zion und dem Ostjudenverband inzwischen ausgeschlossenen Gemeindevertreters dar. Von den Liberalen wurde ein Vertrauensvotum für Dr. Epstein eingebracht, der jedoch bat, davon Abstand zu nehmen. Die Gemeindewahlen in Warschau. Warschau, 28. Mai. (J.T.A.) Bei den gestern durchgeführten Wahlen in Warschau war wider Erwarten die Wahlbeteiligung verhältnismäßig schwach. Nur 32 0/0 der 69 431 Wahlberechtigten schritten zur Urne. Das Ergebnis der Wahlen ist: Agudas Jisroel 19, Zionisten 12, Misrachi 4, die Partei der Unparteiisch-Religiösen 3, die Polen mosaischer Konfession 2, die Demokraten 2, die Gruppe der Grodzisker Chassidim 2, die von Prilucki geführte jüdische Volkspartei (Folkisten) 2, die Linke Poale Zion, der Verein Chefez schel Emes, die Altstadt-Gruppe, die Gruppe der Hauswirte erhielten je ein Mandat. Die Agudas Jisroel hat gegen früher zwei Mandate gewonnen, die Zionisten haben zwei Mandate verloren. Insgesamt gelangen 50 Mandate zur Verteilung. Nach dem jetzigen Wahlausgang verfügt keine Partei samt ihrem Splitteranhang über eine absolute Majorität, so daß verschiedene Kombinationen bezüglldr der Bildung von Koalitionen bestehen. Persönliches. Justizrat Dr. Bla«, Frankfurt a. M., Mitglied des Administrativ-Komitees der Jewish Agency und des Ica-Direktoriums, feiert in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat an die jüdische Presse ein Schreiben gerichtet, worin er bittet, von Festartikeln aus diesem Anlaß abzusehen. Indem wir diesen Wunsch respektieren, beschränken wir uns darauf, festzustellen, daß die jüdische Oeffentlichkeit, auch soweit sie durch unser Organ repräsentiert wird, an dem Festtage Dr. Blaus mit herzlicher Sympathie Anteil nimmt. — Bruno Asch, der neugewählte Stadtkämmerer von Berlin und Mitglied des Councils der Jewish Agency, wurde durch den Tod seines Vaters I® Trauer versetzt. Das deutsche Initiativ-Komitee für die Jewish Agency hat sich auf der Beisetzung vertreten lassen, wir sprechen Herrn Asch auch unsererseits das Beileid aus. — Prälat Kaas, der Vorsitzende der Zentrumspartei, feierte in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag. Kaas ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Komitee Pro Palästina und hat der zionistischen Bewegung stets Sympathie und Interesse entgegengebracht. _ Julian W. Mack tut sich nach Europa zur Teilnahme am XVIL Zionisten kongreß begeh«. Sitzung der Politischen Kommission Die Politische Kommission der Zionistischen Organisation wird am Sonntag, dem 31. Mai, in London eine Sitzung abhalten, auf der zu den Vermittlungsvorschlägen der englischen Regierung In der Frage der Durchführung der Landentwickumg Stellung genommen werden soll. Dr. Weizmann wird, wie wir hören, an dieser Sitzung nicht teilnehmen können, da er wegen seines Gesundheitszustandes auf einige Tage In ein Sanatorium sich begeben mußte. Einige Mitglieder der Politischen Kommission hielten in der vergangenen Woche in Berlin unter dem Vorsitz von Mot zkin eine Beratung ab, bei der auch Brodetsky aus London, Grünbaum aas Warschau und Sprin zak aus Palästina anwesend waren. Oberhaosdebatte Ober den Mittleren Osten London, 22. Mai. (J.T.A.) Am 20. Mai fand ira englischen Oberhaus eine Debatte über die Schaffung eines eigenen Ministeriums für den Mittleren Osten statt. Lord Trenchard, deT einen diesbezüglichen Antrag stellte, wies darauf hin, daß nicht weniger als drei Regierungen des Empire und sechs Ministerien, nämlich das Kriegsministerium, die Admiralität, das Luftschiffahrtsministerium, das Ministerium für Indien, das Außenministerium und das Kolonialamt sich mit dem verhältnismäßig kleinen Teil des englischen Weltreichs, der Arabien, Irak, Transjordanien und Palästina umfaßt, zu beschäftigen haben. Im Hinblick auf die rapide zivilisatorische Erschließung dieses Gebiet«, das für die Verbindung zwischen England utwl Aegypten, Indien, Australien, Neuseeland, Singapore und Hongkong von besonderer Bedeutung ist, sei es wünschenswert, daß es nur einem Ministerium unterstehe. Der Vorschlag Lord Trenchards wurde von dem ehemaligen High Comimssioner für Palästina, Feld marschall Lord Pliimer, vom ehemaligen High Commissianer für Aegypten, Lord Lloyd, vom früheren Generalgouverneur von Australien, Lord Stonehaven, und vom ehemaligen Gouverneur von Bombay, Lord Laming ton, unterstützt. Lord Fassfie’ld wies auf die Schwierigkeiten hin, die der Unterstellung des gesamten Mittleren Ostens unter ein einziges Ministerium wegen der vollkommen verschiedenen Verhältnisse in den einzelnen Teilen dieses Gebietes entgegenstehen. Während z. B. Palästina mit gewissen Einschränkungen wie eine Kronkolonie verwaltet werde, seien Zentralarabien unter Ibn Saud und eine Reihe von Staaten am Persischen Golf faktisch unabhängige Reiche. Es sei eine Organisation der Verwaltung unter der Leitung des Kabinetts geschaffen worden, die zufriedenstellend arbeite, soweit dies unter so schwierigen Verhältnissen möglich sei. Nach dieser Erklärung Lord Passfields zog Lord Trenchard seinen Vorschlag zurück. Der Irak Petrolemn -Vertrag Der Vertrag zwischen der Irak-Petroleum-Qesellschaft und der Irak-Regierung über die Errichtung der Mossul-Oelleitung wurde dieser Tage vom irakischen Parlament ratifiziert. Dieser Akt stellt den endgültigen Abschluß der Verhandlungen zwischen der Irak-Regierung und der Petroleum-Gesellschaft dar. Die Oelleitung, deren Bau sofort in Angriff genommen werden soll, wird von Kirkuk aus an das Mittelraeer mit einem Endpunkt in Haifa und einem in Tripoli geführt werden. Der in Haifa endigende Zweig der Oelleitung wird durch Trans- Jordanien über den Jordan und durch den JI®ek Jesrenl, der in Tripoli endende durch französisch-syrisches Gebiet gelegt werden. Beide Zweige der Oelleitung sollen im Jahre 1935, die Zweigleitung nach Haifa 6 Monate später als die nach Tripoli fertiggestellt sein. ________ In der Appellations-Verhandlung des Keren Kajemeth gegen die Entscheidung des Londoner Gerichtes (s. ״L R.“ Nr.» d. J-), wonach der KKL auf Befreiung von der Einkommensteuer, keinen Anspruch habe, wurde am 21. Mai ctie Berufung des KKL abgewiesen und das erstinstanzliche Urteil bestätigt. Der KKL wurde durch Sir John Simon vertreten. Nationalsozialistische Ausschreitungen. Am 17. Mai fanden in Danzig schwere Ausschreitungen von Nationalsozialisten gegen jüdische Passanten statt. Am gleichen Tage überfielen nationalsozialistische Trupps eine Gruppe junger Dan zige r Zionisten bei der Rückkehr von einem Seeausflug und verletzten einige Ausflugsteilnehmer so schwer, daß diese ins Krankenhaus überführt werden mußten. Die Nazis flüchteten nach dem Ueberfall in bereitstehenden Lastautos. — Bei den Wahlen in die Sächsische Landwirtschaftskammer vereinigten die Nationalsozialisten die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen auf sich. Wenn die von der Regierung ernannten Mitglieder der Kammer nicht ausgesprochene Gegner der Nationalsozialisten sein werden, so werden die Nazis in dieser Körperschaft die a b s o 1 u t e M e h r h e i t haben. — Die allgemeine nationalsozialistische Judenhetze hat sich in den letzten Tagen noch verstärkt. Die Erörterungen über die Reparationsfrage geben dem ״Völkischen Beobachter“ Anlaß, davon zu sprechen, daß von nun ab das deutsche Volk für die ״Basler Judenbank“, gemeint ist die Bank für internationale Zahlungen, schuften soll. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Aprilnummer der ״Nationalsozialistischen Monatshefte“, Alfred Rosenberg, Strafantrag wegen Beschimpfung der jüdischen Religion gestellt. In der Aprilnummer der ״Nationalsozialistischen Monatshefte“ war ein Aufsatz veröffentlicht, der die gröblichsten Beschimpfungen gegen die jüdische Religion enthielt. Insbesondere war in dem Artikel ausgeführt, daß durch den Talmud die Juden zu einer einheitlich handelnden Betrugsgemeinschaft verbunden seien. In Mexiko soll im Verlaufe der außerordentlichen Tagung des mexikanischen Kongresses auch das jüdische Problem zur Sprache kommen. Die jüdisch-mexikanischen Führer beabsichtigen, dem Kongreß ein Memorandum zu unterbreiten. In jüdischen Kreisen hält man einen Erfolg dieser Aktion für zweifelhaft. Es wird vielfach befürchtet, daß ähnliche Verfügungen wie gegen die jüdischen Straßen- und Markthändler in absehbarer Zeit auch gegen die übrigen jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufleute erlassen werden. Der Kampf gegen die Ausländer in U.S. A, Das Parlament des Staates Michigan hat ein Gesetz angenommen, demzufolge die Ausländer die Rechtmäßigkeit ihres Aufenthaltes im Lande nachzuweisen haben. Diese Maßnahme soll dem Immigrationsdepartement die Aktion zur Deportierung illegal eingewanderter Personen erleichtern. Außerdem dürfen Ausländer ohne Registrierungskarte nicht beschäftigt werden. Durch diese Maßnahmen werden hunderttausend Ausländer betroffen. Da sich darunter auch viele Juden befinden , hat das ArnerieanJewishCommitteean den Gouverneur von Michigan die Aufforderung gerichtet, wegen der Verfassungswidrigkdt des vom Parlament be8djk*6ä»en Gesetzes diesem sein Veto entgegenzustelleo.

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