Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 40-41 (20.5.1931)
- Date
- 1931-05-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 252 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40/41, 29. V. 1931 Frauen -Arbeit für Palästina Delegierteniag Am 14. Mal fand im Sitzungssaal der Zionistischen Vereinigung für Deutschland der II. Delegiertentag des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästina■ Arbeit statt» dem am Vorabend ein für alle Teilnehmer besonders wertvolles Beisammensein der Delegierten und Gäste im Hause von Frau Dr. Halpern, mit zwanglosen Aussprachen und Palästinaberichten von Frau Sanitätsrat Davidsohn und Frau Anitta Müll er־Coh en, vorangegangen war. Der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Kurt Blumenfeld, würdigte in seiner Begrüßungsansprache die besondere Bedeutung der Frauenarbeit in der Entwicklung Palästinas und erstattete ein außerordentlich instruktives Referat über die Situation in Palästina und neue Wege der zionistischen Arbeit. Die Tagung, unter der abwechselnden Leitung von Frau Dr. Marie Mayer, Frau Edith Hirsch und Frau Dr. T u r - nowsky, erbrachte den Beweis, daß die Befürchtungen, die von vielen Seiten gegen die im November 1929 vorgenommene Fusion des Bundes Zionistischer Frauen und des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina vorgebracht wurden, sich nicht erfüllt haben. Ein Austritt ״neutraler“ Mitglieder ist in keiner Gruppe in nennenswertem Umfange erfolgt, die Gesamtmitgliederzahl des Verbandes ist in der Berichtszeit gestiegen, und das gegenüber der Wizo übernommene Palästina- Budget voll aufgebracht worden. Die zentralen Forderungen für die Gestaltung der Erziehungsarbeit werden, wie aus den von den Delegierten erstatteten Berichten hervorging, bei weitem noch nicht von allen Gruppen erfüllt. Es besteht aber die begründete Hoffnung, daß der Austausch von Erfahrungen und Anregungen des Delegiertentages sich auch in dieser Be- Ziehung günstig auswirken wird. Besonderes Interesse fanden in diesem Zusammenhang ein Referat von Frau Recha Freier: ״Ausblick und Entwickhmgsmöglichkeiten“, das neue Gedanken über Notwendigkeit und Möglichkeiten der Volksarbeit enthielt, und Vorschläge von Frau Rose Battsek auf Grund der bei der Berliner Arbeit gemachten Erfahrungen über ״Neuwerbung von Mitgliedern“ und ״Veranstaltungen zum Zwecke der Geldaufbringung“. Der Vorbereitung der Wizo-Weltkonferenz diente ein eingebendes Referat von Frau Jenny Blumenfeld, das in folgendcr einstimmig angenommener Resolution gipfelte: ״Der Delegiertentag des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit in der Weltorganisation Zionistischer Frauen billigt die Beschlüsse der Siebener-Kommission über die organisatorische Struktur und den inhaltlichen Charakter der Wizo. Von der Erkenntnis ausgehend, daß die Entwicklung der Judenfrage in allen Lindern der Welt das jüdische Volk zwingt, ein autonomes, den wahren Bedürfnissen jüdischer Entwicklung entsprechendes jüdisches Volksleben in Palästina zu schaffen, schließt er zionistische und nichtzionistische Frauen ln gemeinsamer Arbeit zusammen. Dabei erblickt der Delegiertentag, tat der Ueberzeugung, daß der Zionismus ein elementares Bedürfnis des um seine innere Freiheit kämpfenden Judentums ist, das notwendigste Ziel der Erziehungsarbeit unseres Verbandes ln der zionistischen Durchbildung und in der inneren Entscheidung seiner Mitglieder zum Zionismus.“ Frau Dr. Holzer, Chemnitz, erstattete ein Referat über <fie KKL-Arheit innerhalb der Wizo, deren Bedeutung im Verband immer mehr gewürdigt wird. — Frau Dr. Turnowsky wies in einem kurzen Bericht auf die Notwendigkeit hin, einen Fonds zu schaffen, der einen vergrößerten Absatz von Palästina- Handarbeiten ermöglicht. Zur Frage der Ausgestaltung der Propaganda wurde nach einem Bericht von Frau Blumenfeld beschlossen, ein monatliches Korrespondenzbl^t unter der Leitung von Fräulein Rose Greitenhagiii zu schaffen, das die Gruppen im Reich informiert und die Möglichkeit zur Diskussion gibt. Einen Hauptpunkt der Verhandlungen bildete die Frage des Zusammenschlusses der Misrachi-Frauen-Gruppen neben der Wizo. Die einleitenden Referate über diese Aussprache erstatteten Frau Dr. Turnowsky und Frau Möller, Hamburg. Frau Anitta Müller-Cohen begründete die Notwendigkeit der Schaffung einer Zentrale der Misrachi-Frauen-O rappen einmal mit Rücksicht auf die Palästina-Arbeit und des weiteren auf die Erziehungsarbeit im Galuth, und setzte sich mit ihrer scharfen Kritik an der von der Wizo in dieser Beziehung geleisteten Arbeit in Widerspruch zu der großen Mehrheit der Teilnehmerinnen der Konferenz. Zum Abschluß der Diskussion über die mit dieser Frage zusammenhängenden Probleme wurde die von der Wizo-Gruppe Frankfurt a. M. eingebrachte Resolution angenommen: ״Es ist uns bekannt geworden, daß die religiös-zionistisehen Frauen innerhalb der Wizo die Forderung nach einem Meschek Poaloth aufgestellt haben, in dem die Chaluzoth, die sich in den bestehenden Meschakim in ihrer religiösen Art und Welse nicht ausleben können, die Möglichkeit haben, ihrer Einstellung gemäß ihr Leben zu führen. Die Wizo, die den berechtigten wünschen der zionistischen Frauen aller Richtungen gewiß Rechnung tragen will, wird sich dieser Forderung nicht verschließen können. Wie uns berichtet wird, haben bereits prinzipielle Besprechiuigen über diese Angelegenheit mit führenden Frauen der palästinensischen Wizo stattgefunden, die den Ernst der Sachlage kennen und ihre Unterstützung zugesagt haben. Aus den oben angeführten Gründen stellen wir den Antrag, den religiösen Chaluzoth einen Meschek Poaloth zur Verfügung zu stellen, evtl, durch Zusammenlegung bestehender Meschakim einen solchen freizumachen.“ Ferner wurde vorgesehen, daß eine Kommission der Wizo mit Vertreterinnen der Misrachi-Frauen-Gruppen über Möglichkeilen der Zusammenarbeit verhandelt. Ueber die Mitarbeit in neutralen Verbänden, vor allem im Jüdischen Frauenbund, referierte Frau Edith Hirsch, die der Meinung Ausdruck gab, daß die dem Verband angehörenden Frauen Kurse und Vorträge in erster Linie in ihren Verbandsgruppen abhalten sollten. Nach Besprechung einiger organisatorischer Fragen, Statutenänderungen usw. und Anhörung des Kassenberichts erfolgte die Entlastung des bisherigen Vorstandes und die Wahl des neuen Vorstandes, der sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzt: Frau Jenny Blumenfeld, Frau Dr. Eschelbach er, Frl. Betty Frankenstein, Frau Recha Freier, Frl. Rose Greifenhagen, Frau Emily Halpern, Frau Edith Hirsch, Frau Dr. Marie Mayer, Frau Marg. Turnowsky, Frau Lina Wagner-Tauber, Frau Prof. Warbürg, Frau Siddy Wronsky, sämtlich Berlin, Frau Martha Frinkel, Beuthen, Frau Else Jacobsohn, Breslau, Frau Clara FeWmann, i. V. Frau Betty Landau, Danzig, Frau Henny Winter, Dresden, Frau Anna Levy, Duisburg, Frau Paula Frenke!, i. V. Frau Loew-Tachauer, Frankfurt a. M., Frau Margarethe Flörsheim, i. V. Frau Hedwig Möller, Hamburg, Frau Margarete Tietz, Köln (Rh.), i. V. Frau Dr. Adler-Goldstein, Frau Hadassa Chamizer-Leipzig, Frau Grete Kahn, Nürnberg. Trotz zehnstündiger Verhandlungszeit war es leider nicht möglich, alle Punkte der Tagesordnung, vor allem die Frage der Gründung und des Ausbaus von Jugendgruppen innerhalb der Wizo, zu erledigen. Zum Delegierienfag Seit der Gründung des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit sind etwa D/a Jahre vergangen; damals war der Beschluß gefaßt worden, den alten neutralen Kultur- Verband und die seit einigen Jahren entstandenen Gruppen des Bundes Zionistischer Frauen in einem, Zionistinnen und Nichtzionistinnen umfassenden Verband als deutsche Föderation der Wizo zu vereinigen. Dieser Beschluß wurde scharf kritisiert. Viele Gruppen des Bundes Zionistischer Frauen furchteten, zu unehrlicher und unintensiver Arbeit gezwungen zu werden. Viele Kultur-Verbandsgruppen fürchteten, durch den Anschluß an die Wizo ihre neutralen Mitglieder zu vertieren und durch den Ausbau des Gruppenlebens geringere Mittel als bisher nach Palästina überführen zu können. Die Vertreter der Fusion hatten dagegen eine Verstärkung der Gesamtbewegung erwartet. Dieser erste Delegiertentag, der die Entwicklung des Verbandes widerspiegelte, wird von den einzelnen Teilnehmern sehr verschieden beurteilt werden. Es gibt Zuhörer, die nichts als das Unzulängliche hörten, andere, die eine deutliche Aufwärtsbewegung sahen. Objektiv kann wohl folgendes festgestellt werden: Die Befürchtungen, die bei der Verbandsgründung bestanden, haben sich im allgemeinen als unberechtigt erwiesen: Kaum ein einziges nichtzicmistisches Mitlied ist ausgetreten, weil der Verband Wizo-Föderation wurde; er Mitgliederkreis hat sich im Gegenteil erheblich erweitert. Die früher in den Landgruppen organisierten Zionistinnen haben ihre Schulungsarbeit, ihren Zusammenschluß, ihre Hilfsarbeit für die Zionistische Organisation nicht aufgeben müssen, sondern haben im Gegenteil durch die vergrößerte und vereinheitlichte Arbeit neue Impulse bekommen. Die Geldaufbringung ist nicht zurückgegangen; während im letzten Jahre vor der Fusion durch den Kultur-Verband £ 250 an die Wizo und zirka £ 300 an die Histadruth Naschim abgeführt wurden, hat der Verband 1930 £ 800 für das Frauenwerk in Palästina überwiesen. Trotzdem hinterließen fast alle Gruppenberichte das quälende Gefühl der Unzulänglichkeit. Es müßte möglich sein, die Mitgliederzahl zu verzehnfachen, mutiger hervorzutreten, die Menschen tiefer zu verbinden. Die Gefahr der schweren Kleinarbeit in den Gruppen liegt darin, daß der Kreis der Gedanken fest Umrissen ist, daß alles Schwere unmöglich erscheint. Eine Frau von der Kraft und aufbauenden Leiden- Schaft von Anitta Müller mußte diese Unzulänglichkeit empören: sie hat oft bewiesen, daß das undurchführbare Geglaubte durchgeführt werden kann. Aber sie irrte bei ihren Angriffen in zwei Punkten: Die Vergrößerung der Bewegung kann nur dadurch geschehen, daß mch ihr alle zur Führung berufenen Menschen und alle zionistisch ergebenen Frauen verbinden, nicht indem eine Zerspaltung der Kräfte erfolgt. Und sie übersieht, daß sie in diesem Kreis wohl an schaffender Kraft, nicht aber in der Forderung des Absoluten und ln der Größe des als Ziel Gesehenen allein steht. Der Delegiertentag litt an der Festlegung einer zu kurzen Verhandlungszeit. Trotz intensivster Arbeit von zehn Stunden konnten wichtigste Fragen — z. B. die entscheidend wichtige Frage der lugendgruppen — überhaupt nicht behandelt, andere, wie die für die weitere Entwicklung grundlegende Frage der Volksarbeit, nur gestreift werden. Bedeutsam war die Annahme der von der. Frankfurter Gruppe eingebrachten Resolution, weil sie zwar keine Einigung mit den getrenntem Misrachignippen brachte, aber die Werbindung zwischen den Wizo-Frauen der verschiedenen Riehtungen bewies und festigte. Ebenso wichtig war die einstimmige Annahme der Resolution, durch die das Wesen des Verbandes als Wizo-Föderation noch klarer als bisher zum Ausdruck kommt. Organisatorisch von Bedeutung war der Beschluß, ein monatliches internes Korrespondenzblatt zu schaffen, das die einzelnen Gruppen über die Arbeit im Reich besser informiert und die Möglichkeit zur Diskussion gibt. Der größte Wert des Tages lag aber an der Auffrischung und Aufrüttelung der leitenden Menschen. Die Delegiertem verstanden, daß die Frauengruppen zu entscheidenden Kräften für Palästina und das Judentum werden können, daß sie aber hierzu ihre Arbeit erneuen und in weitere Kreise vorstoßen, alle Energien aktivieren und zusammenfassen und zielklarer arbeiten müssen als bisher. M. T-P׳. Zur Weltkonferenz der Wiro Von Ada Fischman- Die bekannte palästinensische Arbeiterführern *endet uns nach• stehende Anregung cur Veröffentlichung. Von anderer Seite ist der Vorschlag ausgeqanqtn, die Wico möge die finanzielle Fürsorge für das Ereiehungswesen, das non der Jewish Agency nicht gehalten werden kann, übernehmen. Ein Jahrzehnt fruchtbarer und schöpferischer Arbeit.hat die Weltorganisation Zionistischer Frauen (Wizo) hinter sich. Im Laufe dieser Periode ihrer Tätigkeit verstand es die Wizo, die Aufgabe, die sie auf sich nahm — die Ausbildung der jüdischen Frau zur landwirtschaftlichen Arbeit im Lande, die Sorge für Mutter und Kind in Palästina und für rationelle Ernährung — zu erfüllen. Sie begnügte sich nicht mit der gewöhnlichen Arbeit der Frauenorganisationen, die sich hauptsächlich philan• thropischen oder sozialen Fürsorgeaufgaben widmen, sondern schlug einen neuen Weg ein: den der konstruktiven Arbeit und Ausbildung der Frau in der jüdischen Heimat. Der besondere Aufgabenkreis der Wizo rechtfertigt ihre Existenz als besonderer Frauen verband; sie hat einetn wes entliehen Mangel in unserem Arbeitssvstem im Lande abzuhelfen, ihr obliegt die Eroberung der breiten Kreise jüdischer Frauen für den Zionismus und für die konstruktive Arbeit am Aufbau des Volkes in der Heimat. Die Vorbereitung der Frau zur landwirtschaftlichen Arbeit und zum Leben auf dem Lande bildet nur die erste Stufe des Aufstieges der arbeitenden Familie. Der Weg der Frau in der Siedlungsarbeit ist an Schwierigkeiten reich, auch nachdem sie die Ausbildungsperiode bestanden hat Auf diesem Felde der Siedlungsarbeit der Frau ist die Fortsetzung der Arbeit der Wizo im Lande und die Erweiterung des Rahmens dieser Arbeit erforderlich. Ke Organisation der Zionistischen Frauen muß die Möglichkeit finden, die Chaluzoth auf ihrem Wege in der Wirtschaft der arbeitenden Familie zu begleiten. Wie dafür gesorgt sein muß, daß die landwirtschaftliche Ausbildung als Pflicht einem jeden jüdischen Mädchen obliegt, das den Weg der landwirtschaftlichen Arbeit wählt, ebenso muß die größte Aufmerksamkeit der Entwicklung der Haus- und Hof- Wirtschaft (Kühe, Geflügel, Gemüsegarten) zugewendet werden, die das Arbeitsgebiet der Frau in der Wirtschaft bildet und in der sie die in der Ausbildung erlangten Kenntnisse zum Besten ihrer Familie verwenden kann. Ke Erkenntnis ist zum Gemeingut geworden, daß die arbeitende Familie auf dem Lande nur dann von ihrer Hände Arbeit leben kann, wenn die Frau und Mutter es versteht und fähig ist, ihre Tatkraft und Kenntnisse so einzusetzen, daß die Hauswirtschaft entwickelt und gehoben wird. Allerdings ist die Befürchtung׳ begründet, daß auf die Haus- und Hofwirtschaft — das Arbeitsgebiet der Frau — aus Mangel an Mitteln verrichtet wird, und daß infolge der geringen Möglichkeiten für Kolonisation in erster Linie die Schaffung dieser Zweige auf eine ״bessere Zeit“ aufgeschoben werden wird, wie es bis heute in einigen Wirtschaften der Fall war. Diese Entwicklung zieht für die arbeitende Familie zwei Nachteile nach sich. 1. Durch den Wegfall der Zweige der Haus- und Hof- Wirtschaft mangelt es der arbeitenden Familie an ersten Bedürfnissen ihres Unterhaltes. 2. Durch diese Bedingungen wird das Arbeitsgebiet der Frau in der Wirtschatt eingeschränkt, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten werden brachgelegt und die besten Jahre ihrer Arbeit in der Landwirtschaft vergeudet. Die Zweige der Haus- und Hofwirtschaft, die zur Sicherung der Existenz der arbeitenden Familie unum - g änglich notwendig sind, müssen also so schnell als möglich und sofort nach Beginn der Siedlung aufgebaut werden. In diesen Zweigen wird die Frau einen ständigen Arbeitsplatz finden, der ihre Teilnahme an dem Aufbau und der Konsolidierung der Wirtschaff sichert. Die Pflicht deT Vorbereitungsarbeit wird übrigens gegenüber der siedelnden Frau in demselben Maße anerkannt werden, in dem sie dem Siedler obliegt, zum Besten der Entwicklung der Wirtschaft und der Stärkung der selb■ ständigen Stellung der Frau. Ke Wizo soll aut ihrer bevorstehenden Konferenz die Er- Weiterung des Rahmens ihrer Kolonisation»« tätigkelt verkünden. Hier erstreckt sich vor der zionistisehen Frau ein breites Arbeitsfeld. Jeder Gruppe und jedem Verband der Arbeiter, in dem wenigstens die Hälfte der weibliehen Mitglieder entsprechend ausgebildet wurde, sollen die erforderlichen Mittel für die Schaffung der oben erwähntem Wirtschaftszweige (Kühe, Geflügel, Gemüsegarten) als Anleihe in der Höne von 100 bis 125 Pfund pro Familie gewährt werden. Die Anzahl der Anleihen soll jedes Jahr der Anzahl der sich ansiedelnden Familien gleich sein. Das Recht, eine solche Anleihe zu erhalten, soll auch einer einzelnen arbeitenden Familie nicht vorenthalten werden, die aus irgendwelchem Grunde von keinem Verband ertaßt wurde, sich auf einer Parzelle in der Nähe der Stadt oder Kolonie ständig angesiedelt und ihre kleine Wirtschaft aufgebaut hat Keser Vorschlag, daß die Wizo-Frauenorganlsation die Sorge für die Aufbringung der zum Aufbau der Haus- und der arbeitenden Familie, deren Schicksal mit der Landwirtschaft im Lande verknüpft ist und in der die Frau und Mutter sich die nötigen Kenntnisse angeeignet hat, die ihr die Arbeit in der Hauswirtschaft ermöglichen. Keser Plan soll auch die Errichtung der Hilfswirtschaften für die Kibuzim und Siedlerverbände in den Kolonien, deren Haupteinnahmequelle Lohnarbeit bildet und in denen die Elite der jüdischen Jugend vereinigt ist, umfassen. In all den verschiedenartigen Jugendgruppen befinden sich Hunderte von Mädchen-Chaluzoth, die die Sehnsucht zur Heimat und das Streben zur schaffenden Arbeit mit eigenen Händen hierher gebracht hat, um zusammen mit ihren Genossen an der Eroberung der Arbeit in den Kolonien teilzunehmen, bis auch an sie die Reihe zur Ansiedlung kommt Ke Hilfswirtschaften der Arbeiter-Gruppen in den Kolonien werden eine Erleichterung in die gesamte wirtschaftliche Lage der Gruppen bringen und für die Chaluzoth eine Arbeitsstelle schaffen. Die Teilnahme der Weltorganisation Zionistischer Frauen an dem Kolonisationswerke im Lande durch Schaffung der Hauswirtschaft für die arbeitende Familie wird mittelbar zur Erweiterung dieses Werkes beitragen und die Fähigkeit der Jewish Agency, die Zahl der Siedler zu mehren, steigern. Sa wird die wizo an dem Wiederaufbau und der Renaissancebewe- . ." " _ gehoben werden. Jeder neue Aufgabenkreis, den man für die Wizo vorschlagen mag, der die Kraft der Frau im Aufbau des Landes nicht steigen und ihre Möglichkeiten nicht mehrt, wird die organisierte zionistische Frau von ihrer direkten Aufgabe zu einer mechanischen Arbeit der Geldsammlung ablenken, die des erzieherischen Inhalts für die gesamte Bewegung der zionistischen Frauen entbehrt Natürlich und folgerichtig wird dagegen die Fortsetzung der bisherigen wizotätigkeit sein, sowohl in der Ausbildung jüdischer Mädchen zur Arbeit im Lande, als in der Schaffung neuer Existenzmöglichkeiten in der Landwirtschaft — der Grundlage unserer Renaissance im Lande. Zehnjahrfeter der Wizo in Wien. Ende April veranstaltete die Zionistische Frauenorganisation Oesterreichs, Land es verband der Wizo, eine großangelegte öffentliche Feier anläßlich des zehnjährigen Bestandes der Weltorganisation der Wizo. Ueber 600 Personen hatten sich eingefunden. Die Präsidentin, Frau Sofie Löwenherz, eröffnete mit einer das Wesen und die Organisation der Wizo vortrefflich kennzeichnenden Anspräche die Feier. Dann trug Frau Dr. Martha Hof mann einen Dialog über die Wizo vor, der in geistreicher Kalektik die Auseinandersetzung zwischen der Autorin als Vertreterin des Wizo-Gedankens und einer ״intellektuellen Europäerin“ des Londoner Internationalen Frauenklubs zum Ausdruck brachte. Es folgte der großangelegte Vortrag der zu diesem Zwecke in Wien anwesenden Jerusalemer Delegierte, Frau Dr. Lotte Hanemann, über das Werk der Wizo in Palästina. Nach einer Pause, in welcher von der jubilierenden Organisation ein Tee geboten wurde, folgte ein Konzert jüdischer Musik, ausgeführt von dem jungen Wiener Komponisten Julius Chajes, dem Jerusalemer Kapellmeister Max Lampl, der Wiener Konzertsängerin Anny kimmelmann, sowie der bekanntem Konzertpianistin Grete Neufeld. Auch dieser Teil des Programms trug wesentlich zu dem Gelingen des eindrucksvollen Abends bei. Der Abend hatte auch materiell ein günstiges Ergebnis, das zur Hälfte der Wizo, zur Hälfte dem Keren Kajemeth zugute kam. a.n»