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Jüdische Rundschau · 1931-05-20 · Heft 40-41 (20.5.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 40-41 (20.5.1931)
Date
1931-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40/41, 29. T. 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sette 249 Freie Kongreß •Tribüne Die Radikalen Zionisten vor dem Kongreß Von Dr. Nachum Goldmann. Kaum eine zionistische Partei ist in ihrer politischen Haltung im letzten Jahre so sehr mißverstanden worden wie die Vereisigting Radikaler Zionisten. Von den Revisionisten beschimpft und des ״Hochverrats“ beschuldigt, von den ״Offiziellen“ teils in plumper Anbiederung als Bundesgenossen begrüßt, teils ironisch als ״Bekehrte“ verspottet, war die Gruppe der Radikaien Zionisten genötigt, sowohl nach außen dauernd Miß- Verständnisse und häufig bewußte Entstellungen ihrer außenpolitischen Entscheidungen zu korrigieren una aufzuklären als auch innerhalb der Gruppe selbst sich mit manchen Unklarheiten und Zweifeln auseinanderzusetzen. Ich erwähne dies einleitend, weil es mir ein Beweis zu sein scheint, daß die Radikale Gruppe — mehr als irgendeine andere — in diesem letzten Jahr schwerster Krise und verantwortungsvollster Entscheidüngen ehrlich bemüht war, zu den großen Ereignissen dieses Jahres Stellung zu nehmen, aus ihnen zu lernen und sich nicht damit zu begnügen, dogmatisch auf rein theoretische Programmpunkte sich zu stützen, ohne den Anforderungen der tragischen Situation gerecht zu werden. Wir waren nicht in der glücklichen Lage, in der sich sowohl Revisionisten wie die Weizmann-Anhänger befinden: auf alle Schwierigkeiten der Situation mit dem Ruf antworten zu können: Es lebe der König! Heldenverehrung ist eine schöne Sache und blinde Führergläubigkeit für manche eine Tugend; wir Radikale Zionisten gehören zu den Skeptikern und lehnen es ab, in der lärmenden und unreifen Proklamierung irgendeines Führers das Allheilmittel für die Not der Stunde zu erblicken. Wir hielten es für zionistischer und verantwortungsbewußter, in der schweren Krise des letzten Jahres selbst, soweit wir es vermochten, in die Bresche zu springen und es zu unternehmen, unsere Kräfte miteinzusetzen in dem schwierigen Versuch einer Besserung der äußeren und inneren Situation der Bewegung. Inwiefern darin ein Verrat am eigenen Programm — ein ״Umfall“, in der Sprache des Herrn Lichtheim zu sprechen — zu erblicken sei, ist nicht verständlich. (Beiläufig sei nur der historischen Wahrheit wegen konstatiert — was die frommen Herden der revisionistischen Anhänger wohl kaum wissen — daß auch die Herren Lichtheim und Großmann seinerzeit bei den Vorverhandlungen vor der Einsetzung der politischen Kommission bereit waren, sich an ihr zu beteiligen, falls gewisse, übrigens gar nicht unberechtigte Forderungen, die sie stellten, erfüllt werden; der Rücktritt Dr. Weizmanns von der Führung der Verhandlungen gehörte nicht zu diesen Forderungen. Ihr nachträgliches Gezeter über die Beteiligung der Radikalen an der politischen Kommission schmeckt daher sehr stark, wie übrigens vieles In den revisionistischen Proklamationen, nach den berühmten unerreichbaren Trauben.) Was wir taten, tut jede verantwortungsbewußte politische Partei bei allen Völkern: in der Stunde einer außenpolitischen Gefahr den innerpolitischen Streit für eine Weile zurückzustellen, um an der Abwendung der Gefahr mitzuhelfen. Daß diese zeitweilige Zurückstellung der innerpolitischen Differenzen keinerlei Aenderung der prinzipiellen Einstellung bedeutet, ist für jeden, der die Dinge nicht bewußt entstellen will, um durch die Verdächtigung der anderen Partei ein kleines Geschäft für die eigene Parte! schnell machen zu wollen, selbstverständlich. Zur indischen Round-Table-Konferenz entsandten die Konservativen ihre Vertreter, die monatelang gemeinsam mit der Labour-Regierung kooperierten. Aber zum Glück für Baldwin hat England keine revisionistische Partei, die in solchen Fällen die ihr schon monomanisch gewordene Anklage des Hochverrats gegen ihn erheben konnte. Wir haben vom ersten Moment unseres Eintritts in die politische Kommission und immer wieder erklärt, daß unsere grundsätzliche außenpolitische Einstellung, die eine andere und ln wesentlichen Punkten der offiziellen entgegengesetzte ist, sich durch unsere Mitarbeit nicht im mindesten ändert. * Der 17. Kongreß wird sich weniger mit diesen oder jenen Details der politischen Arbeit der letzten zwei Jahre zu beschäftigen haben, als vielmehr vor der Aufgabe stehen, grundsätzlich den Kurs der zionistischen Politik und den weiteren Entwicklungsgang der Bewegung für die nächste Zukunft festzulegen. Daher ist es wesentlicher, dem zionistischen Wähler jetzt die programmatische Haltung unserer Gruppe in den wichtigsten Kongreßfragen kurz darzulegen, als unsere Taktik und Haltung in diesem oder jenem Detail des letzten Jahres im einzelnen nachträglich zu erklären und zu begründen. 1. Außenpolitik. Wir, die Radikale Gruppe, stehen nach wie vor in grundsätzlicher Opposition zu dem, was man seit 10 Jahren das politische System von Dr. Weizmarm nennt. Die wichtigsten Charakteristika dieses Systems sind: ädeologisch ■— die bewußte Zurückstellung der eigentlichen politlsehen Endziele des Zionismus, um die Sache — scheinbar — für England und die Araber leichter und harmloser erscheinen zu lassen; psychologisch — der im tiefsten unerschüttert gebliebene Glaube an England als den gewissermaßen gottgewollten Vormund des jüdischen Volkes in Palästina. Aus diesen beiden Voraussetzungen ergeben sich — von uns aus gesehen — alle Fehler dieser Politik. Sie verkleinerte den Zionismus und nahm ihm damit seine große historische Würde und seine entscheidende politische Bedeutung für die Welt, die im tiefsten nur interessiert sein kann an einer Bewegung, die die Judenfrage zu lösen berufen ist, nicht an dem Versuch einer Neubelebung hebräischer Kultur in Palästina. Sie rückte Jahre hindurch die politische Arbeit in London in den Hintergrund, betrachtete sie als sekundär im Vergleich mit der Wichtigkeit der ökonomischen Aufbauarbeit In Palästina und schuf dadurch häufig einen Zustand der politischen Arbeit in London, der mehr auf eine Intervention von Fall zu Fall hinauslief als auf eine systematische und zähe unermüdliche politische Aktion. Sie vernachlässigte ferner die internationale politische Arbeit. Alle diese Fenier bedürfen einer grundsätzlichen Aenderung. Dies soll gewiß nicht heißen, daß man nun genau ins andere Extrem verfallen soll. Eine Politik zu inaugurieren, die ausschließlich in dem sogenannten ״Kampf gegen England“ sich manifestiert, die die Weit überschwemmen soll mit Proklamationen über die letzten zionistischen Endziele, die den Begriff der zähen politischen Arbeit mit dem lauten Geschrei und den donquichotenhaften theatralischen Gesten leerer Drohungen und politischer Phrasen verwechselt, wäre naturgemäß das Törichtste und Gefährlichste, was wir in dieser Situation tun könnten. Was uns nottut, ist eine Politik, die äußerste Stetigkeit und unerschütterliches Festhalten an den letzten politischen Zielen mit einer sehr nüchternen, ruhigen, vorsichtigen Abschätzung und Analyse der «apolitischen Situation vereinigt, die fest bleibt in ihrem Wollen, ohne tranken zu werden an ihren Phrasen und an ihren Methoden. Unsere Politik kann in Zukunft weder eine pro-cnglische noch eine anti-englische sein, sondern muß, unbelastet durch irgendwelche Sentiments oder Ressentiments, ohne blinden Glauben an England, ab« ebenso sehr ohne Haßgefühl gegen England, eine realpolitische Linie einhalten, die mit England als mit der Mandatarmacht noch wenigstens auf viele Jahre hinaus gegebenen und somit als dem entscheidenden Faktor für die politische Situation rechnet und dementsprechend operiert. Sich irgendwelcher Illusionen über die gegenwärtige Schwierigkeit der politischen Situation hinzugeben, wäre kindlieh. Eine neue Leitung wird sich auch nicht von heute auf morgen ändern, und den Glauben an die wundertätigen Kräfte eines Jabotinsky überlassen wir gern den neuen Chassidim, die er sich erzogen hat. Nur in einer jahrelangen, unausgesetzten zähen politischen Arbeit, die viel eher einem Stellungskampf als einer frisch-fröhlichen Reiterattacke gleichen wird, werden wir die Situation bessern können und allmählich dahin kommen, daß die uns feindliche Haltung der Verwaltung in Palästina sich ändert und der teilweise vorhandene gute Wille der Zentralregierung in London auch in der Praxis der Administration zum Ausdruck kommt. Die weltpolitische Basis der zionistisehen Idee als des Versuchs einer umfassenden Lösung der jüdischen Frage wird viel stärker ins Bewußtsein gebracht werden müssen, als es in den letzten Jahren der Fall war. Die Bedeutung der jüdischen öffentlichen Meinung als einen politischen Faktor haben wir im vergangenen Jahr erkennen gelernt, und werden in Zukunft nicht aus dem Bewußtsein verlieren dürfen, daß dieser Faktor vorhanden ist und in Situationen, in denen es nötig ist, mobilisiert werden kann. Was diearabischeFrage betrifft, so ist es heute wohl communis opinio, daß sie eine der zentralen Aufgaben unserer Politik für die Zukunft darstcllt. Auch hier sind wir keine Wundergläubige und halten nichts von den Rezepten, die manche unserer Literaten fix und fertig in ihrer Brusttasche zu besitzen vorgeben. Es ist leicht, die Frage zu lösen, wenn man das Kind mit dem Bade ausschüttet und den politischen Zionismus preiszugeben bereit ist. Will man am politischen Zionismus festhalten und dabei den Arabern geben, was ihnen zukommt, ohne irgendwelche Vergewaltigung und Beeinträchtigung ihrer politischen und natürlichen Rechte, dann beginnen erst die Schwierigkeiten des Problems, die eine schnelle Lösung unmöglich machen. Kein ernsthafter und verantwortungsbewußter Politiker kann heute Voraussagen, wie die Lösung konkret ausschen wird. Zweierlei läßt sich jedoch bereits beute sagen: das eine betrifft den Rahmen aller Versuche einer Lösung des Problems. Dieser Rahmen kann nicht das clsjordanische Palästina sein. Dieser Rahmen ist zu eng für eine Verwirklichung des Zionismus, nur vom jüdischen Standpunkt aus gesehen, geschweige denn für eine Lösung der jüdisch-arabischen Frage. Der Rahmen, in den dieses Programrn hineingestellt werden muß, ist die vorderasiatische Zone ״von Akko bis Basra“, wie es der ״Felestin“ einmal formuliert hat. Dort ist genügend Raum so vohl für eine große jüdische Ansiedlung wie auch für eine ungeheure arabische Expansion vorhanden. Es wird nötig sein, ein zentrales polirisches Ressort zu schaffen, das sich ernst und systematisch mit diesen Fragen zu beschäftigen beginnt und der arabischen Welt langsam das Bewußtsein vermittelt, daß wir ehrlich eine Verständigung wollen und die Möglichkeit dieser Verstindigung gegeben ist. Die zweite Voraussetzung einer fruchtbaren Inangriffnähme der arabischen Frage, ist die Haltung der eng- 1 i s c h e n A d min i s t r atl»n. Solang« diese jede« Versuch einer ־ wirklichen Verständigung sabotiert, wie es heute der Fall ist, ist diese ungeheuer erschwert, ja unmöglich. Nur wenn die arabischen Führer wissen werden, daß England ehrlich die Verständigung zwischen ihnen und uns will, werden sie sich mit uns an einen Tisch setzen und über Verständigungsmöglichkeiten reden. Daß manche Exponenten der englischen Regierung in London die jüdisch-arabische Verständigung wollen, glaube ich. Daß die Administration in Palästina sie dauernd sabotiert, davon bin ich überzeugt. Erst wenn die Londoner Regierung auf die Administration einen genügend starken Druck ausüben wird, damit sie ihre Haltung ändert, wird eine wesentliche Voraussetzung für die Möglichkeit jüdisch-arabischer Verhandlungen erfüllt sein. II. Ein kurzes Wort über die wirtschaftliche und finanzpolitische Situation. Wir befinden uns seit Jahren in Palästina in einem Zustand kolonisatorischer Stagnation. Die entscheidende Aufgabe der Situation ist die Be- Schaffung neuer Mittel zur Einleitung einer Epoche kolonisatorischer Expansion in Palästina, wir glauben nicht, daß wir lediglich mit den Mitteln der nationalen Fonds dazu in der Lage sein werden, und es scheint uns notwendig zu sein, daß die kommende Leitung sich mit zwei neuen Möglichkeiten ernsthaft beschäftigt: Die erste ist die Mobilisierung jüdischen Privatkapitals für Palästina, wofür auch gerade infolge der Wirtschaftskrise überall, besonders in Amerika, große Möglichkeiten bestehen. Eine andere große Möglichkeit neuer kolonisatorischer Expansion ist der Versuch zur Durchführung einer internationalen Anleihe. Er scheint mir vielleicht die bedeutendste Aufgabe der künftigen zionistischen Leitung zu sein. III. Einige Worte zu dem Problem der Jewish Agency. Es hätte nicht viel Sinn, wenn die Radikale Gruppe, was sie sehr wohl tun könnte, jetzt in kindlicher Rechthaberei der gesamtzionistischen Oeffentlichkeit Vorhalten würde, daß fast alle pessimistischen Voraussagungen über die Erweiterung der Jewish Agency sich bewahrheitet haben. Auf dem Kongreß wird man sehr ernsthaft darüber nachdenken müssen, diese Jewish Agency vielleicht umzuorganisieren, sie zu demokratisieren und die Gefahren, die insbesondere bei der Einflußnahme der nichtzionistischen Exponenten auf die politischen Angelegenheiten sich ergeben, auf ein Minimum zu beschränken. IV. Innere Lage. Bei aller nüchterner Einschätzung der politischen und finanziellen Situation glaube ich doch, daß kein Grund zum Pessimismus vorhanden ist. Der zionistische Wille des jüdischen Volkes hat sich gerade in diesem Jahr in seiner ganzen Stärke und Vehemenz manifestiert. Bei aller Schwierigkeit ist die Möglichketi außenpolitischer und finanzpolitischer Erfolge gegeben, wenn die neue Leitung systematische nüchterne und zielbewußte Arbeit leisten wird; Aber es gibt eine Voraussetzung für alle Erfolgsmöglichkeiten, ohne die eine frachtbare politische und kolonisatorische Arbeit in den nächsten Jahren unmöglich sein wird: die innere Bereinigung der Organisation. Ke Verhältnisse innerhalb der Bewegung sind heute unhaltbar geworden. Eine Innerzionistische Verhetzung und Zersetzung, wie sie das letzte Jahr gezeigt hat, ist untragbar. Ein innerpolitischer Kampf, der sich nicht damit begnügt, den Gegner in seiner Politik zu diskreditieren, sondern ihn menschlich diffamiert, für den Begriffe wie Verrat, Korruption, Käuflichkeit usw. alltägliche Vor- Stellungen geworden sind, muß eine freiwillige Bewegung vom Charakter des Zionismus in sehr kurzer Zelt zerstören, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird. Hier trifft in erster Reihe die Schuld die Revisionisten. Dies bezieht sich nicht auf ihr Programm, sondern auf ihre Methoden, insbesondere ihre Kampfmethoden. Sie haben sich in einen Dünkel der eigenen Uebcrlegenheit, in eine Feindseligkeit gegen alle anderen Gruppen so weit hineingeredet, daß ihnen das Bewußtsein der Gesamtverantwortung für die Interessen der Bewegung, von Ausnahmen abgesehen, beinahe ganz verloren gegangen ist. Die zionistische Bewegung kann aber nur beruhen auf Kooperation der verschiedenen Strömungen, auf gegenseitiger menschlicher Achtung und auf dem Glauben an die unbedingte Integrität auch des Gegners. Der Kongreß muß dieser innenpolitischen Verhetzung ein Ende bereiten. Er wird es nur dann können, wenn er eine Exekutive wählt, die die überwältigende Majorität, wenn nicht die Gesamtheit, hinter sich hat. Ke kommende Exekutive kann nur eine solche der großen Koalition sein, nach Möglichkeit mit Einschluß der Revisionisten, wenn sie von ihrem Piedestal heruntersteigen und bereit sein werden, eine Partei unter Parteien zu sein, sonst ohne sie. Eine solche Exekutive ist heute möglich, nachdem feststeht, daß Dr. Weizniann nicht mehr als Präsident der Bewegung kandidieren wird. Eine Kandidatur Weizmanns würde jede Einigung auf dem Kongreß von vornherein unmöglich machen. Sie ist heute sachlich unmöglich; sie ist auch personcll unmöglich. Man erweist dem Zionismus und Dr. weizmann einen schlechten Dienst, wenn man — und manche seiner Freunde tun es — ihn drängt, trotz aller seiner Erklärungen wieder zu kandidieren. Es ist zu hoffen, daß er fest genug sein wird, sich nicht dazu drängen zu lassen und bei seinem Rücktritt zu verbleiben. Damit wäre die Bahn frei für eine Einigung aller oder zumindest der überwältigenden Majorität. * Mir scheint, daß bei der Lösung dieser Aufgaben, die dem Kongreß gestellt sind, gerade die radikal-zionistische Gruppe eine entscheidende Rolle wird spielen müssen. Sie verlangt seit Jahren eine Aenderung des politischen Systems, und die letzten zwei Jahre haben ihr recht gegeben. Sie hat andererseits gezeigt, daß sie sich nicht mit purer negativer Politik begnügt, sondern jederzeit bereit ist, mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Sie ist programmatisch fest geblieben, ohne andererseits parteiegoistisch borniert zu sein; sie hat ihre politische Linie gewahrt, ohne taktische Erwä- S" grammatischer Gemeinsamkeiten sehr scharf in ihrer Phys'iognomie von den Revisionisten. Sie unterscheidet sich — auch dies sei zum Schluß betont — sehr scharf von der der Allgemeinen Zionisten. Es wäre höchste Zeit, daß diese Partei, die keine ist, und die von der Programmlosigkeit lebt und der Sammeltopl ist für alle, die keine klare Entscheidung zu treffen bereit sind, aus dem zionistischen Parteiieben verschwindet. So sehr die Arbeit in den einzelnen Ländern zwischen den Kongressen entpolitisiert und den kongreßpolitischen Konstellationen entrückt werden muß, so sehr muß der Zionismus auf dem Kongreß sich restlos fraktionieren, und Vorbedingung dafür ist die Liquidation des ״Allgemein- Zionismus“ als Kongreßpartei und bei den Kongreßwahlen. Ke Aufgaben, die in früheren Konstellationen den allgemeinen Zionisten zufielen: ausgleichend und zusammenfassend auf dem Kongreß zu wirken, werden diesmal in hohem Grade von der Radikalen Gruppe erfüllt werden. Sie nimmt, unabhängig von ihrer numerischen Stärke, eine gewisse Schlüssel• Stellung in der jetzigen Situation ein. Sie hat, glaube ich, im letzten Jahr gezeigt, wie eine verantwortungsvolle zionistische Politik, die radikal ist in ihren Zielen, ohne überspannt und destruktiv in ihren Methoden zu sein, aussehen muß. Sie hat um so mehr das Recht, heute um das Vertrauen der zionistisehen Wähler bei den Kongreßwahlen zu werben. Zorn hebräischen Knltar •Weltkongreß Von Dr. Alexander Rosenfeld. Während die anderen, seien es politische, seien es Wirtschaft• lich-soziale Strömungen im modernen Judentum ihren organisatorischen Ausdruck gefunden haben, hat es bisher an einer umfassenden interterritorialen Organisation des hebräischen Kulturlebens gefehlt. Auch in den Ländern, in denen es Tarbuth-Organisationen gibt, ist die Zahl der hebräischen Kulturarbeiter gering, und diese sind bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit auf sich selbst gestellt. Die Zionistische Weltorganisation mit ihren Landes- und Sonderverbänden, die doch in erster Linie dazu berufen wäre, Hüterin und Mehrerin des hebräischen Kulturwerkes zu sein, hat diesem wichtigen Aufgabenkreise nicht die genügende Beachtung geschenkt. Die jeweiligen, mit großer Anstrengung fast erzwungenen Kulturreferate auf den zionistischen Kongressen sind ohne praktische Erfolge geblieben und ohne Widerhall verklungen, innerhalb der zionistischen Renaissance hat die hebräische Kulturbewegung ein isoliertes und Aschenbrödeldasein geführt. Und doch gibt es kein besseres Mittel, die jüdische Jugend dem Judentum zu erhalten und der zionistisclien Bewegung Schwung und Dauer zu verleihen, als die Verbreitung der Kenntnis der hebrätschen Sprache und Kultur und die Heranziehung der jüdischen Jugend zur hebräischen Kulturarbeit. Muß es denn erst noch ausdrücklich gesagt werden, daß nur durch das Hebrälsche der für das Gedeihen der jüdischen Freiheitsbewegung so notwendige Zusammenhang zwischen Erez-Israel und der Galuth hergestellt werden kann?! Die Führer der hebräischen Bewegung, die am 21. und 22. Juni in Berlin sich versammeln werden, um den hebräisclten Kultur-Weltkongreß vorzubereiten und über die Wege und Mittel zu beraten, wie dem lebendigen hebräischen Wort Geltung verschafft werden kann, werden vor die Lösung vieler schwerer Aufgaben gestellt sein. Der kommende hebräische Kongreß wird sich nicht mit feierlichen Deklarationen über die Rechte des Hebräischen begnügen dürfen. Durchdrungen von dem Bewußtsein der Notwendigkeit, im Interesse der Weiterexistenz des Judentums die Entwicklung der hebräischen Kultur zu fördern, wird er praktische Maßnahmen ergreifen und Institutionen schaffen müssen, die dazu verhelfen sollen, die Kunde vom lebendigen Hebräisch in weiteste Kreise zu tragen und der jüdischen Erziehung neue Impulse zu geben. Der kommende Kongreß kann somit einen Wendepunkt im Leben der hebräischen Kulturbewegung bedeuten und damit auch in der Entwicklung der jüdischen Renaissance. Schweizerischer Zionistenverband. Das vom 37. Delegiertentag in Bern am 3. Mai 1931 neu gewählte Zentral- Komitee hat sich in seiner ersten Sitzung wie folgt konstituiert: Präsident Dr. Marcus Cohn, Vizepräsident: Fritz L. Stern, Kassierer: Dr. Alfred Wyler, Sekretär und Jugendressort: Dr. Mosche Newiasky, Nationalfonds-Kommissär: Hanns Ditisheim, Schekelressort: Bernhard Bornstein, Presse und Propaganda: Dr. Samuel Sehens. — Sämtliche für das Zentral- Komitee bestimmte Zuschriften sind weiterhin zu richten an das Büro des Schweizerischen Zionistenverbandes, Eulerstr. 11 in Basel (Postscheckkonto: V 7758).

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