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Jüdische Rundschau · 1931-05-20 · Heft 38-39 (20.5.1931) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 38-39 (20.5.1931)
Date
1931-05-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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•Seite 242 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38/3®, 20. V. 1931 Zum XVII. Zionisienkongreg Kongre&programm der RevisionUHsdien Union 1. In der Erkenntnis, daß nur eine klare Zielsetzung dem Zio» nismus seine Stoßkraft und seine geschichtliche Bedeutung zu wahren, sowie den politischen und kolonisatorischen Bemühungen die Richtung zu weisen vermag, verlangt der Revisionismus das Festhalten an der Idee des Judenstaates. Das bedeutet unter den gegebenen Bedingungen nichts anderes als das Streben nach der Erlangung der jüdischen Majorität auf beiden Seiten des Jordan zum Zwecke der Errichtung eines freien, sich selbst verwaltenden Gemeinwesens. Der Revisionismus bekämpft alle Tendenzen, die dieses Ziel zu verhüllen, zu verkleinern oder durch andere Ziele zu ersetzen suchen, die mit dem Zionismus nur noch den Namen gemein haben. Die revisionistische Union wird von dem Kongreß ein eindeutiges programmatisches Bekenntnis in diesem Sinne verlangen. II. Der Revisionismus geht von der Erkenntnis aus, daß die Sicherung der politischen Grundlagen für das Gelingen des Palastinaaufbaus unentbehrlich ist. Der Sciuu/ der jüdischen Bevölkerung und die aktive Förderung der Immigration und des Kolonisationswerks durch die Mandatarmacht sind notwendige Vorbedingungen unserer Arbeit im Lande. Diese politischen Sicherungen zu erreichen, war und ist die wichtigste Aufgabe der Zionistischen Organisation. Schwierigkeiten und Mißerfolge dürfen diese Erkenntnis niemals verdunkeln und uns von der konsequenten Bemühung um diese politischen Sicherungen niemals abbringen. Nur bei solcher Haltung hat der Zionismus das Recht, ständige Leistungen und Opfer vom jüdischen Volk zu verlangen. Daher fordert der Revisionismus eine zähe und mutige Führung der Politik mit dem Ziele, die Bundesgenossenschaft der Mandatarmacht für den Zionismus wiederzugewinnen und ihre aktive Mitarbeit im Sinne der Balfour-Deklaration und des Mandats zu erreichen. Die revisionistische Union wird von dem Kongreß verlangen, daß er eine Leitung wählt, die fähig und gewillt ist, in dieser Richtung zu wirken. III. Die bisherige zionistische Leitung hat sich diesen politischen Erkenntnissen verschlossen, hat alle Warnungen überhört und hat mit ihren Methoden auf allen Gebieten der Politik und der praktischen Arbeit Schiffbruch erlitten. Noch in allerletzter Zeit hat sie zu den alten Fehlern neue schwerwiegende Fehler geseilt: So bei der Aufnahme und Beurteilung des MacDonald- Briefes und Bei dem unglücklichen Versuch, im ungeeignetsten Moment Verhandlungen mit den Arabern anzuknüpfen. Sie hat seit Jahren die jüdische Oeffentlichkeit falsch unterrichtet, das Bestimmungsrecht des Kongresses ausgeschaltet und durch ihre inner jüdische Politik die Organisation fast zerschlagen. Die revisionistische Union fordert daher die vollständige Beseitigung dieser Leitung und wird sich jedem Versuch widersetzen, das bisherige System in irgendeiner Form weiterbestehen zu lassen. IV. Eine erfolgreiche zionistische Arbeit muß das Streben nach dem eigenen, unveräußerlichen Ziel mit der klaren Erkenntnis der realen poltischen Gegebenheiten verbinden. Daher wenden wir uns gegen jene illusionistische Scheinpolitik, die durch Verständigungsdeklarationen gegenüber den Arabern etwas erreidien zu können hofft, in Wahrheit aber durch ihre unzeitgemäßen und undurchdachten Proklamationen hut den Gegensatz verschärft, unsere politischen Bemühungen bei der Mandatarmacht vereitelt una die Ziele des Zionismus preisgibt. Nur die deutliche Unterstützung der zionistischen Kolonisation durch die Mandatarmacht wird ein friedliches Zusammenleben mit den palästinensischen Arabern bewirken, deren Rechte niemand antasten will; nur eine unangreifbar starte jüdische Position im Lande wird allmählich bei den Arabern die Bereitwilligkeit zu einer ehrlichen und dauernden Verständigung mit uns herbeiführen. V. Das zionistische Aufbauwerk muß von dem Gedanken der nationalen Einheit getragen sein. Im Stadium des Pioniertums müssen alle wirtschaftlichen Fragen zunächst unter dem Gesichtspunkt beurteilt werden, daß wir eine möglichst schnelle und große Einwanderung, eine dichte Besiedlung des Landes und eine gesunde Wirtschaft erstreben. Wir fordern deshalb grundsätzlich die Umstellung unserer landwirtschaftliehen Kolonisation auf intensive Wirtschaftsmethoden, Heran- Ziehung und Förderung der privatwirtschaftlichen Mittelstandskolonisation, gründliche Reform im Aufbau und in der Verwendüng unserer Finanzinstrumente. Wir stehen in keinem Gegensatz zu den sozialen Bestrebungen der Arbeiterschaft. Wir fordern die Unterordnung nicht nur der Arbeiter, sondern aller Teile des Jisdiuw unter das Gesetz der nationalen Disziplin und des Interesses der Gesamtheit. Aber wir verurteilen die häufig vorkommende unangebrachte Uebertragung von Klassenkampfdoktrinen auf unser junges und noch stark gefährdetes nationales Werk, wir bekämpfeil den Terror gegen Andersdenkende und die prinzipienwidrige, von Kurzsichtigkeit und Opportunismus diktierte, Unterstützung des bisherigen Regimes durch die Leitung der A rbeiterorganisation. VI. Die revisionistische Union ist entschlossen, wie bisher den Kampf für die Gesundung und Wiederaufrichtung der Zionistisehen Organisation zu führen. Sie ist auch bereit, wenn der Kongreß ein Programm annirnmt, das den wesentlichsten Forderungen des Revisionismus entspricht, trotz der Schwierigkeit der geschaffenen Lage die volle Verantwortung für die Führung der Geschäfte der Zionistischen Organisation zu übernehmen. Die Bildung der gemischten Jewish Agency war in der gewählten Form verfehlt und ist bereits als gescheitert zu be- (rächten. An ihre Stelle müssen neue Formen der Zusammenarbeit mit den am Palästinaaufbau interessierten nichtzionistisehen Kreisen treten. Die Führung der Politik durch den Zionismus muß dabei gewährleistet, die Entwicklungsmöglichkeit der Zionistischen Organisation gesichert sein. VII. Der Revisionismus verlangt von der künftigen Leitung und von der Zionistischen Organisation, daß sie aufs neue werbend auftritt, und daß sie vor allem ihre Aufmerksamkeit der jüdisehen Jugend zuwendet, die sich heute größtenteils vom Zionismus abwendet und anderen Idealen folgt. Der Zionismus kann nur dann lebendig bleiben, wenn es ihm gelingt, eine Jugend heranzubilden, die von der Idee erfüllt ist, durch Arbeit und Opfer, kompromißlos nur dem nationalen Ideal folgend, die Freiheit des jüdischen Volkes in Palästina zu erringen. Um aber in der lugend solchen Enthusiasmus zu erwecken, muß der große Äelgedanke des Zionismus erneuert werden, denn nur ein großes Ziel kann die Jugend gewinnen, und nur die Hoffnung auf dieses Ziel kann auch dem Jischuw und dem ganzen jüdischen Volke die Kraft zum Ausdauern und Beharren verleihen. Landesverband der ZionUien-RevIiionüfen in Deutschland. Kongre&programm der Hitachduth Das Zentralbüro der Hitachduth in Lodz gibt seinen Landesgruppen das Kongreß-Wahlprogramm der Partei bekannt, das folgende Hauptpunkte enthält: I. Politik. (1) Das wichtigste politische Problem bildet die Regelung der Beziehungen zu den Arabern. Der XVII. Kongreß muß das Grundprinzip annehmen, in welchem das Recht der Juden und der Araber anerkannt wird, als zwei gleichberechtigte Völker betrachtet zu werden, denen ein gleicher Einfluß auf die Entwicklung der Dinge in Palästina nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft zustehen soll. (2) Der Gedanke des Gesetzgebenden Rates wird im Prinzip angenommen, jedoch soll seiner Verwirk- Hebung solange Widerstand geleistet werden, als keine genügende Gewähr dafür besteht, daß dieser Rat nicht zu einem Kampfinstniment gegen das Nationalheim gestaltet wird. (3) Die Annäherung beider Völker ist vor allem auf dem Gebiet des ökonomischen Lebens notwendig. II. Jewish Agency und Finanzpolitik. (1) Trotz der geringen bisherigen Erfolge der erweiterten Jewish Agency sieht die Hitachduth in dem Agency-G«danken große Möglichkeiten, die durch die Wahl geeigneter Mittel erreicht werden können. Die Agency kann nicht nur die wohlhabenden jüdischen Schichten, sondern auch die Volksmassen um den zionistischen Gedanken sammeln. Im Wege einer National- Steuer können Hunderttausende oder sogar Millionen Juden durch eine große propagandistische und erzieherische Arbeit zu Mitgliedern gewonnen werden. Daraus ergeben sich große Möglichkeiten einer Verbreitung des Keren Hajessod und auch anderer, eventuell noch zu gründender Kolonisationsfonds. Der XVH. Kongreß soll diese zweite Epoche der Erweiterung der Agency einleiten. III. Innere Reorganisation: 1. Die revisionistische Bewegung bildet eine nationale und soziale Gefahr und ist geeignet, die moralischen Grundlagen des Zionismus zu zerstören. Die durch Revisionisten herbeigeführte Demoralisation hat derartige Formen des Irrsinns angenommen, daß die Zugehörigkeit der Revisionisten zur Zionistischen Organisation nicht mehr möglieh und erwünscht ist. Der XVII. Kongreß soll ein endgültiges Urteil in dieser Frage fällen und die zionistische Atmosphäre reinigen. 2. Die zionistische Bewegung kann nur durch große Konzentration der Kräfte aus ihrem jetzigen Zustand erlöst werden. Der Arbeiterflügei ist bereit, nicht nur an einer solchen Konzentration teilzunchmen, sondern auch als ihr Kern zu dienen. Er ist sicher, daß er dabei auf die Unterstützung der verantwörtlichen Elemente in der Bewegung rechnen kann. Aus dieser Erwägung heraus proklamiert die Hitachduth den Gedanken des Territorialverbandes und wünscht, daß der XVII. Kongreß endlich diesen Gedanken in einer den Bedürfnissen der Bewegung entsprechenden Weise verwirklichen werde. 3. Die Hitachduth wendet sich mit aller Kraft gegen jeden Versuch, beim Kongreß persönliche Fragen in den Vordergrund zu stellen. Die Bildung der obersten Instanzen der Bewegung muß nach sachlichen Erwägungen erfolgen. 4. Der XVII. Kongreß wird seine Aufgabe nur erfüllen, wenn er neue Grundziele proklamiert, und zwar a) Maximale Verbreitung des Rahmens der Agency; b) Erweiterte Kolonisationstätigkeit; c) Entwicklung der Cnaluzbewegung und Ermöglichung einer großen Alijah; d) Verstärkung der zionistischen Erziehungsarbeit in der Diaspora; e) Verbreitung der hebräischen Sprache und Kultur, Wahlen zum Council der Jewish Agency. Die Exekutive der Jewish Agency teilt über die Vorbereitung der Wahlen zur 2. ordentlichen. Tagung des Councils der Jewish Agency, die am 14. Juli abends in Basel eröffnet wird, fölgtffides Mit: Die Wahlen finden in England am 7. Juni statt und werden, wie vor zwei Jahren anläßlich der Gründungstagung, vom Board of Deputies of British Jews, der Gesamtrepräsentanz der jüdischen Gemeinden Englands, vorgenommen. In Deutschland erfolgen die Wahlen am 14. Juni ebenfalls nach dem Muster der Wahlen zur Züricher Gründungstagung des Council In einer von dem Initiativ-Komitee der Jewish Agency einberufenen Konferenz. Die Wahlen in der Bukowina werden am 20. Juni auf einer Konferenz vorgenommen, zu der alle Kultusgemeinden und das Komitee des Keren Hajessod Delegierte entsenden. Auch hier ist der Wahlmodus der gleiche, nach dem auch im Jahre 1929 die Wahlen durchgeführt wurden. Die Arbeiterbank und ihre Klientel. Kürzlich fand in Tel- Awiw eine Besprechung der Leitung der Arbeiterbank mit den Vertretern von 181 kollektiven Gruppen und anderen Institutionen statt, die zur Klientel der Bank gehören. Dr. Senator nahm für die Jewish Agency an der Sitzung teil. Nachdem die Herren Ahronowitz und Brudny namens der Bankleitung referiert hatten, fand eine Diskussion statt, an deren Schluß ein zehngliedriger Council gewählt wurde, der als Vertreter der Bankkundschaft von der Leitung von Zeit zu Zeit zur Beratung zusammengerufen werden wird. (JAB) In Spanisch-Marokko kam es in den letzten Tagen zu größeren Demonstrationen, an denen sich die jüdische Bevölkerung in starkem Maße beteiligte. Die in Marokko lebenden Juden verlangen von der republikanischen Regierung in Madrid die Gewährung der spanischen Staatsbürgerschaft für die Juden in Marokko. Der spanische Finanzminister teilte der jüdischen Gemeinde in M e 1 i I a mit, daß demnächst ein Regierungsdekret den in Marokko ansässigen Sephardim wesentliche Erleichterungen bei der Erlangung der spanischen Staatsbürgerschaft gewähren wird. Das für die rumänischen Parlamentswahlen abgeschlossene Kartellverhältnis der Union der rumänischen Juden mit der Regierung Jorga ist dadurch gelöst worden, daß Jorga der Union nicht die ursprünglich vereinbarte Anzahl von Deputierteil- und Senatorensitzen gewähren will. Die Versuche, das Wahlkartell wieder in Kraft zu setzen, haben geringe Aussicht. Hingegen verlautet es, daß zwischen der von Dr. Meyer Ebner geführten Jüdischen Partei und der Regierung Verhandlungen zwecks Abschlusses eines Wahlübereinkommens im Gange sind. In der Bukowina kandidiert auf der Liste des jüdischen Reichsblocks u. a. auch unser Mitarbeiter Dr. Manfred Reifer. Die Ereignisse in Mexiko haben nicht nur die amerikanischjüdischen Organisationen, sondern auch den polnischen Geschäftsträger in Mexiko zu einer Intervention bei der mexikanischen Regierung im Interesse der durch die antisemitischen Verordnungen schwer betroffenen Juden veranlaßt. Das mexikanische Außenministerium gibt an, daß es die Maßnahmen des Innenministers nicht billige und sich bemühen werde, im Interesse der durch die Maßnahmen betroffenen Juden beim Innenministerium vorstellig zu werden. Der polnische Geschäftsträger in Mexiko erklärt, daß er in dieser Aeußerung des mexikanischen Außenministeriums kein greifbares Resultat zu erblicken vermöge. Amerikanischjüdische Organisationen schlagen die Einberufung einer Konferenz in Angelegenheiten der Ereignisse in Mexiko und die Entsendung einer pelegation in jenes Land vor. Charakteristisch ist, daß Dr. Maurice B. Hext er, das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, nach einem Besuch Mexikos im Jahre 1924 die fatale antisemitische Entwicklung in jenem Lande vorausgesellen hat. Leider hat man damals auf den Bericht Dr. Hexters nicht gebührend Rücksicht genommen. Zeitschriften ״ Schau Im Maiheft der englischen ״Fortnightfy Review“ veröffentlicht der bekannte Owen Tweedy einen sarkastischen Aufsatz über ״Englands palästinensische Verpflichtung“, in welehern er zunächst die unheilvolle Zerfahrenheit der englischen Palästina-Politik ironisiert. Andererseits hätten aber die Juden die Manier, all ihre Leidenschaft auf bestimmte Personen zu konzentrieren, und nachdem Lord Passfield aus seiner sozialistischen Einstellung heraus für die seiner Ansicht nach von den jüdischen Kapitalisten bedrückten arabischen Proletarier ebenso eingetreten sei wie vorher für die Eingeborenen von Kenya gegen ihre weißen Herren, sei er für die Weltjudenheit zum modernen Haman geworden, dessen Untat erst durch das erfolgreiche Liebeswerbcn des Ahasverus - MacDonald uin ״Esther" Weizmann getilgt worden sei, — noch dazu am 14. Februar! Aber trotz dieser Wiederannäherung sei die ganze Palästina-Frage geradezu hoffnungslos verfahren. Natürlich könne England nicht zurück. Wenn der geplante Legislative Council unter Beteiligung der Araber zustande käme, so würde er zwar durch die Vermehrung des Kontaktes zwischen Juden und Arabern günstig wirken, aber die Kernfrage unberührt lassen. Diese bestände noch immer in der Interpretation der Balfour-Deklaration, die trotz der beiden Weißbücher unklar sei und noch heute eine fast unbeschränkte Verpflichtung Großbritanniens gegen die Judenheit darstelle oder jedenfalls so gedeutet werden könnte. Infolgedessen hätten d 1 e Araber nicht ohne Grund Furcht. Nun könne man die Araber gewiß für untüchtig, primitiv, kindisch und wankelmütig halten, — aber sie blieben doch die ursprünglichen, mit starken Banden an das Land gefesselten Bewohner Palästinas. Wenn ein erheblicher Teil von ihnen infolge der jüdischen Ein- Wanderung jetzt landlos sei, so solle man darum noch nicht den Gedanken des Jüdischen Nationalheims verwerfen, aber man müsse den Arabern wenigstens sagen, wie sie sich die Zukunft yorzustellen hätten, sei es, daß man bestimmte jüdische Bevölkerungs-Höchstzahlen oder bestimmte Flächenmaße angebe. Dann könnten die Araber überhaupt erst positiv Stellung nehmen und zu einer Zusammenarbeit mit den Juden kommen. Leider hätten aber die J u - den selbst die konfusesten und verschiedensten Vorstellungen über den Umfang des Nationalheims, — was der Verfasser dann mit einigen allerdings erschreckenden Beispielen aus seinen Gesprächen mit palästinensischen Juden belegt. Die meisten Juden begriffen weder, daß es für England keine reizvolle Aufgäbe sei, einer arabischen Majorität mit bewaffneter Macht die Herrschaft einer jüdischen Minorität aufzuzwingen, noch daß es für die Araber nicht reizvoll sei, sich von den Juden beherrsehen zu lassen, selbst wenn ihnen diese Herrschaft Wirtschaftlieh nur Vorteile bringen sollte, — noch endlich, daß England niemals Bereitschaft gezeigt habe, sich die zionistischen Vor- Stellungen von der Schaffung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina zu eigen zu machen. Die Juden hofften immer noch, und sogar im wachsenden Maße, auf die Schaffung dieses jüdisehen Nationalstaates, oder wenigstens einer rein jüdischen Enklave in Palästina, die von den Großmächten garantiert werden solle. Tweedy schildert dann — lieblos, aber nicht gehässig — in sehr prägnanter Art die seltsame Atmosphäre des Jischuw, vor allem in den Städten. ־■— Die Luft in Palästina sei voller Zwietracht, wie zwischen den christlichen Sekten untereinander, so zwischen Juden und Arabern. In Jaffa habe man die ganze Nacht über die Kardinalfrage beraten, ob man den frdgewordenen Posten eines Straßenkehrers mit einem Araber oder einem Juden besetzen solle, und wahrscheinlich werde in dieser Angelegenheit noch der High Commissioner angerufen werden . . . Und so gehe es In vielen Dingen. Unter diesen Umständen sei natürlich die englische Aufgabe höchst uner- quicklieh. Ein Teil sei Ifttmer beleidigt Aber England müsse wenigstens damit aufhörea, durch altweiberhaftes Schwanken die Dinge noch schlimmer zu machen, sondern es müsse mit Ruhe und Festigkeit das Nötige —• z. B. jetzt die Errichtung einer Landbank durchführen. A. P. In der amerikanischen Monatsschrift ״Harpers Magazine“ veröffentlicht Rabbi Philipp Bernstein einen interessanten Aufsatz über die ״Unchristliche Christenheit“. Von der neuesten Verschärfung des Antisemitismus inner- und außerhalb Amerikas ausgehend, weist Bernstein darauf hin, daß etwa 50 °/0 der amerikanischen Christen, und etwa 75 «/« der nichtamerikanischen eine religiöse Erziehung durchmachten, deren Atmosphäre zweifellos stark antisemitisch sei. Ganz frei von Antisemitismus sei auch die Er- Ziehung des Restes nicht. Der Einfluß des religiösen Judenhasses mache sich auch heute noch, und zwar besonders immer zur Osterzeit, geltend; noch immer sei für Millionen von Christen Judas, der Jesus um Geld verriet, der Typus des Juden überhaupt, und die Juden seien das Volk, das Jesus gekreuzigt habe. Auch die Atmosphäre der In vieler Hinsicht wunderbaren Oberammergauer Passionsspiele sei von diesem religiösen Antisemitismus erfüllt. — Bernstein legt dann ausführlich dar, daß sogar die Behauptung selbst — daß die Juden Jesus gekreuzigt hätten — durchaus unbewiesen und unglaubhaft sei, und wie sehr die Darstellungen der damaligen Judenheit, die uns heute von großen christlichen Gelehrten wie Travers Herford gegeben würden, von den tendenziösen Darstellungen, die sich besonders im Johannesevangelium fänden, verschieden seien. * Mit dem Herannahen des Kongresses mehren sich natiirlieh die Gerüchte und Kombinationen über die künftige L e i t u n g der Jewish Agency. Es handelt sich dabei natürlich oft um reine Erfindungen oder Mutmaßungen. So läßt sich der Warschauer ״Ha jnt“ aus Jerusalem berichten, Weizmann bemühe sich, James Rothschild, den Sohn Baron Edmunds, als seinen Nachfolger zu gewinnen. Weizmann beabsichtige, dem Kongreß die Bildung einer Koalitionsleitung der jewish Agency vorzuschlagen, an deren Spitze James de Rothschild und Herbert Samuel stehen sollen. Als Vizepräsident sei Pinchas Ruthenberg in Aussicht genommen, weiter sollen Ussischkin, Dr. Ruppin und Prof. Yahuda zu Mitgliedern der Exekutive gewählt werden. Der letztere soll mit der Leitung der Abteilung für arabische Fragen betraut werden. An die Spitze der Zionistischen Organisation soll ein Präsidium, bestehend aus Nahum Sokolow und Prof. Brodetsky, gestellt werden. James de Roth- Schild ermächtigte die JTA., die Meldung, soweit sie seine Person betrifft, kategorisch zu dementieren. Europa-Tournee palästinensischer Makkahim Jerusalem, 17. Mai. (J. T. A.) In diesen Tagen verließ eine Gruppe palästinensischer Makkabitn auf Motorrädern und mit einem Automobil Jaffa, um sich zur Propaganda der ״Makkabiah“ auf eine Tournee durch Europa zu begeben. Die Gruppe fährt per Schiff nach Saloniki und von dort durch Bulgarien, Jugoslawien, Oesterreich, Süddeutschland nach Paris, wo ein feierlicher Empfang beim Palästina-Pavillon der Kolonialausstellung vorgesehen ist. Von dort begibt sich die Gruppe nach England, wo große Vorbereitungen für ihren Empfang getroffen werden. Die Vertreter des palästinensischen Makkabi, die ihre Reise unter dem Protektorat des Makkabi-Welt-Verbandes machen, werden gleichzeitig eine Baustein-Aktion des Welt- Verbandes zum Bau eines Stadions in TeJ-Awiw durchführen.

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