Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 38-39 (20.5.1931)
- Date
- 1931-05-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653288--22340-2680546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38/39, 20. V. 1931 Seite 238 . «1 . י י י". Wesen und Bedeutung des Allgemeinen Zionismus Von Dr. Alfred Landsberg, Wiesbaden. Der nachfolgende Artikel, der in einer Broschüre ״Parteien und Strömungen im Zionismus in Selbstdarstellungen'• (herausgegeben von der jüd. -akad. Verbindung ״Barissia" Prag) demnächst erscheint, wird uns zum Vorabdruck zur Verfügung gestellt. Red, Zählt man die Gruppen, die heute bei einer Kongreßwahl auftreien, oder betrachtet man die Zusammensetzung eines Kongresses, so drängt sich die Feststellung auf, daß es einen Allgemeinen Zionismus nicht mehr gibt. Diese Erkenntnis darf auch der nicht scheuen, der sich ״Allgemeiner Zionist“ nennt und auf einer Liste Allgemeiner Zionisten kandidiert. Er weiß, daß er auf einer Liste Allgemeiner Zionisten besonderer Prägung stellt, der Liste deutscher Allgemeiner Zionisten nämlich, die in ideeller Verbindung mit einigen wenigen Gruppen anderer Länder steht, andererseits aber in schroffein Gegensatz z. B. zur Gruppe der Allgemeinen Zionisten in Palästina, die dem Revisionismus nahe steht und sich wirtschaftlich weit nach rechts und in Gegnerschaft zu den Arbeitern stellt. Es läßt sich also nicht leugnen, daß das, was sich heute da und dort noch Allgemeiner Zionismus nennt, längst nicht mehr das ist, was es war und sein sollte: Das Rückgrat und der Kern der zionistischen Bewegung und Organisation, der Repräsentant eines Zionismus ohne BeiÄse 'und ohne Bindestrich. War es eine folgerichtige Entwicklung, daß dieser Allgemeine Zionismus zerbröckelte und gegenüber den Gruppen und Fraktionen weit an Bedeutung zurücktrat? Der Zionismus umfaßt alle Bezirke des jüdischen und allgemeinen Lebens und so begehrten in ihm die Kräfte Raum, die das Leben sonst beeinflussen, so wurden die Braktionen des Misrachi und der Arbeiterparteien von uns stets als berechtigt empfunden und in der Epoche der praktischen Verwirklichung mochte es zuweilen Vorkommen, daß die in weltanschaulicher Ueberzeugung fundierten So.idcrinlcrcssen dieser Gruppen in Konflikt gerieten mit dem zionistischen Gesamtinteresse. Dadurch entstand ein durchaus legitimer Kampf innerhalb der Organisation, und bisher erwies sich die zionistische Idee noch als stark genug, um diese Sonderanschauungen in dem Zionismus zu binden. Alles außerhalb dieser Sondergruppen war Allgemeiner Zionismus. Auch in ihm gab es Gegensätze und in jeder für den Zionismus lebenswichtigen Frage teilte sich häufig das Lager der Allgemeinen Zionisten in verschiedene Gruppen. Der Gegensatz zwischen ״Politischen“ und ״Praktischen“ Zionisten hatte seinerzeit seinen guten Sinn, aber die mächtige Idee des Allgemeinen Zionismus, d. h. des Zionismus an sich, war es, die aus beiden Richtungen den ״synthetischen“ Zionismus schuf. Der Allgemeine Zionismus war das Herz, war das Zentrum der Organisation, um ihn gruppierten sich die Föderationen und Fraktionen und je stärker der Allgemeine Zionismus in einem Lande war, desto inniger war das Band, das sich um alle Zionisten, auch um die Angehörigen der Föderationen schlang. In Deutschland z. B. können wir trotz aller Gruppengegensätze, die sich auch hier in den letzten Jahren erheblich verstärkt und den Allgemeinen Zionismus zerrissen haben, noch von einer zentral geleiteten, gemeinsamen zionistischen Arbeit sprechen und zuweilen an der Haltung einzelner Gruppen ihren Zentralstellen gegenüber feststelfen, daß alle einmal in einem starken Allgemeinen Zionismus erzogen und an ihm gebunden waren. . Aber das sind kümmerliche Reste. Im übrigen haben sich in dem Allgemeinen Zionismus Gruppen und Grüppchen gebildet, die vielfach schärfer voneinander getrennt sind, als gegnerische Parteien im allgemeinen politischen Leben. Man sollte meinen, daß schon die jetzt im Zionismus bis ins Absurde gehende Gruppen- und Grüppchenbildung einen neuen Allgemeinen Zionismus wecken müßte. Es gibt bereits ״Zeire Misrachi Revisionisten“ und wenn es so weiter geht, bildet jeder Zionist eine Gruppe für sich. Dabei sind es meist nicht Weltanschauungsgegensätze, die liier die Meinunen teilen, sondern Meinungsverschiedenheiten in konkreten ragen auf politischem, wirtschaftlichem und vielfach auch nur taktischem Gebiet. Der Streit um die Jewish Agency z. B. brauchte keinen Anlaß zur Bildung einer neuen Gruppe zu geben, und er konnte innerhalb des Allgemeinen Zionismus wirksamer und weniger schädlich ausgefochten werden. Wie gefährlich es ist, anläßlich solcher Streitfragen zur festen und organisierten Gruppenbildung zu schreiten, erweist die Entwicklung der radikalen Gruppe, die, nachdem die Ent- Scheidung über die Jewish Agency gefallen war, auf ihrem Gruppen wißen beharrte, obwohl sie im Gründe nicht wußte, wohin dieser Wille sich richten sollte. Wir täuschen uns nicht mehr und wissen, daß wir im Beginn der Aufbauarbeit stehen, daß wir noch einen langen, mühsamen, von Feinden umstellten Weg zurücklegen müssen, bis wir ans Ziel gelangen und daß es der Konzentration aller Kräfte bedarf, um dieses Ziel zu erreichen. Die Gegensätze innerhalb der Zionistischen Organisation erwachsen heute nicht so sehr aus weltanschaulichen Spannungen, wie z. B. Sozialismus und Kapitalismus, Orthodoxie und Liberalismus. Die Gegensätze ergeben sich aus den Mühen und den Schwierigkeiten des Aufbaus, aus Fragen der Tagespolitik und der Tagestaktik, und was heute richtig sein kann, hat schon in einem Jahr seinen Wert verloren und umgekehrt. Deshalb sollte man wieder lernen, diese naturnotwendigen Meinungs- Verschiedenheiten in Politik und Wirtschaft innerhalb eines starken Allgemeinen Zionismus auszutragen. Es würde dann möglich sein, den Allgemeinen Zionismus wieder zum Träger eines zionistischen Kollektivgewissens zu machen, zu dem Kern, um den sich alles reiht. Denn neben allen Schwierigkeiten des Aufbaus und neben allen Fragen der Politik, und vielleicht vor alledem liegt es uns ob, den zionistischen Gedanken immer wieder zu entfachen, auf eine junge Generation zu wirken, dem Zionismus neue Menschen zuzuführen, und all das kann nur gelingen, wenn der Zionismus lebendig bleibt und sich nicht in kleinliebem, unfruchtbarem Streit der Gruppen und Grüppchen zermürbt Alle, die sich in dem jetzigen Chaos der Örganisation noch einen Begriff von zentraler zionistischer Arbeit bewahrt haben, sollten ihre Kraft daran wenden, mit, einem Allgemeinen Zionismus wieder eine starke aktive und lebendige zionistische Organisation und Bewegung aufzubauen. Alle, die Gesamtverantwortung unter Hintanstellung jeglicher Sonderinteressen zu übernehmen bereit sind, sollten sich wieder zusammenfinden, bei allen Meinungsverschiedenheiten im ein- /einen, zu einem Zionismus, dem sich alles andere unterordnet, der nach außen um den Sieg der zionistischen Idee zu k impfen bereit ist, die Meinungsverschiedenheiten im Innern aber im vertrauensvollen Zusammenarbeiten im Grunde Gleichgesinnter zu bereinigen sucht. Es ist höchste Zeit, daß die Splitter des Allgemeinen Zionismus ihre Sonderinteressen zurückstcllen und sich zu einer neuen Gemeinschaft verbinden, sonst könnte es passieren, daß sie bei der Pflege ihrer Sondergruppen nicht merken, wie der Zionismus austrocknet und die Zionistische Organisation verdörrt. Die Kongre$ -Wahlen Von Moses Waldmann. Am 13. Mal ist in Versailles der Senatsprisident Doiiiu e r gegen Aristide Brland zum Präsidenten der französischen Republik gewählt worden. Die Wahl des obersten Repräsentationsbeamten der dritten französischen Republik ist in erster Linie eine innerpolitische Angelegenheit und spiegelt die Stimmungen des Landes sozusagen zum Zwecke des häuslichen Gebrauches wider. Es ist zu bemerken, daß der Präsident der französischen Republik nach der französisehen Verfassung keine besonderen politischen Befugnisse hat und verpflichtet ist, während seiner Amtszeit sich politisch neutral zu geben. Dieses Prinzip ist wohl von starken Persönlichkeiten wie P 0 i n c a r e und M 111 e r a n d durchbrochen worden, was aber fast ausnahmslos bei allen französisch politischen Parteien ein Gefühl des Unbehagens erregt hat. Trotzdem es sich bei der Wahl in Versailles am 13. Mai um eine fast ausschließlich innerpolitisch französische An- Gelegenheit gehandelt hat, war der außenpolitische Widerhall dieses Ereignisses alles andere als Frankreich zuträglich. Sogar solch vorsichtige Zeitungen wie die ״Time 5“ in London und die ״Frankfurter Zeitung“, von den vielen tausenden parteimäßig schärfer pointierten und temperamentvolleren Blättern zu schweigen, konnten nicht umhin, einem starken Gefühle des Bedauerns Ausdruck zu geben, daß durch diese Wahl die außenpolitische Situation Frankreichs, dessen friedliche Tendenzen in den letzten Jahren in zahllosen Voten von Kammer und Senat immer aufs neue bestätigt wurden, eine schwere Belastung erfahre. Dabei muß man sich vor Augen halten, daß Frankreich in der Liste der Weltmächte einen der hervorragendsten Plätze einnimmt und sich mit einem geringeren Oefahrenrisika als andere Nationen den Luxus leisten könnte, seine Außen- Politik der Innenpolitik zu akkoinmodieren, bzw. Außenpolitik und Innenpolitik, soweit dies überhaupt möglich ist, als gesonderte Gebiete zu behandeln. Im allgemeinen ist nämlich gerade nach dem Weltkriege die Einsicht überall gewachsen, daß selbst im Leben der stärksten Nation die Außenpolitik gegenüber der Innenpolitik den Vorrang zu behaupten hat und daß es der folgenschwerste Fehler für eine Nation wäre, wenn sie auch nur für einen Augenblick vergäße, in welchem Maße sie an das gesamte politische Weltsystem gebunden ist. Was für große, mächtige Nationen gilt, ist für kleine, auf das Wohlwollen und das Verständnis der Mitwelt angewiesene geradezu unumstößliches Gebot. Müssen schon Nationen wie die deutsche, polnische, ja selbst französische und englische, dauernd auf der Hut sein, außenpolitische Empfindsamkeiten nicht zu verletzen und ihre Beziehungen zur Welt nicht unnötigerweise zu verschärfen, so gilt dieser Grundsatz für die Zionisten, sofern sie politisch ernst genommen werden wollen und Wirklichkeitssinn besitzen, mit der Wucht eines Axioms. Gesetzt den Fall, Deutsche, Franzosen, Polen oder Italiener haben innerpolitisch einen Kurs eingeschlagen, der die Außenwelt mißtrauisch macht oder mißtrauisch zu machen geeignet ist, so werden für diese Nationen daraus Schwierigkeiten entstehen, die in der Folge eine Korrektur der innerpolitisdien Exaltation herbeiführen werden. Die betreffenden Nationen haben eine Einbuße erlitten, aber schließlich sind sie in ihrem Lande und haben die Möglichkeit, die Scharte auszuwetzen, allerdings haben sie zumindest einen Tempoverlust zu verzeichnen. Für uns Zionisten jedoch ist der Faktor Zeit von viel einschneidenderer Bedeutung als für alle anderen Nationen. Zeitverlust bedeutet für uns Substanzyerlust, bedeutet unwiederbringliche Chancen, nicht wieder girtzümacnenden Schäden. Denn wir sind nicht in unsercntxande, wir sind erst dahin unterwegs. Außenpolitisch betrachtet sind wir von drei Faktoren abhängig: Von der Mandatarmacht, von der öffentlichen Meinung Tn der Welt und von der Entwicklung eines erstrebten guten Verhältnisses zu den Arabern, welche vorläufig einen der Schlüssel zur Lösung der schweren politischen Situation des Zionismus in jier Hand haben. Bei all unseren zlonistisehen Handlungen, mögen sie auch einem vermeintlich durchaus begreiflichen Empfinden entspringen, müssen wir, sofern wir eine reife, nicht dilettantische Politik zu treiben beabsichtigen, an uns doch die Frage richten: Wie wird diese Handlungsweise sich aut die genannten drei Faktoren auswirken? Der Druck der Gegebenheiten zwingt zur Vorsicht. Denn es ist fesizuhalten, daß eine Politik, wie die unsere, die zwangsläufig nicht in der Lage oder nicht gewillt Ist, mit Machtmitteln der Zahl oder der Waffen zu arbeiten, nur in denjenigen Kreisen Aussicht hat, Freunde zu finden, die ihre politischen Einsichten aus Grundsätzen des Verständigungswillens herleiten, und die jede Form der Aggression, auch der innerpolitischen, ablehnen. Wenn wir in der gesitteten Kulturwelt und bei Staatsmännern Unterstützung gefunden haben, so geschah das immer nur dann, wenn wir zu überzeugen vermochten, daß unsere Empfindungen, Absichten und die Methoden ihrer Durchführung vom Geiste der Fried- Fertigkeit und von dem absoluten Willen, niemandes Rechte zu verletzen, getragen sind. Diese Situation legt uns außerordentliche Rücksichten auf. Wir dürfen uns über das Ausmaß und den Wert der Sympathien, welche unsere Sache in der Welt genießt, nicht Illusionen hingeben. Darum wäre es politischer Selbstmord, wollten wir das vorhandene Guthaben in der öffentlichen Meinung der Welt, bei der englischen Regierung und auf weitere Sicht auch bei den Arabern verringern durch Aeußerungcn und Handlungen, die geeignet sind, Mißtrauen in der Welt zu erregen, ohne imstande zu sein, die vorhandenen Gegebenheiten auch nur um ein Jota zu ändern. Hierbei muß man sich vor Augen halten, daß es im politischen Leben zunächst nicht darauf ankommt, ob ein Mißtrauen berechtigt oder unberechtigt ist, sondern darauf, ob es vorhanden ist oder fehlt. Sicherlich verlangt eine vorsichtige Haltung dauernde Rücksichtnahme, manches Opfer an überschüssigem Temperament, einen Verzicht auf ״her> isches“ Gebaren und sehr viel Selbstzucht. Aus dem Gesagten folgt für mich, der, ohne ein Freund von Fraktionen und ad hoc formulierten Programmen zu sein, sich der Fraktion des zionistischen Commonsense, den Allgemeinen Zionisten, angeschlossen hat, eine Erkenntnis mit unabweisbarer Konsequenz: Ich betrachte jede zionistische Stimme, die in der gegenwärtigen Situation für einen Revisionisten oder Krypto-Revlsionisten bei den Wahlen zum Kongreß abgegeben werden wird, als eine, wenn auch in bester Absicht ungewollt erfolgte, in der Auswirkung jedoch vollendete schwerste Schädigung des Zionismus und unseres Aufbau- Werkes in Palästina. Es handelt sich hierbei nicht um den Wert oder Unwert von Kandidaten, es handelt sich hierbei auch nicht um die Eignung oder Unfähigkeit von Prätendenten auf die Führung der zionistischen Geschicke. Es handelt sich um die große zionistisch-politische Linie, die unter den obwaltenden außerpolitischen Verhältnissen von den Revisionisten so verwirrt werden kann, daß eine Rektifizierimg möglicherweise niemals mehr wird stattfinden können. Das außenpolitische Risiko eines verstärkten revisionistischen Einflusses auf den Zionismus ist zu groß, als daß ich der Ansicht huldigen könnte: ״Lasset die Revisionisten nur heran, sie werden bald abgewirtschaftet haben." Ich habe zunächst nur die politische Außenwirkling im Auge, die, berechtigt oder unberechtigt, eintreten muß, wenn der ( Revisionismus, wenn auch nur zeitweilig, zu einer ausschlaggebenden Richtung innerhalb des Zionismus geworden ist. Wäre ich ein Italiener, Franzose oder Deutscher, so würde ich mich vielleicht unter Umständen auf ein derartig riskantes Zwischenspiel einlassen. Unsere Situation ist eine ganz andere. Es wäre ein nie wieder gutzumachender Fehler, wollten sich wirklichkeitsnahe Zionisten mit dem Gedanken abfinden, den Revisionisten auch nur für drei Monate Gelegenheit zum Nachweis zu geben, daß ihr Weg nicht zum Ziele führen kann. Nicht einmal die Aussicht vermag zu beruhigen, daß die Revisionisten, zur ״Macht“ gelangt, auch mit Wasser kochen werden und die Bähn wandeln müssen, die die harte Welt der Tatsachen vorschreibt. Der Ausspruch des kleinen Moritz: Geschieht dem Vater recht, wenn ich mir die Finger abfriere, kann nur in bezug auf baumwollene Winterhandschuhe Verwendung finden. Nicht aber auf ernste, schwerwiegende politische Entscheidungen, von denen das Schicksal eines hoffenden Volkes abhängt. Die Wahl zum XVII. Zionistenkongreß ist eine derartige wichtige Entscheidung. Ein Weltverband Allgemeiner Zionisten? Krakau, 15. Mai. (J. T. A.) Auf Initiative des auf dem XVI. Kongreß gebildeten Organisatiotiskomitees zur Schaffung eines Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten wurde in Krakau eine Konferenz eröffnet, an der Zionisten aus ganz Polen teilgenommen haben. Nach eingehenden Beratungen wurden einstimmig mehrere Resolutionen gfefaßt, in denen folgende Grundsätze zum Ausdruck gebracht werden: 1. Anstreben der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Pa- Iästina mit jüdischer Mehrheit. 2. Primat der jüdischen Interessen gegenüber den Interessen einzelner Gruppen. 3. Notwendigkeit, alle Kräfte im jüdischen Volk zusammenzufassen. 4. Organisierung der Privatinitiative neben der Chaluzarbeit. Es wurde die Schaffung eines We 1tverban d es der Allgemeinen Zionisten beschlossen. Sämtliche auf der Konferenz vertretenen Zionistischen Organisationen haben sich zum Eintritt in den neuen Weltverband bereit erklärt. (Es handelt sich offenbar um eine Konferenz im Sinne des von uns in Nr. 3ö auszugsweise wiedergegebenen Artikels von Dr. Schwarzbart, dessen Programm auch den Resolutionen zugrundeliegt. Aus der Meldung geht jedoch nicht hervor, daß auch Allgemeine Zionisten anderer Länder als Polens vertreten gewesen waren. Die Beschlüsse sind also offenbar als Anregungen der polnischen Zionisten an die Zionisten anderer Länder zu verstehen. — A. d. R.) In T e 1 - A w i w fand eine Vorkonferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas zur Beratung der Probleme des bevorstehenden Zionistenkongresses statt, bei der Ussischkin in einer 1 inständigen Rede scharfe Kritik an Weizmanns Führung übte. (Die Allgemeinen Zionisten Palästinas sind bekanntlich zum größten Teil gegen Wcizmann; wir brachten am 17. April die Rede, in der sich Weizmann in Tel-Awiw mit dieser Gruppe auseinandersetzte. — A. d. R.) Landesverband Ungarischer Zionisten Die Jahreskonferenz des Landesverbandes Ungarischer Zionisten, die am 10. Mai in Budapest abgehalten wurde und aus der Hauptstadt wie aus der Provinz gut beschickt war, hat 11. a. die folgenden Beschlüsse angenommen: Die Konferenz stellt fest, daß durch den Brief MacDonalds die Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht wieder hergestellt ist. Mit Rücksicht darauf, daß Präsident Weizmann, dem der Zionismus nach Herzl das meiste verdankt, seinen Rücktritt angekündigt und eine Wiederwahl abgelehnt hat, ist die Frage der Leitung eine ganz außerordentlich schwere geworden, die in der heutigen Zeit mit ganz besonderer Sorgfalt einer Lösung zugeführt werden muß. Die Konferenz legt daher Gewicht darauf, daß diese Frage noch vor dem Kongresse entsprechend vorbereitet werde. Die Konferenz betont, daß ein friedliches Zusammenwirken mit allen in Palästina wohnenden Bevölkerungsteilen die Grundläge der Nationalen Heimstätte in Palästina sein muß. Grundsatz unserer Politik muß die Möglichkeit der freien Einwanderung und Kolonisation sein, deren Grenze bloß durch Willen und Fähigkeit des jüdischen Volkes, sowie durch Aufnahmefähigkeit des Landes gesetzt werden könne. Die Konferenz mißbilligt es, daß durch politische Aktionen, bei denen Ort, Zeit und Art der Aktion ohne Einvernehmen mit der Exekutive gewählt wurden, unsere politische Arbeit gefährdet werden konnte, und betont, daß in der Zukunft von keiner Gruppe politische Aktionen ohne Einvernehmen mit der Exekutive der Zionistischen Organisation, die allein zur politischen Arbeit berufen ist, unternommen werden dürfen. Die Zionistische Exekutive hatte sich bei der Tagung durch Herrn Dr. Joseph Rufeisen, Präsidenten der Tschechoslowakischen Zionistischen Organisation, vertreten lassen, der sowohl durch sein die ganze zionistische Lage umfassende* Referat, wie auch durch Verhandlungen mit der Leitung zum Erfolg der Tagung sehr viel beigetragen hat. In den neuen Landesvorstand wurden gewählt: Präsident Dr. Ede Izsak, Geschäftsführender Präsident Dr. Friedrich Fried, ferner Joseph Engel, Dr. Ladislaus Gero, Dr. Bela Gondos, Armin Horvath, Stefan Irsai, Dr. Moses Richtmann, D. Ezra Weiß, Mano Werner. Revisionisten gegen Grilnbaum Warschau, 15. Mai. (J.T.A.) Ein Massenmeeting, auf dem Abg. I. Grünbaum über die politische Lage im Zionismus sprechen sollte, wurde wegen dauernder lärmender Kundgebungen der Revisionisten von der Polizei aufgelöst. Wie das zionistische Zentralkomitee der JTA. mitteilt, hat die Leitung der Revisionistischen Union in Polen ihre Anhänger in einem Rundschreiben aufgefordert, jede Versammlung zu stören, in der Grünbaum als Redner auftritt. Das zionistische Zentralkomitee hat der Leitung der revisionistischen Union mitgeteilt, sie werde sich gezwungen sehen, von allen ihr auf Grund des Statuts der Zionistisehen Organisation zustehenden Mitteln Gebrauch zu machen, um ״derartigen wilden Kundgebungen, der Verbreitung von Anarchie und der Zersetzung der Zionistischen Organisation“ Einhalt zu tun. Delegiertentag der Schweizer Zionisten. Der vor kurzem in Genf abgehaltene 37. Delegiertentag des schweizerischen Zionistenverbandes hat eine Resolution gefaßt, in der der Inhalt des Briefer MacDonalds an Dr. Weizmann mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und Dr. Weizmanndas Vertrauen ausgesprochen wird. Die revisionistischen Delegierten haben sich an den Arbeiten der Konferenz nicht beteiligt. Sie verließen in der ersten Sitzung die Konferenz, nachdem ein von ihnen eingebrachter Antrag, das Referat Dr. Beckers entweder von der Tagesordnung abzusetzen oder ein von einem revisionistischen Delegierten zu haltendes halbstündiges Korreferat auf die Tagesordnung zu setzen, abgelehnt worden war.