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Jüdische Rundschau · 1931-05-20 · Heft 38-39 (20.5.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 38-39 (20.5.1931)
Date
1931-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38/39, 20. V.!931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 237 n lkei; )'.Kn r in :agsiver- -inic;erer iihrt, lkes. ency 1 der aride- 'ende rige ie auf sind, issen, 5rung andeangejede :i der ewish sutive 1 und g der!gen V erden ilüsse, Gageission denen Weise rdiges crichache r a k - en, es :it ge- 1m!!e!1;t hat, chung ) edens- >n der 1 Verilikum en auf mchen müsse edensa jüdiunerilligen kation mpört. nentä- Vachtnächst chtc 1uf die im sotina, öglich-;ze zu oblem ht für )chene 1g der er, die 1g be- 1g der unter 1 eine enaich t, daß 3 19» es für g ihre rall in der if dem im die n, ins- Auch Fortarabinsivie-!en eren die 1t eine ührer-;s Pay ge- Ment stolz ie Anbatten, Aufbau einiger;h der as Erin Dr. hemen Da8 jüdische Weltlnieresse an den Juden Deuischlands Der Verein der jüdischen Presse in Berlin veranstaltete am 18. d. M. einen Vortragsabend, auf dem Jakob Landau, der Direktor der Jüdischen Telegraphenagentur, über seine Eindrücke in den verschiedenen Ländern berichtete, die er in der letzten Zeit besucht hat In seinem Referate kam Lan* dau auch auf das Interesse zu sprechen, das in der ganzen jüdischen Welt, besonders aber in den Vereinigten Staaten, für die Vorgänge in Deutschland vorhanden ist. Der Nationalsozialismus ist keine auf Deutsch- |and allein beschränkte Erscheinung und auch in anderen Landern sind ähnliche rechtsradikale, faschistische Bewegungen unter verschiedenen Bezeichnungen im Wachsen. Es beunruhigt die gesamte jüdische Welt, daß Millionen nichtjüdischer Deutscher einer Partei ihr Vertrauen geschenkt haben, die den rücksichtslosesten Judenhaß predigt. Wenn man auch sich sagen muß, daß die Wurzel des nationalsozialistischen Erfolges nicht nur im Judenhaß dieser Partei, sondern in ökonomischen und außenpolitischen Gegebenheiten liegen, so ist immerhin zu bedenken, daß durch den Anschluß von Millionen Wählern an die nationalsozialistische Partei diese Wähler ihre Bereitwilligkeit kund getan haben, Objekt einer radikalen antisemitischen Propaganda zu sein. Man kann sich nicht mit der Meinung trösten, daß nicht alle nationalsozialistischen Wähler Antisemiten sind. Sicher ist, daß die nationalsozialistischen Wähler ihrer zweifellos fanatisch antisemitischen Parteileitung nicht hindernd in den Arm fallen werden, wenn diese Leitung daran gehen wird, die 01 eic 11 berechtigung der Juden in Deutschland auf gesetzlichem oder ungesetzlichem Wege zu vernichten. Diese Entwicklung ist ein um so bedrohlicheres Symptom, 31s in Deutschland kaum ein Prozent Juden lebt. Die Juden in der ganzen Welt stellen ein Prozent der Menschheit dar. Wenn man sich sagt, daß eine Verteilung der Juden auf China und Indien nicht im Bereiche der Möglichkeit liegt, so kommt man zu dem Ergebnis, daß bei einer vollständigen Zerstreuung der Juden auf jedes Land ungefähr zwei Prozent jüdischer Einwohner kommen würden. In Deutschland ist dieser Prozentsatz nicht erreicht. Die deutsehen Juden haben sich in weitgehendem Maße den Sitten und Gebräuchen, den Formen und der Kultur Deutschlands angepaßt. Sie unterscheiden sich weder in Sprache noch in Kleidung von der umwohnenden Bevölkerung. Sie sind in hohem Grade assimiliert. Trotzdem aber ist das deutsche Volk nicht gewillt, auch nur das eine ln Deutschland vorhandene Prozent Juden als vollkommen gleichberechtigt zu betrachten. Die formale Gleichstellung der Juden in Deutsch-!and ist vom deutschen Volksempfinden niemals ratifiziert worden. In den Ländern jüdischer Massensiedlung, in ■denen der Prozentsatz der Juden die Zahl zehn und noch mehr erreicht, wird immer eingewendet, daß eine Hauptquelle des Gegensatzes zwischen Juden und Nichtjuden ln der Sonderart und ln dem Sonderleben der jüdischen Bevölkerung Hegt. Mm weist in jenen Ländern darauf hin, daß in Deutschland und in Frankreich sich die Juden der übrigen Bevölkerung angepaßt haben, was sie in Polen und in Rumänien und in anderen kleinen Ländern in der großen Masse nicht tun. Man verlangt in jenen Ländern von den Juden einen Verzicht auf äußerliche Unterscheidungsmerkmale in Sprache, Kleidung und Lebensstil und meint, daß sich alsdann die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden bessern werden. Nun erlebt die jüdische Welt das abschreckende Beispiel in Deutschland. In diesem Lande sind von jüdischer Seite aus alle Voraussetzungen geschaffen worden, um die Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden zu verwischen, ln Deutschland haben die Juden auf allen Gebieten der staatlichen, sozialen, wissenschaftlichen, künstlerischen und ökonomischen Tätigkeit außerordentliche Leistungen im Interesse ihres Vaterlandes vollbracht. Trotzdem besteht jetzt in Deutschland, wie kaum in einem anderen Lande der Welt, eine derartige antisemitische Hochspannung, daß man allen Ernstes den Ausbruch von Unruhen gegen die Juden befürchtet, wie sie sonst in den letzten. Jahrzehnten nur in rückständigen Ländern festzustellen waren. Deutschland ist heute das Zentrum der antisemitisehen Bewegung. Von Deutschland aus beziehen die Antisemiten in der ganzen Welt die Schlagworte gegen die Juden. In Deutschland ist die Krise der jüdischen AssimUatfonspoHtlk in stärkstem Maße sinnfällig geworden. Aus diesem Grunde sind die Blicke aller Juden in der ganzen Welt, die die Zusammenhänge des jüdischen Schicksals erkennen, auf Deutschland gerichtet. Man versteht es im Auslande nicht, daß ein großer Teil der deutschen Juden es mit Unbehagen aufnimmt, wenn ausländische Juden die antisemitischen Vorgange in Deutschland mit Aeußcrungen des Protestes verfolgen. Die Beispiele der ungarischen und türkischen Juden, die in einem aus den Verhältnissen in Ungarn und der Türkei erklärbaren Servilismus dagegen protestiert haben, daß sich ausländische Juden mit Protesten gegen die Entrechtung der ungarischen bzw. türkischen Juden an den Völkerbund und an andere Instanzen gewendet haben, lehren, daß ein derartiges Verhalten diesen Juden nicht im geringsten genützt hat. Die Hoffnung der deutschen Juden, daß es sich bei der hochgehenden antisemitischen Welle in Deutschland um eine zeitweilige Erscheinung handelt, die bald ihre Bedrohlichkeit verlieren wird, ist durch die Tatsachen nicht gerechtfertigt. Gerade die letzten Wahlen zum Landtage in Oldenbürg beweisen, daß der Aufstieg des Nationalsozialismus keineswegs ein Ende gefunden hat. Die Nationalsozialisten haben die Rekordzabl ihrer Wählerstimmen bei den Reichstagswahlen noch um 30 Prozent zu erhöhen vermocht. Wenn auch die neuen Wähler hauptsächlich aus Gründen der Zollpolitik in das Lager der Nazis hinübergeschwenkt sind, so bedeutet dieser Zuwachs von Zehntausenden von Stimmen eine außerordentliche Verstärkung des nationalsozialistischen Selbstgefühls und damit auch eine erhöhte Bedrohung der jüdischen Position in Deutschland. Gegenüber dieser Entwicklung muten die bisherigen Methoden der jüdischen Abwehrarbeit in Deutschland lächerlieh an. Was soll gegenüber dem fanatischen Judenhaß der Nationalsozialisten irgendeine ״Aufklärung“ oder ״Werbearbeit“? Die Nazis haben die Erfahrung gemacht, daß man mit der Judenhetze außerordentlich vorteilhafte politische Geschäfte machen kann. Sie werden auf dies« zugkräftige Werbemittel nicht verzichten. Ihre Pres9e nimmt jedes Ereignis der Welt zum Anlaß,, es antisemitisch umzudeuten und auszuwerten. So findet der ״Völkische Beobachter“, daß ״die Berliner Judenpresse über die Christenverfolgung in Spanien begeistert“ ist. Das gleiche Blatt stellt fest, daß die spanische Revolution nur von Juden gemacht ist. Kann man angesichts einer derartigen Haltung ernstlich glauben, daß man mit Aufklärungstraktätchen gegen die antisemitischen Instinkte aufkommen wird, die in stets abgewandelter Form immer neue Veranlassungen finden werden, sich gegen die Juden zu kehren? s. n. Zehn Jahre J.T.A. ... Von der Palästina - Beamtenschaft Mit dem Herannahen der Sommerzeit und der damit zusam-! menhängenden üblichen Urlaube verändert sich die Zusammen- I Setzung■ der leitenden Beamtenschaft Palästinas beträchtllch. Der High Commissioner Sir John Chancellor ist bekanntlich am 6. Mai in London eingetroffen, wo am W. Mai die Hochzeit seiner Jochter stattnndet. Es ist beabsichtigt, daß er am 1. Juni wieder in Palästina eintrifft und daß dann der Chief Secretary Y o u n g sofort abfährt, um Nie Regierung bei der Sitzung der Permanenten Mandats- Immission am 9. Juni zu vertreten. Auch der Finanzsekretär, Sir Spencer Davis, der kürzlich das für Pensionierung erforderliche Alter erreicht hat und der oberste Richter MacDonell werden demnächst abreisen. Von jüdischen Beamten geht der Leiter der Immigrationsabteilung Haymhon Ende Mai in einen längeren Urlaub, im Juli der lstellvertretende Sekretär Nurock; über die Beurlaubung Edwin Samuels, der auf zwei Jahre nach Amerika geht, [haben wir bereits berichtet. Definitiv zurückgetreten ist der Distriktskommissär von Nordpalästina, Colvllle, und der Polizeidirektor Mavrogordato. Es heißt, daß auch der Landwirtschaftsdirektor Sa wer aus Gesundheitsrücksichten zurücktreten wird. Der Justizsekretär B ent wich befindet sich bereits seit mehreren Monaten auf Urlaub in London. Kaplansky Aber die läge I Ingenieur S. Kaplansky, Mitglied der Zionistischen Exekutive, der sich gegenwärtig auf einer Europa-Toumö be- Endet und auch in einer öffentlichen Versammlung der Poale zion in Berlin sprach, legte in Berlin im Rahmen der ״Liga für das arbeitende Palästina“ einem engeren Kreise seine Anschau- *gen über aktuelle Probleme dar. Er gab einen kurzen Ueber- Wiek über die Entwicklung und den augenblicklichen Stand der;'crhandlungen mit der englischen Regierung. Die Nachrichten ier den ״A b b r u c h“ der Verhandlungen zwischen der Jewish i ״gency und der Regierung sind grundlos. Es bestehen Diffehenzeji über die Durchführung des Landentwicklungsplanes; die hvisi! Agency vertritt den Standpunkt, daß es notwendig ist, h'Boii jetzt einen Vert eilungsschlüssel für die im bri- Ifochcn Parlament angekündigte Palästina-Anleihe festzusetzen. l)ie Regierung aber neigt dazu, eigene Sachverständige mit der ,Ausarbeitung eines Entwurfs für den Landentwicklungsplan zu “dräuen. Zur Verfassungsfrage übergehend, sagte der Redner, Ss müßten endlich von jüdischer Seite positive Vor- Uchl ä g e gemacht werden. Es sei zu begrüßen, daß die paijästinensische Arbeiterpartei eine Entschließung angenommen p*> die die Forderungen nach einer paritätisch zusammenletzten Vertretungsköroerschaft zum Ausdruck bringt. Erhöhte Aufmerksamkeit müsse der Kongreß der Sicherung des Budgets zuwenden. Die erweiterte Agency, besonders ihr amerikanischer Teil, hat die berechtigten Erwartungen enttäuscht, Die wirtschaftliche Krise und die politische Unsicherheit haben den Zufluß des privaten Kapitals verlangsamt. Man wird Schritte unternehmen müssen, um die eigentlichen kolonisatorischen Aufgaben anderen auch im Budget voranzustelien. Darüber hinaus müssen die stärksten Anstrengungen für die Geldaufbringung gemacht werden. Die Arbeiterschaft muß nach Ansicht von Kaplansky den Entschluß Weizmanns, nicht mehr zu kandidieren, als endgültig betrachten und ihn respektie_ren. Eine Einflußnahme der Revisionisten auf die Leitung müsse verhindert werden, sie würde sich auf das Aufbauwerk verhängnisvoll auswirken. Die Arbeiterschaft biete, gestützt auf ihre eigene Kraft und auf die enge Verbundenheit mit der internationalen Arbeiterbewegung, die Gewähr für die Verwirklichung des Palästinawerkes. Die Kongreßwaliien London, 15. Mai. (J.T.A) In der Zeit vom 24. Mai bis 7. Juni 1931 werden in ungefähr 45 Ländern die Wahlen der Delegierten zum XVII. Zionistenkongreß vorfenommen werden. Die Zahl der Delegierten wurde von der ionistischen Exekutaye auf Grund der in jedem Lande innerhalb der letzten zwei Jahre abgesetzten Schkolim festgelegt. Es werden voraussichtlich entsenden: Die Vereinigten Staaten (85 000 Schkolim) 28 Delegierte, Westgalizien (32 080 Schkolim) und Tschechoslowakei (31500 Schkolim) je 11 Delegierte, England (28 500 Schkolim) 10 Delegierte, Deutschland (25 500 Schkolim) 9 Delegierte, Südafrika (22 500 Schkolim) 8 Delegierte, Litauen (16500 Schkolim) 6 Delegierte, Jugoslawien (13000 Schkolim) und Oesterreich (10 500 Schkolim) je 4 Delegierte, Belgien (4600 Schkolim) 2 Delegierte. Für die übrigen Länder, darunter Polen und Rumänien, liegen noch keine Ziffern vor. Palästina dürfte eine Delegation von 38 Mitgliedern zum Kongreß entsenden. Postraub in Jerusalem. Aus einer Postsendung der Haifaer Filiale der Barclays Bank nach Jerusalem wurden am vergangenen Donnerstag nachts 7000 Pfund aus dem Safe des Jerusalemer Postamtes gestohlen. Es gelang der Polizei, den ganzen Betrag Ins auf 500 Pfund wiederzubeschaffen. Bei einem der verhafteten Postbeamten wurden außerdem Juwelen im Werte von 10000 Pfund gefunden, die er seinem Geständnis gemäß vor drei Jahren aus einer Sendung jgestöhlen hat, die aus Rußland ag die palästinensische kommunistische Organisation geschickt worden sein soll. In diesen Tagen könnte die Jüdische Telegraphen-Agentur (JTA.) das Jubiläum ihres zehnjährigen Bestandes feiern, wenn sie in dem Drange ihrer stetigen Arbeit und der ununterbrochenen Inanspruchnahme durch die Fülle des Geschehens in der jüdischen Welt Zeit zum Festefeiern hätte. Eigenartig wie die Verteilung des jüdischen Volkes in der ganzen Welt, eigenartig wie das Schicksal der Juden ist auch das Wesen dieser interterritorialen Nachrichtenagentur, die mit keiner anderen Nachrichtenstelle verglichen werden kann. Die anderen Völker unterhalten entweder aus öffentlichen Mitteln oder in Form privater Organisationen Agenturen mit dem Zentralsitz im Inland, um das Inland über Vorgänge im Ausland und das Ausland über Ereignisse im Inland zu informieren. Die Jüdische Telegraphen-Agentur informiert durch all ihre über die ganze Welt verteilten Filialen, die eigentlich Zentralen sind, und mit Hilfe ihrer 130 in allen Kontinenten wohnenden Berichterstatter in erster Linie die Juden allerorten über die jüdischen Schicksale in der ganzen Welt. Die Information der außerjüdischen Welt über jüdische Probleme und Vorkommnisse im jüdischen Leben ist eine Aufgabe zweiten Ranges. Durch den Dienst der JTA. sind in den letzten zehn Jahren die Juden der Welt einander näher gerückt. Um zu begreifen, welche Bedeutung diese Nachrichtenstelle und für die überwiegende Anzahl der in den verschiedensten Sprachen erscheinenden jüdischen Zeitungen einzige Nachrichtenquelle für die Stärkung der Verbundenheit aller Juden besitzt, muß man sch in einer jüdischen Bibliothek die jüdischen Organe vor der Begründung der JTA. ansehen. Damals herrschte auch in den größten jüdischen Zeitungen, man kann es nicht anders sagen, ein Kehillageist. ln erster Linie wurden Vorkommnissen Aufmerksamkeit gewidmet, die in der Reichweite des Synagogenturmes passierten. Ereignisse aus entfernteren jüdischen Zentren, mochten diese Ereignisse außerordentlich bedeutsam sein, fanden in den jüdischen Zeitungen in anderen Ländern nur ein sordiniertes Echo, und die Kunde von diesen Vorkommnissen kam zumeist verspätet und war darum blaß. Wie anders ist es heute! Auch die kleinste jüdische Zeitung, die Anzeiger unbedeutender Gemeinden, die Blättchen in China oder Australien, die fernab von jüdisehen Zentren liegen und für zahlenmäßig geringfügige Splitter der Judenheit bestimmt sind, atmen dank dem Dienst der JTA. stärkeres, impulsiveres jüdisches Leben als ehemals die großen jüdischen Organe in europäischen Hauptstädten. In der Informierung der Juden in aller Welt über die Juden auf dem ganzen Erdball liegt die bedeutsamste Leistung der JTA. Die Schicksalsverbundenheit und das Gefühl der gegenseifigen Verantwortung sind durch die ununterbrochenen Mahnungen des JTA.-Dienstes in einem Maße gestärkt worden, wie man es vor dem Bestehen dieser die Juaenheit der Welt verbindenden Institution nicht für möglich gehalten hätte. Man wird erstaunt sein, daß dem JTA.-Dienst die Rolle eines Mahners zuerkannt wird. Die Nachrichten der JTA. sind ja farblos, sie enthalten sich aller Kommentare, sie geben keine eigene Ansicht wieder und propagieren nicht die Ideen irgendeiner Richtung. Trotzdem aber muß man die JTA als die stärkste und einflußreichste Mahnerin, im jüdischen Leben betrachten. Sie versieht diese" Funktion durch die unaufhörlichen Hinweise auf die Ent- Wicklung der jüdischen Geschicke überall dort, wo Juden leben, und gerade durch den trockenen Nachrichtenstil erzielt sie stärkere Wirkungen, als wenn sie predigen und beschwören würde. Die JTA. ist innerjüdisen parteilos. Sie steht über den einzelnen Richtungen im Judentum. Aber auf einer hohen Warte, und darum vermag sie stärker als irgendein Organ, das einer bestimmten Richtung des Judeniuriis dient, die wesentlichen Erscheinungen tra jüdischen Leben von den weniger bedeutsamen zu sondern. So kommt es, daß die konstruktiven Anstrengungen Im zeit- .... " als andere im Gesamtju3entum unternommenen verschiedentliehen Aktionen. Gerade weil die JTA. sich vom Grundsätze ״Mein Feld ist die Welt“ leiten läßt, fällt ihr die internationale Verknüpfung der großen Politik mit jüdischen Interessen besonders ins Auge. Dies ist der Grund, warum die JTA. einerseits dem Palästinawerk, andererseits den Kolonisationsbestrebungen in Rußland besondere Aufmerksamkeit widmet Denn in beiden Fällen wird prinzIpiellNeues, vom althergebrachten Verschiedenes versucht, das die erhöhte Aufmerksamkeit nicht nur der jüdischen Oeffentlichkeit, sondern der interessierten außerjüdischen Faktoren beansprucht Für die nichtjüdische Welt ist die JTA. heute das bedeufsamste Informationsinstrument über jüdische Angelegenhelfen. In steigendem Grade haben sich die amtlichen Nachrichtenstellen aller auswärtigen Kanzleien der Kulturvölker gewöhnt, die JTA. zu Rate zu ziehen, wenn diese Aemter Kenntnis von den Vorgängen im jüdischen Leben erlangen wollen. Durch das Aussprechen dessen, was ist, hat die JTA. auf diese Weise bedeutsamen Einfluß erlangt So manche Maßnahme der einzelnen Regierungen in jüdischer Hinsicht fand ihre Anregung durch den Informationsdienst der JTA. Auf diese Weise fiat die Nachrichtenagentur wirksame Abw׳ehrarbeit, im besten Sinne des Wortes, im jüdischen Interesse geleistet Es ist ein alter Brauch der jüdischen Gemeinden gewesen, eine Gemeindechronik, einen ״Pinkas“, zu führen. Die Judenheit in ihrer Gesamtheit hat keinen Pinkas besessen. Und die jüdischen Historiker waren daher gezwungen, zwecks Feststellung der Schicksale des jüdischen Volkes die zahl« reichen Pinkassim zu durchblättern. Seitdem die JTA. besteht, besitzt die jüdische Gesamtheit einen Pinkas, der trotz des Dranges der eiligen Arbeit wertvolles, historisch-authentisches Material ln sich vereinigt Die gesammelten Jahrgänge des JTA.-Dienstes sind darum ohne Zweifel die umfassendsten Chroniken des jüdischen Lebens in allen vier Ecken der Welt. Die JTA. hat das jüdische Pressewesen modernisiert und auf ein höheres Niveau gehoben. Dieses Verdienst muß besondere von denjeniger geschätzt werden, die im Dienste der jüdischen Presse stehen. Aus diesen Kreisen kommen denn auch die herzlichsten Glückwünsche für die Männer, welche die JTA. begründet, aufgebaut und trotz der großen Schwierigkeiten bis aut den heutigen Tag zum Nutzen des jüdischen Volkes, zum Segen der jüdischen Presse fortgeführt haben. m.w. Juttas Simon, Präsident der Palesttne Economic Corporation New York, 15. Mai. H. T.A) Auf der Jahresversammlung der Palestine Economic Corporation wurde Julius Simon als Nachfolger des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Bemard Flexner zum Präsidenten gewählt. Bernard Flexner bleibt Vorsitzender des Direktoriums. Zum Ehren- Präsidenten wurde Felix Warburg, zu Vizepräsidenten wurden Vizegouverneur Herbert H. Lehman und der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Robert Szold, gewählt. Dem Rechenschaftsbericht war zu entnehmen, daß die Aktiven der Corporation seit der Gründung im Jahre 1926 um 1 650000 Dollar auf 2 575 000 Dollar gestiegen sind.

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