Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 38-39 (20.5.1931)
- Date
- 1931-05-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 238 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38130, 20. V. 1931 vo!1 Juden auf dem Lande, mit Einschluß der nicht für öffentliche Zwecke erforderlichen Staatsländereien und Brachländercien, fördern. Die Regierung erkennt in dem MacDonald-Brief ausdrücklich an, daß sie die Ausführung der Vorschrift dieses Artikels, die Förderung einer dichten jüdischen Siedlung auf dem Lande, bisher schuldig geblieben ist. Aus den von ihren Sachverständigen erstatteten Gutachten ergibt sich jedoch, daß nur durch eine Intensivierung der Land- Wirtschaft, die den gegenwärtigen Bewohnern die Existenz auf kleineren Bodenflächen ermöglicht, der erforderliche Boden verfügbar gemacht werden kann. Von zionistischer Seite wurde dargelegt, daß dieses Ziel am besten erreicht werden kann, wenn die arabischen Fellachen durch den Verkauf eines Teiles des ihnen gehörigen Bodens die Mittel erhalten, sich von ihren drückenden Schulden zu befreien und ihre eigene Wirtschaft zu modernisieren. Am eindrucksvollsten wurde diese Sachlage vor der Shaw- Kommission von Mosche Smilanski nachgewiesen. Trotzdem beharrt die Regierung darauf, die Durchführung einer Reform der Landwirtschaft selbst in der Hand zu behalten, und unter dem Eindruck einzelner Fälle hat sich bei ihr sogar ein gewisses Mißtrauen gegen den Einfluß jüdischer Bodenkäufe auf das Los der Fellachen gebildet. Es würde zu weit führen, dieses Problem hier im einzelncn zu erörtern; es muß der Hinweis genügen, daß bei der Eigentümlichkeit der palästinensischen, noch auf türkische Rechtsverhältnisse zurückgehenden Bodenverteilung sich eine große Mannigfaltigkeit der Formen des Bodenenverbs ergibt. Fälle, wie die Bodenkäufe des Nalionalfonds in Wadi Chawarith, wo ein Teil der früheren Kleinpächter des von Juden erworbenen Bodens sich weigerte, den Ort zu verlassen, wurden von der politischen Agitation geschickt ausgenützt und haben eine betrachtliehe Voreingenommenheit gegenüber jüdischen Bodenkaufen geschaffen. Am dieser Stelle soll nicht geprüft werden, ob das Vorgehen des Nationalfonds in diesem und anderen Fällen richtig oder geschickt war; wir haben als politische Realität nur die Tatsache zu registrieren, daß man solche Beispiele — mit Recht oder Unrecht — dazu benützt, um die Zulässigkeit freier jüdischer Bodenkaufe in Frage zu ziehen. Und wenn Bedenken dieser Art erhoben werden, dann liegt es auf der Hand, daß in einem großen Teil der öffentlichen Meinung Englands gerade solche Gesichtspunkte einen lebhaften Widerhall finden und am allerwenigsten die Arbeiterpartei sich darüber hinwegsetzen kann. Wir stehen hier vor unumstößlichen Tatsachen, und auch wer der Meinung ist, daß im Vergleich zu der Größe des jüdischen Ideals ״die Umsiedlung von einigen hunderttausend Fellachen“ nicht ins Gewicht fallen dürfe (eine Ansicht, die bekanntlich von autoritativer Stelle des Jüdischen Nationalfonds zum Ausdruck gebracht wurde), wird mit der Tatsache rechnen müssen, da# bei denjenigen Faktoren, die allein die Macht zur Durchführung solcher Maßnahmen hatten, kein Verstandnis hierfür zu erhoffen ist Der Zionismus aber wünscht auch nicht die Vertreibung von Fellachen von ihrem Boden, er will vielmehr ein Siedlungssystem, das auch für die Fellachen die Aussicht auf einen höheren Lebens- Standard durch bessere Ausnützung ihres Bodens mit sich bringt. In einer ruhigen und friedlichen Atmosphäre ließe sich diese Aufgabe unschwer lösen; wo aber politische Gegensätze bis zu einem Siedepunkt angefacht wurden, fehlt die erforderliche Gutwilligkeit, und den Juden als Neuankömmlingen fällt dabei zweifellos die erheblich schwerere Rolle zu. Hier sind die Schwierigkeiten in den gegenwärtigen Verhandlungen zu suchen. Die Summe von 2% Millionen Pfund, die die Regierung als Anleihe für Palästina aufnehmen will, bedeutet für das kleine Land ein gewaltiges Kapital. Wenn der palästinensische Steuerzahler diese Anleihe verzinsen soll, dann muß das Geld mit größter Oekonomie und Sachkenntnis zu einer Steigerung des Wirtschaftsertrages und damit der Steuerkraft verwendet werden. Schon die bisherige Entwicklung Palästinas zeigt, daß nur durch die Verstärkung der jüdischen Arbeit und durch eine die Bevölkerungsdichte vergrößernde Einwanderungspolitik dieses Ziel erreicht werden kann. Schon darum — ganz abgesehen von der ausdrücklichen Vorschrift des Art. 6 des Mandates — ist es gerecht, zu verlangen, daß ein beträchtlicher Teil dieses Kapitals von vornherein zur Unterstützung der jüdischen Siedlung bestimmt wird. Wenn in Palästina eine oberste Ueberwachungsstelle für die Verwendung der Anleihe — sei es nun wie die Regierung will, ein eigener Kommissar, oder, wie die Jewish Agency will, ein interdepartmentales Komitee der Palästina-Regierung — errichtet wird, dann könnte auch die jüdische Siedlung hieraus großen Nutzen ziehen. Denn eine von allen politischen Rücksichten freie Instanz wäre die beste Gewähr ökonomischen Erfolges. Zum ersten Male würde auf diese Weise die jüdische Kolonisation direkte Förderung seitens der Mandatarmacht erfahren. Zugleich aber würde diese Instanz die Aufgabe haben, eine durchgreifende Reform der ökonomisch zusammengebrochenen Fellachenwirtschaft durchzuführen. Vielleicht ist es nicht allzu utopisch, wenn man annimmt, daß bei entsprechendem Verhalten der leitenden Instanz allmählieh eine Art Interessengemeinschaft zwischen jüdischer und arabischer Landwirtschaft entstehen könnte. Vorläufig freilich sind wir weit davon entfernt. Eine Einigung ist noch nicht erzielt und die Verhandlungen gehen weiter. Wir wissen noch nicht, ob aus dem Landentwicklungsplan größere Arbeitsmöglichkeiten für uns sich ergeben werden, aber es ist die Hauptaufgabe unserer Politik, darauf hinzuarbeiten, unter voller Berücksichtigung der Verpflichtung der Regierung bezüglich der ״Rechte und der Stelhing der nichtjüdischen Bewohner des Landes“. *. Die eigene Tätigkeit der Jewish Agency in Palästina ist aufs schwerste durch die finanzielle Lage bedroht, Die Nachricht, daß die Exekutive mit einem Budget-Entwurf von nur 420000 Pfund zum Kongresse kommt, hat bereits Bestürzung hervorgerufen; aber die Kenner der Verhältnisse wissen, daß auch dieser Voranschlag noch nicht gesichert ist. Hat doch die Exekutive aus den letzten zwei Jahren infolge des vollständigen Versagens Amerikas ein gewaltiges Defizit mitzuschleppen, und auch das neue Budget wird von den Erwartungen abhängen, die man in Zukunft auf A m e rik a setzen kann. Die Lage in Amerika ist aber für uns ein versiegeltes Buch. Die In Aussicht genommene Reise Dr. Wcizmanns und einer Delegation ist nicht zustande gekommen. Ueber die Gründe ist nicht viel bekannt geworden, aber es bedarf keines großen Scharfsinns, um zu verstehen, daß sie hauptsächlieh in den innerzionistischen Verhältnissen begründet sind. Die amerikanischen Zionisten scheinen zu glauben, daß sie ihre Sache in den letzten zwei Jahren sehr gut gemacht haben und keine Hilfe, bzvv. keine ״Störung“ durch europäische Delegationen brauchen. Sie haben zwar kein Geld geschickt, aber eine Reihe von Telegrammen, in denen sie der Exekutive Ratschläge für die Verhandlungen mit der englischen Regierung gaben; sie haben zwar weder die jüdische noch die nichtjödische Oeffentlichkeit Amerikas für den Zionismus zu gewinnen vermocht, aber sie haben in einer Reihe etwas kindlich anmutender Pyblikationen ihrem Zom Luft gemacht. Wenn jemand auf die sogenannte Brandeis - Gruppe (die Persönlichkeit Brandeis' ist ganz gesondert zu befrachten) irgendwelche Hoffnungen gesetzt hat, so wurden diese leider völlig enttäuscht Viele Beobachter stimmen darin überein, daß der Aufbau einer ganz neuen Bewegung in Amerika not tut. Wie die Dinge heute liegen, muß man zugeben, daß es richtig war, wenn Weizmarm, zumal in statu demissionis, nicht nach Amerika gefahren ist. Wahrscheinlieh wäre infolge parteipolitischer Reibungen der praktische Erfolg, der bei den heutigen schwierigen Verhältnissen nur durch konzentrierte einheitliche Aktion möglieh wäre, doch ausgeblieben. Durch den Fehlschlag der amerikanischen Kampagne ist aber die Exekutive der Jewish Agency in schwerste Verlegenheit versetzt, und der Kongreß wird vor der Notwendigkeit stehen, einen völligen NeuaufbauderFinanzierungsmethoden in Erwägung zu ziehen. Man darf wohl hoffen, daß diesmal die Versuche, durch Abstimmungen auf dem Kongreß das Ausgaben-Budget auf dem Papier zu vergrößern, endgültig unterbleiben werden. In diesen bitteren zwei Jahren haben alle gelernt, wie sinnlos ein solches Vorgehen ist. Der Kongreß wird freilich diese zentrale Frage nur bewältigen können, wenn er ihren ganzen Ernst empfindet. * Sonst besteht die Gefahr, daß man sich wieder dem viel leichteren und wirkungsvolleren Spiel politische!■ Schaumschlägerei hingeben wird. Schon der etwas schwerfällig einsetzende Wahlkampf bringt einen kleinen Vorgeschmack. Die Revisionisten, deren Führer eine anstrengende Tournee durch ganz Europa hinter sich hat, kündigen an, daß sie dem Kongreß eine Resolution vorlegen werden, worin als Ziel des Zionismus der Judenstaat proklamiert wird. Gleichzeitig fordern sie eine ״mutige Politik“, mit dem Ziel, ״die Bundesgenossen- Schaft der Mandatarmacht für den Zionismus wiederzugewinnen“. Eine Bundesgenossenschaft kann man Jedoch erfahrungsgemäß nur für ein Ziel hersteilen, das beiden Bundesgenossen gemeinsam ist. Man fragt sich verwundert, ob die Revisionisten, die sich so gern als politische Köpfe aufspielen, wirklich so ahnungslos sind, um zu meinen, daß eine derartige Bundesgenossenschaft auf Grund einer Judenstaats-Resolution zustande kommen kann. Wer die Erklärungen der britischen Regierung fh den letzten zehn Jahren und sämtliche Aeußerungen der britischen öffentlichen Meinung (die in der ״Jüdischen Rundschau“ zwecks Information der Zionisten laufend möglichst vollständig wiedergegeben werden) kennt, wird ohne weiteres verstehen, daß die von den Revisionisten verlangte Proklamation das beste Mittel ist, um eine derartige Bundesgenossenschaft zu verhindern. Die Revisionisten wenden sich auch gegen die Parolen einer Verständigung mit den Arabern und gegen jene Zionisten, die ״durch ihre undurchdachten Proklamationen (nämlich des Verständigungswillens) nur den Widerstand verschärfen“. Wir halten gewiß nichts von Verständigungs-Proklamationen, die in der letzten Zeit besonders billig geworden sind und von einer englischen Zeitschrift mit einem gewissen Recht als ״Lippendienst“ bezeichnet werden; nicht in Proklamationen kann heute die Verständigungspolitik beruhen, sondern in Taten, in konkreten Programmen und Maßnahmen. Aber wenn man schon so verächtlich von Proklamationen spricht, so drängt sich doch die Frage auf, ob etwa Proklamationen über den Judenstaat den Widerstand weniger verschärfen? Es ist wahrhaftig ein Rätsel der Massenpsychologie, daß zionistische Hörer sich von solchen Wendungen bestechen lassen. Leider liegt die Erklärung zum großen Teil in der Unkenntnis aller wesentliehen Fakten, in der ein großer Teil der Zionisten und vor allem der Jugend heute belassen wird, so daß ihnen die Fähigkeit zu einem politische« Urteil fehlt. Die wahr.en Probleme des Zionismus liegen heute längst nicht mehr dort, wohin diese politischen Diskussionen sie verschieben möchten. Der Kongreß wird das Schwergewicht seiner Arbeit in ganz andere Bezirke zu verlegen haben. # Die Woche» nach Schawuoth werden der intensiven Vorbereitung des Kongresses dienen. Wieder werden wir für lange Zeit ganz und gar in die Flut der Alltags-Sorgen untersinken, alle Kleinlichkeit, Gereiztheit und Eitel!«i; des politischen Tageskampfes auskosten. Vielleicht sollen wir dem Kalender danken, der es so fügt, daß wir in diese aufreibenden Wochen noch etwas von der Feiertags- Stimmung mitnehmen können, und etwas von der Zuversicht, daß auch unser Tun eingebettet ist in die Linie historischen Zusammenhangs, die aus den Tagen unserer Volkwerdung über uns hinweg in die Zukunft führt, den unendlichen Weg der Sendung des jüdischen Volkes. R. W. Die neuen Zertifikate Statt 1450 nur 500 — Protest der Jewish Agency Jerusalem, 18. Mai. (J.T.A.) An Stelle der von der Exekutive der Jewish Agency angeforderten 1450 Elnwanderungszertifikate hat die Palästina-Regierung für das laufende Halbjahr bloß 500 Zertifikate bewilligt, die an A n g c h ö r i g e von den ln Palästina ansässigen Juden und an Personen, die auf Grund eines Touristenvisums nach Palästina gekommen sind, und die Absicht haben, sich dauernd im Lande niederzulassen, ausgegeben werden sollen. Somit werden für die Einwanderung von Chaluzim keine Zertifikate verfügbar sein. Das Elnwanderungsdepartement der Palästina-Regierung hat außerdem angeordnet, daß bei der Ausgabe der neuen Zertifikate nur jene Bewerber berücksichtigt werden sollen, deren Gesuche bei der Regierung registriert sind, nicht aber jene, die bei der Jewish Agency um ein Zertifikat eingekommen sind. Gegen diese Verfügung haben die Vertreter der Exekutive der Jewish Agency schärfsten Protest erhoben und außerdem erklärt, daß sie gegen die weitgehende Kürzung der Zahl der auszugebenden Zertifikate Berufung einlegen werden. Der Bericht der Kfagemauerkommission Jerusalem, 14. Mai. (J.T.A.j Wie die J.T.A. erfährt, bildet die Feststellung, daß die Klagemauer den Juden allein heilig ist, einen der wichtigsten Schlüsse, zu denen der bisher noch unveröffentlichte Bericht der Klagemauer-Kommission gelangt. Damit macht sich die Kommission den während der Verhandlungen von jüdischer Seite vertretenen Standpunkt, daß nur die Juden, nicht aber in gleicher Weise auch die Moslems, die Klagemauer als verehrungswürdiges Heiligtum betrachten, zu eigen. Der Gesamtinhalt des Berichtes scheint im allgemeinen auf einen derjüdischenSache günstigen Ton abgestimmt zu sein, wenn auch die praktischen Vorschläge jene Juden, die erwartet hatten, es würde den Juden ein größeres Ausmaß liturgischer Freiheit gewährt werden, als jenes, das die Kommission als herkömmlich und dem Rahmen des Status quo entsprechend anerkannt hat, einigermaßen enttäuschen dürften. (Vor Veröffentlichung des Berichtes ist eine Beurteilung unmöglich. — A. d. R.) Freiherr von Schoenaich Ober Palästina Am 13. Mai sprach der Präsident des deutschen Friedensbundes, General a. D. von Schoenaich, in einer von der Berliner Ortsgruppe des Bundes veranstalteten öffentlichen Ver- Sammlung vor einem zum großen Teil nichtjüdischen Publikum überden Aufbau Palästinas auf Grund seiner Beobachtungen auf ei^jr vor kurzem unternommenen Paläsönarei^• Der Redner wies einleitend darauf hin, daß er in manchen Kreisen als besonderer Judenfreund gelte. Demgegenüber müsse er feststeilen, daß er von einem rein menschheits- und friedensfreundlichen Standpunkt aus dazu gelangt sei, sich mit dem jüdisehen Problem zu befassen. Schonlm Frieden habe ihn die unerhört ungerechte Behandlung der jüdischen Einjährig-Freiwilligen in der deutschen Armee, denen ungeachtet bester Qualifikation die Ernennung zum Reserveoffizier verweigert wurde, empört. Während des Krieges sei er wohl der erste deutsche Regimentskonynandeur gewesen, der einen tapferen jüdischen Wachtmeister zum Offizier befördert habe. Zum Thema übergehend gab General Schoenaich zunächst einen kurzen Ueberbfick über die Leidensgeschichte der Juden in der Diaspora und die Entwicklung der auf die Wiederbesiec^clung Palästinas gerichteten Bestrebungen, um sodann auf die augenblickliche Lage in Palästina, die Ursachen der jüdisch-arabischen Spannung und die Möglichkeit einer Ueberbrückung der verschiedenen Gegensätze zu sprechen zu kommen. Er beleuchtete das Klagemauerproblem als Ausgangspunkt der Unruhen von 1929, die er nicht für arabischen Massen durch die arabischen Großgrundbesitzer, die ihre sozialen Privilegien durch eine jüdische Einwanderung bedroht sehen, Schula war, bei der aber auch die Haltung der jüdischen Nationalisten und die Wühlarbeit der wenigen unter dem Einfluß Moskaus stehenden jüdischen Kommunisten eine gewisse Rolle gespielt haben dürften. General v. Schoenaich glaubt auf Grund seiner allseitigen Informationen nicht, daß die englische Regierung für die Geschehnisse des Jahres 1929 verantwortlich gemacht werden könne, allerdings halt er es für wahrscheinlich, daß untergeordnete Organe der Regierung ihre Pflicht, beruhigend einzuwirken, nicht immer ifhd überall in vollem Ausmaße erfüllt haben. Die Beseitigung der nationalen Gegensätze« Palästina werde nur auf dem Wege des Wirtschaftsausbaus erfolgen. Vor allem die Orangenkultur biete noch außerordentliche Möglichkeiten, insbesondere bei stärkerer Entfaltung der Privatinitiative. Auch von _ der Elektrifizierung des Landes seien bedeutende Fortschritte zu erwarten. Es sei damit zu rechnen, daß die arabisehen Massen mit der Zeit die auch ihnen aus der Intensivierung der palästinensischen Landwirtschaft durch die Juden erwachsenden Vorteile einsehen werden. Die Juden müßten die Rolle von Lehrmeistern der Araber übernehmen und nicht eine ״stumpfsinnige Mehrheit“, sondern die intellektuelle Führer- Schaft im Lande anstreben. Die sittliche Bedeutung des Palästina-Werkes liege darin, daß es die Umwandlung gedrückter Ghettojuden in selbstbewußte Mens c h e n, die mit Recht auf ihre schöpferische Aufbauarbeit stolz sind, ermöglicht habe. Der Vortrag General von Schoenaichs machte auf die Anwesenden, von denen viele zum erstenmal Gelegenheit hatten, etwas über das zionistische Problem und den Palästina-Aufbau zu hören, einen tiefen Eindruck. Bei der Beantwortung einiger von Versammlungsteilnehmern gestellter Fragen besprach der Redner noch das Wirken der zionistischen Fonds und das Erziehungswerk in Palästina, wobei er besonders auf das von Dr. Lehmann geleitete Kinderheim der Waisenhilfe in Ben Schemen und die Kinderrepublik in Kfar Jeladim hinwies. Nie nächste Nummer der Jüdischen Rundschau“ erscheint wegen der Feiertage am Freitag, den 29. Mal.