Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 37 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653287--22331-2680536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 230 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 15. V. 1931 Palästina *Investments Von Heinrich Marguiies, Tel-Awiw. Unter obigem Titel erschien ln Nr. 31 der ״Jüdischen Rundschau“ ein Artikel, in welchem u. a, auch ״Schuldverschreibilligen“ der ״Allgemeinen Hypothekenbank für Palästina“ und der ״Palestine Land Development Co., Ltd.“ aufgeführt wurden. Da dieser Artikel den Lesern die verschiedenen Möglichkeiten einer Kapitalanlage vor Augen führen soll, scheint es notwen* dig, Ungenauigkeiten oder Unklarheiten in der Bezeichnung, die zu Mißverständnissen führen können, zu vermeiden. Die Zusammenfassung der von den beiden vorerwähnten Instituten emittierten festverzinslichen Papiere unter der Bezeichnung ״Schuldverschreibungen“ enthält eine solche Ungenauigkeit, wenn nicht ergänzend hinzugefügt wird, daß sie in der Konstruktion wesentlich differieren. Die Papiere der Hypothekenbank sind nicht schlechthin Schuldverschreibungen, sondern Hypotheken-Pfandbriefe, d. h. Pfandbriefe, deren Deckung in Hypotheken besteht, fn dieser Beziehung unter* scheiden sich die Pfandbriefe der Hypothekenbank grundsätzlieh von allen anderen festverzinslichen Palästina-Papieren, und da das deutsche Publikum wenig vertraut scheint mit der Ent* wicklung dieses Unternehmens, mag hier die Gelegenheit zu ausführlicher Berichterstattung benutzt werden. Die Hypothekenbank (General Mortgage Bank 0! Palestine) hat im Jahre 1923 die erste Bilanz vorgelegt. Sie wurde mit einem Aktienkapital von £E 50 000 begründet und beschaffte sich sukzessive weitere Mittel durch die Emission von Pfandbriefen. Die so aufgebrachten Mittel wurden in erststelligen Hypo- *fteken auf städtische Wohnhäuser angelegt. Der Gesamtbetrag der ausgeliehenen Hypotheken belief sich Ende 1930 auf £P 181 531 und der Gesamtbetrag der in Umlauf befindlichen Pfandbriefe £P 136 680. Es gibt zwei Sorten von Pfandbriefen: 7 ״/oige in Sterling- Währung, rückzahlbar innerhalb von 20 Jahren, und 6(4 ״/oige in Dollar-Währung, rückzahlbar innerhalb von 15 Jahren. Für beide Sorten finden Rückzahlungen halbjährlich statt, durch Verlosung oder Rückkauf. Sämtliche Hypotheken sind Amortisationshypotheken. Für die Pfandbriefe m Doilarwährung ist als spezifische Sicherheit eine Anzahl von Hypotheken in Dollarwährung reserviert worden, welche, entsprechend der Laufzeit dieser Pfandbriefe, ebenfalls Innerhalb 15 Jahren zu amortisieren sind. Die übrigen Hypotheken lauten auf Pfund-Währung und sind innerhalb von 20 Jahren zu amortisieren. Die Geschäftsführung der Bank befindet sich unter der Kontrolle der Regierung. Für die Kontrolle der Hypotheken, welche als Sicherheitsunterlage der Pfandbriefe dienen, sind Treuhänder eingesetzt, und zwar für die Sterling-Pfandbriefe die Firma ״Rüssel & Co., Chartered Accountants“, für die Dollar-Pfandbriefe die ״Anglo-Palestine Bank Ltd.״.. Die Firma Rüssel & Co. ist gleichzeitig Auditor der Hypothekenbank. Alljährlich findet eine Revision des Unternehmens durch einen Regierungs-Inspektor statt. Die Höchstgrenze für Beleihungen von Gebäuden ist gesetzlich auf 75 °/0 des Taxwertes festgesetzt. Ke Bank hat aber von sich aus die Höchstgrenze niedriger angesetzt: auf 60 °/0 des Taxwertes für das betreffende Gebäude, unter völliger Außerachtlassung des Grundstück wertes. Da der Bau von Hoch- Häusern in Palästina völlig!unter demjenigen von Klein- und Mittelhäusern zurückbleibt, hat das Grundstück im Verhältnis zum Gebäude meistens einen hohen Wert Dieser Wert wird also bei der Taxation nicht mitberücksichtigt und bildet eine weitere Reserve. Bei jeder Beleihung werden zwei Taxen vorgenommen: eine auf Grund des Substanzwertes (Schätzung der Materialien, Bau« kosten usw. unter Berücksichtigung des qualitativen Zustandes zur Zeit der Schätzung) und eine auf Grund der tatsächlich erzielten oder erzielbaren Mieten. Unter Berücksichtigung einer bestimmten Marge für Steuern, Reparaturen und Leerstand wird dann von beiden Taxierungen diejenige genommen, welche aut den niedrigeren Betrag lautet und von diesem Betrage können dann 60 °/0 als hypothekarisches Darlehen an erster Stelle gewährt werden. Die Bank gewährt keine Baukredite oder Hypotheken auf Häuser, die noch im Bau befindlich sind, sondern ausschließlich auf Häuser, die schon bewohnt oder bewbhnbar sind. , Die Bank hat sich in ihrer Kreditgewährung ausschließlich auf die Städte beschränkt (vor allem Tel-Awiw, dann Haifa, Jerusalem, Tiberias). In den Kolonien hat sie bisher keine Darlehen gegeben und beabsichtigt, dies erst dann zu tun, wenn der Häusermarkt (Nachfrage nach Wohnhäusern) dort ebenso konsolidiert sein wird wie in den Städten. Durch diese vorsichtige Geschäftspolitik suchte sich die Bank dagegen zu schützen, daß sie im Falle von Zwangsexekuhonen gezwungen würde, selbst als Kätlfer für die betreffenden Objekte auftreten und sich mit schwer realisierbaren Immobilien belasten zu müssen. In der Praxis ist es aber bis auf einige ganz vereinzelte Fälle überhaupt nicht zu Exekutionen gekommen, die Zahlungen seitens der Schuldner erfolgten selbst in den Zeiten der allgemeinen wirtschaftlichen Depression (1927 und 1930) durchaus zufriedenstellend. Lediglich in der Bilanz per Ende 1930 erscheint auf Immobilienkonto ein Haus für £ 341, welches in der Exekution übernommen werden mußte. Wie erwähnt, zahlt die Bank an ihre Pfandbrief-Inhaber 6(2 und 7 0/0 Zinsen; von ihren Hvpothekenschuldnern bekommt sie 7«/0 Zinsen und eine Kommission von 1(4 ״/o p. a. Diese 1(4 0/«י werden auf den ursprünglichen Hypothekenbetrag berechnet, der Betrag bleibt also jährlich unverändert, auch wenn der Hynothekenbetrag sich durch Amortisationen verringert, so daß in Wirklichkeit nur in den ersten Jahren die Einnahme der Bank 8(4 °/0 beträgt und alsdann sukzessive ansteigt. Der Ueberschuß von den Zinsen, Kommissionen usw., welche sie selbst zu zahlen hat, ist daher stets befriedigend groß, und überdies steigt er von Jahr zu Jahr. Er betrug: im Jahre 1924: £ 2396, 1925 : 3498, 1926 : 5371, 1927: 5771, 1928: 6171, 1929: 7259, 1930: 7725. Da die Handlungsunkosten, welche am diesem Ueberschuß gedeckt werden, während der gleichen Zeit nur unwesentlich anstiegen, verblieben der Bank steigende Gewinne wie folgt: im Jahre 1924: £ 322, 1925: 1057, 1926 : 2823, 1927 : 3037, 1928: 3468, 1929: 3654, 1930: 4202. fn vorsichtiger Konsolidierungspolitik hat die Bank von einer Ausschüttung von Gewinnen (durch Dividendenzahlung) solange Abstand genommen, als die Bilanz noch abschreibungsfähige Posten enthielt. Sie hat sämtliche Gründungskosten, Spesen für Emissionen (Druck, Disagio usw.) für Inventar usw. abgeschrieben, insgesamt bis Ende 1930 £ 10231 264. Alsdann hat sie mit der Schaffung von Reservefonds begonnen (£ 3500 bisher) und erst im Jahre 1929 ist sie zur Zahlung einer erstmaligen Dividende von 4 0/0 übergegangen, die im folgenden Jahre auf 5 °/0 erhöht wurde. Ein Restbetrag von Gründungsspesen ist an den Keren Hajessod zu bezahlen, der sie seinerzeit verauslagt hat. Die Bezahlung erfolgt durch Ueberweisung von Gewinnanteilen und erscheint somit nicht in der Bilanz. Obige Ziffern zeigen, daß das Unternehmen weitgehend stabilisiert worden ist, so daß nicht nur der Zinsen* und TUgungsdienst für die Pfandbriefe völlig sichergestellt ist, sondem außerdem die Beibehaltung einer stabilen Dividende für die Zukunft gewährleistet scheint Von den emittierten Pfandbriefe!» wurden Ms Ende 1930 insgesamt £ 24300132 getilgt Ke Gewinne der Bank würden entsprechend steigen, wenn sie den Umsatz steigern könnte. Der einzige Weg dazu besteht im Absetzen von Pfandbriefen in größeren Beträgen. Leider haben die allgemein-wirtschaftlichen Verhältnisse die Organisierung der Absatzmärkte in Europa und Amerika bisher unmöglich gemacht. Sämtliche beliehenen Häuser sind nicht nur gegen Feuer, sondern auch gegen Erdbeben versichert. Das gesamte Aktienkapital befindet sich im Besitze der Anglo-Palestine Bank Ltd. Der Ban der Haifa-Bagdad•Baba Der Jerusalemer Korrespondent der ״Frankfurter Zeitung“ berichtet: Der Bau der Eisenbahn von Haifa nach Bagdad, des ersten Teils des allbritischen Landwegs vom Mittelmeer nach Indien, quer durch die etwa 1000 km lange syrische Wüste, wird nun in Angriff genommen; die Eisenbahn soll im Jahre 1935 bereits in Betrieb sein. Der große Hafen In Haifa wird Ende 1932 fertiggestellt sein. Ke Vermessungs« arbeiten für die neue Bahnstrecke werden von der englischen Firma Rendel-Palmer and Tritton von Haifa aus unter Leitung von A. L. Holt, einem Ingenieur der Irakischen Staatsbahnen, unternommen. Die neue Eisenbahn wird von Haifa ausgehen, das Südende des Tiberlassees berühren, dann das ganze nördliche Transjordanien durchschneiden und bei Kasr Asrak in den Korridor einbiegen, der Transjordanien mit Irak verbindet und Syrien vom Nedschd trennt. Von dort wird die Bahn über Rutla, der bekannten Station für Automobil- und Luftfahrten in der syrischen Wüste (im Gebiete Iraks), nach Hit am Euphrat gehen und von dort nach Bagdad. Nach der Orangen •Saison In der jetzt beendeten Orangensaison wurden im ganzen 2 606 470 Kisten Orangen und andere Citrusfrüchte ins Ausland geschickt, gegenüber 2 643 620 Kisten im Vorjahre. Der erzielte Durchschnittspreis pro Kiste, betrug 12 sh und für gewisse Sorten sogar über 19 sh. Diese Preise sind besser als die in den letzten drei Jahren erzielten. Für das nächste Jahr ist mit einer großen Steigerung des Exportes auf etwa 4 Millionen Kisten zu rechnen, da eine große Reihe neuer Pardessim fruchtreif werden und die Aussichten für die Orangenernte als sehr gut beurteilt werden. Einen großen Fortschritt machte in dieser Saison der O r a p e - Fruit -Anbau und -Export, die bekanntlich fast vollständig in jüdischen Händen liegen. Während im vorigen Jahre 16 000 Kisten Orape-Fruit exportiert wurden, betrug in diesem Jahre diese Ziffer 57 000. Die erzielten Preise für Orape-Fruit waren ausgezeichnet und übertrafen vielfach sogar die Preise für die als besonders gut geltende Frucht aus Florida. Schener-Brlnde in Wadi Chawariih Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.) Die Scheuer der zu Ehren des verstorbenen Nathan Strauß Nathania benannten Kolonie im Gebiete Wadi Chawarith ist mit der gesamten diesjährigen Getreideernte der Kolonie abgebrannt. Es besteht der verdacht, daß Araber den Brand, der vier Stunden lang wütete, elegt haben. Der Schaden ist außerordentlich groß, ln den enachbarten jüdischen Kolonien hielt man den Brand zunächst für ein anläßlich Laß Beomer entzündetes Freudenfeuer. Auch der Scheik von Wadi Chawarith erklärte bei seiner Vernehmung, er habe, als er die Flammen aufsteigen sah, geglaubt, daß die Juden ihren Feiertag durch Entzünden eines Freudenfeuers begehen. — Einige Tage später ist eine zweite Getreide-Scheuer in Wadi Chawarith abgebrannt Jaffaer Tierschau und hebräische Sprache Jerusalem, 5. Mai. (J.T. A.) Sämtliche jüdischen Aus- Steller auf der gegenwärtig in Jaffa und In Tel-Awiw abgehaltenen Tierschau haben zum Protest dagegen, daß der Tierschutzverein Zirkulare in englischer und arabischer, nicht aber in hebräischerSprache verteilen ließ, die Aus- Stellung demonstrativ verlassen. Die Ausstellungs* leitung hat vergebens versucht, sich damit zu rechtfertigen, daß auch hebräische Einladungen gedruckt worden seien, daß aber die englischen Kutscher, Maulesel- und Kameltreiber, die mit der Verteilung der Zirkulare beauftragt waren, aus Versehen die hebräischen Exemplare nicht mitgenommen hatten. ln aller Kürze Die Exekutive der Jewish Agency hat der Palästina-Regierung ihren Bericht für das Jahr 1930 zwecks Vorlage an die Mandatskommission des Völkerbundes anläßlich ihrer im Juni stattfindenden Tagung überreicht. Die Antwort der Exekutive auf den Simpson-Bericht erscheint im Laufe dieser Woche in London. Das Organ des Großmufti, ״Dschamija el Arabia", schlägt vor, einen ״Palästina-Tag“, wie er am 16. Mai vorigen Jahres von den Mohammedanern Indiens veranstaltet wurde, alljährlich abzuhalten und richtet an die palästinensische arabische Exekutive den Appell, Vorbereitungen zur Veranstaltung eines ״Palästina-Tages“ nicht nur in Palästina selbst, sondem in allen mohammedanischen Lindern zu treffen. An diesem Tage sollen Streiks organisiert und Kundgebungen aller Art abgehalten werden. Etwa zwanzig jüdische Familien werden um die Mitte dieses Monats nach Hebron zurückzukehren. Es handelt sich durchwegs um Sephardim und Chalukkah-Empfänger. Wie die JTA. erfahrt, haben sich Araber aus Hebron an jüdische Führer Palästinas mit dem Ersuchen gewandt, alle aus Hebron geflüchteten Juden zur Rückkehr zu bewegen. In Baden bei Wien starb der frühere Chefredakteur der Amtlichen Nachrichtenstelle (Telegraphen-Korrespondenz-Büro) Hofrat Dr. Maximilian Schiff im 74. Lebensjahre. Der Verstorbene war während seiner Tätigkeit als Vertreter des österreichischen Korrespondenzbüros in Paris mit Theodor HerzI befreundet. Später fanden in Schiffs Wiener Wohnung in den Anfangszeiten des politischen Zionismus Zusammenkünfte zwischen HerzI und dessen ersten Anhängern statt. HerzI erwähnt Schiff öfters in seinem Tagebuch. Am 3. Mai wurde eine Organisation der jüdischen Orangenpflanzer Palästinas gegründet, die ebenso wie die bestehende Organisation der Grape-Fruit-Pflanzer eine Abteilung der Bauernorganisation seiii wird. Der Industriellenverband Palästinas veröffentlichte in hebräischer Sprache einen Katalog, der in alphabethischer Reihenfolge ein Verzeichnis sämtlicher von Juden in Palästina hergestellter Produkte sowie eine Liste der Produzenten enthält. Damit wird zum erstenmal dem Konsumenten ermöglicht, festzustellen, ob von ihm gesuchte Waren im Lande selbst produziert werden. Anläßlich des 75. Geburtstages von Henry Morgent h au fand im Bronx House in New York, einem vpn Morgenthau und seiner Gattin vor fast 25 Jahren gegründeten Settlement, ein Festdiner statt. Erwählung Von Elae Rabltt» Breslau. Israel An der Grenze von Gestern und Morgen, zwischen Heimat und Fronde, ruht Jakob. Der Himmel öffnet sieh. Engel schweben auf und nieder. Aut ihren schimmernden Flügeln tragen sie den Glanz des Göttlichen zum Irdischen. Aus dem Düster der Nacht, von dem harten Stein, hebt sich Jakob ihnen entgegen. Der Schlummernde taucht in das Glück der Erwählung. Fernab wandert Esau, der Starke. Seine Sinne suchen Besitz und Rausch. An seinem Gewand haftet der Blutdunst gehetzt«• Tiere. Jakob kehrt alt Isra—el zurück. Der Jude Ein Jude, auf gebeugtem Rücken den Hausiererkober, wandert seine Straße. Nicht den Bürgersteig der ״Ehrsamen“, den Vieh- und Lastweg. ״Her mit den Würfeln, Jud! Spiel’ auf Verlust, auf Gewinn! Verloren? Dann Deinen Beutel!“ Dem Geplünderten hallt Hohn nach: ״Mach Mores, Mauschel!“ Ein müdes Augenpaar unter dem spitzen Judenhirt flammt in Stolz. ״Noch im Elend Moschei!“ (Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten.) Volk und Führer Kein Volk lebt ohne Glauben. Glauben an das Heilige, Glauben an eigene Bestimmung. Erwählung gab ihm das ״Werde!“ Erwählung gibt ihm das Sein! Es braucht den Führer, es Hebt den Schmied seines Schicksals. Nicht weil er eitlen Erwartungen schmeichelt. Weil er zaghaftem Glauben Gewähr, ewiger Hoffnung das Wort, dem Willen die Tat schenkt. Des Führers Glaube ist des Volkes Zukunft. Wirrnis, wenn er versiegt. Kleinmut am Haderwasser, tragische Erinnerung! Zueignung Erwählung ist Kraft der Gemeinschaft. Nicht der Einzelne ist Königssohn. In jeden senkte sich der Funken der Schechinah. Er leuchtet und wärmt. Er haucht Glut in das Wort, in die Tat. Atmete je das Wort eines Juden den Willen zu Macht, zu Unterdrückung? Der Geist ringt um Freiheit, um Lebensraum für sich, Gerechtigkeit für den anderen. Nur aus Not sucht die Hand die Vehr. Wer als Jude das Wart eines Juden mißdeutet, ist ein Ankläger, den eigene Beurteilung richtet. In seinem Herzen ist das Wissen um Erwählung erloschen. G olus ״Wann ging das Volk Israel in die Verbannung?“!"איכה« Mystische Zahlenweisheit deutete deinen Wehe» sehr«». ״Als es den einen Gott verleugnete, die eherne Gewalt des Zehn-Worts abwarf, die Generation des Ursprungs, - 3׳ דוייה מאדם ועד אביהם —% Sinnbild für Erwählung, mißachtete; die Ewigkeit des Fünf-Buches um vergänglichen Schein zeitlicher werte preisgab.״ (Echa Rabbati, Ed. S. Buber, S. 4L) Ohne Gott, ohne Gesetz, ohne Glauben an den reinen Willen der Gemeinschaft, ohne Achtung vor Recht und Pflicht eigener Bestimmung, — von Volksvollkommenheit zur Menschheitsvollendung, — so wandert das Volk den Weg der Verbannung. Keren Hafessod-Arbeit ln Paris Aus Paris wird uns berichtet: Während es in den vergangenen Jahren einigermaßen gelungen war, hauptsächlich durch die Bemühungen des Keren Hajessod-Delegierten Dr. H a 1 p e r n, das Interesse der tränzöslschen Juden für die Ziele des Keren Hajessod zu gewinnen, lag die Arbeit für den wichtigsten zionistischen Aufbautonds in den Kreisen der nach Paris eingewanderten Ostjuden ziemlich Im argen. Es war sehr schwer, an die nichtorganisierten ostjüdischen Einwandererkreise heranzukommen. Diesem Uebelstand abzuhelfen galt die Arbeit des im letzten Winter nach Paris entsandten Dr. Alexander Goldstein. Ihm gelang es, in zahlreichen Besprechungen und in vielen Vorträgen eine Keren Hajessod-Organlsation in Paris ins Leben zu rufen, die die verschiedensten Gruppen der ostjüdischen Einwanderer zu emeinsamer Aktion vereinigt. Nicht nur die Studenten und ie traditionstreuen Elemente, sondern auch ein ganzer Kreis russisch-assimilierter jüdischer Flüchtlinge folgten dem Rufe Dr. Alexander Goldsteins. Es gelang ihm, einen technischen Apparat aufzubauen, der schon in den ersten Monaten seines Bestehens die Arbeit für den Keren Hajessod wesentlich erleichterte. Es ist zu hoffen, daß mit Hilfe der geschaffenen Organisation und der in Paris gemachten Erfahrungen es nunmehr möglich sein wird, die Keren Hajessod-Arbeit stetig fortzusetzen und namhafte Erfolge zu erzielen. Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, wie belebend Alexander Goldsteins Tätigkeit auf das jüdische Bewußtsein der in Paris lebenden ungefähr hunderttausend Ostjuden gewirkt hat. Numeros Clausus •Schöpler und Visum-Hakler In Budapest ist gegen den ehemaligen ungarischen Unterrichtsminister Stephan Haller, den Schöpfer des gegen die Juden gerichteten Numerus Clausus Anklage wegen Betrug und Veruntreuung erstattet worden. Dieser Anklage Hegt folgender Tatbestand zugrunde. Eine jüdische Studentin, Elsa Braver, wollte, da sie wegen des Numerus Clausus an den ungarischen Universitäten nicht aufgenommen wurde, ein Einreisevlsum für die Vereinigten Staaten erlangen, um an einer dortigen Universität zu studieren. Die ״Vermittlung" dieses Visums übernahm der ehemalige Kultusminister Stephan Haller gegen die Vorausbezahlung von 800 Pengö, welche er zurückzuerstatten versprach, wenn das Visum nicht bewilligt würde. Fräulein Braver erhielt das Visum nicht und verlangte ihre 800 Pengö. Stephan Haller gab nach beharrlicher Intervention eines Rechtsanwaltes 200 Pengö wieder und trotz aller weiteren Mahnungen behielt er die restlichen 600 Pengö. Um zu ihrem Gelde zu gelangen, erstattete nun die jüdische Studentin Strafanzeige.... Visum-Makler und Numerus Clausus- Schöpfer scheinen verwandte Berufe zu sein. Am 9. Mai starb in Pasadena (Kalifornien) Professor Dr. Albert Abraham Michelson, der größte amerikanische Physiker, Träger des Nobel-Preises, im Alter von 78 Jahren- Michelson war ein bewußter Jude,