Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 36 (12.5.1931)
- Date
- 1931-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 224 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36, 12. V. 1931 dann noch den Makel ihrer Herkunft so bewußt empfinden, daß sie auf jede Aeußerung verzichten — kann wohl einer gerechten Prüfung nicht standhalten. Freilich wird durch manche Juden und manche Philo* semiten, die den Juden damit einen Dienst zu erweisen glauben, wenn sie das Verschwinden der jüdischen Nationalität nachweisen, die Lage noch erschwert. Aufschlußreich in dieser Hinsicht war das Rundfunk-Gespräch, das vor einigen Wochen in Berlin zwischen Herbert Ihering und Dr. Friedrich Hi eischer stattfand, wobei Dr. Hielscher mit höchstem Respekt von dem ״ganz in jüdischer Kultur wurzelnden" Juden sprach, als dessen Repräsentanten er Martin Buber nannte, während er gegen die ״innerlich zersetzten" Ass mi'a 10! s uden das Recht auf Antisemitismus verteidigte. Dr. Ihering vertrat die These der Assimilation mit den mehr oder weniger Üblichen apologetischen Argumenten, die leider ihre Wirkungslosigkeit bereits im Laufe der Jahre erwiesen haben. Gewiß ist es zu begrüßen, wenn Ihering dem Antisemitismus scharf entgegentritt; aber es ist einem beinahe wohler bei dem Antisemitismus Dr. Hielschers, der dem jüdischen Juden Respekt bezeugt, als bei einem Philosemltismus, der die Ablehnung des Antisemitismus mit dem allmählichen Verschwinden und Verblassen des Judentums begründet Die Lösung der Judenfrage kann nur das Werk der Juden selbst sein; aber die Nichtjuden können dieses Werk, die schwierigste Aufgabe, die vielleicht jemals das Völkerleben kannte, erleichtern, wenn sie sich zu einem Verständnis der einzigartigen jüdischen Probleme aufschwingen und den bona fide jüdischen Anstrengungen helfend zur Seite stehen. Wenn die jetzt abgeschlossene Diskussion in der ״Deutschen Rund• schau“ zum Weiterdenken in dieser Richtung Anstoß gibt, dann ist sie nicht umsonst gewesen. Die Mazzoth-Aktion tflr Roßtand Wie alljährlich hat auch dieses Jahr ein Komitee in Deutsch* land sich in einem Aufruf an die jüdische Qeffentlichkeit ge* wandt, den Juden in Rußland anläßlich des Peßach Mazzöth zu spenden. Dieser Aufruf war u. a. von Ministerialrat Ooslar, Dr. Ludwig Holländer, Dr. Leo Baeck und Rabbiner Dr. Hildesheimer unterschrieben. Eine Gruppe jüdischer Kommunisten, die im deutschen Komitee des 0״ e * serd" (Gesellschaft für die Kolonisation der Juden in Rußland) organisiert ist, berief gegen diese Mazzoth-Aktion eine Protestversammlung ein, welche von vielen hundert Personen, hauptsächlich Kommunisten, besucht war. In dieser Versamm* lung versuchten Dr. Erich Fromm, Berlin, und Dr. Johannes Wert heim, Wien (beide ehemalige Zionisten), sowie der Vorsitzende Otto Heller nachzuweisen, daß die Mazzoth- Aktion eine antisowjetische Maßnahme sei, welche sich ideell und praktisch der antisowjetlstlschen Kampagne des Papstes und des Internationalen Kapitalismus geselle. Im übrigen mach* ten die genannten Referenten Propaganda für die Begebungen des ״Geserd“. Im Anschluß an diese Versammlung und an Publikationen der ״Geserd"-Leute entspann sich in der jü* dischen Öffentlichkeit eine Diskussion, die geeignet ist, den ganzen Sachverhalt zu verdunkeln. Wir haben bisher zu dieser Frage keine Stellung genommen, weil wir es uns versagen, auf die Entstellungen des Problems der russischen Juden durch die ״Geserd“*Leute immer wieder einzugehen. Es ist zumindest frobe Fahrlässigkeit wenn nicht bewußte Fälschung, die iazzoth-Aktion der religiös empfindenden Juden alt anti* sowjetistüche Maßnahme zu bezeichnen. Nicht nur der Zionis* mus, sondern auch die meisten Jüdischen Parteien sind weder für noch gegen die sowjetiatische Ordnung. Hinsichtlich der Frage der jüdischen Kolonisation in Rußland gibt et unter Juden in der ganzen Welt wohl kaum prinzipielle Gegner einer Ueberführung der russischen Juden in die Landwirtschaft. Wenn an dieser Kolonisation hier und da Kritik geübt wird, so geschiebt das aus sachlichen Erwägungen, die das Gebiet der Kolonisationsmethode, der Auswahl der Kolonisations-Distrikte (Biro Bidschan) und dergleichen betreffen, Für die Partei* dogmatik der jüdischen Kommunisten, die mit Vorliebe, sozusagen um ihre Daseinsberechtigung im Kommunismus immer aufs neue zu beweisen, fn jeder jüdischen Hilfsaktion und politischen Handlung antisowjetistische Absichten vermuten, kann kein Vollsinniger Verständnis aufbringen. Es ist merkwürdig, daß die roten Aäslmilanten in ihrer inneren Unsicherheit den andersfarbigen Assimilanten so gleichen wie ein El dem anderen. Es wäre vom Standpunkt der ״Geserd“*Leute viel ehrlicher gewesen, wenn sie als Antireligiöse dagegen protestiert hätten, daß man von auslands jüdisch er Seite den religiösen Neigungen der russischen Juden Vorschub leistet. Dadurch wäre die Sachlage auf ihren wesentlichen Bestand zurückgeführt. Vorgeben, daß «an die religiösen Bedürfnisse der russischen Juden als deren Privatangelegenheit betrachtet, die von der Sowjetregierung toleriert wird, und hinterdrein andere Motive vorschieben, um das Behauptete zunichte zu machen, ist innere Unaufrichtigkeit, vor der sich die jüdisch-kommunistisehen ״Wahrheitsfanatiker״ hüten sollten. Der 1. Hai ln Palästina Jerusalem, 3. Mai. (J. T. A.) Die palästinensische Arbeiterpartei hat anläßlich des 1, Mai eine Proklamation erlassen, in der erklärt wird, es sei das Ziel des Arbeiterzionismus, die nächste jüdische Generation nach Pa* lästina zu bringen, die destruktive Tätigkeit der Re* visionisten zu bekämpfen, die Jewish Agency zu demokratisieren und die Entsendung von Arbeitervertretern in die Leitung der zionistischen Unternehmungen durchzusetzen. An die so* zialistische Internationale wird der Appell gerichtet, die Rechte der Juden, die nach Palästina kommen, um dort nachbarlich mit den Arabern zu leben, nicht aber, um sie zu unterjochen, anzuerkennen. Schließlich wird in der Proklamation gegen die Verfolgung der Sozialisten und Sozialisten-Zionisten in Sowjet* rufiland Protest erhoben. An der Mai-Kundgebung in Haifa nahmen 3000 Personen, unter ihnen 300 Araber, teil. Einer der arabischen Redner erklärte, die arabischen Arbeiter seien Im Jahre 1020 durch unverantwortliche Elemente zu den Angriffen auf die Juden verleitet worden. Die palästinensischen Kommunisten haben eine Mal* Proklamation erlassen, in der die arabischen Bauern und Ar* beiter aufgefordert werden, sich zu erheben und gegen den britischen Imperialismus und gegen den Zionismus zu kämpfen. Ifidlscher Mittelstand wandert aas Amerika nach PalSsUna Wir lesen im offiziellen Organ der Zionistischen Organ!- sation von USA., ״The New Palestin e“, folgendes: während stets Hunderte von jungen Leuten unser Palästina-Amt brieflich und auf andere Weise um Chaluzzertifikate bestürmen, gibt es noch mehr Männer und Frauen mit einigen Mitteln, welche sich in Palästina ansiedeln wollen. Sie besitzen ein Kapital von 8 5—50 000. Die meisten denken, daß mit diesem Kapital In Amerika keine Existenz zu gründen ist, in Palästina aber eine gute. In den letzten Wochen hat das Palästina-Amt unserer Drganisation sog. ״Kapital 181 e n“- Visa für eine kleine Anzahl von Männern mit Familie verschafft, die nach Palästina Eia Gcsamtkapital von £ tOOOOO ($ 500000) bringen werden. Anträge ln Untertans London, 5. Mal, (J.T.A.) Colonel Howard Bury richttee am 4. Mal itn Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er in der Lage sei, Mitteilungen über die im Zuge befindlichen Verhandlungen zwischen dem Kolonialamt und den jüdischen Organisationen Palästinas zu machen und wer die beiderseitigen Vertreter bei diesen Verhandlungen seien. Dr. Drummond S h I e 1 s erwiderte, es hätten vor kurzem Unterredungen mit Vertretern jüdischer Organisationen über vorgetchiagene Entwicklungsarbeiten in Palästina stattgefunden. Er könne es jedoch nicht als nützlich erachten, in diesem Stadium weitere Einzelhei ten mitzuteilen. Colonel Howard Bury fragte sodann; Kann uns Dr. Shlels zumindest die Versicherung geben, daß die Best immun* gen des Weißbuches nicht weiter verstümmelt werden sollen? Dr. Shieis erwiederte: Ich glaube nicht, daß Colonel Howard Bury eine Antwort auf diese Frage erwartet. Clitet Rabbi Berti gegen Palästina-Beamte London, 4. Mal. (J.T.A.) Aut der am 3. Mai abgehaltenen Konferenz des Misrachi-Verbandes für Großbritannien und Irland hielt Chief Rabbi Dr. J. H. H e rt z eine Ansprache, in der er gegen die Beamten der Palästina-Regierung den direkten Vorwurf erhob, daß sie auch nach der VerÖffentlichung des Briefes MacDonalds an Dr. Weizmann wie seit jeher gegen die Errichtung des Jüdischen Nationalheims ar* beiten. Die Beamten der Palästina-Regierung, führte Chiet Rabbi Hertz au«, haben das Jüdische Nationatneim schon vor zwölf Jahren zu sabotieren gesucht und haben diese Haitung auch während des ersten, zweiten und dritten Pogroms, und, soweit ich sehe, auch bis auf den heutigen Tag bewahrt. Es wurde folgende politische Resolution gefaßt; Die Konferenz lehnt es ab, den MacDonald*Brief als Aeauivalent einer Zurückziehung der beanstandeten Teile des Weißbuches anzuerkennen. Sie fordert daher ihre Delegierten auf dem Zionistenkongreß auf, für die vollständige Abänderung aller polltischen Erklärungen, die gegen die Wiederherstellung des Jüdischen Nationalheims gerichtet sind, und für eine aktive Politik der Mandatarmacht mit dem Ziele, die Erweiterung des Jüdischen Nationalheims zu legitimieren, einzutreten. Die Italienischen Grausamkeiten In Tripolis Italienische Zurückweisung des Mufti-Protestes. Rom, 20. April. (J.T.A.) Die römische Zeitung ״Tev e r e“ befaßt sich mit dem Protestmemorandum. welches der Oberste Moslemische Rat vor kurzem dem italienischen Konsul in Jerusalem, betreffend angebliche Verfolgungen der Araber in Tripolitanien, überreicht hat. Die Zeltüng •weist darauf hin, daß das Organ des Jerusalemer Mufti, ״Al Dschamije“, übertriebene Berichte über angebliche Grausamkelten des italienischen Militärs gegen die Araber In Tripolitanien veröffentlicht hat, und wirft dem Mufti, der ln einem Manifest zum Boykott italienischer Waren aufgefordert hat, Interessenpolitik vor. ״Tevere" erinnert den Mufti an die grausamen Massakers, die seine Anhänge? —* und, wie man behauptet, auf des Mufti Anstiftung *— im Herbst 1929 an Juden begangen und die die ganze Welt erschüttert haben. Es ist unmöglich, schreibt ״Tevere", daß dem Mufti nicht bekannt sein iou, daß Italien in Tripolitanien mit viel »ehr Recht and Gerechtigkeit regiert• alt z* fik die Mandatarmächte in Syrien und Päliitina* Die Zeitung wirrt der englischen Mandatarmacht vor, daß sie die Boykottpropa* ganda des Mufti wohlwollend duldet und damit eine Unfrieden stiftende Politik fördert. ♦ Die arabische Presse Ist voll Empörung über die Bombenwürfe italienischer Flugzeuge bei ihrem Vormarsch in Tripolis. Die italienische Regierung stellt durch ihr Konsulat in Jerusalem alle Grausamkeiten in Abrede. Die Araber haben für die moslemischen Opfer des italienischen Feldzuge• gegen die Senussi Trauergottesdienste in der El Akza-Moschee ver* anStaltet. Warum die in englischer Sprache erscheinende jüdische Tageszeitung ״Palestlne Bulletin״ bei der Mitteilung dieser Tatsache das Wort ״Opfer״) ״victime") ln ironische Anführungszeichen setzt, ist uns nicht erfindlich. Es ist unbe- § reiflich, daß die verantwortlichen Wortführer der jüdischen ffentlichen Meinung ln Palästina nicht erkennen, wie sehr durch derartige fortgesetzte kleine Nadelstiche die Erbitterung des jüdisch-arabischen Gegensatzes in Palästina gesteigert Werden muß. Ein Infoslawtscher Zlonsfrennd Aus Jugoslawien wird uns berichtet: Der Professor der Nationalökonomie Dr. M. Nedeljkovlc, der kürzlich von einer Studienreise nach Palästina zurückgekehrt ist, hielt in mehreren Städten Jugoslawiens Vorträge über die jüdische Aufbauarbeit In Palästina. Nach Beograd und Novl-Sad sprach er am 19. April in Osljek. Der Vortragende analysierte die in Palästina vorliegenden Probleme und kam zu dem Resultat, daß sowohl bezüglich der Rentabilität der jüdischen Investitlonen als auch bezüglich der verschiedenen politischen Fragen eine optimistische Beurteilung am Platze ist, Der Schluß des Vortrages verdichtete sich zu einem sehr eindrucksvollen Appell an das jüdische Volk, seiner glorreichen Geschichte eingedenk zu sein und durch die erfolgreiche Weiter* führung des Palästinawerkes sich dieser Geschichte Würdig tu erweisen. Im Anschluß an den Vortrag fand ein Empfang statt, an dem auch die niclitjüdischen Notabein der Stadt, die Spitzen der Verwaltung und die Geistlichen aller Konfessionen teilnahmen. Im neuen spanischen Kabinett befinden sich, wie ein toledanlscher Berichterstatter des ״Hamburger Familienblattes״ zu melden weiß, drei Mitglieder von marannischer Abstammung. Diese sind der Ministerpräsident Zamori, der Innenminister Maura und der Justizminister De ios Rio8. Von Maura war durch die Angaben des verstorbenen Vlasko I b a n e z in der ganzen Welt bekannt, daß er ein Chueta (Nachkomme der Marannen auf den Balearen) ist. Ferner Wußte man. daß die Familie De los Rios rein jüdischer Abstammung ist. Neu ist die Angabe, daß Zamora sowohl vlterlicherwie mütterlicherseits von Marännen abstammt Durch den Umsturz ln Spanien ist selbstverständlich das alte Vertreibungedekret von 1492, das in der Praxis nicht mehr bestand, nun auch formell aus der Welt geschafft. Ob eine ausdrückliche Annullierung dieses Dekrets durch die neue Regierung erfolgen wird, ist zweifelhaft, da die Regierung auf dem Standpunkt steht, man würde ״dieser Schande aus dem Mittelalter“ Zu viel Ehre erweisen, wenn man Ihrer noch in einem Regierungsdekret Erwähnung täte. Ueber die Aussichten einer jüdischen Einwanderung nach Spanien äußerten sieh Regiertmgskreise, daß eine solche im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten durchaus erwünscht sei. Hierbei dürfte die neue Regierung wohl in erster Linie die spaaioUtchcn Juden im Auge haben. Presseschau Der Parlamentarische Korrespondent des ״JewlshChron i c 1 e“ berichtet ln der Nummer vom 8. Mai über die angebliehen Gründe, warum die Zionisten die Ernennung Sir Joh n H0 ק e Simpsons als Präsidenten der Landentwickiungskommls&ion für Palästina abgelehnt haben. Simpson habe bei Abiieferung seines bekannten Berichtes einen Brief an die Regierung geschrieben, worin er sich für die von Felix Warburg in Amerika vertretene zionistische Auffassung ausspricht, daf" ~ ‘ "־ * - ' י.־ ־ "' nicht geeignet. Dieser Versuch, sich in innere Angelegenheiten der Jewish Agency einzumischen, sei jetzt in Palästina zu Weizmanns Kenntnis gelangt und habe die Opposition gegen Sitnpson hervorgerufen. — Wie skeptisch jedoch die Berichte dieses sogenannten ״Parlamentarischen Korrespondenten״ aufgenommen werden müssen, beweist die amüsante Tatsache, daß er auch in seinem letzten Bericht (wie schon in der Vorwoche, vgl. ״J. R.״, Nr. 34) wieder den indischen Sachverständigen C. F. Strickland mit dem Gouverneur von Malta, Lord Strickland, verwechselt. Auch am 8. Mai erklärte er, Dr. Welzmann habe Lord Strickland als Vorsitzenden der Kornmission vorgeschlagen und hebt hervor, welches Interesse Lord Strickland an den Verhältnissen im Heiligen Lande genommen habe, indem er sogar einen Bericht über das Kooperativ-System und die Lage der Fellachen erstattet habe. Der Korrespondent weiß weiter zu melden, daß die jüdischen Arbeiterorganisationen Palästinas besonders scharf gegen die Ernennung des reaktioniren Lord Strickland opponiert haben, ln Wahrheit ist n i c h t g von alle dem richtig, denn Lord Strickland hat nicht das geringste mit Palästina zu tun und wurde sicherlich auch niemals im Zusammenhang mit Palästina erwähnt. Ob Dr. Weizmann C. F. Strickland (der sicher keinen Widerspruch bei der palästinensischen Arbeiterorganisation finden würde) als Vorsitzenden der Kommission vorgeschlagen oder ob er sich nur auf das für den Landentwicklungsplan sehr wichtige Gutachten dieses Strickland berufen hat, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls bietet das Malheur, das hier dem ״Parlamentarischen Korrespondenten״ des ״Jewish Chronicle“ passiert ist, ein gutes Beispiel dafür, mit welcher Vorsicht dessen von einem großen Teil der zionistischen Presse meist unkontrolliert übernommenen, zum Teil frei erfundenen allwöchentliehen Kombinationen aufzunehmen sind. * In dem Berliner Zentrumsorgan ״Oermania״ veröffentlicht deren palästinensischer L.-Korrespondent am 1. Mai einen längeren Bericht über die Versuche einer jüdisch-arabischen Verständigung in Palästina. Der Artikel, der einige richtige Hinweise enthält, ergeht sich leider in Ausfällen gegen den Zionismus, die schon durch ihren Ton eine starke Gehässigkeit verraten. Der Verfasser, offenbar ein Jude, erklärt, das zionistische System sei ״politisch dilettantisch, wirtschaftlich zum großen Teil widersinnig und kulturell närrisch“. Im weiteren Verlauf seines Artikels erklärt der Verfasser, ״ohne die vorbehaltlose Einstellung der jüdischen Politik in Palästina auf die Idee der Minderheit wird es keine produktive Zusammen* Arbeit der Juden weder mit den Mohammedanern, noch mit den Christen, ja nicht einmal mit England geben״. Der Verfasser Zweifelt auch an Englands verwaltungstechnischen Fähigkeiten, die Krise der englischen Kolonialpolitik hat nach ihm Ihren Hauptgrund in der Erstarrung des kolonialen Verwaltungs- Apparates. Er meint, unter dem Druck Englands werde allmählieh eine Formel gefunden werden, die ״Juden wie Arabern eine vegetative Existenz ln Naturschutz-Parke oder Ansied• lungsrayons möglich macht, .t'äder wird dabei dt« große hilto* rische Aufgabe Palästina ■vor die Bissen geh«, sich ztirif Musterland für die Verwirklichung des Gedankens zu entwickeln, daß die künftigen Beziehungen zwischen Orient und Okzident nur auf der Grundlage der Kooperation unter strikter Wahrung des weltwirtschaftlichen Gleichgewichtes möglich sind״. — Es wirkt befremdend, daß die ״Germania", die ein begreifliches Interesse an Palästina nim»t. sich nicht aut eine ruhigere und von keinen Ressentiments getragene Darstellung beschränkt. * Der Redakteur der großen ägyptischen Tageszeitung ״AI Mokkatam", Dr. P. Nimer, der kürzlich einen Besuch in Palästina gemacht hat, äußerte sich im ״Felestin" bedauernd über die in diesem schönen Lande herrschende Atmosphäre des Kampfes. Er habe den Eindruck, daß in Palästina alle Beteiligten völlig richtungslos seien, Insbesondere die englischen Beamten sind ratlos, weil sie nicht wissen, auf welche Seite sie sich neigen sollen. Dr. Nimer sagte weiter, nach seiner Meinung sei der zionistische Fanatismus infolge des Geldmangels stark abgekühlt. Der Lehrerstreik sei ein Beweis für die finanziellen Schwierigkeiten der Zionisten und man könne hoffen, daß sie infolgedessen auch etwas gemäßigter Werden. Nebenbei habe der Zionismus dem arabischen Natlonalisntus einen großen Dienst erwiesen, denn die arabische Nationalbewegung in Palästina sei durch den Zionismus zu einer einheitlichen Front geworden, 80 daß sie heute ein Vorbild für die anderen arabischen Länder ist. * ,,Allgemeiner Zionismus“ Der Präsident der Zionistischen Exekutive für Westgalizien und Schlesien, Dr, Ignatz Schwarzbart, veröffentlicht im ״Jüdischen Volksblatt״, Bielsko, einen Artikel ״Die Wiedergebürt des Allgemeinen Zionismus", worin er sich dafür ausspricht, daß die Allgemeinen־ Zionisten sich zu einer Organisation vereinigen, so daß im Zionismus ein Drei-Parteien- System entsteht: Rechte, Linke und Allgemeine. Der Verfasser übersieht nicht die Schwierigkeiten einer solchen Neuordnung und glaubt, daß zunächst diejenigen Allgemeinen Zionisten, die ihren zentralen Landeskomitees unterstehen, sich vereinigen sollen mit folgendem Programm: 1״. Festhalten an dem Endziel des Zionismus. 2. Suprematie der Interessen des Volkes als die sozialen Prinzipien und den wirtschiftlichen Aufbau des Landes — das Losungswort der Zusammenfassung aller schaffenden, konstruktiven Elemente. Daher Kampf gegen den Klatsenegoismus, sei es den des Sozialismus, sei es den des Kapitalismus, Festlegung des Grundsatzes der obligatorischen Arbitrage bei Konflikten zwischen Arbeit und Kapital, sowie Förderung der Mlttelstandskolonisatlon. 4. Auf kulturellem Ge- Mete die Parole der Zentralisierung des palästinensischen Schulwesens; daher Kampf gegen den Klassen- bzw. exklusiv k0nfessionellen Standpunkt in Fragen des Schulwesens. Mit einem Wort — die Schaffung eines einheitlichen nationalen Schulwesens. 5. Organisatorisch: Die Bildung eines gemeinsamen sztamzioniitischen Zentralorgans, welches nach obigen Leitsitzen die Tätigkeit der Sztamzlonlsteh regeln sollte. 6. Die Bildung einer zentralen sztamrionistischen Jugendorganisation bei gleichzeitiger Auflösung aller Sonderleitungen und Schaffuig bloßer Sektionen Im Bereich dieser Organisation: der akadamischen Jugend, einer Erziehungssektion (Chahtz) u. dg!, m. 7. Die Schaffung eines gemeinsamen Fonds für zionistische Publikationen, Propaganda und Hachscharah der Chaluzjugend.״ — Der Verfasser stellt dieses Programm zur Diskussion und spricht den Wunsch aus, daß bereits in nächster Zeit organisatorische Maßnahmen folgen.