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Jüdische Rundschau · 1931-05-12 · Heft 36 (12.5.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 36 (12.5.1931)
Date
1931-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Vor den jüdischen QemeindewaMen in Polen Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDiens tag u.Freftag. Bezugspreisbei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. ,Audsndsabounements werden in der Währung der einzelnen Lander berechnet An/eipenprei‘*: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuch« 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J l Bismarck 7165-70. Poiticheck ׳Konten : Berlin 17392, Basal V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155, Strass bürg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank -Konten: Darmstädter « und Nationalbatik, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52, Rumänische Kreditbank, Gemauti (Rumänien); Anglo Palesnnc Co, in Haifa, lerusalejn, Tel-Aviv. Nummer 36 | Berlin, 12. V. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ה אייר חרצ״א | xxxvi. Jahrg. Der Zionismus •rstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer äffentllcli - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.»» In aller Kürze Anläßlich LagB’Omcr fand unter großer Beteiligung am 1־. Mai der übliche Pilgerzug zum Grabe Simeon ben Jochais in Meron bei Safed statt. Unter den Besuchern befanden sich <ln’>mai Bialik, Mark Chagall und zahlreiche andere Schriftsteiler und Künstler. In ganz Palästina wurden an diesem Tage zahlreiche Hochzeiten gefeiert, in Tel-Awiw allein 33. Die Palästina-Regierung dementiert die Nachricht von einer unmittelbar bevorstehenden Veröffentlichung des Berichtes der Klagemaue rkommission. Die Weltkonferenz des Misrachi wird am 21. Juni in Danzig beginnen und vier Tage dauern. Dank den Bemühungen des Jüdischen Parlaments-Clubs und kr ■;anders des bisherigen Senators Dr. Mayer Ebner und des Abgeordneten Dr. Fischer haben sich in Rumänien alle indisch-nationalen Organisationen zu einer Jüdischen R c 1 c 11 s o r g a n i s a t i o n zusammengeschlossen. Pie Union der rumänischen Juden unter Führung von Dr. Wilhelm F i I - (',ermann hat mit der Regierungspartei Jorgas ein Wahlkiindnis geschlossen, wofür ihr eine Anzahl von Deputierten- und Senatorensitzen versprochen wurden. Zu den Ende Mai statt findenden Wahlen 1 n den äOgliedrigen Rat der Jüdischen Gemein de Warsch a u liegen nicht weniger als 30 Kandidatenlisten (!) vor. Felix M. Warburg hat für den 21/3 Millionen Dollar-Drive des Joint 50 000 Dollar gezeichnet. Der High Cotnmissioner hat dem aus Kurdistan auf Grund eines Touristenvisums mit seiner Familie nach Palästina gekornmenen Israel Esra, der mit seiner Familie vom jüdischen Polizeirichter Zuckermann zur Deportation verurteilt worden war, die Bewilligung zur dauernden Niederlassung in Palästina erteilt. Infolge des Wassermangels in Jerusalem, der durch die ungenügenden Regen dieses Jahres erzeugt wurde, wird die Regierung ab Juni ständige Wasserzüge einrichten, die aus der Umgebung von Ludd per Bahn Wasser nach Jerusalem bringen. Auf Anordnung des ungarischen Ministerpräsidenten wurde labotinsky, dem das ungarische Außenministerium ein Visum verweigert hatte, ein Durchreisevisum ausgestellt. In der Druckerei der revisionistischen Tageszeitung ,.Haam“ ist ein Konflikt zwischen der Leitung und der Arbeiter- Schaft.. ,aup,■ 3m.Iää!,־ ׳ttur Umfang von einer halben Seite erscheinen konnte. Die erste Sendung von palästinensischen Frühkarlöffeln aus den Siedlungen der Jewish Agency nach Eng-!and ist gelungen: die Kartoffeln kamen in ausgezeichnetem Zustande an und erzielten gute Preise. Das American Joint Distribution Committee hat 3000 Dollar für sofortige Hilfe an die durch die Hochwasserkata- Strophe in Wilna und Umgebung geschädigten jüdischen Familien zur Verfügung gestellt. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erläßt einen Aufruf zu Sammlungen für die jüdischen Opfer der Mochwasserkatastrophe 1m Wilnaer Gebiet. Spenden sind zu richten an die Deutsche Bank und Diskonto-Gesellschaft, Depositenkassc C, Berlin W9, Potsdamer Str. 127, Konto: Hilfsverein der Deutschen Juden. In Paris kam es anläßlich einer Demonstration von anti semitischen Camelots de Roi im Judenviertel zu Ueberfällen au tidische Kaffeehaus-Glste. Die Polizei griff ein und verhaftet Lamelots und einige Juden. Das Blatt der oRyalisten, Di A c t io n Fra n cais e“, veröffentlichte darauf einen Leit artikel, der im Stile und Ton ein Abklatsch ähnlicher Artike aus dem ״Völkischen Beobachter“ ist. Das Royalistenblatt sprich uon ״jüdischer Pest“, von ״ausländischem Ungeziefer“ und feiei acn Sieg ihrer Anhänger über die Juden, welche, nach de Action Francaise, die unschuldigen Camelots überfallen hätte! ln New York wurde die 16. Wiederkehr des Gründung! Hgcs des American Jewish Congress durch ein Fes Bankett gefeiert. Ansprachen hielten: Staatsanwalt George . Al cd a he, Ehrenpräsident des Kongresses Dr. Stephan W i s und Präsident Bernhard S. D e u t s c h Soeben erschien im Rahmen der deutschen Bibel-Uebe dzung von Martin Bub er der elfte Band: Das Buc Drmijahu (Verlag Lambert Schneider, Berlin-Dahlem) Der AntisemiHsnms in Mexiko Zu unserer Meldung über die Vorgänge in der Stadt ■V e x i k o berichtet die J. T. A. nachträglich, daß es sich um aus gesprochene antisemitische Vor kommuisse gehandelt habe. Nach der Vertreibung der jüuiKiien Händler vom Marktplatz in Mexiko veranstalteten die S|cger, geführt von den einheimischen Kaufleuten, eine Feier, an der 9000 Personen teilnahmen. Auffallend war, daß an dieser Z°n antisemitischem Geiste beseelten Versammlung auch der Staatspräsident Mexikos teilnahm und gegen die "usten antisemitischen Hetzreden keinen Einspruch erhob. Die ™!semitische Bewegung greift unterdes in Mexiko noch immer Leiter um sich. In einer Schule der Stadt Mexiko wurde ein ölfjübriger jüdischer Waisenknabe, Boris י■'י b i n o w i c z, von einem mexikanischen Mitschüler nieder- ״״ c h oss en. — Die Lage der von den Märkten vertriebenen .1/tischen Händler hat eine neue Verschärfung erfahren. Es wird ihnen nicht nur das Betreten der Märkte, sondern auch '</' Eröffnung von stabilen Läden verboten. Auch in anderen; Mexikos sind die jüdischen Kaufleute von den Marktpinizen vertrieben worden. Ein Verzeichnis der jüdischen Handlcr> die als unerwünschte Einwanderer bezeichnet;//™eti, soll dem Einwanderungsamt übergeben werden. 1 ne amerikanischen Bne Brith haben dem Staatssekretär der :eremigten Staaten, Stimson, einen Protest gegen die anti- ™mtischen Maßnahmen in Mexiko überreicht und die Regiej;;״ןז der U. S.A. aufgefordert, in Mexiko in dieser Angelegen- ״tlt zu intervenieren. Die Juden-Debatte der ״Deutschen Rundschau“ Ein Epilog Im Mai-Heft der ״Deutschen Rundschau“ gelangt die durch den Aufsatz von Paul Fechter begonnene Aussprache über die Judenfrage zum Abschluß. Das Heft bringt zunächst einen Aufsatz von Hans Friedrich B1 u n c k über Antigennanismus. Der Verfasser spricht ״aus dem Aspekt einer Landschaft“, nämlich der rassenmäßig am reinsten germanisch gebliebenen Provinzen Nordwestdeutschlands, die nach Aussage des Autors heute weitgehend die Empfindung haben, daß in Deutschland ein gegen sie gerichteter ״Antigermanismus“ bestehe. Diese deutschen Stämme, die den Antisemitismus nicht kennen, seien darüber befremdet, daß die deutsche Kultur häufig nur auf griechische und jüdische Wurzeln zu rückgeführt werde, ohne gebührende Würdigung der stärksten Komponente, der germanischcn. An dieser Zurücksetzung des Germanischen sei ein Teil der jüdischen Mitbürger beteiligt. Diese Lage müsse überwunden werden, wenn weitere Verschärfungen vermieden werden sollen. Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des Central-Vereins, beschäftigt sich in seinem Beitrag gleichfalls vorwiegend mit dem Problem des Antigermanismus. Er macht auf die Schwierigkeiten aufmerksam, eindeutig zu bestimmen, was im deutschen Sinne wirklich ״national“ sei, wenn man sich von parteipolitischen Voreingenommenheiten frei macht. Es gibt auch im deutschen Volke verschiedene Auffassungen, die miteinander ringen und doch alle das Beste für deutsches Volkstum anstreben. Man dürfe den Menschen verschiedener Riehtung, auch wenn sie Juden sind, die Meinungsäußerung in diesem Kampfe nicht verwehren, sofern sie in anständiger Form erfolgt. Dr. Holländer bestreitet das Vorhandensein einer einheitlichen jüdischen Haltungauch innerhalb des Judentums gebe es die verschiedensten Differenzierungen. Wenn Dr. Fechter einem Juden, nur weil er Jude ist, das Recht auf A**§erwng bestreiten will, dann verläßt er die Basis des sach- Kchen Kampfes. Unnötig zu sagen, daß wir io vielen Punkten nicht mit Holländers Argumentation übercjnstlmmeii; dodj soll an dieser Stelle darauf nicht näher eingegangen werden. — In einem Schlußwort fassen die Veranstalter der Ausspräche, der Herausgeber der Zeitschrift, Rudolf Pechei, und der Verfasser des ersten Aufsatzes, Paul Fechter, die Ergebnisse der Diskussion zusammen. Anknüpfend an Holländers Ausführungen über die Unbestimmbarkeit des Nationalen betonen die beiden Herren, es dürfe kein Zweifel daran bestehen, daß gerade in der heutigen Lage des deutschen Volkes dem Nationalen eine besondere Wichtigkeit und Bedeutung beigelegt werden müsse. Es handle sich um Gefühlstatsachen, die man zunächst als Gegebenh e i t e n hinnehmen müsse, ohne daß vom Begrifflichen her eine Zergliederung dieses Gefühlsgehaltes möglich sei. Aber schon durch eine sachliche Aussprache könne viel zur Klärung beigetragen werden. Der Zweck der Diskussion, so betonen die beiden Unterzeichner ausdrücklich, war nicht Klage oder Anklage, sondern ein B e r i c h t. Es sollte gezeigt werden, ״welche Gefühle auf deutscher Seite durch unverantwortliche Entgleisungen entstehen und wieviel antisemitische Empfind ungen ihre Quelle in Taten und Aeußerungen jüdischer Menschen haben“. Die beiden Unterzeichner, Fechter und Pechei, lassen die Frage offen, ob sie selbst als Personen derartige C)efühle hegen, aber sie halten es für ihre Aufgabe, informativ und feststellend mitzuteilen, welche Empfindungen in ihren Kreisen vorhanden sind. Wenn man auf beiden Seiten diese Empfindungen kennt, dann wäre es leichter, Schwierigkeiten zu beseitigen und ״eine Gefahr zu beschwören, die für den Schwächeren in diesem Streit besteht“. Und sie fügen hinzu: ״Die Größe dieser Gefahr vermindert man nicht, wenn man in noch so geschickter Form von dem eigentlichen Kern und Ausgangspunkt unserer Diskussion ablenkt“ Man wird also aus dieser Artikelserie mit einem etwas unbefriedigten Gefühl entlassen. Die Veranstalter wollen über Empfindungen informieren und wünschen, daß diese ihre Information einfach hingenommen wird. Wollten sie aber darüber hinaus nicht zu einer sachlichen Klärung kommen, die der Gefahr einer Verschärfung der Gegensätze entgegen wirkt? Diese Aufgabenstellung ist zweifellos dankenswert; aber wie kann man ihr dienen, w׳enn man nicht an die kritische Prüfung der Berechtigung der vorhandenen Empfindungen herangeht? Und in dieser Hinsicht sind die Veranstalter gerade auf die wesentlichsten Einwände die Antwort schuldig geblieben. Dr. Krojanker hat in seinem Aufsatz in der ״Freien jüdischen Monatssehau“ Dr. Fechter vorgehalten, wie einseitig seine Beurteilung des Einflusses von Juden auf den deutschen Kunstbetrieb ist. Fechter beschränkt sich auf die Kritik einer bestimmten Gruppe jüdischer Literaten, dieauchdemjudentum gegenüber nicht die geringsten Bindungen haben und deren ״Wurzellosigkeit“ als Produkt einer bestimmten Situation zu verstehen ist/ aber er ignoriert vollständig die ungeheure positive Leistungderjuden in dem deutschen Kunst- und Literaturbetrieb des ganzen letzten Jahrhunderts, wo die Juden in unzähligen Fällen als Bahnbrecher für Werke und Menschen eingetreten sind, die auch Fechter als echt deutsch anerkennen muß. Und der gleiche Gedanke wird von Willy Haas in Nr. 17 der ״Literarischen Welt“ durch eine Reihe sehr charakteristischer Beispiele belegt. Fechter hatte bekanntlieh behauptet, daß der größte Teil.der deutschen Verlage unter jüdischer Führung stehen und ans diesem Grunde Werke, die ״betont und bewußt dem deutschen Gefühl, der deutschen Weltbctrachtung entsprechen, nur sehr schwer Aussicht auf Annahme haben“’ Dieser Behauptung gegenüber hat die ״Literarische Welt“ schon früher nachgewiesen, daß nur ein relativ kleiner Prozentsatz von Verlagen wirklich in jüdischen Händen ist, in dem erwähnten Aufsatz aber zeigt Willy Haas, daß gerade die jüdischen Verleger sich für jene Dichter, die Paul Fechter als die wahren deutschen Meister hinstellt, mit größtem Enthusiasmus eingesetzt haben. Fechter nannte Stefan George, Hoffmannsthal, Barlach, Paul Ernst, Hermann Stehr. Fast alle sind von jüdischen Verlegern durchgesetzt worden! Und ״die noble konservativ-preußische ״Deutsche Rundschau“, in d?r einstmals fast alle großen deutschen Geister des 19. Jahrhunderts.... zuerst publiziert wurden, wurde von einem Juden begründet und herausgegeben: von Julius Rodenberg“. Dies und noch vieles andere wird Herrn Fechter vorgehalten, ohne daß er sich dazu äußert. Hier handelt es sich doch nicht um eine ״Ablenkung von dem Diskussions-Kern“. Fechter könnte höchstens sagen, daß er nicht über die Tatsachen, die ihm selbst bekannt sind, sprechen wollte, sondern über die in weiten deutschen Kreisen verbreitete Stimmung. Diese auf Imponderabilien gegründete Stimmung sei eine Realität, der man Rechnung tragen müsse, unabhängig davon, ob sie sachlich begründet ist oder nicht. Und da wäre zu fragen: Meint Fechter, daß die von ihm angeregte Zusammenarbeit der Gutgesinnten auf beiden Seiten lediglich darin bestehen könne, bestimmten jüdischen Schriftstellern den Mund zu verbieten, wozu übrigens niemand, 3m allerwenigsten irgendeine prononciert jüdische Organisation die Macht hat, oder muß nicht die Zusammenarbeit der Gutgesinnten auf beiden Seiten darin gipfeln, daß jeder Teil bei sich anfängt, in seinem eigenen Kreise über dort begangenes Unrecht aufklärt? Fast alle Juden, die in dieser Debatte das Wort ergriffen,'haben die beanstandeten'Entglei-’ sungen jüdischer Literaten verurteilt. Wir haben aber auf der anderen Seite, bei Dr. Fechter und den über Antigermanismus klagenden Teilnehmern dieser Debatte, kein klares Wort der Verurteilung der auf Lügen und Enstellungen beruhenden antisemitischen Propaganda gehört. Und der Zweck Dr. Fechters war doch nicht nur, uns über die nach seiner Meinung bei der Erzeugung des Antisemitismus mitwirkenden jüdischen Handlungen zu belehren, sondern auch von unserer Seite Material zu erhalten, das er in seinem eigenen Kreise verwerten kann, wenn es ihm darauf ankommt, die Gefahr der Verschärfurig der Gegensätze abzuwehren. Es wurde von uns Vorbehaltlos begrüßt, daß Dr. Fechter die Initiative dazu ergriffen hat, um ohne Sentimentalität und ohne Angst vor Mißverständnissen die Tatsache der vorhandenen Stimmungen zum Ausgangspunkt der Besprechung zu machen. Aber wir können bisher nicht sehen, daß nun wirklich etwas Positives geschieht, um diese Tatsachen zu ändern. Und darauf kommt es doch an. Erkennen was ist, das ist die erste Voraussetzung jeder Behandlung der Judenfrage. Die Diskussion in der ״Deutschen Rundschau“ bestätigt im Grunde eine alte zionistische Erkenntnis: daß dem Antisemitismus durch Argumente nicht beizukommen ist. Die These von der ״antigermanischen“ Auswirkung der Beteiligung von Juden am deutschen Kunstbetrieb mag durch zweifelsfreie Tatsachen, wie sie Krojanker und Haas anführen, unbestreitbar widerlegt sein: die Gefühlstatsache bleibt und wird neue Vorwände ausklügeln. Das Primäre ist der lnstinkt, nicht die Logik. Der Antisemitismus hat seine wahre Wurzel in der seelischen Andersartigkeit der jüdischen und nichtjüdischen Menschen und der daraus resultierenden Spannung. Solange man diese elementare Tatsache nicht begreift und bekennt, solange man durch Verschwommenheit der Abgrenzung, durch krampfhafte Assimilationsversuche und jüdisehe Mimikry־, die historischen Gegebenheiten zu verzerren sucht, wird das Unbehagen dieser schicksalhaften Symbiose nicht gemildert, sondern gesteigert. Das jüdische Schicksal ist ein Faktum, das gleichfalls ״Ehrfurcht“ verlangt; durch Leugnen ist ihm ebensowenig beizukommen wie durch Gewalt. Eine wirkliche Bereinigung der Judenfrage und der sich aus ihr ergebenden sozialpathologischen Erscheinungen wird erst möglieh sein, wenn man sich entschließt, mit letzter Aufrichtigkeit nicht nur an die sozialen Tatsachen, sondern auch an die Gefühls-Tatsadien heranzugehen. Nicht Verwischung und nicht Angriff, sondern gegenseitige Achtung und — Hilfe ist das Ziel. Es gibt bereits viele deutsche Nichtjuden, die klar erkennen, daß nur die Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins, die bewußte Pflege der jüdischen Eigenart auf Seite der Juden, auch eine unbefangene Stellung der Juden innerhalb der nichtjüdischen Mitbürger und ihre volle produktive Mitwirkung an den großen Aufgaben der staatlichen Gemeinschaft ermöglichen. Eine Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden, die auf der Forderung aufgebaut ist, daß der Jude sich selbst verleugne und die auf nichtjüdischer Seite vorhandene Geringschätzung jüdisehen, also seines eigenen Wesens, in seine Wert-Skala übernehme, kann niemals eine Lösung, sondern immer nur neue Verwirrung der Gefühle bringen. Der jüdische Jude ist auch für die nicht jüdische Welt der bessere Jude, Treue zu sich selbst eine Tugend, für die man gerade auf seiten unserer Diskussionspartner Verständnis vermuten sollte. Die Forderung, daß die Juden als Dank für ihre bürgerliche Emanzipation ihr Judentum in nichts auflösen und obendrein ab derartig ״Assimilierte“

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