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Jüdische Rundschau · 1931-05-08 · Heft 35 (8.5.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 35 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 218 J UE Dl SCH E RUNDSCHAU Nr. 35, 8. V. 1931 Die Umgestaltung der arabischen Welt R. W. Wir haben in der ״Jüd. Rundschau“ mehrfach über die Reise des Ministerpräsidenten des Irak, Nuri Pascha, in die benachbarten arabischen Länder berichtet und darauf hingewiesen, daß die Frage eines engeren Zusammen* Schlusses der vorderasiatischen arabischen Länder im Sinne der Kriegs- und Nachkriegspolitik des Obersten Lawrence und des ehemaligen Kolonialministers Churchill gegenwärtig ihre Auferstehung feiert. Man wird sich erinnern, daß diese das Schicksal Palästinas in höchstem Maße berührende Angelegenheit bereits vor zehn Jahren auch in zionistischen Kreisen diskutiert wurde, und die ״Jüdische Rundschau“ hat kürzlich (am 27. März) einen zionistisch-politischen Artikel wieder abgedruckt, der vor neun Jahren an derselben Stelle erschienen ist, als diese Sache in ganz ähnlicher Form aktuell war. Seit dein Sieg Ibn Sauds über König Hussein im Jahre 1924 schien der ״panarabische“ Plan begraben, doch ist es der beharrlichen englischen Politik gelungen, eine Versöhnung zwischen Ibn Saud und der Familie Hussein zustande zu bringen, als deren Konsequenz die gegenwärtigen Verhandlungen geführt wurden. Besonders bemerkenswert ist diesmal die Einbeziehung Syriens; zwischen den englischen Hochkommissaren in Bagdad und Jerusalem und dem französischen Hochkommissar in Beiruth findet seit Monaten ein intensiver Meinungsaustausch statt, und erst kürzlich hat Sir Francis Humphrys bei Ponsot und Chancellor Besuche gemacht. Der Förderations• gedanke hängt für die Mandatsmächte mit dem Projekt der verkehrspolitischen Erschließung des Vorderen Orients eng zusammen. Noch ist nicht klar, ob die Gegen- Sätze zwischen Frankreich und England, die beide die Verkehrswege von Mossul und Bagdad an den ihrem Mandat unterstehenden Teil der Mittelmeerküste leiten wollen, beigelegt sind. Auch die syrische Königs- und Verfassungsfrage ist noch ungelöst. Aber England will offenbar die Frage geregelt haben, bevor der entscheidende Schritt beim Völkerbund stattfindet, der für 1932 das Erlöschen des Irak-Mandates und die Aufnahme Iraks in den Völkerbund bezweckt. England hat dabei natürlich vor allem englische Interessen im Auge, die Sicherung des Landwegs nach Indien, der jetzt durch den Bau der Bahn Haifa—Bagdad greifbare Formen angenommen hat. Nuri Pascha hat sich in den Dienst der Aktion gestellt, wobei nicht gesagt werden kann, ob er ernsthaft und loyal auf die Kooperation mit England hinarbeitet oder nur die englische Interessenparallelität für eigene Zwecke ausnutzt. Wir haben bereits darüber berichtet, daß die Pläne einer arabischen Konföderation in der Form, die ihnen jetzt gegeben wurde, auf heftigen Widerspruch im Lager der arabischen Nationalisten stoßen. Ein großer Teil der arabischen Presse im Irak, in Syrien und in Palästina erklärte übereinstimmend, die von England protegierte Konföderation sei kein Mittel zur Befreiung des arabischen Volkes, sondern ein Versuch seiner dauernden Versklavung. Wir haben hier am 14. April einen Artikel der Londoner kolonialpolitischen Zeitschrift ״The Near East and I n d 1 a“ wiedergegeben, der sich mit auffallender Schärfe gegen diese Deutung wandte und betonte, die Reise Nuri Paschas sei auf die freie Initiative des Irak zurück* »!führen. England habe mit den Föderationsplänen nicht das geringste zu schaffen, ja das Blatt selbst siehe ihnen sehr skeptisch gegenüber. Man kann der Meinung sein, daß diese Stellungnahme der englischen Zeitschrift nur ein Ablenkungsmanöver zur Beruhigung der arabischen Nationalisten ist. Jedenfalls hat aber die Opposition gegen die Pläne Nuri Paschas im arabischen Lager nicht aufgehört Es stehen sich hier deutlich zwei Richtungen gegenüber. Ehe eine sagt ,.titneo Danaos et dona ferentes“, sie wollen keine Geschenke aus der Hand der verdächtigen imperialistischen Mächte, sie verlangen bedingungslose Räumung des Gebietes und volle Unabhängigkeit des gesamten arabisch sprechenden Länder- Das Cecil» Bankett tn London London, 6. Mai. (J. T. A.) Der Anglo-Palestine-Club gab am 5. Mal zu Ehren Lord C e c i 1 s ein Bankett. Den Vorsitz führte der Präsident des Clubs, James de Rothschild. In seinem Trinkspruch auf Lord Cedi legte James de Rothschild dar, warum ein Staatsmann vom Range Lord Cedis eine Bewegung wie die zionistische unterstützen müsse. Er wies auf die großen Opfer hin, die die Judenheit für den Palästina-Aufbau gebracht hat Er gab ferner der Hoffnung Ausdruck, Lord Cecil werde den Bestrebungen, eine Einigung zwischen denbeidenpalästinensischenNationen zustandezubringen, seinen Beistand leihen. Lord Cecil entwickelte seine Auffassung vom Zionismus als einem der bedeutendsten Elemente für die Sicherung der Weltwohlfahrt. Vielfach, erklärte Lord Cecil, herrsche die Vor- Stellung, daß jede revolutionäre Bewegung ihre jüdischen Teilnehmer habe. Wenn er auch selbst diese Vorstellung nicht teile, müsse er doch darauf hinweisen, daß eine Revolution das Ergebnis der Verzweiflung ist, und daß in vielen Teilen der Welt die Juden allen Anlaß haben, verzweifelt zu sein. Aus ideellen und praktischen Gründen sollten daher alle, die für den Frieden, die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Wohlfahrt in Europa eintreten, auf das O e d e i h e n des Zionismus bedacht sein. Die Bestrebungen, den Frieden zwischen Juden und Arabern herbeizuführen, werde er in vollstem Maße unterstützen. Der ehemalige Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsbj-Qore sprach den Toast auf das Jüdische Nationalheim. Erst nach einigen Generationen werde sich die jüdische Nation in einer eigenen jüdischen Sphäre entwickeln, in der ihr Gepräge so jüdisch sein wird, wie England englisch und Schottland schottisch ist. Das jüdische Volk werde in einem Lande zusammen mit anderen Volksstammen, die einer wahren jüdischen Kultur nicht feindlieh gegenüberstehen, ein bodenständiges Leben führen. Das Jüdische Nationalheim ist nicht nur eine palästinensische Angelegenheit, es steht nicht allein im Brennpunkt des Interesses von 15 Millionen Juden, sondern es geht die ganze Welt an. Dr. Weizmann führte u. a. aus, das Jüdische Nationalheim werde etwas darstellen müssen, das einen entsprechend großen Umfang besitzt und das mächtig genug ist, um die Grundsätze, auf denen es autgebaut ist, und die Hoffnungen, die an seine Errichtung geknüpft werden, zu verwirklichen. Nachdem Philip Guedalla den Toast auf die Mandatarmacht gesprochen hatte, hielt Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels die Ansprache, die wir an anderer Stelle wiedergeben. komplexes. Dem gegenüber steht die andere Partei, die an es für utopisch hält, den Abzug der europäischen Mächte zu fordern, und ein möglichst hohes Maß arabischer Einheit und Freiheit im Rahmen der nun einmal gegebenen Machtkonstellation anstrebt. Wir haben hier also ungefähr dieselbe Differenzierung wie in I n d i e n, wo gleichfalls die Kongreßpartei volle Unabhängigkeit und sofortige Ausschaltung Englands fordert, während die Gemäßigten, obwohl sie dasselbe Endziel haben, die Unabhängigkeit stufenweise im Rahmen des möglichen im Einvernehmen mit England erreichen wollen. Palästina hat innerhalb dieses Länderkomplexes eine Sonderstellung, aber unzählige Fäden geographischer, wirtschaftlicher, verkehrspolitischer und, soweit die Araber in Betracht kommen, auch nationaler Natur, verbinden es mit den Nachbargebieten. Eine großzügige zionistische Politik muß die Vorgänge verfolgen, die Tatsachen im Auge behalten und vorausschauend das jüdische Interesse wahren. Der Zionismus hat in früheren Perioden, sowohl in der Herzischen Zeit, als auch während des Krieges, die Notwendigkeit des Rechnens mit dem Morgen eingesehen; nur gerade in den letzten zehn Jahren ist es, als ob die durch den politischen Erfolg der Balfour-Deklaration betäubte zionistische Welt gegen alle Realitäten blind wäre und sich selbst ausschaltet. Statt eine aktive und konstruktive Politik zu machen, hat das der Poliük ungewohnte jüdische Volk sich auf ein unfruchtbares System wertloser Protestresolutionen festgerannt. Statt mit den gegebenen Mächten zu rechnen, glaubte man etwas zu erreichen, wenn man sich eine Vorstellungswelt aufbaute, in der diese realen Mächte nicht existieren. Ohne Englands Verstricktheit zu begreifen und ins Kalkül einzusetzen, appellierte man starr an Englands Vertragstreue. Und heute sehen wir sogar, daß stimmungsmäßig die zionistische Welt immer mehr jener Richtung zuneigt, die eine noch primitivere, noch wirklichkeitsfernere Form des ״Forderns“ (bei England) für das Heilmittel hält. Es sind bisher keine Anzeichen dafür vorhanden, daß der bevorstehende Kongreß den Weg in die Wirklichkeit zurückfinden wird. Inzwischen aber gehen die Dinge rund um Palästina mit rapider Geschwindigkeit vorwärts. Ueber die die arabische Föderation betreffende Kontroverse im arabischen Lager berichtet unser Mitarbeiter Dr. Jak. Thon nachstehend an der Hand der arabischen Pressestimmen. Wir geben seine Ausführungen teilweise gekürzt wieder, weil manches davon bereits früher in der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet wurde. Der Streit am die Konföderation Von Dr. JacobThon, Jerusalem. Der Großwesir des Irak, Nuri Pascha Said, ist aus Mekka nach Kairo zurückgekehrt, nachdem er (wie in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits berichtet — A. d. R.) mit der Hedschas-Rcgierung am 7. und 8. April Verträge geschlossen hat, die sich auf nachbarliche Beziehungen zwischen Irak und Hedschas, Auslieferung von gerichtlich Verfolgten und die Lösung schwebender Differenzen durch ein Schiedsgericht beziehen. Nuri Said hat dann in Aegypten auch mit der ägyptisehen Regierung ein gleichartiges Abkommen geschlossen und soll dann über Palästina und Transjordanien nach Bagdad zurückkehren. Ein Teü der Irak-Delegation, geführt vom Chef der MlUtlfkanzlei Taha Pascha Haschami, hat sich aus Mekka nach Sanaa begeben, um den Imam Jechia zum Abschluß ähnlicher Verträge zwischen der Regierung von Jemen und dem Irak zu bewegen, wie sie eben mit der Hedschas-Regierung abgeschlossen wurden. Inzwischen wird die theoretische Debatte überdieKonföderationinder arabischen Presse weitergeführt. Besonders erwähnenswert sind darin die Ausführungen des Emir Schakib Arslan, Präsident des syrischen Komitees in Lausanne, der in zwei langen Aufsätzen in ״Dschamije el Arabia“ vom 17. und 19. April mit großer Verve und auf Grund von historischen Belegen, die zum Teil in der Oeffent- Iichkeit noch unbekannt sind, die Argumente der Gegner einer Konföderation in ihrer heutigen Konzeption zu entkräften sucht. Er widerlegt die Behauptung gewisser arabischer Patrioten, daß die Konföderation nur in ״ihrer Schale arabisch ist, aber in ihrem Kern englisch“ und rät seinen Landsleuten; ״Nehmt was rein ist; weist zurück was trübe ist.“ Ihm sei es gleichgültig, ob England aus der arabischen Konföderation für sich selbst Nutzen zu ziehen gedenke. Er sei sogar für ein Zusammengehen mit Frankreich in gewissen Punkten, trotzdem er aus seiner Abneigung gegen Frankreich kein Hehl mache. ״Soll ich, wenn ich von Durst geplagt werde, das Wasser einer Quelle verschmähen, weil sie sich auf feindlichem Boden befindet?“ Die Annexion eines Hafenplatzes der arabischen Halbinsel am Roten Meer durch eine europäische Macht — die ihm als eine konkrete ernste Gefahr erscheint — wäre für das Schicksal Arabiens von viel ernsteren Folgen als der Ausbau der Bagdadbahn. Die Bagdadbahn bilde keine Gefahr für das Königreich Hedschas, da sie nicht durch sein Territorium geführt werden wird. Das verbietet sich schon aus technischen Gründen, weil das Terrain wasserarm und von Sandhügeln durchzogen ist. Außerdem aber wird Ibn Saud gutwillig nicht einen Fußbreit seines Bodens dafür hergeben. England aber habe schon einmal den festen Willen des Emirs respektieren müssen. Das war bei den Verhandlungen, die der verstorbene Sir Gilbert Gayton mit ihm führte, wobei er ihm den Wunsch seiner Regierung überbrachte, die zwei Grenzpunkte Djof und Kirjath el Malha sollten Transjordanien einverleibt werden. Als ihm Clayton nach dreitägigen erregten Verhandlungen sagte, England könne unter keinen Umständen diese Punkte im Nedschd lassen, antwortete Ibn Saud in glühendem Zorn: ״Diese Punkte könnt Ihr aus dem Nedschd nur ausschneiden, wenn Ihr vorher meinen Kopf abgeschnitten habt.“ Clayton berichtete seiner Regierung telegraphisch über diesen Widerstand des Königs und erhielt von uir die Weisung, die Forderung fallen zu lassen. Freilich ist sich Schakib Arslan darüber klar, daß England auch zu Gewaltmaßnahmen fähig ist, die abzuwehren die arabischen Länder zu schwach seien; es hat auch dem arabischen Volke gegenüber schon manchen Treubruch begangen. So hatte es sich schon 1912 mit Frankreich über die Aufteilung von Syrien und Palästina geeinigt, und der Sykes-Picot-Vertrag vom Jahre 1916 war nur eine Interpretation dieses Vorkrlegs-Abkommens, mit dem auch Italien einverstanden war, das durch Tripolis abgefunden wurde. Ebenso war die Balfour-Erklärung eine schmerzliche Ueberraschung für die arabische Nation ebenso wie die Vergebung der Konzession für die Ausbeutung der legendären Schätze des Toten Meeres. England habe weder bei der Aufteilung des Mossul-Oels noch bei der Einverleibung von Akaba und Maan in Transjordanien noch auch bei der Ausschaltung jeden Anteils der Mohammedaner an der Hedschasbahn in Transjordanien und Palästina mit den Gefühlen der Araber gerechnet. Es ist Torheit, wenn jemand sieh einredet, man könne in der Frage der Bagdadbahn oder der Oelrohr-Leitnng Englands Pläne beeinflussen. Deshalb solle die Idee der Konföderation ohne Zusammenhang mit Bahn und Oel behandelt werden. Der Plan der Konföderation stamme vom syrischen Komitee und nicht vom König FeisaL Fäsal dachte ursprünglich nur mit dem Widersacher seiner Dynastie Ibn Saud für unmöglich. Erst bei einer Zusammenkunft zwischen ihm und den Mitgliedern des syrischen Komitees, Emir Arslan selbst, Hassan Dschabri, Muhamed Rustum Bey Haidar am 18. September 1930 In Ain Tib wurde er überzeugt, daß eine Verbindung von Irak mit Hedschas und Nedscha viel wichtiger sei als mit Syrien und daß dieses Bündnis bei Aufgabe persönlicher Interessen zuf. Eine Ablehnung dieser nun in ihrer ersten Phase angebahnten Bündnisse von arabischer Seite sei ganz unverständlich, besonders seitens der palästinensischen Araber,deren HeilnurinderAnlehnunganein vereinigtes arabisches Reich liege, mit dem England rechnen müsse. ״Dschemija e 1 Arabia“ erwähnt zwar mit Ehrfurcht die patriotische Zuverlässigkeit und die große politische Erfahrung des Emir Arslan in den 40 Jahren seiner öffentlichen Tätigkeit, bleibt aber bei seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Konföderation. Irak sei nicht frei für einen politischen Bund mit Hedschas und Nedschd, und ein militärisches Schutz- und Trutzbündnis gegen Annektionen fremder Mächte vom Roten Meer her sei wertlos. Könne doch Irak nicht einmal die allgemeine Militärpflicht gegen den Widerstand Englands durchsetzen und könne sich auch nicht einmal bei dem kleinen Aufstand der Kurden Rat schaffen. Die arabische Konföderation soll nicht ein Mittel zur besseren Knechtung der arabischen Nation werden. Die Bagdadbahn habe zunächst nur eine s t r a t e - gische Bedeutung, und wenn sie auch 15 km von der Hedschasgrenze entfernt laufe, so kann von ihr aus doch jederzeit eine Üeberwältigung der zwei freien arabischen Reiche erfolgen. Palästina habe nichts mehr zu verlieren, es stecke schon ״bis zum Bart“ in der Misere, habe seine Bahnlinien und Flugplätze und den Haifaer Hafen. Nun soll nicht noch Irak durch die Bahn veranlaßt werden, seine Hoffnungen zu begraben. Weder Irak noch Transjordanien dürften es zugeben, daß die Bahn durch ihr Territorium geführt wird. Gegenüber dieser Polemik ist an Emir Schakib Arslans Ausführungen besonders bemerkenswert der realpolitische und weite Blick, der aus ihnen spricht, und die Bereitschaft, auch des Gegners Vorteil zu dulden, wenn dabei seine eigene Sache nicht zu kurz kommt. Von früheren Aeußerungen der arabischen Presse, die in dieses Kapitel gehören, seien die folgenden angeführt: Die Ablehnung kommt besonders scharf in der syrischen Presse zum Ausdruck. So fragt der ״A1 ep 11 Ba“ ln Damaskus am 21. März, ob das ״arabische Imperium“ zum Wohle der Araber oder nur zum Vorteil Englands geschaffen werden solle. Er erinnert an die Zeit vor etlichen neunzig Jahren, als der ägyptische Khedive Muhamned Ali und besonders sein Sonn Ibrahim Pascha Aegypten, Sudan, Hedschas, Syrien und Palästina, Cilicien und die kleineren Fürstentümer der arabischen Halbinsel unterwarf und davor stand, Kairo zur Hauptstadt eines neuen arabischen Imperiums mit 40 Millionen arabisch sprechender Einwohner zu machen, als England der auf die Knie gezwungenen, von Rußland gleichzeitig angegriffenen Türkei zu Hilfe kam, zusammen mit Preußen und Oesterreich die ägyptischen Truppen angrlff, im Libanon und Hauran die Christa! und Drusen zum Aufstand brachte und Ibrahim Pascha nach Aegypten zurückdrängte. Dasselbe England aber, das damals ein starkes arabisches Reich im Bündnis mit Frankreich alt drohende Gefahr für seinen Weg nach Indien -abwehren und im Keime .ersticken mußte, will dieses arabische Imperium jetzt als seinen Vasallen- Staat zur Beschützung der Verbindung mit Indien ins Leben rufen. Frankreich, Italien und Rußland werden aber diesem Plane nicht zustimmen. ,Nicht minder scharf gegenüber England ist die Ablehnung der arabischen Konföderation durch den Beyruter ״A h r a r“, der auch vor den Machenschaften solcher Agenten wie des neuen Moslem ״Abdallah Philby“ warnt. In Palästina findet die ״Dschemije el Arabia“ den schärfsten Ausdruck für die Ablehnung der Konföderation; ihr ägyptischer Korrespondent macht sich die in seiner Umgebung vorherrschende Ansicht über die Irak-Regierung zu eigen, die nur ein Werkzeug in der Hand Englands sei und sich dazu hergebe, das in London entstandene Projekt zu vertreten. Wie Lawrence 1922 und Dr. Nagij Hasil 1924, so werde jetzt Nuri Pascha von England verwendet. — Mit großem Groll wurde der englische Konföderationsplan von den Rednern bei der Feier zum Andenken an die syrische Unabhängigkeit?- erklärung am 8. März in Nablus behandelt; sie gehörten sämtlich dem extremnationalen Flügel der arabischen Exekutive und dem Gefolge des Jerusalemer Mufti an. Wie der Suezkanai Aegypten um seine Freiheit gebracht und zu einem Anhängsel von England gemacht habe, so werde der neue Suezkanal des Festlandes, die Haifa-Bagdad-Bahn, die England zum Schutz seiner Oelleitung durch den arabischen Körper schneiden will, Arabiens Abhängigkeit von den Annexionsmächten besiegeln. — Das Jaffaer Tageblatt ״Fe lest in“ prahlt noch am 27. März, nach Nuri Paschas Besuch in Amman (Transjordanien) damit, daß es als die erste Zeitung in Palästina die Frage der Konföderation als eine rein britisch-imperialistische Angelegenheit hn gestellt habe und ist froh darüber, daß ״Jamia Arabia“ mit ihm einer Meinung sei — im Gegensatz zum Mitarbeiter dieser Zeitung, dem Emir Arslan. Im Gegensatz zu diesen lauten und leisen Neinsagern ertönt das weithin hörbare Ja des Präsidenten des Syrischen Wafd, des Emirs Schakib Arslan, der am 11. März aus Lausanne sowohl an König Feisal ln Bagdad wie auch an König Ibn Saud in Dschedda telegraphiert, sie sollten sich von der Presse nicht beeinflussen lassen. ״Konföderation ist notwendig. Nachbarbeziehungen reichen nicht aus. Wahrheit wir i siegen.“ Auch in der Presse verteidigt er mutig die Politik des Königs Feisal und verurteilt diejenigen, die den König als Abklatsch von England bezeichnen. Feisal sei kein Schädling für die Araber, ,!wir glaubten die Konföderation im Himmel, aber sie ist schon auf Erden.“ Vielleicht ist die kurz darauf angekündigte Abmachung zwischen Syrien und Irak der Grund für die S c h w e n ־ kung, die in der Frage der Konföderation ln der arabischen Presse eingetreten Ist. Teilweise dürfte die Aufgabe des schroff ablehnenden Verhaltens auf die persönliche Fühlungnahme de? Irak-Ministerpräsidenten mit politischen Kreisen und Presse- Vertretern in Aegypten und Palästina zurückzuführen sein. Der ״Ahrar“ vom 1. und 2. April erklärt seinen Lesern, daß er immer für eine Konföderation der arabischen Länder gewesen sei, daß er nur vor versteckten Eroberung®־ tendenzen Englands gewarnt habe. Ebenso schlägt der Damaskuser ״Alepn Ba“ am 4. April einen anderen Ton an. Auch der Kairoer Korrespondent der Jerusalemer ״Dschemije el Arabia“ vom 29. März und 3. April weiß nun von Nuri Pascha als ״großem arabischen Patrioten“ zu erzählen, dessen Vorhaben man vollen Erfolg wünschen müsse. Nach Mitteilung des ״Hajat“ vorn 31. März enthält das zwischen Irak und Transjordanien geschlossene Bündnis u. a. eine Post- und Telegraphen-Union, eine gemeinsame und einheitliche Ordnung der militärischen Angelegen* heiten, einen einheitlichen Landesverteidlgungiplan und eine gemeinsame Außenpolitik.

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