Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 35 (8.5.1931)
- Date
- 1931-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Sigmund Freud 2× ep/1025006
- Wrocław 2× ep/1002369
- Alfred Wiener 1× ep/1506311
- David Koigen 1× ep/1023297
- Gustav Krojanker 1× ep/1009216
- Lion Feuchtwanger 1× ep/1005753
- Moscheh Ya’akov Ben-Gavriêl 1× ep/1009255
- Paul Arnsberg 1× ep/1029133
- Peretz Naftali 1× ep/1009282
- Ruth Klinger 1× ep/1009363
- Thomas Mann 1× ep/1025357
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Nr. 35. 8. V. 1831 J UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 218 Sigmund Freud 75 Jahre Sigmund Freud feierte in diesen Tagen seinen 75. Oe* burtstag und war aus diesem Anlaß Gegenstand vieler Ehrun* gen. Freud gehört zu jenen großen Geistern und Entdeckern unseres Zeitalters, die mit der schärfsten Ablehnung und Gegnerschaft der herrschenden Mächte in Gesellschaft und Wissenschaft zu kämpfen hatten und doch, unbeirrt an Ihrer Wahrheit festhaltend, sich allmählich durchsetzten. Heute wird bereits fast allgemein anerkannt, daß Freuds Werk von tiefster umwälzender Wirkung für die Erkenntnis des menschliehen Seelenlebens gewesen Ist. Manche gehen sogar so weit. 711 behaupten, daß die wissenschaftliche Psychologie erst mit Sigmund Freud beginnt und alles, was man vor thm Psycho* Ingie nannte, nur eine Vorstufe war, ein Tasten im Dunkeln, ohne Kenntnis der entscheidenden Kräfte und Gesetze. Von der offiziellen Wissenschaft geächtet, hat Freud doch einen immer größeren Einfluß errungen und dieser Einfluß erstreckt sich heute keineswegs nur aut die Gebiete der Medizin und Psychologie, sondern er durchzieht Dichtung und Kunst, Ge* sellschaftslenr׳* p dagogik, Völkerkunde und Geschichte. Es ist nicht zu bestreiten, daß in dieser Hinsicht, insbesondere auf den Gebieten des geistigen Leben» und der Oeisteswissen* schäften, die Freudsche Schule sich auch Uebertreibungen zu* schulden kommen läßt, wie dies wahrscheinlich jeder jungen und vorwlrtsstürmenden Wissenschaft zu eigen ist. Die geistige Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse hat in unseren Tagen erst begonnen, aber niemand leugnet mehr, dab sie unerläßlich ist. Es ist hier nicht der Ort, Freuds Lehre und die an ihr geübte Kritik zu besprechen. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit einer seiner letzten Schriften, ״Die Zukunft einer Illusion“, worin er sich gegen die Religion wendet, ist vor einiger Zeit in der ״Jüd. Rundschau“ erschienen. Wie immer man aber zu seinen Schriften im ein*?einen stehen mag, jeder wird anerkennen müssen, daß hier einer der größten Geister der Gegenwart vor uns steht. Es darf vielleicht daran erinnert werden, daß bei der Eröffnung der Hebräischen Universität Jerusalem Balfour in seiner großen Inaugurationsrede darauf hinwies, daß das jüdische Volk der heutigen Welt drei ihrer größten und bahnbrechendsten Männer geschenkt hat, nämlich Bergson, Freud und Einstein. Freuds Aufstieg war durch sein Judentum sehr behindert Er selbst erzählt in seiner Autobiographie, wie man seine Zugehörigkeit zum Judentum gegen ihn ausgespielt hat, und ln einem Brief an Thomas Mann, der jetzt anläßlich Freuds 75. Geburtstags in der ״Vossischen Zeitung“ veröffentlicht war, wundert sich Freud, von Thomas Mann ״in den Zusammenhang des deufsehen Geisteslebens eingereiht“ zu werden, während er glaubte, ״für diese Nation ein Fremdkörper zu sein“. In der Tat hat auch die Gegnerschaft gegen Freud genau so wie die Gegner״ schaft gegen Einstein mit antisemitischen Herabsetzungen nicht gespart. Ganze Bücher wurden gegen ihn geschrieben, um nacnzuweisen, daß seine Lehre eine jüdische Entartungs* erscheinung, eine Frucht des destruktiven jüdischen Geistes sei. Marx, Einstein, Freud, sie alle gehören für diese primitive Auffassung zu jenen jüdischen Mächten, die es darauf ab* gesehen haben, die hohen Kulturwerte der nichtjüdischen Völker zu zersetzen, um diese Völker zu schwächen und der jüdischen Weltherrschaft gefügig zu machen. Freud selbst s*and diesen antisemitischen Angriffen mit Gleichmut gegen* über. Er hat sich stets stolz als Jude bekannt und ist sich der hierdurch bedingten Sonderart wohl bewußt Aus der Zeit des Liberalismus stammend, lehnt er jeden Nationalismus prundsitzlich ab, hat aber Verständnis für die zionistische Idee, soweit sie auf jüdische Konzentration und jüdische Siedlung ab* zielt. Auch der Hebräischen Universität Jerusalem hat der Ge׳ . . ... _ _ •'■vermag' . auf den Erfolg seiner unerschrockenen Forscherarbelt zurück* zublicken. Er ist heute ein international gefeiertes Genie, er und Einstein vielleicht die bekanntesten und anerkanntesten Gelehrten deutscher Zunge innerhalb des großen außerdeut* sehen Kulturkreises. Aber nicht nur der deutschen Wissenschaft, auch der jüdischen Gemeinschaft hat er Ehre und Ruhm eingebracht. Briete an die Redaktion Sehr geehrte Redaktion! Jerusalem, 20. April 1931. Es kommt zwar häufig vor, daß ein Schriftsteller in einer eielbstanzeige auf eine Neuerscheinung aus seiner Feder hin* weist; es scheint aber nicht Usus zu sein, daß dies sieben oder acht Jahre nach dem Erscheinen geschieht. Trotzdem möchte ich, als alter Mitarbeiter der ״Jüdischen Rundschau“, um Gastfreundschaft für einen Hinweis aut eines meiner Bücher, aut das im Jahre 1924 in dem B. Harz-Verlag, Berlin, unter dem Autorennaraen Eugen Hoefiich erschienene ״Die Pforte des Ostens. (Das jüdisch-arabische Palästina vom panasiatischen Standpunktaus.)“, bitten. Ich will beileibe nicht aus Autoreneitelkeit auf dieses, wie mir scheint, zu Unrecht verschollene Werk hinweisen, sondern einzig darum, weil seine Aktualität gerade jetzt eine außerordentliche — und eine parenaetfsche ist. ich fühle mich benachteiligt; nicht weil das Buch verschwunden ist, sondern, weil ich in der letzten Zeit auffallend wenig von den militanten Vertretern des jüdischen Hurrachauvinismus angegriffen werde. Dies scheint mir ein Unrecht, da i c h es doch war, der in mehreren Hunderten von Aufsätzen und insbesondere in jenem Buch als Erster den binationalen Staat für Palästina und die Eingliederung eines autonomen jüdisch-arabischen Palästinas in die künftige (also mithin pansemitische) Foederation forderte. Ich will mir auf die Tatsache, daß ich der Erste war, weicher diese fundamentale Voraussetzung alles praktischen Zionismus aussprach, beileibe nichts zugute tun, ־׳,tich nicht darauf, daß ich, vor zehn Jahren schon, vor manchen Fingen, die leider Gottes dann tatsächlich eintraten, gewarnt habe, aber ich möchte aut Grund einer vieljährigen publizisti- ־rhen Tätigkeit, die niemals von ihrem vor mehr als zehn Jahren gesteckten Ziel abging, das Recht mir sichern, nicht weniger angegriffen zu werden, als jene Kameraden, welche allen Unentwegten ein Dorn im überpatriotischen Auge sind. Ich weise daher auf das oben genannte Buch nachdrücklich hin mit der Berechtigung dessen, der davon überzeugt ist, daß selbst in der Tagespolitik ein gewisses Maß von Ethik not- "endig ist, und dem durch die vor Jahren prognostizierten und inzwischen eingetretenen Tatsachen in dieser Hinsicht Recht gegeben wurde. Ihr ergebener M. Y. Ben-Gavriel. Der jüdische Maler Ludwig Blum (Jerusalem) hatte, wie uns aus Palästina geschrieben wird, vor einiger Zeit den Auftrag erhalten, den High Commission er von Palästina, Sir John F Chancellor, una dessen Gemahlin, Lady Chancellor, zu por* trätieren. Die beiden Oemälde wurden zur größten Zufriedenheit der Auftraggeber ausgeführt. Vor Antritt seiner Urlaubsreise nach England stattete der High Commlssloner dem Maler in dessen Atelier in Talpiot einen Besuch ab und besichtigte d e jüngsten Werke Blums, Produkte seiner Reisen nach Per* sien, dem Irak und Oberägypten. Aus den Gemeinden Das Berliner Wahlergebnis. Auf Verfügung des Polizeipräsidenten mußte der Wahl- Prüfungsausschuß, bestehend aus den Vorsitzenden der mehr als 100 Wahlbezirksvorstände, nochmals zusammentreten. Die Sitzung fand am 4. Mai unter dem Vorsitz des Gemelndevorstehers Dr. Liilentha! statt, den der Polizeipräsident zum Wahlkommissar bestellt hat, nachdem der bisherige Kommissar James Goidschmidt infolge Erkrankung zurückgetreten war. Beanstandet wird, daß in einigen Bezirken Personen gewählt haben, die nicht in den Listen standen. Hier wurden allen Parteien, ihrer Stärke in den betreffenden Bezirken ent• sprechende, Abzüge gemacht. Ferner mußten die Wahlzettel nochmals geprüft werden, deren Ungültigkeit sich nicht ein* deutig aus den Wahlprotokollen ergab, und über die bei der ersten gemeindeamtlicnen Prüfung am 1. Dezember 1930 nur in einem summarischen Verfahren Beschluß gefaßt war. Das Ergebnis der neuerlichen Prüfung ist folgendes: Abgegebene gültige Stimmen: 77302. Liste 1 (Liberale) 41 736; Liste 2 (jüd. Volkspartei) 25811; Liste 3 (Mittel* partei) 1787; Liste 4 (Konservative) 1410; Liste 5 (Poale Zion) 1930; Liste ö (״Deutsche Liste“) 1335; Liste 7 (״Klat Jisroel“) 114; Liste 8 (Ueberpart. Vereinigung) 2336; Liste 9 (Positiv Liberale) 722; Liste 10 (Ostjüd. Demokr.) 121. Am Mandaten erhalten — ebenso wie nach der ersten Zäh* lung — Liberale 24, Jüd. Volkspartei 14, Mittelpartei, Poale Zion und Ueberparteiliche Vereinigung je 1. An Stelle des inzwischen verstorbenen Kommerzienrats Gerson Simon wird als auf der Liste der Mittelpartei gewählt Dr. Alfred Wiener, Syndikus des C.-V., festgestellt. Im allgemeinen rechnet man mit baldiger Bestätigung und Amtseinführung der am 30. November 1930 Gewählten. Vorberatung des Gemeindeetats für 1931. Der Voranschlag für das schon seit dem 1. Januar laufende Etatsjahr 1931 der Jüdischen Gemeinde Berlin konnte infolge des die für die Vorbereitung entscheidenden Herbstmonate be* herrschenden Wahlkampfes, der Wahlen selbst und der sich verzögernden Bestätigung der Wahl erst jetzt soweit gefördert werden, daß die vom Kämmerer entworfene ״Referentenvorläge“ den Gemeindevorstand in seiner Sitzung am 5. Mai be* senäftigt hat. Die Repräsentantenversammlung hat in ihrer Sitzung am 7. Mai einen zur Vorbereitung der Plenarberatung dienenden Sonderausschuß bestellt. Wird dann etwa inzwischen die Wahl bestätigt, so würde naturgemäß die Konstituierung und Einarbeitung des neuen Gremiums eine weitere Verzögerung bedingen. Der Etat für 1930 sah an Ausgaben fast 12 Mill. RM. vor. ist aber um V4 Mill. RM. überschritten. Der neue Etat wird zwar auch mit etwa 12 Mill. RM. abschließen, bedeutet aber gegenüber dem ״Ist“ von 1930 eine bedeutende Einsparung, zumal bisher fast stets der ״lst“-Betrag des letzten Jahres Grundlage des Etats für das kommende war. Zu berücksichtigen ist ferner, daß die Gemeindeaufgaben gestiegen sind: das Wohlfahrtsamt mußte an sich weit mehr erhalten als bisher. Wenn sein Etat auch nicht gekürzt wird, so ist das doch tatsächlich eine Ausgabendrosselung. Das erst jetzt eingeweihte Altersheim in Schmargendorf, die jüdische Mädchenvolksschule, die erst jüngst ihren Klassenaufbau vollendet hat, die im Herbst 1930 eingeweihte Synagoge Prinzregentenstraße u$w. treten erst im gegenwärtigen Etat gebührend in die Erscheinung. Ferner müssen jetzt die aufgenommenen Anleihen amortisiert werden, 10. dgß die eigentliche ״Vermögensverwaltung“ mehr Auf- Wendungen beansprucht als je zuvor in den Fetzten Jahren. Eine nicht unerhebliche materielle Belastung bringt auch die Uebernahme der Gemeinden Cöpenick und Oranienbürg mit sich, die sich ebenfalls erst jetzt rechnerisch bemerkbar machen kann. Andererseits soll auch keine für das jüdische Gemeindeleben lebensnotwendige Einrichtung verküm* mem, deren Wiederaufbau nach Rückkehr besserer Zeiten un* verhältnismäßig große Kräfte erfordern würde. * Preußischer Landesverband Jüdischer Gemeinden. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Der Abgeordnete des Preußi* sehen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, Herr Karl Kauf* mann (lib.) hat sein Amt niedergelegt. An seiner Stelle wurde gemäß der rheinischen Einheitsliste einberufen Herr Ober* regierungsrat Dr. Josef Marcus, Düsseldorf (Jüd. Volks• Partei). — Der aus dem Preußischen Landesverband ausge• sehiedene Herr Karl Kaufmann hat oft gezeigt, daß er der Auf* fassung der Jüdischen Volkspartei Verständnis entgegenbrachte. In nicht seltenen Fällen stimmte er mit der Jüdischen Volks* Partei gegen die Mehrheit seiner Fraktion. Mit Kaufmann ver* liert die liberale Fraktion eine sympathische, ritterliche Per* sönlichkeit. * Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Mähren hat in seiner letzten Sitzung einen Beschluß seines Präsidiums bestätigt, wonach von dem Fonds-Vermögen des Verbandes ein erheblicher Betrag in 7prozentigen Obligationen der ״Palestine Land Development Co. Ltd.‘‘ angelegt wird. Einige Oemeinden in der Tschechoslowakei haben sich diesem Vorgehen bereits angeschlossen. Es ist wohl das erstemal, daß jüdische Gemeindeverbände ihnen zur Verfügung stehendes Kapital in verzinslichen Werten in Palästina anlegen. Soeben erschien In Berlin das erste Heft einer neuen Zeit* Schrift ״Freie Jüdisch e Monatsscha u“, herausgegeben von Josef M e 1 z e r und Doris W i 11 n e r. Der einleitende programmatische Aufsatz der Zeitschrift betont, daß die Zeitschrift ein überparteilicher Sprechsaal sein will, der zur Entwirrung und Klärung der jüdischen Problematik beitragen soll. Es wer* den jedoch weder Beiträge einer reaktionären jüdischen Ten* denz, noch eines unduldsamen Antisemitismus aufgenommen; auch den jüdischen Missions-Liberalismus lehnt sie grundsätz• lieh ab. Im übrigen bedient sich das Vorwort mancher pathe* tisch׳r Wendungen, die eher etwas verschwommen, als klärend wirken. Der Inhalt des ersten Heftes ist jedoch durchaus be* merkenswert. Im Mittelpunkt steht eine Erwiderung von Dr, Gustav Krojanker auf den in der ״Jüdischen Rundschau“ wiederholt erörterten Aufsatz von Dr. Paul Fechter ״Kunst* betrieb und Judenfrage“. Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger steuert einen Beitrag bei: ״Der historische Prozeß der Juden“. Ferner bringt die Zeitschrift eine Reihe von Zitaten aus Büchern und Zeitschriften. Man wird der Entwicklung dieser neuen Gründung mit Interesse entgegensehen. Die Adresse der Zeitschrift ist Berlin W 50, Prager Str. 26. Preis ganzjährig 10 M. — Dr. K r o j a n k e r ersucht uns in einer Zu* schritt um Bekanntgabe, daß die Nennung seines Namens am Kopf der Zeitschrift ohne sein Wissen und ohne Berechtigung erfolgt ist. Herr Dr. Krojanker hat mit der Zeitschrift nichts anderes zu tun, als daß er auf Wunsch einen Artikel beige* tragen hat. Eine gleichlautende Erklärung mit der Bitte um Veröffentlichung geht uns auch von Prof. David Koigen zu, von dem ohne jedes Recht u. a. ״eine Artikelserie“ in Aussicht gestellt wird. Diese Proteste lassen die neue Grün• dmg bi etwas bedenklichem Uchte erscheinen. Zum XVII. ZIonlstenkongreB Wahl Vorschlag der Zionisten-Revislonisten ln Deutschland: 1. Richard Lichtheim; 2. Dr. Paul Arnsberg, Frankfurt; 3. Dr. Hans Bloch; 4. R.-A. B. Lachmann, Breslau; 5. Dir. C11. Belilowsky; 6. Dr. Ludwig Goldwasser, Leipzig; 7, Dr. Justus Schloß; 8. Dr. Robert Gidion, Köln; 9. Harry Voremberg, Braunschweig; 10. Dr. Elias Fischer; 11. Alexander Reiter; 12. Dr. Boris Silbert; 13. Mendel Brauner, Beuthen; 14. Dr. Leopold Berger, München; 15. Max Baer; 16. Leopold Gold, Hindenburg; 17. Hans Paul, Stettin; 18. Leonid Kahan; 19. Dr. Ernst Ettisch; 20. Dr. Julius Brutzkus. Nochmals ״Jesus Sohn Josephs“ Der Archäologe des Instituts der Dominikaner in Jerusalem, Pater Vincent, Autor bedeutsamer Monographien aus dem Gebiete der Palästina-Archäologie, beschät* tigte sich in einem Vortrag mit den archäologischen Entdeckun* gen des Dr. Sukenlks, die jetzt in Broschürentorm erschienen sind und in der ״Jüdischen Rundschau“, Nr. 32, angezeigt wurden. Pater Vincent führte in seinem Vortrag aus, die Ossuarien stammten im allgemeinen aus einer um mehrere Jahrhunderte späteren Epoche als der Zeit Christi und die in Dr. Sukeniks Vortrag erwähnte Inschrift sei eine Fälschung msderTürkenzeit. Pater Vincent machte bei dieser Gelegenheit die Bemerkung, ״die Heimkehrer aus dem Exil würden wohl daran tun, darauf zu achten, daß ihre jungen Archäologen bei ihren Feststellungen größere Vorsicht walten lassen und den der Christenheit heiligen Dingen mehr Respekt entgegenbringen“. Im Hinblick darauf, daß der Vortrag Pater Vincents in Jerusalem großes Aufsehen erregt hat und als Angriff auf Dr. Sukenik gedeutet wurde, hat Pater Vincent die Erklärung abgegeben, er habe nicht die Absicht gehabt, Dr. Sukenik, der sein Schüler sei und den er seit 18 Jahren als ernsten Arbeiter und gründlichen Wissenschaftler kenne, zu treffen. Doch sei dessen Ansicht, die Inschrift an dem Ossuarium stamme aus der Zeit Christi, Irrig. (Wer sind also doch die ״jungen Archäologen der Heimkehrer aus dem Exil“? — Preisfrage der Redaktion.) Dr. Sukenik äußerte sich zu Pressevertretern über die Kritik des Pater Vincent und sagte, die Form der Ossuarien beweise, daß sie aus hellenistischer Zeit stammen, also einer Zeit, die zu Beginn der christlichen Zeitrechnung liegt. Er sei überzeugt, daß von einer Fälschung oder soäteren Aenderung der Inschriften nicht die Rede sein könne, vielmehr entspreche die Form der Schrift genau den übrigen Funden aus jener Zeit, ln dieser Ansicht stützt sich Sukenik auf andere Forscher wie Prof. Dalmann. Vermischtes II. Delegiertentag des Verbandes Jüdischer Frauen r»r Palästina-Arbeit am Donnerstag, den 14. Mai (Himmelfahrt). Die Sitzungen beginnen pünktlich 11m 101/j Uhr im Sitzungssaal der Zionistischen Vereinigung, Berlin, Meinekestr. 10. Neueröffnung des Beth-Am Iwrf. Das Beth-Am Iwri, das über zwei Jahre seine erfolgreiche Tätigkeit in der Grolmanstraße 36 führen durfte, ist nun nach dem Kurfürstend rm m 61 verlegt worden. Die Besucher des Beth-Am Iwri klagten leider mit Recht über manche technischen Mängel des Beth-Am. Die neue Wohnung wird den Mitgliedern und dem hebräischen Berlin eine freudige Ueberraschung bieten. Die Wohnung liegt hochparterre, also sehr bequem für die Besucher, besteht aus großen sonnigen Räumen, die den Mitgliedern des Beth-Am, Seinen Freunden und der fugend Berlins zur Verfügung stehen werden. Der Lesesaal wird neu eingerichtet und ausgebaut werden und wird Zeitungen und Zeitschritten in einem viel größeren Umfange als bisher bieten können. Es bestellt die Absicht, das Beth-Am nun wirklich zu einem hebräischen Heim Berlins und zu einer hebräischen Zentrale der hebräischen Bewegung Berlins und Deutschlands zu gestalten. Diese Absicht hat um so mehr berechtigte Hoffnung, als die neuen Räume für Klubzwecke besonders geeignet sind. Es findet ebenfalls eine Reorganisation des Mittagstisches des Beth-Am statt, der von nun an viel reichhaltiger und den Wünschen des Beth-Am und seiner Freunde in entgegenkommendster Weise zu entsprechen bemüht sein wird. Die Organisationstätigkeit auf diesem Gebiete ist einer neuen erfahrenen Kraft übertragen worden. Die Leitung des Beth-Am hofft, in Bälde das Einweihungsfest des erneuerten hebräischen Zentrums feiern zu können. —* Ab Dienstag, den 12. Mai, steht das Beth-Am und der Mittagstisch unseren Mitgliedern und Freunden zur Verfügung. Lehrgänge für jüdisch-soziale Ausbildung und Fortbildung, 3. Lehrgang, Sommer 1931. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden veranstaltet gemeinsam mit der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und dem Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde Berlin während des Sommersemesteis, beginnend am 12 Mai, den 3. Lehrgang für jüdisch-soziale Ausbildung und Fortbildung. Es werden foP genae Themen behandelt werden: Die Familie Im jüdischen Schrifttum (Rabb. Dr. Wiener), Einführung in die jüdische Wohlfahrtspflege (mit bes. Berücksichtigung der Jugendwohlfahrt; Dr. Ollendorf), Grundlagen der jüdischen Sozialpolitik (Dr. Kreutzberger), Ausgewählte Kapitel aus der Gesunaheitsfürsorge für die jüdische Jugend (Dr. Stahl). Die Kurse sind bestimmt für Sozialarbeiter, Rabbiner, Lehrer und in der Ausbildung zu diesen Berufen stehende Personen. Sie finden im Sommersemester in den Räumen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, statt. Anmeldungen, Auskünfte, Prospekte durch die Zentralwohlfahrtsstelle. — Zur Eröffnung des Lehrgangs findet am 11. Mai, abends 8 Uhr, im Vortragssaal der Synagoge, Fasanenstraße 79/80, ein öffentlicher Vortrag von Fritz Naphtali statt über: Wirtschaftskrise und jüdische Sozialarbeit. Die Teilnahme am Lehrgang und am Eröffnungsvortrag ist unentgeltlich. Tournee Sakaschansky. Der Leiter der Kleinkunstbühne ״K a f t a n“ hat, wie wir angekündigt haben, am 2. und 3. Mai in Chemnitz mit großem Erfolge gastiert. In seiner Begleitung befand sich Ruth KI i n g e r, die sich in den Beifall des Publikums mit Sakaschansky teilen konnte. Sonnabend, den 9. Mai, treten Sakaschansky und Ruth Klinger im Saale der Produktenbörse in Dresden, in einem von der dortigen Zionistischen Ortsgruppe veranstalteten Künstlerabend, auf. In der nächsten Woche werden Sakaschansky und Ruth Klinger in Breslau gastieren. Jüdisches Volkstheater. M ati n e e, Sonntag, den 10. Mai, vormittags ID/j Uhr, gelangt im Kleinen Theater als Premiere des Jüdischen Volkstheaters ״Eisik Scheitel“, ein Schauspiel aus dem Arbeiterleben in drei Akten nach David P i n s k i zur Aufführung. Regie: Jan Koetsier-Muller. Die jüdische Weltnot. Die unter diesem Titel am 29. April von der Berliner Zionistischen Vereinigung einberufene öffentliehe Versammlung war zum großen Teile von Jugendlichen besucht. Die Referenten, Moses Wald mann und J. Klinoff, schilderten die wirtschaftliche und moralische h'denco1 in den meisten Ländern der Welt. Das Publikum folgte den Ausführungen mit großem Interesse, weil hier, wohl zum ersten Male so ausführlich, das jüdische Problem rein wirtschaftlich untersucht wurde.