Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-05-05 · Heft 34 (5.5.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 34 (5.5.1931)
Date
1931-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653284--22311-2680513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 34, 5. V. 1931 -«■ ■I1 ....*יו•.. It ..um.——........ I 1.1111 n 1 mm...■■יי.1 ..pp■ Für und wider Revisionismus Von unserem Breslauer Berichterstatter. Jahniinsky hat auf einer großen Tournee durch Europa, die er 1;,‘(/r111/<ir1,'g unternimmt, in Deul.srhlriul nti-h in Breslau und München ,׳,■sprachen. Von hier begab er sieh nach Wien, wo er gleichfalls im initjmt Konrr.rthnussanl seinen. Vortrag hielt. Am den Berichten der lokalen Presse der belref finden Orte geht hfirvar, daß der Vortrag Jabotinskys in ollen wesentlichen Teilen (natürlich mit Ausnahme der Anspielungen auf die jüngsten Ereignisse) wörtlich übereimlitnml mH dem Vortrag, den. er vor fünf Jahren in Berlin gehalten hat. Die ״Jüdische Rundschau" hat damals am JO. Dezember 1926 sich mit diesen Gedankengängen ausführlich auseinandergesetrt. Wir können tlahur darauf verrichten, auf die Ausführungen nochmals im ein- :einen eimngehen, da ja die Hauptpunkte der Kontroverse den Lesern der ,J. It. ohnedies bekannt sind. Wir begnügen uns daher mit!,itthstehcndem Bericht unseres Breslauer Berichterstatters. Am 16. April sprach in Breslau Herr Farbstein aus Warschau über ״Die Schicksalsstunde des Zionismus“, wobei er sich fast völlig den Ideengängen des Revisionismus anschloß, nur verbrämt mit etwas Religiosität. Der Leiter der Versammlung, Dr. I. Rabin, dankte ihm für seine vorzügliche Herausarbeitung der Orundprobleme des Zionismus und forderte die Anwesenden zu einer Aussprache auf, der aber nur der Vorsitzende der revisionistischen Gruppe, R.-A. Lachmann, Folge leistete, der die Einstellung des Redners begrüßte und unterstrich. Von den infolge der späten Einladung nur in ge-!inger Zahl erschienenen Allgemeinen Zionisten beschränkte sieh Dr. Curt Weiß auf die Frage, wie sich der Redner die Verwirklichurtg seiner Ziele denke, deren Beantwortung dieser indes auswich. Bedauerlicherweise verhielten sich auch die vom Standpunkt des Redners abweichenden Mitrachisten schweigend, obschon in der Rede des Herrn Farbstein einige sehr merkwürdige Wendungen vorkamen. Für den 23. April war auf Plakaten und in Inseraten, die keine Veranstalter atigaben, zu einem Vortrag von Vladimir Jabotinski eingeladen worden. Thema: ״England, Araber und Juden“. Eine große Reklame, mündlich, schriftlich und durch die Zeitungen, brachte ein volles Haus. Jungens und Mädels in Hitler-ähnlichen braunen Uniformierungen, die manche erschrecken ließen, weil sie Nazis zu sehen glaubten, wiesen die Plätze an und formierten sich dann neben dem Rednerpult, Mütze auf dem Kopf. labotinski, der vom Leiter des Abends, R.-A. Lachmann, als der ״der unsere Gesinnung erdacht“ begrüßt wurde, war nach 81 Vorträgen in Polen stimmlich stark indisponiert und man konnte ihn in der zweiten Hälfte des Saales nur mit Mühe verstehen. Der dreistündige Vortrag war verhältnismäßig maßvoll und sachlich. Er proklamierte als Mindestziel: Jüdische Mehrheit auf beiden Seiten des Jordan. Natiirlich warf er der jetzigen Leitung Schwäche, politisches und wirtschaftliches Unvermögen, Fehler und Versäumnisse aller Art vor. Man kann aber wirklich nicht sagen, daß die vom Redner vorgeschlagenen wirtschaftlichen Mittel zur Erreichung des Ziels so erfolgverheißend klangen, soweit sie nicht alte und z. T. schon immer verwirklichte Mittel darstellen. Alles soll angewandt werden, um den ״egoistischen“ Teil der jüdischen Ver* mögen nach Palästina zu dirigieren. Jabotinski teilt die Ver* mögen in einen kleinen ״idealistischen“ Teil und den erheblich größeren ״egoistischen“ Teil. Also die nicht mehr neue Idee der Förderung der Privatinitiative in utopisch aufgebauschter Form. An der Unausführbarkeit wird auch nichts dadurch ge* ändert, daß der K. H. als Dlvidenden-Garantie wirken soll, also als Lockmittel. Auch die Schaffung von Absatzgebieten ist wohl kein neuer Gedanke, besonders wenn nicht einmal ausgeführt wird, für welche Landesprodukte außer Orangen, Wem, Oel u. dgl. es noch möglich gemacht werden kann und auf welche weise., Schließlich nationale Arbitrage für •soziale" ■Streitig* keiten. Politisch: ständiger Drude (natürlich einer, der keinen Gegendruck erzeugt), — ständiges Feilen (das sich die andern sicher seelenruhig gefallen lassen werden). MacDonald-Briet: nicht schlecht, aber zu wenig, ein kleiner Anfang. Aufrüttdn der durch die zionistische Exekutive bisher stets eingeschläfer* ten Gewissen der englischen Zeitungsleser. Anklage statt der bisher angeblich von der Exekutive beliebten Verteidigung der englischen Politiker, Islam als Religion kein politischer Faktor. Muselmanen in Indien haben andere Interessen als ihre Olau* bensbrüder in Palästina. Vielleicht demonstrieren sie für sie. Mehr nicht. Widerstand der Araber gegen einwandemde Juden verständlich, er muß überwunden werden. Nur vor unserer Stärke werden sie weichen. Hachscharah ist gut, besser ist, wenn sie mit militärischer Vorbereitung verbunden ist. Dies sej aber kein ״Militarismus“. Die Welt muß neu ver* Gilt werden. Wir verlangen nur ein 170stel des Territoriums der 37 Millionen Araber, das so groß ist wie halb Europa. Um das zu erlangen, ist eine radikale Aenderung in den zionistischen Methoden und ihren Trägern erforderlich. Fast drei Stunden sprach Jabotinski. Der Beifall war nicht sehr groß. Dann gingen die Eingeladenen zu einem Bankett. Diskussion nach dem Vortrag war abgelehnt worden: ״Jabo* tinski hält es für unter seiner Würde zu diskutieren“ und ״Der Führer diskutiert nicht“, war die Antwort der Offiziellen auf die vorherige Anfrage. Infolgedessen luden die Allgemeinen Zionisten für zwei Tage später zu einer Diskussion ein. Die Revi* sionisten verboten ihren Anhängern, dazu zu gehen. Sie kamen auch nicht. Dafür kamen 500 andere. Einleitende Referate hielten Dr. Franz Meyer und Dr. Werner Bloch. Ersterer setzte sich in ruhiger sachlicher Rede mit den Ausführungen Jabotinskis auseinander und wies die Haltlosigkeit seiner Be- Häuptlingen und das Zweckwidrige seiner Forderungen in geschickt er Weise nach. Dr. Bloch wandte sich gegen System und Methoden des Revisionismus im allgemeinen. Einen oppositionellen Standpunkt nahm Dr. I. Rabin ein. Er führte aus, die ixekutive und insbesondere Dr. Weizmann haben zehn Jahre lang eine verfehlte Politik getrieben und eine verfehlte W irtschaftsweise gefördert. Es sei Zeit einzusehen, daß dies zu einer fast völligen Niederlage der zionistischen Ideale in der Wdt geführt habe. Der größte Teil des Weltmisrachl stehe zu dieser Auffassung. Nur drei Viertel der zwei Minjanim deut*?eher Misrachisten denken anders. Die anderen lehnen zwar Konzeption und Praxis der revisionistischen Politik ab, stellen aber zu ihrer Kritik, allerdings ohne Ihre Uebertreibungen mitzu machen. Man müsse endlich von allen Phrasen und der /hwäcli'ichen Politik dieses Jahrzehnts sich abkehren. Die poli* Wclie Führung war geradezu blind. Man kann nur eine völlige ׳ aientiosigkeit unserer Politiker feststellen- Und wie •ctjeclit war die Wirtschaft der letzten zehn Jahre in Palästina! Jetzt nach verlorenen zehn Jahren versucht man erst zu einer Wirt*? haftlichen Umstellung zu kommen. Die Parteiwirtschaft hat; 1e A'.i ah zum Scheitern gebracht Die Städtische Kolonisation!st völlig vernachlässigt worden. Das Vertrauen in der jili*?cheu Welt zu uns ist erschüttert. Noch fehlt uns die Benin• njmg, die jeder kleine Krämer hat, wenn er sieht, daß 8*11* Gccehäft zum» Bankerott führt. Welzmann hat aber dem 210־ "ismus die ganze Stoßkraft genommen durch Aufgeben des Judenstaatsgedankens . . . Hier brach Dr. Rabin ab, nachdem tr dreiviertel Stunden gesprochen hatte und die Zwisdieantfe und Widersprüche immer stärker geworden waren. In starker Erregung erwidert ihm Dr. Meyer: Wer eine ׳ robe revisionistischer Art bisher nicht gekannt habe, habe sie mm zu hören bekommen. Er sei kein unbedingter Anhänger Vfm Weizmann. Aber das habe dieser Mann doch wohl nicht V erdient. Er habe uns politische Erfolge gebracht und in unermüdlicher Arbeit die Gelder zur Durchführung. Wir haben ׳»״eh nicht im Kreise Dr. Rabins die Männer gesehen, die ein Gleiches vermögen. Er geht dann auf einzelne Vorwürfe von JUEDISCHE RUNDSCHAU .).1>Wlt,1my W! )■^in^im ..... .... ■a . »{II ... Seite 213 ■W!.. ■.. Dr. Rabin ein und widerlegt sie unter großem Beifall der Ver* Sammlung. Darauf versucht Frau Dr. Rabin die von ihrem Manne gemachten Ausführungen etwas zu erläutern. Sie kommt dabei auf die Araberfrage zu sprechen, wobei sie den Standpunkt von Farbstein und Jabotlnskl verteidigt. Als sie sich zu den Worten hinreißen läßt, ״Ich leugne, daß die Araber genau solche Menschen sind, wie wir . . ,״, wird sie durch stürmische Protest- und Pfuirufe unterbrochen, die sich wiederholen, nachdem sie ihre Meinung weiter erläutert. Sie wird abermals durch laute Protestrufe unterbrochen.... Es sprachen dann noch die Herren Friedländer und Bromberger, letzterer im Namen der chaluzischen Jugend gegen den Misrachi. Im Schlußwort setzt sich noch einmal Dr. Werner Bloch mit Dr. Rabin auseinander und weist seine Angriffe auf Weizmann zurück. Um 341׳ Uhr schließt die Versammlung. h. sch. Das neue Regime ln Rumänien Die Regierung Jorga, die,por einigen Tagen die rumänisclie Kammer aufgelöst und Neuwahlen für den 1. Juni ausgeschrieben hat, wurde in Rumänien von den nationalen Minderheiten nicht zuletzt darum warm begrüßt, weil Prof. Jorga, ein Gelehrter und Philosoph von europäisctiem Rang, als erster rumänischer Regierungschef einen Vertreter der nationalen Minderheiten, den Deutschen Brandsch, zum Unterstaatssekretär für die Fragen der nationalen Minderheiten ernannt hat. Besonders vertrauensvoll wurde Jorga von der jüdischen öffentlichen Meinung in Rumänien bewillkommt. Sowohl der Zionist, der bisherige Senator Dr. Mayer Ebner, wie auch Dr. Wilhelm Fildcrmann, der Präsident der Union rumänischer Juden, setzen in den Regierungskurs Jorgas hoffnungsvolle Erwartungen fiir die Lösung vieler die Juden Rumäniens betreffender Fragen. Bemerkenswert ist Jorgas Ankündigung, daß er, was nur eine Fortsetzung seiner in den letzten Jahren oft geäußerten Ansichten ist, in energischer Weise den antisemitischen Exzessen entgegentreten werde. Jorga lehnt als kulturell hochstehender Gelehrter und Denker die wilden Ausschreitungen der von dem Antisemitenführer Prof. C u z a geführten antisemitischen Stoßtrupps entschieden ab. Er kündigte insbesondere besondere Maßnahmen gegen die Exzesse der rumänischen Studentenschaft an. Ferner erwarten die Juden von der Regierung Jorga eine entfegenkommende Lösung der Staatenlosenfrage, die esonders in Rumänien ein die Juden schwer berührendes Problem darstellt. Allerdings betonen die jüdischen Führer, daß Jorga außerordentliche Energie wird anwenden müssen, um seinen Willen gegenüber den mächtigen antisemitischen Gruppen und gegenüber den zahlreichen Mißständen in der Verwaltung durchzusetzen. Jorga ist kein Berufspolitiker. Er verdankt seine Ernennung zum Regierungschef dem Umstande, daß er Erzieher des Königs Car0 1 gewesen ist. Märtyrertod eines Zionisten in Sibirien. Vor sechs Jahren wurde einer der eifrigsten und tätigsten Parteigenossen der zionistisch-sozialistischen Partei in der Sowjet-Union, Jakob Prilutzki, von der O. P. U. verhaftet und in verschiedenen Polit* isolatoren interniert. Während des Aufenthaltes in den unwirt* llchsten Gegenden Sibiriens erkrankte der bei seiner Verhaftung 21 jährige Prilutzki an Tuberkulose, ohne ri-'fl die 0, P. U. seinen Bitten, ihn in ein günstigeres Klima zu verschicken, Folge ge* leistet hätte. Die G. P. U. trieb vielmehr den leidenden Prilutzki von Verbannungsort zu Verbannungsort in den unkültivie!'־ testen Orten Sibiriens herum. Schließlich verschlimmerte sich Prilutzkis Leiden io Tobolsk so sehr, daß er, wie der ״Hapoel Hazair“ in Nr.?5 mitteilt, vor einigen Wochen eines qualvollen Todes starb. Bis zu «einet» Tode blieb Prilutzki seiner Ueberzeugung treu und wirkte unter den zahlreichen gleich ihm verbannten Oesinnungsfreunden. Ein Lehrgutsbetrieb Iflr die Ausbildung von Chctuzim Wir erhalten folgende Mitteilung: Der im Oktober 1929 verstorbene Herr Simon Schocken brachte dem Gedanken der Produktivierung jüdischer Menschen ein tätiges Interesse entgegen. Im besonderen förderte er auch die Jüdische Landarbeit In mannigfacher Beziehung. Als er vor einigen Jahren das nahe bei Berlin gelegene Gut Winkel erwarb, schuf er auch dort alsbald ArbeitsmöglichkSiten für jüdische Landwirte. Im Frühsommer 1930 eröffnete das Gut Winkel durch die Aufnahme von zehn Chatuzim einen regelrechten Lehrguts* betrieb. Die Simon Schockschen Erben haben für diesen Lehrgutsbetrieb ein Kuratorium eingesetzt, das bei der Auswahl der Menschen, bei der Gestaltung der Ausbildung und bei der jüdisehen und kulturellen Förderung der Lehrlinge und Praktikanten entscheidend mitwirkt In der Zusammensetzung des Kuratoriums findet die Tatsache ihren Ausdruck, daß die Allgemeinen Zionisten diesem Lehrgut ihr besonderes Interesse entgegen* bringen. Das Lehrgut betrachtet es als seine spezielle Autgäbe, auch Menschen, die die Absicht haben, mit kleinem Ka* pital als Pflanzer nach Palästina auszuwandem, Gelegenheit zur Ausbildung zu geben. Als Vertreter der zionistischen Interessen haben die Testamentsvollstrecker des Simon Schockschen Nachlasses die Herren Dr. Bileski, Feuerring, Dr. Salli Hirsch, Dr. Kaflowitz, Max W. Kober, Dr. Moses, Dr. Julius Rosenteld in das Kuratorium berufen. Für die jetzt beginnende Saison ist eine weitere Vermehrung der Ausbitdungsstellen für Cha* luzim geplant. Insbesondere können in den nächsten Wochen noch em Hauswirtschaftslehrling und etwa sechs Praktikanten aufgenommen werden. Bewerbungen sind an die Gutsverwaltung Winkel, Spreenhagen (Mark), zu richten. Der Hebräische Jugendrat veranstaltet in der Nacht vom 16. zum 17. Mal eine Lag Beomer-Feier auf dem Jugendgelinde Brieselang. Mit Rücksicht auf den späten Ausgang aes Schabbath beginnt die Feier erst um a/gl 1 Uhr abends. Zu diesem Zwecke müssen folgende Züge benutzt werden: Die Gruppen, die sich im Westen versammeln, können den Zug, der 29.33 Uhr ab Lehrter Bahnhof fährt, in Spandau- West erreichen. (Ankunft 21.19 Uhr in Brieselang.) Alle Gruppen und Bünde müssen spätestens mit dem Zug 21.32 Uhr ab Lehrter Bahnhof fahren. (Ankunft 22.15 Uhr Brieselang.) Zwischen diesen beiden Zeiten fahren keine Züge. Wir legen frößten Wert darauf, daß alle Chawerim, die hündischen und ie unorganisierten, in weißem Hemd erscheinen. Nur die* jenigen, die sich kein weißes Hemd beschaffen können, sollen, in Kluft erscheinen. Die Organisierung des Einmarsches, sowie der Gruppierung an dir Medurah haben die Zophim übernommen. Das Gelingen der Feier erfordert, daß die Anord- Rungen der für diese Arbeit verantwortlichen Chawerim Ohne Diskussion ausgeführt werden. Atu Bahnhof Brieselang werden die verschiedenen Bünde von Chawerim der Zophim erwartet und formationsweise zum Lagerplatz geführt. Um 11!/נ Uhr wird dort die Aufstellung aller Teilnehmer (nach Bünden) erfolgen. Der ganze Zug setzt sich dann unter Fackelbegleitung und Gesang in Bewegung. Die offizielle Feier ist Um 12 Uhr, damit die Chawerim den letzten Zug nach Berlin erreichen können. (Abfahrt ab Brieselang 0.36 Uhr.) Die Benutzung der Jugendgelinde kostet pro Kopf 0,10 M., die die Chawerim selbst bezahlen müssen. Die Abrechnung muß sofort nach Ankunft auf dem Bahnhof bei den Führern der Zophim erfolgen. Es wird um pünktliches Erscheinen gebeten, Gäste willkommen! Der Hebräische Jugendrat Der XVII. Ztontstenkoogreß Das Büro des XVll. Zionistenkongresses (Mor. Ostrava, Hviezdoslavova 20; Telegramm-Adresse: Zionlbüro Mor. Ostrava, CSR.; Masse-Code; Telephon 3663; Bankkonto; Schweizerischer Bankverein, Basel, Claraplatz) teilt mit: Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartment als die zuständige Stelle der Schweizerischen Bundesregierung in Bern hat unter Nr. S. 4035 Rg./W. vom 24. April 1931 dem Kongreßbüro eine Reihe von Begünstigungen für die Kongreßteilnehmer zugestanden. Es gelten die folgenden Bestimmungen: a) In - haber gültiger Pässe aller Staaten mit Ausnahme der unter b) genannten Länder benötigen kein Schweizer Visum, sondern nur gegebenenfalls ein Durchreisevisum durch zwischenliegende Länder, b) Inhaber von Pässen der Staaten Polen, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien Griechen- 1 än d und der Türkei erhalten das Schweizer Visum von den zuständigen Schweizer Konsulaten unter Vorweisung der Kongreß-Legitimation gebührenfrei, c) Auch ״Schriften- 10 s e“, das heißt solche, die keine gültigen von der Schweiz anerkannten Ausweispapiere haben (staatenlose Inhaber von Nansenpässen, von Laisser passers usw.), _ ausgenommen Sowjetrussen, erhalten gleichfalls gegen Vorweisung der Kongreßlegitimaiion das Schweizer Visum von den zuständigen Schweizer Behörden ohne weiteres und gebührenfrei, wenn ihre Rückreise in den Herkunftsstaat oder die Weiterreise in einen dritten der Schweiz angrenzenden Staat gesichert ist. Kongreßteilnehmer der Kategorie b) und c) haben also nichts weiter zu tun, als beim zionistischen Verband des Landes־ In dem sie wohnen, eine Kongreßlegitimation zu beheben (diese Legitimationen werden bei allen Landesverbänden spätestens am 20. Mai in ausreichender Zahl vorrätig sein) und unter Vorlage dieser Legitimation das zuständige Schweizer Konsulat um die unentgeltliche Ausstellung eines Visums zu ersuchen, d) Kongreßteilnehmer, die Sowjetrussen sind, müssen zur rechtzeitigen Erlangung des Einreisevisums spätestens bis zum 31. Mai 1931 ein Einreisegesuch an den Zionistischen Verband ihres Landes, in welchem sie wohnen, richten, unter Angabe folgender Einzelheiten: Familienname, Vorname, Geburtsdatum, Wohnort und genaue Adresse, Art der Legitimation (Paß), deren Aussteller, Ausstellungsdatum und Nummer, Eigenschaft, in welcher der Gesuchsteller am Kongreß teilnimmt (Dekgierter, Journalist, Beamter, Gast), Land, für welches das Rückreisevisum des Gesuchstellers gilt und Gültigkeitsdauer des Rückreisevisums. Die zionistischen Landesverbände werden diese Einreisegesuche von Sowjetrussen an das Kongreßbüro weiterleiten, das die Einreisebewilligung beschaffen wird. Diese Bestimmung gilt auch für Beamte des Kongreßbüros, welche aber ihr Einreisegesuch direkt an das Kongreßbüro zu richten haben. Vom 15. Mai d. J. ab sind Zuschriften an das Büro de* XVII. Zionistenkongresses folgendermaßen zu adressieren: Büro des XVII. Zionistenkongresses, Basel (Schweiz), Mustermesse (Bank-Konto: Schweizerischer Bankverein, Basel, Claraplatz); Telegramm-Adresse: Congrezion; Mosse-Code, * Gastkarten. Sämtliche Sitzungen des Kongresses finden Im großen Saal der Schweizerischen Mustermesse, Basel, statt im vorhinein werden nur Permanenzkarten abgegeben. Die Preise der Permanenzkarten sind wie folgt festgesetzt: Kategorie I: Schw. Frs. 80,-; Kategorie II: Schw. Frs. 50,—; Kategorie Hi: Schw. Frs. 25,—. Stehplätze werden nur als Tageskarten an jedem Kongreßtage in der ״Mustermesse“ abgegeben. Bestellungen auf Permanenzkarten sind so bald als möglich, spätestens aber bis zum 20. Mai 1931, an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15. Melnekestr. 10 (Postscheckkonto Berlin Nr. 8091, Bankkonto: Darmstädter und Nationalbank, Depositenkasse DE, Berlin W, Kurfürstendamm 52), zu richten. Er können nur solche Bestellungen berücksichtigt werden, für die die Zahlung im voraus erfolgt. Zionistischer Gruppenverband Oberschlesien Sonntag, den 26. April, fand in Beuthen (O.-S.; eine Tagung des Oberschlesischen Gruppenverbandes statt. Im Anschluß an die von den Herren Dr. Frän kel, Beuthen, R.-A. Ehrlich, Gleiwitz, Dr. Victor, Hindenburg, Dr. Deutschmann, Oppeln, und A sch ne r, Ratibor, für ihre Ortsgruppen erstatteten Berichte entspann sich eine lebhafte Aussprache über die Möglichkeiten, die Arbeit im Bezirk zu intensivieren. In der Diskussion wies Herbert Wachsmann, Beuthen, aut die Bedeutung der Makkabiade 1932 hin und forderte, ebenso wie Ernst Cohn, Breslau, und Fritz Levinsohn, Berlin, letzterer als Vertreter der Berliner Zentrale des Makkabi, unter Hinweis aut die Bedeutung der Makkabi-Arbeit die Schaffung eines Jugend- Sekretariats für Oberschlesien. Die Notwendigkeit eines solchen Sekretariats wurde allgemein anerkannt und der Gruppenverbandsvorstand beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde zur Finanzierung der dem Gruppenverband obliegenden Aufgaben die Erhebung eines ständigen Beitrages seitens der Ortsgruppen an den Gruppenverband beschlossen. Im Anschluß an ein Reterat von Dr. Frankel, Beuthen, wurde ferner die Gründung eines jüdisehen Schulvereins beschlossen, welcher sich die Pflege des hebräischen Unterrichts zur Aufgabe macht, und zwar durch Verbreitung des Interesses für die hebräische Bildung durch Reorganisation der bestehenden Unterrichtsanstalten und im Bedarfsfalle durch Einrichtung von eigenen hebräischen Unter• richtskur&en. Mit der Durchführung des Beschlusses wurde der Berichterstatter beauftragt. — Zur Frage der bevorstehenden Kongreßwahlen schlug der Vorsitzende, Dr. Weißmann, vor, den Wahlkampf zu rationalisieren. Auf der einen Seite sollten die Ortsgruppen jeder Richtung Gelegenheit geben, ihren Standpunkt zum Kongreß zu vertreten, andererseits sollten nicht wahllos von jeder Fraktion Wahlversammlungen aut eigene Faust einberufen werden. Darunter leide, zumal in kleineren Ortsgruppen, der Besuch der verschiedensten Veranstaltungen, ebenso aber auch die inner zionistische Atmosphäre. Dem gegenüber erklärte Gold, Hindenburg, daß die Revisionisten weder auf eigene Wahlversammlungen, noch auf eigene Propaganda in nichtzionistischen Kreisen verzichten könnten. Man einigte sich schließlich dahin, daß derartige Wahlversammlungen erst nach Fühlungnahme mit dem Vorstand der Ortsgruppe einberufen werden sollten. — Die Tagung dauerte von 3Vs ois 8 Uhr abends. Mit Rücksicht aut die vorgerückte Zeit mußte die Vorstandswahl vertagt werden. Die Tagung war gut besucht und gab Gelegenheit zu einer gründlichen Besprechung der mannigfachen zur Verhandlung stehenden Probleme. Sie wurde am selben Abend beschlossen durch einen öffentlichen Vortrag des bei uns zu Gaste weilenden Vorsitzenden der Hamburger Ortsgruppe, Herrn Dr. Ernst Heppner, über ״Das jüdische Religionsgesetz in seiner Entwicklung und Bedeutung für den heuügen Juden“. Der Vortrag stand auf einem sehr hohen Niveau, und das zahlreich erschienene Publikum folgte ihm mit großer Spannung. Herr Dr. Heppner, welcher sich zum Abschluß dp werbemonats für einige Vorträge im oberschlesischen Bezirk zur Verfügung gestellt hatte, sprach dann noch in derselben Woche in öffentlichen Versammlungen in den Ortsgruppen Ratibor, Hindenburg und Gleiwitz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.