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Jüdische Rundschau · 1931-05-01 · Heft 33 (1.5.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 33 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 204 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, I. V. 1931 haus-Debatte vom Juni 1922 zugrunde und wurde bei der Festsetzung des Palästina-Mandates im Völkerbundsrat diesem mitgeteilt. Wir haben also hier die Richtlinien der offiziellen englischen Politik seit genau zehn Jahren. Der Bericht der Haycraft-Kommission, die die Unruhen von 1921 zu untersuchen hatte, erklärte — ganz ähnlich wie 1930 die Shaw-Kommission — die tiefere Ursache der Unruhen sei die Furcht der Araber vor der jüdischen Vorherrschaft und das Haupterfordernis der Verhütung kiinftiger Unruhen sei daher eine deutliche und definitive Er* klärung der englischen Regierung, daß sie die Errichtung einer jüdischen Vorherrschaft nicht beabsichtige. Die ״Jüd. Rundschau“ hat damals gefordert, daß eine solche Erklärung von zionistischer und nicht von englischer Seite abgegeben werde. Es ließ sich jedoch im zionistischen Lager nicht mehr durchsetzen als die — etwas isoliert stehende — bekannte Resolution des XII. Kongresses, der gleichzeitig Jabotinsky in die Exekutive wählte. Die Abstellung der Einwanderung nach den Ereignissen des 1. Mai 1921 erwies sich als nur vorübergehend und die politischen Definitionen haben, nachdem sich die Erregung gelegt hatte, den Fortgang der Arbeit nicht gestört. Es gelang Herbert Samuel, das Land völlig zu pazifizieren. Die nach dem Kriege noch sehr mangelhafte öffentliche Sicherheit wurde hergestelit, allmählich hörten alle beunruhigenden Zwischenfälle auf, während in Palästinas Nachbarländern der Teufel los war. Die von Samuel gebildete, aus Arabern, Juden und Tscherkessen zu je einem Drittel bestehende Elite Gendarmerie, die leider von seinem Nachfolger Plumer aufgelöst wurde, hat sich glänzend bewährt. Drei Jahre nach den verhängnisvollen Mal-Ereignissen hat die jüdische Einwanderung einen un* geahnten Aufschwung genommen wie nie zuvor. Keine politischen Hindernisse standen der Einwanderung entgegen, und sie hätte fortgesetzt werden können, wenn nicht die ungenügende wirtschaftliche Fundierung und die aus* brechende Arbeitslosigkeit ihr im Winter 1925/26 ein Ende; bereitet hätten. Der 1. Mai bietet Gelegenheit zu einer Rückschau auf zehn Jahre palästinensischer Geschichte. Eine Erinnerung an die damaligen Vorgänge kann auch das Verständnis für viele heutige Schwierigkeiten erleichtern. R. W. Der Streif Aber Non •Cooperation Was macht Emir Abdallah in Jerusalem? Die arabischen Pressestimmen unmittelbar nach der ablehnenden Antwort der arabischen Exekutive, eine Delegation nach London zu entsenden, zeigen die Meinungsverschiedenheiten im arabischen Lager und be- «tätigen, daß diejenigen arabischen Führer, die vormals die Delegation nach London gebildet haben, einer neuen Reise nach London geneigt waren, während dar Plenum der arabischen Exekutive diesen Vorschlag verwarf. So schreibt ״Fe lest in“, die Delegation habe als Körperschaft zu existieren aufgehört und könne daher keine Beschlüsse mehr fassen, vielmehr müßten diese der Oesamt-Exekutive vorbehalten bleiben. Ueber die vorausgegangene Begegnung der arabischen Führer mit dem High Commissioner berichtet das Blatt folgendes: Der High Commissioner hat sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß die Araber keine Delegation nach London senden und hat ihnen den großen Nutzen auseinanderzusetzen versucht, den eine Verhandlung mit der Regierung für die Araber hätte. Man könne doch nicht verlangen, daß die Regierung zu diesem Zwecke nach Jerusalem komme. Die Abordnung antwortete, die Araber hätten jedes Vertrauen zur Regierung verloren und darum ihren ablehnenden Beschluß gefaßt. Aut nochmalige Vorstellungen Chancellors erklärte sie, die arabische Exekutive sei ihr oberstes Organ und das könne seinen Be- Schluß nicht ändern, wenn es nicht volle Beweise für die guten Absichten der Regierung hat. Darauf antwortete Chancellor, er werde diese Erklärung nach London weiterleiten. ״AI Dschamije“ verzeichnet das Oerücht, der High Commissioner habe den Emir Abdatla aus Amman nach Jerusalem berufen, damit er auf die arabischen Führer zugunsten einer Teilnahme an den Londoner Verhandiungen einwirke. Das Blatt warnt den Emir vor einer derartigen Einmischung und fordert von der palästinensischen oder transjordanischen Regierung eine plausible Erklärung des plötzlichen Besuches des Emirs in Jerusalem. (Man hatte gesagt, er sei zu einer sportlichen Veranstaltung gekommen.) Die Zeitung ״Alif Ba“ in Damaskus, deren Redakteur der Bruder des Herausgebers des Jaffaer ״Felestin“ ist, spricht sich gegen den Beschluß der arabischen Exekutive aus. Die Aktenschränke der Regierung, schreibt das Blatt, sind voll mit Memoranden und Telegrammen, in denen eine endliche Lösung der Palästinafrage gefordert wurde. Wenn jetzt die Regierung an diese Lösung wirklich herangehen will, wie können da die Araber ablehnen, in die Hauptstadt zu kommen und darüber zu verhandeln. Ohnedies hätte man schon längst eine arabische nationale Stelle in London einrichten sollen. Die Araber erleichtern es der Regierung, ihre positiven Maßnahmen auf zu schieben, wobei sie sich damit rechtfertigen kann, daß die Araber nicht gewollt haben. Auch ״M a rat El Scherk“ spricht sich gegen den Beschluß der Araber aus, da hierdurch der Landentwicklungsplan und die für Palästina bestimmte englische Anleine in Frage gestellt werden. Die Anleihe abzulehneti, die vielleicht dem Lande und besonders den Fellachen großen Nutzen bringen kann, heißt eine große Verantwortung auf sich nehmen. Die arabische Exekutive hätte zuerst ihre Wirtschaftliehen Sachverständigen befragen sollen. Die wichtigste Frage für den Fellachen sei ferner die Beseitigung der Os eher- Steuer. Bei der furchtbaren Wirtschaftslage hätte man sich vor übereilten Beschlüssen hüten müssen.;,E I Karmel“ dagegen greift Mussa Kazim Pascha, Aun! Abdul Hadi und Dschemal Hussein!' scharf an, weil sie für eine Delegation nach London eintreten. Die Anleihe sei nur eine Falle der von den Zionisten beeinflußten Regierung. Das Blatt bezeichnet den Beschluß der arabischen Exekutive als eine Ohrfeige für das Büro, welches vor der Sitzung der Regierung mitgeteilt hat, daß die Araber unter gewissen Bedingungen an den Verhandlungen teilnehmen werden. Das Blatt fordert den Rücktritt des Büros. Die Wahlen zum Zionistenkoogreß finden in Palästina am 25. Mai statt. KoDgreßprogramm der amerikanischen Zionisten New York, 28. April (J• T. A.) Am Sonntag, dem 26. April, fand in New York eine Sitzung des Landes-Exekutivkomltees der Zionistischen Organisation Amerikas statt, an der zionistische Führer aus allen Teilen der Vereinigten Staaten teilnahmen. Gegenstand der Beratungen bildeten die wichtigsten Probleme, die voraussichtlich dem XVII. Zionistenkongreß gestellt sein werden, und die Festlegung der Stellung der amerikanischen Zionisten zu diesen Fragen. Es wurde eine Reihe von Resolutionen gefaßt, in denen der Wunsch nach stärkerer Betonung der wirtschaftlichen Seite des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims in Palästina und nach Erschließung des Landes und Zusammenarbeit mit der arabischen Bevölkerung zum Ausdruck gebracht wird. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, auf dem Zionistenkongreß zu beantragen, daß die Befugnisse, die bisher dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation zustanden, einem Kollegium übertragen werden. Das Landes-Exekutivkomitee brachte in einer weiteren Resolution den einigen Wunsch nach Herstellung harmonischer Beziehungen zur arabischen Bevölkerung Palästinas aut der Basis der uneingeschränkten Anerkennung der Balfour-Dekiaration und des Palästinamandafs sowohl durch die Juden als auch durch die Araber zum Ausdruck. Schließlich wurde die Forderung nach Wiedervereinigung Transjordaniens als eines integralen Teiles Palästinas mit dem Oebiet westlich des Jordans erhoben und auf die Notwendigkeit der Bildung eines Rates für wirtschaftliche Entwicklung hingewiesen, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas gründlich erforschen und Pläne für eine Entwicklung von Handel und Industrie im Lande aufstellen soll. An diesen Beschlüssen ist der über die Umgestaltung des Präsidiums der Zionistischen Organisation zweifellos der mteressanteste. Sehr unzweckmäßig sind Friedensreso’.utionen gegenüber den Arabern, wenn man ihnen eine Form gibt, die keine Rücksicht auf arabische Empfindungen nimmt. Lehrer- und Beamfengehälter Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, 23. April. Der Lehrerstreik ist beendet, die Schulen wieder im Gange. Damit ist das schwerste Hindernis einer Einigung in der Gehaltsfrage aus dem Wege geschafft, da die Empörung über den abnormalen Zustand einer Schulsperre ruhigen Ver- Handlungen im Wege stand. Die Frage der Gehaltskürzungen, die zum Streik führte, ist noch nicht geklärt, der Waad Leumi hat es übernommen, zwischen den Lehrern und der Agency zu vermitteln. Zugleich mit dem Streik ist auch die komplizierte Frage der allgemeinen Gehaltskürzungen und Entlassungen in den Instituten der Agency zu einem einigermaßen befriedigenden Ab- Schluß gelangt. Die Vertreter der Beamten sind mit der Agency zu einem Uebereinkommen gelangt Der notwendige, aber unangenehme Reorganisationsprozeß hat in den letzten Monaten vie! böses Blut gemacht, eine unendliche Reihe von Artikeln, offenen Briefen, Ratschlägen und Forderungen nach sich gezogen, aber es wird heute allgemein erkannt, daß diese Operation notwendig war. Ueber die Wege der Durchführung gibt es natürlicherweise verschiedene Meinungen, über die Notwen• digkelt als solche sind sich heute alle einig. Es wild Ti der Regel übeririTen, daß die Reorganisierung des Bearatendienstes und die Beschneidung der Ausgaben noch eine andere Grundlage hat als die schwere Lage der nationalen Fonds. Man kann diese Aenderung a's einen Versuch betrachten, die schwierige und heute noch durchaus nicht geklärte Frage des jüdischen Lebensstandards im Lande anzupacken. Was sich in den letzten Jahren als Höhe der Lebenshaltung im Lande herausgebildet hatte, ist zum großen Teil eine Folge des importierten — privaten und öffetixlichen — Kapitals. Der Standard, den das Land aus seinen Produktivkräften heraus seinen Bewohnern ermöglicht, ist erheblich niedriger. Daraut werden wir uns in der nahen Zukunft rinstellen müssen. Dieses Lebensniveau stellt vielleicht eine Erhöhung für Einwanderer aus manchen Ländern Osteuropas dar, ist jedoch im Verhältnis zu Mitteleuropa oder gar zu England niedrig. Die Gehälterkürzung ist ein Schritt auf dem Wege zu einer solchen Regulierung. Wenn sie auch nur einen Teil der werktätigen Kräfte betrifft, so wird sie doch fraglos einen allgemeinen Einfluß auf die jüdische Wirtschaft ausüben. Ob die Kommission und die Agency bei der Bestimmung der Gehalfshöhe das Richtige getroffen haben, ist schwer zu beurteilen, aber die Tendenz, die sich darin auswirkt, hat ohne Frage einen gesunden Kern. * In der Wiener ״Neuen Welt“ richtet Robert Stricker einen Offenen Brief an Dr. Weizmann, worin er gegen Wrizmanns Bemerkungen über die ungerechtfertigten Angriffe auf die zionistische Beamtenschaft Stellung nimmt. Stricker betont, daß er und viele andere keineswegs die Beamtenschaft angegriffen haben, sondern lediglich die Einsetzung einer Kontroil-Instanz gefordert haben, wie dies bei jedem Volke und In jedem Betriebe üblich sei. Eine solche Kontrolle würde das Ansehen der Beamtenschaft nicht mindern, sondern im Gegenteil zum Schutze ihres Ansehens beitragen. — Es wäre hinzuzufügen, daß bereits vor Jahren der Zionistenkongreß die Schaffung eines Kontrollamtes zur Ueberprüfung der Zweckmäßigkeit der Apparate der verschledenen zionistischen Institutionen und Betriebe beschlossen hat, das aber leider niemals realisiert wurde. Prffgelstrafe in Palästina Jerusalem, 24. April. (J.T.A.) In jüdischen Kreisen Jerusalems herrscht lebhafte Empörung über rin Urteil des jüdischen PoUzeirichters Zuckermann. Der aus Kurdisfan stammende Israel Esra, der mit Frau, Tochter^ und einem zwölfjährigen Knaben auf Grund eines Touristen- Visums nach Palästina gekommen war, hatte die ihm bewilligte dreimonatige Aufenthaltefrist überschritten. Vor dem Polizeirichter verantwortete sich Israel ,Esra damit, daß er ein G&ach am dauernde Aufenthaltsbewilligung und Registrierung als Einwanderer ringebracht habe. Der Richter verurteilte Israel Esra, seine Frau Ziiba und seine Tochter zu Geldstrafen von Je einem Pfund, den zwölfjährigen Knaben, dem nichts zur Last gelegt werden konnte, als daß er bei seinen Elfern verblieb, zu drei Stockstreichen. Außerdem wurde in dem Urteil den High Commissioner nahegelegt, gegenüber der Familie von seinem Ausweisungsrecht Gebrauch zu machen. Colonel Kisch hat namens der Jewish Agency beim High Commissioner, Sir John Chancellor, energischen Protest gegen dieses empörende Urteil eingelegt. Der Weltverband zionistischer Frauen Wizo hält seine sechste Zwdiahreskonferenz vom 23. bis 23. Juni in Basel ab. Pressesdiau Zar Kontroverse über Kiarkfns Buch! In der Düsseldorfer ״Ge m e Indez e i t u n g“ nimmt Sanitätsrat Dr. Lichtenstein (Bonn) zu der Polemik Gerlach-KIazkin Stellung. Bekanntlich hat H. v. Gerlach im ״Dortmunder Generalanzeiger“ behauptet, Klazkin liefere den Antisemiten Waffen. Dazu schreibt Dr. Lichtenstein: ״. . . H. v. Gerlach ־— den ich persönlich hochschätze und verehre — hat dem Judentum durch diese Besprechung eines Werkes von höchstem innerem Werte, von unerbittlicher Logik und Geistesschärfe, von erschütternder Dramatik, in der Tagespresse — eines Buches, dessen Einzelheiten aus dem Gefüge des festgegliederten Zusammenhangs gelöst — ein falsches Bild vom Ganzen geben — dem deutschen Judentum keinen Dienst erwiesen. Auch Gerlachs Appell an die deutschen Juden ,mit allem Nachdruck von Klazkin abzurücken, um die Waffen, die er Herrn Hitler in die Hand gedrückt, diesem aus der Hand schlagen zu können', kann nur Verwirrung anrichten. Gerlach hat dieses Buch nicht ,mit der jüdischen Seele' gelesen, sondern vom Standpunkte des Politikers, des Soziologen und Kritikers und des Menschen, dem es um das Judenrum und Seine Zukunft bangt, weil er die Juden für bedeutsame Faktoren in der gesamten Kulturbewegung der heutigen Zeit hält, einer Zeitperiode, die die Juden — besonders bei uns — für alles verantwortlich macht, was schädigend, zersetzend, dissoziierend auf die deutschvölkische Gemeinschaft wirkt . . . Denn wer dieses Buch nicht mit ,heißer jüdischer Seele' liest, kann und wird es nicht verstehen. Es ist ein erschütterndes Buch, ein gewaltiges, aufwühlendes, eine Anklage gegen Alle, gegen Juden und Christen, gegen Assimilanten und Zionisten, gegen alle Halbheit . . .“ — Der Verfasser gibt sodann viele Zitate aus Klazkins Buch und faßt seine eigene Anschauung in folgende Schlußsätze des ausführlichen Aufsatzes zusammen: ״Dieses Buch . . . ist entstanden aus der reinen und glühenden Ueberzeugung eines Nationaljuden, der in der Kälte der ihn umbrennenden Welt die Nähe der wärmenden, nährenden Heimaterde sucht, in der seine Lebenswurzeln allein die rechte Nahrung finden können und hat diese seine Welt — vielleicht die stille Welt Ungezählter, die sie in sich verschließen, weil sie mit der anderen, in die sie Gott hineingestellt hat, sich abfinden müssen, vielleicht auch sich wohl und glücklich fühlen — wer kennt die Seelen der Menschen? - verallgemeinert; weil sie ihm als ,das Ideal‘, als das jüdische Ideal erschaut und weil eine Gemeinschaft ohne Ideal -- ohne Heimat — keine Lebenskraft und Dauer hat und weil Ideale Opfer fordern, und Israels Weg — durch die Völker und durch die Jahrtausende — ein Opfergang ist und bleiben wird trotz Emanzipation, Assimilation . . . und weil Israels Glaube — sein Volkstum — seine Sendung — alles, alles identische Begriffe sind, die, wenn sie einzeln herausgenommen werden, als das jüdische Spezifikum — und gezüchtet werden —, einen Defekt an der jüdischen Seele, am jüdischen Menschen bedeuten; an der Seele, die zu dem Opfergang bis ans Ende der Tage, dem Menschheits-Paradiese, der sozialen Verbundenheit aller Menschen mehr braucht als ein enges Vaterland, sondern die ganze Welt, um sie mit dem Geiste des Ewigen, des Friedens und der Wahrheit — der von Zion ausgehen wird — zu erfüllen. Allen meinen Brüdern und Schwestern im Geiste des Judentums rufe ich zu: Lest und lernt Klatzkins Buch!...“ * P&Iastina - Fragen A«f rin wichtiges Problem macht Hannah B e r m a n aufmerksam, die im Aprilheft der ״Empire Review‘ den Schluß einer Artikelserie über ihre palästinensischen Reiseeindrücke veröffentlicht. Sie schildert zunächst die geringe Verbreitung englischer Sprachkenntnisse in Palästina, die bei den Juden größtenteils nicht auf mangelnde Lernbereitschaft Zurückzu führen sei, sondern auf Mangel an geeignetem Lehrpersonaf. Viele junge Juden quälten sich vergeblich mit Selbstunterricht ab, und selbst wo Lehrer da seien, sei ihre Aussprache meistens miserabel. Aber jetzt seien bessere Lehrkräfte in der Ausbildung begriffen, und in einigen Jahren werde dieses Problem hoffentlich gelöst sein. Viel bedenklicher aber ist der von der Verf. geschilderte Mangel an Verständnis für englisches Wesen und englische Sitten bei den palästinensischen Juden. Die aus dem früheren Rußland eingewanderten Juden hätten, besonders von der Beamtenschaft, noch durchaus die Vor- Stellungen, die sie früher, unter einem despotischen Regime und einer durch und durch korrupten Beamtenschaft, empfangen hätten. Andererseits erledigten die Engländer einfach als Routiniers ihre Aufgaben, ohne den Juden viel zu erklären. Berührung mit englischen Einrichtungen und Beamten hätten die Juden überhaupt nur, wenn sie Einwanderungspapiere, Pässe oder dergl. brauchten. Erst wenn Palästina eine ganze Reihe von Jahren nach den besten britischen Traditionen verwaltet worden sei, würden die Juden rinsehen, wie falsch ihre jetzige Vorstellung von britischem Wesen und britischen Einrichtungen sei. Bis dahin müsse man Geduld haben. f* * Der in der New■ Yorker ״The World“ erschienene und auch in palästinensischen Zeitungen abgedruckte Artikel von Judge Rosenblatt über die Möglichkeiten einer jüdisch-arabischen Verständigung und über die dazu erforderlichen ko!!■ stitutionellen Maßnahmen wird im Leitartikel des eng• Iischen ״Feie st in“ vom 11. April kommentiert. Nicht die Frage des Parlaments, sondern in erster Reihe das Boden- Problem, in zweiter Linie die Frage der Einwanderung seien die entscheidenden Streitpunkte; das Parlament werde verlangt, um in diesen Fragen entscheiden zu können und es vertiere ohne diese Kompetenz jede Bedeutung für die Araber. Die Araber lehnen ab, bei der Einrichtung des Parlamentes Balfour-Erklärung oder Mandat anzuerkennen, sondern wünsehen eine direkte Verständigung der beiden Völker ohne Bezugnahme aut diese Dokumente. Der Vorschlag eines aus zwei Häusern bestehenden Parlaments bedeute praktisch, daß die jüdische Minorität jeden ihr nicht ge• nehmen Beschluß verhindern könne. ״AssirateiMoustakirn" fordert die Juden auf, ihre Vorschläge für eine Ver• ständigung zu publizieren, damit die Araber sie diskutieren und sich zu ihnen äußern könnten. Das Blatt wäre damit einverstanden, wenn Emir Abdallah Herrscher über Transjordani«״ und Palästina würde und die Juden in diesem vereinigten Staat Minderheiterechte erhielten, bezweifelt aber, ob die Juden darauf eingehen werden. Die Zeitschrift ״Wirtscbaf isdfenst“, Hamburg, bringt in ihrer Nummer vom 10. April eine ausführliche Darstellung der Lage in Palästina. Die Redaktion fügt eine Vorbemerkung hinzu, daß Ihr der Aufsatz von zionistischer Seite zur Verfügung gestellt wird. In dem Artikel wird die Entwicklung der Verhandlungen, die zu der Absendung des MacDonald-Briefes führten, dargestellt, und der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß durch die Erklärung MacDonaWs der Weg für die weitere zionistische Aufbauarbeit, an der die jüdischen Massen trotz aller Enttäuschungen unvermindert festhalten, freigemacht ist.

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