Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 32 (28.4.1931)
- Date
- 1931-04-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653282--22297-2680497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1931 Nr. 32. 28. IV. 1931 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 201 Zionisten ntlichung >ten, Sie כ c k e n - 1 - Berlin, iesbaden, traus- E. Alt- 12. Erich laraborn, n - Duis- Gins-; d e ut - eben er- ״Z i on״ srachisti-;teht der t r f s t e r Welt- 5 Einheit ippositioerusalem ergraben Misrachi s Rätsels olnischen sitzenden vor die!ntag des 011־t hermg den th, Ex- 11 einem pposition Rücktritt n r e v i - Fisch- . e w in - in Sorge ׳ Keren n Organ < (Riga) sind drei Misrachi : Oppoise dav“, 1) wurde eitungen ,ikel. 111 keinen als den rin habe rinzipien :en“ des 1robleme lie Prin- 1 sollen, iprochen nan die Disraeü aus und :re Vorn einer heraus- ■beitung el des darum mtobbin der usgeber Veise in ei auch es fran- :wiesen, Erscheiwurde. schland abgein der t: ״Die tädten“ Wandel ite des 7eist, das ben, ״Die eantilis- 1!t 1750 n Menung der assarge wurde an hat an der;swesen leiträge lie Spehe An- >mmcn. on der ibonnelimmen spüren, nenten, n Wert itheken diesen vie der deutete gerade •aus. eamicr :um an :n und 1 Buch. Jerück״ Psychologie, Philosophie, Religion Hamburg, vom 12. bis 16. April. Von Dr, Werner Wolff. Von allen wissenschaftlichen Disziplinen stellt zurzeit für die Psychologie ihre bedeutendsten Vertreter das Judentum. Der vom 12. bis 16. April in Hamburg tagende Kongreß für deutsche Psychologie vereinigte so die bedeutenden aus dem Judentum hervorgegangenen Köpfe von W. Stern (Hamburg), dem jetzigen Leiter der Gesellschaft, David Katz aus Rostock, Goldstein, Lewin, Bernfeld aus Berlin, jonas Cohn aus Freiburg, Blumenfeld aus Dresden, Grünbaum aus Amsterdam. Der Genius loci aber, wie er einmal genannt wurde, war Ernst Cassirer aus Hamburg. Zur gleichen Zeit hielt Cassirer eine Vorlesung in der Franz Rosenzweig-Gedächtnis-Stiftung über Hermann Cohens Philosophie in ihrer Stellung zum Judentum. Cohen, der große Kantnachfahr, führt dessen Lehre noch radikaler fort. Cohen begnügt sich nicht mehr mit Kants Satz, daß das Gegebene der Anschauung dem Denken voraus sei, sondern dem Denken darf nichts gegeben werden, was es nicht aus seinem Ursprung erzeugt. Diese, wie wir sehen werden, gerade für das Judentum wesentliche Wendung, prägt sich nicht nur in der Logik, sondern in der Ethik aus. Auch die Ethik geht auf die Frage des Ursprungs. Für das Wollen wird dieselbe Spontaneitat angenommen wie für das Denken. Auch der Wille bestimmt sich selbst. Hier gilt Schillers an Körner geäußerte Meinung, daß es kein erhabeneres Wort gebe, als Kants: Bestimme dich aus dir selbst. An dieser Autonomie darf nicht gerüttelt werden. Und keine religiöse Autorität kann an diese Autonomie rühren. So darf nach Cohen es nicht als volksbildend angesehen werden, die Sittlichkeit aus autoritaiiven Büchern zu finden, sondern aus sich selbst. Gibt es, fragt Cassirer, von dieser idealistischen Logik und Ethik einen Weg zur Religion? Der Gegensatz zur Spontaneität des Denkens und Autonomie des Willens ist die Religion, die Bindung, Unter- ■werfung verlangt und etwas annimmt, das höher ist als die Vernunft, ja nach Schleiermachers berühmter Formulierung in ihr die Form Schlechthinniger Abhängigkeit sieht. Dieser Widerstreit zwischen Glauben und Vernunft braucht aber für das Judentum nicht zu bestehen. Der Glaube an den einigen Gott ist rückgewendet auf die Idee der Einheit des Selbst. Die Idee von der Einheit des Ich aus der Einheit der Gottidee heraus stützt sich auf die Mose gegebene Antwort Gottes: Ich werde sein, der ich sein werde. Das, was Gott ist, seine Bestimmung, ist nicht herzunehmen aus der Welt der Objekte, cs gibt für ihn kein dingliches Attribut, es kann nur ein Sein des Ichs, ein Sein des Willens sein. Was die Religion an strebt, ist die Korrelation zwischen Gott und Individuum; zweitens die Beziehung des Einzelnen zu Gott, sein Verhalten zur Totalitat, zur Menschheit. Der Weg des Individuums zu Gott geht über diese Allheit. Die Religion befreit sich vom Mythos über die Idee der Menschheit hin. Nach Cohen sei es ein Vorurteil, wenn man 6agt, die Propheten haben Gott als Stammesgott aufgefaßt. Aller Messianismus ist Universalismus gewesen, nicht den Stamm, nicht die Nation, sondern die Menschheit repräsentiere er. Die Messiasidee wurzle in der Hoffnung auf die Zukunft der Menschheit. Drei Momente machen die Religion aus: der Mythos, er bildet den Mutterboden der Religion, alle Kultur kommt von ihm her. Der Mythos gibt die Gewißheit der Vorzeit, —- der Ritus schafft die regiliöse Gemeinschaft, das Wesen der Religion aber bildet sich, wenn Mythos und Ritus zurücktreten gegen das Ethos. Hier kennen wir den Wert des Judentums im Prophetismus an. Das ewige Wesen der Religion liegt nicht in der Vergangenheit oder Gegenwart, sondern in der Zukunft, sie ist eine Forderung des Glaubens. Die Zukunft aber ist nicht in das Jenseits zu verlegen, sondern in die sittlich soziale Ordnung. Cohen ist überzeugter Sozialist, obwohl er Sozialismus innerhalb des Materialismus abgelehnt hat. Nur im sozialistisch und lebendigen Humanismus atmet Gott. So zeichnete Cassirer das Bild Cohens. Nun sprach er noch von dem Verhältnis von Cohen und Rosen zweig, sie zeigten beide nicht das gleiche Bild der jüdisch-religiösen Auffassung, aber dadurch trat keine Entfremdung zwischen ihnen ein. Den Autor der ״Ethik des reinen Willens“ und den des ״Sterns der Erlösung“ verband eine Freundschaft aus echt religiöser Gesinnung. Cusanus Worte, ״de visione dei", ״jeder könne Gott nur nach dem Bild des eigenen Seins erfassen“, finden ihre Bestätigung in Rosenzweig und Cohen, sie haben ihre Individualität nicht verleugnet. Man hat Cohen vorgeworfen, daß es nicht das echte Judentum sei, das er gezeichnet habe, aber Realität und Idealität bedingen einander. Dasselbe gilt in der Erkenntnistheorie, nur kraft des Idealismus sind die Objekte zu bestimmen. Idealismus ist die Grundbedingung für jeden der Bekenner der Religion. Aus der Kraft des Idealismus kann nur die Kraft der Hoffnung erwachsen. Das Griechentum kannte die Hoffnung noch nicht, die Propheten hatten sie entdeckt. Unter allen Unterdrückungen behauptet der Jude seine Religion aus der Kraft des Messianismus, diese Worte habe Cohen auch gelebt, — und, wir können fortfahren, auch Cassirer, der jetzige große Mittler, lebt sie. ״Jesus, Sohn des Joseph“ . Am 6. Januar 1931 hat der Archäologe der Hebräischen Universität Jerusalem, E. L. Sukenik, in der Archäologisehen Gesellschaft Berlin einen Vortrag ״Jüdische Gräber Jerusalems um Christi Geburt“ gehalten, über den wir seinerzeit 111 der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet haben. Sukenik hat hochinteressante und für die jüdische Kulturgeschichte in hellenistischer Zeit wichtige Grabstätten gefunden und in seinem Vortrag u. a. auch mitgeteilt, daß eines der aufgefundenen pssuarien die Inschrift ״Jesus, Sohn des Joseph“ trägt. Dazu hat der Vortragende wörtlich gesagt: ״Ich möchte hier ausdrücklich betonen, daß ich keine Konsequenzen aus der Auffindung dieser Namen ziehen möchte und sie auch nicht mit irgendwelchen Persönlichkeiten aus jener Zeit, die im Neuen Testament erwähnt sind, zu identifizieren gedenke. Die Namen waren zu jener Zeit ziemlich häufig und für irgendeine Identifikation fehlen uns jegliche Beweise.“ Trotz dieser Erklärung konnten sich natürlich gewisse Sensations-Joumalisten die Gelegenheit nicht entgehen lassen, in die ganze Welt zu telegraphieren, die Gebeine des Stifters des Christentums seien gefunden worden. Diese Nachricht hat in der christlichen Welt große Verstim-!n u n g hervorgerufen. Eine Reihe von Theologen hat gegen Sukenik Stellung genommen, wobei deutlich eine gereizte Abwehr eines angeblich von jüdischer Seite gegen die Dogmen des Christentums geführten Angriffes zum Ausdruck kam. Sukenik, der ausdrücklich gebeten hatte, die altgedeuteten Kon- Sequenzen nicht zu ziehen, war an dieser Sensationsaffäre Vollständig unschuldig. Sie beweist nur, wie gewissenlos von Hyänen der öffentlichen Meinung das Judentum oft in die peinliebste Lage gebracht wird. Es ist daher zu begrüßen, daß die Hebräische Universität Jerusalem den Vortrag Suken>«s jetzt im Wortlaut in deutscher Sprache Veröffentlicht hat. Die Broschüre enthält 22 Seiten und vier Bildtafeln, ist in Jerusalem gedruckt und durch die Hcj bräische Universität zu beziehen. I Brief aus Leipzig Planmäßige zionistische Werbung Aus Leipzig wird uns geschrieben: Im letzten Winter wurde in Leipzig eine großzügige Werbeaktion unter der jüdischen Jugend durchgeführt. Diese Werbeaktion verdient sowohl ihrer Art als aucti ihrer Vorbereitung wegen über Leipzig hinaus Beachtung. Ausgehend von der Tatsache, daß die Gewinnung neuer Menschen unter den Aelteren im Laufe der letzten Jahre fast durchweg versagt hat, veränderte die Leitung der Zionistischen Vereinigung Leipzig programmatisch ihre Aktionsrichtung und legte demgemäß den Hauptakzent ihrer Propagandatätigkeit auf die Arbeit in und mit der Jugend. Hervorzuheben ist, daß diese Aktion im einzelnen von der Jugend selbst durchgeführt wurde. Die Ortsgruppe beschränkte sich ihrerseits auf die beratende Anleitung und machte neben dieser geistigen Förderung selbstverständlich den ganzen Plan finanziell möglich. Die Vorträge wurden nach einem im Herbst bestimmten Plan auf den ganzen Winter verteilt, ihre Daten wurden im einzeinen festgelegt, so daß, und das ist das Wesentliche, die Propaganda und der Kartenverkauf planmäßig in Angriff genommen werden konnten. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung waren sie allen bekannt, und jeder wollte bei diesem Ereignis dabei sein. Ein jeder kam mit großen Er- Wartungen hin, so daß psychologisch eine Situation geschaffen war, die uns große Wirkungsmöglichkeiten versprach. Die Aktion ging praktisch folgendermaßen vor sich: schon im frühen Herbst schlossen sich auf Anregung der Ortsgruppe dte nationaljüdischen Jugendverbände (Kaaimah, J. J. W. B. Zeire Misrachi, Bar Kochba, V. J. St. Hatikwah, Jungjüdischer Klub) zu der ״nationaljüdischen Arbeitsgemeinschaft" zusammen, die von sich aus die fünf Vorträge zu veranstalten beschloß. Jeder dieser Vorträge sollte auf eine bestimmte Gruppe der Judenheit wirken, indem er unsere zionistische Anschauung speziell von dieser Seite her kennzeichnete. Da außerdem die verschiedenen Bünde jeweils einen in bestimmter Richtung differenzierten Zionismus zum Programm haben, sollten jedem Bund von einem Vortrag her größere Werbemöglich«eiten speziell in seinen Kreisen geboten werden. Auf allen Vorträgen haften Jugendliche die Leitung und hauptsächlieh Jugendliche beteiligten sich auch an der Diskussion. Die Themen der fünf Vorträge lauteten: 1. Religiöser Liberalismus. 2. Wir Juden im deutschen Staat. 3. Jüdische Jugend und Orthodoxie. 4. Warum Makkabi-Sport? 5. Sozialismus und jüdische Jugend. Nur beim ersten Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Elk über ״Religiösen Liberalismus“ ergriffen die drei Gemeinderabbiner und außerdem hauptsächlich Aeltere das Wort. Dieser Vortrag war ebenso wie der des Herrn Dr. Kanowitz über ״Wir Juden im deutschen Staat“ der Auseinandersejzung mit den Liberalen und der Ideologie des C.-V. gewidmet. Beide Referate erwiesen, wie fruchtbar wir gerade im jetzigen Moment in Deutschland dem Juden die Unhaltbarkeit seiner Assimilationsthese, die Leerheit seines Judentums und darüber hinaus seine wirkliche Verknüpfung mit dem jüdisehen Volk aufzeigen können. Der Vortrag von Kanowitz riß die Zuhörerschaft zu enthusiastischen Beifallskundgebungen hin, nachdem Elk schon am ersten Abend die religiösen Grundlagen eines!lichtzionistischen religiösen Liberalismus erschottert hatte. Mehr für den Misrachikreis gedacht war der Vortrag von Dr. Wolfsberg über ״Jüdische Jugend und Orthodoxie“. In tiefen, überzeugenden Ausführungen setzte sich Wolfsberg mit allen traditionell-religiösen Problemen auseinander und grenzte besonders die mit dem Volksganzen arbeitende Orthodoxie des Misrachi von der sich absondernden und deshalb unschöpferischen der Agudah ab: eine Veranstaltung, die ihre tiefen Spuren in den Kreisen der orthodoxen Jugend gegraben hat, und ihre fruchtbaren Wirkungen in weiteren, auch heute noch sich abspielenden Auseinander- Setzungen aufweist. Unsere Stellung zum Sozialismus legte Herr Dr. L u b i n s k i dar, der die Synthese zwischen sozialistischem und jüdischem Wollen in Palästina darlegte. Schon in diesem Referat wurde die Diskussion von kommunistischer Seite in rowdyhafter Weise gestört, was sich beim Referat des Herrn Dr. Rosenfeid ebenfalls (wenn auch wegen des Themas und der besonnenen Versammlungsleitung erheblieh ruhiger, Thema war: Warum Makkabi-Sport?) zeigte. Bei allen Referaten kamen in der Diskussion außer Nichtzioy nisten auch besonders Zionisten, die anderen Richtungen angehörten, zu Wort, so daß eigentlich eine Diskussion nach zwei Seiten geführt wurde, was sich aber durchaus nicht als unvorteilhaft erwies, im Gegenteil wesentlich zum Gelingen der Abende beitrug. Besucht wurden die Vorträge durchschnittlich von vierhundert Personen. Das wurde erstens durch die frühzeitige Propaganda, dann aber dadurch, daß man Karten nur zu allen fünf Vorträgen gemeinsam verkaufte, erreicht. Durch einen Aufruf, der auch von Nichtzionjsten unterzeichnet war, wurde die gesamte jüdische Jugend Leipzigs zu diesen Aussprache- Abenden geladen, so daß es gelang, den größten Teil der Karten im Vorverkauf abzusetzen. Ursprünglich hatte man daran gedacht, anschließend an jeden Vortrag eine Arbeitsgemeinschaft abzuhalten, worin man sich mit besonders interessierten Menschen im engeren Kreise eingehend auseinandersetzen konnte. Aus Mangel an Raum, jedoch wohl besonders an Zeit der geeigneten Persönlichkeiten, mußte dies den einzelnen Bünden überlassen werden. Die Wirkung der Vorträge muß als sehr nachhaltig bezeichnet werden. Abgesehen von der gerade in diesem Winter notwendigen Stärkung unserer eigenen Anhänger, machten sie es den Bünden möglich, eine große Anzahl neuer Menschen in ihre Reihen einzufügen. Schon allein die Tatsache, daß wir diese Aussprachen veranstalteten, brachte uns Sympathien. Nach diesem Ergebnis muß man die planmäßige Werbetätigkeit der nationaljüdischen Arbeitsgemeinschaft in Leipzig als gelungen ansehen und man kann wohl als sicher annehmen, daß auch in anderen Städten ähnlichen Aktionen, wenn sie nur sachgemäß vorbereitet und durchgeführt werden, ein großer Erfolg beschieden sein kann. h. w. Berliner zionistische Vereinigung Ollenlilche Versammlung Mittwoch, den 18. April 1931, abends 8 Vs Uhr, im BOrgersaai des Rathauses, KönigstraBe ..jonische uieitnot“ Referenten: J. KlinOW und Moses Waldmann ״BerichiersfaMmfl“ Das Organ des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, ״Der Schild“, berichtet über den Zwischenfall auf der Tagung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden gelegentlich der Debatte über die Beihilfe zur Herausgabe des Gefallenen- Denkbuclies folgendermaßen: ,,Als Dr. Elkeles, sicli gegen Kareski wendend, die Bemerkung machte, man möge nicht Deutschtum mit national* sozialistischer Richtung identifizieren, erhob sich auf den Bänken der Volkspartei schärfster Widerspruch.“ Diese Darstellung steht in eklatantem Widerspruch mit den Tatsachen. Vielleicht hat Dr. Elkeles das sagen wollen, was jetzt der ״Schild“ berichtet. Dies hätte aber sicherlich keinen Widerspruch der Volkspartei hervorgerufen. Gesagt hat er etwas ganz anderes, er hat nämlich die Volkspartei mit Nationalsozialisten verglichen, und ob.vohl dieser Passus seiner Rede ein kompletter Unsinn war, so daß man hätte annehmen können, daß er eigentlich etwas anderes sagen wollte, ist es doch begreiflich, daß in der geladenen Aunosphäre seine Worte bei der Volkspartei heftige Abwehr fanden. Jetzt aber durch die nachträgliche Darstellung das wirklich Geschehcne zu korrigieren, ist sicher unzulässig. Die Redaktion des ״Schild“ macht das nämliche Manöver, das Dr. Elkeles aut der Tagung des L, V. versucht hat: Anstatt eine unglückliche Aeußerung mutig und offen zurückzunehmen, wird durch einen kleinen Dreh der Tatbestand verschleiert. Dies ist sehr bedauerlich. Aas den Gemeinden Die Wahlproteste. Auf Verfügung des Polizeipräsidenten trat der Wahlprüfungsausschuß für die Repräsentanten wählen, bestehend aus den Vorsitzenden der Wahlvorstände, nochmals am Montag, dem 27. April, abends, zusammen, um abermals eine Nachprüfung der ungültigen Stimmzettel vorzunehmen und alsdann das Gesamtergebnis der Wahl vom 30. November 1930 noch einmal festzustellen. * Prag, 19. April (J.T.A.) In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das Jahr 1931 in der Höhe von 2 356 000 Kc angenommen und der Beschluß gefaßt, in Prag ein jüdisches Spital zu errichten. Dem Keren Hajessod wurden 5000 Kc bewilligt. * In •der öffentlichen Plenarsitzung der Wiener Kultusgemeinde vom 16. April d. J. wurden die Beratungen über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1931 abgeschlossen. Der Voranschlag weist für das Jahr 1931 an Einnahmen insgesamt S 5 901933, an Ausgaben S 6 383 389, somit einen Fehlbetrag von S 478 456 auf, welcher sich durch das vorgetragene Defizit der Vorjahre auf S 710 363.11 erhöht. Die Versammlung beschloß eine Resolution, worin dagegen protestiert wird, daß trotz der Bestimmungen der Verfassung die Gemeinde keine staatlichen Zuschüsse erhält. Ortsgruppen Aachen. Betrachtet man die Anwesenheitslisten der hiesigen zionistischen Veranstaltungen, so macht sich im letzten Jahr ein stetiges Anwachsen unseres Kreises bemerkbar. In der Tat ist es uns gelungen, neue Freunde für unsere Idee aal werben. Dieser Erfolg ist vor allen Dingen dem jungzionist!־ sehen Kreis zu verdanken, der sich seit Mai vorigen Jahres unter Leitung von Dr. Richard Herz zu dauernder und posltiver Arbeit zusammengeschlossen hat. Es fanden regelmäßig vierzehntägig Vorträge statt, meistens von Mitgliedern gehalten, an die sich immer eine lebhafte Diskussion anschloß. So sprach z. B. Dr. Sally Heymann über ״Zionismus und Antisemitismus, ferner Dr. Hans Ca pell und Dr. S. Hey־- mann über ״Ursachen und Folgen der englischen Palästina- Politik“. Herr Dr. Capell legte in seinem Vortrag ״Zionismus auf Irrwegen“ den revisionistischen Standpunkt klar. Die Diskussion zeigte, daß die Mehrzahl der Anwesenden die revisionistische Auffassung nicht teilte. Herr Bruno Binetter sprach über ״Zweck und Ziele des Misrachi“. Er schilderte die Entwicklung des Misrachi, seinen Aufschwung, seine heutige Lage und seine kulturelle Arbeit in seinem weitverzweigten Schulwerk in Palästina. Weitere Vortragsthemen waren ״Soziologie der Juden“ (Dr. Heymann), ״Klatzkins Weltanschauung“ (Dr. Capell), ״Klatzkins Forderungen“ nach Krojankers Artikel in der ״J. R.“ (Dr. Heymann). Frau Reingenheim berichtete über ihre Eindrücke in Amerika, wobei uns besonders Fragen über die Lage der amerikanischen Juden und den dortigen Zionismus interessierten. Im Dezember fand eine sehr gelungene Chanukkah-Feier statt, deren Vorbereitung und Programm von Mitgliedern des jungzionistischen Kreises bestritten wurde. Der Ueberschuß der Feier war für den Keren Kajemeth. Leider liegt die KKL-Arbeit hier sehr im argen, und die Frage, wie dem abzuhelfen sei, bildete den Gegenstand einer gründlichen Aussprache zwischen Herrn Adolf Follak aus Berlin und unseren Mitarbeitern. Vorher sprach Herr Pollak vor einem sehr interessierten, zahlreichen Publikum über ״Persönliche Erinnerungen an Theodor Herzl“, außerdem gab der Redner einen kurzen Ueberblick über die sozialen Grundlagen Palästinas. Beide Vorträge fanden großen Beifall. Die Schekelaktion ist fast beendet und zeigt ein gutes Resultat. Wir beabsichtigen, die regelmäßigen Zusammenkünfte auch im Sommer fortzusetzen. Beuthen. (Poale Zion.) In der am hiesigen Orte erst kurze Zeit bestehenden Ortsgruppe sprach am 12. April Chawer Neustadt, Generalsekretär der Poale Zion Warschau, vor einer von tast 100 Personen besuchten Versammlung über das Thema ״Der Weg des Zionismus“. Er führte aus, daß für das Gelingen des Palästina-Projektes eine sozialistische Grundlage die unbedingte Voraussetzung sei. Wir verlangen keine Spielereien mit militärischen Farcen, sondern wir wünschen eine Politik, die dem jüdischen Proletariat in Palästina eine gesicherte Heimstätte f... . .. historischen Abriß des italienischen Faschismus, kennzeichnete die Methoden, deren er sich zur Machtergreifung bedient und skizzierte die faschistische Regierungsweise. Bei der Verwirk- Hebung des Palästina-Projektes müsse jede auch nur irgendwie faschistisch angehauchte Strömung ausgeschaltet werden. An das Referat knüpfte sich eine rege Diskussion. Dresden. Am 29. März fand in den Räumen des Palmengartens anläßlich des Sokolow•Werbemonats eine große Kundgebung statt. Herr Alfred Berger, Berlin, referierte über das Thema ״Das Schicksal des deutschen Judentums“. Seine Ausführungen über die wirtschaftliche Lage in Deutschland, insbesondere über die wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland fanden allgemeinen Beifall. Im zweiten Teil seines Vortrages befaßte sich Herr Berger mit Palästina- Fragen, die die Anwesenden mit großem Interesse verfolgten. Die in der Pause vorgenommene Sammlung ergab eine betrachtliehe Summe zugunsten des KKL. — Am 21. April 1931 fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende, Herr Schocken,