Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 32 (28.4.1931)
- Date
- 1931-04-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 200 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 28. IV. 1931 von T e I - A w i w, das das Hinterland der Pflanzungskolonien hat, ist besser daran als Haifa. Auch die I n d u st ri e hat zu kämpfen und die Uebersiedlung einer Fabrik aus Tel-Awiw nach Syrien ist ein Alarmruf. Die Anziehungskraft von Syrien ist groß, weil das Wirtschaftsgebiet des Landes viel größer ist, der Arbeitslohn kaum die Hälfte beträgt, keine Streik- Fefahr ist usw. Diese Umstände bewirken auch eine geä h r 11' c h e Konkurrenz der billig arbeitenden syrischen Industrie gegenüber der palästinensischen. Was schließlich die Lage _d er Arbeiter betrifft, so stehen wir vor einer bedrohlichen Arbeitslosigkeit. Bisher sind keine Aussichten auf Erweiterung des Arbeitsmarktes in der Stadt, eher die Gefahr von Einschränkungen. Aber auch aut dem Lande sind Einschränkungen in bezug auf Beschäftigung von Arbeitern unvermeidlich. Die Arbeitslosigkeit wird aber auch die Schwierigkeiten des Kleinhandels noch vermehren und birgt außerdem die Gefahr sozialer Unruhen in sich. Der Verfasser untersucht die Frage, welche Gründe zu diesem Zustand geführt haben. Der Hauptfehler liegt nach seiner Meinung in der Ueberschätzung der heutigen M ö g 1 fc 11 k e i t e n des Landes. Man hat bei der Schaffung von Unternehmungen die zionistischen Zukunftsträume, die zweifellos berechtigt sind, mit den heutigen Realitäten verwechselt. Palästina bedarf zu seiner Entwicklung der Hilfe von außerhalb; solange dies aber nicht ausreichend erfolgt ist, dürfe man nicht die ganzen Wirtschafis- Positionen auf Hilfe von außen abstellen. Nur durch diesen Irrtum entstand der überhöhte Lebensstandard in Palästina. Nur aus der Ueberschätzung unserer Kräfte kamen wir zu •den hohen Gehältern, dem übertriebenen Arbeitslohn und dem aufgeblähten Luxus der öffentliehen Einrichtungen: eine Menge Zeitungen, eine Menge Verlagsbuchhandlungen, eine Menge Kulturinsfitutionen, so und so viele Theater usw. usw׳. Unser ganzes Leben gleicht einem riesigen Wasserkopf auf einem winzigen Körper. Und aus derselben Anschauung entstanden auch die vielen unsoliden und unfundierten Wirtschaftsunternehmungen, die jeden Tag zusammenbrechen können. Die Hilfe, so schließt der Artikel, kann heute nicht von außen kommen. Der Jischuw kann sich nur selbst retten. Schon einmal war er in derselben Lage, nämlich zur Zeit des Krieges. Damals verstand man, daß die einzige Rettung die ist, von den fiktiven Höhen wieder zu der bescheidenen Wirklichkeit hinabzusteigen und sich entsprechend der wirklichen Lage einzuschränken. Wäre damals nicht der Waad Hazirim (Zionist Commission, der Vorläufer der jetzigen Palästina-Exekutive) mit seiner auf der neuen Pfund-Währung beruhenden Groß- Zügigkeit gekommen, so wäre unsere Lage im Lande heute fester und solider als sie es ist. Heute gibt es keine andere Rettung als entschlossene Einschränkung. Der Jischuw muß sofort zu einer inneren Einigung kommen und Maßnahmen beschließen, um diesen Rettungsweg zu beschreiten. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren. Presseschau England zwischen Juden und Arabern In der englischen ״Political Q u a r t e r 1 y“ veröffentlicht G. T. Gar rat einen langen Aufsatz über ',Die Zukunft Palästinas“, der von der geopoiitischen Problematik des Landes ausgeht Zwischen dem Küstenstrich, der zum Mittelmeer und nach Europa hin tendiere, und dem Hügelland im Osten, das nach Asien gehöre, sei ein tiefer Riß, der das Land durchziehe, ungleich tiefer, als alle religiösen Zwistigkeiten. So sei Pa'ästina heute der Schauplatz eines Kampfes zwischen Asien und Europa, in dem die Engländer nicht neutral bleiben könnten. Die Sympathien der englischen Beamten seien im allgemeinen viel eher auf asiatischer Seite, weil die meisten von ihnen früher in englisehen Kolonien gedient hätten, wo der Engländer von der einheimischen Bevölkerung ohne weiteres als höheres Wesen betrachtet werde. An europäische Siedler seien sie nicht gewohnt, geschweige denn an Juden, die erfüllt von Idea'en, und von ihren früheren Heimatländern her an Verfolgung und Unterdrückung gewöhnt, eine gewisse Agressivität an den Tag legten. Uebcrdies hätten ja die Juden ihre eigenen großen Organ!* Nationen, so daß die Engländer sich daran gewöhnten, ihre eigentliche Aufgabe in der Fürsorge für die Araber zu sehen. Deshalb behandelten sie den Zionismus stiefmütterlich, und wenn heute die europäische Lebensweise in Palästina Fortschritte machte, so fast ohne britische Hilte. Nach den Massakern habe sich erwiesen, daß das Co'onial Office eine starke ״asiatische“ Voreingenommenheit besäße, während das Parlament seine Sympathien eher den Z'onis'en schenkte. Der Shaw- und Simpson-Bericht seien dann von der Grundvorstellung ausgegangen, daß Palästina für immer einen Teil Arabiens bilden werde, in dem sich allerdings eine gewisse Anzahl Juden niederlassen dürfte. Wieder sei das Parlament stimmungsmäßig gegen diese Politik gewesen, und das Co'onial Office habe wie ein Rohr unter jedem Windhauch geschwankt, mochte nun der Wind von Delhi oder von New York oder selbst nur von Whitechapel kommen. Eine solche Politik^ müsse aber zu einem Fehlschlag führen. ־ Oarrat kritisiert dann im einzelnen den Simp'on-Bericht und weist nach, daß Politik, die zunächst den landlosen Arabern, dem arabischen Bevölkerungsnachwuchs, den zu wenig Land besitzenden Arabern und endlich den zweifellos von Osten ins I-and einströmenden Arabern Land schaffe, einerseits ungeheure Kosten verursachen, andererseits aber die Juden, die bisher 40 Ao der gesamten Steuern aufgebracht hätten, abschrecken, und daher im ganzen zum Bankrott führen müsse. Sobald sich aber die Anstrengungen der Zionisten nach anderen Ländern richten würden, werde sich der arabische Nationalismus immer mehr entwickeln; und während die Zionisten sich über den englischen Verrat beklagen würden, werde der Fellache, wie die Erfahrungen Lord'Cromers in Aegyplen bewiesen, die engiische’Lcistung nicht einmal verstehen, geschweige denn dafür danken. Garrat meint, es käme darauf an, den Zionisten die Hoffnung auf erfolgreiche Fortsetzung ihrer schöpferischen Arbeit zu geben und dabei doch die Interessen der Araber zu schützen. Wenn das unmöglich sei, solle England lieber jetzt, noch vor der Uebernahme allzu großer politischer und finanzieller Verpflichtungen, das Mandat niederlegen. Wahrscheinlich aber sei es möglich. Da die Zionisten bereit seien, für die Ansiedlung jeder Familie etwa 1000 Pfund auszugeben, — a’so fast genau so viel, wie der englische Ansiedlungsplan von 1910 für die Ansiedlung der früheren Soldaten gebraucht hätte —, könnten sie auch in Gegenden siedeln, in welchen die im Sltnpson-Bericht vorgesehene ״asiatische“ Siedlung mit etwa fiO Pfund ijro Familie unmöglich wäre. Deshalb solle man die betrachtliehen Strecken Landes (einschließlich sumpfiger Gegen.'en), die auf jene asiatische Art nicht kolonisiert werden könnten, der europäischen Siedlung Vorbehalten. Die jetzt dort hausenden Araber sollten mit Regierungshilfe anderwärts untergebracht, die wucherischen Effendis beim Verkauf von der Regierung unter Druck gesetzt werden. Mit ihrem hervorragenden Menschenmaterial würden die Juden zweifellos aus diesem Boden viel herausholen. Das sei eine Lösung für die nächste Zeit. Aut die Dauer würde sich natürlich doch wieder Landknappheit geltend machen, aber dann müsse man nach Osten blicken, über den Jordan hinaus, der eine geradezu absurcle Grenze bildete. Wenn erst durch die Tat bewiesen sei, daß Palästina ein blühender binationaler Staat sein könne, so bestehe kein Grund, weshalb nicht später die ganze mohammedanische Welt auf das Jüdische Nationalheim als auf die Rettung des Nahen und Mittleren Ostens blicken sollte! A.P. * Prof. Dr. Veit Valentin veröffentlicht im ״Beriiner Börsencourier“ eine ״zusammenfassende Betrachtu11g“ des Palästina-Problems, mit dem er sich gelegentlich einer Orientreise im letzten Herbst beschäftigt habe. Nach einer Schilderung der bevölkerungspolitischen, wirtscliaftlichen und religiösen Verhältnisse kommt er zu folgenenden Schlußfolgerungen: ״Palästina kann im günstigsten alle, und zwar während langer Jahrzehnte, vielleicht noch zwei Millionen Juden aufnehmen. Da es nun aber 14 bis 15 Millionen Juden aut der Erde gibt, kann Palästina, selbst wenn alles gut geht, nur für einen kleinen Bruchteil die Heimstätte werden. Natürlich ist es möglich, daß benachbarte Gebiete in Syrien und Transjordanien tür die jüdisclie Kolonisation hinzugezogen werden. Das ist aber ein anderes Kapitel ... Im ganzen genommen, wird jeder einsichtige Besucher den schönen Worten Ramsay MacDonalds zustimmen müssen, die er im Unterhaus der von Juden in Palästina geleisteten .Arbeit und Opferbereitschaft gewidmet hat. Es ist durchaus unrichtig, von einem sachliehen Mißerfolg oder gar von einem BankerottdesZionismusinPalästinazusprechen. Die sachlich möglichen Ziele sind und bleiben erreichbar. Was Rußland dem Juden im Amur-Gebiet und in der Gegend von Odessa bietet, ist schwer übersehbar und auch recht unsicher. Bis auf weiteres ist das, was der Kapitalismus in Palistina für die Osfjuden geschaffen hat, trotz aller Schwierigkeiten immer noch das Positivste.“ Ueber die arabische Bewegung führt Prof. Valentin aus: ״Der Schwerpunkt der arabischen Bewegung liegt gar nicht in Palästina; der Hauptdruck richtet sich nicht gegen Jerusalem, sondern gegen Damaskus. Das arabische Problem in Palästina muß aus den besonderen Voraussetzungen dieses Landes verstanden werden. Die dortigen Araber stehen sozial und kulturell verhältnismäßig niedrig; ihre Arbeit ist sehr billig, für politische Organisation ist die Masse noch zu ungebildet, unter den Höherstehenden gibt es leider sehr viele Käufliche. So haben die paar Hochstehenden von edier Leidenschaft erfüllten Agitatoren eine schwere Aufgabe . . . Enteignung arabischer Besitzer bat nirgends stattgefunden, die Araberdörfer in der Nähe der jüdisehen Kolonien sind vielmehr aufgeblüht; Preise und Löhne konnten dort steigen.“ Nach einer Charakteristik der englischen Politik, die man als ״hochmütige Tatenlosigkeit“ bezeichnen könne, unterstreicht der Verfasser die Wichtigkeit Palästinas für England und schließt: ״Das Judentum sieht eine Ehren- Sache darin, die zionistische Kolonisation innerhalb ihrer bescheidenen Möglichkeiten aufrechtzuerhalten und zu entwickeln. Eine gemeinsame jüdisch-arabische Front in Palästina ist nicht nur das Ziel hochstehender Versöhnungspolitiker, sondern bereits eine sehr konkrete Wirklichkeit vorhandener Arbeitsinteressen. Trotz allem kann und wird Palästina also das werden, was die besten Führer aus ihm machen wollen: ein westlicher Brückenkopf im Orient, ein binationales Staatsbollwerk, mit humanitärer Mission.“ — Die in dem Artikel enthaltene Angabe, 30000 Pfund seien seit Friedensschluß nach Palästina geflossen, ist wohl ein Druckfehler. Es muß richtig heißen: 30 Millionen Pfund. * In der führenden amerikanischen Vierteljahrsschrift ״Foreign A f t a i r s“ veröffentlicht Prof. Felix Frankfurter (der bekannte Zionist und Mitglied der Brandeis- Gruppe) einen 25 Druckseiten umfassenden Aufsatz über das Palästina-Problem, vorwiegend unter historischen und politischen Gesichtspunkten. Frankfurter bekennt besonders sein Vertrauen auf die britische Staatskunst, weist mit Nachdruck auf die starken Idealistischen Momente hin, die England zur Abgabe der Balfour-Deklaration und zur Uebernahme des Mandates bestimmt hätten, und wendet sich gegen die häufige Behauptung, daß England sich im Kriege des Zionismus nur angenommen habe, um die jüdische Hochfinanz für die Sache der Alliierten zu gewinnen. Wie die Tagebücher E. S. Montagus bewiesen, sei die einzige Opposition innerhalb der britischen Regierung gegen die Balfour-Dekiäration gerade von dem jüdischen Kabinettsmitglied ausgegangen! — ln bezug auf die arabische Frage bekennt sich Frankfurter zu einem starken Optimismus: ״Wenn das Jüdische Nationalheim nicht aufgebaut werden könnte, ohne die Lage des Fellachen zu verschlechtern, so bliebe es besser unaufgebaut“, — aber glücklicherweise gebe es diese Alternative nicht. England, das sich bisher zu sehr auf seine Rolle als bloßer Unparteiischer beschränkt habe, solle nun die schöpferischen Aufgaben des Mandates in Angriff nehmen; und wenn es ihm auf diese Weise gelänge, die beiden Teile des Mandates, die Wahrung der arabischen Interessen und den Aufbau des Jüdischen Nationalheims, gleichzeitig durchzuführen, so würde dies eine der herrlichsten Leistungen der englischen Krone und ein ewiger Ruhmestitel sein. A. P. Die Lage der Juden in Jugoslawien. Dieser Tage fand in Beograd eine Sitzung der Jüdischen Gemeinde statt, auf der die allgemeine Lage der Juden in Jugoslawien besprochen wurde und hervorgehoben wurde, daß die Juden in Jugoslawien volle Rechte genießen. Wie uns vom Pressebüro der jugoslawischen Gesandtschaft in Berlin mitgeteilt wird, wurde auf Antrag des Oberrabbiners beschlossen, den Ministerpräsidenten General Zivkowicz und Außenminister Marinkowicz in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. Schekel and Kongreflwahlen 1) Für die Berechnung der auf Deutschland entfallenden Kongreßmandate kommen nur die Schekel in Frage, die bis zum 4. Mai mit der Zionistischen Exekutive in London abgerechnet sind. Alle Ortsgruppen und Schekelvertrauensleute werden daher dringend dazu aufgefordert, die noch in ihrem Besitz befindliehen Schekelgelder spätestens am 1. Mai an uns zu überweisen. 2) Zum Kongreß wählen können nur diejenigen Schekelzahler, die Quittungen aus Schekelblocks besitzen, die mit der Landesschekelkommission abgerechnet sind. Die Ortsgruppen und Vertrauensleute müssen daher alle für die Sammlung benutzten Schekelblocks spätestens bis zum 14. Mai an uns abliefern. Die LandesscKekelkommlssion der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Postscheckkonto: Berlin 8091. Volksbank Iwria, Französische Str. 8. Zum XVII. ZionfsfenkongreB Der Wahlausschuß der Allgemeinen Zionisten Deutschlands übersendet uns mit der Bitte um Veröffentlichung die Kandidatenliste der Allgemeinen Zionisten. Sie lautet: 1. Kurt Blumenfeid - Berlin, 2. Salman Schocken- Berlin. 3. Alfred Klee- Berlin, 4. Elias Auerbach - Berlin, 5. Salli Hirsch- Berlin, 6. Alfred La n d s b e r g- Wiesbaden, 7. Meinhold Nußbaum - Nürnberg, 8. Frau Ra fiel Straus- München, 9. Fritz Löbenstein - Leipzig, 10. E. Altsch ul-Berlin, 11. Egon Rosenberg - Berlin, 12. Erich B u c h h 01 z - Hamburg, 13. Bernhard Hirsch- Hamborn, 14. Moritz B i 1 e s k i - Berlin, 15. Frau Bertha Epstein- Duisbürg, 16. Moses Waldmann - Berlin, 17. Sigmar Ginsbürg- Königsberg._ Der Kampf im Misrachi Am 3. Mai findet ein Delegiertentag des deutsehen Misrachi in Berlin statt. Wie die soeben erschienene Nummer der misrachistischen Monatsschrift ״Zion“ lehrt, wird sich die Tagung vor allem mit innermisrachistischeu Fragen zu beschäftigen haben. Bekanntlich steht der deutsche Misrachi in seiner Mehrheit in schärfster Opposition gegen die Leitung des Weltmisrachi. In einem großen Artikel ״Oppositionelle Einheit tut not“ begründet Edmund Lewy (Berlin) diese oppositionelle Haltung. Er wirft der Leitung des Misrachi in Jerusalem vor, daß sie das Ansehen des Misrachi völlig untergraben habe. Es wäre völlig unbegreiflich, warum sich der Misrachi eine solche Leitung gefallen läßt; die Erklärung dieses Rätsels liegt in der zahlenmäßigen Vormachtstellung des polnischen Misrachi, der völlig unter der Diktatur seines Vorsitzenden Farbstein stellt. Farbstein aber stellt sich schützend vor die ihm nahestehende Jerusalemer Leitung. Der Delegiertentag des deutschen Misrachi habe die Aufgabe, eine Einheitsfront herzustellen, um dadurch der oppositionellen Strömung den stärksten Rückhalt zu geben. — Lazarus Barth, Ex- Mitglied der Zionistischen Exekutive, wendet sich in einem Artikel gegen die Majorität des Misrachi, die eine Opposition gegen die Zionistische Exekutive treibe und den Rücktritt der Misrachi-Vertreter erzwungen habe. Es bestehe ein revisionistischer Flügel des Misrachi: Rabbi Fischmann äußert sich revisionistisch im ״Doar Hajom“, Lewin- Epstein (Warschau) tritt zu einer Zeit, in der wir in Sorge um die Aufbringung der notwendigen Mittel für Keren Hajessod und Misrachi sind, in einem revisionistischen Organ für die Schaffung von Flugzeugen ein, Dr. Nurok (Riga)! überreicht dem Brith Trumpeidor eine Fahne. Das sind drei! A.-C.-Mitglieder des Misrachi! Der Merkas des Misrachi schweigt dazu. Dagegen müsse die misrachistische Opposition Front machen. Disraeli Der 50. Todestag von Disraeli (19. April — ״Primrose day“, Tag der Primeln, nach Disraelis Lieblingsblume benanm) wurde in England feierlich begangen und die meisten Zeitungen widmen dem großen Staatsmann ausführliche Gedenkar.ikel. in der ״Times“ weist Buckle darauf hin, daß Disraeli keinen treueren Nachfolger und Bewunderer gefunden hat als den gegenwärtigen Führer der Konservativen Partei. Ba'.dwin habe während seiner ganzen Karriere für seine politischen Prinzipien Disraeli als Vorbild gewählt und diesen den ״Propheten“ des Konservativismus genannt. Wenn auch die heutigen Probleme Englands andere seien als vor 50 Jahren, so sind doch die Prinzipien, die noch heute bei ihrer Lösung maßgebend sein sollen, niemals leuchtender, kraftvoller und prägnanter ausgesprochen worden als von Disraeli. Aus Disraelis Reden kann man die prophetische Voraussicht dieses Staatsmannes beweisen. Disraeli sah z. B. den Aufstieg neuer überseeischer Mächte voraus und hat durch den Ankauf des Suez-Kanals seine ungeheure Voraussicht bewiesen. Die dichterischen Werke Disraelis werden jetzt in einer neuen deutschen Ausgabe vom Saturn-Verlag in Wien herausgebracht. Soeben erschien daselbst (in deutscher Bearbeitung von Ludwig Goldscheider) unter dem Titel ״Spiegel des Lebens“ der Reiseroman ״Contarini Fleming“, der darum besonders interessant ist, weil er zum großen Teil autobiographisch zu verstehen ist und auch die Wirkung des in der Kindheit erlebten Rassenkonfliktes darstellt. Der Herausgeber hat die autobiographischen Parallelen in dankenswerter Weise in einem Anhang verdeutlicht. Bei dieser Gelegenheit sei auch noch auf die ausgezeichnete neue Disraeli-Biographie des französisch - jüdischen Schriftstellers Andre Maurois hingewiesen, deren deutsche Ausgabe (Verlag S. Fischer) bei ihrem Erscheinen In der ״Jüd. Rundschau“ ausführlich besprochen wurde. Die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland tritt soeben in den dritten Jahrgang. Der nunmehr abgeschlossene zweite Jahrgang brachte an Beiträgen, die in der breiteren Oeffentlichkeit Interesse fanden, die folgenden: ״Die bauliche Entwicklung der Judengassen in deutschen Städten“ von Alexander Pinthus, ״Das Judenproblem im Wandel der Staatsform“ von Selma Stern, ״Zur Geschichte des Rassenantisemitismus in Deutschland“ von Sigmund Feist, ״Kaiser Friedrich II. und die Juden“ (im Anschluß an das hekannte Buch von Ernst Kantorowicz) von Alfred Stern, ״Die Juden im Berliner Wirtschaftsleben zur Zeit des Merkantilismus“ von Hugo Rachel, ״Die Münchener Judenschaft 1750 bis 1861“ von Arthur Cohen. Besprechung der großen Mendelssohn-Ausgabe von Max Freudenthai. Besprechung der bekannten Bücher von Hilaire Belloc und Siegfried Passarge von Raphael Straus. Die reichhaltige Bibliographie wurde von Heinrich Löwe fortgeführt. Vom'neuen Jahrgang an hat Herr Dr. Guido Kisch, Professor der Rechtsgeschichte an der Universität Halle, dankenswerterweise das Besprechungswesen übernommen. Auch dieser Jahrgang wird wichtige Beiträge bringen; viele von ihnen werden über das bloß fachliche Spczialinteresse hinausgreifen und auch den Laien solche Anregungen bringen, die sonst nicht leicht an sie herankommen. Die Fortführung der Zeitschrift ist nach wie vor von der Opferwilligkeit der Interessenten abhängig. Das Jahresabonncment kostet M. 10,—. Diesen Betrag kann trotz der schlimmen Verhältnisse mancher aufwenden, ohne das Opfer zu verspüren. Der Redaktion ist folgende Anregung zugegangen: Abonnenten, die selbst auf den dauernden Besitz der Zeitschrift keinen Wert legen, können die bekannte Not der öffentlichen Bibliotheken und Universitätsseminare dadurch vermindern, daß sie diesen Anstalten die Zeitschrift stiften. Viele Institute wären, wie der Redaktion bekannt ist, dafür sehr dankbar. Zugleich bedeutete die Stiftung ein Mittel zur ״Aufklärung“. Eine solche ist gerade in akademischen Kreisen heute von besonderer Bedeutung. Der Unterzeichnete ist bereit, interessierte Bibliotheken und Institute nachzuweisen, und bittet um Zuschriften. München, Possartstr. 14. Dr. RaphaelStraus Edwin Samuel, der Sohn Herbert Samuels, der Beamter der Palästina-Regierung ist, hat ein Regierungs-Stipendium an einer amerikanischen Universität für 15 Monate erhalten und wird im August die Reise antreten. Er beabsichtigt, ein Buch, über vergleichende Kolonialgeschichte mit besonderer Berücksichtigung Palästinas zu schreiben.