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Jüdische Rundschau · 1931-04-24 · Heft 31 (24.4.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 31 (24.4.1931)
Date
1931-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 194 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. Sl, 24. IV. 1931 wertbeständig und in vielen Fällen sogar sehr gewinnbringend waren, aber nicht jederzeit glatt gestellt werden konnten. Es sei nur auf das Beispiel der russischen Juden, die vor dem Kriege Kapitalien in Böden festgelegt haben, verwiesen. Die Grundlagen für unsere Kolonisation sollen und werden die öffentlichen Fonds (Keren Hajessod und Keren Kajemeth) schaffen, zu ihrer Ergänzung muß aber Privatinitiative in größtem Umfange herangezogen werden. Erst kürzlich hat Dr. Weizmann wieder in Magdlel ausgeführt, daß es unsinnig ist, zwischen den Fonds und der Privatinitiative etwa Gegensätze zu konstruieren. Wenn trotz der Ungunst der Zeiten jeder Zionist auch nur einen Teil seines Vermögens auf einem der erwähnten Gebiete — je nach Neigung — anlegt, muß der Aufbau des Landes ein schnelleres Tempo gewinnen als jetzt. Vor kurzem konnte man in der deutschen Tagespresse lesen, in einer westdeutschen Stadt habe die Stadtverwaltung für ihre Beamten und Angestellten eine Zwangssparkasse eingerichtet, die Gehälter werden dort nicht in voller Höhe ausgezahlt, ein bestimmter Prozentsatz muß bei angemessener Verzinsung bei der Stadt stehen bleiben. Ob dieses Prinzip in Deutschland zum System erhoben werden kann, soll dahingestellt bleiben. W1 r haben jedenfalls nicht einmal die rechtlichen Möglichkeiten, eine solche Zwangssparkasse für den Aufbau Erez-lsraels einzurichten. Es hat sich aber immer noch gezeigt, daß freiwillige Aufbauarbeit eines Volkes, das sein Ziel kennt, ebensolche Früchte tragen kann wie staatlicher Zwang. Der religiöse Status quo In Palästina Jerusalem, 20. April. (J.T.A.) Wie die JTA. erfährt, wird ein Besuch des Erzbischofs von Canterbury an der Klagemauer nicht stattfinden, weil das Londoner Auswärtige Amt, dessen Rat vor der Festsetzung jedes einzelnen Punktes des Reise- und Besuchsprogramms des Erzbischofs eingeholt wird, anscheinend vermeiden will, daß die Frage, ob der Erzbischof an der Klagemauer von Vertretern des jüdischen oderdes mohammedanischen Glaubens empfangen werden soll, aufgeworfen wird. Wie ״Sunday Express“ aus Jerusalem meldet, wurde der Erzbischof von Canterbury durch den Gouverneur von Jerusalem, Major Keith Roach, an der Beantwortung einer an ihn in der Grabeskirche gerichteten Begrüß ungsans prache ge hindert. Der Erzbischof hatte zwar gegen den Einspruch des Gouverneurs protestiert, dieser bestand jedoch mit dem Hinweis darauf, daß durch eine Rede des Erzbischofs der Status quo der den einzelnen christ- Wehen Konfessionen auf die heiligen Stätten zustehenden Rechte verletzt werden würde, auf seiner Entscheidung. Die palästinensische Verwaltnngsreform Eine Besprechung von Vertretern des Jlschuw mit der O’Donnell-Kontmlsslon. Jerusalem, 19. April. (J.T.A.) Eine jüdische Deputation, bestehend aus den Mitgliedern der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Colonel Kisch und Dr. Werner Senator, sowie aus den Vertretern des Waad Leumi, Ben Zwi, Katzeneison und Eimaleh, hat am 18. April in Jerusalem eine änderthalbstündige Besprechung mit den Mitgliedern der O’Don* neil-Komtnission gepflogen. Im Verlauf dieser Besprechung, die in erster Reihe der Behandlung der von jüdischer Seite vorgebrachten Beschwerden gegen dieMißwirtschaft in den Gemeindeverwaltungen und die Art der Be- Steuerung, durch die den Juden die Hauptsteuerlast aufgebürdet wird, gewidmet war, wurde, wie die JTA. erfährt, u. a. auch das Problem der Palästina-Verwaltung, insbesondere die Frage der Ersetzung britischer Beamter durch Palästinenser, erörtert. — Es verlautet, daß die O’Donnell-Kommission demnächst eine jüdische Sonderdelegation zur Beratung der Probleme von Handel und Industrie in Palästina empfangen wird. Die Kommission, die bekanntlich vor allem die Möglichkeit von Ersparnissen prüfen soll, hatte auch bereits Besprechungen mit den Arabern, die darlegten, die infolge der Politik des Jüdischen Nationalheims erforderliche Sondertätigkeit der Regierung verschlinge am meisten Gelder, die durch Aenderung der Politik erspart werden könnten. Palästina anl der Pariser Kolonial-1 Ausstellung Jerusalem, 20. April. (J.T.A.) Die Vorbereitungen für die Beteiligung des jüdischen Jischuw an der Pariser Kolonialausstellung liegen in den Händen eines Komitees, dem die Herren Dizengoff (Vorsitzender), Hoofien, Telkowsky, Schenkar, Smiiansky, Rosow, Meriminsky, Markus, Echtmann, Thischby und ein Vertreter der Gesellschaft ״Mis’char W'Taassijah“ angehören. Der palästinensische Pavillon der Ausstellung umfaßt drei Säle von je 100 qm. Der erste Saal zeigt eine Parallele zwischen dem Palästina vor zehn Jahren und dem von heute und enthält neun Ausstellungsstände, in denen die industrielle und landwirtschaftliche Produktion, das Erziehungs- und Gesundheitswesen, Tel-Awiw, Ausbeutung des Toten Meeres, Elektrifizierung, Eisenbahn, Jerusalem und Haifa in Diagrammen, Lichtbildern und anderen modernen Ausstellungsmethoden dargestellt werden. Der zweite Saal enthält Ausstellungsstände der palästinensischen Fabriken und sonstiger industrielle Arbeit leistender Unternehmungen. Der dritte Saal ist der landwirtschaftlichen Produktion gewidmet. Hier zeigt die Jewish Agency zusammen mit Keren Hajessod und Keren Kajemeth eine große Karte Palästinas vor der jüdischen Kolonl• sation, wo durch Beleuchtungseffekte zum Vergleich die heutige Lage dargestellt werden kann. Metallreliefs zeigen die Entwickhing von Industrie, Landwirtschaft, Erziehungs- und Gesundheitswesen. Auch die Pica, die Tenuva, die landwirtschaftliche Versuchsstation der Jewish Agency, die Orangenpflanzer haben interessante Ausstellungsobjekte für diesen Saal geschickt. Kleine Nachrichten In dem Dorfe Sassa bei Safed wurde der Araber Ali Sassami verhaftet, der unter dem Verdacht steht, an dem Ueberfall bei Jadschur teilgenommen zu haben. Wie in einem offiziellen Communique mitgeteilt wird, kam es am 16. April auf dem in jüdischem Besitz befindlichen Teil des Wadi Havarith-Gebietes zu einem Zusammenstoß zwischen arabischen Hirten und jüdischen Wächtern, wobei ein Araber und ein Jude leicht verletzt wurden. In den östlichen Gebieten Transjordaniens sind Schwärme fliegender Heuschrecken aufgetreten. Es besteht die Gefahr, daß auch Teile Palästinas von der Heuschreckenplage heimgesucht werden. Das Landwirtschaftsdepartement der Palästina-Regierung fordert die Pflanzungsbesitzer auf, besondere Vorsichtsmaßnahmen gegen das Vordringen von Heuschreckenschwärmen zu treffen. Die bedrohten Gebiete sollen durch Rauchschwaden abgeriegelt werden. Der Schaden, der bei dem Großfeuer in Tel-Awiw durch die Vernichtung von 43 Autobussen angcricbtet wurde, beträgt etwa 16000 Pfund, wovon nur der vierte Teil versichert war. C-V. und polnische Judenfrage Die C.-V.-Zeltung nimmt in ihrer Nummer vom 10. April nochmals zur Frage der nationalen Mlnderheitenpolltlk in Polen Stellung. Bekanntlich hat die C.-V.-Zeitung, nachdem sie zuerst den deutschen Minderheiten in Polen anläßlich ihres Kampfes gegen den polnischen Terror ihren deutschen Gruß entboten hatte, kurz darauf ihrer Freude über den durch denselben Terror bewirkten Wahlrückgang der jüdischen Minderheit Ausdruck gegeben. Von zionistischer Seite wurde diese eigenartige Inkonsequenz auf gedeckt. Die ״Jüdische Rundschau״ hat in ihrer Nummer vom 12. Dezember 1930 sieh ausführlich mit der Haltung des C.-V. zur polnischen Judenfrage beschäftigt und darauf hingewiesen, wie die Psychologie der Assimilation sich bei der Beurteilung politischer Probleme auswirke, weil es den jüdischen Beurteilen! offenbar unmöglich ist, die Dinge auch nur unbefangen zu sehen. Ihr Interesse an einer Vertuschung der jüdischen Eigenart hindert sie, Im Falle jüdischer Probleme dieselbe Gerechtigkeit anzuwenden, die sie sonst in analogen Fällen zweifellos zu finden wüßten. Etwas verspätet kommt nun die ״C.-V.-Zeitung“ auf diese Sache zurück und läßt zwei Gewährsmänner aus Polen, die leider für den C.-V. offenbar kompetente Sachverständige darstellen, zu Wort kommen, nämlich Rabbiner Horowitz aus Rzeszow (Agudah) und den Journalisten Dr. Fritz S elfter, der sich in der letzten Zeit bemüht, die Heilslehre des jüdischreligiösen Liberalismus nach Polen zu verpflanzen, seitdem seine Heimatsstadt Bielitz zu Polen gehört und er dementsprechend zwischen polnischem Patriotismus und deutschem Nationalgefühl hin und her schwankt Herr Horowitz versucht in seinem Artikel zu beweisen, daß nur die agudistische Politik den polnischen Juden zum Segen gereiche, da nur ein Einschmeicheln bei der Regierung Besserung der Lage der Juden bewirken könne. Mit dieser Auffassung, die einen Atavismus darstellt, soll hier nicht gerechtet werden. Wir haben bereits öfter Gelegenheit gehabt, bei der Besprechung der Verhältnisse in Polen uns ausführlich mit der Agudah-Politik zu befassen und werden dazu demnächst wieder Gelegenheit haben. Geradezu grotesk wirkt das Loblied, das Herr Selfter der Agudah singt. Die Agudah bietet der Regierung ein Instrument, um eine jüdische Gruppe gegen die andere auszuspielen, und als Dank dafür empfängt sie die Freiheit, die jüdischen Gemeinden zu Bollwerken der schwärzesten Reaktion und des Klerikalismus zu machen. Derselbe Seifter, der den jüdischen Liberalismus in Polen einführen will, ist begeistert von diesen Taten der Agudah nur aus dem Grunde, weil dies in der Polemik gegen den Zionismus heute bequem ist. Es ist überaus schwierig, sich mit dieser charaktervollen Art der Polemik zu befassen. Der Zionismus hat niemals geleugnet, daß die Juden in gewisser Beziehung ihre Stellung wenigstens für gewisse Zeit ״erleichtern“ können, wenn sie sich von diesen oder jenen Machtliabern als willfährige Werkzeuge benutzen lassen. CH« Emanzipation der jüdischen Politik, die durch den Zionismus im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bewirkt wurde, beruhte nicht auf Opportunismus und Utilitarismus, sondern auf einem Erwachen des Gefühls für jüdische Würde. Der servile ״Moschko״-Typus, der damals in Galizien vorherrschend war, wurde durch einen neuen Typus Jude abgelöst. Dies scheint uns für die Entwicklung des modernen jüdischen Bewußtseins von entscheidender und umwälzender Bedeut u n g zu sein und ist nicht zu widerlegen durch den Hinweis, daß es doch für die Moschkos ,viel besser war, ihre Stimme bei den Wahlen für 10 oder 20 Kronen an den polnischen Schlachzizen zu verkaufen, als sich im Kampf um jüdische Rechte blutige Köpfe zu holen. Es ist aber verständlich, daß Herr Dr, Fritz Seifter für diese Betrachtungsweise kein Verständnis hat Der C.-V. zieht sich aus der Affäre, indem er behauptet, es gebe ״keine einheitliche jüdische Minderheit“ in Polen. Den Widerspruch in seiner Beurteilung der deutschen und der jüdi sehen Minderheitenpolitik will er dadurch lösen, daß er sagt, es gäbe keine ״einheitliche deutsch-jüdische Betrachtungsweise dieses komplexen außenpolitischen Tatbestandes“. Damit wird DER XwIBa Wie bei den letzten Kongressen wird auch dieses Mal wieder ein vollständiger Verhandlung! - Bericht in der offiziellen Kongreß - lei tu ns erscheinen. Wir legen den größten Wert darauf, daß möglichst alle Leser der ״Jüdischen Rundschau“ die Kongreßzeitung bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Kongreß teilnehmen können, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Wir werden demnächst eine direkte Abonnementsaufforderung an alle unsere Abonnenten richten und die Einziehung der Bezugsgebühren in Höhe von RM. 3,25 für die vorgesehenen 12 Kongreß-Nummern durch Nachnahme ankündigen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß unserer Abonnementseinladung Folge geleistet werden wird und bitten unsere Leser, uns darüber hinaus in den ihnen nahestehenden Kreisen bei der Propagierung der Kongreßzeitung zu unterstützen und uns Abonnements aufzugeben. Ferner werden folgende Publikationen des Kon* gresses erscheinen: Berichte der Exekutive, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth an den Kongreß (in hebräischer, deutscher und englischer Sprache), kurz nach dem Kongreß das stenographische Protokoll des Kongresses und der Tagung des Councils der Jewish Agency (in deutscher Sprache). Ein Generalabonnement auf die Kongreß-Zeitung und die obigen Publikationen kostet zusammen 13,80 M. (statt 17,— M. bei Einzelbezug) und Ist ebenfalls direkt bei unserer Expedition zu bestellen. VERLAß ״JÜDISCHE RUNDSCHAU“ BKR&.IN VMS, Halnek«»traS« 10 Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. das Problem mir verschwommen. In Fragen wie die Minderheiteapolitik sollte es weder eine deutsche, noch eine deutschjüdische, noch eine jüdische Betrachtungsweise geben, sondern nur einen Standpunkt der Gerechtigkeit Wenn man meint, daß eine Minderheit das Recht hat, die Berücksichtigung ihrer nationalen Eigenart auch in einem von der Mehrheitsnation beherrschten Staate zu fordern, dann muß dieses Recht für alle gelten, sogar unabhängig davon, ob eine bestimmte Art der Minderheitenpolitik von sämtlichen Teilen der betreffenden Nationalität gebilligt wird oder nicht. Auch wenn nur ein Teil der polnischen Juden, die ihnen übrigens Völkerrechtlieh zugesitfierten Minderheitsrechte in Anspruch nimmt, so ist dies ein Verlangen, das von jedem Außenstehenden respektiert werden sollte, geschweige denn von jedem Juden. Man kann nicht mit zweierlei Maß messen, dem Pilsudski-Rcglme das Recht zur Unterdrückung der jüdischen Minderheit geben und das Recht zur Unterdrückung der deutschen Minderheit bestreiten. Ein solcher Standpunkt liefert nur den Beweis, daß der Beurteiler sich nicht von objektiven Gesichtspunkten leiten läßt, sondern sich zunächst fragt, welche Stellungnahme für ihn selbst die vorteilhaftere ist. Es Ist ein Opportunismus unedler Art, dem wir hier begegnen, selbst wenn den G-V.- Leuten, die diese Stellung einnehmen, das natürlich nicht zum klaren Bewußtsein kommt. Instinktiv und unwillkürlich lassen sich die Schreiber der ״C.-V.-Zeitung“ ihre Stellung von der Erwägung diktieren, ob sie auf die deutsche Oeffentlichkeit oder deutsch-jüdische Oeffentlichkeit den gewünschten Eindruck machen wird: also möglichst deutsch-patriotisch und möglichst anti-nationaljüdisch. Hiermit ist aber den Schreibern bereits die Fähigkeit zu einem tieferen Urteil genommen, und die letzten Publikationen der ״G-V.-Zeitung“, die diese Behauptung widerlegen sollen, bringen nur einen stärkeren und vollgültigeren Beweis für dieselbe Sache. Pressesdimi Die Nachfolge Weizmann* Die hebräische Wochenschrift ״H a o 1 a m“, das offizielle Organ der Zionistischen Organisation, befaßt sich im Leitartikel ihrer letzten Nummer mit der Frage des Wechsels In der zionistischen Leitung. Dr. Weizmann, schreibt das Blatt, würde es bedauern, wenn der Kongreß ohne einen vorbereiteten Plan einer Lösung der Frage des Präsidiums der nächsten Exekutive der Zionistischen Organisation zusammentreten sollte. Weizmanns wiederholt abgegebene bestimmte Erklärung, daß die neuerliche Uebemahme des Amtes eines Präsidenten der Zionistischen Organisation durch ihn nicht in Betracht gezogen werden könne, mache die Frage des Präsidiums der Zionistischen Organisation zum brennendsten Problem, das dem Kongreß gestellt sein wird. Daher sei es wichtig, daß die Vertreter der Zionisten nicht wie gewöhnlich ohne Plan zusammentreten in der Hoffnung, daß die Ahgeiegenheit auf dem Kongreß selbst durch irgendeine Flickarbeit erledigt werden würde, sondern daß schon vorher eine Lösung vorbereitet werde. Ohne Namen von Kandidaten z!1 nennen, läßt sich ״Haolam“ in Betrachtungen über die Führerfrage ein, wobei aas Blatt den Standpunkt einnimmt, daß eine Lösung nicht unmöglich ist, wenn eine Koalitionsexekutive, in der die bedeutendsten zionistischen Parteien durch ihre hervorragendsten Führer vertreten sind, zustandekommt, ln diesem Falle würde sich die auf dem Präsidenten persönlich ruhende Last vermindern und es könnte zweifellos unter den ältesten und erfahrensten Zionisten ein geeigneter Kandidat zur Uebemahme des Präsidiums gefunden werden, ohne daß sich die Notwendigkeit von ״Revolutionen“ und eines Sprungs ins Unbekannte ergibt. * ״Manchester Guardian“ widmet dem Besuche Dr. Weizmanns in Manchester einen Leitartikel, in dem darauf hingewiesen wird, daß diejenigen, die in Palästina gelebt und gearbeitet haben, der Ueberzeugung sind, daß das Land dank den Möglichkeiten intensiver Kultur reichlich Raum für die Ausdehnung der jüdischen Siedlung ohne Schädigung arabischer Interessen bietet. Unglücklicherweise hätten Sachverständige der Regierung, die in der letzten Zeit zu kurzem Aufenthalt nach Palästina gekommen waren, eine abweichende Meinung geäußert und Lord Passfield zu ihrem Standpunkt bekehrt Daraufhin wurde die im Weißbuch vorgezeichnete Regierungspolitik angebahnt, die auf eine Verlangsamung der Durchführung des jüdischen Aufbauplans abzielte, eine Verlangsamung, von der Dr. Weizmann behauptete, daß sie einer Einstellung gleichkäme. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, heißt es in dem Artikel weiter, daß die Regierung nur zögernd angesichts ihr unwiderleglich erscheinender Argumente zu ihren Entschlüssen kam. Ministerpräsident MacDonald und seine Kollegen hatten nicht den Wunsch, der Errichtung des Jüdischen Nationalheims Einhalt zu tun, sie glaubten aber, daß die wirfschädlichen Verhältnisse in Palästina es erfordern, daß die Aufbauarbeit in einem bescheideneren Umfang, als ihn die Zionisten erhofft hatten, vor sich gehe. Sie feilten d'.e jüdischen Ansichten in jeder Beziehung mit Ausnahme der Beurteilung der Größe des für den Aufbau zur Verfügung stehenden Bodenausmaßes; dies ist jedoch keine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit, sondern eine Differenz bezüglich feststellbarer Tatsachen. Die Regierung mag unrichtig informiert gewesen sein und der da־! Weißbuch interpretierende Brief MacDonalds an Dr. Weizmann zeigt, daß sie einsieht, tatsächlich falsch informiert gewesen zu sein. Auf alle Fälle scheint die Regierung nunmehr positivere Anschauungen bezüglich der Möglichkeiten der jüdischen Kolonisation zu hegen. Dr. Weizmann hat gestern abend der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Zionismus nunmehr am Ende jener schwierigen Epoche stehe, die vom Weißbuch und den Unruhen des Jahres 1929 ihren Ausgang genommen hat. Wir wollen hoffen, daß er damit im Rechte ist. * Die amerikanische Monatsschrift ״Current Historv“ bringt in ihrer Aprilnummer außer dem Text des MacDonald- Briefes an Weizmann einen Aufsatz des englischen Regierungs־ experten Claude F. Strickland über den ״Kampf um Land in Palästina“, worin der Verf. im Sinne seines Berichtes an die englische Regierung die beiden Hauptpunkte einer konstruktiven Palästina-Politik darstellt: nämlich einerseits die notwendige Reform der arabischen Landwirtschaft durch Errichtung geeigneter Kreditorganisationen (Raiffeisenkassen usw ) und Verbesserung der Anbaumethoden, andererseits energische Untersuchung des Bewässerungsproblemes. Solange nicht, bcsonders im Süden, zwischen Bersheba und der ägyptischen Grenze, Bohrungen bis zu mehreren tausend Fuß Tiefe hinab gemacht worden seien, sei das Bodenproblem in Palästina eigentüch noch gar nicht ernsthaft in Angriff genommen! Wenn es In dieser Gegend, wo 2 Millionen acres brach lägen, gelänge, mit artesischen Brunnen Wasser zu schaffen, so sei die Bodenfrage für mindestens eine Generation gelöst!

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