Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 30 (21.4.1931)
- Date
- 1931-04-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30, 21. IV. 1031 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 180 Presseschau Im ״Dortmunder General-Anzeiger" veröffentlicht der auf einer Palästinareise befindliche Freiherr von Schoenaich einen Artikel ״Jüdischer und arabischer Nation a 1 i s m u s“, worin er zu folgenden Schlüssen kommt: ״• Wer sich darüber klar ist, daß es weder den Arabern gelingen wird, durch Pogrome die Juden aus dem Lande zu treiben, noch den Juden, die absolute Mehrheit im Lande zu bekommen, der kann nur zu dem Ergebnis kommen, daß die gütliche Einigung zwischen Juden und Arab e r n eine Lebensfrage für beide ist. Ich persönlich halte das in der ganzen Welt deutlich erkennbare Anwachsen des Nationalismus für einen Widersinn und eine vorübergehende Verirrung. Wirtschaft und Verkehr rücken die Interessen der Völker immer näher aneinander und die nationalistischen Gehirne wollen immer neue Barrieren dazwischen errichten. Wer täglich beobachtet, wie die wirtschaftlichen Interessen der Juden und Araber in diesem kleinen Lande ineinander laufen, der muß hoffen, daß auch diese zurzeit unüberbrückbar erscheinenden Gegensätze durch die Wirtschaft endlich doch überbnkkt werden_ können. Ich glaube, daß Palästina gerade ein Schulbei spiel werden kann, für alle Länder mit stark gemischter Bevölkerung. Nach jenen bedauerlichen Pogromen hat ein kluger Araber wörtlich folgendes gesagt: ,Ich schäme mich meiner Landsleute, weil sie sich als schlechte Moslems gezeigt haben. Der Prophet hat uns befohlen, den Nachbarn zu helfen.‘ Und ebenso widerspricht der Nationalismus, der sich heute unter den palästinensischen Juden breit macht, durchaus der mosaischen Ethik. Aber auf der anderen Seite weiß ich, daß die Welt nicht immer nach sittliehen Regeln regiert wird.“ * ״Die Chronik der Menschhe it“, eine in Sehweidnitz (Schlesien) erscheinende pazifistische Wochenschrift, brachte vor einiger Zeit einen Abschnitt aus dem Buche ״Kampf um Suez“ des Schweizer Sozialdemokraten Ernst Reinhard (Verlag Kaden & Co., Dresden; unter der Ueberschrift ״Der Zionismus als nationale Angelegenheit und als soziale Bewegung“. Reinhard nimmt in diesem Kapitel eine antizionistische Stellung ein, die er sowohl mit politischen Argumenten, als auch mit seiner Beurteilung der Lage der Juden im Golm begründet. Auf diesen Artikel hat nun die ״Chronik der Menschheit“ eine Reihe von Erwiderungen erhalten und abgedruckt, und zwar einen Aufsatz von Dr. Hugo Schachtel und einen von Bertram Stern. Beide Einsender widerlegen unschwer und überzeugend eine Reihe von Reinhards Behauptungen. Insbesondere weisen die beiden Artikel jeder in seiner Art darauf hin, daß Reinhards Auffassung, nach Erteilung der Gleichberechtigung an die Juden auch in Rußland sei der Zionismus überflüssig eworden, auf einer ganz oberflächlichen Beurteilung der Lage eruht und daß die Verhältnisse der Juden in den meisten Staaten Osteuropas noch immer den spezifischen Charakter der Judennot in sich tragen. Wenn Reinhard schreibt, daß in Palästina jüdische Bankiers das dort lebende Proletariat ausbeuten, so beweise er, daß er keine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen hat. Im Gegenteil, führt Herr Schachtel ans, gebe gerade das jüdische Bürgertum in großem Maße die Mittel für die sozialistisch gerichtete Aufbautätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft. Andererseits sei die Gegnerschaft der arabischen Großgrundbesitzer gegen den Zionismus darauf zuriiekzuführen, daß sie den sozialen Fortschritt fürchten. Herr Stern weist darauf hin, daß der Zionismus tiefere seelische Grundlagen hat als die aktuell politischen. Es handelt sich um die Erhaltung eines uralten großen Kulturvolkes. Die Juden werden, wenn sie die Majorität in Palästina haben, der Welt zelgejj. wie eine Majorität eine Minorität behandeln muß. Palästlnafragen im Unterhans London, 16. April. (J.T. A.) Im Unterhause fragte der Abgeordnete Colonel Howard Bury den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, ob er eine Erklärung über die gegenwärtige Lage in Palästina und über den arabisehen Boykott abgeben könne. Dr. Shiels erwiderte: Die Lage hat sich seit Ihrer vor etwa drei Wochen an mich gerichteten gleichen Frage nicht wesentlich verändert. Ich freue mich, erklären zu können, daß, abgesehen von dem vereinzelten unglücklichen Zwischenfall in der Nähe von Haifa, die Ostertage, eine in Palästina Immer gefährliche Zeit, ruhig vorübergegangen sind. Bezüglich des zweiten Teiles der Frage bin ich nicht in der Lage, meiner früheren Antwort etwas hinzuzufügen. Ist es Herrn Dr. Shiels bekannt, fragte Colonel Howard Bury weiter, daß die Spannung in Palästina besonders seit dem Brief des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann den höchst in öglichenGrad erreicht hat, und welche Schritte gedenkt er zu unternehmen, um die notwendige Kooperation zwischen den beiden Gemeinschaften zustande zu bringen. Dr. Shiels erwiderte: Wir unternehmen dauernd alle notwendigen Schritte im Hinblick auf das Zustandekommen dieser wünschenswerten Kooperation. Das Mitglied der Labour Party, J. J. McShane, fragte, ob es nicht möglich sei, die beiden Parteien zu einer gemeinsamen Besprechung zu bewegen und ein freundschaftliches Uebereinkommen zustande zu bringen. Dr. Shiels erwiderte, die Regierung habe dies stets im Auge und werde sich freuen, eine solche Konferenz zu arrangieren, sobald dies möglieh sein werde. Das Feaer ln Tel-Awiw Das Feuer in Tel-Awiw, dem 43 Autobusse zum Opfer gefallen sind (s. ״Jüdische Rundschau" vom 14. April) ist bisher nicht aufgeklärt worden. Man vermutet, daß Chauffeure, deren Geschäft unter der Konkurrenz der Autobusse leidet, vielleicht das Feuer gelegt haben. Die verbrannte Garage befindet sich in der Nachbarschaft des Hauses der Arbeiterorganisation, wo auch die Druckerei und Redaktion des ״Dawar“ untergebracht sind. Das Haus wurde in großer Eile geräumt, wobei das Archiv und die Papiere in große Unordnung gerieten. Doch ist nichts abhanden gekommen, und das Haus der Hisfadruth wurde vom Feuer verschont. Inzwischen hat die den Aufobusverkehr betreibende Kooperative eine Reihe von Fahrzeugen beschafft und einen Notverkehr in Tel-Awiw aufgenommen. Die DizeogoS-Feier Als Abschluß der Feierlichkeiten zu Ehren des 70. Geburtstages von Dizengoff wurde im Hause Ohel Schern in Tel-Awiw ein großer Tee veranstaltet, wobei David Yellin den Vorsitz führte. Namens der Exekutive der Jewish Agency sprach Dr. Werner Senator, namejis des Keren Hajessod Leib Jaffa. Unter den zahlreichen anderen Rednern waren: E. Benigne, Suprasky, Dr. S. Rosenbaum, Dr. Glückson, Itamar Ben Awi, Dr. Mossinson, Jewseroff (von ״Mißchar- \ve'aa(־ljah“t, Schuchowitzki (Magdiel), Kitzis (HistadruthV Meiersohn (Chederah), Meierowicz (Rischon le Zicn), Der lelz'e Redner war Ussischkin, der in einer halbstündigen Rede die ganze Epoche zionistischer Entwicklung, die das Leben Dlzengoffs umfaßt und die Ussischkin miterlebt hat, vor den Ver• M-ScM-lMen Kongreß: 29. Juni, Basel. Wahlen: in Deutschland 7. Juni. Schekel: Schlußtermin zur Berechnung der Mandate 4. Mal. Schekallm, die bis zu diesem Tage nicht eingegangen sind, werden keinesfalls mehr für die Mandatszahl angerechnet. Die Schekelsammlung muß an allen Orten unverzüglich auf alle diejenigen erstreckt werden, die bisher noch nicht erfaßt worden sind! Wahlorte sind nur die Städte, die für das Jahr 5691 mindestens fünf Schekel von wahlberechtigten Zionisten abge- Helert haben! Die neue Schekelarbeit muß sofort mit dem Endziel begönnen werden, ein zehntes Kongreß-Mandat zu sichern! Arbeitet für den Erfolg des Schekels! Die LandesscheHel-Hommlssion der Zionistischen Vereinigung tor Deutschfand sammelten darstellte. Zum Schluß antwortete Dizengoff, der darauf hin wies, daß das Wachstum Tel-Awiws dem Prinzip zu danken ist, sich von Philanthropie ebenso fernzuhalten, wie von Politik und sich vor allem der praktischen Arbeit hinzugeben. Frage und Antwort Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Kube hatte im Februar d. J. in einer kleinen Anfrage an das Preußische Staatsministerium behauptet, daß im Magdalenen-Gymnasium zu Breslau seit Oktober 1930 ein Studienreferendar Collak den Geschichtsunterricht erteilt, der es für geschmackvoll hält, sich der Obertertia als Posener Jude vorzustellen und darauf hinzuweisen, daß er kein gaüziseher Jude sei. — Ich frage das Staatsminisferium: 1. Billigt es diese Erklärung des Studienreferendars Coliak? 2. Hält es das Staatsministerium für richtig, deutschen Geschichtsunterricht von einem Mann erteilen zu lassen, der den Schülern gegenüber seine nichtdeutsche Abstammung im zionistischen Sinne betont? Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Dr. Grimme, erteilte am 15. d. M. Herrn Kube zu dieser Anfrage die folgende Antwort: ״Es ist nicht xichtig, daß der Studienreferendar Collak am Magdalenen-Gymnasium in Breslau den Schülern gegenüber im zionistischen Sinne sich als nichtdeutsclier Abstammung bezeichnet hat. Er gehört einer Posener Flüchtlingsfamilie an, die für das Deutschtum Opfer gebracht hat.“ Daß sich der Kultusminister — wie es auch sonst üblich ist — in seiner Beantwortung dieser Interpellation des Wortlautes der Anfrage bediente, dürfte auf eine bürokrat-sche Unachtsamkeit zurückzuführen sein. Wir können nicht annehmen, daß Minister Grimme, der erst vor kurzem dem Ehrenausschuß des Deutschen Komitees Pro Palästina beigetreten ist, sich die in der Anfrage enthaltene antizionlsfische Stellungnahme zu eigen machen wollte. Es wäre jedoch zu wünschen, daß eine Aufklärung dieser Angelegenheit seitens des Ministers erfolgt, um eine unfaire Auslegung des Wortlautes der von ihm erteilten Antwort von irgendeiner daran interessierten Seite zu verhüten. Aus den Gemeinden . Gegner des Hebräischen. Aus Beuthen (O.-S.) wird uns berichtet:. In der Re- Präsentantenversammlung vom 31. März stand als einziger Punkt au! der Tagesordnung der von der Jüdischen Volkspartei gestellte Initiativantrag: Reorganisation der hebräischen Unterrichtsanstalt und Anstellung eines hebräischen Lehrers. Der Sprecher der Antragsteller, Herr Dr. Frankel, führte in seiner Begründung aus, daß das Lehrziel der Anstalt nicht weit genug gesteckt sei, und mit den vorhandenen Lehrkräften der von einer Kommission ausgearbeitete und allseitig ebilügte neue Lehrplan nicht durchgefü'irt werden könne. An er Anstalt seien nämlich• nur geborgte Lehrkräfte der Jüdischen Volksschule beschäftigt, die nach dem anstrengenden \£ormittagsunterrichte weder das Interesse, noch die Kraft aufbrachten, der recht beträchtlichen Schülerzahl (zirka dreihundert) die notwendigen Kenntnisse zu vermitteln. In Klassen von zirka 60 Schülern bei nur vier Wochenstunden seien Fortshritfe nicht zu erwarten, und es könne nur durch Teilung der Klassen und Anstellung eines hauptamtlich beschäftigten Lehrers das Uebel an der Wurzel beseitigt werden. Die C.-V.-Fraktion ließ ihren politischen Führer, Herrn Justizrat Dr. Skalier, gegen den Antrag sprechen mit der Begründung, daß die Aufgabe einer Gemeinaeschule nur die Vermittlung von Elementarkenntnissen sein könne. Man hätte erwarten dürfen, daß wenigstens die orthodoxen Mi'glieder der C.-V.-Gruppe sich diesen Standpunkt nicht zu eigen machen würden, zumal beide Gemeinderabbiner die Reorganisation der Religionsschule entsprechend dem Anträge der Jüdischen Vo kspartei im Interesse der Erhaltung der Tradition der Beuthener Gemeinde für unbedingt notwendig erklärt hatten. Aber weit gefehlt! Die beiden Stimmen der Orthodoxie in der C.-V.- Fraktion (Foerder und Löwenstamm), verhalfen den Gegnern hebräischer Bildung zu einem Siege mit eit zu acht Stimmen. — Um Stimmung gegen den Initiativantrag zu machen, hatte man bereits vorgearbeitet und am Tage vor der Reprisentantensitzung einen Vorstandsbeschluß herbeigeführt, durch welchen mit einer Stimme Majorität, nämlich der Stimme des C.-V.-Orthodoxen Emanuel Pinczower, der Reorganisationsvorschlag der Volkspartei abgelehnt wurde. Mit solcher Macht- Politik glaubt der C.-V. in unserer Gemeinde jüdische Kulturtragen entscheiden zu können! Die Debatte war durch gehässige Bemerkungen, welche gegen das jüdische Wissen überhaupt gerichtet waren, gekennzeichnet. Ahaus 1. Westf. Auf Anregung des Bezirksrabbinates Borken i. W. ist hier ein Kursus zur Ausbildung von Laienkantoren eingerichtet worden, der unter der Leitung des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Köhler aus Borken i. W. und der Lehrer B. Saffra aus Gemen und B. Locker aus Borken stattiindet. Durch diesen Kursus sollen befähigte Mitglieder der Kleingemeinden innerhalb des Bezirkes in der Ausübung des Gottesdienstes ausgebildet werden, damit das jüdische Leben der kleineren Gemeinden einen neuen Aufschwung erhält. Die Ausbildung erfolgt sowohl theoretisch wie auch praktisch. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden in Berlin hat diesen Kursus wohlwollend unterstützt. Ortsgruppen Beuthen, O.-S. Im Rahmen der Veranstaltungen für den Werbe m o n a t fand als zweiter Vortrag am Montag, dem!3. April, in Beuthen, in den Räumen der Mamreh-Loge eine Werbeveranstaltung statt, in weicher Herr Dr. Landauer (Berlin) über das Thema: ״Moskau—Rom—-Jerusalem“ referierte. Der Redner gab in seinen fesselnden Ausführungen einen klaren Ueberblick über die mannigfachen Probleme, mit welchen die jüdische Aufbaupolitik, sowie damit zusammenbängend die Judenfrage an sich mit den Problemen der Weltpolitik, verkettet ist. Ausgehend von unserem spezieilen Verhältnis zu der Mandatarmacht, kam er über die'sich ergebende Entwicklungslinie in der Politik derselben zum Scnluß auf den Aufbau unserer Position im Lande selbst zu sprechen, derwerden muß, weil er einem realen Bedürfnis entspricht, und daher auch werden wird. Im Anschluß an die mit gespannter Aufmerksamkeit von der zahlreichen Zuhörerchaft aufgenommenen Ausführungen richtete der 2. Vorsitzende der Ortsgruppe alsdann einen Appell an die Anwesenden, soweit dies noch nicht der Fall sei, sich unseren Reihen anzuschließen. Emden. Vom 13. bis 15. März war Herr Dr. Mecklenbürg in Emden zur Rfrksprache mit der hiesigen Ortsgruppe über zionistische Tage-fracen sowie zu einem Vortrag im hiesigen Jugendbund: ..Der Sinn des Zionismus“. In der Sitzung der Ortsgruppe am 14. März gab Herr Dr. M. eine liebersicht über die politische Lage sowie eine Gliederung der innerzionistischen Richtungen. Am 15. sprach Dr. M. in dem neutralen Jugendbund. Er ging von dem Antisemitismus, der spezifischen Wirtschaftslage der Juden und der Einwirkung des Antisemitismus auf die Psvche des Juden aus. Die historische Entwicklung seit der Emanzmation habe belferen, daß restlose Assimilation, Aufgabe der letzten Reste eigenen Volkstums, Konfessionalisierung des Judentums keinen Schutz gegen den Antisemitismus bieten. Schließlich schFderte der Referent die gegenwärtige politische Lage, fn der Aussprache wurden die bekannten Ein wände erhoben, die vom Referenten in seinem Schlußwort widerlegt wurden. Frankfurt a. M. In der Zionistischen Vereinigung sprach anfangs März Dr. Naehum Ooldmann, Berlin, über ״Die Verhandlungen mit der en1״ischcn Regierung“, wobei er die Bedeutung des MacDonald-Briefes sachlich abschätzte. Pro und Kontra der Stellungnahme kamen in der Diskussion zum Ausdruck. — An einem Disku«sionsabcnd der Zionistischen Arbeitsgemeinschaft referierte Herr Kurt Löwenstein über den Problemkreis, der sich aus der Fragestellung ״Wie alle Völker?“ ergibt. Während der Referent geneigt war, die Frag- Würdigkeit anzuerkennen, trat in bemerkenswerten Ausführtingen besonders Dr. Hans Pomeranz seiner Auffassung entgegen. Die Aussnrache spitzte sich insbesondere auf das Problem der ״jüdischen Sendung“ zu. — Der Vorteil gründlicher politisch-zionistischer Schulung kam in einem in der gleichen Gemeinschaft gehaltenen Referat von Herrn lakob Herzberg zum Ausdruck, das vom ״Politischen Zionismus“ handelte. Durch klare Analyse der Bedeutung Herzls, Achad Haams u. a. gelang es dem Vortragenden, auch die Grundprinzipien des politischen Zionismus unserer Zeit anschaulich herauszuarbeiten. Für die Klärung der zionistischen Ideologie, die von Zeit zu Zeit immer notwendig erscheint, war dieser Vortrag sehr bedeutsam. — Am 5. März fand in der Zionistischen Arbeitegemeinschaft eine Versammlung statt mit einer Aussprache über das Thema ״Der Zionismus in Frankfurt — wie er ist und wie er sein soll“. In Referaten und Debatten wurde die Arbeit des Vorstandes der Zionistischen Ortsgruppe scharf kritisiert, besonders auch wegen seiner Vernachlässigung der Jugendarbeit und seiner Passivität den revisionistischen Auswüchsen gegenüber. — In dem gleichen Gremium legte am 26. März Ernst Kahn seine Gedanken über das akute Problem ״Bevölkerungsbewegung und Gemeindepolitik“ dar. Die fachmännischen Untersuchungen von Herrn Kahn über die jüdische Bevölkerungsentwicklung wurden in Beziehung gesetzt zu den Aufgaben, die der jüdischen Gemeinde aus den bekannten Erscheinungen wie Sterbeüberschuß, Geburtenrückgang. Mischehe usw. erwachsen, ln der Diskussion kamen die Frankfurter Verhältnisse zur Besprechung. — Adolf Po Hak erzählte Mitte März in der Jungzionistischen Arbeitsgemeinschaft von Theodor Herzl. Er brachte Erinnerungen, die den jugendlichen Zuhörern plastisch die Größe des Führers vor Augen führten. — ln einer überfüllten öffentlichen Versammlung der Misrachi-Ortsgruppe wurde die Stellung des Misrachi innerhalb des Zionismus behandelt. Rabbiner Dr. Hoffmann wandte sich gegen das Weißbuch, das niemals als Grundlage deT Palästinapolitik anerkannt werden dürfe, sondern mit allen politischen Mitteln bekämpft werden müsse. Ministerialrat Hans Goslar, Berlin, sprach über die Aufgaben des Misrachi im Galuth. Heftig kritisierte er die Politik der selbständigen Orthodoxie, die nicht dazu diene, die Stellung der Thoratreuen innerhalb der Gemeinde zu fördern, und die auch die einheitliche Front aller Gesetzestreuen durchbreche. — Ein ״Purimfest unterwegs“ veranstaltete der Keren Kajemeth für die Frankfurter zionistische Jugend mit einem gelungenen Programm. ״Filmbörse am Libanon“ betitelte sich das Kostümfest des Jüdischen Nationalfonds vom 9. März, das großen Anklang fand. Der materielle Ueberschuß ist ansehnlich. Ph. R. Fritzlar. Am Sonntag vor Peßach wurde von Herrn Dr. Erlanger ein Lichtbikier-Vortrag über Palästina in Fritzlar gehalten, an dem der größte Teil der jüdischen Gemeinde teilnahm, und der, trotzdem es sich um eine erstmalige Veranstaltung dieser Art handelte, das Interesse der Anwesenden für Erez-fsrael weckte. Im Anschluß daran werden Legats- Versicherungen abgeschlossen werden. Gleiwitz. Am 29. März fand hier ein öffentlicher Vortrag von Herrn R.-A. Dr. Deutschmann, Oppeln, über das Thema ״Der Antisemitismus und seine Bekämpfung“ statt. Nach einem historischen Ueberblick kam der Redner auf die Theorien von Plnsker, Zweig und Blumenfeld zu sprechen. Leider war der anregende Vortrag sehr schlecht besucht. Eine kurze Diskussion, an der sich vorwiegend die Gäste beteiligten, schloß den gut durchdachten Vortrag ab. Dr. E. H. Kattowitz. (Zionisten - Revisionisten.) Mittwoch, den 22. April, 8 Uhr abends, spricht in Kattowitz. Reichshalle, Oberbaurat Ing. Robert Stricker über das Thema ״Die gegenwärtige Lage im Zionismus und die Aufgaben des bevorstehenden Kongresses“. Kiel• (Winterarbeit.) Auch im vergangenen Winter könnt« das geistige Interesse in Kiel vielfach geweckt und gepflegt werden. Sämtliche Vereine ließen zum Teil auch von auswärtigen Rednern Vorträge halten. Von diesen seien einige genannt. Im Literaturverein sprachen Redakteur Lehmann übe! jüdische Preisträger, Rabbiner Dr. P o s n e r über Kalender und Kalenderreform, Dr. Neufeld über Väter und Söhne, Frau Jacob-Loewenson über jüdische Musik. Im Jüdischen Jugendbund sprach zweimal vor größerer Versammlung Rabbiner Dr. P o s n e r (Die Synagoge — der Mittelpunkt des jüdischen Lebens und über die Bücher Ruppin, Soziologie der Juden, Denkwürdigkeiten des Aron Isak und Guttmann, Talmudzitate). Im Frontbund sprach Rabbiner Dr. Posner über Nationalismus und Dr. Cohen über Pazifismus. Sn der zionistischen bzw. misrachistischen Ortsgruppe hörten wir Dr. Schereschewsky und Redakteur Wald mann (die jü• dische Jahresbilanz). Der Frauenverein ließ bei seiner General■ Versammlung einen Vortrag von Frau Rechtsanwalt Tannen