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Jüdische Rundschau · 1931-04-21 · Heft 30 (21.4.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 30 (21.4.1931)
Date
1931-04-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 188 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 21. IV. 1931 Wendung aut das Leben der Tiere, nicht aber auf das der Menschen. Schließlich erklärt Dr. Brodnitz, daß allen Juden ungeachtet der unter ihnen bestehenden Differenzen ein Gedanke teuer sei, der Gedanke eines friedlichen Ausgleichs zwischen den Völkern. Minisierlaldirekfor Dr. Hermann Badi erklärt, die biologische Methode sei die ungeeignetste für eine objektive wissenschaftliche Analyse. Wie könne festgestellt werden, ob das ״Plasma“ bei einem Volk stärker oder weniger stark differenziert ist? Warum sollte man annehmen, daß die Deutschen plasmatisch weniger differenziert seien als Franzosen oder Engländer? Viel richtiger sei die Anwendung der historischen Methode. Der Redner wendet sich gegen die Behauptung, daß ein bewußter Jude kein vollwertiger und treuer Bürger des deutschen Staates sein könne. Er selbst bekenne sich seit 25 Jahren zum Zionismus und während seiner ganzen Laufbahn als preußischer Staatsbeamter habe er niemals einen Konflikt zwischen seinen Pflichten als deutscher Staatsbürger und als Jude empfunden, ln diesem Zusammenhang erwähnte Dr. Badt auch Lord Reading, Lord Melchett und Herbert Samuel, die als Juden auf die höchsten englischen Staatsposten berufen wurden. Sodann gab Dr. Badt eine ausführliche Darstellung des Zionismus, seiner Ideologie und seiner Leistungen. Er wies auf den in Palästina geschaffenen neuen jüdischen Typus hin, der die beste Widerlegung der Theorie von der ״plasmatisehen Differenziertheit“ des jüdischen Volkes darstellc. An die Referate schloß sich eine Aussprache, die bis in die späte Nacht währte. Professor Bovet erklärte, die von Dr. Stapel geforderte Umwandlung des Patriotismus in eine Art religiösen Gefühls bedeute einen neuen Götzen* dienst. Auch eine Reihe anderer Redner, unter ihnen Schma* del, Dr. Nahum Gold mann und Brecher, wiesen auf die Gefahren der Stapelschen Auffassung nicht nur in bezug auf die Judenfrage, sondern auch für die Erhaltung des Weltfriedens und die Sicherung des Fortschritts hin. In seinem Schlußwort erklärte Dr. Stapel, er haJje der Kon* ferenz den Standpunkt der deutschen Jugend vorgetragen und werde dieser dieAblehnungdiesesStand* punkts durch die jüdischen Konferenzteilnehmer zurKenntnis bringen. Ministerialdirektor Dr. Badt ergriff noch einmal das Wort, um für die Idee des Völkerbundes und der Menschheitsbefreiung einzutreten, und stellte fest, daß die Aulfassung Dr. Stapels nicht nur von den jüdischen Konferenzteilnehmern, sondern auch von den nichtjüdisehen Diskussionsrednern abgelehnt worden sei. Die Ausführungen Dr. Badts machten auf die Versammlung einen tiefen Eindruck. Der Vorsitzende sah sich veranlaßt lestzustellen, daß auch die ״Feinde“ den Worten des Redners Beifall gezollt haben. Das Referat über die ״Stellung der luden im kulturellen Leben“ hielt Dr. Nahum Goldmann. Nahum Goldmanns Referat ln der gegenwärtigen Epoche, führte der Redner aus, stehen in der Menschheitskultur zweierlei Tendenzen einander gegenüber: weltkulturelle Tendenzen und national-autonome Isolierungstendenzen. Die charakteristischen Merkmale der weltkulturellen Tendenzen erblickt Goldmann erstens in ihrem rationalistisch-intellektuellen Charakter, zweitens ln ihrer demokratischen Färbung im Sinne einer geistigen Demokratie und drittens in ihrer unmetaphysischen Einstellung auf das Diesseits. Der moderne Jude sei seinem ganzen Wesen nach als Träger dieser weltkulturellen Tendenzen prädestiniert. In Betracht zu ziehen seien hierbei erstens die jüdische Intcliektualität. zweitens die jüdische Beweglichkeit und Elastizität, Eigenschäften, die darauf zurückzuführen sind, daß der Jude nirgends fest verwurzelt ist, drittens die jüdische Neigung, jeden Fortschritt mitzumachen, sozusagen als l’art pour l’art, was eine Folge des jüdischen Unsicherheitsgefühls sei, viertens das Freisein von metaphysischen Vorstellungen. Der Jude ist in erster Reihe Ethiker und Moralist. In seiner Vorstellung muß Kultur zielstrebige Kultur sein, Erziehung von Menschen, Gestaltung der gegebenen Welt. Dem Juden ist der Heroismus des Sterbens fremd, er kennt nur den Heroismus des Lebens. Trotz ihrer starken Beziehung zu den weltkulturellen Tendenzen seien die Juden doch nicht Gegner der nationalen Isolierungstendenzen. Gegen die Assimiiationsideologie polemisierend, erklärte der Referent, die jüdische Assimilation sei nichts Organisches und Spontanes, sondern etwas Programmatisches, Gewolltes. Die ständige Bereitschaft zu Abwehr und Verteidigung sei der Ausdruck einer unnatürlichen Einstellung. Dr. Goldmann lehnt den Gedanken, daß die Tragik und Problematik des jüdischen Menschen in der Galuth durch ein Eingreifen des Staates gelöst werden könne, ab. Den numerus clausus gegen jüdische Studenten bezeichnet er als kulturwidrig und barbarisch. Das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in der Galuth ist seiner Ansicht nach eine Frage des Taktes auf beiden Seiten. In Palästina strebe der Zionismus danach, eine jüdische Wirklichkeit zu schaffen, in der sich das jüdische Wesen frei *ausleben kann. Wenn es richtig sei, daß der Jude eine gewisse Nervosität in die Welt bringe, so werde der Zionismus dazu beitragen, Beruhigung in der Welt zu schaffen. In Vertretung des krankheitshalber am Erscheinen verhinderten Professors Smolenski ergreift sodann Prof. D e r y n g, Lublin, das Wort. Er erklärt, zwischen Nationalismus und Internationalismus bestehe kein unbedingter Gegensatz. Er wendet sich aber gegen einen ״internationalen Nationalismus“, der imperialistiscn sei und den Internationalismus zu nationalen egoistischen Zwecken ausnutze. Für den Zionismus bringt er seine Sympathie zum Ausdruck. In bezug auf die Lage der Juden in Polen erklärt er, er würde die Assimilation der Juden begrüßen, wenn eine solche möglich wäre, doch sei sie seiner Meinung nach unmöglich. Als polnischer Nationalist habe er für die nationalen Bestrebungen der Juden volles Verständnis. In der Diskussion polemisierten die Herren Dr. Brodnitz und Lenhoff gegen die Ausführungen Dr. Goldmanns. Sie bestritten, daß die Assimilation nur eine rationalistische, nicht aber spontan gefühlsmäßige Tendenz sei. Sie können die jiidische Apologetik verstehen, weil sich der Angegriffene verteidigen müsse. Auch Deutschland treibe Apologetik. An der Debatte beteiligten sich außerdem noch Dr. Sliosberg, Paris, Dr. Badt, Berlin, Baumkoller, Polen, u. a. Die assimilatorisch eingestellten Vertreter aus Ungarn und der Tschechoslowakei wandten sich scharf gegen Dr. Goldmanns Darlegungen und betonten, daß sie sich als Ungarn, bzw. als Tschechen fühlen. Schließlich ergriff ein Vertreter der deutschen Sozialist isehen Studenten das Wort. Er erklärte, innerhalb der deutschen Studentenschaft gäbe es breite Schichten, die nicht antisemitisch eingestellt sind und nicht völkisch empfinden. Dem Zionismus, erklärte der Redner, stehe er sympathisch gegenüber. Auch gegen die Assimilanten habe er nichts einzuwenden, nur sei bei ihnen häufig ein krankhafter Uebernationalismus festzustellen. Im Hinblick darauf, daß in den bisherigen Verhandlungen dem Antisemitismus in Deutschland die größte Aufmerksamkeit geschenkt wurde, haben die Vertreter der deutschen Studenten- Schaft ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß die Delegierten der anderen Länder kein klares Bild über den Antisemitismus in ihrer Heimat und an ihren Universitäten gegeben haben. In seinem Schlußwort*gab Dr. Gold mann zu, daß man sich bisher vorwiegend mit der Lage in Deutschland betaßt habe. Dies sei darauf zurückzuführen, daß die deutsche Studentenschaft auf der Konferenz besser vertreten sei und sich mit Offenheit und Aufrichtigkeit an der Aussprache beteilige. Aus der Tatsache, daß über andere Länder weniger gesprochen wurde, dürfe aber nicht geschlossen werden, daß die Juden an den rumänischen, ungarischen und polnischen Universitäten in einem Paradiese leben. Die Weltkonferenz des Brüh Trnnpeldor Danzig, 15. April. (J. T. A.) In seinem auf der ersten Sitzung der Weltkonferenz des Brith Trumpeldor in Danzig erstatteten Rechenschaftsbericht teilte das Mitglied der Exekutive, Hoffmann-Riga, mit, daß der Verband am 1. Januar 1931: 22 342 Mitglieder umfaßte. Die stärkste Organisation bcsteht in Polen, wo es 356 Gruopen des Brith Trumpeldor mit etwa 14 000 Mitgliedern gibt. Eine besonders gute waffensportliche Ausbildung besitzen die österreichischen Mitglieder, von denen 35 ׳״b ehemalige ״Rote Falken“ sind. Der Brith Trumpeldor trägt ausgesprochen militarisehen Charakter, ln Palästina zählt der Verband 809 Mitgiieder und besitzt aktive Abteilungen an 17 Punkten des Landes. Der Referent bezeichnete den Brith Trumpeldor in Palästina als Grundstock für eine jüdische Legion. Der palästinensische Delegierte Schatz erstattete ein Referat über Fragen der A1 i j a h und H a g a n ah. Der Redner kritisierte die Haltung der allgemeinen jüdischen Arbeiter- Organisation Palästinas Histadruth Haowdim, die die Politik der Zionistischen Exekutive unterstützt und so ein Zusammengehen mit dem revisionistischen Arbeiterverband unmöglich macht. An die Leitung der Revisionistischen Partei in Palästina richtete der Referent die Forderung, eine mit Befehlsgewalt ausgestattete Zentralstelle zu schaffen, die die Ali iah im Geiste der Judenstaatsidee organisieren soll. Weiter forderte der Redner die Schaffung eigener wirtschaftlicher Institutionen durch die revisionistische Partei und eine systematische Ausgestaltung der Haganah in Palästina. Jabotinsky hielt ein Referat über die Bedeutung der militärischen Ausbildung. Der palästinensische Brith Trumpeldor habe die ersten Instruktoren für die militärische Ausbildung gestellt. Gegenwärtig werde der Plan der Errichtung einer Zentralausbildungsstätte für lnstruktoTen durch den Keren Tel Chai erwogen. Wichtig sei die Erlernung aller Arten des Wehrsports, die Gewöhnung an das Feldleben, die Erlernung des Signalisieren usw. Im ״Brith Trumpeldor“ erblickt der Referent die Avantgarde einer jüdischen Armee. Die Arbeit der erwachsenen Genossen müsse militärisch-erzieherischen Charakter tragen. Die von der Konferenz gefaßte politische Resoluti o n hat folgenden Wortlaut: Die Brith Trumpeldor-Konferenz erblickt das Ziel des Zionismus in der Umwandlung Pa- Iästinas zu beiden Seiten des Jordan ln einen jüdischen Staat mit jüdischer Mehrheit. Die Aufgabe des Brith Trumpeldor besteht in der Organisierung der jüdischen Jugend und in ihrer Erziehung zu Pionieren des Volkes beim Aufbau des Judenstaates in Palästina. Jedes Mitglied des Brith Trumpeldor ist verpflichtet, sich jederzeit für eine Mobilisierungim Dienste des Aufbaus des Juden- Staates und seines Schutzes den Befehlen des obersten Führers entsprechend bereit zu halten. Im Hinblick auf dieses Ziel erzieht Brith Trumpeldor die jüdische Jugend ohne Unterschied von Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Klasse und Beruf durch geistige, berufliche und wehrsnortliche Ausbildung. Jedes männliche und weibliche Mitglied der Brith Trumpeidor-Bewegung hat sich zur Verteidigung des Palästina- Aufbaus und der jüdischen Niederlassungen in den Galuth- Ländern gegen jeden gewalttätigen judenfeindlichen Angriff bereit zu halten. Die Ole-Brith Trumpeldor haben sich in den ersten zwei Jahren nach ihrer Ankunft in Palästina als im Mobilisierungszustand befindlich zu betrachten und zur Verfügung der Zentrallcitung zu halten. Die Weltkonferenz begrüßt die Entstehung eines revisionistischen Landarbeiterverbandes und fordert die Zentraileitung auf, diesem nach Mög- Hchkeit moralische und materielle Unterstützung zu gewähren. Die Konferenz beschließt, mit allen Kräften für das Recht der jüdischen Arbeit in jüdischen Unternehmungen In Stadt und Dorf zu kämpfen. Schließlich wurde die Gründung einer zentralen Schule für Sportinstruktoren beschlossen. Zum obersten Führer wurde einstimmig labotinsky wiedergewählt. Außerdem wurde eine aus neun Personen bestehende Exekutive mit dem Sitz in Paris eingesetzt. Nach einer Ansprache labotinskys wurde die Konferenz am 15. April spät abends geschlossen. * Ein vom Sportverein ״Makkabi“ und vom Brith Trumpelder für den 14. April geplanter Aufmarsch vor den Gräbern der bei dem Ueberfall auf Petach Tikwah im Jahre 1921 gefallenen Juden wurde von der Polizei verboten. Stricker — Revisionist Wien, 15. April. (J.T. A.) Nachdem sich die Führer- Schaft des ״Verbandes demokratischer Zionisten Oesterreichs“ bereits im Februar für den Anschluß an die Re vis ionistische Weltunion ausgesprochen hatte, wurde dieser Anschluß nunmehr durch einen Beschluß der Plenarversammiung des unter der Führung des Oberbaurates Ing. Robert Stricker stehenden Verbandes vollzogen. Bekanntlich gehörte der Verband Jahre hindurch dem Weitverband radikaler Zionisten an, von dem er sich nach der A.-C.-Sitzung im August 1930 loslöste. Stricker begibt sich demnächst auf eine Tournee durch die baltischen Länder, Polnisch-Schlesien und wahrscheinlich auch Jugoslawien, um in den jüdischen Zentren dieser Länder Propagandavorträge über den Revisionismus zu halten. Kongreßprogramm von ״Eth Ltwnoth“ Warschau, 15. April. (J.T.A.) Die Landeskonferenz des Verbandes ״Eth Liwnoth“ (s. vorige Nummer) hat folgende Resolutionen angenommen: Die künftigen Kongreßdelegierten von ״Eth Liwnoth“ werden aufgefordert, sich nur für eine Exekutive einzusetzen, die bereit ist, mit dem gegenwärtigen Kolon Isationssystem zu brechen und die taktische Gleichberechtigung aller Schichten beim Aufbau Erez-Israeis einzuführen. Die Kongreßdelegierten werden aufgefordert, sich für die Bildung einer Exekutive einzusetgen, die die führenden Fachleute der zionistischen Bewegung ohne Rücksicht auf ihre politische Richtung umfaßt. Die Konferenz stellt sich nicht auf den Boden der persönlichen Kampagne gegen Dr. W ei z mann. In der ״C.-V.-Zeitung“ vom 17. April teilt Dr. Leo Löwenstein mit, daß sich in der Reichswehr nur acht jüdische Soldaten befinden. Zur spanischen Revolution Die politischen Umwälzungen in Spanien haben dieses Land, mit dem vor mehreren Jahrhunderten das jüdische Schicksal so eng verknüpft war, in den Mittelpunkt der europäischen Aufmerksamkeit gerückt. Seit der Austreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 war den Juden die An- Siedlung im Lande verboten, aber auch von jüdischer Seite war Spanien verfemt und eine Rückkehr in dieses Land der beispiellosen Verfolgungen, der Inquisition und der Auto dafös galt den Juden als verboten und unerwünscht. Bekannt• lieh haben die spanischen Juden sich In sämtliche Mittelmeerländer sowie insbesondere an den Küsten des Atlantisehen Ozeans (in französischen und englischen Hafenstädten, in Holland und Hamburg) zerstreut und ihren spanischen Dialekt zum großen Teil bis auf den heutigen Tag bei• behalten. Durch das Marannentum und die Zwangstaufen wurde ein kleiner Teil der Juden vom spanischen Volke absor- Wert und wiederholt vermochten hervorragende Spanier in ihrer Abstammungskette jüdische Vorfahren nachzuweisen. Der kürzlich verstorbene spanische Dichter Blasco 1 b an e z, der in seinem berühmten Roman ״Die Toten befehlen“ (deutsch im Verlag Paul List in Leipzig) die Nachwirkungen der tragischen Geschichte des spanischen Judentums in dessen letzten Ausläufern schildert, war auf Grund eingehender Studien der Ansicht, daß ein Viertel Spaniens jüdisches Blut in seinen Adern hat. Mag dies auch übertrieben erscheinen, eine so enge Schicksalsgemeinschaft, wie sie zwischen jüdischem Volk und Spanien bestanden hat, kann nicht spurlos vorübergehen (s. darüber auch das vor einigen Jahren er• schienene hochinteressante Reisewerk von Marcus Ehrenpreis ״Das Land zwischen Orient und Okzident“, Weltverlag, Rerlin). Das Austreibungsedikt von 1492 ist im Jahre 1858 anläßlich der Ausrufung Spaniens zur Republik durch Gene• ral Prim widerrufen worden, und seit dieser Zeit Ist es den Juden wieder gestattet, spanischen Boden zu betreten, da bei der späteren Restauration das Edikt nicht erneuert wurde. Der frühere spanische Außenminister Herzog Alba erklärte vor einem halben Jahre, die Juden seien in Spanien den übrigen Einwohnern völlig gleichgestellt, durch die Konstitution von 1876 seien alle vor dem Jahre 1800 erlassenen Gesetze außer Kraft getreten, daher auch das Edikt über die Vertreibung der Juden. In den letzten Jahren ist in der jüdischen Welt wiederholt der Gedanke erörtert worden, eine Einwanderung von Juden nach Spanien zu organisieren. Heute leben in Spanien nur sehr wenige Juden, es bestehen kleine Gemeinden in Madrid, Barcelona und Sevilla. Im letzten Dezember wurde in Madrid die erste gesetzlich anerkannte Synagoge, der 30 Familien, angehören, eröffnet. Ein Gesetz vom Dezember 1924 ermöglicht es den außerhalb Spaniens lebenden sephardischen Juden, in ein Schutzverhältnis zum spanischen Staat zu treten. In spanischen politischen Kreisen wird offenbar die Mög- Hchkeit erwogen, aus der Existenz der über so viele Länder verbreiteten, einen spanischen Dialekt sprechenden und historisch mit Spanien verbundenen Juden politische und wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Durch die Ausrufung der spanischen Republik ist auch eine Neuregelung der religiösen Verhältnisse angebahnt. Die republikanische Regierung hat den Grundsatz der Gewissensfreiheit und der Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse proklamiert. Damit wäre der jahrhundertelangen Vorzugsstellung der katholischen Kirche in Spanien ein Ende bereitet. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich das Verhältnis von Kirche und Staat endgültig gestalten wird. Ob auch die Stellung der Juden eine gesetzliche Neuregelung erfahren wird, ist nicht vorausz.usehen, zumal die kleine Zahl der spanischen Juden kaum eine besondere Gesetzgebung erforderlich macht. Zorn Ueberfall bei Jadscbur Jerusalem, 17. April. (J.T.A.) Von den bei dem Ueberfall bei Haifa verwundeten jüdischen Arbeitern und Arbeiterinnen sind Israel Isakowitz und Kreina Perszuk bereits soweit wiederhergestellt, daß sie aus dem Spital entlassen werden konnten. Auch der Zustand der beiden anderen Verwundeten, der Arbeiterinnen Braila Hellmann und Breina Halperin, bessert sich zusehends. * Die in Beirut erscheinende scharf antizionistisch gerichtete arabische Zeitung ״Al Ahram“ schreibt zu dem Ueberfall bei Jadschur: Wir sind überzeugt, daß die arabischen Führer Pa- Iästinas an dem Verbrechen unschuldig sind. Die palästinensisch-arabischen Führer sind zu klug, um Unruhen, durch die das Palästina-Problem nicht gelöst werden kann, zu fördern. Eine Lösung des Problems ist ohne Blutvergießen durchaus möglich. Das Haifaer arabische Blatt ״K a r m ei“ schreibt: Der Mord ist eine Schandtat, und die Mörder sind Schurken, man muß sie ausfindig machen und streng bestrafen. Aber wir möchten diejenigen, die die Untersuchung führen, darauf aufmerksam machen, sie sollen nicht nur nach der einen Seite lorschen, denn sie könnten Unschuldige anklagen. Wir sind überzeugt, daß die Gebildeten unter den Juden verstehen, daß sie kein Interesse daran haben, das Ereignis politisch auszuschlac'iten, ebenso sind wir überzeugt, daß die Gebildeten unter den Arabern diese Untat und den Mord verabscheuen und nicht wollen, daß das Friedensprogramm, mit dessen Hilfe sie die Rettung ihrer Existenz und ihres Vaterlandes verwirklichen wollen, gestört wird. Zwei Dinge dürfen wir nicht vergessen: Erstens die Juden sind auch nur Menschen, die miteinander in Streit geraten und sich zu Untaten hinreißen lassen können, und zweitens, es gibt im Lande eine kommunistische Politik, die im Trüben zu fischen wünscht. Auch der ״F e 1 e s 11 n“ in seiner englischen Ausgabe erklärt, am wahrscheinlichsten sei der Mord auf die Kommunisten zurückzuführen. Die Kommunisten haben ein Interesse daran, besonders zur erregten Zeit der Feiertage die jüdischarabischen Beziehungen zu verschlechtern, und wenn dies der Zweck der furchtbaren Bluttat gewesen ist, dann beweisen die Kommentare der hebräischen Presse, daß den Initiatoren ihre Absicht gelungen ist. Denn die hebräischen Zeitungen sind von vornherein überzeugt, daß das Verbrechen von Arabern begangen worden ist. In Wahrheit sind die Araber einig in der Verurteilung der Bluttat und wünschen ebenso wie die Juden, daß die Täter gefunden und bestraft werden. Wie die palästinensischen Blätter melden, wurde im Verlaufe der polizeilichen Untersuchungen wegen des Ueberfalls bei Jadschur in der Umgebung eines Dorfes bei Akko die Leiche eines Arabers gefunden.

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