Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 30 (21.4.1931)
- Date
- 1931-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zur spanischen Revolution Einxchmmmcr ö£& Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Diene tag u-Freltag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Galdruark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. A.adtmdmhomz«imm,tn wnrdma te dm Waimtttg dar ßlftwplöen Lindar AxumiKonprcia: 8 gmp. NonjNiraOJesM&tU 0.50 (X-M. St*üeagmucho 0,25 G--M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H״ Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. AaralgeDscUtiS: Di«s«tag tiod Freitag asehmitus« 4 Uhr Redakdonssckluft Sonntag und Mittwoch nachmittag Poitscbuck - Kootet ז Berlin 17392, Ra»«! V 9355* Belgrad 68032, Brfx«8el 39433, Badapast 59693, 1973, Hsae 140 470. Prag 59410, Riga 4155. StraK-sbiirg 16430, Warschau 190708, Wi«0 156035. Bank - Kosten: DartrutfädtM׳- tmei Nsricamlbank, D®posit«a - Kjame Berlin, Ktirfüme-odamro 52; Ban ca de E*t, Cernauri f Rmnlnien); Aoglo Pakstine Ox tn Haifa. Terufwkm, *fei -Aviv. Nummer 30 | Berlin, 21. IV. 1931 1 ר׳ אייר תרצ״א xxxvi, Jahrg. Der Zionismus •*strebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm." Die Antwort der Araber Unmägliche Bedingungen — Der Beginn der Londoner Verhandlungen Jerusalem, 16. April. (J.T.A.) Die palästinensischarabische Exekutive bat beschlossen, an Verhandlungen mit der Regierung zum Zweck der Aufstellung eines konstruktiven Plans für die Landentwicklung unter nachstehenden Bedingungen teilzunehmen: 1. Die Teilnahme darf in keiner Weise die Anerkennung des Jüdischen Nationalheims voraussetzen; 2. Als Basis der Verhandlungen darf nicht der MacDonald-Brief oder ein anderes Dokument, das die zionistische Politik stützt, gelten; Z. Die Verhandlungen müssen von gewählten Vertretern geführt werden und dürfen im Hinblick darauf, daS der Plan in Palästina verwirklicht werden soll, nicht in London statt linden; 4. Es dürfen keine gemeinsamen Beratungen mit jüdischen Vertro- (cm gepflogen werden. Diese Beschlüsse wurden von der arabischen Exekutive mit 16 gegen 14 Stimmen gefaßt. 20 Milglieder der Exekutive waren bei der Beratung nicht anwesend. Es verlautet, daß die Sekretäre der palästinensisch-arabischen Exekutive Auni Bey Abdul H a di und Dschetnal Hussein! sich energisch für die Entsendung einer Delegation nach London eingesetzt haben, jedoch überstimmt wurden. Ihre Gegner führten Ins Treffen, daß die ln früherer Zeit nach London entsandten Delegationen ihre Aufgabe nicht hätten erfüllen können, und daß die Entsendung einer neuen Delegation nur die Meinung erwecken könne, daß eine arabisch-jüdische Verständigung möglieh sei. Es verlautet, daß führende Mitglieder der arabischen Exekutive, Insbesondere die Mitglieder des Präsidiums, für eine Revision des Beschlusses elntreten. Die Notwendigkeif einer Revision wird damit begründet, daß eine endgültige Ablehnung der von der Regierung an die Exekutive ergangenen Einladung, nach London zu kommen, die Schaffung des Legisiative Councü gefährden könnte. Der Londoner ״Jewish Chronicle“ behauptet, in offiziellen Kreisen erwarte man mit ziemlicher Zuversicht, daß die Araber bald eine versöhnlichere.Ha׳lti1ng «innehmen werden., Als Vorsitzender der Landentwtck'ungskommission seiי ׳ Sir löhn Hope Simpsdiriti Aussicht genoramen. Die maßgebäidön Kräsd seiet! deff Ansicht, däß die Araber der Ernennung Sir Johns, die von Dr. Weizmann bereits gebilligt worden sei, ebenfalls ihre Zustimmung geben ■werdend Die, Regierung rechne mit einer mehr oder'minder endgültigen Beilegung des jüdisch-arabischen Streites noch vor dem Zusammentritt des Zionistenkongresses. * Wie sich zeigt, herrschen im arabischen Lager ähnliche Verhällnisse wie im zionistischen. Die politischen Führer sind für Verhandlungen mit England, die Mitglieder des arabisdien Aktions-Komitees aber sind dagegen, sie versprechen sich nichts davon und verlangen intransigent Erfüllung aller arabischen Forderungen. Verhandlungen lehnt man ab, weil sic zu einem Kompromiß führen könnten (was ja in der Tat ihr einziger vernünftiger Sinn ist). Die arabische Exek u« tive ist heute die gemäßigte arabische Gruppe, steht aber unter dem Druck der Extremisten, die ihre eigenen Führer mißtrauisch als potentielle ״Verräter״ betrachten. Was nun geschehen wird, ist noch nicht klar. Es scheint jedoch, daß die Engländer die geplanten Verhandlungen mit der Jewish Agency in London jetzt aufnehmen.werden und cs dann dem High Commissioner in Jerusalem überlassen werden, die in London verhandelten Fragen der Landesentwicklung mit den Vertretern der Araber zu beraten. Die Gefahr dieses Vorganges besteht darin, daß Prestige-Momente wieder den Ausschlag geben könnten, indem die Araber schon grundsätzlieh einem Plan, der zuerst von der Jewish Agency behandelt wurde, ihre Mitarbeit versagen. Wie wir erfahren, steht Dr. Weizmann mit der Regierung in Kontakt und hatte bereits mehrere Besprechungen mit maßgebenden Ministern. Mittwoch, am 22. d. M., soll eine offizielle Besprechung zwischen Vertretern der Jewish Agency und Repräsentanten der Regierung stattfinden. ln aller Kürze Die Lehrerschaft Palästinas hat in einer Reihe von Städten Versammlungen abgehalten, um zur Streiklage Stellung zu nehmen. Vorläufig ist die Lehrerschaft noch nicht ents c h 1 o s s e n , der Forderung nach Wiedercrö.fnung der Schule zu entsprechen. Die zionistischen Vereinigungen der englischen Provinz veranstalteten am 18, April zu Ehren Dr. Weizmanns in Manehester ein Bankett. Am 19. April sprach Dr. Weizitiann in einem Massenmeeting im Paramount Theatre über die Lage in Palästina. Harry Sacher mußte seine Rückreise von Jerusalem nach London krankheitshalber verschieben. Wie ״Times“ berichtet, hat der E rzbiscbof von Canferbury am 17. d. M. bei den Oberrabbinern der aschkenasischen und sephardischen Gemeinde, Kuk und Mär, sowie bei dem Oberhaupt der Agudas Jisroel-Gemcinde, Rabbi Sonnenfeld, Höflichkeitsbesuche gemacht, die entsprechend erwidert wurden. Der Hebräische Schriftstellerverband verans'aüete in T el- A w i w einen großen Empfang für die drei Gäste Marc C11 a - g a U , Dr. Josef P a tt a i und Edmond F1 e g. Die Begrüßungsrede hielt Bia Hk, worauf die drei Gäste in ihrer Antwort der Bewunderung der jüdischen Auferstehung in Palästina Ausdruck gaben- Aussprache Uber Judenfrage Die Frage des Hochschul• Antisemitismus auf der Studentenkonferenz vonNyon Das vom Geiste des Quäkerturas inspirierte internationale Studentenwerk hat sich durch die Veranstaltung der Studentenkonferenz in Nyon ein anerkennenswertes Verdienst erworben. Die aus den Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden au den meisten Universitäten Mittel- und Osteuropas entstandenen Verhältnisse sind in den letzten Jahren unerträglich und kulturwidrig geworden. Daß ein Teil der Studentenschaft ununterbrochen verhöhnt, beschimpft und verächtlich gemacht wird, daß es alle paar Monate an irgendeiner der höchsten Bildungsstatten der europäischen Intelligenz zu wüsten Ausschreitungen kommt, mit Prügeleien, polizeilichem Einschreiten, Demonstrationen und zuweilen sogar Blutvergießen, das ist gewiß beschämend, und eine Fortdauer dieser Verhältnisse widerspricht allen Grundsätzen der Humanität und Kultur, der diese Institute zu dienen haben. Es war ein guter Gedanke, die Vertreter der einzelnen Studentengruppen an einem neutralen Orte zusammenzubringen, wo die Leidenschaften des vergiftenden intoleranten Chauvinismus zurückgedämmt und gewissermaßen anr״runden Tisch“ Argumente in'Rede und Gegenrede angehört werden können. Durch freie und rückhaltlose Aussprache kann jedes Problem nur an Klarheit gewinnen; und es müssen auch in der Judenfrage Wege gesucht werden, um eine würdige Lösung zu ermöglichen. Wir begrüßen jede Ausspräche dieser Art, wie sie sich z. B. in der letzten Zeit in einigen deutschen Zeitschriften (״Deutsche Rundschau״) entwickelt hat Man muß dabei freilich übermäßige Empfindlichkeiten zurückstellen und sich bestreben, auch die Stellung des Debattengegners zu würdigen. Jede Gruppe steht in ihrer eigenartigen schicksalhaften Bedingtheit; ein Bekenntnis zur eigenen Art, ein offenes Verfechten der eigenen Ideale, wird stets auch der anderen Seite1 Respekt abnötigen, und auf dem Boden gegenseitiger Achtung kann eine ritterliche Begegming stattfinden, von der trotz allen Schwierigkeiten der Objektiven Sachlage mit def Zeit Früchte ta. erwarten stad. Der Verlauf der Studentenkonferenz, bei der die Lage in Deutschland im Vordergrund stand,' hat deutlich gezeigt, daß die einzige Methode, sich 'mit intelligenten Nichtjuden über die Judenfräge auseinariderzusetzen, das aufrichtige Bekenntnis zum jüdischen Volkstum' ist. Die verschwommene Haltung der Assimilanten erzeugt auf der anderen Seite nur Mißtrauen. Und wenn assimilatorische Vertreter aus den Ländern des notorischesten Judenhasses es für richtig halten, durch Ableugnung des in ihren Ländern herrschenden Antisemitismus sich zu Hause patriotische Lorbeeren zu holen, so fjnden sie bei objektiven- Nichtjuden wenig Verständnis und naturgemäß auch wenig Respekt. Man lächelt über diese Art gervilismus, dessen opportunistische Motive allzu leicht zu durchschauen sind. In dieser Hinsicht hat, wie es scheint, der Vertreter der ungarisch-jüdischen Assimilanten auf der Konferenz den Apfel abgeschossen. Den stärksten Eindruck machten die Reden unserer Gesinnungsgenossen Dr. Badt und Dr. Goidmann und die Art und Weise, wie sie den antisemitischen Anschauungen entgegentraten und die Rechte des jüdischen Volkes im Namen höherer Ideen der Kultur und Zivilisation verfochten. Wir werden auf diese wichtige Veranstaltung noch zurückkommen und begnügen uns heute mit der Wiedergabe des nachstehenden Berichtes: Der Verlauf der Diskussion Genf, 15. April. (J.T.A.) Die Studentenkonferenz in Nyon befaßte sich mit der Frage der Stellung der j ü d i s c h e n Studentenandeneuropäischen Universitäten. Das einleitende Referat hielt der Leiter der Kulturabteiiung des Weltstudentenwerks, James Parkes. Der Redner befaßte sich u. a. mit den Anschuldigungen, die von antisemitischer Seite gegen die Juden vorgebracht werden. Das Hauptübel erblickt der Referent in der Tatsache, daß Anklagen gegen jüdische Individuen oder Gruppen auf das gesamte jüdische Volk ausgedehnt werden. Sodann geht er auf die historischen Ursachen ein, die zu einer Konzentrierung der Juden in bestimmten Berufen geführt haben. Im Zusammenhang mit einer Besprechung der Ueberproduktion an fntellekt u e 11 e פ bei den Juden erwähnte er auch die auf berufliche Umschichtung gerichteten Bestrebungen. — A11 der Debatte nahmen jüdische und nichtjüdische Studenten teil. Besonderes Interesse erweckte» die Ausführungen des deutschen Delegierten Schmadei, der Jahre hindurch Führer der gesamten deutschen Studentenschaft war. Er führte u. a. aus: Der Antisemitismus trat an den deutschen Universitäten erst in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf. Damals begannen die Juden, in alle Gebiete des deutschen Kulturlebens einzudringen, was eine natürliche Reaktion beim deutschen Volk, das die Reinheit seines Volkstums erhalten will, hervorgerufen hat Redner wolle weder die jüdischen Nationalisten (Zionisten) in Deutschland, noch die Assimilanten tadeln. Die ersten wollen überhaupt nicht im Deutschtum aufgehen, die zweiten suchen sich restlos zu assimilieren, was nur möglich sei, wenn sie die nationalen jü tischen Zusammenhänge vollständig aufgeben. Obwohl Schmadei den Antisemitismus für begründet hält, spricht er sich doch gegen jeden gewalttätigen Antisemitismus aus und verurteilt die Ueberfälle auf die jüdischen Studenten. Der Kampf der deutsehen Studenten gegen die Juden sei ein geistiger Kampf, der mit geistigen Waffen geführt werden müsse. Auf die Frage, warum deutsche Studenten ihren jüdischen Kommilitonen ritterliehe Genugtuung verweigern, antwortete Schmadei, dies dürfe von den jüdischen Studenten nicht als Beleidigung und Diffamierung aufgefaßt werden, da der Zweikampf eine. r.ein deutsche Sitte und mir zwischen deutschen Studenten berechtigt sei. Die ungarischen nichtjüdischen Studenten sind auf der Konferenz nicht vertreten. Die Verhältnisse an den ungarischen Universitäten wurden von einem jüdischen Studenten assimilatorischer Richtung dargestellt, der bemüht war, nachzuweisen, daß cs an ungarischen Hochschulen überhaupt keinen Antisemitismus gäbe. Letzte Ursache der Konflikte an den ungarischcn Hochschulen sei der Friede von Trianon. Nach Befriedigung der ungarischen Revisionsforderungen werde es an den ungarischen Universitäten überhaupt keine Judenfrage;eben. Ueber die Lage inderTschechosiowakei referierten :in Tscheche und ein assimilatorischer Jude. Beide Redner be- (onten, daß es zwar nicht an den tschechischen Hochschulen, wohl aber an־ der Prager deutschen Universität Antisemit^- mus gäbe. Diese Behauptung führte zu einer längeren Auseinandersetzung zwischen tschechischen und deutschen Studeuten, die diese Erscheinung dadurch erklären wollten, daß es an den tschechischen Hochschulen weniger jüdische Hörer gibt als an den deutschen Hochschulen der Tschechoslowakei. ln der Dienstagsitzung hielt der Berliner Schriftsteller A. T. Wegener einen Vortrag über das jüdische Leben in Palästina. Enthusiastisch schilderte der Vortragende, der das Land aus eigener Erfahrung kennt, die Leistungen der Juden in Palästina und den dort entstandenen neuen jüdischen Menschentvpus. Seine kommunistische Weltanschauung hindere ihn nicht, für die jüdische Aufbauarbeit in Palästina tiefe bym״ pathien zu empfinden. A. T. Wegener las sodann einige Abschnitte aus seinem Palästina-Buch ״Am Kreuzweg der Weiten , in denen das Leben in den jüdischen Arbeitersiedlungen und der heroische Kampf der Chaluzim dargestellt werden. .. Das Präsidium der Konferenz besteht aus de» Professor Bavst, Br. Parkes, Dr. Krotsthmg, Mjntetfi#lf>;«Wff Dr. Hermann Badt, Wroczynski, Teich und Sdimadfl. Es sind nichtjüdische Studentenddegationen aus Deutschland, 4m Tschechoslowakei, Oesterreich und Polen eingetroffen.־ Oie« vier Länder haben auch jüdische Vertreter zur Konferenz entsandt, außerdem beteiligen sich an der Konferenz jüdische Delegierte aus Frankreich, Ungarn, Kanada, England, Holland, den Vereinigten Staaten und Rumänien. . Am dritten Tage hielt der Redakteur der Zeitschrift ״Das deutsche Volkstum“ (Hamburg), Dr. Stapel, ein zweistundiges Referat über das Thema ״Die Stellung der Juden, in der Politik“. Ausführliche Korreferate Welten das Vorstandsmitglied des Central-Vereins, Dr. Friedrich Brodnitz und dar Zionist Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt. Der Hauptreferent, Dr. Stapel, begann seinen Vortrag mit einer Skizzierung seiner staatsrechtlichen und politischen Konzeption. Er lehnt die Aififassung des Liberalismus und das Gleichheitsprinzip als Grundläge aller richtigen Staatstheorie ab. Im Staat erWickt Stapel nicht eine Institution, deren Aufgabe es ist, die Wohlfahrt d<!> Volkes zu fördern, sondern er findet seinen tiefen Sinn in einem metaphysischen Ruhmesbegriff. Politik sei für ihn nicht idetttisch mit Wirtschaft, wie es der Auffassung des Sozialismus Stapels ״biologischer" Anüsemläsinas Zum eigentlichen Thema übergehend erklärte Stapel, er wolle die Frage der Stellung der Juden in der Politik^mcht von einem moralischen, historischen oder psychologischen Standpunkt aus, sondern auf Grund biologische ז Be t r ac hjung behandeln, jedes Volk, behauptete der Redner, habe ein bestimmtes Plasma. Das Zusammenleben von plasmatisch gering differenzierten Völkern mit solchen von hoher plasmatischcr Differenzierung sei aber sehr schwer. Daraus erkläre es sich, daß der Antisemitismus m Deutschland, stärker sei als etwa in Frankreich, wo auch die nichtjüdische Bevölkerung eine starke ״plasmatischc Differenzierung‘ aufweist Auf überpolitischem Gebiet seien die Juden überall die treuesten Anhänger des Liberalismus und Förderer de.-» Soziahsmus. Sie bekämpfen den Neokonservatismus und Nationalismus. Den Juden fehle die naive Beziehung zum Staat. Der Redner bespricht sodann der Reihe nach die jüdischen Parteien Deutsch• lands. Bezüglich der Naumann Gruppe, die eine Verbindung mit dem Gesamtjudeiitum überhaupt leugne, erklärt er es sei eine Unverschämtheit, von anderen die Aufgabe ihres Va.ks_.uros verlangen. Den Anhängern des Central-Vereins, die er a.s Bindestricb-Deutsche bezeichnet, hält er entgegen daß die Juden keine Religionsgemeinschaft, sondern ein Volkstum darstcllea. von den Zionisten erklärt er, daß sie selbst zugeben, die Juden lebten in der Galuth. Infolge ihrer Neigung zum Sozia 1smus seien alle Juden antideutsch (!). Der Pazifismus sei nur für die Besitzenden vorteilhaft, Deutschland abei sei heute besitzlos. Einen weiteren Uebelstand erblickt Dr. Stapel darin, daß die Juden Verbindungen in allen Landern haben, was zu politischen Intrigen ausgenutzt werden könne. Dr. Friedrich Brodnitz verteidigte ln längerer Rede d?n Standpunkt jenes Teils der jüdischen Bevölkerung Deutschlands, der sich um den Central-Verein gruppiert und den man ab ״A s s i m i I a n t e n“ bezeichne, wenn ihm auch dieser Name nicht gefalle. Dr. Brodnitz gibt einen geschichtlichen Ucherblick über die Entwicklung der Judenfrage seit der Emanzipation. Er verteidigt die Rechte der Juden, die in deutscher Kultur aufgewachsen und erzogen sind und sich zum deutschen Volkstum bekennen, ohne dabei die Bande zu lösen, die sie mit der jüdischen Religion und Tradition verknüpfen. Er weist nach, daß der Radauantisemitisraus das Geisteskind der antisemitisehen Theorie ist, die mau mit verschwommenen Begriffen zu begrüfid#•» sucht. Die biologische Mfcthode eigne sich zur Au-