Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-04-14 · Heft 27-28 (14.4.1931) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 27-28 (14.4.1931)
Date
1931-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653278--22267-2680463
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 2714 ,28׳. IV. 1631 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 175 Aus den Gemeinden Danzig and Bielttz Von Hans Klee. Die zionistische Front hatte zwei Erfolge zu verzeichnen, die über den Rahmen des lokalen Bezirks, in dem sie errungen wurden, hinausreichen. Bei den Geraeindewahlen in Bielitz (Polnisch-Schiesien) hat der zionistische Block 15 Mandate, d. 11. die Hälfte sämtlicher Mandate, erringen können, während die liberale Liste, die mit der agudistischen (!) gekoppelt war, nur 11 Sitze erhielt. In Danzig erhielt die Jüdische Volkspartei, die die Zahl ihrer Wähler gegenüber der vergangenen Wahl um 50 •/» erhöhte, 3 Mandate, indes die Liberaien, die einen erheblichen Stimmenschwund zu verzeichnen hatten, obgleich sie auch hier mit der Agudah zusammen• gingen, 4 Mandate errangen und auch dies nur, weil sie etwa 50 Stimmen mehr erhielten, als die Liste der Volkspartei. Was wir nach den Berliner Gemeindewahlen vorausgesagt haben, hat sich erfüllt. Die Liberalen, die in Berlin völlig uninteressierte Menschen an die Urne zu bringen vermochten, haben nicht verhindern können, daß die Kraft unserer Idee sich weiter Schritt für Schritt Boden eroberte. In den beiden festen nach dem Berliner Wahlkampf allsgetragenen Gerueindewahlen haben wir erhebliche Erfolge erzielt. Die beiden Städte, um die es sich handelt, haben, was ihr Assimilations- Judentum betrifft, ihre Geschichte. Bielitz, früher österreichisch, war der Sitz der deutschesten Assimilation aller Juden, die aber nach der Neuordnung, ohne darum gebeten zu sein, alsbald die lautesten Loyalitätsbeteuerungen an die polnische Adresse richteten. Und wie in Danzig aus ״Deutschen Staatshilrgern Jüdischen Glaubens“ während der Umwälzung, als die Zukunft noch ungewiß war, erst ״D. Staatsbürger Jüdischen Glaubens" und dann frohgemut ״Danziger Staatsbürger Jüdisehen Glaubens“ wurden, ist noch in aller Erinnerung. Wir halten Loyalität gegenüber dem Staat für etwas Selbstverständliches, wir glauben, daß die loyale und würdige Haitung unserer Freunde in den Ostländem die einzige Form ist, die der jüdischen Situation und vor allen Dingen einer freih eitliehen Auffassung vom Staatsbegriff entspricht. Wie peinlich aber die überlaute Deklamation ״Was ist des Juden Vaterland?“ und die noch lauter gegebene Antwort auch auf die jüdischen Kreise gewirkt haben, das zeigt die Abfuhr, die sich das Assimilations-Judentum in diesen beiden Städten geholt hat. Uns aber gibt sie die Sicherheit, daß wir bei der Eroberung der Gemeinden in unserer klaren Zielsetzung der Unterstützung des besten und größten Teiles des jüdischen Volkes gewiß sind. ♦ Aus Danzig erhalten wir folgenden Bericht: Bei den Repräsentantenwahlen am 29. März d. J. erhielt die jüdische Volkspartei 47,2 °/0 der abgegebenen Stimmen, die Liberalen erhielten 52,8 0/0. Damit sind gewählt: von der Volkspartei unsere Gesinnungsgenossen Dr. Henryk L o e w e nherz, ein Bruder des Vizepräsidenten der jüdischen Gemeinde Wien, ferner die Herren Mordechai Lubert und Motel Rosen zweig. Als Stellvertreter unsere Gesinnungsgenossen Dr. Leo Guter und Gerhard Bau mann. Demgegenüber erhielten die Liberalen einen Repräsentanfensitz mehr wie wir, also vier anstatt drei und gleichfalls wie wir zwei Stellvertreter. Das Wahlresultat bedeutet den Anfang vom Ende der liberalai Herrschaft In Danzig: 'Wir haben unsere ׳Stimijieftänzahl gegen die vorige Wahl vor drei Jahren um 50 ־״> vermehrt, die Stimmen zahl der Liberalen ist um 5 ®/» zurückgegangen. Schon jetzt hätten wir die absolute Mehrheit gehabt, wenn nicht rin Teil unserer Gesinnungsgenossen teils durch die Praktiken der Gegenseite (die Wahlliste war sehr unvollständig und die Nachprüfung durch bürokratische Maßnahmen erschwerf) um das Wahlrecht gebracht worden wäre. Für den jüdischen Nationalgedanken aber war die Propaganda während der letzten Wochen ein unendlicher Gewinn. Unser schon im vierten Jahr bestehendes Organ, die Monatsschrift ״Das Jüdische Volk“, das wir im letzten Monat wöchentlich erscheinen ließen, brachte über den alten Kampf- Punkt ״Assimilation oder nationales Selbstbewußtsein“ aus der Feder unserer besten Leute Artikel über die Grundlagen des Mischen Nationalismus, über die Aufgaben der jüdischen Gemeinde als Zeile des jüdischen Volkskörpers, die wohl zum erstenmal in dieser Eindringlichkeit an alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde Danzig herangebraclit wurden und• viele zum erstenmal dazu brachten, sich mit diesen Problemen zu befassen. Unsere Wahlversammlungen zogen wir im ganz großen Format auf. Es sprach bei uns unser alter Freund Prof. Dr. Heinrich Loewe aus Berlin über die Grenzen des deutschen Judentums, der die historische Fundierung des jüdischen Nationalgedankens an der Entwicklung des deutsehen Judentums klarlegte. Der große Saal des Danziger Hofes war von ungefähr 800 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Prominenten unserer Gegner waren zu seinem Vortrag erschienen, aber keiner machte auch nur den Versuch, in der Diskussion etwas gegen die Ausführungen Loewes zu sagen. Besonderen Dank müssen wir aber dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Berlin, Georg K a r e s k i, aussprechen, daß er am Vorabend der Wahl zu einer großen Agitationsrede sich uns zur Verfügung stellte. Kareski sprach im größten Saal der Stadt, im Friedrich-Wilhelm-Schüfzenhaus, vor weit mehr als 1000 Personen. Hatten in früheren, übrigens sehr mäßig besuchten Versammlungen der Liberalen der Vorritzende der liberalen Vereinigung für Deutschland, R.-A. Heinrieh Steril, und Dr. John Wertheim und Maurizius Kahn die jüdische Volkspartei durch die Behauptung zu diskreditieren 'ersucht, daß sie in Berlin nichts geleistet habe, daß der Zionismus bankrott sei usw., so antwortete ihnen Kareski in einem groß angelegten Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der jüdischen Volkspartei in Berlin und darüber, wie wir unsere Aufgaben in der jüdischen Gemeinde auffassen und erfüllen. Es war die größte jüdische Versammlung, die wir, abgesehen von einer Nahum Sokofow-Versaramfung im selben Saale vor zwei Jahren, jemals In Danzig gehabt haben. Daß, wie in so vielen Teilen der Welt, auch in Danzig in Minjan von Agudah-Leuten den Liberalen Wahlhilfe leistete, das werden wir nicht vergessen. Auf einer kleinen Siegesfeier am Abend nach der Wahl verabschiedeten wir uns in herzlicher Weise von Direktor Kareski, der bis zum Ende des Wahltages geblieben war. Wir sammelten auf seinen Namen 30 Bäume für den KKL und brachten ihn mit einem großen Ehrengeleit bei seiner Abfahrt zum Bahnhof. Zionistische Mehrheit in der BieUizer Jüdischen Gemeinde Die hier am 22. März bei 90 0/0 Wahlbeteiligung vorgenommenen Wahlen in die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde haben für die polnisch-schlesische Juden- [>׳;it historische Bedeutung. Nach jahrzehntelangem zähen Hingen ist es gelungen, die liberale Herrschaft in dieser größten Judengemeinde Polnisch-Schlesiens zu brechen. Die Zionisten, die in der alten Repräsentanz 10 von 30 Sitzen innehatten, konnten bei dieser Wahl 15, also die Hälfte der Mandate, erobern. Die 20 Mandate der bisherigen liberalagudistischen (!) Mehrheit schrumpften auf 11 zusammen (9 Liberale, 2 Agudisten), während die neue Wirtschaftspartei 4 Sitze erhielt. Dementsprechend besetzten die Zionisten in der konstituierenden Versammlung der neuen Repräsentanz die Hälfte der 10 Verwaltungssitze, die liberale ״Union“ erhielt 3, die Wirtschaftspartei und die Agudah je einen Vertreter. Mit den Stimmen der Zionisten und der Wirtschaftspartei wurde Herr Siegmund Arzt zum Präsidenten der Gemeinde, Herr Dr. Leo Manheimer zura Vizepräsidenten gewählt, zwei hochverdiente, bewährte Gesinnungsgenossen. Nächste Aufgabe der neuen Repräsentanz wird die volls'ändige Demokratisierung der Gemeinde — noch besitzen die Frauen kein Wahlrecht — sowie ihre Umgestaltung zu einer wahren Volksgemeinde im .Sinne unseres zionistischen Programmes sein. Besondere Bedeutung erhält dieses Wahlergebnis, da Bielitz die Reihe der jüdischen Gemeindewahlen in Polen eröffnete. -um. Essen. (Reprlsentanten-Wahl.) Der Schwere der Zeit entsprechend hatten sich die religiös und politisch orientierten Richtungen innerhalb unserer Gemeinde auf einen Konipromiß geeinip, so daß eine Einheitsliste zustande kam, die Aussicht hatte, einstimmig angenommen zu werden. Im letzten Augenblick warb aber die ״Wirtschaftspartei des jüdischen Mittelstandes“ für eine eigene Liste, so daß am Mittwoch, dem 25. März, die Wahl ausgetragen werden mußte. Von den sieben neu zu besetzenden Repräsentantensitzen entfielen auf die Einheitsliste sechs Mandate; die Wirtschaftspartei bekam einen Platz. Damit dürfte der Friede in der Gemeinde gewahrt bleiben. Vor den GemeindewaMen in Polen Antireligiöse haben kein Wahlrecht. Die Warschauer Agudah-Organisation wandte steh an die Gemeindewahlkommission mit dem schriftlichen Ersuchen, auf Grund des neuen Gemeindegesetzes, wonach Personen, die öffentlich gegen die Religion auftreten, des Wahlrechtes verlustig gehen können, vier Mitglicdem der jetzigen Gemeinderepräsentanz (!), und zwar dem Führer des ״Bund“, Stadtrat Ehrlich, und den Führern der Poale Zion in Polen, Jacob Witkin, Zerubowel und Stadtrat Jizchak Lew, das aktive und passive Wahlrecht abzusprechen. Der Brief war von den Agudah-Führern I. M. Lewin, S. Friedmann und E. B. Eckermann unterschrieben. Nach mehrstündiger Beratung lehnte die Wahlkommission diese Forderung der Agudah mit vier gegen drei Stimmen ab. Es heißt, daß die Agudah gegen diesen Be- Schluß Revision beim Regierungskommissar cinlegen will. Die Wahlkommission der Jüdischen Gemeinde in Lodz, in der die Agudisten die Mehrheit haben, hat, gestützt auf § 20 der neuen Wahlordnung, sämtlichen bundistiseben und poale-zionistischen Mitgliedern der jüdischen Gemeindereprisentanz und des Stadtrates das Wahlrecht entzogen mit dem Hinweis darauf, daß sie .bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Religion aufgetreten waren. * Der polnische Minister für Kultus und Unterricht, Dr. Slawomir Tscherwinski, gab den Vertretern der JTA.. die ihn unter Führung des Chefs des JTA., Jacob Landau, besuchten, Erklärungen über die Absichten der Regierung bei Erlassung des jüdischen Getneindegesetzes. Er sagte, die Regierung ha!« durch diese Bestimmungen die Umwandlung der jidisChe*-־Re:׳ ligionSgemeindeh in ,;politisierende Faktoren“ verhüten wollen. Zur Erreichung dieses Zieles, sagte Tschcrwinski, standen uns zwei Wege offen: entweder das Tätigkeitsgebiet der Gemeinden von vornherein möglichst einzuschrlnken und sie selbst einer weitgehenden Aufsicht und Kontrolle zu unterwerfen, oder ihnen unter Wahrung größter Betätigungsfreiheit die Möglichkeit zu geben, sich selbst gegen politische Zersetzung zu schützen. Wir haben die zweite Alternative gewählt. Selbstverständlich werden durch die neue Wahlordnung nicht alle Momente politischen Kampfes aus den jüdischen Gemeinden, in denen ja Orthodoxe, Zionisten und Bundisten vertreten sind, verbannt. Es werden aber durch diese Ordnung jene Elemente ausgeschaltet, deren Programm oder Ideologie die Losung des Kampfes gegen die Religion enthält. Für die Regierung ist diese Bes timmung deswegen von Bedeutung, weil durch sie verhindert wird, daß staatsfeindliche Faktoren und Organisationen, die keine legale Betätigungsmöglichkeit besitzen, auf dem Boden der jüdischen Gemeinden ihre Aktionen durchführen. Hierbei handelt es sich natürlich nur um kommunistische Organ isat i o n e n und nicht etwa um den ״Bund“ und verwandte Gruppen, deren Programm die Parole des Kampfes gegen die Reiigion nicht enthält. Schließlich erklärte Minister Tscherwinski, durch das neue Gesetz solle das bisherige Betätigungsfeld der jüdischen Gemeinden keinesfalls eingeengt werden. Wie bisher würdet! Wohlfahrtspflege, soziale Arbeit und die Erhaltung religiöser Schulen zum Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinden gehören. Die Regierung beabsichtige durchaus nicht, sich in die inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden einzumengen und hege keinesfalls den Wunsch, mit dem Prinzip der autonomen Regelung religiöser und kultureller Fragen durch die jüdische Gemeinschaft zu brechen. * Im Anschluß an dieses Interview richtete Abgeordneter Grünbaum einen Brief an den Unterrichtsminister, worin er darauf hinweist, daß die Auffassung, zu der sich der Unterrichtsminister bekannt hat, durchaus mit der zionistischen übereinstimmt. Die Gefahr einer Politisierung der jüdischen Gemeinden durch Kommunisten bestehe jedoch nicht, dagegen werde der Absatz 3 des § 20 von reaktionären Gemeinden dazu mißbraucht, um Juden, die nicht allen Vorschriften des Reügionsgesetzes nachkommen, aus den Wählerlisten zu streichen. Dies sei jedoch eine Verletzung der verfasssungsmäßig gewährten Gewissensfreiheit. Religionsstatistik in Berlin. Anläßlich der Einführung einer Kopfsteuer seitens der evangelischen Synode zu Berlin gibt das ״Berliner Tageblatt“ einen Ueberblick über die Zahl der An- S‘ "irigen der einzelnen Konfessionen in Berlin sowie über die der Gotteshäuser und kirchlichen Versammlungsräume. Bei insgesamt 3,2 Millionen, die zum evangelischen Bekenntnis zählen, hat die evangelische Landeskirche in Groß-Berlin 180 Kirchen, 65 Kapellen und 161 sonstige Versammlungsräume. Die Zahl der Pfarrer beträgt ln ganz Berlin 427. Die römischkatholische Kirche zählt 440 000 Mitglieder, die sich auf 62 Pfarreien und Filialbezirke mit 200 Geistlichen usw. verteilen. Die Jüdische Gemeinde als drittgrößtes Religionsbekenntnis zählt bei rund 170 000 Mitgliedern 14 Synagogen mit 36 Rabbinern. Die übrigen Religionsgemeinschaften in Groß- Berlin verfügen über 145 Kirchen bzw. Kapellen und Versammlungsräume. Ohne Religionsbekenntnis sind rund 290 000 Personen. FflnfzlgJStirlge In den letzten Tagen haben zwei bewaiirte und beliebte Gesinnungsgenossen das Fest ihres 50. Geburtstages begangen. Dr» Egon Rosenberg, ein führend« Mitglied des KJV, zu dessen Präsidenten er vor wenigen Wochen in Hambürg wiedergewählt wurde, hat sich um die Ausbreitung und Festigung des zionistischen Gedankens außerordentlich verdient gemacht. Er gehört der zionistischen Pioniergeneration Deutschlands an und hat sich auf den verschiedensten Gebieten und in vielen offiziellen zionistischen Aemiera stets vorbildlich betätigt. Seine energische Art und sein treffsicherer Witz haben ihn auch persönlich zu einer populären Figur gemacht, insbesondere innerhalb der studentischen Kreise, in deren Mitte er seit Gründung des KZV und später des KJV gearbeitet hat. Der andere Fünfziger, Siegfried Hirsch, einer der führenden industriellen aus altbekannter jüdischer Familie, hat seine Anhänglichkeit an die zionistische Sache stets durch mutiges persönliches Eintreten und materielle Opferwilligkeit bewährt. Siegfried Hirsch, in dessen vornehmem Hause wiederholt wichtige zionistische Veranstaltungen stattfanden, hat den politischen und wirtschaftlichen Problemen der Bewegung stets waches Verständnis entgegengebracht Kaum einer der internationalen zionistischen Führer versäumt e*, während eines Aufenthaltes in Berlin das Haus Hirsch zu besuchen. Wir wünschen beiden Jubilaren, die auf der Höhe ihres Lebens stehen, nooh viele Jahre erfolgreichen und sie selbst' befriedigenden Wirkens im Dienste unserer Sache. * Der Augenarzt und Familienforscher Dr. Arthur Czeilitzer in Berlin feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Er hat neben einer ausgedehnten Praxis die Zeit gefunden, sich als Sozialhygieniker, Erbforscher und Genealoge einen Namen zu machen. Czclützer, der seinerzeit zu dem Kreise um Theodor Barth und Naumann gehörte, und Jahrelang die Berliner Parteiorganisation der ״Freisinnigen Vereinigung“ leitete, gründete 1924 die ״Gesellschaft für jüdische Familienforschung“, als deren Vorsitzender er zugleich das Archiv für jüdische Familiendokumente leitet und die Zeitschrift der Oe- Seilschaft redigiert, die rasch zu einem wissenschaftlichen Mittelpunkt aller jüdischen Genealogen geworden ist Dr. Alexander Salkind Ara 28. März starb in Jerusalem nach langer Krankheit der Direktor des Rothsthiid-Spitals, Dr. Alexander Salkind. Der Verstorbene war seinerzeit Präsident des Verbandes der jüdischen Gemeinden Rußlands und vertrat die ukrainischen Zionisten auf der Friedenskonferenz in Versailles. Im Jahre 1921 ließ er sich in Palästina nieder. U. a. war er auch Präsident der Hilfsgesellschaft für die verfolgten Zionisten In Rußland. An dem Begräbnis nahmen viele tausende Personen, darunter Vertreter von medizinischen, politischen und gesellschaftlichen Organisationen Jerusalems teil. An der Spitze des Zuges schritten uniformierte Pflegerinnen der Hadassah. Marta Kohn | Wir. konnten es nicht. fasse«, als/ uns. Me. Nachricht er« reichte, daß Marta Kohn-Köntgshöf er in äir ®fite ihrer Jugend, auf dem Gipfel ihres Glücks, dem Leben plötzlich entrissen wurde. Einige Tage, nachdem ihr Sohn in den Abrahamsbund aufgenommen worden war, fiel diese jugendfrische Frau einer Embolie zum Opfer. Doppelt tragisch ist es, daß sie, die ihr Leben in den Dienst anderer Kinder gestellt hatte, jetzt ihr eigenes Kind nicht auf ziehen darf. Sie war ein geistig hochstehender Mensch mit ernstem Streben. Sie kam als Agudistin nach Berlin, trat hier in einen Kreis zionistisch eingestellter Jugend ein und schloß sich nach schwerem inneren Ringen dem Zionismus an. Auf dieser Ebene fand sie später ihren Lebenskameraden. 11/a Jahre arbeitete Marta Königshöfer als Erzieherin der großen Mädchen in der Ahawah. Aus deutsch-jüdischen Kreisen stammend, fiel es ihr schwer, die Psyche der ost-jüdischen Kinder zu verstehen. Es gelang ihr dennoch schnell, weil sie ihre ganze Persönlichkeit, ihren hohen Idealismus, ihre große Liebe und Opferfähigkeit in den Dienst der ״Ahawah“ stellte. Als sie uns verließ, um ein eigenes Heim aufzubauen, übergab sie ihrer Nachfolgerin eine geordnete Gruppe froher junger Menschen. Alle, die Marta Königshöfer in Ihrer Arbeit kannten, werden ihr ein ehrendes Gedenken bewahren; die ihr persönlich nahestanden, werden ihrer liebend gedenken. Unsere innigste Teilnahme gilt den Angehörigen der zu früh Vollendeten, vor allem unserem — in langjähriger zionistischer Arbeit bewährten — Dr. Leo Kohn. Mögen ihm und den) mutterlosen Kinde die Verdienste der Verstorbenen beistehen. Für die ״Ahawa“ Jüdische Kinder- und Jugendheime Minna Mühsam. Ans der Arbeit der WIZ0. in der von der WIZO (Women’s International Zionist Organisation) unterhaltenen Mädchen farm Af ule wurde mit dem Bau des zweiten Stockwerkes des Wohnhauses begönnen, womit das Hauptgebäude seinen Abschluß finden wird. Ein Kuhstall, drei Hühnerställe, eia Kückenaufzuchthaus und die notwendigen Lagerschuppen bestehen bereits. Mit Hilfe des Hilfsfonds wird eine Verbindungschaussee von der Farm zur Straße Afule—Dschenin gebaut, was ebenso für die Sicherheit wie für die wirtschaftliche Lage der Farm von Wichtigkeit ist. Die landwirtschaftliche Mädchenschule in Nahalai entwickelt sich weiter nach Wunsch, in diesem Jahre wurde der Bau des neuen Bruthauses vollendet, wo gleichzeitig 5000 bis 6000 Eier ausgebrütet werden können. Im Zusammenhang mit der Hauswirtschaftsschule wurde am 15. März eine öffentliche Küche als Musterküchenbetrieb mit modernen elektrischen Maschinen in Tel-Awiw eröffnet Die Wanderkurse in Koch- und Hauswirtschaft und Hausgärinerei werden ständig vergrößert und sollen jetzt außer Awiw, die“im Jahre ltf30 202 Kinder betreute und deren Arbeit allgemein anerkannt ist, zu erweitern und auch Kreise heranzu ziehen, die für die Pflege bezahlen können. Für das Säuglingsheim in Talpioth macht sich das Bedürfnis nach einer Aufnahmeanstalt für Kinder von 2—4 Jahren, die heute im Säuglingsheim bleiben müssen, immer mehr bemerkbar, ln nächster Zeit wird ein von der Kochlehrerin des Hostel, Frau Milka Saphir, verfaßtes, den palästinensischen Verhältnisscn angepaßtes Kochbuch in Teillieferungen ä l Piaster herausgegeben werden. Ebenso steht die Ausgabe eines Lehrbuches für Tierzucht bevor, (JAB.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.