Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 27-28 (14.4.1931)
- Date
- 1931-04-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653278--22263-2680459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 27/28, 14. IV. 1931 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 171 Drei jüdische Arbeiter erschossen Der Ueberfall bei Haifa Am Ostersonntag abends wurde eine Gruppe jüdischer Arbeiter auf dem Heimweg von den Zementwerken Nescher in die Kwuzah Jadschur Überfallen, wobei die Arbeiterin Hinda Fl schman,sowie die Arbeiter Schmuei Dischel und Jakob Samlr getötet wurden. Jerusalem. 7. April. (J. T. A.) Die Nachricht von dem lieberfall hat die Judenheit Palästinas in Bestürzung und tiefe Trauer versetzt. An dem Begräbnis der drei Opfer nahmen nbcr 10 000 Menschen teil. Unübersehbare Menschenmassen folgten den drei Särgen, die durch die jüdische Gartenvorstadt fiadar Hakarmel bei Haifa bis in die Arbeitersiedlung Jadschur getragen wurden, wo die Beerdigung stattfand. Am Grabe sprach der jüdische Arbeiterführer Ben Qurion. Er wies darauf hin, daß bereits im ganzen Lande intensive Nachforschungen nach den Tätern im Gange sind. Die Leitung des Waad Lcumi hat beim High Commissioner vorgesprochen, um ihm die Ansichten der Juden über die mangelnde Sicherheit in Palästina vorzutragen. Colonel Kisch hat sich nach Haifa begeben. Eine Deputation des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Haifa hat bei dem Distriktsgouverneur von Nordpalästina, Colville, energische Maßnahmen zur Verfolgung der Täter gefordert. Die Deputation erklärte, daß es sich hier um einen offenkundig sorgfältig vorbereiteten Anschlag handelt und daß mit einer Ausbreitung des Terrors im ganzen Lande gerechnet werden müsse, falls es nicht gelingen sollte, der Täter habhaft zu werden. Die Leitung der Nachforschungsarbeiten hat der Chef der palästinensischen Sicherheitspolizei, Colonel M a v r o g 0 rd a t o , persönlich übernommen. Sämtliche Scheichs und Mukhtars der arabischen Dörfer in der Umgebung von Jadschur wurden einem strengen Verhör unterzogen. Einige Araberundeine Anzahl von Drusen wurden verhaftet. Vorläufig scheinen die Spuren nach dem arabischen Dorfe Schafarara zu führen, wenn es auch der Polizei bisher nicht gelungen ist, hinreichendes belastendes Material gegen bestimmte Personen herbeizuschaffen. Die Regierung hat auf die Ergreifung der Mörder von Jadschur eine Prämie von 200 Pfund gesetzt. Die Kriminalbehörden neigen immer mehr der Annahme zu, daß die Tat von einer von Politikern bezahlten Bande verübt wurde, vermutlich der-?eiben, die nach den Unruhen im August 1920 im Safeder Distrikt ihr Unwesen trieb. Unbekannte Täter haben durch Durch schneidung der von Schafaram nach der Garnisonstadt Akko führenden Telephonleitungen den Fortgang der politischen Nachforschungen zu behindern versucht. Spätere Berichte besagen, daß bis zum 13. April ehva 50 Araber in das Gefängnis von Haifa eingeliefert worden sind. Die Kriminalpolizei neigt zu der Annähme, daß die Tat von einer Bande gedungener Desperados verübt wurde. Die polizeilichen Ermittlungen Im arabischen Dorf "Schafaram wurden fortgesetzt. In Jerusalem ist das G e - r ü c h t verbreitet, daß die Polizei bereits drei Anführer der Bande fesigesielli hat. Das allgemeine Gefühl der Unsicherheit begünstigt das Entstehen unbegründeter Gerüchte über räuberische Anschlage in verschiedenen Teilen des Landes. Die bei dem Ueberfall Verwundeten liegen im Hadassah-Spital zu Haifa; sie sind außer Lebensgefahr. Der polnische Konsul hat die Verwundeten im Spital besucht. Es verlautet, daß Polen eine Entschädigung für die bei dem Ueberfall Verletzten verlangen wird. ׳ .f1 . - . Die arabische Tageszeitung ״F e I es t i n“ erklärt, der Mord von Jadschur sei eine schreckliche und verabscheuungswürdige Tat, möge sie nun auf persönliche Feind-?chaft zuriiekzuführen sein oder räuberischen Charakter tragen. Schilderung eines Augenzeugen Ein Arbeiter der Zementfabrik Nescher gab dem Haifaer JTA.-Vertreter folgende Schilderung des Vorfalls: Unmittelbar nachdem der Wagen mit den jüdischen Arbeifern das Gebiet der Zementwerke verlassen hatte — es war 10 Uhr abends — wurde er von Gewehrsalven empfangen, die von beiden Seiten der Straße kamen. Es ־war zweifellos ein wohl vorbereiteter und organisierter Ueberfall. Das Schießen aus dem Hinterhalt setzte auch, als bereits einige Arbeiter verwundet auf dem Boden lagen, nicht aus. Hinda Fischman und Samuel Dischel waren aufder Stelle tot, von den übrigen fünf Verletzten starb der Arbeiter Jacob Samir bald nach seiner Einlieferung ins Spital. Der Ueberfall, erklärte der Augenzeuge, erfolgte ohne jegliche Provokation. Wir haben die Angreifer, die im Dunkeln das Weite suchten, gar nicht zu Gesicht bekommen. Alle hebräischen Zeitungen Palästinas fordern die Regierung auf, schleunigst ausreichende Maßnahmen im Interesse der öffentlichen Sicherheit zu ergreifen. Der eine der beiden getöteten, Arbeiter, Jacob Samir. war erst im vorigen Jahre aus Polen nach Palästina gekommen. Er war in den Steinbrüchen von Athlit im Zusammenhang mit dem Hafenbau in Haifa beschäftigt und hatte sich am Ostersonntag zum Besuch von Freunden in die Kv.uza Jadschur begeben. Auch Hinda Fischman stammte aus Polen und hatte sich erst vor einer Woche der Kwuzah Jadschur angeschlossen. Ueberfall auf Araber Am 7. April wurden sieben arabische Händler bei Beerscheba in Palästina von Wegelagerern beraubt, wobei mehrere schwer verletzt, einer getötet wurde. Der Korrespondent der ״Voss. Ztg.“ bemerkt hierzu: Es wird jetzt vermutet, daß die am Sonntag in Haifa ermordeten j ü - dischen Arbeiter, die heute unter ungeheurer Beteiligung beerdigt wurden, nicht von Verhetzten getötet wurden, sondern Räubern zum Opfer fielen. In beiden Fällen sind die Täter unerkannt entkommen. Zwischenfälle bei Nahalal Jerusalem, 10. April. (J. T. A.) Der Wächter der Kolonie Nahalal, Mosche Palewitz, überraschte um Mitternacht eine Gruppe von arabischen Dieben, die in die Kolonie ringedrungen waren. Als Palevvitz Alarm schlug, gab einer der Diebe einen R e v 01 v e r s c h u ß aut ihn ab, durch den der Wächter a m Bein verwundet wurde. Der Verletzte wurde in das Hadassah-Spital nach Jerusalem gebracht Sein Zustand ist nicht besorgniserregend. Kurz nach dem Vorfall traf Polizei in Nahalal ein und folgte den Spuren der Verbrecher bis in das arabische Dorf Malul, wo einige Verhaftutigen vorgenommen wurden. Ein Mitglied der Kolonie Nahalal erklärte einem Vertreter der JTA., daß seiner Ueberzeu- Rung nach der Vorfall in keinem Zusammenhang mit dem Verbrechen von Jadschur stehe. Am nächsten Morgen kam es in der Nähe der Nahalal benachbarten Kolonie Klar Jehoschua zu einem Streit zwischen Juden und Arabern. Der Schafhirt des an die Kolonie Kfar Jehoschua angrenzenden Araberlagers hatte sein Vieh auf die weide der Kolonie getrieben, woraufhin der jüdische Schäfer die Kolonisten alarmierte, die, in der Annahme, daß es sich um einen Ueberfall handle, bewaffnet auszogen, jedoch von ihren Waffen keinen Gebrauch machten. Die Araber entflohen unter Zurücklassung der Herde, die später von den jüdischen Kolonisten gegen das arabische Lager getrieben wurde. Weizmanns Tätigkeit im Lande Wir gehen nachstehend an Hand des ,Jewish Agency Bulletins" eine Uehersicht über die Reisen and Tätigkeit. Dr, Weizmanns nährend seines Aufenthalts in Palästina, wobei wir auch jene Brsuche, anführen, über die bereits in der ״Jüd. Rundschau" berichtet worden ist. Am 17. März besuchte Dr. Weizmann das Emek Jesreel. Er wurde in der landwirtschaftlichen Mädchenschule in Nahalal von den Vertretern der Siedlungen feierlich begrüßt. Nach Reden von Schkolnik, Dr. Ruppin, Zwi Jehuda und anderen erwiderte Dr. Weizmann. (S. ״J. R.“ Nr. 24.) Von Nahalal aus fuhr Weizmann nach Ramath David, dem Siedlungspunkt: der Kwuzoth ״Sarona“ und ״Haschoron‘'. Dr. Weizmann gab der Siedlung diesen neuen Namen, der zu Ehren von David Lloyd George gegeben wurde. Weizmann besuchte dann die Kwuzoth Gabst (Dschebatta), G i - n e g a r, den Balfour-Wald, den Neubau des Kranken- Hauses der Kupath Cholim und die Mädchenwirtschaft in A f u 1 e. Am 18. März besuchte Dr. Weizmann Beth Alpha, wo er von Vertretern der Kwuzoth des Nuris-Gebietes begrüßt wurde und die Ausgrabungen besichtigte. Ueber Nflharaim fuhr er dann nach D a g a n i a B., wo ihn Lady Erleigh, Col. Kisch und Dr. Ruppin erwarteten. Es fand eine eingehende Aussprache mit Vertretern der Siedlungen der ,Jordan-Ebene einschließlich Tiberias und Migdal statt. Die Nacht verbrachte Dr. Weizmann in der Villa Lord Melchetts in Migdal. Am nächsten Tage besuchte Dr. Weizmann S a f e d,, wo er die bei den Unruhen zerstörten Häuser und die Burg besiehtigte. Im Hause des Direktors der A. P. Dr. Seidemann, traf Dr. Weizmann mit Vertretern aller jüdischen Inslitutionen der Stadt zusammen. In der Aussprache wurden Probleme der zukünftigen Entwicklung Obergaliläas besprochen. Am selben Tage fuhr Dr. Weizmann nach Jerusalem. Am 20. März wurde Dr. Weizmann in Jerusalem vom Iligh Com missioner empfangen. Am selben Tage fand eine Sitzung der Exekutive der Jewish Agency mit Dr. Weizmann statt, an der auch die Mitglieder der Zionistischen Exekutive, Sacher und Sprinzak, und das frühere Mitglied der Exekutive, Lazarus Barth, teilnahmen. Im Büro der Exekutive wurde Weizmann von den Beamten empfangen; in Beantwortung der Begrüßungsworte sprach Dr. Weizmann über die ungerechten Angriffe, denen die Beamtenschaft ausgesetzt ist und erinnerte daran, welche Vorwürfe gegen ihn selbst und die anderen Mitglieder der Exekutive erhoben worden seien (vgl. ״J. R.“ Nr. 24). Am 22. März besuchte Weizmann die im Wiederaufbau begriffene Siedlung Beer Tuwia, fuhr dann nach R e c h o - woth, wo er im Hause des Waad empfangen wurde und später bei Mosche Smilansky zu Gaste war. Dann fuhr Weizmann nach T e 1 - A w i w und wurde dort von der Stadt- Verwaltung feierlich empfangen. Am Abend fand in Jerusalem unter Teilnahme Dr. Weizmanns eine geschlossene Sitzung des Waad Leumi statt. Am nächsten Tage fuhr Dr. Weizmann zur Besichtigung der Siedlungen der Ebene Scharon. Er besuchte Tel Mond und speiste in Petach Tikwah im Hause von Abraham Schapira. Er besichtigte ferner die Siedlungen Gan Chaim, Kfar Saba, Magdiel, Raanäna und Uadar. Nachmittag} ijmä fn' Tel־Awiw; ein", vpn der’ifranstultet« Enipfängstee für 'Frau,’Dr-'WejzÄnn'und Frali'«SacHer untiE dem Vorsitz von Frau Schöschana"Persitz statt... Am 24. März empfing Dr. Weizmann in Jerusalem Vertreter des ״Hapoel Hamisrachi“ in Angelegenheiten der Kolonisation gesetzestreuer Elemente. Dann besuchte Dr. W'eizmann die Hebräische Universität, wobei auch der Dichter Edmond F1 eg anwesend war. Der Vertreter von Dr. Magnes, Herr Dr. Schlössinger, führte Dr. Weizmann durch die verschiedenen Gebäude. Ara Nachmittag traf Dr. Weizmann mit Vertretern der ״Vereinigten Jüdisehen Arbeiterpartei“ zusammen. Auch am nächsten Tage war Dr. Weizmann in Jerusalem: er besuchte da» neue Gebäude des Keren Kajemeth und hatte eine längere Besprechung mit Ussischkin, traf dann im Haus B r o s e mit den Einwohnern von M o z a zusammen, besuchte die Keren Hajessod-Kwuza K i r j a t h A n a \v i m und, am Nachmittag desselben Tages, den Gedud Haawoda in Ramath Rachel, wo die Baulichkeiten, die mit Mitteln des Keren Hajessod errichtet wurden, jetzt vollendet sind. Hier wurde Dr. Weizmann im Namen des Gedud von Jehuda Kopelewitz, im Namen der Jerusalemer Arbeiterschaft von Finkeistein, ferner von den Herren Sprinzak und Leib Jaffe begrüßt. In seiner Antwortrede sprach Dr. Weizmann von seiner Hoffnung, in Amerika trotz der Krise etwas zu erreichen und gedachte seiner früheren Besuche beim Gedud, den er heute zum erstenmal in einem festen Hause angetroffen habe. Am 26. März weilte Dr. Weizmann am Toten Meer, besieh* tigte eingehend die Arbeiten der Potash Co. und hatte eine Besprechung mit den dort beschäftigten jüdischen Arbeitern. Am Freitag, dem 27. März, fand unter Anwesenheit Dr. Weizmanns eine gemeinsame Sitzung der Exekutive der Jewish Agency und des Waad Leumi statt. Mittags war Dr. Weizmann Gast des Zivilsekretärs der Palästina-Regierung Mr. Y o u n g. Am Nachmittag empfing er den Vertreter der ״Times“ Mr. D a n b y, den Vertreter des Reuter’schen Büros Mr. Mulford und den Vertreter des ״Osservatore Romano“, Prof. M o m b e 11 i, und gab ihnen lnformationen über die politische Lage. Dr. Weizmann betonte dabei seinen Glauben an die Möglichkeit einer jüdisch-arabischen *Verständigung, wenn die Palästina-Regierung dabei nicht untätig beiseite stehe. Am Sonntag, dem 29. März, empfing Dr. Weizmann zuerst eine Delegation des M i s r a c h i, dann Vertreter der jüdischen Industrie Palästinas, besuchte am Nachmittag die neue Keren Hajessod-Siedlung Beth Chanan und die landwirtschaftliche Versuchsstation der Jewish Agency in Recho• woth und fuhr dann nach T e 1 - A w i w , wo er eine zweite Konferenz mit den Vertretern der HLstadruth hatte. Am Abend hatte Dr. Weizmann Besprechungen mit der Organisation der Kolonistensöhne ״B n e Benjamin“ und mit einer Delegation der Allgemeinen Zionisten. Am 30. März fand unter Teilnahme Dr. Weizmanns eine Sitzung der Exekutive der Agency u nd des Direktoriums des Keren Hajessod über die finanzielle Situation statt, Dann hatte Dr. Weizmann eine zweite Besprechung mit dem HighCommissioner. Am Nachmittag fand im Keren Hajessod eine Presse-Konferenz mit Dr. Weizmann statt. Am nächsten Tage (31. März) verließ Dr. Weizmann Jerusalem, besuchte die Siedlungen im östliehen Emek, wobei in Kfar Jecheskel die ersten Verträge des Keren Hajessod mit den Siedlern unterzeichnet wurden. Ueber Gevva, En Charod, Tel Josef und Nahalal erreichte Weizmann noch vor Anbruch des Peßachfestes, das er im Hause seiner Mutter verbringt, Haifa. In Haifa blieb Weizmann noch einige Tage und ist am 5. April von Palästina in Begleitung von Dr. Ruppin nach London abgerast, Erklärungen an die Presse Der aufgegebene Besuch bei Abdullah — Politische Fragen — Die Bedeutung des Keren Hajessod Dr. Weizmann empfing am 30. Marz im Hauptbüro dt״, Keren Hajessod unter Vorsitz von Leib Jaffe rine Reihe von Pressevertretern. Dabei stellte Weizmann fest, daß das Aufgeben seines Planes einer Reise nach A m וזו a n bloß darauf zurückzuführen ist, daß Emir Abdullah ihn infolge anderzeitiger Verpflichtungen zu dem gewünschten Zeitpunkt nie 111 empfangen kann. Die Nachrichten, wonach die Regierung den Besuch untersagt hätte, oder daß Abdullah eine Unterredung verweigert habe, seien falsch (und wurden inzwischen von der Regierung selbst dementiert -- A.d. R.). Zur Frage des Legislative Council erklärte Weizmann, daß diese Frage in den bisherigen Verhandlungen überhaupt nicht auf der Tagesordnung gestanden habe. Da jedoch das Weißbuch über den Legislative Council spricht, hielten wir es für richtig, der Regierung mitzuteilen, daß wir diesem Vorschläge nicht zustimmen und daß, selbst wenn wir zustinimen würden, wir kein Mittel in der Hand hätten, den Jischuw zur Beteiligung an den Wahlen zu zwingen. Dieser negativen Fest- Stellung fügten wir die positive hinzu, daß, wenn die Notwendigkeit konstitutioneller Reformen in Palästina gegeben sei, diese nur auf Grund erfolgter U eberein s timmung von Engländern, Arabern und Juden «ingeführt werden könnten. Dr. Weizmann teilte mit, daß der zweite Teil der Ver 11 andlungen mit der L o n - doner Regierung am 13. April beginnen werde und daß die Exekutive für die auf der Tagesordnung stehenden Fragen eingehende Vorschläge habe. Ferner gab Dr. Weizmann die Erklärung ab, daß keinerlei Verhandlungen zwischen arabischen Führern und ihm stattgefunden hätten und daß alle von jüdischer und arabischer Seite darüber verbreiteten Gerüchte und Vermutungen unrichtig sind. Gegenüber der Behauptung Schaukhat Alis, Weizmann habe sich ihm gegenüber dahin geäußert, daß die Juden ״ganz Arabien durchdringen“ würden, stellte Dr. Weizmann fest, daß er bloß der Hoffnung Ausdruck verliehen habe, der jüdische Einfluß werde in den gesamten Orient ausstrahlen. Weizmann sprach ausführlich über die Bedeutung des Keren Hajessod für den Palästina-Aufbau und erklärte, die Unterscheidung zwischen nationaler und privater Initiative sei künstlich. Der Keren Hajessod leistet Pionierdienst auch für die Privatunternehmungen. Jeder, der den Keren Hajessod herabsetzt, setzt das gesamte Aufbauwerk herab. In scharfen Worten wandte sich Dr. Weizmann gegen die innerzionistische Opposition und erklärte, das Bewerfen der zionistischen Verwaltung und ihrer Beamten mit Schmutz müsse aufhören. Es ist möglich, schloß der Redner, daß wir vor einer neuen Epoche unserer Arbeit stehen, in der unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse von neuem j ü - disches Kapital und jüdische Initiative nach Palästina fließen ■werden. Die Aufgabe unserer Bewegung ist es, diese Tendenzen zu stärken und zu leiten und zugleich die Kooperation von nationalem und privatem Kapital zu ermöglichen, durch die beide Faktoren ihre Aufgabe erfüllen können, sich gegenseitig zu ergänzet!. Die englische Ausgabe des ״Feiest in“ wendet sich in ihrem Leitartikel vom 4. April scharf gegen Dr. Weizmanns Bemerkungen über Schaukhat Ali. Der Artikel stützt sich auf Zeitungsberichte, worin Dr. Weizmann in den Mund gelegt wird, er habe gesagt, Schaukhat Alis Acußerung sei ״eine Lüge“ und eine Ausgeburt ״der orientalischen Phantasie des Herrn Ali“. Es ist wohl zu bezweifein, daß Dr. Weizmann wirklich diese geschmacklosen Ausdrücke gebraucht hat. Aus seinen eigenen Ausführungen geht hervor, welcher Art das von Dr. Weizmann aufgeklärte Miß- Verständnis gewesen ist. Dr. Weizmann hat anscheinend Schaukhat Ali in London den Gedanken entwickelt, daß der jüdische Einfluß (gemeint war wohl der zivilisatorische) von Palästina aus auf den ganzen Orient ausstrahlen werde. Diese Idee schien jedoch dem Inder, der von ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, offenbar wenig anziehend, zumal er dabei an politischen Einfluß gedacht haben mag, und so kam es, daß er m Palästina in seinen Reden behauptete, Dr. Weizmann habe gesagt, die Juden wollten sich auch der anderen arabischen Linder bemacht i g e n. Es ist sehr bedauerlich, daß diese diffizilen Dinge in dem Londoner Gespräch nicht mit mehr Präzision behandelt worden sind, denn es ist ganz klar, daß derartige Mißverständnisse, die ja schon öfter von ungeschickten zionistischen Formulierungen ausgegangen sind, dem Zionismus mehr Schwierigkeiten bereiten und mehr Schaden zufügen können, als ihm manche englische Unterstützung nützen kann. Schaukhat Ali ist zweifellos für alle Orientfragen heute eine Persönlichkeit von ganz überragendem Einfluß und der Zionismus muß natürlich seine politische und diplomatische Position gerade im Bereiche dieser neu aufgetauchten Machtfaktoren befestigen, die für uns wichtiger sind als die Minister mancher europäischer Kleinstaaten, die mit so viel Bereit- Willigkeit billige Sympathie-Erklärungen für den Zionismus abzugeben pflegen. Von dieser Auffassung hat sich ja offenbar auch die zionistische Führung leiten lassen, als Dr. Weizmann in London und Kisch in Jerusalem mit Schaukhat Ali in Fühlung traten. Leider hat die zionistische Diplomatie hier eine Schlappe erlitten. Vielleicht war dies nicht zu vermeiden, da ja die palästinensischen moslemischen Führer, insbesondere angesichts des durch die Beerdigung Mohamcd Alis geschaffenen Bandes, begreiflicherweise sehr mächtige Gegenspieler gewesen sind. Aber es wäre um der künftigen Politik willen — zu prüfen, ob nicht auf zionistischer Seite eine ungerechtfertigte B a g a t e 11 i s i c r u 11 g dieser Faktoren, wie sie a us dem ironischen Wort von der ״orientalischen Phantasie“ — wenn es gebraucht warden sein sollte — spricht, mifspielt. Die Haltung der jüdischen Presse Palästinas gibt in dieser Hinsicht zu sehr ernsten Besorgnissen Anlaß. Der ״Felestin“ erklärt, Dr. Weizmanns Acußcrungen seien ein schwerer Vorwurf gegen einen Mann, der um der Wahrheit willen einen großen Teil seines Lebens im Gefängnis zugebracht und sein Vermögen geopfert hat. Eine direkte Antwort könne jedoch nur von Schaukhat Ali selbst gegeben werden. Nach unserer Meinung wäre es wünschenswert, daß Dr. Weizmann die vom ,,Felestin״ provozierte Antwort Schaukhat Alis nicht abwartet,