Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 27-28 (14.4.1931)
- Date
- 1931-04-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 170 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27/28, 14 IV. 1031 Da wimmelt es nur so von Ausdrücken wie Hoheitsgebiet, Westdeutschland, Ostdeutschland, Norddeutschland, Kommando gewalt usw. In der Vorstellungswelt der Nazis scheint permancnter Krieg zu herrschen und ihre Maßnahmen tragen die Ausdrucksweise militärischer Aktionen. Vorläufig scheint Adolf 1 litler der Stärkere zu sein, denn er hat das Geld, das zum Kriegführen unerläßlich ist. Während die Nationalsozialistische Partei sich in Gärung befindet und offenbar einer Spaltung entgegengeht, schreitet die nationalsozialistische Ideologie in Deutschland siegreich vorwärts. Neue Geridiiittriefl(, wie in der Disziplinarsache gegen den seines Amtes entsetzten Regierungsrat Fabrizlus, der jetzt vom Reichsddsziplinarhot rehabilitiert wurde, oder das Urteil in Angelegenheit einer Zeitung» die das Mordattentat gegen den Hamburger Polizeirat Lassa lly, psychologisch begreiflich zu machen versuchte, dafür verboten wurde,!im vorn Reichsgericht exkulpiert zu werden, beweisen, in welchem Maße die höchsten deutschen Gerichte der Denk- und Gefühlsweise des Rechtsradikalismus zuneigen. Aehnliche Beispiele, wenn auch nicht so greifbar schwarz auf weiß, ließen sich aus zahlreichen Bezirken der Verwaltung und des öffentlichen Lebens anführen. Daraus geht hervor, daß es ein Fehlschluß wäre, anzunehmen, alle Not der Juden werde ein Ende haben, wenn nur die Nationalsozialisten gespalten und zerschlagen sind. Für uns, welche das wahre j udenproblem jenseits vom Antisemitismus erblicken, sind Schwankungen in der antisemitischen Wellen- Bewegung kein Gradmesser für unsere Situation. Immerhin kann man als Jude mit einem gewissen Gefühl der Erleichterang feststellen, daß sich die politische Lage in Deutschland zweifellos ein wenig entspannt hat, wiewohl die Wirtschaftliehen und großen politischen Fragen mit gleicher Schärfe auf der ganzen Welt, somit auch auf Deutschland und auf uns Juden lasten. Lin schrecklicher Zwischenfall wird aas Ungarn gemeldet. In Budapest wurde am zweiten Peßachtag in der Synagoge ein Revolverschuß abgegeben, wobei zwei Juden lebensgefährlich und mehrere leichter verletzt wurden. Der latei-, der erklärte, die ungarische Nation an den Juden rächen m wollen, wird als ein Irrsinniger bezeichnet, der vor Jahren auch bereits in einem Irrenhaus interniert war. Die Erregung der ßudapester Judenschaft über diese Tat ist außerordentlich ^roß. Der Vorstand der Fester Israelitischen Religionsgemeinde hat in einer Sondersitzung seiner Entrüstung und dem Mitgefühl für die Opfer Ausdruck gegeben. Der Kultusminister. Graf Klebeisberg, hat in einem Telegramm sein Bedauern und Beileid ausgesprochen, ebenso der katholische und protestantische Bischof. Kurz darauf ist einer der Verwundeten, der siebzehnjährige (•ymnasiast Roth, gestorben und an dem Aufkommen eines /weiten wird gezweifelt. Das Begräbnis des Opfers am 13. d. M. gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der Trauer und des Protestes. In Budapest erhält sich das Gerücht, daß der angeblich Irrsinnige nicht aus eigenem Antriebe in die Synagoge eingedrungen sei, sondern von einer antisemitischen Organisation veranlaßt wurde, auf die betenden Juden zu schießen. Dieses OerÜcht scheint nach Angaben des ״Pester Lloyd“ um so begründeter zu sein, als vor einigen fahren auch während der Osterfeiertage ein Attentat auf ein hauptsächlich von Juden frequentiertes Kasino verübt wurde, das den Tod von mehreren Personen herbeituhrte, und weil der Synagogenattentiter bei seiner Tat den Das Lloyd George - FeslbanKell Proklamierung einer Lloyd George-Kolonie in Palästina - Ansprachen Weizmanns, Herbert Samuels> Lloyd Georges, Mrs. Snowdens, Lord Lyitons, Norman Angells und Sokolows London, 18. April. (J. T. A.) Sonnabend, den 11. April, fand im Savoy-Hotel zu London der von der Zionistischen Organisation veranstaltete Festabend zu Ehren des Führers der Liberalen Partei, David LloydGeorge, statt, der bekanntlieh der Chef des Kabinetts war, das die Balfour-Deklaratioa erließ. In dem großen Saal des Savoy-TIotels hatten sich über 600 geladene Gäste versammelt, unter ihnen eine große Anzahl von Staatsmännern und Abgeordneten, hervorragende Wirtschaftsführer und bedeutende Repräsentanten Wissenschaft- Hoher Kreise. Den Vorsitz führte Dr. Weizmann, der auch den ersten Toast auf den Ehrengast Lloyd George hielt. Dr. Welz,mann sagte, im Verlauf der letzten zwei Jahre sind über_ Palästina und die zionistische Politik eine Reihe vielfarbiger Bücher herausgegeben worden. Wir wurden geprüft und analysiert, wie kaum jemals ein Volk geprüft und analysiert wurde. Außerhalb Palästinas wird das Problem des Landes schwerer genommen, als in Palästina selbst. Die nächste und wichtigste Aufgabe ist, die politischen Diskussionen auf ein geringeres Maß zu reduzieren und größeres Gewicht auf die praktische Arbeit zu legen. Durch rastlose Arbeit am Aufbau Palästinas werde das jüdische Volk am besten seine Dankbarkeit für Lloyd George, dem es zu einem großen Teil die Möglichkeit der Wiedererrichtung einer nationalen Heimstätte verdanke, zum Ausdruck bringen. Sir Herbert Samuel führte aus, der Name Lloyd Georges werde neben dem Lord Balfoura stets ira Zusammenhang mit dem großen Palästinawerk genannt werden. Das jüdische Volk werde seiner Dankbarkeit für diesen hervorragendsten aller Walliser, dem es schon im wallisischen GedSchtnisLnslitut zu Dembigashire ein Denkmal gesetzt hat, nunmehr durch die Schaffung eines noch dauernderen Denkmals, einer Siedlung im Tale Jesr ec 1, die seinen Namen tragen soll, Ausdruck verleihen. Bei der Anwendung der vor nunmehr 13 Jahren von der Regierung unter Lloyd George erlassenen Balfour-Dcklaralion, fuhr Sir Herbert Samuel fort, haben sich Schwierigkeiten er- §ebe n. Man hatte Sätze geprägt, wie: ״Das Land ohne Volk em Volke ohne Land“. Man war sich dessen nicht völlig bewußt, daß in Palästina bereits eine Bevölkerungvon einer halben Million Menschen, Angehörigen einer stolzen und alten Rasse, wohnte, deren Rechte in t.'eberein- Stimmung mit dem Grundprinzip der britischen Verwaltung im Wortlaut der Balfour-Deklaration ebenso klar anerk a n nt wurde wie dasRechtderJuden auf Wiederherstellung ihres Nationalheims. Die au! meinen Rat im Jahre 1022 von der Regierung verlautbarte Erklärung Ober ihre Palästina-Politik wurde seither von jeder Regierung bekräftigt. Jede Politik muß nicht nur richtig und Sangbar, sondern auch kontinuierlich und bestän- _____ ig sein. Nichts ist schlechter als ein Kurs, der zuerst die eine . _ _ei ietaer~Tat*d«*״ Seite zuMedensteEt und die *weite verletzt, um. später,;die׳ ..Jagdschein“, ein irrenärztTicbes Attest aus dem Jahre zweite zu BefrlecRgen und die rerste zu vetletzeh. .. bei sich trug. Offenbar rechneten die Hintermänner "damit! daß man den Verrückten nach Vorzeigung des sonst von ihm nicht mitgefuhrten Attestes als Unzurechnungsfähigen freilassen wurde. Der ״Pester Lloyd“ verlangt eine gründliche Untersuchung, damit die Zusammenhänge der scheußlichen Schießerei restlos geklärt werden. Peßach and Hebt Mosa J erusalem, 10. April. (J-T.A.) Die Peßach-Tage und das arabische Nebf Musa-Fest sind in Jerusalem ruhig verlaufen. Große Mengen von Juden waren am ersten Peßachtage vor der Klagemauer zum Gebet versammelt, wo auch Chief Rabbi Kuk unmittelbar nach seiner Predigt in der Churvah-Synagoge erschien. An der Nebi Musa-wafffahrt zu der bei Jericho gelegenen Stätte, an der die Mohammedaner das Grab Moses vermuten, nahmen viele Tausende Araber teil. Der Zug bewegte sich in feierlicher Prozession durch die Straßen Jerusalems, in denen über 10000 Zuschauer, vorwiegend schwarz gekleidete und verschleierte mohammedanische Frauen, das Schauspiel verfolgten. Es wurden Rufe laut: ״Nieder mit der Balfour-Deklaration und dem Mandat“. Die Behörden hatten außerordentliche Maßnahmen zur Verhütung des Ausbruchs von Unruhen getroffen. Eia Heer von Polizisten war auf den Beinen, Panzerwagen Versperrten den Zugang zur Jaffastraße und starke berittene Polfzeikräfte eröffneten und beschlossen den Pilgerzug. Alle nach Jerusalem kommenden Araber wurden nach Waffen durchsucht. Drei Kommunisten wurden bei der Verteilung von Flugschriften, in denen zum Kampf gegen die Regierung, die Zionisten und die Effendis aufgerufen wird, verhaftet. Nur der Wachsamkeit der Behörden ist es zu danken, daß es nicht zu dem befürchteten Zusammenstoß zwischen Anhängern und Gegnern des Mufti kam. Immerhin war die Erregung der beiden Parteien außerordentlieh stark, und so oft ein Anhänger des Großmufti ein Hoch auf diesen auszubringen versuchte, kam er über die Worte ״Lang lebe . . nicht hinaus. Er wurde dann durch Rufe wie ״Der böse Geist fahre in den Vater des Mufti!“ niedergeschrien. Die Pilger übernachteten auf dem Platze vor der Omar-Moschee und vereinigten sich am nächsten Tage mit den Pilgerzügen aus Lifta und Ain Kare«. ״Jaden wolku Ihn ermorden. . Ein Vorfall, der sich im D-Zug Aachen — Berlin vor einigen Tagen in der Nacht ereignete, verdient, auch vom jüdischen Standpunkt aus gesehen, einer besonderen Erwähnung. Ei“ irrsinniger Fahrgast zog die Notbremse, während der Zug durch ein Waldgelände raste, stieg aus dem Wagen und verschwand in der Dunkelheit. Aufgegriffen, gab der Flüchtling an, der Zug wäre ״voller Juden gewesen, die ihn ermorden wollten“. Der arme Verrückte ist wahrscheinlich durch die zügellose antisemitische Hetze in seinen Irrwahn gejagt worden. Wenn man, was bei jenem Verrückten der Fall war, regelmäßig nationalsozialistische Blätter liest, dann sieht man die weit voller Gefahren, deren Urheber die Juden sind. Es ist charakteristisch, daß bei diesem Kranken der Wahn Formen einer Verfolgungsangst durch jüdische Mörder angenommen bat Die schrankenlose antisemitische Hetze umnebät gesunde Gehirne und krankhaften gibt sie den Rest Wenn die Juden in Wort und Tat den arabischen Standpunkt würdigen und respektieren, werden auch die Araber mit der Zeit zu einer Würdigung und Respektierung des jüdischen Standpunkts gelangen. Inzwischen muß die Verwaltung Palästinas Friede 11 und Ordnung aufrechterhalten und durch Hebung des allgemeinen * Wohlstands das staatliche Einkommen unter gleichzeitiger Senkung der Steuerlast steigern. Dadurch werden am besten Frieden und Verständigung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen gefördert und die Bedingungen geschaffen, unter denen der Jude seinNationalheimerrichten und, unter seinem Weinstock und Feigenbaum labend, Ruhe für seine durch zweitausendjährige Wanderung ermattete Seele finden kann. Dafür, daß Lloyd George soviel dazu beigetragen hat, diese alte Sehnsucht zu stillen, wollen wir ihm heute unseren Dank sagen. Den Höhepunkt des Abends bildete die Rede Lloyd Georges der u. a. ausführte: Ich kann die Dankbarkeit für die mir durch Verknüpfung meines Namens mit einer Kolonie im Tale Jesreel zuteil gewordene Ehrung kaum durch Worte ausdrüekea. Vor 11 Jahren wurde in San Remo das Palästina-Mandat England übertragen. Damals war Palästina kein Heim für irgendein Volk, sondern eine Ruine, bestenfalls war cs der Platz für ein Heim. Ein Land, das «inst 5 Millionen reichlich ernährt hatte, konnte nunmehr einer Bevölkerung von weniger als einer Million kaum den ärmlichsten Unterhalt oieten. Der in den 11 Jahren seither gemachte Fortschritt ist unglaublich. Ein befruchtender Strom von Reichtum, Energie, Eifer und geistiger Leistung hat sich nach Kanaan ergossen. Die jüdische Bevölkerung hat sich bereits mehr als verdoppelt und gleichzeitig, dies sei allen Kritikern des Jüdisehen Nationalheims gesagt, ist die Zahl und die Wohlhabenheit der arabischen Bevölkerung gestiegen. Der Zionismus, der in ein ruhmreiches, aber zugründe gerichtetes altes Land netten Reichtum, neue Energie, neue Initiative, neue Intelligenz, eine neue Hingabe und eme neue Hoffnung gebracht hat, ist zwar weit davon entfernt, seine Aufgabe vollendet zu haben, aber er hat durch seine bisherigen Leistungen gezeigt, daß das Wort von dem Land, das von Milch und Honig fließt, keine unbegründete Legende ist. Es hat auch Unruhen und Unheil gegeben. Wenn aber das Judentum wegen der jüngsten Enttäuschungen aufhören sollte, mit erneuter Kraft und Opferwilligkeit an seinem Werke zu bauen, wäre es unwürdig seiner großen Vergangenheit. Ein Volk, das mehr Verfolgungen als jedes andere erlitten und seine Zuversicht doch nicht verloren hat, macht wegen eines abscheulichen feigen Aufruhrs nicht Kehrt. Auch die Mandatarmacht muß ihre Aufgaben treu und entschlossen erfüllen. Die infolge des Weißbuchs entstandenen Zahlt and sammelt den SdheKel! Zweifel wurden durch den Briefwechsel zwischen dem Ministerpräaidentea und Dr. Weizmann behoben. Das Mandat muß dem Wortlaut und Geist nach durchgeführt werden. Das Mandat hat die Rechte aller Einwohner des Landes zu berücksichtigen, gleichzeitig aber jene von 40 zivilisierten Nationen angenommene PoHtik zu verfolgen, durch die die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in jeder Weise erleichtert werden soll. Oberste Pflicht einer Regierung ist es, Leben und Eigentum aller Bürger ohne Unterschied von Rasse und Glauben zu schützen. Versagt sie in der Erfüllung dieser elementaren Pflicht, so hat sie nicht das Recht, den Platz einer Regierung einzunehmen. Der Jude in Tel-Awiw hat ebenso viel An- Spruch auf Schutz wie der Mohammedaner in Cawnpore. Die Palästinaregierung hat sich anläßlich der letzten Unruhen damit entschuldigt, daß sie überrascht worden sei. Die größte Ueberraschung ist wohl die, daß eine solche Entschuld!• gung vorgebracht werden konnte. Das Ueberraschungsniomen l darf nicht länger zur Entschuldigung für ein Versagen bei dieser primären Aufgabe einer Regierung herangezogen werden Niemals war die Rede von einer Ungerechtigkeit gegenüber Mohammedanern oder Christen. In Palästina Ist genügend Raum für ein Jüdisches Nationalheim, ohne daß Irgendeiner seiner jetzigen Bewohner oder dessen Kinder heimatlos gemacht werden müssen. Lange bevor die Wissenschaft die Möglichkeit der Entwicklung unbegrenzt vermehrt hatte, hat Palästina das Fünffache seiner jetzigen Bevölkerung ernährt. Die Juden haben zweifellos einen besonderen Anspruch auf Kanaan. Sie sind die Einzigen, die in dem Lande während der letzten 3000 Jahre erfolgreich gearbeitet haben. Und sie haben als Volk nie eine andere Heimat gehabt Die Menschen, die der Zionismus in Palästina sammelt, kommen aus allen Teilen der Welt. Sie kommen, bereichert durch die Berührung mit allen nationalen Kulturen der Welt, so daß wir von dem zionistisehen Experiment nicht nur für Palästina, sondern für alle!,Inder, nicht nur für die Kinder Israels, sondern für alle Menschenkinder Großes erwarten können. Weitere Reden Siaion Marks, der Vorsitzende des englischen Keren Hajessod, erklärte, es sei schon lange der Wunsch der Zionisten gewesen, Lloyd George ihren Dank in angemessener Weise zum Ausdruck zu bringen. Die neue Kolonie Klar David vereinige die beiden früheren Siedlungspunkte Sarona und Hascharon und zähle heute etwas unter hundert Seelen. Es sei beabsichtigt, eine große Bewässerung durchzuführen, so daß schließlich die Zahl der Bewohner 3er Kolonie bis auf tausend gesteigert werden könne. Der Abgeordnete der Labour Party, Sir Norman Alt ge 11, würdigte zuerst die persönlichen Qualitäten Lloyd Georges und fuhr dann fort: Die nichtjüdische Welt sei zu einer wiedergutmaefaung am jüdischen Volk verpflichtet. Eher war dem westen e»e Gelegenheit geboten, einer Rasse* der Unrecht geschehen war. die Möglichkeit zu geben, ihre höchsten Ideale zu verwirklichen. Die Juden haben für ihr Nationalheim nicht die Unabhängigkeit verlangt, sie forderten eine zivilisierte unparteiische Regierung, unter der ihre Gemeinschaft und ihre besonderen kulturSlen Traditionen und Fähigkeiten Seite an Seite neben denen der anderen Bevölkerungsteile sich frei entwickeln können. Der Brief des Minister- Präsidenten wird ein neues und glücklicheres Kapitel der Palästina-Geschichte einleiten, wenn er unverzüglich in konkrete Verwaltungsakte der Landesregierung umgesetzt wird. Die Regierung muß ein aktiver Partner beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims werden. Mrs. Snowde n , die Gattin des Schatzkanzlers, richtete an die allzu ungeduldige zionistische Jugend den Appell, Vertrauen zu den Freunden der zionistischen Bewegung innerhalb der Regierung zu haben. Der Aufbau des Nationalheims könne aber nicht überstürzt oder fordert werden. Es sei hedauerlich, daß die palästinensische Jugend wenig Verständnis für das historische Palästina zeige, und dadurch manchmal die Gefühle religiöser Palästinabesucher verletze. In Beantwortung eines Trinksprudis von Nathan Laski nahm Dr. Weizmann auch auf die Äußerungen von Mrs, Snowden bezug, indem er erklärte, es gäbe verschiedene Wege, Gott zu dienen. Die palästinensische Jugend, die durchaus nicht beabsichtige, das religiöse Empfinden Andersdenkender zu verletzen, dürfe nicht in eine Reihe mit bloßen Besuchern Pa- Iästinas gestellt werden. Als letzter Redner sprach Nahum Sokolows der dem Ehrengast namens des Jüdischen Nationalheims den Tribut der Bewunderung und Dankbarkeit darbrachte. Erez-lsrael, führte Sokolow aus, steht in Lloyd Georges Schuld, der die Sache der Erneuerung des Landes durch seine eifrigen Bemühungen gefördert nabe. Das jüdische Volk ehre in ihm einen der großen und weitsichtigen Staatsmänner unseres Zeitalters, der aufrichtig die Wiedergutmachung jahrhundertelangen Unrechts und die Gleichstellung Israels mit den anderen Nationen gewünscht habe. Die ״Magna Charta“ der jüdischen Nation, die Balfour-Deklaration ist mit durch die Initiative und Arbeit Lloyd Georges zustandegekommen. In Verbindung mit dem Namen James Arthur Balfours hat darum auch sein Name Unsterblichkeit erlangt Das letzte Ziel des Jüdischen Nationalheims ist volles menschliches und nationales Leben der Juden. Wir hoffen, schloß Sokolow seine Rede, vKfar David“ als blühende Kolonie zu sehea Namens des Jüdischen Nationalheims bringe ich den Wunsch zum Ausdruck, daß unser Zahlreiche Begrüßungsschreiben jüdischer Organisationen und Persönlichkeit«« der ganzen Weit waren eingäaufen, darunter eine» von Col Khan namens der Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem. Während des Banketts wurden £ 2000 für die Lloyd George-Kolonie gezeichnet, vor dem Bankett waren schon £ 5000 vorhanden, zusammen sind daher bis jetzt £ 7000 gesammelt. Die Londoner Sonntagsblätter vom 12. April veröffentlichen bereits ausführlich die wichtigsten Reden des Banketts, vor allem die Rede Lloyd Georges im Wortlaut.