Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 27-28 (14.4.1931)
- Date
- 1931-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Weltmanns T&Hghcii in Palästina Doppelmmtmer 0,44) Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. .A w\ ancisabonnemeats tveurdUm 1a d«r Wahrung dar •inreXnen Länder berechnet. A.nzesgenprei«: 8 gesp. Nonpareille*«!!© 0.50 G.-M. St eil enge suche 0.25 G.-M. Nummer 27/28 | Berlin. 14. IV. i93t Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische RundschauG.tn.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. AnraigenachluÄ: Dienstag und Freitag nachsittjgs 4 U h r Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po«tic!)«*ek - Kontan 1 Berlin 173 92, Basel V 9355, Belcnd 68032, Brüssel 39433, Budipmt 59693. Danzig 1973. H»«g 140 470, Pr»« 59410, Big« 4155, Strassburg 16430, Wandua 190708, Wien 156030, Bank - Konten: DsnnsUdter- und National bank, Depo«it«n - Kaase Berlin. kutfürMandamm 52; Ban« 40 Est, Oraauti (Ruminlen); Anglo Palwtine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv. כ״זניסותתנ״א | xxxv!.jah~ Per Zlonlgimia erstrebt*Pj!_dg»_jfltllgcheJ¥ollc dl• Schaffung einer dffentlll^'.rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstlna. ״Baseler Programm.*» XVILKongrefc 29. Juni-Basel Glänzender Verlauf des Lloyd George ״ Banketts Das von der britischen Sektion der fewtsh Agency veranstaltete Bankett zu Ehren Lloyd Georges, das mit der Proklamlerung einer nach ihm benannten jüdischen Kolonie im Emek Jesreel ״ftamaih David" verbunden war, fand am 11. d. Mts. in London statt. Die Reden, die bei diesem Anlatj gehalten wurden, sind zum Teil politische Kundgebungen ersten Ranges. Lloyd George selbst hat sich ebenso wie schon in seiner Unterhaus-Rede mit dem ihm eigenen Elan für eine konsequente Durchführung des Jüdischen Nattonalheims ausgesprochen und die englische Regierung für viele Sünden der Vergangen« heil kritisiert. Herbert Samuel erklärte, ange« sichts der realen Verhältnisse Palästinas sei die im Weißbuch von 1922 niedergelegte Politik der einzig gangbare Weg und in ihrem Sinne müsse die erha« bene Idee des Jüdischen Nattonalheims verwirklicht werden. Die Reden des Banketts wurden durch Radio übertragen und waren in der ganzen Welt aus« gezeichnet zu hören. Einen ausführlichen Bericht tinden unsere Leser an anderer Stelle unserer heutigen Nummer. ln aller Kürze Dr. Welzmann hat nach arbeitsreichen Wochen am 5. April Palästina verlassen. Zugleich mit ihm ist Dr. Ru pp ln nach London abgereist, um bei den am t3. d. M. beginnenden Ver- Handlungen der Jewish Agency und der englischen Regierung mitzuwirken. Am Ostersonntag wurden in der NIhe von Haifa jüdische Arbeiter aus dem Hinterhalt angeschossen, wobei drei Menschen getötet und fünf verwundet Mjrdan: Die Täter wurden bisher nicht ermittelt. (Näheres un Innern des Blattes.) Die Erben des unlängst verstorbenen Herrn Syivain Kleinberg in Brüssel haben dem Büro des Keren Kajemeth mitgeteilt, daß Kleinberg in seinem Testament eine Summe von 1 000 Pf und dem Jüdischen Nationalfonds ver• macht hat. Auf Veranlassung einer Anzahl ägyptischer und englischer Juden wurde in dem Ceiriog-Gedächtmsinstitut in Dembigashire, das der Erinnerung an die Taten hervorragender Walliser gewidmet ist, eine Tafel angebracht, die der Verdienste Lloyd Georges um die Veröffentlichung der Balfour-Deklaration gedenkt Die Palästina-Regierung versandte an die Distriktsgouverneure und Abteilungsleiter das Weißbuch und den Brief MacDonalds an Dr. Weizmann. Durch diesen amtlichen Akt ist die enge Zusammengehörigkeit der beiden Dokumente erwiesen, sowie kenntlich gemacht, daß der MacDonald-Brief als ״Instruktion“ für Beamte den gleichen Rang besitzt wie das Weißbuch. in der zweiten März-Hälfte besuchte der High Commissi,> ner Amman und hatte dort Unterhaltungen mit dem früheren König Hussein, dem Emir Abdallah, dem englischen Bevollmächtigten in Amman und dem gegenwärtigen Minister- Präsidenten, Am 18. März besuchte der High Commissioner in Tel• Awiw die dort jetzt stattfindende Kunstausstellung, das neue Schlachthaus der Stadt, das Nathan- und Lina-Strauß-Gesundlu-itszentruin, die neu erbauten Kühlhäuser und die Vermessungsabteilung der Regierung. Auf dem Rückweg von Tel-Awiw nach Jerusalem besuchte der Oberkommissar Mikwe Jisrael. In der letzten März-Woche traf in Jaffa das Schiff ״Sinaja“ mit 461 jüdischen Einwanderern ein. Von den Ein- Wanderern kamen 119 als Chaluzim und 176 als Verwandte auf Zertifikate der Jewish Agency. (JAB) Unter dem Jubel der Bevölkerung überflog am Sonnabend, H. d. M,, das Luftschiff ״Graf Zeppelin“ die Stadt Jerusalem. Das Luftschiff senkte sich so tief herab, daß es fast die Dächer der Gebäude des Hauptbüros der Jewish Agency und des Postamtes berührte. Wie ״Bombay Chronicle“ meldet, befinden sich 700 Inder aut dem Wege nach Jerusalem, um hier am Grabe Mohammed Alis zu beten. Das polnische Amtsblatt veröffentlicht in seiner soeben erschienenen Ausgabe das Gesetz über die Abschaffung '!er aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Be- Schränkungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung Polens. Damit sind die Ausnahmebestimmungen gegen Juden endgültig a b g e s c h a f f t. Am Vorabend des Peßachfestes veröffentlichte die Agudas J i s r o e I in Jerusalem einen Aufruf an die jüdische und arabische Bevölkerung, den Frieden in Palästina wieder herzustellen. Zugleich wird an die Presse beider Völker appelliert, alles zu vermeiden, was zur Verschärfung der Beziehungen hei trägt. Die Regierung wird aufgefordert, sich aktiv für die Verständigung der Völker einzusetzen. Wie die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ mitteilt, ist der bisherige Chefredakteur des Blattes, Herr Bruno Woyda, v״n seinem Amte zurückgetreten. Die Person des Nachfolgere wird nicht genannt. In einer Erklärung der Liberalen Vereinigung, die dem scheidenden Redakteur den Dank ausspricht, wird betont, daß in der prinzipiellen Haltung des Blattes keine Aenderung eintritt. Die Exekutive der Zionistischen Organisation teilt mit, daß der XVII. Zionistenkongreß für den 29, Juni nach Basel einberufen wird. Der Stichtag für die Beendigung der Schekekammlung ist auf den 4. Mai festgesetzt worden. Auf Grund der bis zu jenem Datum bei der Exekutive eingezahlten Schekolim wird die Zahl der Kongreßdelegierten für jedes Land bestimmt werden. Die Exekutive hat gleichzeitig Instruktionen wegen Durchführung der Kongreßwahlen erlassen. Die Berichte über die Ergebnisse, der Wahlen müssen spätestens am 14. Juni bei der Exekutive eingehen. Die T agesordnung und weitere Einzelheiten werden demnächst bekanntgegeben werden. Agency-Council: 16. Juli Die Exekutive der Jewish Agency hat die zweite ord entliehe Tagung des Council für den 16. Juli nach Basel einberufen. Die zionistischen Mitglieder des Council wurden gemäß der Verfassung vom Zionistenkongreß gewählt. Wegen der Wahl der nichtzionistisch en Vertreter aus den verschiedenen Ländern werden von der Exekutive die nötigen Anordnungen erlassen werden. Gleichzeitig wird angekündigt, daß das Administrative Committee der Jewish Agency zu einer ordentlichen Sitzung für den 13. Juli nach Basel einberufen wurde. * Ueber die Motive, die für Festsetzung von Zeit und Ort des Kongresses maßgebend waren (vielen Zionisten ist diese Zeit sehr ungelegen und erscheint die Schweiz — besonders in der Hauptsaison — zu teuer), erfahren wir noch folgendes: in bezug auf die Z e i t d e s Kongresses fühlte sich die Exekutive durch den im Januar gefaßten Beschluß des Aktions- Comites gebunden, in welchem der Zeitpunkt von Mitte Juni Peßach und Ostern sind vorüber. Wie alljährlich brachte das Peßachfest den Juden in einzelnen Gegenden Osteuropas wie in Polen und Litauen neue Ritualmordmärchen. Die allgemeine Jüdische Not trat besonders an den Peßach-Feiertagen in Erscheinung. Die Anzahl der Hilfsbedürftigen in Polen, Rumänien, von der Sowjet-Union zu schweigen, überstieg in diesem Jahre, entsprechend der allgemeinen und der besonderen jüdischen Wirtschaftskrise, bei weitem die Zahl der Bittsteller in den vergangenen Jahren, ln Warschau waren 80000 jüdische Familien auf Peßachhilfe angewiesen. In Lodz konnte ein Drittel der jüdischen Bevölkerung keine Mazzoth kaufen. Vor den jüdischen Gemeindehäusern in Polen brachen Hungernde zusammen. Vor den litauischen Mazzoth- Depots war der Andrang in diesem Jahre ungewöhnlich stark. Die Vorräte und Mittel der Peßaeh-Hilfskomitees in Litauen erwiesen sieh als völlig unzureichend. Die gleichen Erscheinungen konnte man in Bessarabien, in der Bukovina und in Altrumänien feststellen. In Karpatho- Rußland leidet die jüdische Bevölkerung gleichfalls Not. Aber auch in Westeuropa wurden anläßlich der Feiertage an die Wohlfahrtsämter der Jüdischen Gemeinden, wie z. B. in Wien und in Berlin, Breslau, Hamburg und in Belgien, außerordentliche Anforderungen gestellt. Die jüdische Not ist in der ganzen Welt in weiten Kreisen der Bevölkerung gewachsen und sogar New York ist in diesem Jahre Schauplatz eines bei Juden bisher ungewohnten Not- Standes gewesen. Tausende von Juden in New York, darunter viele einstige Angehörige der wohlhabenden Kreise, sind vor den Polizeistationen angereiht und warten auf die Ausgabe der Peßich-Lebensmittel-Pakete, welche das Hilfskomitee gegen die Arbeitslosennot auf Anregung des Bürgermeisters Walker zur Verteilung gebracht hat. Angesichts dieser erschreckenden Tatsachen und des ständigen geradezu katastrophalen Rückganges der jüdischen Gemeindesteuern und freiwilligen Beiträge für jüdische Zwecke kann man Meinungen, daß von jüdischer Seite die Notlage der Juden in der ganzen Welt übertrieben wird, nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen. In Palästina sind zwar die mit dem Explosionsherd von Nebi Mus a stets verbundenen Befürchtungen nicht gerechtfertigt worden, Grofjfeuer in Tel-Awiw 43 Autobusse verbrannt Jerusalem, 11. April. (J.T.A.) ln der Nacht vom Freitag auf Sonnabend wurden 43 Autobusse in Tel - Awlw durch Feuer vernichtet. Der Verkehr in der Stadt i't hierdurch fast völlig lahmgelegt. Die Ur- . sac!!״ des Brandes Ist bisher unaufgeklärt. Der Schaden wird . auf 20000 Pfund geschätzt. für den Kongreß in Aussicht genommen wurde. Line buchstäbliche Durchführung dieses Beschlusses stieß jedoch auf 5dir ernste Einwände der überseeischen Zionisten. Die a in c r i - k a n i s c h e Zionistische Organisation behauptete, daß die Verhältnisse Amerikas mehreren Zionisten die Beteiligung an einem Kongreß vor Juli unmöglich machen. Der zionistische Lande-- verband für Kanada fügte hinzu, daß ein Juni-Kongreß eine außerordentliche Schädigung der dortigen Palästina-Kampagne bedeuten würde. Auch von anderer Seite wurde gewünscht, mit Rücksicht auf die im Berufsleben stehenden Zionisten, den Kongreß erst Ende Juli abzuhalten. Die Exekutive konnte jedoch "bei aller Würdigung dieser Argumente in Anbetracht der beim A.-C. getroffenen Regelung auf diese Wünsche nicht eingellen. Bei der Fest- Setzung des Kongreßtermines mußte auch auf die im Anschluß an den Kongreß abzuhaltenden Termine der Agency-Tagungen Rücksicht genommen werden. Nach langwierigen Verbandlungen und nach Beratung mit dem Vorsitzenden des A.-C. und mit anderen in Betracht kommenden Instanzen ist die Exekutive zum Beschluß gelangt, den Kongreßbeginn für den 29. Juni festzusetzen, womit allen Faktoren nach Möglichkeit Rechnung getragen ist. Infolge dieses außerhalb der üblichen Ferienzeit fallenden Kongreßtermins ist auch die Wahl des Kongreßortes aut sehr ernste Schwierigkeiten gestoßen. Die Zahl der Städte, die aus allgemeinen Gründen für einen Zionistenkongreß m Betracht kommen und die überdies den Bedürfnissen des Kon gresses technisch entsprechen, Ist außerordentlich gering. Leider erwies es sich als unmöglich, in dem billigeren Karlsbad, das zuerst in Aussicht genommen war, die benötigten Raumlichkeiten zu sichern. Nach eingehenden Verhandlungen und Erkundigungen, die zum Teil persönlich vom Leiter des Kongreßbüros in den in Betracht kommenden Ortschaften durchgeführt wurden, fiel die Wahl doch wieder auf die altbewährte Kongreßstadt Basel. Der Kongreß wird also im Gebäude der Baseler Mustermesse, in dem schon der 15.Kougreß stattgefunden hat, abgehalten werden. aber die Feiertage haben einen traurigen Zwischenfall bei Haifa gebracht, worüber an anderer Stelle ausführlich berichtet wird. bi Deuisdkland sind die Feiertage verhältnismäßig ruhig verlaufen. Dies ist nicht zuletzt ein Ergebnis der Ende März erlassenen Not- Verordnung des Reichspräsidenten gegen poiitische Ausschreitungen. Diese Notverordnung wird nicht mit Unrecht als ein schwerer und bedenklicher Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte betrachtet. Hätte man rechtzeitig auf Grund der bestehenden gesetzlichen Strafbestimmungen den Ausschreitungen von radikaler Seite entgegengewirkt, wären die Gerichte in der Be- und Verurteilung von Exzessen gegen politisch Andersdenkende, gegen die Person und das Eigentum aller Staatsbürger nach den Buchstaben und Geist des Strafgesetzes vorgegangen, so wäre es überflüssig geworden, zu dem zweischneidigen Schwert einer Notverord־- nung zu greifen. Da aber die Verhältnisse so weit gediehen waren, daß Mord und Totschlag auf Grund politischer Verhetzung Tagesregel geworden sind, so war die Notverordnung des Reichspräsidenten eine harte, aber leider unausbleibliche Maßregel. In der Osterwoche erlebte die Nationalsozialistische Partei in Deutschland, die uns Juden leider besonders interessieren muß, schwere Erschütterungen. In Thüringen wurden die nationalsozialistischen Minister Frick und Marsch ner durch die Stimmen der Volkspartei gestürzt. Dieser Partei ist das Zu• sammengehen mit den Nationalsozialisten besonders aus sozialen Gründen verleidet worden. Die Nationalsozialisten be• haupten nun, daß ״jüdischer Einfluß“ die Volkspartei dazu gebracht habe, den Nationalsozialisten die Treue zu brechen. Wenn der jüdische Einfluß in der Voikspartei tatsächlich so groß wäre, wie Adolf Hitler es behauptet, so wäre cs niemals zu einer Bcttgemcinschaft zwischen Volkspartei und Nazis gekommen. Die Wahrheit ist vielmehr, daß die Beteiligung der Nationalsozialistischen Partei an den Streiks in Berlin und im Ruhrgebiet der schwerindustriellcn Volkspartei die Kooperation mit den von ihnen während mancher Jahre finariziell unterstützten Nationalsozialisten verleidet hat. In der Nationalsozialistischen Partei ringen die völkischnationalistischen und verschwommen sozialistischen Ideen miteinander. Ein Ausfluß dieses Kampfes war die Stennes « Rebellion in Berlin. Vom jüdischen Standpunkt aus gesehen ist Adolf Hitler genau so viel wert wie Stennes. Beide sind sie radik a 1 e Antisemiten. Während jedoch Hitler in Erkenntnis der momentanen Aussichtslosigkeit von gewaltsamen Aktionen den Weg einer Scheinlegalität zur Erlangung der Macht gehen will, erblicken die Kreise um Stennes das Heil ihrer Bewegung in revolutionären Gewaltakten. Bei dieser ganzer. Kontroverse fällt die Phraseologie de* Nationalsozialisten auf. Nach den Feiertagen Im Zeichen von Wirtschaftskrise und Antisemitismus