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Jüdische Rundschau · 1931-04-01 · Heft 25-26 (1.4.1931) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 25-26 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 25 1 ,»2׳. IV, 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 161 Neue hebräische Dichtung Wir nehmen heute die in früheren Jahrgängen der ״Jüdischen Rundschau* begonnene Besprechung von Werken der modernen hebräischen Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Neuerscheinungen Palästinas wieder auf Die ״Jüdische Rundschau״ wird sich auch weiter bemühen, die Erzeugnisse unserer hebräischen Literatur durch sachkundige und ernste kritische Betrachtungen dem. deuischlesenden jüdischen Publikum nahezubringen. Im vergangenen Jahre sind Veröffentlichungen dieser Art u. a. in Nr. 29 und 42/43 der ״ Jüdischen Rundschau", in diesem Jahre bisher in Nr. 8 der ״Jüdischen Rundschau“ erschienen. Wir und die Umwelt (Zwei hebrSische Bücher.) Von Eleasar Lubrany Eppitr si muove . . . Wer die hebräische Literatur der letzten zwanzig Jahre kennt, weiß, wie scheu unsere Dichter jeder Auseinandersetzung mit der (nichtjjidischcn) Umwelt auszuweichen suchten. Die Pessimisten stießen darob laute Seufzer aus, manche spöttelten: diese ewigen jüdischen Mofivc . , . Aber im Gründe war ein beruhigendes ('jefühl da, daß cs so besser ist, daii die Zeit noch nicht gekommen ist. Unsere Dichter wichen instinktiv fast jedem universellen Problem aus, als fühlten sie, daß ihnen weder das Wort noch die Form hierzu verliehen wurden. Die Einzelnen, denen dieses Gefühl abging und die sieb an das Universelle herantrauten, sie vermochten nicht viel, und ihre Werke waren bald vergessen. Denn viel Schmerz und eine unermeßliche Bürde brachten unsere Dichter in die Welt mit hinaus. Die Welt war für sic voller Reflexe, unbewußt und wider eigenen Willen entwickelten sie eine unheimliche Mnemotechnik. Sie konnten die Sonne nicht sehen, ohne an die schmalen, dunklen Oäßchea m denken, in deren Schatten ihre Heimat lag. Sie vermochten keinen Menschen, kein Tier zu sehen, ohne in ihre dunkle Heimat zurückversetzt zu werden. Was wunder, wenn ihnen diese Umwelt nicht nur fremd, sondern meistens auch feindlich zu sein scheint? Daher die Egozentrik des jüdischen Dichters, daher auch seine Scheu vor Auseinandersetzungen mit dieser ihm fremden Welt. Bezeichnend dafür sind auch die ״Heiden“, die Lieben• den in der hebräischen Literatur. Meistens sind es negative Helden, zumindest aber passive. Es geschieht mit ihnen was, sie erleben was, werden von etwas gefaßt und wieder fortgeschleudert. Aber sie selbst packen ihr Erlebnis fast nie am Schopfe, formen es auch nicht, suchen es nicht einmal. Auch der ״große Liebhaber“ macht eine klägliche Figur, er ist Theoretiker, er ist Dialektiker, er führt giftige, stumme, lange Monologe, er beobachtet sich unentwegt. Nichts geschieht bei ihm impulsiv, nie handelt er aus Ueberschuß an Lebenskraft, aus Abenteuerlust. Nie jagt er nach einem Erlebnis, er wird in dieses immer hineingetrieben. So sind die Heiden in der hebräischen Literatur. Es gab da einen einzigen, der hier Wandel hätte schaffen können. Uri Nissan Gnessin hieß er. Aber zu früh war sein Lebenslicd verkjungen . . , Und unsere Jugend. Palästinas,, .die oadt .-Qpifh«!«»» nach Abenteuer, nach Liebe lechzt, ist gezwungen, ■diese aus fremder Quelle zu trinken. Daher wird auch so vieles ins Hebräische übersetzt. Nun bringt der Verlag ״Mizpah“, Jerusalem, den Roman ״Eine Ehe“ von David Vogel. Schon rein äußerlich ist das Werk bemerkenswert, es umfaßt drei Bände, mehr denn 600 Seiten. Das ist für unsere Begriffe allerhand. Geschrieben von einem Mann, der eingewurzelter Westeuropaische Bohemien ist, der also das Ideenghetto längst hinter sich hat Und dennoch! Hat er sein Schicksal (nicht sein eigenes, individuelles, sondern das Schicksal seiner Zugehörigkeit zu einem Volksganzen) überwunden? Agiert er als Individuum, als Einzelwesen, als Anonymus? Ist er in seinem Handeln frei, nimmt er das Leben, oder nimmt cs ihn? Wie denkt dieses Einzelwesen, wie reagiert es auf äußere oder innere Ereignisse? Kann er leben als Nur-Mensch? Dies zu verfolgen, ist der Mühe wert. Denn, wie gesagt, es handelt sich um einen ״Emanzipierten“. Der Roman behandelt die Geschichte einer Ehe. Nun ist dieses Problem an sich beileibe nicht von besonderer Aktualität Aber . . . höret den Wunschtraum eines hebrä-!schert Dichters: Gordweil, ein junger, jüdischer Intellektueller, wird von einer Baronesse geheiratet. Buchstäblich, wird geheiratet Denn sie war der handelnde Teil, sie machte den Heiratsan trag. Er konnte nur nicht nein sagen . . . Sic ist weder schön, noch besitzt sie andere nennenswerte Reize, aber sie ist eine Baronesse. . . . Sollte das nicht, wenigstens für ihn, Sühne und Genugtuung sein für ״damals“? Für dieses .,damals“, das uns seit unzähligen Generationen in seinen Mauen hält? Anders ist es nicht zu verstehen. Denn dicht neben der Nase des ״Helden“ lebt ein entzückendes, seelen- ' olles Fräulein Bodenheim. Ein Mädel voller Schönheit und Liebe. Eine Mädchenseele, die in Mitleid und Hingabe nur :>uf das Zugreifen des ״Helden“ wartet. Aber diesem Helden Gordweil ist das Zugreifen nicht gegeben. Uebrigens sieht er das Mädchen gar nicht, weiß nicht im geringsten wie es um »s steht. Er, der sonst so scharf Beobachtende und Wahrnehmende, er sieht auch dann noch nichts, als Ihm das Mäddien nach seiner (des Helden) höllischer zweijähriger Ehe mit der Baronesse eine regelrechte Liebeserklärung macht Nein, das sieht er nicht, das versteht er nicht Weil er mit ihr, als mit einer Stanimesgenossin, gar keine (auch im Unbewußten nicht) Rechnung zu begleichen hat? Vielleicht Und auch als das Mädchen freiwillig und seinetwegen in den Tod geht, versteht er die Zusammenhänge nicht, nur endlose Trauer trägt er um sie. Und weiß dennoch auch jetzt noch nicht, daß er eigentlich nur dieses Mädchen immer geliebt hatte. Aber das andere war stärker, es geschah so- ־«!sagen im Aufträge eines Höheren, Unsichtbaren. Es sollte Sühne sein and Genugtuung für ״damals“. Die Baronesse ist der Prototyp der erotomanen Frau. (Auch das Sühne für die ״gefesselte Erotik“ von damals? Vielleicht.) Sie liebt ihren Gordweil nicht, sie quält ihn zu Tode. Sie schändet Hm an Leib und Seele. Sie bringt ihre Liebhaber mit ins Haus mul versagt ihnen ihre Gunst auch in der Gegenwart des Gordweil nicht. Sie schlägt ihn, verachtet ihn ganz offen, doch der ״Held“ kann nicht handeln. Er ist ihr hörig, ist ihr mit ganzer Seeie verfallen. Liebt er sie wirklich? Nein, dies hat nichts mit Liebe zu tun. Dies wäre übrigens sehr verständlich. Aber was haben hier überhaupt Begriffe wie ״Liebe“ zu tun? Er bandelt doch im Namen eines mächtigen, unentrinnbaren Auftraggebers. . . . Und vielleicht wird doch noch alles gut. ... ja, es muß gut werden. . . .! Dieser Gedanke des Wiedergutmachens — das ist das Leitmotiv alt seines Duldens und Denkens. Und nur dies allein rettet den Helden vor der Verachtung des einsichtsvollen Lesers. Denn hier gelangen wir zu einem Gebiet, auf dem jegliche persönliche Würde und persönliche Reaktion ausgeschlossen werden. Immer ist der Auftraggeber fühlbar, immer das pulsierende Blut des immer noch lebendigen ״damals". Dieser schmächtige und schmachvolle Held imponiert uns daher mehr als andere wahrhaft ״heldenhafte“ Helden. Das Kind, das die Baronesse trägt, ist nicht von ihm, auch will sic es ״vielleicht wegschaffen", noch bevor cs da ist. Er weiß nicht, wer der Vater ist, und liebt cs dennoch mit seiner ganzen Seele. Vielleicht aus der Hoffnung heraus, daß es alles ״wieder gutmachen wird . . Am Ende seiner Kraft angelangt, rafft er sich doch noch zu einer Tat auf, er tötet die Baronesse. Aber wie sieht diese Tat aus! Nächtelang liegt diese Tat in seinem Herzen reif zusammengekauert, tagelang ist dieser Hamlet auf der (auch gedanklichen) Flucht vor ihr. Und er weiß doch, daß er ihr nicht entrinnen kann. Auch sie, ja, sic ist ihm vom Unsichtbaren aufgetragen worden. Nur Aufschub will er, aber auch dieser wird ihm nicht gewährt. Nun kommen wir zum psychologischen Höhepunkt. Erst nachdem er, der Held, als Individuum ganz zermürbt ist, erst als all seine Kräfte in diesem ungleichen Kampfe des Einzelwesens gegen den Auftraggeber ganz erschöpft sind und er diesem keinen Widerstand mehr leisten kann, vollbringt er die erste Tat seines Lebens. Eine Tat, die ein vom ״damals“ minder Belasteter schon längst und aus einem gesunden Gerechtigkeitsgefühl heraus vollbracht hätte. Aber auch nach dieser Tat fühlt sich Gordweil weder freier noch glücklicher. Er weiß nur zu genau, daß sein Lebensweg noch nicht zu Ende gegangen war und daß seiner wohl noch andere ״Aufträge“ harren. Daher mißt er dieser seiner ersten Tat keine besondere Bedeutung bei. Denn er ist ein Held des Negativen, des Passiven. Dies alles ist von David Vogel mit präziser Beobachtungsgäbe, messerscharfer Konsequenz und unerbittlicher Rück״ siclitslosigkeit geschrieben worden. Um so rücksichtsloser, als der Roman wie etwas: unmittelbar Erlebtes asisklingt und seine Scheinwerfer bis in die verborgensten Eckchen der Seele des Helden wirft. Bemerkenswert ist auch die Freiheit der Ausdrucksweise und Schilderung. In der hebräisc hen Literatur wird Derartiges gerne gemieden. Dean auch mit dem ״Normalempfinden“ ist es dort so eine Sache. . . . Das Ganze hätte sehr leicht als Beitrag dienen Manen zu dem heute so aktuellen Thema: Der Selbsthaß des Juden. . . . Der Verfasser David Vogel hat eine gute Wiener Schule durchgcniacht, nur manchmal hat es ihm die Psychoanalyse zu sehr angetan. Er ist noch ein ziemlich junger Mensch, trotz der fünf Bände, die er bereits hcrausgcbracht hat. Ein scharfes Auge ist ihm gegeben und eine künstlerische Ehrlichkeit. Er Nt Naturalist bis auf die Knochen, und wenn er dem Trauma weniger Platz einberaumen würde, er brauchte europäischen Vergleich nicht zu scheuen. * Mit sicherem, leichtbeflügelten Start sichert sich ein anderer Dichter die Führerreihe der hebräischen Literatur. Schelomoh Hilleis gab im Verlage ״Mizpali“ eine Erzählung heraus: ״Der Weinberg“. Er ist nicht fröhlich dieser Weinberg, aber echt und aus dem Vollen pulsiert das Leben in ihm. Erdhaft und ganz muten uns die Menschen in diesem Buche an, wie die Gestalten Knut Hamsuns. Hier wird der ewigen Sehnsucht des Juden nach der Scholle, nach Wurzelhaftigkcit ein ehrliches, erschütterndes Zeugnis ausgestellt. Wahr ist, daß der Jude erdhaft und kraft unharmherziger Umstände entwurzelt war und ist Aber die Geschichte unseres Volkes zeigt nur zu oft, wie verwachsen der Jude mit jedem Laude war, in welchem man ihn airnen ließ. In einem wunderschönen Poem schilderte Dawkl Friscliniann diese Gebundenheit des Juden mit dem Lande, in welchem man ihn hat leben und wirken lassen. Frisch mann schildert in ergreifenden Farben die Austreibung der Juden aus Spanien. Sic sind geschmäht, sie sind wund an Leib und Seele, am schmerzhaftesten aber brennt in ihnen die Erkenntnis, daß sie dieses Land Spanien lieben. Trotz Elend und Autodafe lieben. Die Aeitesten der Ausgetriebenen wenden ihr greises Haupt nochmals nach dem grausamen Land, senden ihm ihren letzten, wehmütigen Gruß und beschwören dann ihr Volk: Schweigt, ihr Brüder, lasset es niemals verlauten: Wir lieben dieses Land. . . . ״Der Weinberg“ des Schelomoh Hilleis ist ein Epos an die Mutter Erde. Er ist das Hohelied der Liebe des Menschen für die Scholle. Aber nicht die gekünstelte, romantische Liebe des Städters ist es, sondern unmittelbar, unauslöschlich und ohne Phrasen strömt diese Liebe aus dem Herzen des Helden Chone Leiser. Er ist eine schlichte Natur, das Wort ist ihm nicht gegeben, aber eng ist es seiner starken Seele und seinen baumjiaften Gliedern im dumpfen Städtchen. Er kann nicht den gewohnten Weg seiner Ahnen weitergehen, er versteht sie nicht Er fühlt nur, daß dies nicht sein Weg sein kann. Und so sucht er denn einen anderen Weg. Sucht, bis er ihn gefunden hat. Draußen, vor dem Städtchen, stellt ein einsamer Berg. Einsam und fremd diesem kleinlichen Getue des bessarabischen Städtchens. Nichts wissen die Mensehen mit ihn! anzufangen. Nur Schrecken flößt er ihnen ein. Er sei der heimliche Treffpunkt böser Geister. Im besten Falle sei er für einen Friedhof gut genug. Und so häufen sich auf dem Rücken dieses einsamen Riesen die Grabsteine, Kreuze und Dawfdsterne, dort ruhen sie friedlich und genießen die Schönheit dieser Weltgegend. Jahr um Jahr wird der Berg mehr umstorben. Bis ihn Chone Leiser entdeckt Er entdeckt iiin, verliebt sieh in ihn wie in eine schmiegsame gefügige Frau und bleibt ihm treu bis zum letzten Atemzug. Treu trotz allen Verlockungen und harten Schlägen. Chone Leiser macht aus diesem Totcn-Bcrg einen Weinberg. Und wrmi da״ Leben unseren Helden zu hart an packt, wenn ihm Frau und Kind grausam geraubt werden, schöpft der Einsame neue Kraft aus den zarten Stauden, aus dem Segen der Erde. Denn alles was in ihm und um ihn ist, wähnt er mit der Erde vermähl(. Kraft seiner Liebe. Alte Begriffe sterben ihm, gewohnte Ausdrucksweise wird plötzlich fremd, auch beten, aus dem alten Gebetbuch beten, kann er nicht mehr. Aber was Wunderbares ward ihm als Entgelt dafür gegeben! Die Erde, der Himmel, die Sterne, der Fluß sind seine herzhaften Kameraden. Mit ihnen versteht er sich, mit. ihnen ist cs ein ehrliches Leben und ein ehrlicher Kampf. Und aus ihrer Hand werden ihm Worte, Begriffe gegeben, die kostbarer sind, als all das Abgedroschene seiner früheren Umgebung. Hier kann er aufrecht schreiten, hier braucht er nicht ewig in Lüge zu lebe[), hier ist er ganz. Freilich, sobald der Berg m blühen anfängt, sobald die Talleute sich davon überzeugt, haben, daß auch mit Weinbergen ein Geschäft zu mache!! ist, sind auch sie da. Und bald steigert sich in ihrer beflügelten Phantasie, der Reichtum des Chone Leiser. Unermeßliche, sorgsam verborgene Schätze vermuten sie bei ihm. Und das Geschäft beginnt. Erst kommen die Villenhäuschcn (Schalem Alejchems urtvergeßliche ״Datsche‘*!), daun kommen die ,.,Madams“, das Kindergeschrei und dann alles, was so dazu gehört. Am Ende kommt noch ein ״groß,angelegter“ Kolonisationsplan, mit Parzellierung, Subventionen und endlicher ״Lösung des jüdischeu Problems in Rußland“. Aber Chone Leiser weicht nicht. Breitspurig steht er auf seiner Scholle und läßt sich nicht ablenken. Nur dort, wo er Seinesgleichen sieht, ist er zur Stelle und hilft. Ansonsten genügt ihm die Scholle. Sie übertönt das Marktgeschrei, das sich nun auch auf dem Berge breitmachf, übertönt seinen Schmerz über die Profanierung seiner ihm angetrauten Scholle. Dem Leben stellte sich Chone Leiser offen und ohne Tücken, und nun ist ihm auch der Tod Kamerad, Still und frei gibt er sich ihm hin. Wie ein Holzschnitt, knapp und ehrlich, ״ist dieser״Rpftaf! des 1 filfds, in meisterhafter Epik gehalten. Das Werk wlrnri und zündet, macht traurig und glücklich -. ein Meisterwerk. Ein Dichter der Arbeit Aus der hebräischen Romanliteratur des letzten Jahres verdienen die Werke eines jungen Schriftstellers besonderer Hervorhebung. Ewer i I a <1 a n i, der selbst unmittelbar aus dem Arbritslebcn Palästinas f!ervorgega!1gen ist, hat in zw’ci großen Erzählungen seine Erlebnisse bei der Arbeit aufgczeichnct. Beide Werke sind im rührigen Mizpah•Verlag, Tel-Awiw, erschienen. Die erste Erzählung, etwa vor einem halben Jahre unter dem Titel ״Zrif lia-cz“ (״Die Iiolzbaracke“), das Leben der Kwuzai! am Beispiel einer obergaliläischen Siedlung beschrci• bend, die zweite, soeben mit einem zweiten Band abschließend, mit dem Namen ״Hamifal baarawa“ (״Das Werk in der iordatisenke“). Entstehung und Bau des großen Ruthenberg- VVerkes im Glior romanhaft darstellend. Die hebräische Literatur ist nicht reich .111 künstlerischen Werken solcher Art. Darum ist der Mut eines jungen Dichters hoch anzurechneu, der es wagt, das noch quellende, kämpfende Leben in Worte /.!! bannen und ihm bereits jenes Maß von Rundung und Abklärung zu verleihen, das nun einmal künstlerische Darstellung erfordert. Ira Gegensatz zu manchen anderen belletristischen Bearbeitern des neuen Arbeitslebens im Laude hat Ewer I ladani jene glückliche Linie eingehalten, die einerscits der Fabel der Erzählung kein erdrückendes Ue.bcrgewjdit über die wohlerwogene Absicht einer umfassenden Darstellung dieser menschlich packenden Lcbcnswinkel gibt, die aber andererseits das rein Beschreibende nicht in bloß dialektischer Diskussion papierener Ideenhelden versumpfen läßt und so etwa nur Publizistik in belletristischer Verkleidung liefert, Ewer Hadani schildert den zweifachen Typus des jüdischen Arbeitsmannes in der neuen Heimat: den seiner Scholle sich wieder verbindenden Landmann und den in die große moderne Arbeitsbewegung sich ein gliedern den Proletarier, dessen Welt die Maschine und Eisenbeton ist. ״Zrif lia-ez“, ein aus schwarzem Basaltstein ragendes Haus, hoch oben im Galil auf einer Anhöhe, dem ״Witidloch“, an den Ausläufern des Naftali-Gebirges, gegenüber dem Herrn cm elegen, den sumpfigen, fiebergetränkten Hulc-See zu Füßen, ünfzig, sechzig Männer und Frauen hausen mit Kindern, Milchkühen und Zugvieh dort oben. Abends, nach verrichteter Arbeit, kärglichem Nachtmahl und Beratung über die Arbeitsverteilung des nächsten Tages entringt sich unversehens zwei drei müden Kehlen das Lied: Iiaj, jibbaneh, jibbaneh, jlbbaneh Haj, jibbaneh, jibbaneh, jibbaneh Haj, jibbaneh, jibbaneh, jibbaneh Haj, jibbaneh, jibbaneh, jibbaneh Jibbaneh hammikdasch! Von selbst schließt sich die Korona an. Dann aber packt das Lied sie und läßt sie nicht mehr, bis es, zehn-, zwanzigfach wiederholt, ihre Hälse heiser macht. Was ist das für ein Lied? Es ist das Lied vom Schmerz der Schaffenden, das Lied der Fragen: ob dies Haus Bestand hat, ob der ״Punkt“ gebaut wird, ob er sich hält vor den feindlichen Dörfern ringsum in den Bergen oben, vor den kühnen Stämmen in den Felsklüften mit ihrem mittelalterlichen Freiheitsbegriff; ob die Bäume gcdeihen und Früchte tragen, ob das Vidi sieb vermehrt, die Feldfnicht gedeiht, ob die Höhe von Arbeitsfreude und Fruchtfülle widerhallen wird; ob cs helfende Hände und helfendes Kapital geben wird, den Marmor der Berge drüben zu hauen, den Hulc-Sump! trockenzulegen, ihn in fruchtbares Gartenland zu verwandeln; ob die Heranwachsenden Kinder Erben des Bodens

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