Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 24 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 152 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24, 27. III. 1931 Vor neun Jahren Zur zionistischen Orient - Politik H ir haben in der ,,/. II." vom. 20. d. M. einen Artikel erwähnt, der an 1 19. September 1932 an dinier Stelle erschienen dt. Wir erhielten darauf aas dem Leserkreis zahlreiche Anfragen, was in jenem. Artikel gestanden habe. ll'tr glauben daher, daß vielen Lesern eine Wiederholung jener nun fast. 9 Jahre zurückliegenden Ai/sfiihningen erwünscht sein wird. Es handelt sieh um eine politische Stellung■ nähme, die heule freilich nicht mehr dieselbe Wirkung haben kann wie damals, da die Entwicklung weiter fortgeschritten, ist und manche der Voraussagen dieses Artikels sich bereits bewahrheitet hoben. Trotzdem glauben wir, daß durch eine Erinnerung an jene Zeit, das Verständnis *nsercr politischen Lage erleichtert werden kann. Wir kommen daher dem. erwähnten Wunsche noch und drucken nachstehend einige wichtige Teile jenes Artikels vom 19. September 1922 müder ab. Itrd. ■ . . Seit einem Jahre kann für alle Sehenden kein Zweifel mehr sein über den Kurs der britischen Politik in Palästina. Die Durchführung der Balfour-Deklaration hat zum Zusa mmen prall mit den Realitäten geführt, und die englische ׳Politik sucht sich diesen Realitäten anzupassen. Die arabische Bewegung in Palästina ist im Laufe des letzten Jahres erstarkt, und sie organisiert mit immer mehr Erfolg einen Widerstand gegen die englische Herrschaft und gegen die Politik der Balfour-Deklaration. Dies geht so weit, aaö in der letzten Zeit die Araber wiederholt sich in offenen Gegensatz zur Regierung gestellt haben. . . . Immer mehr spjtzen sich die Gegensätze zu. Immer entschiedener wenden sich die Araber gegen die Jüdische Nationale Heimstätte. . . . . , . Wir haben an dieser Stelle seit Jahren schon darauf hingewiesen, daß eine Verständigung mit den Arabern nicht nur aus moralischen und nicht nur aus praktisch-politischen Gründen — aus der Erwägung, daß wir immer nur ,,eine kleine Insel׳im arabischen Meer“ (Ruppin) sein werden — unerläßlieh ist, sondern vor allem auch deswegen, weil die englische Unterstützung unserer Sache selbst in hohem Maße von der Erzielung eines solchen Ausgleichs abhängt. Wir haben mit dieser Anschauung den radikal entgegengesetzten Standpunkt eingenommen als andere zionistische Politiker, die England eine Art strategischen Stützpunkt am Suezkanal versprechen zu können glaubten und die Zionisten gewissermaßen als das für England politisch und militärisch zuverlässige Element gegenüber den Mohammedanern ausspielen wollten. Diese Politik haben wir stets nicht nur für verwerflich gehalten, weil sie sich in den Dienst des englischen Imperialismus zur Unterdrückung der Orientvölker stellt, sondern auch für naiv, da England unsere Hilfe nicht braucht und der englische Imperialismus andere Methoden zur Erreichung seiner Ziele kennt. England hat heute das größte Interesse daran, mit der islamischen Welt zu einer Verständigungzukommen und nicht neuen Zündstoff zu häufen. . . . Vielleicht noch nie seit Beendigung des Krieges ist es so klar geworden wie im jetzigen Moment, daß an eine dauernde Unterdrückung des Orients durch eine europäische Macht nicht mehr gedacht werden kann. Die Millionen Mohammedaner befinden sich in einem Zustand des nationalen Erwachens, und es wäre müßig, heute auf die alten türkischarabischen Gegensätze zu spekulieren und zu hoffen, daß die Araber aus Angst vor einer neuen türkischen Herrschaft sich aus der panislamischen Bewegung ausschließen werden. Wenn der Zionismus die Rückkehr der Juden in den Orient und den ehrlichen Willen zur Loslösung von Europa und zur Eingliederung in die orientalische Kulturwelt bedeutet, dann dürfen uns diese politischen Tendenzen nicht gleichgültig bleiben, denn wenn wir auch heute aus Europa kommen und europäische Mächte uns zur Wiedererlangung politischer Existenz geholfen hfbea, so müssen wir doch anfangen zu verstehen, daß in diesem Prozeß eben doch ein Wendepunkt Kegen muß und unser künftiges Leben grundsätzlich anders orientiert sein wird. Der Osten ist heute eine gewaltig aufstrebende Macht. Von der Ostsee bis zum Indischen Ozean erhebt sich ein Wall, der dem Eindringen Europas Trotz bietet. Wie immer man über die Einzelheiten dieses Kampfes denken mag, unverkennbar ist doch die Tatsache, daß Hier ein Kampf um eine Idee eführt wird, um die Idee der Ueberwindung des Europäismus, er Neugestaltung des Lebens in neuem Geiste. In diesem geistigen Ringen kann kein Zweifel darüber bestehen, wo der Platz des Zionismus ist. Denn auch der Zionismus ist die Wiederaufrichtung einer geistigen Macht im Orient. .... Wir sind überzeugt, daß unsere wahren Interessen in voller Uebereinstiramung sich befinden mit den wahren Interessen der orientalischen Völker, und darum glauben wir auch daran, daß eine Verständigung mit den Arabern über kurz oder lang kommen muß und kommen wird. Ohne einen Anschluß an die orientalische Völkergemeinschaft kann eine jüdische Heimstätte in Palästina nicht von Dauer sein. Für die orientalisehen Völker aber bedeutet sie eine gewaltige Verstärkung im Werke ihres kulturellen Aufbaus. Nun liegt ein Einwand nahe, mit dem wir uns noch bcschattigen müssen. Man wird sagen: Wie ist es möglich, daß wir, nachdem wie England so viel zu danken haben, nach der Balfour-Deklaration, nach der Mandatsbestätigung, nachdem wir durch Englands Hilfe von der gesamten Kulturwelt als Volk anerkannt und unser Recht auf eine Nationale Heimstätte in Palästina international garantiert worden ist — nun auf die Seite von Englands Feinden treten? Denn die Unabhängigkeitsbestrebungen der orientalischen Völker von den Meerengen bis zum Indischen Ozean sind in erster Linie gegen England gerichtet. Wir glauben, daß dieser Einwand, so logisch er im ersten Moment erscheint, doch fehlgeht. Denn die Antwort gibt uns die englische Politik selber. Sie hat im Churchill-Statement deutlich gesagt, daß sie von uns die Eingliederung in die arabische Welt fordert. Es ist eine Eigentümlichkeit der englischen Politik, daß sie sich in zunehmendem Maße den Realitäten anzupassen versteht; das englische Imperium beruht heute nicht zum wenigsten auf dieser Anpassungsfähigkeit. England wird es verstehen, im geeigneten Augenblick einen Ausgleich mit der islamischen yelt zu finden. Es wird den orientalischen Völkern immer weitergehende Freiheiten einräumen und versuchen, sie aus Feinden zu Verbündeten zu machen. In Palästina jedenfalls ist die Situation unverkennbar die, daß England sich dem Drucke der Araber in Immer stärkerem Maße fügt, obwohl es die den Zionisten gegebenen Versprechungen bisher nicht direkt verletzt hat Die englische Politik erwartet von uns, daß wir uns mit den Arabern verständigen, sie erwartet von uns, daß wir das tun, was oben angedeutet wurde, nämlich uns allmählich der Gesamtheit der orientalischen Völker einfügen und auf dieser Basis auch die Solidarität mit den Arabern finden. Die Ansicht, daß England unsere Sache gegen die Araber mit Gewalt durchsetzen und der panislamischen Bewegung ein neues Argument in die Hände spielen wird, beruht auf einer völligen Verkennung der Tatsachen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß es nur vom guten Willen Englands abhängt, die zionistische Forderung gegen die Araber durchzusetzen und daß unsere politische Arbeit sich daher darauf konzentrieren muß, England I!1 dieser Haltung zu bestärken. Denn in Wirklichkeit spielt eine ganze Reibe sehr realer Faktoren hier eine ausschlaggebende Rolle, und England wird auch uns nur respektieren, wenn wir in die Reihe dieser realen Faktoren eingetreten sind, selbst Realpolitik treiben, uns nicht auf die Politik der Resorptionen und Proteste festrennen.. . . Palästina - Statistik in Bildern Seitdem der Zionismus aus dem Stadium der Idee in das der Verwirklichung getreten Ist, hat sich, für die meisten unbemerkt, ein charakteristischer Wandel iii den Mitteln und Wegen der mündlichen und schriftlichen Propaganda des zionistischen Gedankens vollzogen. An die Stelle der Propaganda durch den reinen Gedanken ist zu einem erheblichen Teile die Propaganda durch die zionistische Leistung getreten. Diese bedient sich schon immer, wie es ja gar nicht anders sein kann, der Zahl und des Bildes, der Statistik und der lebhaften Dan- Stellung. Wir haben schon seit langem eine Reihe ausgezeiehneter Bilderbroschüren, die in Einzelphotographien und Photomontagen lebendige Anschauung von dem Werke der Juden in I'alästina vermitteln, und wir haben in einer Fülle von statistischen Uebersichten und Tabellen und ganz besonders in dem 1030 erschienenen ״Statistischen Handbuch für Palästina“ von David Gurevich ausgezeichnete Dar- Stellungen der Entwicklung des Werkes der Juden in Erez- Israel. Beiden Mitteln der Propaganda haftet ein charakteristischer Mange! an: Das Bild vermittelt dem Beschauer nur einen Qualitätsbegriff, der meistens, weil der Vergleichspunkt fehlt, die Größe der Leistung nicht deutlich macht; die statistische Tabelle wiederum ist dürr und trocken, man möchte fast sagen: unlebendig, weil mir wenige Menschen imstande sind, mit Ziffern lebendige Vorstellungen zu verknüpfen. Es liegt also eigentlich sehr nahe, für die Zwecke eindringlicher Propaganda beide Mittel miteinander zu kombinieren, und man muß sich wundern, daß die Methode der Kombination von Bild und Zahl für die Zwecke der zionistischen Propaganda nicht schon längst versucht worden ist. Das Hauptbüro des Keren Kajcmeth Lejisrael hat jetzt den ersten Versuch in dieser Richtung der Propaganda durch Bild und Zahl in ihrer Vereinigung — oder, um cs acut lieber zu sagen: durch Bildstatistik — unternommen, und wir dürfen mit Genugtuung feststellen, daß dieser Versuch, wenn er vorläufig auch nur in einem bescheidenen Rahmen unternommen worden ist und daher noch Lücken aufweist, grundsätzlich ausgezeichnet gelungen ist. In Jerusalem erschien soeben im Verlag des Hauptbüros des KKL in deutscher, englischer, französischer, hebräischer und jiddischer Sprache unter dem Titel ״Ercz-Isrse!“ ein Atlas statistischer Bildtafeln, dessen Ziffern von dem Statistiker des Hauptbüros, Jehoschua Z i m a n , zusammengcstellt sind, und dessen Bildmaterial der Graphiker des KKL, Otte Wallisch, in hervorragender Weise gezeichnet hat. Das Charakteristische dieses neuen Versuches ist ein doppeltes: hier werden nicht Ziffern und Bilder unverbunden zur Darstellung nebeneinander gestellt, sondern Ziffer ist gleichzeitig Bild und Bild ist gleichzeitig Zahl. Und das zweite: die Proportion der Größenverhältiiissc in Vergleichen und Entwicklungsreihen wird nicht durch Gegenüber- Stellung von je einem Bud veranschaulicht, sondern durch die Nebeneinanderstellung von Bilder mengen lebendig gemacht. Auf diese Weise prägt sich das Bild der Wirklichkeit viel schneller und fester im Auge und Gehirn des Lesers ein, als dürre Ziffern es jemals zu vermitteln imstande wären. Die beiden Verfasser des neuen biWstatistischen Atlasses stellen nach dieser Methode die Entwicklung Palästinas in den letzten zehn Jahren auf allen Gebieten dar. Wir sehen in Bildern und Ziffern das Anwachsen der Gesamtbevölkerung, die Entwicklung der jüdischen Bevölkerungsgruppe, den Fortschritt des Bodenerwerbs durch Juden und die Leistung der Juden in der Wirtschaft des Landes, in Landwirtschaft, Handel, Industrie, Bauwesen, die Ausbreitung des jüdischen Schulnetzes und endlieh das Wachstum des Keren Kajemeth in seinen Einnahmen und in seinen Leistungen im Lande. All das wird aber nicht nur in absoluten Ziffern und Bildern gezeigt, sondern in Entwicklungsreihen und insbesondere jm Vergleich mit der übrigen Bevölkerung des Landes. Dadurch entsteht ein ungemein eindringliches und plastisches Bild von dem, was das jüdische Volk in Palästina in den letzten Jahren geleistet hat. Wir möchten nicht unterlassen, nachdem wir das neue Propagandamittel des Keren Kajemeth so gerühmt haben, auch auf einige Lücken kritisch hinzuweisen. In einem statistischen Ueberblick über die jüdische Leistung in Palästina durften z. B. Tafeln, die die großartige Leistung der Juden auf dem Gebiete des Sanitätswesens veranschaulichen, nicht völlig fehlen. Manche der als Repräsentanten einer Gruppe verwandten Figuren scheinen mir ferner nicht sehr charakteristisch zu sein. Warum z. B. auf Tafel 1 als Repräsentant der jüdischen Bevölkerungsgruppe ein Männchen in Arbeitertracht mit der typischen Arbeitermütze verwendet wird, ist nicht ganz ersiehtlieh. Die jüdische Bevölkerung Palästinas setzt sich doch — das muß man bei allem Respekt vor der Leistung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas sagen — nicht nur aus Arbeitern zusammen. Diese kritischen Bemerkungen sollen aber die Freude an der ausgezeichneten neuen Propagandaschrift nicht beeinträchtigen, Wir wünschen vielmehr aufrichtig, daß sie in weiteste Kreise des jüdischen Volkes eindringen und diesem ein lebendiges Bild von der Leistung der Juden in Palästina vermittein möge. Dr. G e 0 r g H e r I i t z. Sefer statisti I’erez Israel, 5689. Statistical Abstraci of Pakstine, Statistisches Handbuch für Palästina 1929. Keren Hajessod, Jerusalem 1930. Mit diesem statistischen Handbuch, das das erste Buch dieser Art in Palästina ist, liegt eine der bedeutsamsten Neuerscheinungen der statistisch-ökonomischen Literatur über Palästina vor. Der Wert dieses Buches, das man angesichts seiner Vielseitigkeit ohne weiteres als Nachschlagewerk bezeichnen kann, wird gerade jetzt besonders gewürdigt werden können, wo man zur Beurteilung der Lebenspromeme des modernen Palästina und insbesondere des jüdischen Aufbau- Werkes auf statistische Unterlagen angewiesen ist. Die besonders reichhaltigen Kapitel über Bevölkerung, Immigration, Bevölkerungsbewegung bei Arabern und Juden, die Angaben über die Bodenverhältnisse werden sicherer und schneller als Argumente anderer Art eine auf realen Grundlagen beruhende Uneilsbildung erleichtern. Bei der Beurteilung der statistischen Zuverlässigkeit des Handbuches muß weitgehend auf die Art seiner Entstehung und überhaupt auf die primitiven Methoden, die für die Her- Stellung vieler Statistiken in Palästina noch für absehbare Zeit üblich sein werden, Rücksicht genommen werden. Der Fachmann wird bei der Benutzung des Buches ohne weiteres wissen, welchen Tabellen nur eine relative Zuverlässigkeit beizumessen ist Er wird trotzdem dafür dankbar sein, daß in diesem Buche zum erstenmal eine umfassende statistische Publikation über ein Land vorliegt, das wie alle orientalischen Länder infolge der oft erat rudimentären Entwicklung mancher wichtigen Verwaltungszweige besondere statistische Probleme bietet und das durch den spezifischen Nationalitäten-Konflikt und die neuartigen Wirtschaftsprobleme, die der Zionismus dort aufgeworfen hat, ausreichende Informationsmöglichkeiten über die meisten der aktuellen Fragen verlangt Die Zusammenstellung des Materials ist vom statistischen Büro der Zionistischen Organisation in Jerusalem unter Leitung von D. Gurewitsch erfolgt Namens des Herausgebers, des Hauptbüros des Keren Hajessod, hat Herr Dr. Alfred Bonnö die Edition geleitet, der mit den Herren Dr. A. Ruppin und Dr. H. Kohn der beratenden Redaktionäkommission angehört Das Buch enthält neben einleitenden Be• merkungen über die politischen Grundlagen des palästinensischea Mandatgebietes Erläuterungen zu den einzelnen Haupt• absrlwitten. Es umfaßt Tabellen über Lage und Flächeninhalt Palästinas, klimatische und meteorologische Beobachtungen und besonders detaillierte Statistiken über die Bevölkerung, sowie Lin- und Auswanderung. Durch die besonders geführte Statistik der Zionistischen Organisation konnten dem Buclu■ neben den Ergebnissen der Regierungs-Statistik auch die Daten der zionistischen Institutionen beigegeben werden. Besaudercs Interesse wird das Kapitel ״Landwirtschaft“ finden, wo wiederum eine Unterabteilung speziell die Verhältnisse in der jüdischen Landwirtschaft auf Grund der Zählung vom April 1927 behandelt. Außenhandel, Verkehrswesen, Finanzen der Regierung und Verwaltungs-Statistik stützen sich in erster Linie auf die Ziffern der Regierung, während im Kapitel über Industrie sowohl die Ergebnisse des offiziellen Industriezensus von 1928, als auch die Daten der letzten jüdischen Industriezählung wiedergegeben werden. Aufschlußreiche Uebersichten über das Erziehungswcsen nach seinen versätiedenen Kompetenzen und die Administration beschließen das Buch. Der Text der Tabellen sowie alle Bemerkungen mußten in drei Sprachen — englisch, hebräisch, deutsch — gesetzt werden, die Transkription möglichst einander angeglichen werden. Es ist ein gutes Zeichen für die Leistungsfähigkeit des palästinensischen Druckgewerbes, daß es das Buch in auch äußerlich ansprechender Form herausbringen konnte. Der Preis des Buches (8 M.) ist relativ gering, so daß es eine weite Verbreitung finden kann. A. E. Babima in Palästina Die Nachricht, daß .die Habima nach einer längeren Abwesenheit in ihre eigentliche Heimatstätte in Palästina zurückkehrt, hat iiti ganzen Lande große Freude hervorgerufen. Im ״Haaretz“ vom 10. Februar d. J. schreibt Dr. Harari u. a.: ,,Heute kehrt die Königin des jüdischen Theaters in ihre Heimat zurück, nachdem sie in ganz Europa ihren Triumphzug feierte und zum Symbol der jüdischen Renaissance geworden ist.111 einer sehr schweren Zeit kommt die Habima zu uns, in einer Zeit der Verwirrung und des Leidens. Jedoch — Tausende von treuen Verehrern harren ihrer. Sie wird unsere Freude und unser Leid teilen. Gesegnet sei di« Stunde ihres Eintreffens. Bald wird uns die Habima wieder Trostworte zuflüstern.“ — Im ״Haaret?.“ vom 17. Februar finden wir folgende Worte von J.R-K.: ״Am 14. Februar fand die Vorstellung von ״Was Ihr wollt“ statt. Die Stimmung war eine außergewöhnlich gehobene. Herr Dizengoff begrüßte die Habima in feierlichen Worten im Namen der Stadt Tel-Awiw und gab der großen Freude über ihre Rückkehr Ausdruck.. Die Vorstellung zeichnete sich durch szenischen Reichtum, Farbenpracht und Lebendigkeit des Spiels aus. Heiterkeit und Frische überfluteten von der Bühne aus den überfüllten Saal. Das Publikum nahm diese Vor- Stellung mit großer Begeisterung entgegen und machte der Habima anhaltende Ovationen. Nach Beendigung der Vor- Stellung überreichte ihnen die Stadtverwaltung zahlreiche Blumensträuße.“ Nach einer allgemeinen Ucbersicht über den großen Erfolg, der der Habima in allen europäischen Zeqrtren zuteil wurde, läßt sich Herr Jazivv im ״Dawar“ vorn 20. Februar über die Vorstellung ״Was Ihr wollt“ in folgenden Worten aus: ״Vor unseren Augen rollte sich ein herrliches Schauspiel ab. Vor allem die saubere Arbeit des Bühnenbaus, der Dekorationen, Musik und hauptsächlich — des Spielens. Alles großartig! Alles geschmackvoll und mit großem theatralisehen Können vollbracht* — Nach der Vorstellung veranstaltete die Stadt Tel-Awiw ein Bankett zu Ehren der Habima, Prof. Sehor, Herr Dizengoff, Barasch, Dr. Harari u. a. hielten Ansprachen in wärmsten Worten, worauf Herr Tschemerinski ihnen im Namen der Habima h'eiziichsf dankte. Ans den Gemeinden Liberale Konsequenz Auf der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden forderte ein liberaler Antrag, der Einbürgerang von Personen, die sich jahrzehntelang hier eingelebt hätten, sollte nicht aus Gründen der Judenfeindschaft Schwierigkeiten gemacht werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Auch ein Delegierter aus Hannover stimmte mit Dieser Herr kam als Sohn eines Ostjuden im Alter von 4 Jahren nach Hannover und wohnt dort jetzt 32 Jahre lang. Trotz jahrzehntelangen Einlebens ist er aber aus Gründen jüdisch-liberaler Ostjudcnfeindschaft in der j ü ־ dischen Gemeinde Hannover noch nicht eingebürgert worden. Ein Verbrechen, das mit Zuchthaus bestraft wird, verjährt nach deutschem Strafgesetz in 10 Jahren; das Verbrechen, Ostjude zu sein, verjährt bei den hannoverschen Liberalen noch nicht in 32 Jahren. Unser Freund vertritt zwar die Juden Hannovers als Abgeordneter im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, ist aber nicht für würdig befunden worden, Mitglied der jüdischen Gemeinde Hannover zu sein und kann somit keiner jüdischen Gemeinde angehören. Die Schmach, die die liberalen Juden ihren Brüdern antun, ruft bei Katholiken und Protestanten verständnisloses Staunen hervor. Die liberalen Juden sehen das ruhig mit an und stellen dann solche Anträge. Aufzurütteln sind sie nicht Sie schädigen durch eigene schwere Schuld das deutsche Judentum, sich selbst. Harry Epstein. Gründung einer Thüringischen Arbeitsgemeinschaft de! Jewish Agency. Auf Einladung der Erfurter Arbeitsgemeiuschaft der Jewish Agency fand am 15. März in Erfurt eine Veranstaltung statt, die von 140 Personen aus ganz Thüringen (Erfurt, Apolda, Arnstadt, Eisenach, Elgersburg, Gotha, Jena, Ilmenau, Langensalza, Mühlhausen, Nordnausen, Waltershausen und Wdmar) besucht war. Den Vorsitz führte Herr Rabbiner Dr. S chüft an- Erfurt. Als Redner war Herr Ministerialdirekter Dr. Badt gewonnen worden, der unter großem Beifall der Versammelten über die Beziehungen der Juden zur Umwelt, über das Verhältnis des deutschen Judentums zur Weltjudenheit und die gegenwärtigen politischen Probleme des Judentums referierte, ln der angeregten Diskussion, die dem Referat folgte, sprachen Landgerichtsdirektor Wachtel- Gotha, Willi Hernnann-Gotha, Rechtsanwalt Dr. Eichenbronner-IImenau, Frau Dr. Lippniann-Erfurt, Martin Grünstetn-Elgersburg und R.-A. Warburg-Nordhausen. — Als Ergebnis der Aussprache wurde die Erfurter Arbeitsgemeinschaft zu einer Thüringischen Arbeitsgemeinschaft erweitert, in deren Komitee außer Vertretern der oben erwähnten Orte noch Persönlichkeiten aus Meiningen und Sondersliausen gewählt wurden. Es wurde beschlossen, daß die Mitglieder des thüringischen Komitees für eine verstärkte Arbeit in den einzelnen Orten die Verantwortung übernehmen. Dr. Schmarja Levin hat anläßlich seines Berliner Aufent• haltes dem bekannten Maler Joseph Oppenheimer einige Porträtsitzungen gewährt. Das charakteristische Gemälde, qas den hervorragenden jüdischen Führer überaus lebendig darstellt, gibt die faszinierende Persönlichkeit Schmarja Lewis überzeugend wieder. Das Bild ist als Schenkung in die Kunst- Sammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin gelangt