Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 24 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24, 27. III. 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 151 Aus dem arabisdien Lager Die Heise des Multi - Die Boykott •Parole Die Reise des Mufti nach Aegypten gibt der :irabisclicn Presse Anlaß zu Betrachtungen über den mutmaßlicben Zweck dieser Reise. ״Marat El Scherk“ schreibt, ■ije Reise sei politisch und stehe im Zusammenhang mit Angelcgcnheiten Palästinas. Keineswegs sei der Mufti zur Be- '!.:chtigung der Industrie-Ausstellung nach Aegypten gefahren, wie eine Zeitung geschrieben habe. Der Mufti wird mehr a! > einen Monat in A e g y p t e n b 1 e i b e n. (Also über Ncbi Musa, was sehr auffallend ist — A. d. R.) Der Begleiter des Mufti ist der bekannte Nationalist Scheich Musaf-jr, der wegen politischer Aufhetzung eine zeitlang zur Konfinicrnncr verurteilt war. ״Al Serath“ schreibt, daß der Mufti einen Tag vor seiner Abreise dem High Commiss inner einen Besuch gemacht hat. Der Zweck der Reise sei zwar ein Geheimnis, aber eines sei sicher, die Bewolmcr Palästinas bedürfen jetzt der Ruhe nach den Erregungen der letzten Jahre. Der Korrespondent von ״PI A c h r a m“ berichtet aus laffa, daß die Palästina-Regierung offenbar darauf ausgehe, ’Unruhen zu verursachen aus Enttäuschung darüber, daß die Bevölkerung selbst nicht zu Unruhen geneigt ist. Die Hausdurchsuchungen bei einigen vornehmen Arabern und die Erklärungen von Dr. Shiels im Unterhaus, daß die Regierung alle Unruhen unterdrücken werde, haben erst die Aufmerksamkeit der Araber auf die Möglichkeit von Unruhen hingelenkt und selbstverständlich beginnen die Araber, sich zur Verteidigung vorzubereiten. Auf diese Weise reizt die Regierung selbst zum Aufstand. Die Zeitung ״Felestin“, die wegen der Ritualmordbcschuldigung längere Zeit sistiert war, begann am 18. d. M. wieder zu erscheinen und äußert sich in dieser Nummer, die im übrigen über die Sistierung heftige Beschwerde führt, zu den letzten Beschlüssen der arabischen Exekutive. Das Blatt spricht die Befürchtung aus, daß diese Beschlüsse, die bekanntlich scharfen Kampf gegen England und Boykott gegen die Juden proklamieren, nur auf dem Papier stehen bleiben werden. Die englische Ausgabe des ״Felestin“ beschäftigt sich ausführlich mit der von der arabischen Exekutive ausgegebenen Boy kott-Parole gegen die Juden. Boykott, so sagt das Blatt, ist eine Art Krieg, und alles, was gegen die Entfesselung von Kriegen gesagt werden kann, gilt auch gegen den Boykott. Man müsse daher die Berechtigung einer solchen Maßnahme sorgfältig prüfen. Im vorliegenden Falle kann kein Zweifel daran bestehen. Zunächst ist der Boykott von den Juden begonnen worden. Es kommt sehr selten vor, daß ein Jude von einem Araber kauft, wenn er beim Juden kaufen kann. Der Boykott arabischer Arbeiter in den vom Jüdischen Nationalfonds begrün deten Kolonien wurde in dem MacDonald-Brief gutgeheißen. Diese Maßnahme können die Araber schon aus Selbstachtung nicht dulden. Die 1 interstützung jüdischer Kaufleute seitens der Araber würde Stärkung der jüdischen Sache in ihrem Kampfe gegen die Araber bedeuten. Alle friedlichen Mittel eines Ausgleiches haben versagt und der Boykott bleibt die letzte konstitutionelle Methode. Der nationale Wille der Araber wird von Tag zu Tag bewußter und muß einen legalen Ausdruck finden, damit er nicht zu dem unerwünschten Mittel physischer Gewalt getrieben wird. In diesem ■Sinne ist der Boykott ein Ventil für die Unzufriedenheit der Araber. Das Lippenbekenntnis der jüdischen Führer zum Frieden kann nicht ernst genommen werden, In Wahrheit sjellen 5ifi| yon Tag zu Tag höhere Forderungen; in der letzten Zeit fordern, ■;ie den Einschluß Transjordaniens zwecks Kolonisation von Juden oder von aus Palästina vertriebenen Arabern. Der Araber hat nichts mehr zu verlieren und nur noch zu gewinnen. Durch den Boykott wird er arabische Unternehmungen ermutigen und auf diese Weise dem Aufbau einer arabischen Wirtschaft dienen. Der Versuch der Gründung einer Textil-Fabrik in Nablus mit einem Kapital von 10 000 Pfund scheint zu gelingen. Unter dem Titel ״Die nationalen Industrien im Lande“ feiert ,,Al Dschamia“ den Beschluß, nach indischem Muster an Stelle fremder Waren einheimische vorzuziehen und fordert, auch weiterhin konsequent diese Linie einzuhalten. Eines der zweckmäßigsten Mittel hierzu müßte ein Zusammenschluß und ein Zusammengehen mit den benachbarten arabischen Ländern sein. Die Errichtung der Textilfabrik in Nablus, für die bereits 2600 P£ Aktien gezeichnet seien, sei ein guter Anfang. ״Ai Chajath“ beschäftigt sich ebenfalls ausführlich mit der Frage der arabischen Kleidung, die durch die Boykott-Parole besonders aktuell geworden sei. Die Zeitung schlägt vor, eine Kommission zu bilden, die diese Fragen eingehend prüfen soll. ״Al Chajath“ teilt mit, es werde eine verstärkte Propaganda in Tul Kerem, Beth Schean und Dschenin cinsetzen, um Zeichnungen für die Textilgesellschaft von Nablus zu erhalten. Das Zentralkomitee der Eisenbahnarbeiter dementiert im ״Al Dschamia“ die Nachricht desselben Blattes, wonach eine Delegation der jüdischen Eisenbahnarbeiter mit J. Ben Zwi an der Spitze bei dem Leiter des Eisenbahnwesens vorgesprechen und um Beschäftigung für die jüdischen Arbeitslosen gebeten hätte. In dem Dementi heißt es, daß die Delegation zu gleichen Teilen aus arabischen und jüdischen Arbeitervertretern zusammengesetzt war und auf besonderen Wunsch des Leiters des Eisenbahnwesens von J. Ben Zwi begleitet wurde. ״Al Dschamia“ spricht über diese gemeinsame jüdisch-arabische Aktion sein Bedauern aus und veröffentlicht m einer der folgenden Nummern eine Zuschrift des ״Verbatules der arabischen Eisenbahnarbeiter“, in der es heißt, daß die Landesorganisation der Eisenbahnarbeiter eine rein jüdische Hebe ist, zu der nur durch Geld gekaufte Araber gehören. Die arabische Bewegung, die den arabischen Arbeiter vernachlässigt, trägt Schuld daran, daß diese der jüdischen Organisation zugetrieben werden. ״Haarez“ wendet sich in einem Leitartikel mit der Frage an die maßgebenden Regierungskreise, ob denn keine gesetzlichen Bestimmungen vorhanden sind, die einer derartigen Boyk 011 - H e t z e , wie sie jetzt von den Arabern geführt wird i1 חd die dem Frieden und der Entwicklung des Landes viel Abruch tun kann, das Handwerk zu legen imstande wären. Auch die anderen hebräischen Zeitungen Palästinas nehmen scharf gegen die arabische Boykotthetze Heilung. * Anläßlich des syrischen Unabhängigkeitstages (8. März) 1'and in Berlin eine von der Vereinigung arabi- 'Cher Studierender veranstaltete Gedenkfeier statt, an ler Araber aus fast allen arabischen Ländern teilnahmen. IT wurde eine Resolution gefaßt, die sich scharf gegen die französische und englische Kolonialherrschaft wendet und die Verpflichtung aller Araber ausspricht, für die ״völlige Be- ,reiung und Einigung des gesamten arabischen Volkes vom '■tlantischen Ozean bis zum Persischen Golf jedes Opfer m bringen.“ Presseschau ״The Ncar East and 1 11 d i a“ befaßt sich in seiner Nummer vom ff). März in interessanter Weise mit der Frage des umkämpften Besuches des Erzbischofs von Ganterbury in Pa 1 ä sti-na. Die Nachricht, daß der Vatikan gegen diesen Besuch protestiert hat, erzeugte — so schreibt das Blatt — eine gewisse Uebcrrascliung und sogar Entrüstung im protestantischen England. Man war der Anr ieht, daß es an U ת - Verschämtheit grenzt, wenn eine außenstehende Partei etwas daran auszusefzen hat, daß eines der angesehensten Mitglieder des Staates, der die Mandatarmacht in Palästina ist, das Heilige Land besucht. Diese Ansicht jedoch, schreibt ,.Near East“, zieht nicht den äußerst delikaten Charakter aller kirchlichen Ansprüche in Palästina in Betracht. Der durchschnittliche Engländer dürfte mir sehr schwer die Wichtigkeit begreifen, die in Palästina einem Präzedenzfall auf kircliliebem Gebiet beigemessen wird. Es ist eine Tatsache, daß die heilige Stadt eine Menge großer oder kleiner Rivalitäten einschließt und kein vernünftiger Mann kann wünschen, eine neue hinzuzufügen. Daß die Heiligen Stätten du einzigartiges Profalem darstellen, ist international anerkannt worden; die mehrmals von der Mandatarmacht versuchte Lonnig des Problems scheint ferner als je zu sein, denn es ließ sich noch kein Mittelweg zwischen den katholischen und protestantischen Mächten finden. Die akzeptierte Position ist nun, daß — fautc dt mieux — das jctzUbesteliende Gleichgewicht aufrecht erhalten werden soll. Wenn daher zunächst Berichte verbreitet wurden, der Erzbischof von Canterbury beabsichtige Ostern im Heiligen ZIONISTISCHE WERBEAKTION IM SOKOLOW MONAT / 15. MÄRZ BIS 30. APRIL. 1931 / ERWEITERUNG DER ZIONISTISCHEN PERIPHERIE DURCH: Grosse Versammlungen Zionistische Werbe-Zirkel Schekelverkauf Abonnentenwerbung für die Jüdische Rundschau Neue Zeichner und erhöhte Zeichnungen für den KH Aufstellung von 10.000 neuen KKL-BQchsen Orangenpflanzungen, private Bodenklufe und Investments Jaddr "Art in Brest Israel ׳ Land zu verbringen, war es nicht unnatürlich, daß Rom sich beunruhigt zeigte. Als Ausweg wird nun vorgeschlagen, daß der Erzbischof Palästina als Privatperson besucht. * Die ״Empire Review“ bringt einen Aufsatz von Viscount E r l e i g h , dem Sohn Lord Reatlings, ״Das Palästinamandat. Ein Ruf nach Unterstellung unter das For e i g n O f f i c e.“ Der Verfasser setzt zunächst auseinander, wie viele Gründe. gerade Großbritannien zur Uebernahme des Palästina-Mandates zu prädestinieren schienen, — und wie sehr sich England als unfähig zur Erfüllung dieser großen und schönen Aufgabe gezeigt habe. England habe ״die Juden enttäuscht, sich die Araber entfremdet und sich eine ernste Zurechtweisung von der Mandatskommission zugezogen.“ Ja es habe nicht einmal seine allererste Pflicht erfüllt, Palästina den Frieden zu bringen. England dürfe es durch seine Unfähigkeit und Unentschlossenheit nicht dahin bringen, daß ihm der Völkerbund das Mandat zugunsten einer anderen Großmacht entzöge. Schlechthin undenkbar sei es, daß England freiwillig das Mandat aufgeben und so seine Unfähigkeit eingestehen würde. Wolle es aber die Aufgabe durchführen, so müsse es ein Mittel finden, unverzüglich die bestehenden Verstimmungen zu beseitigen, und dieses Mittel bestände vor ■allem in der Unter- Stellung Palästinas unterdas Auswärtige Amt, die aus zahlreichen Gründen gefordert werden müsse. Denn vor allem handle es sich dort gar nicht um die übliche Kolonialverwaltung, sondern alles, was geschehe, zöge sofort die Beziehungen Englands zu den auswärtigen Mächten stark in Mitleidenschaff; nämlich die Beziehungen zu Frankreich als benachbarter Mandatarmaclit, zu Aegypten und zur ganzen mohanimedanisehen Welt bis nach Indien hin, sowie zu allen Ländern, in denen die Juden starken Einfluß hätten, besonders den Vereinigten Staaten, — last not least aber zur Gesamtheit der in der Mandatskommission des Völkerbundes vertretenen Mächte. Eine solche Uebertragung auf das Auswärtige Amt würde natürlich bedingen, daß in Palästina selbst die höheren Beamten nicht mehr aus dem Kolonialdienst, sondern aus dem Auswärtigen Dienst genommen werden müßten. In der ״Fortnightly Review“ veröffentlicht der bekannte Major Polson New man einen langen Aufsatz über ״Die Verwirrung in Palästina“, worin er die Unklarheitder juristischen Grundlage der ganzen englischen Palästina-Politik auf das schärfste kritisiert. Jede britische Regierung seit Uebernahme des Mandates habe erklärt, sie werde das Mandat in gleichem Sinne durchführen wie ihre Vorgängerinnen, und jede habe nur weiter darauflosgepfuscht in der Annähme, es bedürfe nur einer für das englische Kabinett und für die Genfer Mandatskommission befriedigenden Rtgierungserklärung über Palästina, um die Interessen der Araber und der Juden miteinander in Einklang zu setzen. Aber das völlig imzulängliehe Churchillsche Weißbuch von 1922 sei von Arabern und Juden in entgegengesetztem Sinne interpretiert worden, und dadurch sei der palästinensischen Verwaltung jeder dauernde Erfolg notwendigerweise versagt geblieben. Das Weißbuch vom letzten Oktober aber habe nicht nur die Lage noch mehr verschlechten, ohne irgend etwas zur Klärung der Grundfragen und Grundlagen der englischen Politik zu tun, sondern habe überdies einen so loyalen, klugen und gemäßigten Mitarbeiter Englands wie Dr. Weizmann zur Niedcrlegung seiner Aemter veranlaßt, ülme die Araber zu befriedigen, habe das Weißbuch den Haß der Weltjudenheit erregt. Der Shaw- und der Simpson- Bericht, die beide zum großen Teil vortreffliche Expertenarbeit darstellten, hätten klar gemacht, daß in den Mitteln der Durchführung der Palästina-Politik ein radikaler Wandel notwendig sei; es sei aber ein Grundirrtum, zu glauben, man könne die sehr guten Vorschläge der beiden Berichte mit der höchst unzulänglichen Grundlage des Churchillschen Weißbuches in Einklang setzen! Das Mandat selbst sei schlecht abgefaßt, wie sich in den letzten 10 Jahren zur Genüge erwiesen habe und auch praktisch zugegeben werde. Deshalb dürfe man aber nicht inehr versuchen, das Land auf der Grundlage dieses imzulängliehen Dokuments weiter zu verwalten. An sich wäre es für England glas beste, die ganze Macht und Verantwortung in die Hand eines wohl ausgesuchten Beamten mit unbeschränkter Vollmacht zu geben. Da aber England nur als Treuhänder in Palästina sei, dürfe cs das Mandat nicht einfach mißachten. Daher sei es das Beste, zunächst den Text des Mandates durch eine unbestreitbare Autorität prüfen zu lassen, und wenn er sich als unzulänglich erwiese, dann den Völkerbund zur Neufassung oder überhaupt gänzlich neuen Formulierung des Mandates zu veranlassen. Dann erst könne man, von einer sicheren Basis aus, eine konsequente Politik treiben. Der ״Spcctator“ bringt über den MacDonald-Brief an Weizmann eine kurze Notiz In dem Sinne, daß der Brief und seine Annahme durch Weizmann die schon früher von der Zeitschrift ausgedrückte Meinung bestätige, daß die jüdischen Einwände gegen das Weißbuch ״durch dessen .Sprache, nicht durch dessen Politik, die man mißverstanden‘• habe, verursacht worden sei. Ebenso bringt die liberale ״N a i i o n“, die jetzt übrigens mit dem ״New Statesinan“ vereinigt wird, nur eine Notiz mit der Feststellung, daß Weizmann den Brief als befriedigend bctrachte und als hinreichenden Grund für die Wiederaufnahme der uneingeschränkten Zusammenarbeit. * In der letzten Nummer der in Genf erscheinenden Monatsschrift ״La Nation Arabe“ bespricht Emir Schekib Arslan — ein Mitglied der hiesigen ״Syrisch-Palästinensisehen Delegation“ — die kürzlich erschienene, araberfreundliehe Schrift Prof. Kampffmeyers über Palästina. Arslan rühmt die Ausführungen Prof. Kampffmeyers und sieht in ihnen eine objektive Darstellung der Tatsachen, die allen jenen, deren Vorstellung über das Palästinaproblem durch die ״zionistische Propaganda“ getrübt wurde, als Lektüre sehr zu empfehlen sei. Bei dieser Gelegenheit schreibt Emir Arslan nachstehendes über die Einstellung der Araber zu den Juden: ״Wir wiederholen cs noch einmal, daß wir den Juden gegenüber nicht den geringster! Haß empfinden. Es kann davon gar nicht die Rede sein. Unsere zwei Völker haben einen gemeinsamen Ursprung und sprechen zwei Dialekte einer und derselben Muttersprache. Die Araber sehen, nicht ohne Stolz, daß die Juden hohe Stellungen im geistigen Leben, in der Politik, der Finanz und der Industrie der euronäischen Völker einnehmen. Berücksichtigt man ihre vernältnismäßig geringe Zahl, so stellen die Juden ohne Zweifel die tätigsten und einflußreichsten Mitglieder der europäischen Gemeinschaft dar, und ihr Wert als Volk hat wohl kaum seinesgleichen. Die Araber erblicken hierin einen Beweis der unbestreitbaren semitischen Ueberlegenheit und ziehen daraus den Schluß, daß es dieser begabten Rasse nicht bloß gegeben war, die ältesten Zivilisafionstormen und die erhabensten menschliehen Ideale — ohne welche eine wirklich menschliche Gcsellschaft überhaupt nicht existieren könnte — zu begründen, sondern daß sic auch, bis auf den heutigen Tag, dazu bcrufen ist, im Kulturleben der Völker, immer wieder, auf den allervorgeschobensten Posten zu stehen. Alle diese. schönen und natürlichen Gefühle, die wir■ für unsere jüdischen ■ Vetter»: empfinden, teseit uns jedoch'׳ Mich! an unsere Pflicht vergessen, das arabische Erbteil, worin Palästina eines der Kernstücke darstellt, mit aller der arabischen Nation zur Verfügung stehenden Encr pe zu verleidigen. Wir sind ebenfalls verpflichtet, unseren Vettern und allen jenen, die in Europa das zionistische Werk unterstützen, einzuprägen, daß die von ihnen so oft wiederholten Begriffe ״!Mandat, Ralfour-Dcklaration, Verpflichtungen Großbritanniens“ und andere derartige leere Worte uns weder einschüchtern noch irgendwie bewegen können. Diese Worte haben für uns g a r k e 1' n e Bedeutung. Handelt es sich doch um Ungerechtigkeiten, die vielleicht gerade so lange noch leben können, als es Zeit bedarf, um sie wieder gut zu machen. Handelt es sich doch um kolonisatorische Maßnahmen, die der britische Imperialismus vergebens an zu wenden versucht in einer Zeit, wo eine Unterdrückung von Völkern — und besonders der 70 Millionen starken arabischen Nation — nicht mehr geduldet werden kann. Wenn die in Palästina ansässigen Juden mit den Arabern an der Entwicklung des Wohlstandes 1m Lande wirklich mitarbeiten wollen, so werden wir cs an gutem Willen gewiß nicht fehlen lassen. Solange jedoch die Juden sich der Hoffnung hingeben, durch eine immerwährende und von Großbritannien unterstützte Einwanderung die Mehrheit in Palästina erlangen und es nachher in ein jüdisches Land verwandeln zu können, solange werden sie schwere Enttäuschungen erleben und werden die Stunde, wo sie an die Balfour-Deklaration geglaubt haben, verfluchen.... mag es auch nach fünfzig Jahren sein. Denn das Recht ist unsterblich “ Kleine Nachrichten Die Vertreter der J. T. A., Jakob Landau und Smolar, wurden vom Präsidenten der polnischen Republik und dem polnischen Innenminister Sladkowski entpfangen, wobei der Innenminister sich über die Lage der Juden in Polen äußerte. Der Minister erklärte, er habe lebhafte Sympathien für den Zionismus, verurteile aber den j ü d i - sehen Nationalismus innerhalb Polens ebenso wie jeden anderen extremen Nationalismus. Er bedauere, wenn die Haltung der extremen jüdischen und polnischen Nationalisten die Kluft zwischen den beiden Völkern vertiefe, statt sie zu beseitigen, ln der polnisch-jüdischen Presse werden die Erklärungen des Innenministers als äußerst unbefriedigend bezeichnet, da er den entscheidenden Fragen, wie 7״ B. der systematischen wirtschaftlichen Benachteiligung der Juden, ausgewichen sei. Die Angelegenheit des angeblichen Numerus Clausus für jüdische Studenten aus Rumänien in Pari; (vgl. ״Jüdische Rundschau“ Nr. 22) hat jetzt eine überraschende Aufklärung gefunden. Der Dekan der Pariser medizinischen Fakultät, Prot. Balthazard, erklärte einem Vertreter der J.T. A., daß er die auf die Juden bezüglichen Teile des in der rumänischen Presse veröffentlichten Briefes niemals geschrieben hat. Es könne von einem bcabsichfigten Numerus Clausus gegen jüdische Studenten in keiner Form die Rede sein. Die Frage, wie die betreffenden Stellen in die rumänische Presse gekommen sind, ist bisher nicht aufgeklärt. Das Jiddische Wissenschaftliche Institut hat auf Grund der von der türkischen Regierung veröffentlichten Endergebnisse der im Oktober abgehaltenen Volkszählung das Material über die jüdische Bevölkerung bearbeitet. Danach sind in der gesamten Türkei 13 648 270 «Seelen gezählt wonün, darunter 81 S72 (0,6 «•״)- jüdischen Reügionsbekenntnisscs.won den 81 872 Juden haben 68 900'(84,2 0/0) Jüdisch (d. h. Spaniolisch) als ihre Muttersprache angegeben.