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Jüdische Rundschau · 1931-03-27 · Heft 24 (27.3.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 24 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 150 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24, 27. III. 1631 Doch wird auch hier die Entwicklung nicht auf zuhalten sein. Fünf Minuten, nachdem man mit der Fallbeilmajorität es abgelehnt hatte, Interessen und Rechte des Preußischen Judentums zu wahren, nachdem man sich auf das nachdrücklichste weigerte, irgendwelche politische Arbeit zu leisten, wurden höchst bedeutsame politische Anträge angenommen. Zum Beispiel gerade ein Antrag der Liberalen, der sich gegen die neue Praxis bei der Einbürgerung der Ostjuden wendet und ein weiterer Antrag der Liberalen, der das Schicksal der Staatenlosen betrifft. Es ist wohl kein Zufall, daß es sich in beiden Fällen um Anträge handelt, die Ostjuden angehen. Man will hier beweisen, daß auch die Liberalen für die Ostjuden eititreten. Wie aber denkt man sich denn die praktische Verwirklichung dieses Antrages, wenn der Landesverband keine politische Arbeit leisten darf? Sollen vielleicht jetzt Gebete für die Staatenlosen in den ״Rcligionsgemeinden“ eingeführt werden, oder will man Ernst machen und damit wieder einmal den Rahmen der Religionsgemeinden sprengen, wirklich politische Arbeit leisten und das tun, was inan eben noch verworfen hat? Wenn man nur den Ostjuden Freundlichkeiten erweisen will, gibt es wahrlich bessere Mittel. Man soll endlich in den liberalen Hochburgen die Ausnahmestellung und das Ausnahmerecht, unter das man die Ostjuden gestellt hat, abschaffen. Dazu bedarf man weder der Preußischen Regierung noch des Völkerbundes. Die verschärfte Einstellung der neuen liberalen Fraktion kam in zahllosen Fällen zum Ausdruck. Besonders bezeichnend war die Haltung gegenüber der jüdischen Tum- und Sportbewegung, bei der man wohl die Zionisten, die diese Bewegung seit Jahrzehnten auf das nachdrücklichste fördern, zu treffen hoffte. Ganz unverständlich war der Vorstoß gegen die neutralen jüdisehen Jugendvereine. Oder sollte hier vielleicht deren Bekenntnis zur Jewish Agency durch finanzielle Stockschläge bestraft werden? Empörend aber war die Behandlung der Volkspartei durch die liberale Majorität bei der Verteilung der Ratsstellen für Rabbiner und Lehrer. Hier führte Herr Dr. Breslauer klar und deutlich aus, daß der Anspruch der Volkspartei auf zwei Ratssitze für Rabbiner und einen Lehrersitz durchaus berechtigt sei, daß man ihn aber nicht erfüllen wolle, sondern lieber die konservative Fraktion, die genau ein Drittel so stark ist wie die Volkspartei, bevorzuge. Es handelt sich also um einen Rechtsbruch, um eine Vergewaltigung, die durch nichts beschönigt werden kann. Es ist besonders bedauerlich, daß sich die konservative Fraktion dazu hergegeben hat, von diesem Rechtsbrach zu profitieren. Es wird notwendig sein, den Herren von der Rechten des Hauses einmal klar zu machen, daß wir auch Ihnen gegenüber auf volle Gleich- Berechtigung Anspruch haben und daß es gerade von ihnen sehr unklug ist, der Volkspartei dieses Recht zu verweigern. Der Möglichkeiten, der konservativen Friktion in Zukunft diese unkluge Haltung sehr eindeutig klar zu machen, sind genügend vorhanden. Selbstredend wurde auch wieder der volksparteiliche Unterrichtsausschuß mit der üblichen Fallbeilmajorität abgelehnt Diesesmal war allerdings die Begründung der Ablehnung besonders schwach und fadenscheinig; aber auf Gründe kam es hierbei nicht mehr an. Unsere Aufgabe wird es sein, trotz der außerordentliehen Erschwerung der Arbeit durch diese liberale Fraktion genau wie bisher nicht nachzulassen und die Interessen des gesamten Judentums weiter zu vertreten. Auf politischem Gebiete allerdings wird man einen Schritt weiter gehen müssen. Wir dürfen nicht weiter Zusehen, daß das Preußische Judentum durch den Landesverband ungeschützt bleibt. Wenn der Landesverband selbst diese Aufgabe nicht übernehmen will, dann werden wir Mittel und Wege finden müssen, um diese Arbeit schleunigst in Angriff zu nehmen und genau wie in der Frage der Wirtschaftsnot auch hier unsere Forderungen durchzusetzen. Gehen wir auch hier zunächst ruhig allein vor und vertrauen wir darauf, daß unsere Forderungen allein dem wirklichen Leben der Juden in Preußen gerecht werden. Wir sind überzeugt, daß es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis die liberale Majorität, von der wirklichen Not des Tages gezwungen, auch hier unsere Forderungen übernehmen wird, Gewiß werden auch dann die Herren wieder auftreten und behaupten, plötzlich das Ei des Kolumbus gefunden zu haben; aber gerade in dieser für das jüdische Leben in Deutschland so bedeutsamen Aufgäbe kommt es uns nur darauf an, daß endlich das geschieht, was die Not des Tages, die Not der Zeit erfordert. Die Zukunft des Gesundheitswesens. Die aus Vertretern der Jewish Agency, des Waad Leumi und der Hadassah bestehende Kommission hat folgende Vo Schläge wegen der Reorganisierung des Gesundheitswesens vorfelegt: Munizipalisierung der Krankenhäuser in Tel-Awiw und iberias, gemeinsame finanzielle Verantwortung der Knesseth Israel und der Hadassah für die Budgets der Hadassah und der Kupath Cholim ab 1. Oktober 1931, Anerkennung des aus Vertretern des Waad Leumi, der Jewish Agency una der Hadassah bestehenden Waad Briuth als Aufsichtsorgan und Uebernahme des Gesundheitssekretariats der Jewish Agency durch den Waad Leumi. Erweiterung von ״Giwath Haschloschah“. Die nach drei im Weltkrieg von Dschemal Pascha verschleppten und dabei umgekommenen jüdischen Arbeiter benannte Arbeitersiedlung ״Giwath-Haschloschah“ (Hügel der drei) bei Petach-Tikwah wurde in der letzten Zeit durch einen von der ״Palestine Land Development Co.“ durchgeführten Kauf einer Fläche von zirka 1100 Dunam auf dem Boden von Näsele am Jarkonfluß, in der Nähe von Petach-Tikwah, erweitert, der der Familie Husseini zusammen mit Bewohnern des angrenzenden Dorfes gehörte. Dieser Boden, der für die Arbeiter von ,,Giwath- Haschloschah“ bestimmt ist, wurde auf den Keren Kajemeth durch die P. L.D. C. offiziell übertragen. Mit dem Pflügen und der Bearbeitung des Bodens ist sofort begonnen worden. Die Tapng des Landesverbandes Wir haben bereits in der vorigen Nummer einen kurzen Bericht über die Verhandlungen des Montags gebracht Wir ergänzen diesen noch durch einige ausführlichere Angaben aus den einzelnen Reden. Die Wirtschafts-Debatte Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee eröffnete die Wirtschafts־ debatte und hob einleitend hervor, daß es sich nicht um eine Aussprache über die Wirtschaftsnot der Gemeinden, sondern um die Wirtschaftsnot der deutschen Juden im allgemeinen handeln müsse. Die Kreditgenossenschaftsbewegung müsse ermuntert werden, eine finanzielle Unterstützung dieser Bewegung durch den Verband komme aber, da es sich hier um eine rein wirtschaftliche und nicht philanthropische Aktion handelt, nicht in Betracht. Mit Hilfe der Provinzialverbände sollen Darlehenskassen geschaffen werden, wobei der Verband dadurch, daß er einen gewissen Betrag zur Verfügung stellt, zinsverbilligend wirken soll. Die Arbeitsnachweise sollen zu Gemeindeinstitutionen gemacht werden. Um den 3000 dcutsehen Juden, die heute auf der Landstraße liegen, Hilfe zu bringen, wäre die Errichtung einer Wandererarbeitss t e 11 e in Erwägung 7u ziehen. Die anzustrebende Wirtschafts- Konferenz der deutschen Juden werde Abhilfe schaffen gegen die Psychose der Arbeitgeber, die zur Nichteinstellung Jüdischer Angestellter führt. Justizrat Peyser-Breslau (lib.) sagte, im Hinblick auf die Tatsache, daß der jüdische Privatbanfrier, der früher dem jüdischen Mittelstände helfen konnte, von der Bi Id fläche versch wunden ist, muß alles getan werden, daß sich der Genossenschaftsgedanke durchsetzt Speziell an den Central-Verein richtete der Redner den Appell, zu bedenken, daß ein wirtschaftlich unterhöhltes Judentum auch gegen Angriffe von außen nicht widerstandsfähig genug sei. Alfred Berger (Volkspartei) sagte, es müsse von maßgebender Stelle der Versuch gemacht werden, die Frage der jüdischen Wirtschaftsnot wissenschaftlich zu erforschen. Durch die Vernichtung des Mittelstandes, die Zurückdrängung des Handels werden die Juden besonders betroffen. Ebenso durch die Konzentration des Kapitals und die Akkumulierung der Gesellschaften. Die Angleichung an die normale Schichtung der übrigen Bevölkerung wird ungeheuer erschwert Als proletarisierter Angestellter hat der Jude nicht nur den Kampf um den Lohn, sondern auch den Kampf um den Arbeitsplatz zu führen. Nicht nur in der I. ü.־Farbenindustrie sei es dem jüdischen Chemiker unmöglich, eine Anstellung zu erlangen, es gibt auch unter jüdischer Leitung stehende Warenhäuser, die eine Prozentnorm für jüdische Angestellte eingeführt haben. Die Aussicht auf Sefbständigwerdcn der Angestellten besteht heute nicht mehr. Auch in den freien Berufen ist eine Verdrängung der Juden festzustellen. Das jüdische Wirtschaftsproblem in Deutschland sei im Grunde dasselbe wie in Polen. Wenn auch radikale Abhilfe nicht möglich sei, könnte doch eine Darlehenskasse, die bei der Vergebung von Darlehen nicht engherzig vorgeht, Linderung schaffen. Der Vorschlag der Liberalen, inter-urbane Genossenschaftskassen zu •schaffen, sei nicht durchführbar. Solche Kassen können nur lokal sein. Die Bekämpfung der Wirtschaftsnot führt notgedrungen zu politischen Aktionen. Wenn eine höchste Instanz in München entschieden hat, daß jüdische Arbeitslose, die einen Arbeitsplatz ablehnen, wenn man von ihnen am Sabbat Arbeitsleistung fordert, deshalb die Arbeitslosenunterstützung verlieren, müßte eine solche Entscheidung zu einem Entrüstungssturm unter der deutschen Judenheit und zu politischen Schritten des Landesverbandes führen. Gegen derartige Benachteiligungen seien z. B. die Katholiken in Sachsen erfolgreich aufgetrefen. Das jüdische Arbeitsnachweiswesen müsse gefördert, die Berufsberatung dürfe nur von qualifizierten Kräften geleitet werden. Schließlich sei die jüdische Schule dazu bestimmt, das Judentum in seinen Kämpfen geistig zu wappnen. Nach Prof. Hirsch und Rudel (s. vor. Nr.) berichtete Benario (Volksp.) über die Erfolge der Darlehenskasse in Frankfurt a. M. und führte als bezeichnendes Beispiel für die jüdische Wirtschaftsnot an, daß die Juden in Frankfurt, die vor dem Kriege 45 0/0 der Gesamtsteuerlei tung entrichteten, heute nur mehr 15 0/0 der Steuern zahlen, also dreimal so sehr verarmt seien wie die übrige Bevölkerung. Dr. Ludwig Holländer führte aus, es sei anzuerkennen, daß bei der Berufswahl eine gewisse Vorsicht geboten ist. Hochqualifizierte Kräfte seien auch heute von der Arbeitslosigkeit nicht in dem Maße bedroht, wie solche mit durchschnittlicher Begabung, die heute nicht mehr gut unterzubringen sind. In Klein- und Mittelstädten sei die Arbeitslosigkeit weniger groß als in den Großstädten. Er persönlich trete für das jüdische Arbeitsnachweiswesen ein, wenn auch zahlreiche seiner Parteigenossen einen anderen Standpunkt einnehmen. Kurt Blumenfeld führt aus, daß die Juden durch ihre Eingliederung in das deutsche Wirtschaftsleben in der vergangenen Epoche den Blick für die besondere jüdische Wirt- Schaftssituation verloren hatten, ln Wahrheit aber sind die wirtschafiliehen Probleme bei den Juden stets mit politisehen Vorgängen eng verbunden. Wir können daher die Wirtscliaftsfrage gar nicht verstehen, wenn wir nicht den Blick auf die Gesanitlage der Juden gerichtet halten. Diese Abhängigkeit der Juden von der jeweiligen Konstellation, und die für sie sich aus politischen Situationen ergebenden Wirtschaftliehen Folgen sind ein Symptom für den Zustand, den wir Zionisten als ״G a 1 u t h“ bezeichnen. Wenn wir die Dinge von einer höheren Warte überblicken, so erkennen wir, daß die ernsten und überaus schwierigen Probleme, mit denen sich alle Redner hier beschäftigen, Folgen unserer Galuth- Situation sind. Darum kam! eine wirkliche Lösung nur dann kommen, wenn wir nicht einzelne Ausschnitte und kleine Teilfragen, sondern das Gesamtproblem behandeln. Einen Ausweg kann man nur finden bei einer Normalisierung der jüdischen Welt. Der Jude muß die Möglichkeit haben, auch Proletarier zu werden, ohne an Geltung zu verlieren. Zugleich müssen wir bestrebt sein, über diese Entwicklungen, die eine Schicksalswende für uns darstellen, die Menschen dem Judentum zu erhalten. Auch unter einem anderen Aspekt ist die Sache für uns als Zionisten interessant Oftmals haben wir uns vergeblich bemüht, das wirtschaftliche Interesse der Juden, die sich in gesicherten Positionen wähnten, für Palästina zu gewinnen. Heute drängt sich die Frage auf, ob es nicht vielen Juden sehr willkommen wäre, wenn sie sich mit einem Teil der Mittel, die sie hier verloren haben, eine Wirtschaftliehe Reservestellung in Palästina geschaffen hätte!!, die für ihre Söhne gewisse Möglichkeiten böte. Das Haus trat nunmehr in die zweite Lesung des Etats cin.,Für Beihilfen an Gemeinden sind 441 000 RM.» für Beihilfen an Beamte!22 400 und für Bezirksrabbinate 35 000 RMvorge■ sehen. Die für das Rabbinerseminar Berlin ursprünglich vor• gesehene Subvention von 27 51» RM. wurde nach den Vorschlagen der Haushaltskommission auf 25 000 RM. herabge■ setzt, die ursprünglich für die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums vorgesehene Subvention von 25 000 RM. auf 27 500 RM. erhöht, der für das jüdiseh-Theologi •che Seminar Breslau eingesetzte Beitrag von 30 00'J RM. auf 27 500 RM. ermäßigt, Für die Ausbildung von Lehrern und Kantoren waren ursprünglich 84 500 RM. eingestellt, von denen 80000 RM. für die Vorbereitungsanstaltcn und die Friparandie an den Simultan• anstalten bestimmt waren. Der Hausnaltsausschuß hatte ein*; Ermäßigung dieses Betrages auf 70 000 RM. beantragt. Hier• von sollen 35 000 RM. für liberale und 35 000 RM. für konservative Anstalten verwendet werden. Prof. Elbogcn sprach sich für die Gewährung des Zuschusses in der ursprünglichen Höhe von 80000 RM. aus. Unter Titel 6, ״Wissenschaft des Judentums“, waren 19 500 RM. eingesetzt, unter Punkt 6 diesem Titels der Betrag von 3000 RM. für ein Gedenkbuch des R. j. 1 . vorgesehen. Bei diesem Punkte kam es zu den bereits in unserer vorigen Nummer erwähnten Zwischenfällen. Nach Erledigung des Zwischenfalles setzte das Haus di<: Lesung des Etats fort. Für gemeinnützige Anstalten und Ein• richtungen ist ein Betrag von 26 500 RM. vorgesehen. Der Beitrag für allgemeine Wohlfahrtspflege wurde vom Haushaltausschuß von 95 000 auf 105000 RM. erhöht. Für Vcrwaltung sind 103 000 RM. eingesetzt. Hier wurde der Wunsch geäußert, der Rat möge die Verwaltung ernsthaft überprüfen, Ueberscjireitungen dieses Budgetpostens unbedingt vermeiden und womöglich noch Einsparungen erzielen. Für Vorbereitung^־ arbeiten für den Reichsverband wurden 1000, für Unvorhergesehenes 15 600 RM. veranschlagt. Die Gesamthöhe des Reellnungsplans für das Jahr 1931 /32 beträgt 1 074 000 RM. Es wurde beschlossen, die Subventionen an Organisationen bis Ende Februar 1932 nur bis zur Höhe von 80 0/0 auszuzahlen. Auf der Einnahmenseite des Haushaltsplans sind die Staatsbeihilfen mit 330 000 RM., die Beiträge der Mitgliedsgemeinden mit 740 000 RM., unter dem Titel Rückzahlung von Darlehen 3000 RM. und unter Verschiedenes 1000 RM. cingesetzt. Wahlen in den Rai Gleichzeitig mit der Lesung des Etats wurde die der nach Art 21, Abs. 1, Nr. 3 noch zu wählenden Ratsmitglieder und ihrer Vertreter vorgenommen. Es wurden insgesamt 114 Stimmen abgegeben, von denen auf die Liste der Religiösen Mittelpartei und der Konservativen 14, aut die liberale Liste 64 und auf die Liste der Volkspartei und der überparteilichen Vereinigung 36 Stimmen entfielen. Nach dem Proportionalverfahren wurden der liberalen Liste 3 Mandate, der Liste der Volkspartei 1 Mandat zugesprochen. Es sind somit, da der liberale Listenführer Rabb. Dr. Hermann Vogelstein (Breslau) in seiner Eigenschaft als Rabbiner in den Rat entsandt wurde, die Liberalen R.-A. Dr. Margarete Behrendt (Berlin), Wilhelm Grätz (Berlin), Dr. Georg Goldstein (Wiesbaden)), Louis Wolff (Berlin) und der Listenführcr der volksparteilich-überparteilichen Liste Dr. Ismar Freund gewählt. Ferner waren nach Art 21, Abs. 1, Nr. 2 der Verfassung 6 Rabbiner und 2 Lehrer und ihre Vertreter von dem Verbandstag in den Rat zu wählen. Da für diese Wahl das Proportionaisysfem nicht vorgesehen war und die interfraktionellen Besprechungen zu keiner Einigung geführt hatten, kam es vor der Vornahme des Wahlaktes zu einer lebhaften Aaeeinandersetzung zwischen den Vertretern der verschiedenen Parteien. Namens der Volkspartei forderte R.-A. Kollenscher die Anwendung des Proportionalsystems auch bei dieser Wahl und beanspruchte für die Volkspartei das Recht, 2 Rabbiner und einen Lehrer zu nominieren. Dr. Horovitz (kons.) bedauerte das Scheitern der zwisclienparteilichen Verhandlngen und erklärte, die ״Kulturträger“ seien bisher nicht als Vertreter der Parteien, sondern als Repräsentanten der Hochschulen und des Rabbinerverbandes in den Rat entsandt worden! Nachdem noch Breslauer (lib•) und Kurt Blumenfeld (Volksp.) gesprochen hatten, wurde mitgcteilt, daß im letzten Augenblick ein gemeinsamer W a hl vor s ch 1 a g zustände gekommen sei. Auf Grund dieses Vorschlags wurden folgende Herren in den Rat gewählt: Die Rabbiner Horov i t z - Frankfurt, Hoftmann - Frankfurt, Emil Levy- Berlin, B a e c k - Berlin, Seligmann - Frankfurt und Vogelstein-Breslau, ferner die Lehrer J. D. Levy und Reinhardt. Als Vertreter im Rat wurden gewählt: Die Rabbiner Hoffraann-Breslau, Blum-Emden, Freund Hannover, Rosenthal-Köln, Warschauer-Berlin, Seminardirektor Rabiti- Breslau, Dr. Weyl-Berlin, Dr, Blumenthal-Berlin, Dr. Wilde- Magdeburg, Lewkowitz-Breslau und die Lehrer Abraham- Berlin und Bräun-Köln. Der Verbandstag nahm ferner einstimmig die folgenden von der liberalen Fraktion eingebrachten Anträge an: Der Verbandstag bittet, dafür Sorge zu tragen, daß der Einbürgerung von Personen, die m.t der deutschen Kultur durch Jahrzehnte Tanges Einleben verwurzelt sind, nicht etwa aus Gründen der Juaenfeindllchkelt Schwierigkeiten gemacht werden. Der Landesverband möge beim Auswärtigen Amt dahin vorstellig werden, daß das Deutsche Reich im Völkerbund auf eine internationale Regelung des Rechtes der Staatenlosen im Sinne der Beseitigung der teilweisen furchtbaren Rechtlosigkeit der Staatenlosen nachdrücklich vorstellig wird. Es folgten die Wahlen in die liberalen und die konservativen Kultusausschüsse und Unterrichtsausschüsse, wobei einige misrachistische Mitglieder der Volkspartei in den konservativen und zwei zionistische Mitglieder in den liberalen LJnterrichtsausschuß mitgewählt wurden. In den Wohlfahrtsausschuß wurden gewählt: von den Liberalen Frau Ollendorf-Breslau, Ettlinger-Frankfurt/M., Wolff, Zamory und Szanto; von der Volkspartei und Poale Zion Alfred Berger und S. Adler-Rudel. Die von den Liberalen unterbreitete Vorlage betreffend Schaffung eines Reich s verbandes der deutschen Juden wurde nebst den Ergänzungs- bzw. Abänderungsantriigen der Volkspartei und der Konservativen als Material dem zu bildenden Sonderausschuß zur Fertigstellung des Entwurfes überwiesen. Diesem Ausschuß sollen vier Liberale, zwei Volksparteiler und ein Konservativer angehören. Nach der Schlußrede des Vorsitzenden Heinrich Stern und einem von Wiener (Volksp.) beantragten Dank an den Vorsitzenden wurde der Verbandstag geschlossen. Konferenz des Jotnt Distribution Committee New York, 24. März. (J.T. A.) Im Pennsylvania-Hotel zu New York wurde am Sonnabend, dem 21. und am Sonntag, dem 22. März, eine Konferenz des American Joint Distribution Committee abgehalten, der führende luden aus allen Teilen der Vereinigten Staaten und auch Kanaaas beiwohnten. Die Konferenz hatte einen doppelten Zweck: Den Schlußstein zur Reor־ ganlsation des Joint Distribution Committee zu legen und den neuen Drive einzuleiten, der in diesem Jahre 2Va Millionen Dollar zugunsten des Hilfs- und Aufbauwerkes in den osteuropäischen Ländern aufbringen soll. Die Konferenz ergänzte durcti Wahl das 48-gIiedrige Direktorium und wählte 25Ö Mitglieder in den National Council. Einhellig kan» die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß man das Hilfs- und Aufbauwerk in Osteuropa nicht aufgeben darf und daß die allerernstestet» Anstrengungen gemacht werden müssen, um den Drive zu einem guten Ergebnis zu führen.

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