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Jüdische Rundschau · 1931-03-27 · Heft 24 (27.3.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 24 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V׳ - Zur zionistischen Orient ~ Politik. Einzelnummer OßS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDiens tag »».Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au«51andsabo0nemenlÄ werden m der Währung der einzelnen Linder berechnet. Anreigenpreifi*. 8 gesp. NoBpareillemeil® Q.5Ö O.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische RundschauG.m.b.H., Berlin Wl5, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. Postscheck ־ Konten Berlin 17392, Basel V9355. Belgrad <58032, Brüssel 39433. Budapest 59693, Danzig 1973. Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155. Strasburg 164 30, Wamchau 190708, Wien 156030. Bank-Konten: Dartnstädter• und Nationalbask, Depositen - Kana« Berlin« Kurfiirstendamm 52; Baue« de Est, Cernauti (Rumänien); Anglo Palewttn« Ca in Haifa,!«raaalem, Tel -Aviv. Nummer 24 | Berlin, 27. III. 1931 RedaktionsschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. ס׳ ניסן תרצ״א | xxxvi. j*!»rg. Der Zionismus erstrebt *Or das Jfldiache Volk die Schaffung einer flffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.»* Weizmann in Palästina ״Mein Rücktritt wird die Atmosphäre reinigen“ Jerusalem, 23. Märe. (J. T. A.) Anläßlich der Begrüßung■ Dr. Weidmanns durch die Beamten des Hauptbüros der Jewisli Agency in Jerusalem führten mehrere Redner Klage darüber, daß die vergiftete Atmosphäre schwerer 71! ertragen sei, als die durch die Nichtauszahlung der Oehrilter verursachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In seiner Antwort auf die Begrüßungsansprachen erklärte Dr. Weizmann, das Wort ״Verrat“ sei in letzter Zeit ein Oemeinplatz in zionistischen Reihen geworden. Selbst alte Zionisten bedienen sich dieses Wortes jedesmal, wenn sie die Politik der Führung mißbilligen. Doch werde die Atmosphäre bald gereinigt werden, und die Juden würden wieder freudig ihre Pflichten auf sich nehmen. Er selbst werde dadurch, daß er sich von der Führerschaft zurück ziehen werde, dem Zionistenkongreß behilflich sein, im eigenen Hause gründlich Ordnung zu machen. — An die Begrüßung schloß sich eine Sitzung der Exekutive, an der außer Dr. Weizmann die Herren Ruppin, Kisch, Senator, Sacher, Sprinzak und Barth teilnahmen. Dr. Weizmann hatte eine einstiindige Besprechung mit dem High Commissioner Sir Jahn Chancellor, bei dem er und I ran Weizmann ־ zu Gaste geladen waren. Wie die J. T. A. erfährt, wurden in dieser Unterredung die Fragen einer Verständigung mit den Arabern, des Landentwicklungsplans Sir John Hope Simpsons und einer baldigen Erleichterung der Einwanderung erörtert. Am Freitag, dem 20. März, hielt Dr. Weizmann eine Beratung mit der Exekutive der Histadruth Haowdim ab. Am Sonntag, dem 22. März, besuchte er die während der Unruhen im August 1029 zerstörte und nunmehr wieder aufgebaute Kolonie Beer Tuwiah. Die jetzt hier eingetroffenen palästinensischen Zeitungen bringen den vollen Wortlaut von Weizmanns Rede in Nahalal, über die bereits kurz in einem J. T. A.-Telegramm (..Jüdische Rundschau“ vom 20, d. M.) berichtet «urde. Die Fassung des Telegramms hat, wie wir aus mehreren uns zugegangenen Aeußerungen ersehen, insofern Interesse hervorgerufen, als man in der dort wiedergegebenen Rede Weizmanns eine Erklärung gesehen hat, daß er die Führerrchaft auch weiterhin behalten will. Wie nun aus dem vollen Wortlaut der Rede zu ersehen ist, beruht diese Deutung auf einem Mißverständnis. Die Delegationen der Arbeiter im Emek haben zwar Weizmann aufgefordert, auf seinem Posten zu bleiben. Die Antwort Weizmanns, er habe aus den Eindrücken im Emek die Kraft empfangen, die Arbeit fortzusetzen, bezog sich jedoch auf die Vergangenheit und nicht auf die Zukunft. Weizmann gab zunächst seiner Freude Ausdruck, seine Reise durch das Land in Nahalal, der Perle des Emek, beginnen zu können. Während der schweren Kämpfe der letzten zwei Jahre, so sagte er, waren meine Augen stets auf das Konferenz der Kolonisten Vergangene Woche fand in Tel-Awiw eine Konferenz des jüdischen Kolonistenverbandes statt, die der *)Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Das Organ der Kolonisten ״Boust’nai“ würdigt in seinem Leitartikel die Beticutung dieser Konferenz, die endlich eine Vereinigung samthoher Kolonisten Palästinas zustande gebracht hat, während bis dahin es mehrere lokal- und gesinnungsgemäß geschie- «F'ne Verbände gab. Die Zeitschrift spricht den Wunsch aus, ii iß sich daraus ein umfassender landwirtschaftlicher Verband, b> r auch die Arbeiterschaft umfaßt, entwickeln möge. Vor- Imifig sei darauf nicht zu hoffen. In der Vereinigung haben 011•־ Tendenzeu geltend gemacht, die ihr auch politische moi zionistische Betätigung an Stelle bloßer Standesfragen /»weisen möchten. Dies sei jedoch heute noch nicht möglich, ba zu verschiedenartig eingestellte Elemente in dem Verband iwwammen sind. Die Meinungsverschiedenheiten in sachlichen Rorufsfragen lassen sich viel eher überbrücken als politische »!ul innerzionistische. Es gibt aber auch noch andere Meinungsvcrschiedenheiten, z. B. in der besonders schmerzlichen frage der jüdischen Arbeit Durch den Eintritt der 0•genannten nationalen Landwirte in den Verband hat sich!iw Zahl derer vermehrt, die hundertprozentige j ü ־ 'Usche Arbeit fordern. Viele andere halten an aem 1 »undsatz der gemischten Arbeit fest. Würde man 'ersuchen, eine dieser Gruppen zu majorjsieren, so würde der Forband sofort gesprengt werden. Eine Frage geringerer Be- »eiiiung ist die Stellung zum Waad Leumi, mit"dem ein <wl der Landwirte zusammenzuarbeiten bereit wäre, während >»'r andere Teil jede Zusammenarbeit ablehnt, solange durch!־e gegenwärtige Wahlordnung keine entsprechende Vertre- ״lng der Landwirte gesichert ist.' 111 all diesen Fragen kann daher der Verband keine Stellung nehmen. Der Ver- Rand will keine Partei sein, die ihre Mitglieder zu einer heünnmten Haltung verpflichtet, sondern eben ein Berufser band. Seine Aufgaben sind außer Bearbeitung von Steuer- und Zollfragen, Sorge für die Entwicklung der Pflan- »untren, Versicherungsfragen, Kooperativen usw. vor allem dreierlei: Abwehr jedes Versuches der Gewalttätigkeit seitens der Arbeiter, wie sie sich leider manchmal ereignet hohe, ferner Verteidigung der Rechte der Landwirte inner- '*alb des Jischuw, der den Kolonisten zwar manchmal Lob ־ pendet und ihnen als den ״Reichen“ vor allem Lasten aufwurdet, aber geradezu haßerfüllt ihnen Rechte verweigert und;i;e wirtschaftlichen Anschauungen verächtlich macht. Und ' *Rens müssen die Kolonisten über die Rechte ihrer Kinder "achen, die bei allen jüdischen Kolonisations-Instanzen "idersinnigerweise systematisch zurückgesetzt werden. Emek gerichtet. Die Leistungen der Arbeiter des Emek haben den Glauben an die eigene Sache auch bei allen Zionisten der Galuth gestärkt. Ein Werk wie der jüdische Aufbau muß auch schwere Zeiten durchrnachen, und es ist eine Arbeit auf lange Sicht. Wir wollen Kümpfe nach Möglichkeit vermeiden, aber es liegt nicht immer in unserer Macht. Manche unserer Genossen haben in den schweren Zeiten den Glauben verloren und unserem Organismus Gift eingespritzt. Als ich aufgefordert wurde, nach Amerika zu gehen, antwortete ich den amerikanischen Zionisten: Ihr habt zwei Jahre lang Eure Pflicht vernachlässigt und habt die Schuld nicht nur der ״verräterischen“ Regierung zugeschoben, sondern auch Eure Führer mit dem schweren Vorwurf belastet, daß auch sie Verräter sind. In solchen Zeiten fühlte ich mich ganz verlassen. Jetzt ist es vielleicht etwas besser geworden. Wir konnten einiges Unkraut ausjäten, und es beginnt vielleicht eine neue Zeit des Aufbaus. Wir haben genug Zeit mit Diskussionen verloren. Man muß wieder verstehen, daß es auf die wirkliche Arbeit ankommt. Dieses Verständnis scheint jetzt langsam wieder einzukeliren. Dr. Weizmann sprach sodann über die Verhandlungen, die er in den letzten Wochen mit der englischen Regierung zu führen hatte. Er betonte die Wichtigkeit der Tatsache, daß zum ersten Male seit der Balfour-Deklaration das englische Kabinett selbst sich mit den Palästinafragen beschäftigt hat. Die Führer des englischen Volkes sind zum großen Teil wenig unterrichtet über unsere Frage. Auch Propaganda ist eine schwierige Sache. Die Herzen von Menschen zu bezwingen, ist vielleicht ebenso schwer, wie den Boden zu bezwingen. Was weiter sein wird, weiß ich nicht. Der Kongreß, der in 3 bis 4 Monaten Zusammentritt, wird darüber zu entscheiden haben. Es scheint aber bei uns noch eine schwere Verwirrung zu herrschen. Ein Beispiel dafür ist auch die Rede Ussischkins in Amerika. Unsere Leute sollten endlich verstehen, daß es physikalische Gesetze gibt, die auch Juden nicht überwinden können, mit denen man daher rechnen muß. Zum Schluß wandte sich Weizmann an die Arbeiter und sagte: Ich weiß, daß Euer Los mit meinem Los verbunden ist. Ich benutze die Gelegenheit, um zu sagen, daß zwei Telegramtue, die ich nach Veröffentlichung des Weißbuches be*•• kommen habe, mich besonders gestärkt haben: das eine von den Leuten des Emek, das andere von Baron Rothschild. Diese Telegramme habe ich mir bei meiner Arbeit stets vor Augen gehalten. Ich möchte daher Euch allen meinen Dank aussprechen für das, was Ihr in den schweren Tagen der wirtschaftlichen, seelischen und politischen Krise getan habt Ihr ward es, die uns Mut und Kraft gegeben haben, unsere Arbeit fortzuführen. Der Zweck meines Hierseins ist nicht nur. Euch dafür zu danken, sondern auch aus der Quelle zu schöpfen, die Kraft zur Arbeit gibt. Zum Schluß noch ein Wort: Ich pflege oft über die Notwendigkeit der Geduld zu sprechen. Zehn oder zwanzig Jahre sind eine kurze Zeit für eine große Schöpfung. Ich habe die Lehre der Geduld in allen Sprachen und an allen Orten gelernt, und ich hoffe, daß auch Ihr, die Ihr im Boden Palästinas verwurzelt seid und auf die wartet, die nach Euch kommen, Geduld bewahren werdet. Wir alle arbeiten für die Zukunft. Revisfonisleoskandal gegen Dr, Magnes Stinkbomben und Rauferei, aber keine weißen Mäuse. New York, 23. März. (J. T. A.) Anläßlich eines von der Histadruth Iwrith, dem Verband der hebräisch Sprechenden in Amerika, veranstalteten Vortrags des Kanzlers der Hebräisclien Universität in Jerusalem, Dr. J. L. Magnes, kam es zu stürmischen Kundgebungen der in großer Zahl erschienenen Revisionisten. Einige Tage vor dem Eintreffen Dr. Magnes’ in Amerika hätte die Organisation der Zionisten-Revisionisten Amerikas eine Resolution gefaßt, in der der Council der Hebräischen Universität aufgefordert wurde, Dr. Magnes wegen seiner ״gegen den Zionismus gerichteten Tätigkeit seit den Unruhen von 1929“ seines Postens als Kanzler der Universität zu enlheben. In der Versammlung setzten sofort, nachdem der Vorsitzende Abg. Goldberg den Redner vorgestellt hatte, lärmende Kundgebungen der Revisionisten ein. Stinkbomben wurden geworfen und es kam zu einem Handgemenge zwischen Revisionisten und Allgemeinen Zionisten, die Dr. Magnes zu schützen versuchten. Nachdem der Tumult etwa eine halbe Stunde gedauert hatte, erschien Polizei, die mit großer Mühe 40 bis 50 Unruhestifter aus dem Saale entfernte. Nunmehr konnte Dr. Magnes seinen in hebräischer Sprache gehaltenen Vortrag über die Arbeiten der Universität beginnen, wurde jedoch in seinen Ausführungen häufig von den im Saale verbliebenen Revisionisten durch provozierende Zwischenrufe unterbrochen. Dr. Magnes ließ sich durch die Störungsversuche nicht beirren. Er erklärte, er sei schon daran gewohnt, ein ״Verräter“ genannt zu werden. Dieses Wort, sagte Dr. Magnes, aut die Kriegs zeit anspielend, in der er wegen seiner pazifistischen Gesinnung als Verräter bezeichnet worden war, habe ich schon vor langer Zeit gehört. Nach Versammlungsschluß wurde Dr. Magnes von einer großen Menge von Revisionisten, die sich inzwischen in den umliegenden Straßen gesammelt hatten, beschimpft und bedroht. Trotzdem lehnte Dr. Magnes polizeilichen Schutz ab und erklärte, sich allein nach Hause begeben zu wollen. Auf Antrag der jewish Agency befreite die Palastina-Refierung die Einfuhr von Fasern, die für die Herstellung er beim Orangenexport erforderlichen Stricke benötigt werden, vom Zoll. Dagegen hat die Regierung die Erhöhung des Zolls für auswärtigesSchuh werk abgelehnt. (JAB) Nach der Tagung des Landesverbandes Von einem prominenten Mitglied der volksparteilichen Fraktion des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden geht uns nachstehende Würdigung der leisten Tagung zu; Die erste Tagung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden nach den Neuwahlen hat einen eigentümlichen Verlauf genommen. Sie war dadurch charakterisiert, daß die Verschärfung der Haltung, die nach den Wahlen überall zu beobachten ist, bei den Liberalen sehr stark in Erscheinung trat. Außenstehenden war es oft nicht verständlich, weshalb die Gegensätze bei scheinbar nicht immer bedeutenden Positionen so stark zum Ausdruck kamen, denn ihnen war nicht bekannt, wie sehr gerade in den Kommissionen der nackte Machtwille der Majorität sich geltend machte. Zwei große Aufgabengebiete hatte diesesmal der Landesverband neben den laufenden Arbeiten zu behandeln: Die Frage der politischen Vertretung des Preußischen Judentums nach außen hin, seines Rechtsschutzes in einem Augenblick schwerster Gefährdung, und die Frage der wirtschaftlichen Not der deutschen Judenfieit. Die Debatte in dieser zweiten Frage, die erfreulicherweise auf ziemlich gutem Niveau geführt wurde, war recht lehrreich. Die zionistischen Erkenntnisse, die an dieser Stelle seit Jahren formuliert und ausgesprochen wurden und den Forderungen der Jüdischen Volkspartei zugrunde liegen, sind inzwischen Gemeingut sämtlicher Parteien des Landesverbandes geworden. Die Rede des liberalen Vertreters zu diesem Punkt war nichts anderes als eine Variante der volksparteilichen Forderungen. Auch die Liberalen erkennen jetzt eine besondere jüdische Wirtschaftsnot in Deutschland an. Noch vor einem Jahr wäre der Antrag auf Errichtung einer zentralen jüdischen Cjenossenschafts-, banktale ״zionistische Utopie81 Ifeherlkl»׳ gemacht worden.' Jetzt kam er von den Liberalen. Das Leben ist eben stärker als Theorien. Man übernimmt unsere Forderung und man übernimmt unsere Terminologie, —• man hat aber keineswegs den Mut, Konsequenzen zu ziehen. In der Praxis, in der leider auf dem Gebiet der Wirtschaftshilfe nur wenig geschehen kann, sind die Fraktionen des Landesverbandes einig. In der Bewertung der Vorgänge klaffen zwischen uns und der liberalen Majorität immer noch unüberbrückbare Gegensätze. Und trotzdem ist an diesem Beispiel erkennbar, von welcher Bedeutung die energische und zähe Arbeit der volksparteilichen Minorität ist; denn die liberale Ideologie läßt sich auf die Forderungen der Liberalen nicht mehr anwenden. Hier helfen keine Beteuerungen und keine stundenlangen Erklärungen. Mit der Uebernahme der volksparteilichen Forderungen ist endgültig klar geworden, daß es sich bei den Jüdischen Gemeinden in Deutschland keineswegs um reine ״Religionsgemeinschaften“ handelt. Reine Religionsgemeinschaften haben mit den Aufgaben des Darlehnskassenwesens, des Genossenschaftswesens, des Arbeitsnachweises, der Berufsberatung usw., die jetzt von allen Seiten gefordert werden, nicht das geringste mehr zu tun. Es wird unsere Aufgabe sein, auf diesen Zwiespalt, auf diese Tatsachen immer wieder und unermüdlich hinzuweisen. Ganz kraß trat der Zwiespalt der liberalen Auffassung in der Frage der politischen Vertretung, des Rechtsschutzes der jüdischen Gesamtheit, zutage. Es war sehr bezeichnend, daß auf die Reden der volksparteilichen Vertreter, auf unsere eindeutigen und klaren Forderungen, entweder gar keine oder ausweichende und unbedeutende Erwiderungen erfolgten; dafür stimmte dann die liberale Majorität in voller Einmütigkeit unsere Anträge nieder. Von unseren Vertretern wurde klar genug ausgesprochen, um was es sich hier handelt, nämlich urn das Eintreten der Liberalen für den Centralverein. Der Preußische Landesverband verzichtet nach wie vor darauf, seine wesentlichsten Aufgaben zu erfüllen und das gesarnte Preußische Judentum, das in ihm zusanimengeschlossen ist, zu vertreten und zu schützen. Er überläßt diese Aufgaben einer privaten Organisation, die nur Teile des deutschen Judentums umfaßt und umfassen will, die selbst mitten im innerjüdischen Kampf steht und deren Erfolge alles andere als unbestritten sind. Darüber hinaus sprach man sich selbst mit der gleichen Mehrheit ein Lob für die ausgezeichnete Abwehrarbeit aus, die man im Centralverein leistet. Dieselben Herren, die als Liberale dem Centralverein dieses Lob überreichten, sind es, die als Centralvereinler dieses Lob von den Liberalen entgegen nehmen. Auf solche einfache Art ist diese außerordentlich bedeutsame Frage nicht zu lösen. Die kleine Burleske, in der sich die Herren nach den außerordentlichen politischen Mißerfolgen gerade der vergangenen Zeit ihre Tüchtigkeit und ihre Erfolge beschei- Eigen, war nicht gerade imponierend.

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