Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-03-24 · Heft 23 (24.3.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 23 (24.3.1931)
Date
1931-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653275--22234-2680427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

literarische Notizen Mtnrntnommer ogs Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Fre1ttg. Bemigsprelsbef der Expedition monatlich 2,-— Goldmark, vierleijährlich 5,75 Goldmark. AJudacdsabonBCEDenta weiden in der Wihnma d**r einzelnen Lander berechnet. ArtreigenprH«: 8 g<־׳*p. NoBpareüJrzefl« 0*50 G--M. Stellengesuche 0,25 C.-3VL Redaktion, Verlaß und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische RundschauG.m.b.FI., Berlin W15, Mcinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 716570־. Arupigffntü hluß: Dienstag und F r e 11 3 g nachmittag* 4UI1r Post Bru^rl Pank Kurbir!* 'check ■Konten : Hertia!7.397, fwIVTOt. IMfr־«l <W012, M433. Buitepc« 596!n. D»n1׳s 1973. Hm* 140470, t’rac 59410* Kies 4155. t?tt־«.U,1׳״E 16430, Wamchun 190708, Wien 156030. *Konirn .־ und Nafinnalhank» ’D**p0ajfr1« . K*s*o Berlin, teudamm 5?־; de Dt. CVmami (Rumanieti); Anglo Palesiinr Co, i1 ״ Lila, Jerusalem, Tel-Aviv. Nummer 23 | Berlin, 24. III. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ף ניכן תרצ״א | xxxvi. jahrg. Per ZlonlMtw» erstrebt für das JQtütche Volle die Schaltung einer ttffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Die Tagung des Landesverbandes Berlin, 23. März 1031. Die diesjährige Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Ocmeindcn stand deutlich unter dem Zeichen der Depression auf politischem und Wirtschaftlieh cm Gebiet, in der sich das deutsche Judentum heute befindet. 111 Anbetracht der Aufgaben des Landesverbandes standen von vielen ungewollt — die wirtschaftlichen Nöte im Vordergrund. Redner aller Fraktionen haben schon am ersten Tage sich mit den Folgen der Verschlechterung der Wirtschaftliehen Lage der deutschen Juden beschäftigt, und es war für uns sehr interessant, daß auch die Vertreter derjenigen l'rakhonen, die in ihren öffentlichen AeuBerungen bisher vielfach das Bestehen einer spezifisch jüdischen Not in Abrede gestellt haben, ohne weiteres betonten, daß die Juden infolge ihrer cigentümliehen Sonderstellung auch in einer besonderen Weise von der Wirtschaftskrise betroffen worden sind. Deren unmittelbare Auswirkungen auf den Landesverband zeigten sich besonders in dem Ruf nach Sparsamkeit: Verkleinerung des Apparates, Abbau der kostspieligen Verwaltung, Einschränkungen aller Art wurden als notwendig erkannt. Die repräsentative Organisation des deutschen Judentums kann sich heute, wo das deutsche Judentum gegenüber dem Zustand von vor einigen Jahren stark mrückgeworfen ist, manches nicht leisten, was früher bcgrüßenswert und zulässig erschien. Freilich dürfte man auch diese Sachlage nicht übertreiben. Denn obwohl fraglos der jiidische Mittelstand vielfach verarmt ist, gibt es doch noch viele reiche Juden, denen es ein leichtes wäre, den jüdischen Verbänden die Möglichkeit zu bieten, gerade in dieser schweren Zeit, die die Anspannung aller Kräfte erfordert, sich nicht noch mehr einzusdiränken. Wo sind diese Reichen? Was haben die Liberalen getan, um sie zu aktivieren? Leider zeigt die Liberale Fraktion, die durch ihre Mehrheit die Versammlung beherrscht, wenig Verständnis für die wirklichen Nöte des Tages und will mit der Sparsamkeit gerade dort cinsctzen, wo sie am wenigsten am Platze ist und wo es sich um verhältnismäßig kleine Posten handelt; z. B. hat sie die Zuwendungen an die jüdischen Turn• fritd S'fjoftrereihrvon 6«» auf 3000 M. hejWffgÄ'e«.'*■ Lieber die Bedeutung der Turn- und Sportbewegung, die zwar von zionistischer Seite begründet wurde, aber längst auch auf andere Teile der jüdischen Jugend übergegriffen hat, braucht hier kein Wort verloren zu werden. Die Verständnislosigkeit gegenüber diesem überragenden Bedürfnis der jüdischen Allgnneinheit ist nur ein Beispiel für die Engherzigkeit der Eiberalcn, man könnte noch mehr aufzähleu. Der erste Tag der Verhandlungen galt dem Rechenschaft*- bericht und der Generaldebatte über den Etat. Dü’ Be- -prerhung des Antrags der Volk spart ci, der Landesverband möge die Verteidigung des Judentums nach außen hin übernehmen, wurde mit der Generaldebatte verbunden. Von liberaler Seite wird dem volksparteilidieii Antrag־ scharfe Oppositxm gemacht, die ihren wahren Grund nur darin hat, daß der Ccntral-Verein, der, mit den Liberalen eng liiert und dessen Führer die liberale Front-bencli füllen, hiervon eine Konkurrenz und eine Beeinträchtigung seiner Stellung befürchtet. Der < ,'cntral-Verein will, obwohl er nie 11t alle deutschen Jude n repräsentiert und einen erheblichen Teil, nämlich die Zionisten, bewußt aussdiließt, den Abwehrkampf für sich monopolisieren, und aus diesem kleinlichen Vereins-Patriotismus heraus verhindert er in dieser schwierigen Zeit ein autoritatives Auftreten der einzigen bestehenden legalen und demokratischen Instanz, des deutschen Judentums im Kampf für jüdische Rechte und Interessen. Die zionistischen Redner der Generaldebatte haben diese unsachliche Haltung der Liberalen rückhaltlos entlarvt. Ohne Voreingenommenheit darf man wohl sagen, daß die Jüdische Volkspartci in der Generaldebatte sehr gut abgeschnitten hat. Der erste Redner, Direktor Kareski, stellte in wirksamer Weise dem veralteten und erstarrten Gemeinde- Judentum der Liberalen die belebende Kraft des nationaljüdischen Gedankens gegenüber: Die Jugend, soweit sie überhaupt für aktive jüdische Betätigung gewonnen werden kann, ist in unseren Reihen, und dem Zionismus wird es zu danken sein, wenn es in hundert Jahren noch ein deutsches Judentum geben wird. I )r. Kalium Gold m a n!1, ein Neuling in dieser Versammlung, der sieh einen rethorischen Sondererfolg holte, charakterisierte treffend die zunehmende Isolierung des deutschen Judentums innerhalb der Weltjudenhcit, eine Folge der Verständnislosigkeit des deutschen Judentums für den gesamtjüdischen Renaissanceged;'inkeii. In Vier dritten Runde, bei einer Redezeit von nur fünf Minuten, konnte Kurt Blumen{cid noch einige helle Schlaglichter auf die Inkonsequenz der Haltung des C.-V. werfen, wobei er auch einige taktlose Bemerkungen des liberalen Redners und Vizepräsidenten des C .-V., Dr. Bruno Weil (über Glimarja l.evin und Weizmantts Polizeischutz) gebührend zunu'kwicr. Zu einer kleinen dramatischen Szene kam cs lediglull während der Rede des Vertreters der iiätionaldeutschetl Juden. Sanitätsrat Pevser, der in einen scharfen Wort- Wechsel mit volksparteilichr» Zwischetirufefn geriet Ein wichtiges Thema brachte Dr. Klee zur׳ Sprache: Die Frage der Einbürgerungen, in der eine ungerechte Benachteiligung der Juden droht, die verhindert werden muß. Der zweite Tag der Verhandlungen beginnt mit der Debatte über die W i r t s c 11 a f t s 1 a g c der deutschen Juden, ein Thema von größter Tragweite im jetzigen Moment Ob freilich der I anck'sverband sich zu den notwendigen Aktionen auf diesem Gebiete aufraffe* wird, kann bei seiner •heutigen Zusammensefzung füglich bezweifelt werden. Das ausgezeichnete Referat Alfred Bergers machte liefen Eindruck auf die ganze Versammlung. Während diese Zeilen in Druck gehen, ist die Debatte noch im Gange. Die Tagung wird Montag abend zu Lude gehen, mul wir veröffentlichen an anderer Stelle bereits die wichtigsten der gefaßten Resolutionen. * Nachstehend der Vcrhamllungsbcridit: Sonntag, den 22. März, trat der neugewählte Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu seiner ersten Tagung zusammen. Diese Tagung־׳ leitet die zweite Wahlperiode des Landesverbandes ein. Die Ahgeordncteu aus Berlin und Her preußischen Provinz sind fast vollzählig erschienen. Vor t Uhr mittags erteilte Herr Dr. Zielenziger, der als Alterspräsident fungierte, Herrn Rabbiner I>r. Hermann V o g c I s t c i 11 - Breslau das Wort zu einer einleitenden Weiherede. Hierauf wird das Präsidium des Verbandstages durch Zuruf gewählt. Vorsitzender ist Rechtsanwalt Heinrich Stern (liberal). Vizepräsidenten R.-A. Mas Kollenscher (Volkspariei) und Direktor M a r x - Königberg (konservativ). Zum ersten Schriftführer berief der Vorsitzende R.-A. Llkeles (lib.), zum zweiten Schriftführer Dr. Büsthtl-Essen (Volksp.). Der Vorsitzende hielt, wahrend sich die Versammelten von den Sitzen erhoben־, den seit dem letzten Verbandstage verstorbenen Mitgliedern des Verbandsfages und des Rates, Kommerzienrat Gereon Simon, Hugo Ost berg und Eugen Caspary, einen tiefempfundenen Nachruf. Kanjmergerichtsrat Leo W o 1 f f, Präsident des Rates des Preußischen Landesverbandes, erstattet nun den Tätigkcitsbericht des Rates. Dabei kommt er auf den wachsenden _Antisemitismus in Deutschland zu sprechen. Der Antisemitismus, so sagt Redner, hat einen ungeheueren Unifang, und, unerträgliche Formen angenommen. Von dieser Stelle aus wollen wir unserer Entrüstung gegenüber allen Angriffen auf Juden und Schmähungen des Judentums Ausdruck geben und alle Erniedrigungen aufs schärfste zurückweisen, wohl können wir bei den zuständigen Bc- ־Mrifwi auf־ Verständnis für־ unsere. Lage rechnen, aber wir wollen nicht verschweigen, daß־ es Fällegegeben hat, wo unserem Anspruch auf Schutz nicht in genügendem Maße Rechnung getragen worden Ist. Der Redner gibt dann Erläuterungen zu dem gedruckt vorliegenden Tätigkeitsbericht und erklärt, daß nach besten Kräften, reiche Arbeit geleistet worden ist. Dem Landesverband wird Verständnis nicht nur bei den jüdischen Gemeinden, sondorn auch bei den Behörden entgcgcnge.braclit. Leider aber hat dieses behördliche Verständnis 111 der Angelegenheit des Judengesetzes .versagt.• Der Kultusminister hat die Erlodigung für Ende 1030 zugesagt, aber sie ist bis heute noch nicht erfolgt. Der Rat wird die Sache mit der allergrößten Energie verfolgen; .wenn cs nicht anders gehen wird, werden wir versuchen, im Landtag selbst unser Wort hören zu lassen. ... 111t Einzelnen ist über die abgdaitfene Periode zu bcrichten: Die R e 1 c 11 s a r b c i t s g c nie i 11 s c h a f t der jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches hat infolge Fehlens einer Reichsorganisation ihre Arbeiten fortgesetzt. Von der vom Verbandstage gewünschten Einberufung einer Wirf- Schaftskonferenz hat der Rat bis jetzt abgesehen. Ein Ausschuß aus Vertretern des Landesverbandes, dem auch Mitglieder der Zeutralwohlfahrtsstelfe, der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und der Jüdischen Arbeitsnachweise angehören, hat seine Arbeiten aufgenommen.!Die vorgeschla- ״ene Gründung von Bezirksdarlehnskassen haben die in Betracljt kommenden Gemeinden und Provinzialverbände abgelehnt. Dieser Umstand ist sehr bedauerlich und gibt zu der Frage Anlaß, ob auf ■Seiten der Gemeinden überhaupt der Wille besteht, der Wirtschaftsnot in ihren eigenen Reihen zu steuern. In der Kalendcrreformfragc hat der Rat gemeinsam mit der Reichsarbeitsgemeinschaft einen Ausschuß eingesetzt, der durch Verhandlungen mit den zuständigen Stellen das Ziel verfolgen soll, eine Reform des Kalenders zu vorhindern, die die Erhaltung des Sabbats bedroht. Ferner wurden Vertreter des Landesverbandes (zugleich als Vertreter der Reichsarbeitsgemeinschaft) in einen Ausschuß entsandt, der die Abwehr drohender und bereits erlassener Schächtvcrbote zum Zweck hat. Der Vizepräsident des Rates, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee erstattet den Bericht über den R c c Iui u 11 g s a b s c 11111 ß für 1929/30, der mit einer Ausgaben- und Einnahmeziffer von 1 156708,'26 RM. abschlicßt, ferner über den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931/32. Auch Dr. Klee leitete seine Rede mit dem Hinweis auf die schwere Zeit, in der wir leben, ein. Die Schlußfolgerung, die wir zu ziehen haben, ist: Wir müssen uns so einig, so stark zeigen, daß keiner sich soll einbikien dürfen, daß man uns ungestraft nahetreten darf. Dr. Klee erläuterte nun die einzelnen Posten des Rechnungsabschlusses für 1929/30. Von SOG (WO RM., die als Pflichtbeiträge der Gemeinden veranschlagt worden waren, sind im ganze« 500090 RM. eingegangen, auf über 300000 RM. also sind die Rückstände der Gemein de 11 »!!gewachsen. Der Landesverband mußte seinen Bankkredit über Gebühr anspannen■, um seinen Pflichten gegenüber den Witwen von Lehrern und Rabbinern, den Flächtlingsrabbinern usw. nachkoimncn zu können. Im neuen l/iatjahre werden wir zu anderen Methoden greifen müssen, uni die säumigen Gemeinden an ihre Pflicht zu erinnern. Der Redner erörterte sodann die einzelnen Posten de, Etatsvoranschlags für 1931/32. Betreffs .der Staatsbcihilfcu für den Religionsunterricht pt der Landesverband nur Durchgangsstation, der Posten ist darum int Etat nicht berikksichtigt. Beim Kapitel Subventionen wurden viele Abstriche gemacht Nur die Beihilfen für besonders leistungsschwache Gemeinden wurden im Hinbliek auf die Notwendigkeit der Erhaltung von Klcingemeinden bedeutend erhöht. Die . Ausgaben für die theologischen B i f 11 u n g s a 11 s t a 11 e!1 in Berlin und Breslau wurden nach Möglichkeit bcibclialfen, die Anstalten für jüdische Wissenschaft dürfen nicht verkümmern. Aber man müsse in Betracht ziehen, daß die F r c q u c n z der Rabbiners e 111 i 11־ a r c e j ne so ho h e ist (allein die Hochschule in Berlin zählt 120 Hörer), daß nur ein Bruchteil der Absolventen in Deutschland und im Ausland — wo in Deutschland ausgcbildete Rabbiner inhohem Ansehen stehen Kabbinerstcllen werden finden können. Man wird daran gehen müssen, das S t i p e 11 d i 11 m w e s c n zu r e v i <11 e r e 11. Bei Erörterung der Kapitel ״lugendpfleg <׳*־ und ״S ק o r t b e w e g 11 ״ g“ bat der Referent, Groß- Herzigkeit walten 7u lassen und keine Streichungen vorn!- nehmen, da cs um ein hohes Gut, um die Zukunft des Judentums, geht. Reim Kapitel Wohlfahrtspflege wies der Redner darauf hin, daß heute rund 3000 deiitsrh-jüdisrhc Menschen, nicht etwa Ausländer, kein ständiges Heim haben und auf der Wanderung sind. Der Etat für 1931/32, schloß der Redner, der mit der gegen das Vorjahr verringerte״ Ziffer von 1 074 000 RM. eingesetzt ist, ist im wahren Sinne des Wortes ein Notetat. Viele Bedürfnisse werden unbefriedigt gelassen, vieles wird gedrosselt, mancher dringende Wunsch wird zurüekgestellt. Der Rat mußte beschließen, Subventionen an Organisationen und Beihilfen, die Gemeinden durch Verteilung von lr tat posten zugcbilligt werden, bis F.nde Februar 1932 nur bis zur Höhe von SO 0,1 auszuzahlen. Der Redner appellierte an die Verbandsabgeordiietcu, sich für die finanzielle Sicherstellung des Etats einzusetzen. Die General'Debatte wurde von R.-A. Ehrlich- Königsberg (lib.) cingclcitet, der beklagte, daß einzelne Großgemcinden die Umlagen für den Landesverband für das Jahr 1929 noch nicht erlegt haben. Ff begrüßte die im Haushaltsplan vorgesehene Erhöhung der־ Bei• Hilfen an leistungsschwache ׳Gemeinden־und förderte, •daß mit allem Nachdruck auf die Gewährung einer dem prozentuellem Anteil der judenheit an der Gesamtbevölkerung entsprechenden Subvention seitens des Staates hingearbeitet werde. Direktor Georg Kareski (Volksp.) erklärte, es sei leider nicht viel davon zu merken gewesen, dal! die .Vrrbandslcitung — wie dies Kamniergerir.htsrat Wolff ,־msgeführt habe — als Schützerin bedrohter jüdischer Rechte aufgetreten sei. Insbesondere wäre es Aufgabe des Landesveriiandes gewesen,'gegen die Verletzung jüdischer Grundinteressen durch eine Reihe von R c i c 11 s g c r i e 111 s 11 r t c i 1 e 11 zu protestieren. Von der vom Kammergerfchtsrat•Wolff geforeierten Tendenz zur Einigkeit und Gesamtvcj־antwortlichkeit ist in der liberalen Presse nichts zu merken gewesen. (Zwischenruf: Was haben denn Sie dazu getan?) Wir haben den Anschaumigen Andersdenkender immer Rechnung getragen. Wir haben die rechtliche Stellung der Rcformgemcinde verankert una zahlreiche liberale Forderungen erfüllt. Der. Streit: ״Volksgemeinde“ oder ״Religionsgemeinde“ muß endlich aufhören. Es liegen auch von liberaler Seite Anträge vor, die nicht in den Rahmen einer bloßen ,,Rcligionsgemeinde“ hineinpassen. Die heutige politische und wirtschaftliche Not ist kein vorübergehender Zustand, deshalb ist nicht ein Notetat zu beschließen, sondern eine Rationalisierung des gesamten jüdischen Lebens auf die Dauer anzustreben. Es ist fraglich, ob eine so arme Gemeinschaft wie wir sich den Luxus dreier Hochschulen und dreier Lehrerseminare erlauben darf. Auch das jüdische Vereinswesen muß rationalisiert und die UeberOrganisation, ebenso überflüssige Pressegründungen, bekämpft werden. Dagegen ist eine Kürzung der Subvention für die Sportbewegung ab/ulchncn. Die Erfassung der Jugend durch die jüdische Volksbewegung bietet die Gewähr dafür, daß es auch in hundert Jahren ein deutsches Judentum geben wird. Namens der Konservativen stellte Dr. H o r o v i 17 - Frankfurt a, M. fest, daß der Landesverband es bisher nicht vermocht habe, Popularität zu erlangen. Die Tätigkeit der jüdischen Kehillah werde durch den Aufgabenkreis einer bloßen ,.Religionsgemeinde“ nicht erschöpft, sei aber auch nicht die einer"Volksgemeinde. Das Judentum verdanke seine Erhaltung der Verwirklichung des jüdischen Gesetzes im Leben. Die Erriehfung jüdischer Schulen zur Vermittlung jüdischer und allgemeiner Bildung müsse mit Rücksicht darauf, daß das Bildung?- 'nive.au der jüdischen Bevölkerung auf dem Lande und in den Kleinstädten sfark gesunken sei, gefördert werden. Der antireligiösen Kampagne der Kommunisten müsse eine religiöse Propaganda cntgegengestcllt werden. Dr. lsmar Freund (Ueberpartcil. Vereinigung) befaßte sich11 ׳. a. mit den Schaclitverbotcn und den Partcikonstellationeu, die in verschiedenen Städten zu solchen Verboten geführt haben. Mit dem Wohlwollen der Behörden könne nicht gerechnet werden. Der Paritätsgedanke werde nur dort in Anwendung gebracht, wo er sich gegen die jüdischen Interessen auswirke. So sei es bezeichnend, daß nur für öS von 000 Gemeinderahbinern staatliche Beihilfen geleistet werden. Es gehe nur den Weg zur Selbsthilfe durch Ausbau der organisatorisehen Einrichtungen des Judentums. Während der nunmehr folgenden Rede des San.-Rat Dr. P e y scr (natioiialdeutseher Jude), der gegen die Forderung der'Volkspartei nach ״Umwandlung der Reiigjonsgcnieinde in eine Volksgemcinde*‘ polemisierte, kam es zu stürmischen Auf .tritten. Der Redner hatte erklärt, die Anhänger der Volkspartci seien ihrem eigenen Bekenntnis nach nicht Deutsche in dem Sinne wie die Anhänger seiner Richtung, was von den Vertretern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.